Stickversuche mit Bouillon – Stoffspielerei September

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Nein, hier geht es nicht um Brühe. Bouillon heißt auch eine Spirale aus Metalldraht, meist gold- oder silberfarben, die zum heutigen Stoffspielereithema* „Metallstickerei“ passt.

Vorbild für mein Projekt waren die Broschen von Macon et Lesquoy,  die sehr witzig und besonders sind.

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Es hat eine ganze Weile gedauert, bis ich wusste, wie diese Broschen gemacht sind. Bouillon, auch Kantille genannt, kennt man zum einen von Kirchenstickereien, zum anderen auch von Uniformabzeichen oder goldbestickten Fahnen. Auf Deutsch muss man dazu nach „Klosterarbeiten“ suchen, findet aber nicht viel. Eher wird man auf Englisch unter dem Stichwort „Goldwork“aufgeklärt. Bouillon ist nur eine von vielen Möglichkeiten in der Goldstickerei. An das originale Material heranzukommen ist ziemlich schwierig und kostspielig. Online gibt es unter dem Stichwort „Klosterarbeiten“ nur wenig Lieferquellen, und wenn man keine Ahnung hat, will man auch nicht blind irgendetwas bestellen.

In Sachen Bouillon entschied ich mich also lieber, beim Bastelkaufhaus Idee in der Floristenabteilung zuzugreifen, getreu dem Motto „If in doubt, try it out“, war auch nicht so teuer. (Entschuldigung an alle echten Klostersticker, die gerade schwer atmen). Laut Website soll man mit dem Spiraldraht wohl Blumen umwinden, naja.  Auf dem Foto scheint der Draht auseinandergezogen, in meiner Packung sieht er wie eine geschlossene Schnur aus.

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Was man sonst braucht (verfilzter schwarzer Wollrest, gold/silbergraues Garn, Stickrahmen), hatte ich hier. Besonders hilfreich war der Teppich als Unterlage, da rollt nichts weg, alles lässt sich gut mit der Nadel aufnehmen. Zuerst legt man die Umrandung an (bei mir Kettenstich), danach füllt man die Fläche mit kleinen Abschnitten des Spiraldrahts. Jeder Abschnitt sollte genau die richtige Länge haben, da gibt es sicher Tricks. Ich schnitt mit der Schere nach Augenmaß, was nicht so gut ist. Dann muss man die Spiralen nur noch über einen Nadel fädeln und wie eine Stabperle aufnähen. Geht ziemlich schnell und macht Spaß. Eigentlich muss das natürlich ganz fein und regelmäßig sein, mit meinem Blumendraht unmöglich. Besonders schlimm war der Silberdraht, der kam schon gequetscht und verzogen aus der Packung.

Später erinnerte ich mich an einen Weihnachtsanhänger aus London mit Goldstickerei. Im Vergleich kann man schön sehen, wie viel kleiner und dünner echter Bouillondraht ist. Der Schriftzug „St-Martins“ zum Beispiel besteht auch nur aus Spiralabschnitten.

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Meine zwei Anstecker finde ich so naja, wirken doch noch etwas militärisch bzw. baumschmuckmäßig. Sie landen wohl in der Verkleiden-Kiste. Die silberne Amöbe sollte eigentlich ein Mund mit Perlzähnen werden.

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Im Idee-Kaufhaus fiel mir auf, wie viele Stick- und Bastelpackungen (mit gar nicht mal so schlechten Projekten) es dort zu kaufen gab, das hat wirklich zugenommen. Ich kann das auch verstehen. Hätte es eine Stickpackung mit allem gegeben, was man für eine Brosche a la Macon et Lesquoy braucht, hätte ich sie gekauft. So aber scheue ich die Investition für das Grundmaterial. Bleibt dennoch im Hinterkopf! Diese Mütze von Schiaparelli hätte ich nämlich auch gern.

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Nun bin ich gespannt, wer noch etwas probiert hat (vielleicht auch mit Bouillon?) und freue mich, euch hier mit euren heutigen Beiträgen zu verlinken.

  • Nähzimmerplaudereien ist mit einem gekupferten Oktopus dabei
  • Bei Machwerk biegen Drähte warmen Filz zu einer sympathischen Ablage
  • Die Galerie der Handarbeiten präsentiert Kronkorken statt Shisha-Spiegelchen, sehenswert!
  • Karen häkelt mit Goldgarn und weiß noch viel mehr zur Geschichte der goldglänzenden Stickerei, Bouillon kommt auch vor!
  • 123-Nadelei hat sich vom Steampunk für einen Kragen inspirieren lassen und -wie andere – ziemlich mit dem Metallic Garn gekämpft.
  • Nahtzugabe zeigt, wie man Goldgarn auch ganz modern und effektvoll einsetzen kann

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Die monatliche Stoffspielerei ist eine Aktion für textile Experimente. Sie ist offen für alle, die mit Stoff und Fäden etwas Neues probieren möchten. Der Termin soll Ansporn sein, das monatlich vorgegebene Thema soll inspirieren. Jeden letzten Sonntag im Monat sammeln wir die Links mit den neuen Werken – auch misslungene Versuche sind gern gesehen, zwecks Erfahrungsaustausch.

Der Plan für die nächsten beiden Monate:

Sonntag 30. Oktober    Griselda / Machwerke zum Thema  „Blätter“
Sonntag 27. November   Lucy / Nahtzugabe, Thema folgt noch

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Kurzwaren: Links und Infos Nummer 18

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Momentan müssen neue Bloggeschichten etwas warten. Vom Urlaub ging es hier direkt in die letzte heiße Phase für das neue Buch. Buchsatz ist unglaublich aufwendig, wenn man es einigermaßen gut machen will. Auch beim xten Korrekturdurchgang finden aufmerksame Kontrollleser noch etwas, und immer wieder macht das Programm komische Dinge. Nachts träume ich von doppelten Leerzeichen und wache schweißgebadet mit der Vorstellung auf, irgendwo einen Halbgeviertstrich vergessen zu haben.

