Stoffspielerei: Kopfputz (fast) 20er Jahre

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Strass, Federn, Haarreif, Chenille, Silbergarn – das sind die Zutaten für meinen Kopfputz passend zum Thema der heutigen Stoffspielerei* in der Faschingszeit. Gastgeberin ist Gabi von Made with Blümchen aus Graz. In Österreich ist der Faschingsdienstag wichtiger als der Rosenmontag, habe ich von ihr gelernt.

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Weil ich schon länger vom Kopfputzthema wusste, konnte ich es gleich für eine Mottoparty nutzen.  Kleiderordnung waren die 20er Jahre, Boheme. „Federn und Glitzer im Haar!“ dachte ich, ohne groß zu recherchieren, und suchte einen alten Haarreif heraus. Den umwand ich mit fransigen Kreppstoffstreifen, legte ein Stück Strassband und etwas weißes Chenillegarn auf. Die ganze Deko fixierte ich dann mit Silbergarn, in schmalen Abständen um den Reif herumgewickelt.

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Zum Schluss mit drangebunden sind eine antike altrosa Straußenfeder (?) und etwas dunkles Gefieder, das eher an eine Jagdmütze passen würde. Der Reif hielt den ganzen Abend gut. Leider habe ich keine richtigen Tragefotos, alles verwackelt.

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Der Look bestand aus schmalem schwarzen Abendkleid, Federboa und einem echt alten Morgenrock von meiner Großmutter, der so edel aussieht, dass er locker als Abendmantel durchgeht. Das Material ist schon sehr mürbe und reißt bei der kleinsten Belastung, aber das war mir egal. Was sollen all diese Dinge immer in Kisten herumliegen. Ist doch toll, dass meine Oma nun quasi auf einer Party in einem Berliner Restaurant war, auch wenn es ihr wohl etwas zu queer gewesen wäre.

morgen

Mein Look entsprach eher Fantasie-20ern, das war mir auch klar.  Erst nach dem Fest, von dem ich total begeistert war, fing ich richtig an, mich mit der Mode der Zeit zu beschäftigen. Erstes Fazit: Federn sind gar nicht so richtig 20er Jahre – zum Test habe ich die Jahrgänge der Berliner Leben durchgesehen. Federschmuck am Kopf fand ich nur bis 1919 (Revuegirls ausgenommen). Federboas gar nicht.

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An dem Abend hatten sich alle sehr viel Mühe mit ihrer Kleidung gegeben, der Ort war toll dekoriert- man trat ein, sah die weißgedeckten Tische, die geschmückten Menschen, weiße Hemdbrüste leuchteten, Perlenketten und Paillettenkleider glitzerten, viele schräge Boheme-Charaktere dazwischen.  Am Tresen eine Art Theo Lingen im Frack mit Monokel und Champagnerglas. Wie schön ist es doch, wenn sich alle wirklich feingemacht haben, wie viel herausragender wird das Ereignis!

Je mehr ich schaute, desto mehr fielen mir aber auch die auf, die sich (wie ich) in eine Art Klischee-20er gestürzt hatten, mit einer Fransenborte am Kleid und einer Indianerfeder im Stirnband. Dazu las ich bei den Partyveranstaltern Boheme Sauvage, was auf den Vintage-Festen unerwünscht ist: „kitschig glitzernde und geschmacklose Karnevalskostüme, Plastikartikel, schrille Perrücken, pinke Federboas und alles was der Zeit zwischen 1890 und 1930 ganz offensichtlich nicht angemessen ist. Wir apellieren ganz ausdrücklich an Ihren Sinn für Stil und Ästhetik. Auch das Tragen von offenem langem Haar ist leider in den Zwanziger Jahren absolut umodisch.“

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So ein Haarnetz wäre besser als ein Federreif gewesen! Ich finde es ja auch lustig, dass man bei 20er Jahre immer an die Flapper-Girls denkt, junge schicke und vor allem dünne Frauen. Wenn ich mir alte Fotos anschaue, dann finde ich fast nie solche Elfen – im Gegenteil, die meisten Frauen in den 20ern wirken sehr gestanden. Einen Ausdruck für Flapper-Girls gibt es auf Deutsch auch gar nicht.

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Jedenfalls weiß ich jetzt für meine nächste Boheme-Party sehr viel besser Bescheid, was Kleidung, Frisuren und Schminke und Nagellack angeht. Eine Federboa aus Hühnerfedern wie meine (erkennbar an den kleinen kurzen Federn) ist auch nicht so toll. Für Männer ist es ebenfalls nicht einfach. Zum Beispiel heißt eine Fliege nicht Fliege, sondern Schleife und muss auf jeden Fall selbst gebunden sein.

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Das Phänomen der Vintage-Parties erklärt eine Professorin in diesem Zeit-Artikel mit einer Reaktion darauf, dass wir uns inzwischen eher im Netz in Szene setzen. Die Straße ist anders als früher keine Bühne mehr ist. Anonymität und Unauffälligkeit sind wichtig, der Blick des anderen spielt in der Stadt keine Rolle mehr.

Demgegenüber zeichnet sich schon jetzt eine neue Sehnsucht nach geschützten analogen Öffentlichkeiten ab, in denen Mode kein Verstoß gegen den guten Ton ist. In größeren Städten sind historische Kostümfeste en vogue. Man kleidet sich im Stil der Zwanziger und agiert die Höflichkeitsformen und Manierismen versunkener Epochen aus.

Soweit für heute – vielen Dank an Gabi, die heute die Links sammelt. Schaut bei ihr vorbei – ich bin gespannt, was andere aus dem Thema gemacht haben.

Der nächste Termin ist der 26. März bei Karen, mit dem Thema: Shibori.

