Textilbuch à la Louise Bourgeois – mit Seiten für die Stoffspielerei Juni

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Sieht das nicht ein bisschen aus wie gezeichnet? Mit schwarzem Stift schraffiert? Ist aber ein Gewebe, ein Rest Netz, auf Nessel appliziert. Das schwarze Schleierstück stammt aus einem alten Kleiderkoffer.

Weil Lucy/Nahtzugabe für die Stoffspielerei* im Juni das Thema „Schwarz und Weiß“ ausgesucht hatte, war die Suche im Fundus schön beschränkt. (Und es stellte sich heraus, dass ich gar nicht so viel schwarzes Material habe wie gedacht, mir liegen wohl eher die Zwischentöne.)

Mit dem Schleierstück entstehen dann auch gleich Zwischentöne.  Man könnte damit noch viel mehr machen, die „Schraffur“ zum Beispiel in Richtung einer Zeichnung manipulieren.

Karierter Cord war auch in der Restekiste, diese Zusammenstellung ist direkt angelehnt an ein Blatt aus dem Stoffbuch  Ode à l Oubli (Ode an das Vergessen) von Louise Bourgeois.

Zu Louise Bourgeois Textile Works könnt ihr bei früheren Stoffspielereien einiges nachlesen, meine Sammlung eigener Buchblätter von 2015 erweitert sich.

Dieses bestickte Stück überzeugt mich noch nicht, etwas fehlt. (Der Kreis war ein Stück Flicken für eine Barbour-Jacke, riecht ziemlich streng nach Wachs – unfotografierbar).

Hier die vier neuen Seiten zusammen (das Blau stammt von der letzten Stoffspielerei).

Noch ist das Buch provisorisch zusammengeklammert, aber da fällt mir sicher irgendwann etwas Schöneres ein. Auch für eine praktische Hängung braucht es eine Lösung, vielleicht mit Knöpfen an ein Band oder auf einen Wandbehang gesteckt.

Die Spielereien mit Streifenstoffen sind bei breiteren Streifen gar nicht so einfach, da muss man doch etwa exakter arbeiten.

Jedenfalls macht es großen Spaß, ganz in Ruhe an den kleinen Stoffcollagen zu arbeiten, Slow Stitch im besten Sinne.

Danke an Lucy für das Thema und das Linksammeln! Bei ihr findet ihr einen tollen gestickten Schriftzug und weitere Schwarz-Weiß-Beiträge der anderen Teilnehmer.

Im Juli/August macht die Stoffspielerei  Sommerpause, die nächstes Termine sind im Herbst:

Sonntag 24. 9. –  Siebensachen, Thema: Von der Natur inspiriert

Sonntag 29. 10. –  123-Nadelei, Thema: Fäden auf Farbe


*Die monatliche Stoffspielerei ist eine Aktion für textile Experimente. Sie ist offen für alle, die mit Stoff und Fäden etwas Neues probieren möchten. Der Termin soll Ansporn sein, das monatlich vorgegebene Thema soll inspirieren. Jeden letzten Sonntag im Monat sammeln wir die Links mit den neuen Werken – auch misslungene Versuche sind gern gesehen, zwecks Erfahrungsaustausch.

Versuch, die Schönheit alter Jeans zu sehen (Stoffspielerei Mai)

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Bademöglichkeit am stillen See. Dank des sommerwarmen Maiwochenendes und guter Freunde mit Datsche kann ich ganz in meine Lieblingsfarbe eintauchen. Dazu passt Griseldas Thema für die Stoffspielerei* im Mai: „Blau in allen Schattierungen – Von Denim inspiriert“. Weil mir das verwaschene Jeansmaterial stellenweise wie gemalt vorkommt, habe ich ein bisschen experimentiert.

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Griselda zeigt in ihrem Beitrag schön, welches Potential in den unterschiedlichen Kett- und Schussfäden liegt. Sie hat sich den Franseneffekt für ein tolles Kleid zunutze gemacht. Bei mir werden vielleicht Gräser oder Bäume daraus. Das verwaschene Indigo ergibt aufgetrennt dann Shibori-Effekte.

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Die Fäden lassen sich auch leicht kontrolliert herausziehen, die Hohlräume mit neuem Material durchweben, wie zum Beispiel einer Kiefernnadel:

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Solche Löcher sehen nach dem Waschen bestimmt noch viel besser aus.

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Bei dieser Struktur denke ich an einen dunklen Teich oder auch einen Himmel mit Regenwand. Für den Vordergrund machen sich Taschenbeutel flach.