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Sobald das Buch in der Druckerei ist, bin ich wieder frei für anderes. Vorab muss ich mich aber schon mal um die Gemeinschaftsaktion Stoffspielerei am kommenden Sonntag kümmern. Da bin ich dran, und das Thema ist

Von Blech bis Gold: Metallstickerei

Wie ich das meine? Ganz frei, solange irgendetwas dabei ist, das metallig aussieht. Vielleicht habt ihr ja Lust, in der Werkzeugkiste zu wühlen und euch etwas mit Schrauben und Unterlegscheiben zu besticken. Königin Maxima war im Frühjahr mit einem so geschmückten Mantel sogar auf Deutschlandbesuch.

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Wenn dabei keine Hakenkreuze entstehen, könnt ihr auch den Mini-Skandal vermeiden, den ihr Look verursacht hat. Jedenfalls kam ich damals auf die Idee für das Stoffspielereithema und wollte auch so etwas in der Art versuchen. Nun scheint es aber bei mir vielleicht doch in eine andere Richtung zu gehen, mal sehen, ob mein Plan klappt. Ich bin gespannt auf Beiträge! Keine Scheu, es geht ja nur darum, etwas Neues zu probieren und von euren Erfahrungen zu berichten.

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Und nun noch ein paar Nachrichten:

  • Während der Sommerpause hat Madewithblümchen sich noch einmal mit dem Thema Plissee beschäftigt und dafür sogar eine Plissieranstalt besucht – lest ihren Bericht hier: Das hat ein Nachspiel. Sehr interessant! Vielen Dank dafür.
  • Wie berichtet läuft in Sachsen im Schloss Hartenfels noch bis zum 31. Oktober 2016 Schätze einer Fürstenehe.  Martina/Machwerk war in der Ausstellung und hat auch Fotos von der Prunkkleidung mitgebracht. Torgau liegt 50 Kilometer nordöstlich von Leipzig – „für kulturhistorisch Interessierte auf jeden Fall auch eine Extrafahrt wert“ meint Martina. Sie war auch Gast bei Muriels Nähpodcast, dort könnt ihr nun schon in 17 Episoden Nähbegeisterten beim Gespräch zuhören.
  • Was ich auch schon immer wissen wollte: Wie das mit dem eigenen Digitaldruck auf Stoff funktioniert. Nahtzugabe durfte bei Spoonflower hinter die Kulissen schauen , die eine Dependance in Berlin aufgemacht haben.

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Meike von Crafteln hat einen Schnittmustershop eröffnet – Designer Pattern for Every.body

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Sie beschreibt in ihrem Blog, wie sie das alles auf die Beine gestellt hat und was die Schnitte in ihrem Shop so besonders macht. („Gutes Design, solide Handwerkskunst und die Bereitschaft, sich auf unterschiedliche Körperformen einzulassen…“)  Außerdem gibt es Einführungspreise!

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Arte zeigt vom 30. September bis 2. Oktober wieder ein Fashion Weekend mit Dokumentationen und Filmen (Kostümfilm „Die Herzogin„, Oper La Traviata,  inszeniert von Sofia Coppola, Kostüme Valentino!).

Aus dem Programm kann man „Was ist Haute Couture?“ von Loïc Prigent bereits vorab sehen. Außerdem Sprüche aus der Modewelt, hinter den Kulissen aufgeschnappt – gelesen von Catherine Deneuve (bzw. ihrer Synchronsprecherin), eine kleine ziemlich gemeine Serie.

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Zum Abschluss noch zweimal Augenschmaus

harpersbazarvintagegirlsTolle Bilder von Frauen in New York, die sich jeden Tag wie aus einer anderen Zeit kleiden

Ein Kleid auf einem Gemälde, das heute noch in echt zu bewundern ist.

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Bis spätestens Sonntag hier an diesem Ort, es wird metallig.

Top und Flop im Urlaub

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Brandneue Schuhe und uralte Katzenspuren. Nachfolgend eine geballte Ladung Urlaubserinnerungen – kann gern auch in kleinen Stücken genossen werden.

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Urban Crochet in Llanca, Costa Brava

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Dort wurden sogar Kajaks eingehäkelt – komischerweise aber nannten sie es Urban Knitting.

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Portbou

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Hier in der spanischen Grenzstadt gleich neben Frankreich nimmt sich 1940  der Philosoph Walter Benjamin in einem Hotel das Leben. Er fürchtet die Auslieferung an die Deutschen, seit sieben Jahren ist er bereits auf den Flucht vor den Nazis. Heute führen in seinem Gedenken Stufen endlos ins Meer – ein sehr beeindruckendes Denkmal.

Walter Benjamin beschäftigte sich auch mit der Mode, denn er war überzeugt davon, dass sich in ihr zukünftige Entwicklungen ablesen lassen:

„Jede Saison bringt in ihren neuesten Kreationen irgendwelche geheimen Flaggensignale der kommenden Dinge. Wer sie zu lesen verstünde, der wüsste im Voraus nicht nur um neue Strömungen der Kunst, sondern um neue Gesetzesbücher, Kriege und Revolutionen.“

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Häkelgarn ist so wichtig wie ein Taschenmesser

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Mein Knäuel leistete so gute Dienste! Die Hüte bekamen Bänder gegen das Wegfliegen im Tramontane-Wind, der Rock wurde mit dem Garn zur Hängegardine, der flatternde Sonnenschirm am Strand konnte an Steine gebunden und gesichert werden.