Schönen Sonntag allen, und ganz schnell noch ein Fund aus der Berliner Leben von 1926 (knüpft an den vorherigen Beitrag über Luises Halsbinde an) – in dieser Theaterszene ist Luise nämlich an ihrem Signature-Style-Kopfputz gut erkennbar:

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Die monatliche Stoffspielerei ist eine Aktion für textile Experimente. Sie ist offen für alle, die mit Stoff und Fäden etwas Neues probieren möchten. Der Termin soll Ansporn sein, das monatlich vorgegebene Thema soll inspirieren. Jeden letzten Sonntag im Monat sammeln wir die Links mit den neuen Werken – auch misslungene Versuche sind gern gesehen, zwecks Erfahrungsaustausch.

Stoffspielerei: Duftige Nachthemdpasse aus den 30ern

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„Handarbeiten, Freude bereiten“ steht auf diesem Anleitungsheft, Herausgeber ist der Reichsbund des Textil-Einzelhandels. Zitat von Seite 20: „Wir wollen Ihnen hier klar machen, wie leicht es doch ist, eine Hemdenpasse zu häkeln“. Fein, das passt gut zum heutigen Termin für die Stoffspielerei*.   Ines  von den Nähzimmerplaudereien hat das Thema “Ecken und Kanten” vorgegeben, bei mir wird also nun eine Passe als Ausschnittkante daraus. (Übrigens: Bei Wikipedia fehlt noch ein Artikel zum Thema Passe am Kleidungsstück, falls jemand Lust hat, sich darum zu kümmern.)

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So sieht das Häkelstück im Heft aus, an ein seidiges Hemd angenäht.

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Die Anleitung dafür ist erstaunlich einfach. Auf der Häkelgrafik stehen die Punkte für Luftmaschen und die Striche für Stäbchen, das Muster wiederholt man immer rundum von Reihe 1 bis zur Reihe 15.

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Die Reihe 15 habe ich leider nie erreicht, denn das schön alte cremefarbene Häkelgarn ging vorher aus und ich fand keins mit demselben Farbton, um weiterzumachen. Ohnehin muss das Original noch viel feiner gehäkelt sein als meins, denn meine Passe ist  größer geworden als in der Vorlage. Dennoch tränten meine Augen vor Anstrengung, mit der Nadel immer die kleinen Maschen zu treffen.

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Auf dem Blumenkleid wirkt der Häkelkragen zwar authentisch, aber auch ziemlich mopsig. Also habe ich ein Nachthemd genommen, dessen Ausschnitt schon ein bisschen durchgescheuert war.

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Die Passe passte gut hinein – mal sehen, wie es sich trägt. Laut Heft soll man lange Freude daran haben. „Obwohl sie so duftig aussehen, sind sie doch sehr dauerhaft und halten viele Wäschen aus.“

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Den Reichsbund des Textil-Einzelhandels gab es in den 1920er und 1930er Jahren. Angesichts der Mode tippe ich auf die 30er Jahre, aus der Zeit sind auch einige andere Zeitschriften, die bei dem Konvolut waren.

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Hat alles ein ziemliches Nazi-Feeling an sich, beim Nachhäkeln hatte ich ein mulmiges Gefühl. Das Frauenbild im Heft ist dementsprechend – Frauenfleiß eben, Mutters Nadel, Mutters Hände, Schönheitssinn und Ordnungsliebe. Wie ganz anders wirkte da noch kurz vorher die Berliner Frauen-Illustrierten von 1928,  hier schon einmal Thema – der gesellschaftliche Rückschritt kann schnell und extrem sein.

Auch Modedetails aus meinem Heft sind heute wieder aktuell, die klobigen schwarzen Schuhe zum Beispiel, oder die dicken Zopfsocken und das Teufelsmützchen.

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Die anderen Dinge – naja. Bei dem Strickkleid pillt es schon auf dem Foto so sehr, dass es gruselt. Und der Herrenpullover mit Logo könnte heutzutage als Nerd-Mode bzw. Geek-Chic wieder Abnehmer finden. Mädchen mit Hornbrillen und viel zu großen filzigen Mänteln vom Flohmarkt sind hier gerade Trend.

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Soweit für heute – vielen Dank an Ines, die die Links sammelt. Schaut bei ihr vorbei – ich bin gespannt, was andere aus dem Thema gemacht haben.

Im nächsten Monat, am 26.2. (der Sonntag vor Rosenmontag) ist das Thema “Kopfputz”, Gastgeberin ist Gabi von Made with Blümchen.

Nun bastle ich noch an einer anderen Kragenkante. Mal sehen, mit welchen der beiden Seidenstoffreste aus Japan ich die Bluse verschönere, ich kann mich noch nicht entscheiden. Schönen Sonntag allen!

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Die monatliche Stoffspielerei ist eine Aktion für textile Experimente. Sie ist offen für alle, die mit Stoff und Fäden etwas Neues probieren möchten. Der Termin soll Ansporn sein, das monatlich vorgegebene Thema soll inspirieren. Jeden letzten Sonntag im Monat sammeln wir die Links mit den neuen Werken – auch misslungene Versuche sind gern gesehen, zwecks Erfahrungsaustausch.

Stoffspielerei: Improvisation mit Stoffresten

Heute ist wieder Termin für die Stoffspielerei*,  Nahtzugabe ist mit dem Thema „Stoffreste“ Gastgeberin. Dafür habe ich zwei Quilt-Projekte aus meiner Funduskiste geholt.

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Vor Jahren schon wollte ich nach einem Quiltspotting (Quilts in Filmen) das Pineapple-Muster versuchen. Ausgehend von einem Quadrat näht man viele schmale Stoffstreifen abwechselnd über Eck. Ich habe mich für je eine Reihe bunte und eine Reihe dunkle Stoffstreifen entschieden.

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Wenn man es nicht so genau haben muss, kann man nach Augenmaß arbeiten und braucht nicht mehr groß nachzudenken.

