Von Putsch bis Badenixe – Neues aus dem Berliner Leben #Gemeinfreitag

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Durch einen Tweet der Berliner ZLB wurd ich darauf aufmerksam, dass die Bibliothek weitere Ausgaben der Berliner Leben – Zeitschrift für Schönheit und Kunst digitalisiert hat. Das freut mich natürlich sehr. Stichprobenhaft habe ich kurz in die 1920er Jahre hineingeschaut und gleich einiges gefunden, das man weiter untersuchen müsste. Warum zum Beispiel wurde die Nr. 11 der Zeitschrift 1920 beschlagnahmt? Vielleicht weil die inhaltliche Ausrichtung auf einmal deutlich erotischer ist?

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1926 gibt es zwei Badenummern.

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Ein mutiges Zweigespann? Wegen der Pose oder der Badeanzüge?

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Parallelen zu heute habe ich auch gefunden. Bei „Militärische Bilder der Putsch-Regierung“ wird man angesichts der Ereignisse in der Türkei natürlich aufmerksam. Im März 1920 versuchten Teile der Reichswehr und andere Kräfte mit dem der Kapp-Putsch die Weimarer Republik zu stürzen – der Versuch dauerte nur 100 Stunden. Anders als die Putschbilder vom letzten Wochenende zeigen die liegenden Soldaten in Berlin nur eine „Mittagsrast auf dem Wilhelmsplatz“.

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Fortschrittliche Bilder aus Istanbul 1928, die Mädchen und Frauen sind ganz modern gekleidet.

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1928 heißt die Zeitschrift nun Frauen-Illustrierte und kümmert sich sehr fortschrittlich um Frauenfragen.

Vorschlag: Entlohnung hausfraulicher Arbeit

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Kinderkrippe „Eines der größten Probleme für die berufstätige Frau ist die Frage, was aus ihrem Kinde wird…“

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Ohne weiter in das Thema eingestiegen zu sein fällt doch auf, dass die Ausgaben in der 1920er Jahren erstaunlich freie und moderne Haltungen vermitteln. Kaum zu glauben, welch ein Rückschritt kurz darauf dann in der Nazizeit möglich war –  die Parallen zu heute gehen mir leider nicht aus dem Kopf.

Ich habe für diesen Bericht wirklich nur Stichproben aus den Ausgaben, hier noch Funde:

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In der Sammlung gibt es natürlich viel mehr zu sehen. Alle Bilder, auch in ihrer digitalen Form, hat die Bibliothek gemeinfrei gestellt, sie sind in der Public Domain. Danke dafür!

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Für Samstag noch ein TV-Tipp: Um 17:30 kommt als Retrofernsehen wieder ein Folge „Guter Rat am Zuschneidetisch“, das ist auf jeden Fall sehenswert (leider nicht in der Mediathek. Danke an Nahtzugabe/eine Leserin für den Hinweis).

Wer in der Nähe von Potsdam ist, könnte sich noch bis Sonntag in Potsdam die kleine Ausstellung „Uni-Form“ ansehen, mir hat sie sehr gut gefallen, Nahtzugabe hat darüber berichtet.

Allen ein Schönes Wochenende!

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Unter #Gemeinfreitag stelle ich  Fundstücke aus der Public Domain vor.  Blogs wie „Textile Geschichten“ wären ohne historische Bilder nicht machbar. Ich bin davon abhängig, dass Bibliotheken,  Museen und Privatleute ihre Bilder zur Weiternutzung freigeben.  Die Idee stammt von Moritz Hoffmann. Dort kann man auch mehr darüber lesen, welche riesigen Schwierigkeiten das Urheberrecht für Historiker birgt.

Basketballteams – Frauen und Sport im Wandel der Jahrzente

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Jahrbücher von US-Highschools und Colleges in den Flickr-Commons zeigen sehr schön, wie sich die Frauenkleidung im letzten Jahrhundert entwickelt hat. Als Beispiel habe ich Basketballteams in Nordamerika herausgesucht, die über eine Zeitspanne von 1903 bis 1979 posieren. Die jeweilige Jahreszahl steht netterweise oft gleich  auf dem Ball.

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Dieses Foto liebe ich besonders. Hier noch ein Ausschnitt:

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Die Sportlerinnen in den USA tragen schon um die Jahrhundertwende Pumphosen, Bloomers  genannt. Die weiten Hosen gehen auf die amerikanische Frauenrechtlerin Amelia Bloomer zurück, die seit 1851 Reformkleidung für Frauen propagierte.

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Interessanterweise gilt der Pluderhosendress aber offenbar nicht für alle Schulen. In einem College in New Orleans trugen die Basketballerinnen noch bis mindestens 1913  lange Röcke.

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Die Bilder zeigen sehr schön, wie sehr man sich vor Generalisierungen hüten sollte. Nur weil ein Foto irgendwo in der Welt eine Frau in einer bestimmten Kleidung zeigt, heißt das noch lange nicht „ab dem Jahr X trugen Frauen Y in der Z-Form“. Wie heute war Mode immer ein schleichender Prozess, ganz unterschiedlich ausgeprägt je nach Region, Alter und Bevölkerungsschicht.

Miami women's basketball team 19111911

Western College on College Day 19121912

Spezielle Basketballschuhe für Frauen wurden 1907 angeboten:

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1917 hat das College in New Orleans dann auch die Bloomers eingeführt…

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… und hängt 1925 der Entwicklung wieder hinterher, denn zur gleichen Zeit werden in Kanada schon Shorts getragen:

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Für die Folgejahre ist in den Commons nicht mehr so viel zu finden, das hängt mit dem Urheberrecht an den Fotos zusammen. Aber Shorts und Shirts setzen sich im Sport offenbar durch.

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Pierce Junior High School girl's basketball team - Pierce1936
Edmonton Grads (1940)1940

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Goshen College Women's Basketball, 19671967

Die letzten beiden Fotos sehen wie Rückschritte im Sportlook aus, auch sehr interessant. Aber ob es repräsentativ ist? Dazu bräuchte es mehr Material.