Welches Jeansstück es an die Wand geschaft hat, könnt ihr euch wahrscheinlich denken.

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Ich hoffe aber, man vergisst das Hosenbein und denkt eher an ein Aquarell. (Hätte ich auch im Programm, ist aber schon bald zehn Jahre her, Ostsee mit Gewitterwand. )

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Mit den ausgezogenen Fäden kann man schön herumspielen, da weiß ich aber noch nicht, was ich davon halte.

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Kultur-Quizwissen nachzuschieben erspare ich mir, es ist einfach zu schön draußen. Wahrscheinlich wisst ihr ohnehin schon längst, woher die Worte Denim und Jeans kommen und wie lange es den Stoff schon gibt. (Oder ich füge es noch an, sollte der Sonntag weniger strahlend enden als er angefangen hat).

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Andere Jeansexperimente sind bei Machwerke zu sehen, vielen Dank für das Sammeln! Nächstes Mal, am 25. Juni,  geht es schon wieder um Farben. Lucy/Nahtzugabe hat das Thema „Schwarz und Weiß“ ausgesucht. Da mache ich vielleicht gleich weiter mit meinen kleinen Bildern.

Nächste Termine Stoffspielereien:
Sonntag 25. 6. –  Nahtzugabe, Thema: Schwarz und Weiß

Juli/August    Sommerpause

Sonntag 24. 9. –  Siebensachen, Thema: Von der Natur inspiriert

Sonntag 29. 10. –  123-Nadelei, Thema: Fäden auf Farbe


*Die monatliche Stoffspielerei ist eine Aktion für textile Experimente. Sie ist offen für alle, die mit Stoff und Fäden etwas Neues probieren möchten. Der Termin soll Ansporn sein, das monatlich vorgegebene Thema soll inspirieren. Jeden letzten Sonntag im Monat sammeln wir die Links mit den neuen Werken – auch misslungene Versuche sind gern gesehen, zwecks Erfahrungsaustausch.

Tambourstickerei: So verbreitet wie unbekannt (Stoffspielerei im April)

Heute sammle ich für die Stoffspielerei* eure Beiträge zum Thema „seltene Techniken“. Zuerst zeige ich meine Idee, dann folgt die Linksammlung.

Meine Technik ist gar nicht so ungewöhnlich, es ist sogar sehr wahrscheinlich, dass ihr selbst etwas besitzt, das mit der Tambourtechnik bestickt ist. Seit ich mich damit beschäftige, fällt mir der Stich überall auf.

Die Kissen oben sind kein Patchwork, sondern gestickt, ebenso wie die bunten Streifen unten. Eigentlich sind das lauter Reihen in Kettenstich. (Nachtrag: Hier wahrscheinlich maschinell, mit der Kettenstichmaschine).

„Tambour“ hängt mit dem Wort Tamburin zusammen – der Stich erfordert es nämlich, dass man den Stoff stramm in einen Rahmen spannt, straff wie bei einer Trommel. Die Haute-Couture Stickateliers wie Lesage benutzen diese Technik (auf Französisch auch genannt Lunéville). Ebenso gehen die Stickwerkstätten vor, die in Indien und anderswo Stoffe mit Mustern, Perlen und Pailletten versehen (Aari genannt). Dennoch ist es schwer, auf deutsch darüber Informationen zu finden oder im Inland dazu Werkzeuge zu kaufen.

Man braucht nämlich eine spezielle Nadel, eine Tambournadel (eigentlich eine sehr feine und spitze Häkelnadel). Mit der sticht man von oben durch den gespannten Stoff, nimmt unten den Faden auf und zieht ihn nach oben, wiederholt das Ganze in Abständen. Es entsteht eine Schlaufenreihe, ein Kettenstich, man häkelt quasi durch den Stoff hindurch. Idealerweise kommt man mit der Tambournadel sehr viel schneller voran als nur mit einer Sticknadel.

Tja, idealerweise.

Für meine Versuche auf einem improvisierten Rahmen habe ich Ewigkeiten gebraucht. Das einzige, was irgendwann wirklich schneller ging, waren gerade Reihen. Ansonsten blieb die Nadel ständig entweder im Faden oder im Stoff hängen, es war eine einzige Prökelei. Wie ich las, muss man in den Pariser Profiwerkstätten erst einmal 1 – 2 Jahre üben, ehe man an die richtigen Stücke heran darf.