Links die Variante fand ich nicht so gut, da waren mir die Streifen zu breit. Rechts gefällt mir aber, das wird nun auf das rote Kissen appliziert.

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Das freie Variieren eines Grundmusters führt mich zu einem tollen Buch, das ich sehr empfehlen kann:

Sherri Lynn Wood, The Improv Handbook for Modern Quilters. Sherris Improvisationsrezepte habe ich ja früher schon probiert (z.B.  Floating Squares oder Stimmungsquilt). Von damals stammen auch noch sehr viele Streifen aus Stoffresten. Ich hatte alle Reste nach Breite sortiert und dann jeweils zusammengenäht.

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Doch wie nun weiter? Ich nahm mir das Kapitel „Doodle“ aus Sherris Buch vor, da näht man Stoffstücke zusammen, als ob man bei einem Telefongespräch nebenher auf einen Block kritzelt. Irgendwo mit einer Grundform (Quadrat, Dreieck etc.) anfangen und dann intuitiv Teile daran setzen, mit anderen Grundformen variieren. Bei sehr bunten Stoffresten rät Sherri zu einem einfarbigen Stoff als Ergänzung.

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Daran habe ich nun eine halbe Nacht herumgekritzelt, und Ausschnitte finde ich auch ganz gut, aber ingesamt?

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Im Buch gibt es jedenfalls auch eine ganze Menge Motivation, nicht so streng mit sich zu sein und den inneren Zensor zu überwinden.

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Ich lasse das jetzt erst einmal liegen und schaue später wieder drauf.

Lucy hat sich ebenfalls mit Sherris Ideen beschäftigt, außerdem zeigt sie, wie man ganz schnell eine kleine Börse nähen kann – schaut mal nach, was sie und andere mit Stoffresten gemacht haben. Danke für das Sammeln der Links!

Weil die Sonntagstermine im Dezember so ungünstig liegen, ist die nächste Stoffspielerei erst wieder Ende Januar, am 29. 1. 2017. Dann ist Ines  (Nähzimmerplaudereien) mit dem Thema „Ecken und Kanten“ Gastgeberin – falls jemand von euch auch einmal einen Sonntagstermin übernehmen möchtet, meldet euch gern bei mir!

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Die monatliche Stoffspielerei ist eine Aktion für textile Experimente. Sie ist offen für alle, die mit Stoff und Fäden etwas Neues probieren möchten. Der Termin soll Ansporn sein, das monatlich vorgegebene Thema soll inspirieren. Jeden letzten Sonntag im Monat sammeln wir die Links mit den neuen Werken – auch misslungene Versuche sind gern gesehen, zwecks Erfahrungsaustausch.

Stoffspielerei und Goldstickerei mit Herbstblättern

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Den heutigen Sonnentag habe ich zum Sticken genutzt – passend zu Griseldas Stoffspielereithema „Blätter“.  Inspiration sollten die bunten Hamamelisblätter in meinem Garten sein, die sich in diesem Jahr besonders schön verfärbten. Früher waren sie schon einmal Teil der Serie Echt und Falsch mit dem Ratespiel, welches das echte Blatt ist, und welches aus Stoff und Farbe nachgemacht.

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Diesmal wollte ich aber auch gern das Thema Bouillondraht von der letzten Stoffspielerei wieder aufnehmen, denn inzwischen habe ich online Goldkantille zum Sticken mit einem Durchmesser von weniger als 1mm gefunden. Die ersten Versuche mit dem besseren Material waren nicht sehr befriedigend.

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Also lieber nicht flächig, sondern sparsam einsetzen:

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Das war der Stand der Dinge, als ich noch gutes Licht hatte:

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Später werde ich das Blatt ausschneiden und zu einer Brosche verarbeiten, das Ergebnis füge ich dann hier ein. (Anmerkung: In dem Blatt sind nicht nur Halbedelsteine verstickt, sondern auch Schnecken, eine halbe Bohne und zwei gefärbte Maiskörner).

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Nachtrag 15.11: So sieht es nun am Ende aus, die Bohne ist wieder rausgeflogen:

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Andere Blätterexperimente sind bei Machwerke zu sehen, vielen Dank für das Sammeln! Nächstes Mal, am 27. November,  ist Lucy/Nahtzugabe dran, sie hat das Thema „Stoffreste“ ausgesucht. Vielleicht sind ja Ideen für Weihnachtsgeschenke aus Stoffresten dabei?

Goldstickerei habe ich in New York bei Dolce&Gabbana auf einem Rock entdeckt, die ist auch nicht so kunstvoll wie die historischen Vorlagen und macht Mut, es weiter zu probieren.

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Ein ZiffernBLATT wäre ja auch ein gutes Thema für heute gewesen :)

Außerdem hier noch ein Foto von einer Zara-Jacke, die in Kapitänsmanier mit golden gestickten Sternen und Streifen benäht ist, Beweis für den Modetrend. (Aus der Haute Couture auch noch bei z.B. Burberry)

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Das nächste Mal melde ich mich wahrscheinlich mit dem druckfrischen neuen Buch – im Moment kämpfe ich noch damit, dass bei Amazon ein falschen Coverbild eingestellt ist. Also, falls alles gut geht, könnt ihr in wenigen Tagen das hier erwerben, so sollte es aussehen:

Am Rockzipfel

Drückt mir die Daumen! Alles sehr aufregend.

 

Stickversuche mit Bouillon – Stoffspielerei September

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Nein, hier geht es nicht um Brühe. Bouillon heißt auch eine Spirale aus Metalldraht, meist gold- oder silberfarben, die zum heutigen Stoffspielereithema* „Metallstickerei“ passt.

Vorbild für mein Projekt waren die Broschen von Macon et Lesquoy,  die sehr witzig und besonders sind.