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Burkini

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Hin und wieder hatte ich W-Lan und konnte den Aufschrei verfolgen, der außerhalb Frankreichs durch den Burkini-Bann an französischen Stränden ausgelöst wurde. Vor Ort sah die Sache ganz anders aus und ich wunderte mich über die platte und verfälschte Berichterstattung im Ausland. Wieso will niemand wissen, was in Frankreich anders ist, warum ein so irrationales Verbot einen so breiten Konsens in einer eigentlich ganz vernünftigen Bevölkerung haben kann – nicht nur unter Rechten? Wenn ich das Verbot auch nicht gutheißen konnte, so konnte ich doch nachempfinden, warum die Menschen an der vom Terrorismus so hart getroffenen Mittelmeerküste jedenfalls im Moment am „Tatort“ keine Zeichen eines konservativen Islam sehen wollen, Pietät verletzt sehen. Aber das ist nicht alles, und mehr dazu sprengt hier den Rahmen…

tag5   Hotelkissen à la Louise Bourgeois – ein Zukunftsprojekt!

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Cloître Saint-Trophime in Arles mit in Stein gehauenen Textilien.

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Musee des Tissus in Lyon

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Die größte Enttäuschung des Urlaubs. Ich hätte (wie damals in Bayeux) fast geheult, als ich nach langer Anreise endlich die abgedunkelten Räume in dem altem Stadtpalais in Lyon betrat und merkte: Der ganze Aufwand wird sich nicht lohnen. Große kostbare Stoffbahnen hinter Glas mit langwierigen Erklärungen in winziger Schrift, die ich auch mit Lesebrille nur mit Mühe entziffern, geschweige denn verstehen konnte. Mein Französisch ist alltagstauglich, aber für die gedrechselten Bandwurmsätze reichte es nicht. Übersetzungen in andere Sprachen? Fehlanzeige. Wie in allen Museen, die den Schuss noch nicht gehört haben, verhindert ein Fotografierverbot, dass man wichtige Details später zuhause nachrecherchieren kann.

Das Museum mit einer der größten Stoffsammlungen der Welt (von der man nicht viel zu sehen bekommt) stand aus Finanzierungsgründen kurz vor der Schließung, ich hatte hier darüber berichtet und auch eine Petition für die Rettung unterzeichnet. Sicher hängt das rückständige Konzept auch mit Geldmangel zusammen, daher muss man die 10 Euro für den Eintritt schlucken und sich mit der visuellen Schönheit der alten Seiden (und einiger fein restaurierter Kostüme) begnügen.

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Wie eine gute Vermittlung aussehen kann zeigt das Monastère Royale de Brou in Bourg en Bresse. Ein Zufallsstop, der mich hellauf begeistert hat. Das spätmittelalterliche Kloster ist eine einzige große Liebeserklärung einer starken Frau an ihren nach nur kurzer Ehe verstorbenen Mann. Margarete von Österreich wurde als 24 jährige schon zum zweiten Mal Witwe, nach nur zwei Jahren Ehe mit Philibert dem Schönen. Sie heiratete nie wieder und ließ für die Grabstätte ein großes Kloster mit einzigartigen Steinmetzarbeiten errichten. Die Ornamentik ist übersäht mit durch Kordeln verschnürten Initialen, P&M für Philibert und Margarete, aus Stein gehauenen Margeritenblüten (ihre Blume), Federn (weil sie eine gebildete Frau war) und ziselierten Grünkohlblättern (warum, weiß das jemand?).

Sie war wirklich eine Motto-Queen, denn ihren Wahlspruch, ein Wortspiel:

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„Fortune Infortune fort une“, findet man zigfach aus Stein und auf Glas verewigt. Ich übersetze es mir mit  „Glück und Unglück macht Eine stark“. Ich hätte noch viel länger dort bleiben können. Der Audioguide auf Deutsch erklärte alles sehr gut und mit der Möglichkeit, bei Bedarf auch immer weiter ins Detail zu gehen.

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Vom spätgotischen Prunk nun ein starker Schwenk in die französischen Pyrenäen, dort lief ich ein bisschen ganz allein auf dem Jakobsweg. Auf Zeichen der höheren Mächte musste ich nicht lang warten. Zuerst lag ein Museum am Wegesrand, das Musee de Cerdagne, ein alter Hof mit sprechendem Gemüsegarten und Erklärungen der örtlichen Traditionen wie der Schafzucht. Dort lernte ich, dass schwarze Schafe eigentlich gar nicht schwarz sind – die weißen und braunen Socken auf dem Foto sind aus ungefärbter Schafwolle gestrickt.

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Das nächste göttliche Zeichen auf meinem Mini-Jakobsweg war dann ganz eindeutig: Irgendwo auf einem Hügel erhielt ich die Nachricht, dass in der Heimat Riesenbuchbestellungen eingingen (juhu!), aber logistische Probleme zu meistern waren.

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So saß ich da auf der Hochebene und verschickte Orga-SMS. Es hat dann alles gut geklappt, irdischen guten Geistern sei Dank.

Damit ist die Sache ist klar! Ich mach dann mal so weiter…

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Auf den Spuren eines Strandfotos – Recherchereise nach Polen

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Falls sich noch jemand an den Rätselfall Familienalbum – ein Strandbild im Detail  erinnert: Nach dem Beitrag im letzten Sommer bekam ich eine andere hübsche Fotografie geschenkt.

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Zehn junge Frauen liegen im Sand, eine schöne Szene. Wir wissen nicht mehr dazu als die Postkarte hergibt.  Beim genauen Hinsehen stellen sich schon wieder interessante Fragen. Warum tragen sechs der jungen Damen dunkle Schirmmützen, statt  Strohhüte wie die anderen vier? Sind das vielleicht Dienstmützen? Dazu würde der handschriftlichen Gruß auf der Rückseite der Karte passen:

„Zur Erinnerung an unser Mittagsschläfchen am Strand Misdroy“

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Zehn junge Frauen machen Mittagspause, legen sich in den Sand, lassen sich fotografieren. Wann mag das gewesen sein? Was erzählt ihre Kleidung für eine Geschichte, was war damals in Misdroy los, wo ist das überhaupt?