Unten ein Stück Baumwollnessel im Stickrahmen – mit einer Klemme am Tisch befestigt, so dass man beide Hände frei hat, die Nadel und den Faden zu führen. Ich habe schnell aufgegeben, der Stoff war viel zu fest und das Muster zu kompliziert.

Links auf dem Tisch ein Stück, das sich schon vorher mit der Hand bestickt hatte – das dauerte ebenso lang wie mit der Tambournadel und war befriedigender, weil es störungsfreier voranging.

Mein Nadelset ist von Lacis und hat drei auswechselbare Spitzen. #70 (fine) für hauchdünnes Garn und kleine Perlen geeignet. #90 (medium) passte zu normalem Seidennähgarn und Pailletten.

Für dickere Garne war der Nadelaufsatz #120 (large) gedacht, allerdings reichte der auch nur bis hin zu dünnerem Häkelgarn Nr. 50 und 20 (damit sind die Blumen unten gestickt).

Wer es einfach mal ohne große Vorbereitung probieren möchte, nimmt sich eine Häkelnadel und einen locker gewebten oder netzartigen Stoff. Das Grundprinzip, wie man die Schlaufen durch den Stoff häkelt, lernt man so viel leichter.

Ich hätte besser erst einmal auf diese einfache Art angefangen – die beiden Häkelnadeln flutschen leicht durch den Stoff und man kann sich auf die Drehung der Nadel unter dem Rahmen konzentrieren.

Links zu Youtube-Videos, falls ihr es wie die Profis probieren wollt:


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Soweit meine Versuche, nun zu anderen und ihren Ideen!

Ines von den Nähzimmerplaudereien hat Sashiko probiert.

Griselda/Machwerk trägt jetzt Gobelinreste.

Christiane von Schnitt für Schnitt zeigt besondere Smokvarianten, man denkt an Wellen und Origami.

Karen hat mit der Kleistertechnik nicht auf Papier, sondern auf Stoff gedruckt.

Bei Siebensachen zum Selbermachen geht es nach Korea, zum Patchwork genannt Jagakbo oder Pojagi.

Annelies scheitert mit Brettchenweben, was in ihrem Fall durchaus verständlich ist.

123-Nadelei konnte gar nicht mehr aufhören, aus Stoffresten flirrende Chenille-Raupen zu nähen und zu schneiden.

Bei Made with Blümchen geht es um ein Reise-Klöppelkissen – ist doch wunderbar, was man alles so braucht.

In Marys Kitchen ist heute auch noch ein Pojagivorhang entstanden – inklusive Rolltuchelemente.

Nahtzugabe wickelt immer noch an einer Rope-Bowl, nach einer Anleitung von 1960.

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Das sind ja schon wirklich viele interessante Dinge zusammen gekommen, ich freue mich! Meldet euch in den Kommentaren, falls ich euch auch noch verlinken soll.

Das Thema ist eine Wiederholung, ihr könnt hier entlang, auch gern schauen, was damals dabei war.


 

Nächste Termine Stoffspielereien:

28.5. Griselda, Thema: Jeans: Blau in allen Schattierungen
25.6. Nahtzugabe, Thema: Schwarz und Weiß
Juli/August    Sommerpause

 

*Die monatliche Stoffspielerei ist eine Aktion für textile Experimente. Sie ist offen für alle, die mit Stoff und Fäden etwas Neues probieren möchten. Der Termin soll Ansporn sein, das monatlich vorgegebene Thema soll inspirieren. Jeden letzten Sonntag im Monat sammeln wir die Links mit den neuen Werken – auch misslungene Versuche sind gern gesehen, zwecks Erfahrungsaustausch.

Stoffspielerei: Kopfputz (fast) 20er Jahre

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Strass, Federn, Haarreif, Chenille, Silbergarn – das sind die Zutaten für meinen Kopfputz passend zum Thema der heutigen Stoffspielerei* in der Faschingszeit. Gastgeberin ist Gabi von Made with Blümchen aus Graz. In Österreich ist der Faschingsdienstag wichtiger als der Rosenmontag, habe ich von ihr gelernt.

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Weil ich schon länger vom Kopfputzthema wusste, konnte ich es gleich für eine Mottoparty nutzen.  Kleiderordnung waren die 20er Jahre, Boheme. „Federn und Glitzer im Haar!“ dachte ich, ohne groß zu recherchieren, und suchte einen alten Haarreif heraus. Den umwand ich mit fransigen Kreppstoffstreifen, legte ein Stück Strassband und etwas weißes Chenillegarn auf. Die ganze Deko fixierte ich dann mit Silbergarn, in schmalen Abständen um den Reif herumgewickelt.