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Es hat eine ganze Weile gedauert, bis ich wusste, wie diese Broschen gemacht sind. Bouillon, auch Kantille genannt, kennt man zum einen von Kirchenstickereien, zum anderen auch von Uniformabzeichen oder goldbestickten Fahnen. Auf Deutsch muss man dazu nach „Klosterarbeiten“ suchen, findet aber nicht viel. Eher wird man auf Englisch unter dem Stichwort „Goldwork“aufgeklärt. Bouillon ist nur eine von vielen Möglichkeiten in der Goldstickerei. An das originale Material heranzukommen ist ziemlich schwierig und kostspielig. Online gibt es unter dem Stichwort „Klosterarbeiten“ nur wenig Lieferquellen, und wenn man keine Ahnung hat, will man auch nicht blind irgendetwas bestellen.

In Sachen Bouillon entschied ich mich also lieber, beim Bastelkaufhaus Idee in der Floristenabteilung zuzugreifen, getreu dem Motto „If in doubt, try it out“, war auch nicht so teuer. (Entschuldigung an alle echten Klostersticker, die gerade schwer atmen). Laut Website soll man mit dem Spiraldraht wohl Blumen umwinden, naja.  Auf dem Foto scheint der Draht auseinandergezogen, in meiner Packung sieht er wie eine geschlossene Schnur aus.

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Was man sonst braucht (verfilzter schwarzer Wollrest, gold/silbergraues Garn, Stickrahmen), hatte ich hier. Besonders hilfreich war der Teppich als Unterlage, da rollt nichts weg, alles lässt sich gut mit der Nadel aufnehmen. Zuerst legt man die Umrandung an (bei mir Kettenstich), danach füllt man die Fläche mit kleinen Abschnitten des Spiraldrahts. Jeder Abschnitt sollte genau die richtige Länge haben, da gibt es sicher Tricks. Ich schnitt mit der Schere nach Augenmaß, was nicht so gut ist. Dann muss man die Spiralen nur noch über einen Nadel fädeln und wie eine Stabperle aufnähen. Geht ziemlich schnell und macht Spaß. Eigentlich muss das natürlich ganz fein und regelmäßig sein, mit meinem Blumendraht unmöglich. Besonders schlimm war der Silberdraht, der kam schon gequetscht und verzogen aus der Packung.

Später erinnerte ich mich an einen Weihnachtsanhänger aus London mit Goldstickerei. Im Vergleich kann man schön sehen, wie viel kleiner und dünner echter Bouillondraht ist. Der Schriftzug „St-Martins“ zum Beispiel besteht auch nur aus Spiralabschnitten.

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Meine zwei Anstecker finde ich so naja, wirken doch noch etwas militärisch bzw. baumschmuckmäßig. Sie landen wohl in der Verkleiden-Kiste. Die silberne Amöbe sollte eigentlich ein Mund mit Perlzähnen werden.

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Im Idee-Kaufhaus fiel mir auf, wie viele Stick- und Bastelpackungen (mit gar nicht mal so schlechten Projekten) es dort zu kaufen gab, das hat wirklich zugenommen. Ich kann das auch verstehen. Hätte es eine Stickpackung mit allem gegeben, was man für eine Brosche a la Macon et Lesquoy braucht, hätte ich sie gekauft. So aber scheue ich die Investition für das Grundmaterial. Bleibt dennoch im Hinterkopf! Diese Mütze von Schiaparelli hätte ich nämlich auch gern.

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Nun bin ich gespannt, wer noch etwas probiert hat (vielleicht auch mit Bouillon?) und freue mich, euch hier mit euren heutigen Beiträgen zu verlinken.

  • Nähzimmerplaudereien ist mit einem gekupferten Oktopus dabei
  • Bei Machwerk biegen Drähte warmen Filz zu einer sympathischen Ablage
  • Die Galerie der Handarbeiten präsentiert Kronkorken statt Shisha-Spiegelchen, sehenswert!
  • Karen häkelt mit Goldgarn und weiß noch viel mehr zur Geschichte der goldglänzenden Stickerei, Bouillon kommt auch vor!
  • 123-Nadelei hat sich vom Steampunk für einen Kragen inspirieren lassen und -wie andere – ziemlich mit dem Metallic Garn gekämpft.
  • Nahtzugabe zeigt, wie man Goldgarn auch ganz modern und effektvoll einsetzen kann

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Die monatliche Stoffspielerei ist eine Aktion für textile Experimente. Sie ist offen für alle, die mit Stoff und Fäden etwas Neues probieren möchten. Der Termin soll Ansporn sein, das monatlich vorgegebene Thema soll inspirieren. Jeden letzten Sonntag im Monat sammeln wir die Links mit den neuen Werken – auch misslungene Versuche sind gern gesehen, zwecks Erfahrungsaustausch.

Der Plan für die nächsten beiden Monate:

Sonntag 30. Oktober    Griselda / Machwerke zum Thema  „Blätter“
Sonntag 27. November   Lucy / Nahtzugabe, Thema folgt noch

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Stoffspielerei im Juni: Rundkissen mit Wechselrahmen

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Heute ist wieder Stoffspielerei* und Frifris  hat das Thema Löcher vorgeschlagen. Bei mir gibt es einen Kissenbezug mit Guckloch zu sehen. Dafür habe ich einen großen ‚Stoffbeutel‘ mit Tunnelzug genäht und ein altes rundes Daunenkissen hineingelegt.  Wird die Kordel im Tunnelzug  so eng wie möglich zugezogen, entsteht eine Art Bilderrahmen, hinter den man sehr gut andere Stoffwerke legen kann. Oben seht ihr als ‚Bild‘ das bestickte Tuch von der letzten Stoffspielerei, unten andere Ergebnisse früherer Stoffspielereien.