Misdroy, oder eben heute Miedzyzdroje,  liegt ganz links oben an der 500 Kilometer langen Ostseeküste, die Polen zu bieten hat. Von Berlin ist der Ort in unter drei Stunden zu erreichen. Warum nicht mal hinfahren? Also rein ins Auto und über Stettin und Wollin nach Miedzysdroje. Ganz gespannt habe ich das mondäne Seebad im Kopf, das Misdroy um den Jahrhundertwende gewesen sein soll.

Nach der Ankunft wird schnell klar, dass sich die Zeiten natürlich sehr geändert haben.

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Der Ort und die Strandpromenade sind ein ziemlich furchtbares Gemisch aus Imbissbuden, ramschigen Verkaufszelten, Werbeschildern, Räucherfisch- und Waffelbäckerschwaden,  Menschenmengen. Die alte Häuserpracht ist nur noch teilweise zu erahnen.

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Ein Standort, zwei Blicke.

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Am Strand sieht es ungefähr so aus:

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Wenn man sich aber nur ein, zwei Kilometer vom Zentrum wegbewegt hat man den schönsten feinsten weichsten Sandstrand zusammen mit entspannten Menschen fast für sich.

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Tolles Essen findet man auch, zum Beispiel sehr gute Borschtsch mit Ente im Stella Maris.

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Insgesamt sind die Zloty-Preise in Euro umgerechnet sehr günstig. Für dieselbe Summe bekommt man sicher doppelt so viel wie zwanzig Kilometer weiter auf der anderen Seite der Grenze. Man kann sich also nach Herzenslust durch lauter neue Gerichte hindurchprobieren. Zum Beispiel wusste ich nicht, dass kandierte Fruchtstückchen in so einem Teekuchen auch ganz weich und zart und feinsäuerlich-aromatisch sein können. Ich hoffe, das bekomme ich hier zuhause einmal ähnlich hin.

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Die Schokonascherei Ptasie Mleczko mag ich auch sehr gern, das ist ein bisschen wie ein fester Schokoschaumkuss ohne Waffel. Den Namen kann ich leider nicht aussprechen, übersetzt heißt das Konfekt Vogelmilch, wie schön. Polnisch ist schwer, aber auch ohne Polnischkenntnisse kamen wir ganz gut klar. Die Jüngeren verstehen meist Englisch, die Älteren Deutsch. Wenn man viel grüßt mit Dschendobri (Dzień dobry!) und Danke sagt, Tschenkuje (Dziękuję), dann unterscheidet man sich hoffentlich von so manchen anderen deutschen Urlaubern dort, die vielleicht etwas überheblich auftreten. (Oder? Gibt es polnische Lesermeinungen dazu?)

Wir fahren bestimmt wieder hin! Nur den Ort an sich und die Menschenmassen werde ich meiden, aber das gilt ja für alle Tourismushochburgen in der Welt.

Vor lauter neuen Erlebnissen bin ich jetzt mit der Detektivarbeit am neuen Strandfoto noch nicht weitergekommen. Mehr zur Mittagsrunde der jungen Frauen in Kürze! Eine Rolle werden spielen: Die Seebrücke, die weißen Blusen und ihre Ärmel, die Röcke, die Hüte, die Frisuren.

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Schaut für die Fortsetzung wieder vorbei! (Und, falls jemand Spezialwissen hat, wie immer gern her damit. Vielleicht liegt auf dem Foto ja jemandes Urgroßmutter im Sand?)

 

Sommerkleider selber nähen – MeMadeMittwoch Spezialausgabe

„Ich packe meinen Koffer“ heißt die heutige Spezialausgabe beim MeMadeMittwoch. Nach ewigen Zeiten wollte ich mal wieder teilnehmen, freudig mit meinen neuen selbstgenähten Sommersachen. Bloß, bei der Selbstauslöser-Fotosession  heute kamen mir doch große Zweifel. Meinen Kofferplan muss ich noch überdenken.

Leichte luftige Kleider sind hier jedes Jahr Thema – familienbedingt muss ich immer in südliche Bruthitze. Dieses Jahr wollte ich mir an Floh ein Beispiel nehmen – sie hat sich nach einem Brigitte-Schnitt nun schon zwei Kleider genäht, die ihr auch sehr gut stehen. 2016-07-27 14.16.48 (408x800)

Derselbe Schnitt an mir sieht nach Nachthemd oder OP-Kittel aus. (Stoff von Hüco, feine Oberhemden-Baumwolle). Zur Rettung habe ich es mal wieder mit Tuchapplikation versucht. (Uraltes Halstuch von Esprit).

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Gestern abend war ich noch ganz überzeugt, aber heute im Lauf des Tages fühlte ich mich schon nicht mehr so wohl. Die Umrandung mit der Bommelborte macht es auch nicht besser.

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Ich glaube, das bleibt ein Nachthemd – oder wirklich ein Patientenhemd, denn sein eigenes Hemd zu haben, ist schon ganz schön. In Kanada gibt es sogar eine Intitiative, die Jugendlichen individuelle Kittel für die Krankenstation besorgt.

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Der blaue Rock unten ist auch frisch genäht, aus einem gefärbten Betttuch nach eigenem Schnitt. (In den letzten Jahren nähe ich fast nur noch nach Schnitten, die ich von mir passender Kaufkleidung abnehme). Das sehr luftige Oberteil hatte ich schon vor Jahren einmal gezeigt, ich trage es immer noch. Aber irgendwie sieht das zusammen auch nicht so toll aus wie erhofft.

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Da denke ich doch gleich an diese Bilder hier.