1978/1979 geht es dann weiter in die heutige Richtung:
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Jetzt könnte ich schon fast in das Fotoalbum meiner Jugendzeit überwechseln, der Kreis wäre geschlossen.

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Dieser Beitrag sollte ursprünglich zur Rubrik  Bilderfang im freien Netz – #Gemeinfreitag gehören, denn bei den Flickr-Commons steht unter jedem Bild:  „no known copyright restrictions“. Die teilnehmenden Institutionen wissen und akzeptieren das eigentlich. Wenn man dann aber zu der jeweiligen Bildquelle geht, sieht die Sache plötzlich oft ganz anders aus,  die Weiterverwendung wird beschränkt. Für Nutzer wie mich ist es nicht möglich, diese widersprüchliche Haltung jeweils zu recherchieren. Daher sind das hier vielleicht gemeinfreie Bilder, vielleicht auch nicht – für #Gemeinfreitag sind sie jedenfalls nicht geeignet.

Dennoch ist die Sammlung hoffentlich ohne Verbiegungen zu genießen!

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Mehr als nur hübsch anzusehen: Berufstätige Frauen 1800

Eine adrette Korsettnäherin liefert Ware aus.

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Die Französische Nationalbibliothek hat eine  Sammlung mit Modebildern berufstätiger Frauen von 1824 digitalisiert. Costumes d’Ouvrières Parisiennes zeigt die Kleidung der arbeitenden Frauen in Paris.

Nachfolgend eine kleine Auswahl, beschränkt auf textile Berufe.

Modehändlerin (für Hüte und mehr):
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Mercière ambulante – „Fliegende“ Kurzwarenhändlerin:

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Stickerin mit Weißstickerei in der Hand:

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Das Kleid dieser Stickerin war schon einmal Vorbild bei einem Reenactment-Ereignis.  Kleidung um 1800 eröffnete im letzten Sommer zusammen  mit Gleichgesinnten eine Fantasie-Modehandlung.  Eine der Teilnehmerinnen nähte sich für ihre Rolle als Stickmeisterin Mme Holpriger das Kleid vom Bild aus Paris, selbstverständlich per Hand, auch die 18 Stufen im Rockteil. Die Modebilder waren als Inspirationsquelle für die Aktion Modehandlung gut geeignet.

Eine Stoffverkäuferin mit gelben Handschuhen, Schere und Maßband. (Die schwarzen Schürzen kommen auf den Bildern oft vor):
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Hutmacherin:
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Spitzenwäscherin – Blanchisseuse de Dentelle:
Costumes dvia
Offenbar liefert sie gerade frisch gewaschene und gestärkte Spitzen in einem kleinen Kästchen aus. Eine spezielle Feinwäscherin für Spitzen? Da musste ich ein bisschen recherchieren. In einer deutschen Enzyklopädie von 1833 heißt es beim Eintrag Spitzenwäscherin:

ein Frauenzimmer, welches die Kunst versteht oder ausübt, weiße und schwarze Spitzen wieder durch die Wäsche zu reinigen, aufzustecken und auszupletten.

Spitze war so empfindlich, dass sie zum Waschen von den Kleidungsstücken und Hüten abgetrennt wurde. Sie musste sehr vorsichtig gesäubert, gebleicht und danach wieder gestärkt, gebügelt und aufgesteckt werden. (Ausführlich dazu zum Beispiel das Kapitel Spitzen-Waschen  im Buch Anweisung zu Frauenzimmer-Arbeiten von 1826).  Zum Versteifen wurde neben Stärke auch gern Traganth genommen, ein gummiartiges Verdickungsmittel, über dass sich auch heute noch Tortendekofreaks in Backforen austauschen.

In vielen deutschprachigen Adressbüchern des 19. Jahrhunderts kommt die Berufsbezeichnung „Spitzenwäscherin“ vor – oft auch in der Variante „Blondenwäscherin“. Blonden waren feine weiche Klöppelspitzen, nach dem Ton der naturfarbenen Seide benannt, aus der sie ursprünglich gefertigt waren.

Ich erinnere mich an eine witzige Szene in der sehr gut ausgestatteten britischen Serie Cranford. Ein Stück teure feine Spitze soll in Buttermilch aufgehellt werden – zwischendurch schlabbert die Katze die Milch leider mitsamt der Spitze auf. Die Damen müssen sich nun etwas ausdenken, damit das teure Stück Textilie wieder heil aus dem Katzenpopo herauskommt…

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Büglerin:
Costumes dvia

Für die normalen Wascharbeiten war die Blanchisseuse, die Weißwäscherin/Bleicherin zuständig.

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Die Tafeln sind als Modebilder stark idealisiert. In Wirklichkeit war vor allem das Leben der Wäscherinnen kein Spaziergang in hübschen Kleidern. Davon kann man sich anhand anderer Quellen überzeugen.

Daumier malte 1863 eine Weißwäscherin so:

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Wie es den Frauen in Wirklichkeit erging, davon zeugen auch einer ganze Reihe Exponate des Pariser Museum für Moulages , das Wachsnachbildungen von Hautkrankheiten in seiner Sammlung hat. Unten ist der mit Ausschlag übersäte Arm einer 16jährigen Wäscherin abgebildet.

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© Musée des moulages de l’Hôpital Saint-Louis (AP-HP)

Und diese Wäscherin von ca. 1850 hat für das Foto sicherlich ihr schönstes Tuch umgeschlungen. Sie präsentiert sich mit ihren Berufskennzeichen.

Die Modebilder zeigen zwar eine ideale Welt, sind aber Beweis dafür, dass Frauen durch die Jahrhunderte hindurch immer berufstätig waren. Die gesammte Bildersammlung Costumes d’Ouvrières Parisiennes umfasst 47 Tafeln mit Frauenberufen.