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Gestickte Würmer von 2013, unten pflanzengefärbten Stoffe von 2015.

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Weil alles so eng gestopft ist, verrutscht das Bild hinter dem Faltenrahmen auch nicht so leicht, aber ein Alltagsknuddelkissen ist es natürlich auch nicht, eher ein Rückenstütze. Ich mag es gern und freue mich über den Wechselrahmen.

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So sieht die Rückseite aus.

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Nun schicke ich den Beitrag schnell ab. Durch die lähmende Hitze hier in Berlin und die ganze Brexit-Misere war ich eigentlich zu nichts in der Lage, aber heute ist es wieder frisch und schön und alles wird besser.

Ich bin gespannt, was  Frifris und anderen zum Thema Löcher eingefallen ist. Vielen Dank für das Sammeln der Links, liebe Frifris!

Im Juli und August machen wir mit den Stoffspielereien Sommerpause. Wiederaufnahme ist dann am 25. September bei mir, Thema: Von Gold bis Blech – Metallstickerei. Wie immer ist das nur eine Inspiration, die ihr nicht so eng sehen müsst.   Wir freuen uns über jede Teilnahme!

Nachtrag: Made with Blümchen plant, in der Sommerpause  zwei ihrer offenen Stoffspielerei-Projekte fertigzustellen, sie würde sie an den letzten Sonntagen (am 31. Juli und 28. August) posten. Wollt ihr mitmachen? Dann meldet euch bei Made with Blümchen.

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Die monatliche Stoffspielerei ist eine Aktion für textile Experimente. Sie ist offen für alle, die mit Stoff und Fäden etwas Neues probieren möchten. Der Termin soll Ansporn sein, das monatlich vorgegebene Thema soll inspirieren. Jeden letzten Sonntag im Monat sammeln wir die Links mit den neuen Werken – auch misslungene Versuche sind gern gesehen, zwecks Erfahrungsaustausch.

SOMMERPAUSE

 

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Stoffspielerei im Mai: Spruchtuch für den Rechner

Karen hat für die heutige Stoffspielerei* das Thema “Schrift auf Textil” vorgeschlagen. Eine gute Gelegenheit, mal wieder Wörter auf Stoff zu sticken. Mein uraltes Notebook brauchte dringend ein Abdecktuch zum Schutz vor dem ganzen Blütenstaub, und auch als Pausenzeichen für mich, weil ich viel zu lang daran sitze.

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Da mein Bildschirm das Tor zur Welt des Wissens ist, saugt sich hier ein blauer Wasserfleck in den virtuellen Datenozean. Der Spruch von Ralph W. Sockman lautet

The larger the island of knowledge, the longer the shoreline of wonder

Auf deutsch „Je größer die Insel des Wissens, desto länger die Küste des Fragens“ hört sich blöd an, außerdem ist ‚wonder‘  noch mehr als Fragen, es ist auch Neugier, Staunen, sich wundern…  Also bleibt es bei der englischen Weisheit, die ich nur bestätigen kann. Je länger man Dinge recherchiert, desto klarer wird: Man kann nicht viel wirklich sicher wissen.

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Den Spruch verdanke ich einem Twitterfund

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Dazu muss man wissen, dass die Wendung ‚lasse ich mir auf ein Kissen sticken‘ im Internetsprech nicht wörtlich gemeint ist.  Hier ist vielmehr eine neue Redensart entstanden, die zwar eine Aussage betonen will, gleichzeitig aber auch eine ironische Distanz zu eventuell gefährlich seichten Sinnsprüchen ausdrücken soll.

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Die gestickten Volksweiheiten, die vor hundert Jahren in vielen Haushalten auf Kissen und Tüchern als Deko drapiert wurden, gelten auch heute noch als Ausdruck von Biederkeit und Spießigkeit, ihre Herstellung als Symbol der Frauenunterdrückung. In den letzten Jahren haben sich mehrere Ausstellungen  (gerade vorbei in Unna, früher im Frauenmuseum Hitisau)  diesen Tüchern gewidmet. Gleichzeitig haben subversive Versionen einer jungen Stickereiszene  vor allem im englischsprachigen Ausland mit dem Bieder-Image gespielt.  In dem Fahrwasser ist ja vielleicht möglich, heute mal wieder ganz unideologisch seinen Arbeitsplatz zu verschönern.

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Zum Technischen: Gestickt habe ich mit Sashikofaden in Steppstich, wie immer lässig-fahrlässig unregelmäßig.  Und wie immer beim Sticken von Buchstaben ist das Problem die Vorlage. Der Kreidestift hielt natürlich auf dem Stoff nicht gut und eine Fixierung mit Haarspray machte die Schriftzüge noch unsichtbarer. Am Ende musste dann eine handschriftliche Vorlage auf Papier als grobe Orientierung ausreichen. Bei soviel Freiheit war es natürlich leicht, sich zu verschreiben – auf dem Foto steht noch coastline, aber shoreline ist schöner, also musste der Faden wieder raus. Die Bienenwachskerze (Grundschulweihnachtsfeierbastelei) dient zum Wachsen des Stickfadens, damit er sich nicht so leicht verknotet.

Schmucktücher zum Verdecken habe ich auch geerbt. Eins hängt bei uns in der Küche über den Kühlschrankzetteln. Ich finde es sehr schön, auch wenn der Spruch nicht das geringste mit der Kochweise in diesem Hause zu tun hat. (Beim Anblick der leeren Flensburger-Alkoholfrei Flasche möchte ich übrigens anprangern, dass hier in Berlin immer weniger Geschäfte dieses einzige – neben Jever Fun – genießbare alkoholfreie Bier führen. Was soll das? Das geht nicht.)

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Wer noch ältere Stoffspielereien mit Schrift auf Stoff  sehen will, kann ja unten in den früheren Beiträgen weiterklicken.