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Damit es aber nicht so negativ wird, hier ein Kleid, das seit vielen vielen Jahren in meinen Sommerkoffer kommt. Den Schnitt hatte ich damals von einem sehr gut sitzenden Lieblingsoberteil abgepaust und zum Kleid verlängert.  Locker und luftig, halblange Ärmel, aber dennoch „angezogen“. Hier hat sich der Nähaufwand für einmal wirklich gelohnt.

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Ebenfalls gelohnt hat sich dieses Sommerkleid, das ich seit dem Blogeintrag vor 6 Jahren mag,  Angezogen.

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Auch immer dabei ist mein bei Hitze nicht störender Textilschmuck, gehäkelte Ketten oder Armbänder aus Besenstielspitze.

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Der Blick ins Archiv deckt vergessene Sommerflops auf. Einige genähte und verbloggte Sachen habe ich so gut wie nie getragen. Bei dem Wax-Print unten links (Blogtitel 1qm Zufriedenheit  haha) ist der Stoff zu steif und unbequem.

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Aber egal, sehr viele gute Sommerkoffer-Tipps könnt ihr heute beim MeMadeMittwoch finden, wo  Wiebke vom Blog „Kreuzberger Nähte“ beneidenswert ausgestattet auf Reisen gegangen ist.

Falls ihr bald fahrt oder schon weg seid: Gute Reise, guten Urlaub!

Von Putsch bis Badenixe – Neues aus dem Berliner Leben #Gemeinfreitag

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Durch einen Tweet der Berliner ZLB wurd ich darauf aufmerksam, dass die Bibliothek weitere Ausgaben der Berliner Leben – Zeitschrift für Schönheit und Kunst digitalisiert hat. Das freut mich natürlich sehr. Stichprobenhaft habe ich kurz in die 1920er Jahre hineingeschaut und gleich einiges gefunden, das man weiter untersuchen müsste. Warum zum Beispiel wurde die Nr. 11 der Zeitschrift 1920 beschlagnahmt? Vielleicht weil die inhaltliche Ausrichtung auf einmal deutlich erotischer ist?

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1926 gibt es zwei Badenummern.

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Ein mutiges Zweigespann? Wegen der Pose oder der Badeanzüge?

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Parallelen zu heute habe ich auch gefunden. Bei „Militärische Bilder der Putsch-Regierung“ wird man angesichts der Ereignisse in der Türkei natürlich aufmerksam. Im März 1920 versuchten Teile der Reichswehr und andere Kräfte mit dem der Kapp-Putsch die Weimarer Republik zu stürzen – der Versuch dauerte nur 100 Stunden. Anders als die Putschbilder vom letzten Wochenende zeigen die liegenden Soldaten in Berlin nur eine „Mittagsrast auf dem Wilhelmsplatz“.

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Fortschrittliche Bilder aus Istanbul 1928, die Mädchen und Frauen sind ganz modern gekleidet.

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1928 heißt die Zeitschrift nun Frauen-Illustrierte und kümmert sich sehr fortschrittlich um Frauenfragen.

Vorschlag: Entlohnung hausfraulicher Arbeit

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Kinderkrippe „Eines der größten Probleme für die berufstätige Frau ist die Frage, was aus ihrem Kinde wird…“

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Ohne weiter in das Thema eingestiegen zu sein fällt doch auf, dass die Ausgaben in der 1920er Jahren erstaunlich freie und moderne Haltungen vermitteln. Kaum zu glauben, welch ein Rückschritt kurz darauf dann in der Nazizeit möglich war –  die Parallen zu heute gehen mir leider nicht aus dem Kopf.

Ich habe für diesen Bericht wirklich nur Stichproben aus den Ausgaben, hier noch Funde:

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In der Sammlung gibt es natürlich viel mehr zu sehen. Alle Bilder, auch in ihrer digitalen Form, hat die Bibliothek gemeinfrei gestellt, sie sind in der Public Domain. Danke dafür!

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Für Samstag noch ein TV-Tipp: Um 17:30 kommt als Retrofernsehen wieder ein Folge „Guter Rat am Zuschneidetisch“, das ist auf jeden Fall sehenswert (leider nicht in der Mediathek. Danke an Nahtzugabe/eine Leserin für den Hinweis).

Wer in der Nähe von Potsdam ist, könnte sich noch bis Sonntag in Potsdam die kleine Ausstellung „Uni-Form“ ansehen, mir hat sie sehr gut gefallen, Nahtzugabe hat darüber berichtet.

Allen ein Schönes Wochenende!

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Unter #Gemeinfreitag stelle ich  Fundstücke aus der Public Domain vor.  Blogs wie „Textile Geschichten“ wären ohne historische Bilder nicht machbar. Ich bin davon abhängig, dass Bibliotheken,  Museen und Privatleute ihre Bilder zur Weiternutzung freigeben.  Die Idee stammt von Moritz Hoffmann. Dort kann man auch mehr darüber lesen, welche riesigen Schwierigkeiten das Urheberrecht für Historiker birgt.

Basketballteams – Frauen und Sport im Wandel der Jahrzente

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Jahrbücher von US-Highschools und Colleges in den Flickr-Commons zeigen sehr schön, wie sich die Frauenkleidung im letzten Jahrhundert entwickelt hat. Als Beispiel habe ich Basketballteams in Nordamerika herausgesucht, die über eine Zeitspanne von 1903 bis 1979 posieren. Die jeweilige Jahreszahl steht netterweise oft gleich  auf dem Ball.

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Dieses Foto liebe ich besonders. Hier noch ein Ausschnitt:

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Die Sportlerinnen in den USA tragen schon um die Jahrhundertwende Pumphosen, Bloomers  genannt. Die weiten Hosen gehen auf die amerikanische Frauenrechtlerin Amelia Bloomer zurück, die seit 1851 Reformkleidung für Frauen propagierte.

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Interessanterweise gilt der Pluderhosendress aber offenbar nicht für alle Schulen. In einem College in New Orleans trugen die Basketballerinnen noch bis mindestens 1913  lange Röcke.

