Stoffspielerei im März: Verschlungene Metiers de Bunt

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Frohe Ostern!

Achtung, es wird bunt hier.

Griselda von Machwerke hat für die heutige Stoffspielerei* das Thema „Verschlungen und verflochten“ vorgeschlagen.

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Und ich habe mich zu diesem Anlass an zwei Baustellen gesetzt, die mich schon länger interessieren: Armbänder aus verflochtenen Jerseystreifen und Borten in Chanel-Optik. Beides liegt nah zusammen, so dass ich beim Machen nicht aufhören kann, Techniken und Materialien zu kombinieren. Wolle, Baumwolle, Seidenstreifen, Glitzergarn, Perlen, Kettenreste, Fransen, Federn – das alles dann gehäkelt, geflochten, verknüpft und durchgezogen.

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Die Basis ist zum einen ein Art gehäkelte Kordel, für die es auf Youtube unter dem Stichwort „Romanian Point Lace“ Anleitungen gibt. Diese Häkelborte, die eher wie Macramee wirkt, ist gut für Kombinationen geeignet. Durch Schlaufen an beiden Kanten und in der Mitte lassen sich Fäden oder Stoffstreifen einfach mit einer Stopfnadel durchziehen.

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Zum anderen gibt Jerseyband aus zerschnittenen Shirts eine gute Grundkonstruktion für Armbänder. Durch den Stretch (je mehr Lycra desto besser) braucht man eigentlich keinen Verschluss. Gedehnte Jerseystreifen rollen sich selbständig ein und können dann gehäkelt oder verflochten werden. Die Inspiration dafür kommt von Gudbling. Die Armbänder dort haben mir schon immer gut gefallen, mir ist nur zu viel Metall daran. Ohne Metall sieht es dann aber schnell wie ein Strumpfband aus.

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Und das ist das Problem: Bisher habe ich noch nichts erreicht was die Tragbarkeit angeht.

Als Borten wäre es schon schön, wirkt aber dann doch schnell tantig, eben chanellig.

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Oder es ist mir zu folkloristisch-brav, aber das liegt eher daran, dass man für geniale Kombinationen eben genial sein muss.

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Da kann man noch so Stundenlang die ganzen Making-Of Videos bei Youtube aus den Modehäusern ansehen (nicht nur Chanel, auch Dolce&Gabanna, Valentino und viele andere schwelgen zur Zeit in Opulenz).

Karl Lagerfeld zeigt seit 2002 spezielle Metiers d’Art Kollektionen, bei denen Handwerk die Hauptrolle spielt. Üppige Stickereien,  Kunstwerke aus Federn, Plissees, Leder und Metall. Chanel hat inzwischen viele traditionsreiche Manufakturen übernommen und rettet damit alte Handwerkskünste vor dem Aussterben. „Während es ein Überangebot an jungen Designern gibt, sind die Handwerker, die die Entwürfe in Kleider umsetzen können, selten geworden – und kostbar.“ heißt es in dieser Zeit-Reportage aus dem Atelier Chanel von 2010. „Viele besinnen sich derzeit auf ihre Traditionen, in ihren Kampagnen erinnern sie gern an Gründungsmythen oder althergebrachte Herstellungsweisen. Das Handgemachte, das Beständige gilt wieder als hohes Gut.“

voguechanelscreenshot vogue.fr

Laut französischer Vogue von November 2015 gehören jetzt 11 Firmen zum Metiers d’Art Netzwerk. Schuhe, Schmuck, Hüte, Plissee, Stickereien, Handschuhe, Blumen, Federn, Pullover von einer schottischen Werkstatt – Lagerfeld kann aus dem Vollen schöpfen.

Der Zeit beschrieb Lagerfeld die neuen Kundinnen, die Einzigartiges wollen: „Heute sind das junge Frauen aus allen Teilen der Welt, von Afrika bis Südamerika, China, Korea, die kommen und kaufen 20 Kleider. Obwohl – die kommen gar nicht mehr, die lassen kommen: Die probieren die Sachen gar nicht an, die lassen sie sich im Privatjet nach Hause fliegen.«  …  Früher sei Haute Couture etwas gewesen für »dicke Damen, die nichts fanden, die mussten sich die Dinge anfertigen lassen«. Die neuen Kundinnen aber seien »Frauen, die die gleiche Figur haben wie die Mannequins«.

Darauf einen Kaffee mit Stuten und schnell weiter zu Griselda, wo ihr sicher sehr viel brauchbarer Verschlungen und Verflochtenes findet. Schaut mal vorbei! Vielen Dank an Griselda für das Linksammeln.

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Vormerken: Der nächste Termin für die Stoffspielerei ist Sonntag, der 24. April 2016.   Lucy von Nahtzugabe wird dann Beiträge zum Thema Plissee sammeln.

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Die monatliche Stoffspielerei ist eine Aktion für textile Experimente. Sie ist offen für alle, die mit Stoff und Fäden etwas Neues probieren möchten. Der Termin soll Ansporn sein, das monatlich vorgegebene Thema soll inspirieren. Jeden letzten Sonntag im Monat sammeln wir die Links mit den neuen Werken – auch misslungene Versuche sind gern gesehen, zwecks Erfahrungsaustausch.