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Zum Schluss mit drangebunden sind eine antike altrosa Straußenfeder (?) und etwas dunkles Gefieder, das eher an eine Jagdmütze passen würde. Der Reif hielt den ganzen Abend gut. Leider habe ich keine richtigen Tragefotos, alles verwackelt.

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Der Look bestand aus schmalem schwarzen Abendkleid, Federboa und einem echt alten Morgenrock von meiner Großmutter, der so edel aussieht, dass er locker als Abendmantel durchgeht. Das Material ist schon sehr mürbe und reißt bei der kleinsten Belastung, aber das war mir egal. Was sollen all diese Dinge immer in Kisten herumliegen. Ist doch toll, dass meine Oma nun quasi auf einer Party in einem Berliner Restaurant war, auch wenn es ihr wohl etwas zu queer gewesen wäre.

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Mein Look entsprach eher Fantasie-20ern, das war mir auch klar.  Erst nach dem Fest, von dem ich total begeistert war, fing ich richtig an, mich mit der Mode der Zeit zu beschäftigen. Erstes Fazit: Federn sind gar nicht so richtig 20er Jahre – zum Test habe ich die Jahrgänge der Berliner Leben durchgesehen. Federschmuck am Kopf fand ich nur bis 1919 (Revuegirls ausgenommen). Federboas gar nicht.

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An dem Abend hatten sich alle sehr viel Mühe mit ihrer Kleidung gegeben, der Ort war toll dekoriert- man trat ein, sah die weißgedeckten Tische, die geschmückten Menschen, weiße Hemdbrüste leuchteten, Perlenketten und Paillettenkleider glitzerten, viele schräge Boheme-Charaktere dazwischen.  Am Tresen eine Art Theo Lingen im Frack mit Monokel und Champagnerglas. Wie schön ist es doch, wenn sich alle wirklich feingemacht haben, wie viel herausragender wird das Ereignis!

Je mehr ich schaute, desto mehr fielen mir aber auch die auf, die sich (wie ich) in eine Art Klischee-20er gestürzt hatten, mit einer Fransenborte am Kleid und einer Indianerfeder im Stirnband. Dazu las ich bei den Partyveranstaltern Boheme Sauvage, was auf den Vintage-Festen unerwünscht ist: „kitschig glitzernde und geschmacklose Karnevalskostüme, Plastikartikel, schrille Perrücken, pinke Federboas und alles was der Zeit zwischen 1890 und 1930 ganz offensichtlich nicht angemessen ist. Wir apellieren ganz ausdrücklich an Ihren Sinn für Stil und Ästhetik. Auch das Tragen von offenem langem Haar ist leider in den Zwanziger Jahren absolut umodisch.“

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So ein Haarnetz wäre besser als ein Federreif gewesen! Ich finde es ja auch lustig, dass man bei 20er Jahre immer an die Flapper-Girls denkt, junge schicke und vor allem dünne Frauen. Wenn ich mir alte Fotos anschaue, dann finde ich fast nie solche Elfen – im Gegenteil, die meisten Frauen in den 20ern wirken sehr gestanden. Einen Ausdruck für Flapper-Girls gibt es auf Deutsch auch gar nicht.

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Jedenfalls weiß ich jetzt für meine nächste Boheme-Party sehr viel besser Bescheid, was Kleidung, Frisuren und Schminke und Nagellack angeht. Eine Federboa aus Hühnerfedern wie meine (erkennbar an den kleinen kurzen Federn) ist auch nicht so toll. Für Männer ist es ebenfalls nicht einfach. Zum Beispiel heißt eine Fliege nicht Fliege, sondern Schleife und muss auf jeden Fall selbst gebunden sein.

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Das Phänomen der Vintage-Parties erklärt eine Professorin in diesem Zeit-Artikel mit einer Reaktion darauf, dass wir uns inzwischen eher im Netz in Szene setzen. Die Straße ist anders als früher keine Bühne mehr ist. Anonymität und Unauffälligkeit sind wichtig, der Blick des anderen spielt in der Stadt keine Rolle mehr.

Demgegenüber zeichnet sich schon jetzt eine neue Sehnsucht nach geschützten analogen Öffentlichkeiten ab, in denen Mode kein Verstoß gegen den guten Ton ist. In größeren Städten sind historische Kostümfeste en vogue. Man kleidet sich im Stil der Zwanziger und agiert die Höflichkeitsformen und Manierismen versunkener Epochen aus.