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Die Bilder zeigen sehr schön, wie sehr man sich vor Generalisierungen hüten sollte. Nur weil ein Foto irgendwo in der Welt eine Frau in einer bestimmten Kleidung zeigt, heißt das noch lange nicht „ab dem Jahr X trugen Frauen Y in der Z-Form“. Wie heute war Mode immer ein schleichender Prozess, ganz unterschiedlich ausgeprägt je nach Region, Alter und Bevölkerungsschicht.

Miami women's basketball team 19111911

Western College on College Day 19121912

Spezielle Basketballschuhe für Frauen wurden 1907 angeboten:

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1917 hat das College in New Orleans dann auch die Bloomers eingeführt…

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… und hängt 1925 der Entwicklung wieder hinterher, denn zur gleichen Zeit werden in Kanada schon Shorts getragen:

Edmonton Grads, 1926 Canadian Champions1926

Für die Folgejahre ist in den Commons nicht mehr so viel zu finden, das hängt mit dem Urheberrecht an den Fotos zusammen. Aber Shorts und Shirts setzen sich im Sport offenbar durch.

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Pierce Junior High School girl's basketball team - Pierce1936
Edmonton Grads (1940)1940

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Goshen College Women's Basketball, 19671967

Die letzten beiden Fotos sehen wie Rückschritte im Sportlook aus, auch sehr interessant. Aber ob es repräsentativ ist? Dazu bräuchte es mehr Material.

1978/1979 geht es dann weiter in die heutige Richtung:
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Jetzt könnte ich schon fast in das Fotoalbum meiner Jugendzeit überwechseln, der Kreis wäre geschlossen.

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Dieser Beitrag sollte ursprünglich zur Rubrik  Bilderfang im freien Netz – #Gemeinfreitag gehören, denn bei den Flickr-Commons steht unter jedem Bild:  „no known copyright restrictions“. Die teilnehmenden Institutionen wissen und akzeptieren das eigentlich. Wenn man dann aber zu der jeweiligen Bildquelle geht, sieht die Sache plötzlich oft ganz anders aus,  die Weiterverwendung wird beschränkt. Für Nutzer wie mich ist es nicht möglich, diese widersprüchliche Haltung jeweils zu recherchieren. Daher sind das hier vielleicht gemeinfreie Bilder, vielleicht auch nicht – für #Gemeinfreitag sind sie jedenfalls nicht geeignet.

Dennoch ist die Sammlung hoffentlich ohne Verbiegungen zu genießen!

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Mehr als nur hübsch anzusehen: Berufstätige Frauen 1800

Eine adrette Korsettnäherin liefert Ware aus.

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Die Französische Nationalbibliothek hat eine  Sammlung mit Modebildern berufstätiger Frauen von 1824 digitalisiert. Costumes d’Ouvrières Parisiennes zeigt die Kleidung der arbeitenden Frauen in Paris.

Nachfolgend eine kleine Auswahl, beschränkt auf textile Berufe.

Modehändlerin (für Hüte und mehr):
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Mercière ambulante – „Fliegende“ Kurzwarenhändlerin:

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Stickerin mit Weißstickerei in der Hand:

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Das Kleid dieser Stickerin war schon einmal Vorbild bei einem Reenactment-Ereignis.  Kleidung um 1800 eröffnete im letzten Sommer zusammen  mit Gleichgesinnten eine Fantasie-Modehandlung.  Eine der Teilnehmerinnen nähte sich für ihre Rolle als Stickmeisterin Mme Holpriger das Kleid vom Bild aus Paris, selbstverständlich per Hand, auch die 18 Stufen im Rockteil. Die Modebilder waren als Inspirationsquelle für die Aktion Modehandlung gut geeignet.

Eine Stoffverkäuferin mit gelben Handschuhen, Schere und Maßband. (Die schwarzen Schürzen kommen auf den Bildern oft vor):
Costumes dvia

Hutmacherin:
Costumes dvia

Spitzenwäscherin – Blanchisseuse de Dentelle:
Costumes dvia
Offenbar liefert sie gerade frisch gewaschene und gestärkte Spitzen in einem kleinen Kästchen aus. Eine spezielle Feinwäscherin für Spitzen? Da musste ich ein bisschen recherchieren. In einer deutschen Enzyklopädie von 1833 heißt es beim Eintrag Spitzenwäscherin:

ein Frauenzimmer, welches die Kunst versteht oder ausübt, weiße und schwarze Spitzen wieder durch die Wäsche zu reinigen, aufzustecken und auszupletten.

Spitze war so empfindlich, dass sie zum Waschen von den Kleidungsstücken und Hüten abgetrennt wurde. Sie musste sehr vorsichtig gesäubert, gebleicht und danach wieder gestärkt, gebügelt und aufgesteckt werden. (Ausführlich dazu zum Beispiel das Kapitel Spitzen-Waschen  im Buch Anweisung zu Frauenzimmer-Arbeiten von 1826).  Zum Versteifen wurde neben Stärke auch gern Traganth genommen, ein gummiartiges Verdickungsmittel, über dass sich auch heute noch Tortendekofreaks in Backforen austauschen.

In vielen deutschprachigen Adressbüchern des 19. Jahrhunderts kommt die Berufsbezeichnung „Spitzenwäscherin“ vor – oft auch in der Variante „Blondenwäscherin“. Blonden waren feine weiche Klöppelspitzen, nach dem Ton der naturfarbenen Seide benannt, aus der sie ursprünglich gefertigt waren.