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Tressuse de cheveux – Haarteilmacherin? (Ausschnitt)

(Für Leser mit Spezialwissen habe ich noch ein Frage: Ich konnte nicht herausfinden, wie genau die Begriffe Blonden und Spitzen abzugrenzen sind. Offenbar waren das verschiedene Dinge, denn in vielen Adressbüchern findet sich die Bezeichnung „Seiden- Blonden- und Spitzenwäscherin“. Vielleicht weiß jemand mehr dazu? Aber Achtung, wenn man die Wörter „Blonden“ und „Spitzen“  googelt, gerät man entweder in Haarforen oder auf Erotikseiten.)

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Unterwegs – Große und kleine Ausstellungen

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Wie jedes Jahr versuche ich, in unsere Reiseroute möglichst viele Textilmuseen hineinzuschmuggeln. Potentielle Ziele wollte ich hier teilen, aber nun habe ich allein schon in Deutschland so viele neue Ausstellungen gefunden, dass die Liste (fast) auf den deutschprachigen Bereich beschränkt bleibt. Es tut sich museal etwas im Bereich der Kleidung und Mode, scheint mir!

Zunächst ein Bericht aus Berlin, gestern hat hier nämlich tatsächliche eine Ausstellung zum Thema Redensarten eröffnet. Ich musste natürlich hin, in das schöne alte Gebäude des Museums für Kommunikation.

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bis 16. 10. 2016   Mein Name ist Hase! Redewendungen auf der Spur

Kurator der Ausstellung ist der ‚Redewendungs-Papst‘ Rolf-Bernhard Essig, der auch schon zahlreiche Bücher zum Thema geschrieben hat. Er hat viele bekannte Redensarten ausgesucht und erklärt sie mit den dazugehörigen historischen Gegenständen. So weiß ich zum Beispiel nun endlich, was ein Scherflein ist, oder wie eine tabula rasa aussieht. Textile Redensarten wie das Spinnen, das Verhaspeln und das Durchhecheln waren auch dabei, passend kombiniert mit mit Spinnrad, Haspel und Hechel. Das Museum ist ein schönes Ausflugsziel für die ganze Familie, in der Sonderausstellung können alle Generationen über die Ausdrücke fachsimpeln.

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Weitere Ausstellungen in Berlin und drumherum:

Berlin – Stadt der Frauen im Ephraim Palais. Das Leitmotiv ist das Korsett – Eindrücke aus einer  Snapchat-Story dazu.

Contemporary Fine Arts bis 10. 9. 2016 – F.C. Gundlach  90 JAHRE 90 FOTOS ZUM GEBURTSTAG

Kunstgerwerbemuseum bis 28.8.  Beautiful Mind. Ein Schmuckstück für Cranach

Potsdam   bis 24.07.  uni-form? Körper, Mode und Arbeit nach Maß

Die Ausstellung widmet sich der wechselvollen Geschichte und Gegenwart des textilen Handwerks und der Bekleidungsproduktion in Brandenburg-Preußen.

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Eine Übersicht über andere Ausstellungen im deutschsprachigen Raum findet ihr auf der Extra-Seite.  Neu hinzugekommen ist :

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Jever, Schlossmuseum  bis 30.10.
Fremd in Friesland
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Hamburg Museum für Kunst und Gewerbe bis 27. August.
Sneaker. Design für schnelle Füße„,
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Bramsche, Tuchmachermuseum bis  18.09.2016
Das Passt! – Kleiderwahl im Wandel
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Dortmund bis 18.09.2016
Willy Maywald. Fotograf und Kosmopolit – Porträts, Mode, Reportagen
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Oberhausen, Schloss, bis 18. September 2016
REGINA RELANG Inszenierte Eleganz
Mode- und Reportagefotografie von 1930 bis 1980
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Nachtrag 1.7. (mit ausdrücklicher Empfehlung von Bele)

VORSCHAU    15.7. – 16.10.2016
Darmstadt Landesmuseum, Chic! – Mode im 17. Jahrhundert
„18 Kostümoberteile, einst getragen von wohlhabenden Damen und Herren der Kölner Gesellschaft und entstanden zwischen 1610 und 1675, gehören zu den absoluten kostümgeschichtlichen Raritäten.“

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Oberpfalz  > Ausstellungsreihe bis Herbst 2016, 16 Museen beteiligt
Tracht im Blick – die Oberpfalz packt aus

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„Die Trachtenbewegung ging im 19. Jahrhundert nicht von den Bauern auf dem Land, sondern vom aufstrebenden Bürgertum in den Städten aus.“

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Aichach (bei Augsburg), Sisi-Schloss  bis 23.10.16
Kaiserin Sisi- Drunter und Drüber
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WIEN (A) Wien Museum  bis 30.10.

Chapeau! Eine Sozialgeschichte des bedeckten Kopfes

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Forum Würth Rorschach    (CH)    bis 26.2.2017Werke aus der Swiss Textile Collection und Sammlung Würth im Dialog

Bericht dazu im Bernina-Blog

HINWEISNachtrag 30.6.: Teresa sagt in den Kommentaren etwas zur Hutausstellung in Wien, das wahrscheinlich für einige der Termine hier in der Liste gilt: „Aus diesem Thema hätte man mehr herausholen können aber wenn man schon da ist lohnt es sich das anzusehen was geboten wird.“  In heutiger Zeit steigen die Social Media Budgets der Museen wahrscheinlich umgekehrt proportional zu den Ausstellungsbudgets, daher sind manche Meldungen vielleicht auch eher heiße Luft? Jede Rückmeldung dazu freut mich und hilft anderen bei der Besuchsplanung.

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In anderen Länder ist auch eine Menge los, siehe dafür hier z.B. die Top 6 Fashion and Design Exhibitions .

Wer in Frankreich in die Nähe von Lyon gerät, sollte für das Musée des Tissus et des Arts Décoratifs de Lyon einen Stop einlegen. Das Museum mit der größten Textilsammlung der Welt steht kurz vor der Schließung, weil die öffentliche Förderung ausgesetzt wurde. Schon über 100.000 haben eine Petition für die Rettung des Museum unterschrieben, bisher erfolglos.  Ich habe fest vor, dort diesen Sommer noch  vorbeizuschauen.