Ansonsten nun schnell weiter zu Karen, die poetisch mit Bleiche experimentiert und am Ende ganz wunderbar mit Klebstoff geschrieben hat, das müsst ihr euch ansehen. Vielen Dank  für das Linksammeln, liebe Karen !

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Stoffspielerei im Dezember: Gequiltete Schrift

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Gästebuch auf Tuch bei Monogramme und Namen sticken

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Stoffspielerei: Spruchtuch kinderleicht?

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Vormerken: Der nächste Termin für die Stoffspielerei ist Sonntag, der 26. Juni 2016 bei Frifris, Thema „Löcher“

danach ist SOMMERPAUSE

Wiederaufnahme voraussichtlich am 25. September bei mir, Thema: Von Gold bis Blech – Metallstickerei

 

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Stoffspielerei im April: Plisseeee

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Lucy  von Nahtzugabe hatte für die heutige Stoffspielerei* das Thema Plissee vorgeschlagen.  Dazu war ich erst einmal ratlos. Schließlich braucht man für Plissee eigentlich eine Profimaschine und Profischablonen. Nicht weit von mir liegt eine der wenigen Plisseebrennereien Deutschlands, die Firma Gießmann. Mehrere Zeitungen berichteten bereits darüber, zum Beispiel hier: „In kunstvolle Falten gelegt„.  Die Pappschablonen werden offenbar per per Hand gefaltet – das kommt für mich nicht infrage. Wie kann das regelmäßig werden?

Zum Glück  fand ich in Reclams Mode- und Kostümlexikon beim Eintrag zu „Plissee, das (von frz. pli ‚Falte‘)“:

…. Sehr fein und regelmäßig plissiertes Leinen grub man in Birka, dem schwedischen Handelszentrum (ca. 800-975) der Wikinger, aus. Da die Falten rund sind, wurde wahrscheinlich das Plissee durch Einnähen und Zuziehen von Fäden erreicht, die man nach dem Waschen und Trocknen des Stoffs wieder entfernt hat.

Also machte ich es wie die Wikinger und zog Nähgarn durch einen abgeschnittenen Hemdärmel.

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Natürlich rissen einige dieser Fäden beim Zusammenziehen, was bei solchen Projekten ein SUPERGAU ist. Daher: Für so etwas IMMER festen Zwirn nehmen, auch wenn man gerade zu faul ist, welchen zu suchen.

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Nun hatte ich mein kleines Faltenpaket, aber wie weiter?

Ich fand dieses französische Video über einen Plisseur und  lernte, dass meine Baumwolle nur gefaltet bleiben wird, wenn ich sie niemals wasche. Monsieur Lognon der Plisseur rät zu Kunstfaser wenn das Plissee waschbar sein soll, sonst ist es nach der Wäsche dahin,  sinon, c’est foutu.

Einen Dampfschrank wie die Profis hatte ich natürlich nicht, aber  früher wurde einfach über einem Kochtopf im Wasserdampf fixiert, das versuchte ich dann auch. Das Päckchen eine Stunde im Sieb über leicht köchelndem Wasser durchziehen lassen, dann über Nacht langsam trocknen .

Am nächsten Morgen war ich nach dem Heraustrennen der Fäden angenehm überrascht.

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Das gefällt mir wirklich gut. Ich könnte noch eine zweite Manschette plissieren und beide mit Knöpfen um die Handgelenke herum verschließen (am besten einfach die festen Manschetten von einem Oberhemd abschneiden und das Plissee aufapplizieren).

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Mit Waschbarkeit ist es dann auch nicht so ein Problem, man könnte Flecken vorsichtig per Hand austupfen. Als Kragen oder Jabots könnte ich mir so ein Plissee auch gut vorstellen.

Ein bisschen erinnert mich mein Ergebnis auch an dieses Brillenetui, das ich schon vor ein paar Jahren einmal bezogen habe – das sind unregelmäßig abgenähte Falten.

2016-04-23 22.02.13 Das Innere ist ein Schnappetui mit Werbeaufdruck vom Optiker. Wie das ganz einfach zu beziehen ist habe ich bei diesem Brillenetui  einmal gezeigt.

Nun schnell weiter zu Lucy  von Nahtzugabe von der ich weiß, dass bei ihren Vorbereitungen ein Backofen eine Rolle spielte, das ist spannend!  Vielen Dank an Lucy für das Linksammeln.

Ich werde mir auch alles ansehen, aber das Kommentieren bei Blogspot-Blogs ist inzwischen für Externe so frustierend, daß mein Duchhaltevermögen dafür vielleicht nicht reicht.

NACHTRAG: Christoph hat in den Kommentaren darauf verwiesen, dass Kleidung um 1800 zum Waschen die Falten wieder mit (wenigen) Fäden fixiert hat, das hat gut geklappt.

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Vormerken: Der nächste Termin für die Stoffspielerei ist Sonntag, der 29. Mai 2016 bei Karen mit dem Thema “Schrift im/in/auf Textil”.

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Die monatliche Stoffspielerei ist eine Aktion für textile Experimente. Sie ist offen für alle, die mit Stoff und Fäden etwas Neues probieren möchten. Der Termin soll Ansporn sein, das monatlich vorgegebene Thema soll inspirieren. Jeden letzten Sonntag im Monat sammeln wir die Links mit den neuen Werken – auch misslungene Versuche sind gern gesehen, zwecks Erfahrungsaustausch.

Der Plan für die nächsten Monate, kurzfristige Terminänderungen sind möglich:

26. Juni Frifris, Thema „Löcher“

SOMMERPAUSE

Wiederaufnahme voraussichtlich am 25. September bei mir, Thema: Von Gold bis Blech – Metallstickerei

 

 

Stoffspielerei im März: Verschlungene Metiers de Bunt

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Frohe Ostern!

Achtung, es wird bunt hier.