Ich erinnere mich an eine witzige Szene in der sehr gut ausgestatteten britischen Serie Cranford. Ein Stück teure feine Spitze soll in Buttermilch aufgehellt werden – zwischendurch schlabbert die Katze die Milch leider mitsamt der Spitze auf. Die Damen müssen sich nun etwas ausdenken, damit das teure Stück Textilie wieder heil aus dem Katzenpopo herauskommt…

cranvia

Büglerin:
Costumes dvia

Für die normalen Wascharbeiten war die Blanchisseuse, die Weißwäscherin/Bleicherin zuständig.

blanch1(Ausschnitt)

Die Tafeln sind als Modebilder stark idealisiert. In Wirklichkeit war vor allem das Leben der Wäscherinnen kein Spaziergang in hübschen Kleidern. Davon kann man sich anhand anderer Quellen überzeugen.

Daumier malte 1863 eine Weißwäscherin so:

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Wie es den Frauen in Wirklichkeit erging, davon zeugen auch einer ganze Reihe Exponate des Pariser Museum für Moulages , das Wachsnachbildungen von Hautkrankheiten in seiner Sammlung hat. Unten ist der mit Ausschlag übersäte Arm einer 16jährigen Wäscherin abgebildet.

Prurigo de Hebra (Inv. 1922). Femme âgée de 16 ans, blanchisseuse. Lichen, prurigo
© Musée des moulages de l’Hôpital Saint-Louis (AP-HP)

Und diese Wäscherin von ca. 1850 hat für das Foto sicherlich ihr schönstes Tuch umgeschlungen. Sie präsentiert sich mit ihren Berufskennzeichen.

Die Modebilder zeigen zwar eine ideale Welt, sind aber Beweis dafür, dass Frauen durch die Jahrhunderte hindurch immer berufstätig waren. Die gesammte Bildersammlung Costumes d’Ouvrières Parisiennes umfasst 47 Tafeln mit Frauenberufen.

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Tressuse de cheveux – Haarteilmacherin? (Ausschnitt)

(Für Leser mit Spezialwissen habe ich noch ein Frage: Ich konnte nicht herausfinden, wie genau die Begriffe Blonden und Spitzen abzugrenzen sind. Offenbar waren das verschiedene Dinge, denn in vielen Adressbüchern findet sich die Bezeichnung „Seiden- Blonden- und Spitzenwäscherin“. Vielleicht weiß jemand mehr dazu? Aber Achtung, wenn man die Wörter „Blonden“ und „Spitzen“  googelt, gerät man entweder in Haarforen oder auf Erotikseiten.)

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Unterwegs – Große und kleine Ausstellungen

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Wie jedes Jahr versuche ich, in unsere Reiseroute möglichst viele Textilmuseen hineinzuschmuggeln. Potentielle Ziele wollte ich hier teilen, aber nun habe ich allein schon in Deutschland so viele neue Ausstellungen gefunden, dass die Liste (fast) auf den deutschprachigen Bereich beschränkt bleibt. Es tut sich museal etwas im Bereich der Kleidung und Mode, scheint mir!

Zunächst ein Bericht aus Berlin, gestern hat hier nämlich tatsächliche eine Ausstellung zum Thema Redensarten eröffnet. Ich musste natürlich hin, in das schöne alte Gebäude des Museums für Kommunikation.

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bis 16. 10. 2016   Mein Name ist Hase! Redewendungen auf der Spur

Kurator der Ausstellung ist der ‚Redewendungs-Papst‘ Rolf-Bernhard Essig, der auch schon zahlreiche Bücher zum Thema geschrieben hat. Er hat viele bekannte Redensarten ausgesucht und erklärt sie mit den dazugehörigen historischen Gegenständen. So weiß ich zum Beispiel nun endlich, was ein Scherflein ist, oder wie eine tabula rasa aussieht. Textile Redensarten wie das Spinnen, das Verhaspeln und das Durchhecheln waren auch dabei, passend kombiniert mit mit Spinnrad, Haspel und Hechel. Das Museum ist ein schönes Ausflugsziel für die ganze Familie, in der Sonderausstellung können alle Generationen über die Ausdrücke fachsimpeln.

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Weitere Ausstellungen in Berlin und drumherum:

Berlin – Stadt der Frauen im Ephraim Palais. Das Leitmotiv ist das Korsett – Eindrücke aus einer  Snapchat-Story dazu.

Contemporary Fine Arts bis 10. 9. 2016 – F.C. Gundlach  90 JAHRE 90 FOTOS ZUM GEBURTSTAG

Kunstgerwerbemuseum bis 28.8.  Beautiful Mind. Ein Schmuckstück für Cranach

Potsdam   bis 24.07.  uni-form? Körper, Mode und Arbeit nach Maß

Die Ausstellung widmet sich der wechselvollen Geschichte und Gegenwart des textilen Handwerks und der Bekleidungsproduktion in Brandenburg-Preußen.

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Eine Übersicht über andere Ausstellungen im deutschsprachigen Raum findet ihr auf der Extra-Seite.  Neu hinzugekommen ist :

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Jever, Schlossmuseum  bis 30.10.
Fremd in Friesland
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Hamburg Museum für Kunst und Gewerbe bis 27. August.
Sneaker. Design für schnelle Füße„,
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Bramsche, Tuchmachermuseum bis  18.09.2016
Das Passt! – Kleiderwahl im Wandel
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Dortmund bis 18.09.2016
Willy Maywald. Fotograf und Kosmopolit – Porträts, Mode, Reportagen
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Oberhausen, Schloss, bis 18. September 2016
REGINA RELANG Inszenierte Eleganz
Mode- und Reportagefotografie von 1930 bis 1980
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Nachtrag 1.7. (mit ausdrücklicher Empfehlung von Bele)

VORSCHAU    15.7. – 16.10.2016
Darmstadt Landesmuseum, Chic! – Mode im 17. Jahrhundert
„18 Kostümoberteile, einst getragen von wohlhabenden Damen und Herren der Kölner Gesellschaft und entstanden zwischen 1610 und 1675, gehören zu den absoluten kostümgeschichtlichen Raritäten.“

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Oberpfalz  > Ausstellungsreihe bis Herbst 2016, 16 Museen beteiligt
Tracht im Blick – die Oberpfalz packt aus

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„Die Trachtenbewegung ging im 19. Jahrhundert nicht von den Bauern auf dem Land, sondern vom aufstrebenden Bürgertum in den Städten aus.“

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Aichach (bei Augsburg), Sisi-Schloss  bis 23.10.16
Kaiserin Sisi- Drunter und Drüber
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WIEN (A) Wien Museum  bis 30.10.