Soweit für heute – vielen Dank an Gabi, die heute die Links sammelt. Schaut bei ihr vorbei – ich bin gespannt, was andere aus dem Thema gemacht haben.

Der nächste Termin ist der 26. März bei Karen, mit dem Thema: Shibori.

Schönen Sonntag allen, und ganz schnell noch ein Fund aus der Berliner Leben von 1926 (knüpft an den vorherigen Beitrag über Luises Halsbinde an) – in dieser Theaterszene ist Luise nämlich an ihrem Signature-Style-Kopfputz gut erkennbar:

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Die monatliche Stoffspielerei ist eine Aktion für textile Experimente. Sie ist offen für alle, die mit Stoff und Fäden etwas Neues probieren möchten. Der Termin soll Ansporn sein, das monatlich vorgegebene Thema soll inspirieren. Jeden letzten Sonntag im Monat sammeln wir die Links mit den neuen Werken – auch misslungene Versuche sind gern gesehen, zwecks Erfahrungsaustausch.

Stoffspielerei: Duftige Nachthemdpasse aus den 30ern

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„Handarbeiten, Freude bereiten“ steht auf diesem Anleitungsheft, Herausgeber ist der Reichsbund des Textil-Einzelhandels. Zitat von Seite 20: „Wir wollen Ihnen hier klar machen, wie leicht es doch ist, eine Hemdenpasse zu häkeln“. Fein, das passt gut zum heutigen Termin für die Stoffspielerei*.   Ines  von den Nähzimmerplaudereien hat das Thema “Ecken und Kanten” vorgegeben, bei mir wird also nun eine Passe als Ausschnittkante daraus. (Übrigens: Bei Wikipedia fehlt noch ein Artikel zum Thema Passe am Kleidungsstück, falls jemand Lust hat, sich darum zu kümmern.)

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So sieht das Häkelstück im Heft aus, an ein seidiges Hemd angenäht.

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Die Anleitung dafür ist erstaunlich einfach. Auf der Häkelgrafik stehen die Punkte für Luftmaschen und die Striche für Stäbchen, das Muster wiederholt man immer rundum von Reihe 1 bis zur Reihe 15.

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Die Reihe 15 habe ich leider nie erreicht, denn das schön alte cremefarbene Häkelgarn ging vorher aus und ich fand keins mit demselben Farbton, um weiterzumachen. Ohnehin muss das Original noch viel feiner gehäkelt sein als meins, denn meine Passe ist  größer geworden als in der Vorlage. Dennoch tränten meine Augen vor Anstrengung, mit der Nadel immer die kleinen Maschen zu treffen.

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Auf dem Blumenkleid wirkt der Häkelkragen zwar authentisch, aber auch ziemlich mopsig. Also habe ich ein Nachthemd genommen, dessen Ausschnitt schon ein bisschen durchgescheuert war.

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Die Passe passte gut hinein – mal sehen, wie es sich trägt. Laut Heft soll man lange Freude daran haben. „Obwohl sie so duftig aussehen, sind sie doch sehr dauerhaft und halten viele Wäschen aus.“

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Den Reichsbund des Textil-Einzelhandels gab es in den 1920er und 1930er Jahren. Angesichts der Mode tippe ich auf die 30er Jahre, aus der Zeit sind auch einige andere Zeitschriften, die bei dem Konvolut waren.

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Hat alles ein ziemliches Nazi-Feeling an sich, beim Nachhäkeln hatte ich ein mulmiges Gefühl. Das Frauenbild im Heft ist dementsprechend – Frauenfleiß eben, Mutters Nadel, Mutters Hände, Schönheitssinn und Ordnungsliebe. Wie ganz anders wirkte da noch kurz vorher die Berliner Frauen-Illustrierten von 1928,  hier schon einmal Thema – der gesellschaftliche Rückschritt kann schnell und extrem sein.

Auch Modedetails aus meinem Heft sind heute wieder aktuell, die klobigen schwarzen Schuhe zum Beispiel, oder die dicken Zopfsocken und das Teufelsmützchen.

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Die anderen Dinge – naja. Bei dem Strickkleid pillt es schon auf dem Foto so sehr, dass es gruselt. Und der Herrenpullover mit Logo könnte heutzutage als Nerd-Mode bzw. Geek-Chic wieder Abnehmer finden. Mädchen mit Hornbrillen und viel zu großen filzigen Mänteln vom Flohmarkt sind hier gerade Trend.