Griselda von Machwerke hat für die heutige Stoffspielerei* das Thema „Verschlungen und verflochten“ vorgeschlagen.

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Und ich habe mich zu diesem Anlass an zwei Baustellen gesetzt, die mich schon länger interessieren: Armbänder aus verflochtenen Jerseystreifen und Borten in Chanel-Optik. Beides liegt nah zusammen, so dass ich beim Machen nicht aufhören kann, Techniken und Materialien zu kombinieren. Wolle, Baumwolle, Seidenstreifen, Glitzergarn, Perlen, Kettenreste, Fransen, Federn – das alles dann gehäkelt, geflochten, verknüpft und durchgezogen.

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Die Basis ist zum einen ein Art gehäkelte Kordel, für die es auf Youtube unter dem Stichwort „Romanian Point Lace“ Anleitungen gibt. Diese Häkelborte, die eher wie Macramee wirkt, ist gut für Kombinationen geeignet. Durch Schlaufen an beiden Kanten und in der Mitte lassen sich Fäden oder Stoffstreifen einfach mit einer Stopfnadel durchziehen.

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Zum anderen gibt Jerseyband aus zerschnittenen Shirts eine gute Grundkonstruktion für Armbänder. Durch den Stretch (je mehr Lycra desto besser) braucht man eigentlich keinen Verschluss. Gedehnte Jerseystreifen rollen sich selbständig ein und können dann gehäkelt oder verflochten werden. Die Inspiration dafür kommt von Gudbling. Die Armbänder dort haben mir schon immer gut gefallen, mir ist nur zu viel Metall daran. Ohne Metall sieht es dann aber schnell wie ein Strumpfband aus.

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Und das ist das Problem: Bisher habe ich noch nichts erreicht was die Tragbarkeit angeht.

Als Borten wäre es schon schön, wirkt aber dann doch schnell tantig, eben chanellig.

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Oder es ist mir zu folkloristisch-brav, aber das liegt eher daran, dass man für geniale Kombinationen eben genial sein muss.

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Da kann man noch so Stundenlang die ganzen Making-Of Videos bei Youtube aus den Modehäusern ansehen (nicht nur Chanel, auch Dolce&Gabanna, Valentino und viele andere schwelgen zur Zeit in Opulenz).

Karl Lagerfeld zeigt seit 2002 spezielle Metiers d’Art Kollektionen, bei denen Handwerk die Hauptrolle spielt. Üppige Stickereien,  Kunstwerke aus Federn, Plissees, Leder und Metall. Chanel hat inzwischen viele traditionsreiche Manufakturen übernommen und rettet damit alte Handwerkskünste vor dem Aussterben. „Während es ein Überangebot an jungen Designern gibt, sind die Handwerker, die die Entwürfe in Kleider umsetzen können, selten geworden – und kostbar.“ heißt es in dieser Zeit-Reportage aus dem Atelier Chanel von 2010. „Viele besinnen sich derzeit auf ihre Traditionen, in ihren Kampagnen erinnern sie gern an Gründungsmythen oder althergebrachte Herstellungsweisen. Das Handgemachte, das Beständige gilt wieder als hohes Gut.“

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Laut französischer Vogue von November 2015 gehören jetzt 11 Firmen zum Metiers d’Art Netzwerk. Schuhe, Schmuck, Hüte, Plissee, Stickereien, Handschuhe, Blumen, Federn, Pullover von einer schottischen Werkstatt – Lagerfeld kann aus dem Vollen schöpfen.

Der Zeit beschrieb Lagerfeld die neuen Kundinnen, die Einzigartiges wollen: „Heute sind das junge Frauen aus allen Teilen der Welt, von Afrika bis Südamerika, China, Korea, die kommen und kaufen 20 Kleider. Obwohl – die kommen gar nicht mehr, die lassen kommen: Die probieren die Sachen gar nicht an, die lassen sie sich im Privatjet nach Hause fliegen.«  …  Früher sei Haute Couture etwas gewesen für »dicke Damen, die nichts fanden, die mussten sich die Dinge anfertigen lassen«. Die neuen Kundinnen aber seien »Frauen, die die gleiche Figur haben wie die Mannequins«.

Darauf einen Kaffee mit Stuten und schnell weiter zu Griselda, wo ihr sicher sehr viel brauchbarer Verschlungen und Verflochtenes findet. Schaut mal vorbei! Vielen Dank an Griselda für das Linksammeln.

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Vormerken: Der nächste Termin für die Stoffspielerei ist Sonntag, der 24. April 2016.   Lucy von Nahtzugabe wird dann Beiträge zum Thema Plissee sammeln.

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Die monatliche Stoffspielerei ist eine Aktion für textile Experimente. Sie ist offen für alle, die mit Stoff und Fäden etwas Neues probieren möchten. Der Termin soll Ansporn sein, das monatlich vorgegebene Thema soll inspirieren. Jeden letzten Sonntag im Monat sammeln wir die Links mit den neuen Werken – auch misslungene Versuche sind gern gesehen, zwecks Erfahrungsaustausch.

Der Plan für die nächsten Monate, kurzfristige Terminänderungen sind möglich:

24. April bei Nahtzugabe, Thema “Plissee”
29. Mai bei Karen , Thema “Schrift im/in/auf Textil”
26. Juni Frifris

 

Stoffspielerei: Tuch wird zu Rock und Schal zu Bolero

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Heute bin ich mit der monatlichen Stoffspielerei*  dran. Als Thema hatte ich mir Es war einmal ein Tuch ausgesucht und hier auch schon ein paar Tipps dazu gegeben.

Zunächst meine eigenen drei Beiträge, weiter unten dann die Links zu den anderen Teilnehmerinnen.