Chapeau! Eine Sozialgeschichte des bedeckten Kopfes

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Forum Würth Rorschach    (CH)    bis 26.2.2017Werke aus der Swiss Textile Collection und Sammlung Würth im Dialog

Bericht dazu im Bernina-Blog

HINWEISNachtrag 30.6.: Teresa sagt in den Kommentaren etwas zur Hutausstellung in Wien, das wahrscheinlich für einige der Termine hier in der Liste gilt: „Aus diesem Thema hätte man mehr herausholen können aber wenn man schon da ist lohnt es sich das anzusehen was geboten wird.“  In heutiger Zeit steigen die Social Media Budgets der Museen wahrscheinlich umgekehrt proportional zu den Ausstellungsbudgets, daher sind manche Meldungen vielleicht auch eher heiße Luft? Jede Rückmeldung dazu freut mich und hilft anderen bei der Besuchsplanung.

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In anderen Länder ist auch eine Menge los, siehe dafür hier z.B. die Top 6 Fashion and Design Exhibitions .

Wer in Frankreich in die Nähe von Lyon gerät, sollte für das Musée des Tissus et des Arts Décoratifs de Lyon einen Stop einlegen. Das Museum mit der größten Textilsammlung der Welt steht kurz vor der Schließung, weil die öffentliche Förderung ausgesetzt wurde. Schon über 100.000 haben eine Petition für die Rettung des Museum unterschrieben, bisher erfolglos.  Ich habe fest vor, dort diesen Sommer noch  vorbeizuschauen.

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Und sonst?

Habe ich mich ziemlich fassungslos durch die Kommentarspalten der englischen Zeitungen gelesen, durch die ganze Bandbreite vom Guardian bis zur Daily Mail, um zu verstehen, wie es zum Brexit kommen konnte. Ich lebe ja eher in einer ‚Guardian-Bubble‘, aber wenn man sich in der Presse der Brexit-Befürworter umschaut, dann sieht die Welt ganz anders aus. Die EU heißt dort nur ‚the bloc‘ und steht kurz vor dem Zerfall. Merkel fehlt nur noch ein Hitlerbärtchen und Frankreich bereitet in Calais gerade eine Migranteninvasion nach England vor.

Aufgrund meiner Recherchen hat Twitter mir nun folgendes vorgeschlagen:

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also höre ich lieber auf und gehe in meine liberale Blase zurück.

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Dann muss ich auch nicht über das Spaltungspotential in Deutschland nachdenken. Im Briefkasten am Zaun meines verwilderten ‚Naturgartens‘ fand ich diesen Zettel, handgeschrieben:

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Gute Nacht!

Stoffspielerei im Juni: Rundkissen mit Wechselrahmen

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Heute ist wieder Stoffspielerei* und Frifris  hat das Thema Löcher vorgeschlagen. Bei mir gibt es einen Kissenbezug mit Guckloch zu sehen. Dafür habe ich einen großen ‚Stoffbeutel‘ mit Tunnelzug genäht und ein altes rundes Daunenkissen hineingelegt.  Wird die Kordel im Tunnelzug  so eng wie möglich zugezogen, entsteht eine Art Bilderrahmen, hinter den man sehr gut andere Stoffwerke legen kann. Oben seht ihr als ‚Bild‘ das bestickte Tuch von der letzten Stoffspielerei, unten andere Ergebnisse früherer Stoffspielereien.

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Gestickte Würmer von 2013, unten pflanzengefärbten Stoffe von 2015.

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Weil alles so eng gestopft ist, verrutscht das Bild hinter dem Faltenrahmen auch nicht so leicht, aber ein Alltagsknuddelkissen ist es natürlich auch nicht, eher ein Rückenstütze. Ich mag es gern und freue mich über den Wechselrahmen.

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So sieht die Rückseite aus.

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Nun schicke ich den Beitrag schnell ab. Durch die lähmende Hitze hier in Berlin und die ganze Brexit-Misere war ich eigentlich zu nichts in der Lage, aber heute ist es wieder frisch und schön und alles wird besser.

Ich bin gespannt, was  Frifris und anderen zum Thema Löcher eingefallen ist. Vielen Dank für das Sammeln der Links, liebe Frifris!

Im Juli und August machen wir mit den Stoffspielereien Sommerpause. Wiederaufnahme ist dann am 25. September bei mir, Thema: Von Gold bis Blech – Metallstickerei. Wie immer ist das nur eine Inspiration, die ihr nicht so eng sehen müsst.   Wir freuen uns über jede Teilnahme!

Nachtrag: Made with Blümchen plant, in der Sommerpause  zwei ihrer offenen Stoffspielerei-Projekte fertigzustellen, sie würde sie an den letzten Sonntagen (am 31. Juli und 28. August) posten. Wollt ihr mitmachen? Dann meldet euch bei Made with Blümchen.

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Die monatliche Stoffspielerei ist eine Aktion für textile Experimente. Sie ist offen für alle, die mit Stoff und Fäden etwas Neues probieren möchten. Der Termin soll Ansporn sein, das monatlich vorgegebene Thema soll inspirieren. Jeden letzten Sonntag im Monat sammeln wir die Links mit den neuen Werken – auch misslungene Versuche sind gern gesehen, zwecks Erfahrungsaustausch.

SOMMERPAUSE

 

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