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Und sonst?

Habe ich mich ziemlich fassungslos durch die Kommentarspalten der englischen Zeitungen gelesen, durch die ganze Bandbreite vom Guardian bis zur Daily Mail, um zu verstehen, wie es zum Brexit kommen konnte. Ich lebe ja eher in einer ‚Guardian-Bubble‘, aber wenn man sich in der Presse der Brexit-Befürworter umschaut, dann sieht die Welt ganz anders aus. Die EU heißt dort nur ‚the bloc‘ und steht kurz vor dem Zerfall. Merkel fehlt nur noch ein Hitlerbärtchen und Frankreich bereitet in Calais gerade eine Migranteninvasion nach England vor.

Aufgrund meiner Recherchen hat Twitter mir nun folgendes vorgeschlagen:

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also höre ich lieber auf und gehe in meine liberale Blase zurück.

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Dann muss ich auch nicht über das Spaltungspotential in Deutschland nachdenken. Im Briefkasten am Zaun meines verwilderten ‚Naturgartens‘ fand ich diesen Zettel, handgeschrieben:

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Gute Nacht!

Stoffspielerei im Juni: Rundkissen mit Wechselrahmen

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Heute ist wieder Stoffspielerei* und Frifris  hat das Thema Löcher vorgeschlagen. Bei mir gibt es einen Kissenbezug mit Guckloch zu sehen. Dafür habe ich einen großen ‚Stoffbeutel‘ mit Tunnelzug genäht und ein altes rundes Daunenkissen hineingelegt.  Wird die Kordel im Tunnelzug  so eng wie möglich zugezogen, entsteht eine Art Bilderrahmen, hinter den man sehr gut andere Stoffwerke legen kann. Oben seht ihr als ‚Bild‘ das bestickte Tuch von der letzten Stoffspielerei, unten andere Ergebnisse früherer Stoffspielereien.

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Gestickte Würmer von 2013, unten pflanzengefärbten Stoffe von 2015.

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Weil alles so eng gestopft ist, verrutscht das Bild hinter dem Faltenrahmen auch nicht so leicht, aber ein Alltagsknuddelkissen ist es natürlich auch nicht, eher ein Rückenstütze. Ich mag es gern und freue mich über den Wechselrahmen.

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So sieht die Rückseite aus.

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Nun schicke ich den Beitrag schnell ab. Durch die lähmende Hitze hier in Berlin und die ganze Brexit-Misere war ich eigentlich zu nichts in der Lage, aber heute ist es wieder frisch und schön und alles wird besser.

Ich bin gespannt, was  Frifris und anderen zum Thema Löcher eingefallen ist. Vielen Dank für das Sammeln der Links, liebe Frifris!

Im Juli und August machen wir mit den Stoffspielereien Sommerpause. Wiederaufnahme ist dann am 25. September bei mir, Thema: Von Gold bis Blech – Metallstickerei. Wie immer ist das nur eine Inspiration, die ihr nicht so eng sehen müsst.   Wir freuen uns über jede Teilnahme!

Nachtrag: Made with Blümchen plant, in der Sommerpause  zwei ihrer offenen Stoffspielerei-Projekte fertigzustellen, sie würde sie an den letzten Sonntagen (am 31. Juli und 28. August) posten. Wollt ihr mitmachen? Dann meldet euch bei Made with Blümchen.

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Die monatliche Stoffspielerei ist eine Aktion für textile Experimente. Sie ist offen für alle, die mit Stoff und Fäden etwas Neues probieren möchten. Der Termin soll Ansporn sein, das monatlich vorgegebene Thema soll inspirieren. Jeden letzten Sonntag im Monat sammeln wir die Links mit den neuen Werken – auch misslungene Versuche sind gern gesehen, zwecks Erfahrungsaustausch.

SOMMERPAUSE

 

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Seltsam und schön: Bilderfang im freien Netz #Gemeinfreitag

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Blogs wie ‚Textile Geschichten‘ wären ohne historische Bilder nicht machbar. Ich bin davon abhängig, dass Bibliotheken,  Museen und Privatleute ihre Bilder zur Weiternutzung freigeben. Manchmal gehe ich in solchen Bilddatenbanken nächtelang auf Entdeckungsreise.  Nicht immer passen die Fundstücke zu einem Blogthema, ich würde sie einfach nur gern teilen. Daher nehme ich eine Idee auf und führe eine Rubrik  ‚Gemeinfreitag‘ ein, einen Tag der gemeinfreien Bilder unter dem Motto „Das Seltsame und das Wunderbare“.

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Tolles Mächen mit tollem Hund, oder? Der freundlich wedelnde Schwanz war schneller als die Belichtungszeit.

Heute bin ich in der Photosammlung der National Library of Wales unterwegs. Auf Walisisch heißt die Nationalbibliothek ‚Llyfrgell Genedlaethol Cymru‘, das allein finde ich schon ganz wunderbar.

Zu den Bildern weiß ich nicht mehr als das, was bei Flickr in der Sammlung steht.

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Elinor Amy Dillwyn Llewelyn, 1853

Mit dem Bruder Harry, 1853.  Fotografiert hat die Mutter, Mary Dillwyn, eine frühe Fotografin.

Harry and Amy Dillwyn (children of Lewis Llewelyn Dillwyn) by M. D. 1853

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Corporal John Griffiths Jones 1843-1864. Das Foto ist von ca. 1862, zwei Jahre vor seinem Tod aufgenommen. Die Waffe ist eine Smith&Wesson, weiß ein Flickr-User.

Walisische Nationaltrachtca. 1875, Hut, Haube und Kleid gehören zur walisischen Nationaltracht.

Mrs Hugh Lloyd (daughter of John Thomas)

6191492883_5352e3e18a_oEin Reverend, ca. 1875 – erinnert mich an den Sänger Dagobert. Unten noch ein Reverend, ca. 1885. Die Gamaschen!