 1.  Zwei Seidentücher werden zu einem Rock gewickelt

Nix aufregendes, Sarong-Prinzip mit zwei Tüchern, aber es funktioniert. Ich bin schon einen ganzen Tag mit der Wickelei herumgelaufen, es sitzt und hält gut. Unten drunter trage ich einen schwarzen Strickrock. Da die beiden Tücher nur geknotet werden, konnte ich gefahrlos die besten Stücke aus meinem Lager vitalisieren. Ein Hermes-Tuch und ein Tuch von Fabric, beide schon mindestens 20 Jahre alt, .

Das Hermes-Tuch hält zusammengedreht als Bündchen die rechteckige Stiefmütterchen-Seide, wird einmal um die Taille geschlungen und mit dem anderen Zipfel des Rockteils verknotet. Ich freue mich, das schöne Blumentuch nun so einsetzen zu können. (Und habe nun außerdem einen ähnlichen Look wie ich ihn vor Jahren schon bei Lucys Digitalprint schön fand).

2. Schal wird zu Bolero

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Sehr gut gefällt mir auch dieser Bolero/Shrug/Leibwärmer, keine Ahnung, wie man so etwas nennt. Das ist eigentlich ein sehr schöner schwerer Schal aus Norwegen. Zu schade, um nur im Schrank zu liegen. (Ich trage generell wenig Schals und Tücher und komme damit nicht klar, aber das Fass will ich hier nicht aufmachen.)  Lieber meine Entdeckung teilen: Wenn man das Prinzip verstanden hat, kann man sich in 10 Minuten ein Leibchen winden und mit ein paar Stichen fixieren. Der Ablauf ist eigentlich einfach, aber schwer zu erklären. Den Schal (240 x 20 cm) dreht man in sich und schließt ihn an den schmalen Enden zu einem Ring, siehe zweites Foto unten.

Über die Schultern gelegt und vorn gekreuzt, fixiert man mit einer zweiten Naht auf dem Rücken das Oberteil am Unterteil (auf den Fotos mit einer Klemme markiert). Das war es eigentlich schon :-), aber dafür braucht es wohl besser eine Animation oder ein  Video. Ich habe es mir selbst ausgetüftelt, vielleicht gibt es das schon irgendwo erklärt?

3. Tuch auf Pullover

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Das aufwendigste Projekt, ein Tuch auf einem Pullover appliziert, ist eher ein Flop. Eben weil bei mir Tücher immer verrutschen und mich stören, wollte ich den Farbtupfer mit dem Pullover verbinden. (Eine ähnliche Idee hatte ich hier verfolgt). Also nähte ich den Schal fein gefältelt fest, was ein langwierige Arbeit war. So richtig überzeugt mich das Ergebnis nicht. Es „trägt auf“, sieht in echt komisch aus und nervt.

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Das Tuch ist mit einer Hochhausfassade bedruckt und wurde vor Jahren an einem Stand auf der Textile Art verkauft. Den Druck finde ich wirklich toll. Wahrscheinlich löse ich alles wieder vom Pullover und mache etwas anderes damit.

Das wars, jetzt seid ihr dran. Hier nun andere Stoffspielereien:

  • Beswingtes Allerlei hat den heutigen Termin zu Anlass genommen, ein Motto-Tuch in eine Gertie-Bluse umzuwandeln und erzählt die schöne Geschichte, warum auf Mehlsäcken in den USA manchmal Schnittmuster aufgedruckt waren.
  • Bei Susanne von Nahtlust freut sich ein Schal darüber, dass er jetzt eine Schachtel ziert.
  • Christine hat zwar kein aktuelles Werk, aber früher einmal aus Coupons für Seidentücher Blusen gemacht, hier und hier.
  • Bei Creatures and Creations ist ein Geschirrtuch jetzt ein Homunkulus – auch eine gute Idee für Monogramm-Würdigung auf alter Wäsche.
  • Jahreszeitenbriefe trägt gern Tuniken aus zwei Batist-Batiktüchern, hier ein Beispiel.
  • Karen macht einen Ausflug in die Geschichte des Taschentuchs und näht aus einem Kunstseidenschal einen Wäschebeutel.
  • Siebensachen hat schon mehrmals Tücher verarbeitet, inklusive Fransenkantenverwertung.
  • Mirellchen ist auf Furoshiki gekommen – Stoffspielerei mit Knoten.
  • Griselda rettet ein Kashmirtuch aus der Mottenkiste mit dem hier wieder wirklich wahren Motto: Viel hilft Viel.
  • Judika findet in ihrem Zimmer mehrere Tuchverwertungen, unter anderem ein Bild, das im Sommer wieder zu einem Pareo werden kann.
  • Siebenschön hat nach ein bisschen schneiden und nähen nun eine Jacke – das erste Tuch, das für sie tragbar ist.
  • 123-Nadelei zeigt, wie man ein Tuch als Kragen und Ärmelabschluss intregiert und richtig gut in Szene setzt.

 

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Vormerken: Der nächste Termin für die Stoffspielerei ist Sonntag, der 27.  März 2016.   Griselda von Machwerke wird dann Beiträge zum Thema Verschlungen und Verflochten sammeln.

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*  Die monatliche Stoffspielerei ist eine Aktion für textile Experimente. Sie ist offen für alle, die mit Stoff und Fäden etwas Neues probieren möchten. Der Termin soll Ansporn sein, das monatlich vorgegebene Thema soll inspirieren. Jeden letzten Sonntag im Monat sammeln wir die Links mit den neuen Werken – auch misslungene Versuche sind gern gesehen, zwecks Erfahrungsaustausch.

Der Plan für die nächsten Monate, kurzfristige Terminänderungen sind möglich:
27. März bei Griselda, Thema “Verschlungen und verflochten”
24. April bei Nahtzugabe, Thema “Plissee”
29. Mai bei Karen , Thema “Schrift im/in/auf Textil”