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Soweit für heute – vielen Dank an Ines, die die Links sammelt. Schaut bei ihr vorbei – ich bin gespannt, was andere aus dem Thema gemacht haben.

Im nächsten Monat, am 26.2. (der Sonntag vor Rosenmontag) ist das Thema “Kopfputz”, Gastgeberin ist Gabi von Made with Blümchen.

Nun bastle ich noch an einer anderen Kragenkante. Mal sehen, mit welchen der beiden Seidenstoffreste aus Japan ich die Bluse verschönere, ich kann mich noch nicht entscheiden. Schönen Sonntag allen!

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Die monatliche Stoffspielerei ist eine Aktion für textile Experimente. Sie ist offen für alle, die mit Stoff und Fäden etwas Neues probieren möchten. Der Termin soll Ansporn sein, das monatlich vorgegebene Thema soll inspirieren. Jeden letzten Sonntag im Monat sammeln wir die Links mit den neuen Werken – auch misslungene Versuche sind gern gesehen, zwecks Erfahrungsaustausch.

Stoffspielerei: Improvisation mit Stoffresten

Heute ist wieder Termin für die Stoffspielerei*,  Nahtzugabe ist mit dem Thema „Stoffreste“ Gastgeberin. Dafür habe ich zwei Quilt-Projekte aus meiner Funduskiste geholt.

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Vor Jahren schon wollte ich nach einem Quiltspotting (Quilts in Filmen) das Pineapple-Muster versuchen. Ausgehend von einem Quadrat näht man viele schmale Stoffstreifen abwechselnd über Eck. Ich habe mich für je eine Reihe bunte und eine Reihe dunkle Stoffstreifen entschieden.

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Wenn man es nicht so genau haben muss, kann man nach Augenmaß arbeiten und braucht nicht mehr groß nachzudenken.

Links die Variante fand ich nicht so gut, da waren mir die Streifen zu breit. Rechts gefällt mir aber, das wird nun auf das rote Kissen appliziert.

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Das freie Variieren eines Grundmusters führt mich zu einem tollen Buch, das ich sehr empfehlen kann:

Sherri Lynn Wood, The Improv Handbook for Modern Quilters. Sherris Improvisationsrezepte habe ich ja früher schon probiert (z.B.  Floating Squares oder Stimmungsquilt). Von damals stammen auch noch sehr viele Streifen aus Stoffresten. Ich hatte alle Reste nach Breite sortiert und dann jeweils zusammengenäht.

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Doch wie nun weiter? Ich nahm mir das Kapitel „Doodle“ aus Sherris Buch vor, da näht man Stoffstücke zusammen, als ob man bei einem Telefongespräch nebenher auf einen Block kritzelt. Irgendwo mit einer Grundform (Quadrat, Dreieck etc.) anfangen und dann intuitiv Teile daran setzen, mit anderen Grundformen variieren. Bei sehr bunten Stoffresten rät Sherri zu einem einfarbigen Stoff als Ergänzung.

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Daran habe ich nun eine halbe Nacht herumgekritzelt, und Ausschnitte finde ich auch ganz gut, aber ingesamt?

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Im Buch gibt es jedenfalls auch eine ganze Menge Motivation, nicht so streng mit sich zu sein und den inneren Zensor zu überwinden.

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Ich lasse das jetzt erst einmal liegen und schaue später wieder drauf.

Lucy hat sich ebenfalls mit Sherris Ideen beschäftigt, außerdem zeigt sie, wie man ganz schnell eine kleine Börse nähen kann – schaut mal nach, was sie und andere mit Stoffresten gemacht haben. Danke für das Sammeln der Links!

Weil die Sonntagstermine im Dezember so ungünstig liegen, ist die nächste Stoffspielerei erst wieder Ende Januar, am 29. 1. 2017. Dann ist Ines  (Nähzimmerplaudereien) mit dem Thema „Ecken und Kanten“ Gastgeberin – falls jemand von euch auch einmal einen Sonntagstermin übernehmen möchtet, meldet euch gern bei mir!

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Die monatliche Stoffspielerei ist eine Aktion für textile Experimente. Sie ist offen für alle, die mit Stoff und Fäden etwas Neues probieren möchten. Der Termin soll Ansporn sein, das monatlich vorgegebene Thema soll inspirieren. Jeden letzten Sonntag im Monat sammeln wir die Links mit den neuen Werken – auch misslungene Versuche sind gern gesehen, zwecks Erfahrungsaustausch.