Revd Michael D Jones (1822-98)

Robin Four, Llanfellech

Bilder von Menschen in schmutziger und deutlich geflickter Kleidung sind selten, man ließ sich ja normalerweise nicht in seinem Alltagslook fotografieren. Der Mann hat offenbar auch die Spitze des rechten Zeigefingers verloren.

„Schneider haben oft die schlechtesten Kleider“

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Peniarth boat, Llanegryn

knitting for the troops1939, knitting for the troops. Der einzige männliche Stricker der Gruppe zeigt seine Ergebnisse.

In der Sammlung gibt es natürlich noch viel mehr zu sehen. Alle Bilder, auch in ihrer digitalen Form, hat die Bibliothek gemeinfrei gestellt, sie sind in der Public Domain. Danke dafür!

Proclamation of the Urdd National Eisteddfod 1964 at Porthmadog, June 1963

Und ein Schönes Wochenende!

Unter #Gemeinfreitag stelle ich  Fundstücke aus der Public Domain vor. Die Idee stammt von Moritz Hoffmann. Dort kann man auch mehr darüber lesen, welche riesigen Schwierigkeiten das Urheberrecht für Historiker birgt.

Modegeschichte – Wo sind die Kleider der Dicken?

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Wenn Museen Teile aus ihren Kostümsammlungen ausstellen, sind selten große Größen dabei. Woran liegt das? Gab es früher  weniger dicke Menschen, existiert ihre Kleidung nicht mehr, oder werden sie ungern gezeigt?

Der Frage geht Kitty Koma nach, weil die Kaltmamsell im Fashion Museum in Bath feststellte, dass nur Kleidung schlanker Frauen ausgestellt war. Einzige Ausnahme: Queen Victoria.

Hier waren runden Schönheiten, die heute als dick gelten würden, ja schon einmal Thema.

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Aber ihre Kleidung? Eine Ausstellung in New York „Beyond Measure  – Fashion and the Plus Size Woman“ vom Anfang des Jahres fragte nach dem Bild dicker Frauen in der  Modegeschichte.  Ausstellungsstücke waren schwer zu finden, weil, so berichten die Kuratoren in einem Artikel der New York Times,  es weder gewichtige Figurinen gab, noch Mode, um sie zu kleiden.

Those are simply too hard to come by, as Ya’ara Keydar, a graduate student and an organizer of the show, explained. Ms. Keydar recalled that during a recent visit to an exhibition of historic evening dresses at the Sigal Museum in Easton, Pa., there was only one plus-size dress on display.

“Those garments don’t get shown unless you’re someone famous, like Queen Victoria,” Ms. Jenkins said. Even in museums with dedicated costume wings, there is a bias, she said.

Stimmt das? Sind die Sammlungen voreingenommen? Andere Stimmen dazu habe ich nicht gefunden. Wenn man beim Metmuseum online nach Kleidern sucht, findet man tatsächlich kaum stärkere Figuren. Allerdings ist man auf die Optik der Fotos angewiesen, außer der rückwärtigen Länge gibt es keine Maßangaben.

metmusTea Gown 1910-15, Met

Händler für Antikkleider haben offenbar auch nur wenig Kleider in großen Größen im Angebot. Antique Gown zeigt ein Abendkleid vom Ende letzten Jahrhunderts mit Taillenweite 82  (4.800 Euro). Bei Händlern halte ich es für wenig wahrscheinlich, dass sie große Größen diskriminieren. Die Kleider sind einfach zu viel wert.

Es könnte ja auch sein, dass es sowohl bei den Händlern als auch in den Museen nicht viele Kleider dicker Frauen gibt, weil es am  Angebot mangelt. Vielleicht gilt, was das Met zu einem Straßenkleid sagt:

The women’s walking costume is one of the most difficult ensembles to find currently in pristine condition. Partially because few women felt compelled to include such a pedestrian costume in their trousseaus, and partially due to the natural deteriorations caused by light, moisture and old age, the well-kempt walking costume of the 1880s and 1890s can be found in few modern costume collections.

„Nur wenige Frauen sahen einen Anlass, so ein Straßenkleid aufzuheben“. Welche Kleidung hebt man denn selbst auf? Besonders schöne Stücke mit besonderen Erinnerungen vielleicht, die wahrscheinlich eher aus Jugendjahren stammen, als man noch nicht so in die Breite gegangen war – wer weiß. Das Fat-Shaming hat seine Wurzeln schließlich im 19. Jahrhundert. Vielleicht wurden große Kleider aber auch einfach nur länger getragen, weil sie leichter angepasst und umgearbeitet werden konnten, wie Kitty Koma überlegt.

Im Modemuseum Meyenburg, das ja ab 1900 eine riesigen Fundus zeigt, hatte ich nicht das Gefühl, nur Kleidung schlanker Frauen zu sehen. Es war eher ein Querschnitt durch alle möglichen Frauenformen. Ein Blick in den Katalog bestätigt den Eindruck.

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Ich würde mich sehr freuen, dazu Meinungen oder Erfahrungen zu hören. Hattet ihr in Ausstellungen auch schon das Gefühl, nur schlanke Modelle vor euch zu sehen? Welche Größe haben  Kleidungsstücke, die euch vererbt wurden? Nach welchen Kriterien wird gesammelt und ausgestellt? (Eine hier weiß bestimmt etwas dazu :)). Kittykoma geht der spannenden Frage auch noch nach. Wir werden sehen!

 

* An alle, die mit Englisch nicht so klarkommen: Diesmal hatte ich keine Energie für Übersetzungen, vielleicht hole ich das noch nach. Ansonsten ist Google Translator eine kleine Hilfe.

 

Kurzwaren: Links und Infos Nummer 17

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Heute mal wieder eine dringende Lieferung Links und Infos zu Textilthemen.

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Ausstellungstipps

Torgau, Schloss Hartenfels
Schätze einer Fürstenehe
30. April bis 31. Oktober 2016

Ebenfalls in Sachsen, Fasanenschlösschen Moritzburg:

Stroh zu Gold – das fast vergessene Handwerk der Strohflechtkunst.