Der Plan für die nächsten Monate, kurzfristige Terminänderungen sind möglich:

24. April bei Nahtzugabe, Thema “Plissee”
29. Mai bei Karen , Thema “Schrift im/in/auf Textil”
26. Juni Frifris

 

12 Kommentare

  1. Oh, das habe ich wieder mit Interesse gelesen, vielen lieben Dank, Suschna, über die vielen Hintergründe. Deine Versuche gefallen mir – vielleicht dürfen sie noch ein wenig ruhen, bevor du sie weiter bearbeitest und für dich tragbar machst. Wobei ich hier und da definitiv direkt Gefallen finden würde – oder auch als Zierde auf Taschen etc. LG und frohe Ostern! Susanne

  2. Liebe Suschna,
    mir gefallen deine „Versuche“ super, bis auf eine Ausnahme,
    obwohl ich ja gerne Blautöne mag,
    gefällt mir das ganz Rechte auf dem 2. Bild nicht so gut.
    Ich denke, daß das sicherlich Ausbaufähig ist.
    Würde mir bestimmt auch Spaß machen.
    Liebe Ostergrüße
    Nähoma

  3. Das wäre auch eine Strandkorbbastelei :)
    Und bei diesen Bändern ist wahrscheinlich echt auch „viel hilft viel“ ein guter Ansatz.
    Unterschiedlichste Strukturen, Farben und das dann auch noch folkloristisch üppig aufgenäht. So wirkt das dann vermutlich moderner als die etwas tantigere sichere Variante am Stoffrand entlang. (Wobei das auch sehr edel sein kann wie bei deiner grau-lila-gelben Varante!)

    Frohe Ostern im Kreise deiner Familie, Susanne!

  4. Jetzt weiß ich, warum ich nichts von Chanel und dergleichen habe. Ich habe einfach keine Mannequin-Figur… Oder keinen Privatjet… Schön sind deine Bänder/Borten geworden. Vielleicht kommt das trutschige aber auch daher, dass die eher folkloristischen Borten mit dicken Stoffen kombiniert sind. Ich könnte mir vorstellen, dass die Borten mit exotisch-anmutenderen Stoffen gleich ganz anders wirken. Z.B. mit einem Vlisco-Wax-Print?! Toll jedenfalls! Mir juckt’s schon in den Fingern. LG mila

  5. Borten sind generell ein schwieriges Kapitel, scheint mir, also als Besatz an Kleidung. Am Rand von Sofakissen wäre das z. B. wieder etwas anderes – deine Borten könnte ich mir z. B. nach dem viel-hilft-viel-Prinzip sehr gut an einfarbigen Kissenbezügen vorstellen. Oder am Rand von einem Schal oder Tuch, sofern man sowas trägt. Danke für den Tipp mit dem rumänischen Häkelmuster, das gefällt mir und das hat sicher großes Potential. Aber wie gesagt: eher nicht, um sich selbst zu schmücken.

  6. Wow, das sieht ja echt kompliziert aus.Aber die Wirkung bzw. die Weiterverarbeitunng kann ich mir nur sehr schwer vorstellen. Da bin ich gespannt, wie es weiter geht. Danke für die tollen Einblicke in die Welt der Haute Couture.
    LG Ute

  7. Das ist ja eine Riesen-Produktion geworden! Zusammen mit der Vielfalt sieht man, dass dir das Spaß gemacht haben muss. die einzelnen Exemplare werde ich mir noch mal in Ruhe anschauen. Danke auch für die weiterführende Info und die interessanten Links.
    Kanarische Grüße
    Siebensachen

  8. Ist ja echt toll, was du ausprobiert hast. Am Handgelenk kann ich mir alles vorstellen, an der Klamotte ist das schon viel schwieriger. Fläche und Borte verbinden ist hohe Kunst finde ich, wohl nicht umsonst sind die Fäden der Chanelljäckchen aus dem Stoff selbst. Deine graue Version kann ich mir aber gut vorstellen.
    Die Aussage es gibt inzwischen mehr Designer, als spezialisierte Handwerker , ist wahrscheinlich eine generell zweifelhafte Entwicklung in Europa.
    Viele Grüße K.

  9. Mir gefallen deine „Spielereien“ – denn du hast so vieles Verschiedenes ausprobiert. Wahrescheinlich käme man über weiteres Spielen auf immer neues und irgendwann wäre dann auch „die Richtige“ für das richtige Projekt dabei. Ich finde deine Bortenidee genial!
    Liebe Grüße
    Ines

  10. Wow, warst Du fleissig! Das sieht ganz danach aus, dass Du in einen „flow“ gekommen wärst, v.a. wenn du schreibst, dass du nicht aufhören konntest. Da sind ja coole Kombinationen herausgekommen – die mit pinker Grundlage und drauf dunkeltürkis finde ich toll, auch wenn ich jetzt so auf die Schnelle auch nicht wüsste, wo ich das drauftun sollte… Vielleicht etwas breiter, oder mehrere nebeneinander aneinandergenäht als Gürtel auf etwas Unifarbenem? Alte Handwerkskunst ist ein Thema, das mich schon länger beschäftigt. Danke für die Hinweise, da werd ich sicher weiter lesen und nachdenken. lg, Gabi

  11. Vielen Dank für eure Kommentare! Ich war offline, daher muss ich mir die anderen Werke erst noch anschauen und bin gespannt.

Falls ein Kommentar nicht gleich erscheint, muss er erst freigeschaltet werden. Dann bitte etwas Geduld. Vielen Dank!

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