Führung mit der Kuratorin durchs Miedermuseum Heubach (Ostalbkreis) organisiert. „Lust auf einen Nähnerdausflug ins Miedermuseum? Auf meinem Blog gibts weitere Infos.“

Falls ihr in den nächsten Monaten nach London fahrt…

 

Mode- und Wikipediainterssierte könnten bei der GLAM-Tour in der Textilfabrik Cromford mitmachen.  Textilfabrik Cromford, Ratingen, LVR Industriemuseen
Die Macht der Mode. Zwischen Kaiserreich, Weltkrieg und Republik

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Bilder

Uniformen von Krankenschwestern rund um die Welt, ca. 1950

Spektakulärer Fund: Kleidung in einem Schiffswrack aus dem 17. Jahrhundert entdeckt.

Modeillustrationen der Wiener Künstlerin  Mela Kohler, 1910-1914

Berthold’s Political Handkerchief war eine auf Stoff gedruckte Zeitung, um Papiersteuer zu vermeiden.

A micro-engraved portrait of Queen Elizabeth – Medaillon der Königing in einem Nadelöhr

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Linktipps

Auf Twitter gibt der der Fashion Curator des Museum of London mit kleinen Animationen tolle Einblicke in antike Kleidung. Sehr empfehlenswert, lustig, informativ.

Italienischer Designer stielt Stücke alter Stoffmuster aus einer Hermes-Weberei

Kathryn Sargent – Die erste Frau auf der legendären Londoner Schneidermeile

Tapisserie mit silberumwickelten Fäden im Detail – Fabulous post from the Getty: a closeup look at the silver-wrapped threads in this tapestry

300 digitalisierte Strickbücher zum Download – The Online Knitting Reference Library: Download 300 Knitting Books Published From 1849-2012

Buch mit 70 Strickanleitungen für Soldatenausrüstung 1. WK Knitting for Victory

Schnitte von 1770 bis 1940 zum Download, hauptsächlich Männerkleidung, auch ein Banyan

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Filmtipps

Great British Sewing ist in eine neue Staffel gegangen. Dieser Britische Nähwettbewerb ist einfach ein Genuss.  Die Folgen GBSB Series 4 sind meist auf Youtube eingestellt, oder man kann sie im BBC-Store kaufen.

Ebenfalls vom BBC eine tolle dreiteilige Doku zur Seidenstraße, The Silk Road

Mehrere Arte-Dokus (wieder) in der Mediathek:

Über 4 Millionen Klicks für stilles Spinnen und Weben – ein Youtube-Video zeigt, wie Fasern aus Baumrinde gesponnen und verwebt werden .

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Zum Hören

Fiberthermometer, Nahlinses Podcasts zum Thema Spinnen und Stricken und ganz neu ein Spezial mit Muriel von Nahtzugabe5cm

Noch ein Podcast aus dem Bereich: Ausfasernd von Damned Snob.

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Soweit meine Links und Lesetipps für heute. (Siehe auch Suschnas Twitter-Kurzwarenhandlung).

Stoffspielerei im Mai: Spruchtuch für den Rechner

Karen hat für die heutige Stoffspielerei* das Thema “Schrift auf Textil” vorgeschlagen. Eine gute Gelegenheit, mal wieder Wörter auf Stoff zu sticken. Mein uraltes Notebook brauchte dringend ein Abdecktuch zum Schutz vor dem ganzen Blütenstaub, und auch als Pausenzeichen für mich, weil ich viel zu lang daran sitze.

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Da mein Bildschirm das Tor zur Welt des Wissens ist, saugt sich hier ein blauer Wasserfleck in den virtuellen Datenozean. Der Spruch von Ralph W. Sockman lautet

The larger the island of knowledge, the longer the shoreline of wonder

Auf deutsch „Je größer die Insel des Wissens, desto länger die Küste des Fragens“ hört sich blöd an, außerdem ist ‚wonder‘  noch mehr als Fragen, es ist auch Neugier, Staunen, sich wundern…  Also bleibt es bei der englischen Weisheit, die ich nur bestätigen kann. Je länger man Dinge recherchiert, desto klarer wird: Man kann nicht viel wirklich sicher wissen.

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Den Spruch verdanke ich einem Twitterfund

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Dazu muss man wissen, dass die Wendung ‚lasse ich mir auf ein Kissen sticken‘ im Internetsprech nicht wörtlich gemeint ist.  Hier ist vielmehr eine neue Redensart entstanden, die zwar eine Aussage betonen will, gleichzeitig aber auch eine ironische Distanz zu eventuell gefährlich seichten Sinnsprüchen ausdrücken soll.

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Die gestickten Volksweiheiten, die vor hundert Jahren in vielen Haushalten auf Kissen und Tüchern als Deko drapiert wurden, gelten auch heute noch als Ausdruck von Biederkeit und Spießigkeit, ihre Herstellung als Symbol der Frauenunterdrückung. In den letzten Jahren haben sich mehrere Ausstellungen  (gerade vorbei in Unna, früher im Frauenmuseum Hitisau)  diesen Tüchern gewidmet. Gleichzeitig haben subversive Versionen einer jungen Stickereiszene  vor allem im englischsprachigen Ausland mit dem Bieder-Image gespielt.  In dem Fahrwasser ist ja vielleicht möglich, heute mal wieder ganz unideologisch seinen Arbeitsplatz zu verschönern.

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Zum Technischen: Gestickt habe ich mit Sashikofaden in Steppstich, wie immer lässig-fahrlässig unregelmäßig.  Und wie immer beim Sticken von Buchstaben ist das Problem die Vorlage. Der Kreidestift hielt natürlich auf dem Stoff nicht gut und eine Fixierung mit Haarspray machte die Schriftzüge noch unsichtbarer. Am Ende musste dann eine handschriftliche Vorlage auf Papier als grobe Orientierung ausreichen. Bei soviel Freiheit war es natürlich leicht, sich zu verschreiben – auf dem Foto steht noch coastline, aber shoreline ist schöner, also musste der Faden wieder raus. Die Bienenwachskerze (Grundschulweihnachtsfeierbastelei) dient zum Wachsen des Stickfadens, damit er sich nicht so leicht verknotet.

Schmucktücher zum Verdecken habe ich auch geerbt. Eins hängt bei uns in der Küche über den Kühlschrankzetteln. Ich finde es sehr schön, auch wenn der Spruch nicht das geringste mit der Kochweise in diesem Hause zu tun hat. (Beim Anblick der leeren Flensburger-Alkoholfrei Flasche möchte ich übrigens anprangern, dass hier in Berlin immer weniger Geschäfte dieses einzige – neben Jever Fun – genießbare alkoholfreie Bier führen. Was soll das? Das geht nicht.)

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Wer noch ältere Stoffspielereien mit Schrift auf Stoff  sehen will, kann ja unten in den früheren Beiträgen weiterklicken.

Ansonsten nun schnell weiter zu Karen, die poetisch mit Bleiche experimentiert und am Ende ganz wunderbar mit Klebstoff geschrieben hat, das müsst ihr euch ansehen. Vielen Dank  für das Linksammeln, liebe Karen !

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Stoffspielerei im Dezember: Gequiltete Schrift

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Gästebuch auf Tuch bei Monogramme und Namen sticken

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Stoffspielerei: Spruchtuch kinderleicht?

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Vormerken: Der nächste Termin für die Stoffspielerei ist Sonntag, der 26. Juni 2016 bei Frifris, Thema „Löcher“

danach ist SOMMERPAUSE

Wiederaufnahme voraussichtlich am 25. September bei mir, Thema: Von Gold bis Blech – Metallstickerei

 

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Die monatliche Stoffspielerei ist eine Aktion für textile Experimente. Sie ist offen für alle, die mit Stoff und Fäden etwas Neues probieren möchten. Der Termin soll Ansporn sein, das monatlich vorgegebene Thema soll inspirieren. Jeden letzten Sonntag im Monat sammeln wir die Links mit den neuen Werken – auch misslungene Versuche sind gern gesehen, zwecks Erfahrungsaustausch.

 

deko6

 

Du kriegst die Motten?

Wie man Kleidung vor Motten schützen kann, wie man die Motten wieder los wird und wie man Mottenlöcher doch noch retten kann.

motten

Gerade ist wieder die Zeit, in der eingelagerte Winterkleidung besonders vor Motten mit Vermehrungsdrang geschützt werden muss. Auf Leserinnenwunsch hin habe ich mich mal ein bisschen in Mottenkisten umgesehen.

1. Feindanalyse

Um sich zu schützen, muss man sich mit dem Feind beschäftigen.  Analysieren wir also mal die Spielzüge des Gegners.
 kleidermottestadien

Was fressen Kleidermotten?

Natürlich nagen nicht die unscheinbaren Falter die Löcher in die Wolle, sondern deren Larven. Die grausilbrigen Falter der Kleidermotte, miniklein, unter 1 cm (!), bekommt man selten zu Gesicht.  Das Weibchen versteckt sich lieber, bevor es seine Eier auf der passenden Nahrungsquelle ablegt. Eigentlich geht es ihr nur um ein Protein, das Keratin. Keratin haben Menschen und Tiere in Haare und Haut, besonders gefährdet sind also Wolle und Felle. Rein pflanzliche Fasern und Kunststoffe frisst die Raupe aber auch, quasi nebenher, besonders bei Mischgewebe.

Wann fressen Kleidermotten?

Die Flugzeit, in der die Eier für die Larven gelegt werden, kann schon vor Mai beginnen und dauert bis September. Motten lieben  Dunkelheit. Es ist aber nicht so wahrscheinlich, dass Kleidermotten von draußen in Haus fliegen, meist werden sie durch infizierte Textilien eingeschleppt. Ein Weibchen legt 100 bis 250 Eier.  Die Larven schlüpfen nach etwa zwei Wochen und fressen sich dann zügig durch Kleidung, Teppiche oder Polster, bis sie sich verpuppen. Am Ende hinterlassen sie die kleine Gespinströhre, die man in seinem zerfressenen Wollvorrat oft noch gut erkennt. Diese Entwicklung dauert 2 oder mehr Monate, je nach Umweltbedingungen.
 mottensicherdachboden

Was mögen Kleidermotten nicht?

Abgeschlossene Schränke und Kleidersäcke
Saubere Kleidung
Unruhe
Kälte
Licht
Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass zum Beispiel eine offene Kleiderstange auf einem warmen Zwischenboden das Paradies für Kleidermotten ist.  Schränke in einem trockenen, ungeheizten Keller scheinen aber ziemlich gut vor Befall zu schützen. Ungereinigte Kleidung ist wegen menschlicher Hautschuppen, Haaren und Schweißresten doppelt lecker.
Zu Chemie kann ich nicht viel sagen. Ich kaufe manchmal  schon diese langen grünen Klappstreifen aus dem Drogeriemarkt und hänge sie in den Schrank, ebenso wie Lavendel- oder Zedernduft. Aber ob das wirklich abschreckt?  Ich habe jedenfalls keine schlechten Erfahrungen seitdem gemacht. Mangels Lavendel im Garten werde ich es noch mit Waldmeister probieren, er soll auch wirken.
(Zusatzinfo Kommentar Bele:  Wirksamkeit Lavendel und andere Dufstoffe bisher nicht erwiesen)
 mottenspray

2. Die Motten waren da – wie werde ich sie wieder los?

Am besten alles ausräumen, Schrank gut saubermachen. Kleidung waschen und, je nach Leidensdruck, in der Tiefkühltruhe durchfrieren. Bemerkt man die Löcher im Winter, kann man die befallene Garderobe auch eine Weile auf dem Balkon oder im Garten bei Minusgraden  lagern. (Zusatzinfo Kommentar Bele: Das bringt nur etwas bei -20Grad und sehr plötzlichem Temperaturwechsel.)    Offenbar gibt es Leute, die ihren Lieblingspulli in die Mikrowelle legen, um eventuellen Eibefall durchzugaren. Allerdings habe ich da Bedenken, denn je nach Trockenheit können Textilien in der Mikrowelle auch schnell zu schmoren anfangen.
Mit chemischen Mitteln kenne ich mich leider nicht genug aus, um kompetent Auskunft zu geben. Helfen sollen auch Schlupfwespen. Pherhormonfallen sind nur dazu gut, den Mottenbefall anzuzeigen, den Schaden verhindern können sie nicht. Vielleicht melden sich hierzu ja Fachstimmen in den Kommentaren. Bei den Recherchen habe ich gemerkt, dass es mit dem Thema Motten wie bei Läusen und Zecken ist: In Detailfragen wird es kompliziert und Hörensagen dominiert.

3. Kann ich meinen Lieblingspulli irgendwie retten?

Auf jeden Fall. Es gibt verschiedene Möglichkeiten:

Den Makel verstecken

Kunststopfereien können ein Gewebe manchmal so reparieren, dass nichts auffällt.  Warum sollte man das nicht auch einmal selbst versuchen. Allerdings ist ist sehr sorgfältiges Arbeiten angesagt, und, sehr wichtig: Das Stopfgarn stammt am besten vom Kleidungsstück selbst, zum Beispiel aus dem Saum oder einer Seitennaht. Für Stricksachen erklärt diese Youtube-Anleitung „How to darn socks“ ganz gut die Strategie. Es gibt kein Schluren, jede Reihe muss gezählt und exakt nachgearbeitet werden! Das gilt genauso für Webstoffe. Es ist möglich,  Löcher unsichtbar zu reparieren,  der Stoff wird quasi nachgewebt. Früher wurde das auch noch in der Schule an Mustertüchern unterrichtet. Die fast verlorene Kunst zeigt  Parisian Gentleman – das hier war einmal ein Zigarettenloch!

Der Colette-Blog hat einen ganz guten Überblick über Kleidungsreparaturen,  „Make Do and Mend“, mit weiteren Links in den Kommentaren. In vielen alten Büchern gibt es noch Abschnitte dazu, zum Beispiel in The New Dressmaker.

Gröberes Vorgehen geht jedenfalls auch. Ich habe bei einem Neu aus Alt-Post vor einigen Jahren schon einmal gezeigt, wie ich  ein Loch von unten mit Vlieseline sichere und darübersticke, es fällt kaum auf.

Den Makel schmücken

Man kann die Löcher extra betonen, indem man sie bestickt, mit Nadelfilzen bearbeitet (Konfettiflicken über Mottenlöcher)  oder Stoff appliziert. Das funktioniert aber nur, wenn die Löcher entweder an einer optisch passenden Stelle sitzen, oder man die Reparatur über einen größeren Teil des Kleidungsstücks verteilt damit es nicht willkürlich aussieht.
Einen  ganzen Blog zum Thema „visual mending“  betreibt Tom of Holland, mit Anleitungen und Inspirationen. Das offensichtliche Stopfen kann auch zur Kunst werden.

Etwas Neues daraus machen

Wollwaren lassen sich gut weiterverwerten, Wenn möglich, kann man die Wolle aufribbeln und wiederverwenden. Oder man näht daraus Mützen, Handschuhen, Stulpen, Kissen und filzt die Teile vorher noch  in der Waschmaschine.  Wolldecken aus bunten Stücken können sehr gut aussehen. Diese hier hat im 19. Jahrhundert ein Soldat aus 10.000 Uniformteilen gefertigt:

uniformteilevia twitter

Andere Überwürfe zeigte ich bei Liebling, ich hab die Pullover geschrumpft. Ebenfalls aus Wollresten hat Nahtzugabe eine schöne Decke gemacht – und in ihrem letzten Buch sind natürlich noch mehr Weiterverwertungsideen.
Gern könnt ihr nun eure Erfahrungen dazu geben und euch auch therapeutisch ausheulen – ich bin selbst gerade wieder Betroffene, weil ich vor einigen Wochen zwei Mäntel fahrlässigerweise in der Garage hängen gelassen hatte.

Mit diesem Beitrag habe ich übrigens zwei Motten mit einer Klappe geschlagen (aaaaaah, sorry) und sowohl „Du kriegst die Motten“ als auch die „Mottenkiste“ für das neue Buch recherchiert.  Wo das herkommt? Da müsst ihr wohl auf den Herbst warten…    :)

Leider finden einige Mottenzitate keinen Platz im Buch , die hänge ich nun einfach hier an. (Und nicht vergessen, in einer Woche ist wieder Stoffspielerei bei Karen,  Ende Juni dann bei Frifris mit dem passenden Thema „Löcher“).
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Aus „Der moderne Knigge“, 1902:

In vielen Familien wird von den Hausfrauen das Eintreffen des Sommers durch eine beliebte Ceremonie , genannt das Einmotten, gefeiert. Dieses besteht darin, daß die Damen-, Herren- und Kindergarderoben und andere Textilgegenstände des Hauses mit scharfriechendem Pulver vollgestreut werden, wodurch, wenn das Pulver nicht ganz frisch und obenein nicht echt ist, den Motten verraten wird, wo ihr Futterplatz sich befindet.

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Die Motte spinnt sich auch in seidnen Zeug mit ein
Und Purpur weis sich nicht zu schützen.
Hofmannswaldau, 1703

wann man diese blumen bei die kleider leget,
verjagen sie die motten und schaben.
Tabernaemont, 1687

Denn wie ein Kleid wird sie verzehren die Motte, und wie Wolle sie verzehren die Schabe;
aber meine Gerechtigkeit wird in Ewigkeit sein, und mein Heil durch alle Geschlechter hindurch.
Bibel,  Jesaja, 51,8