Kurzwaren Nummer 22 – Ausstellungstipps für den Sommer

Schluchz, jetzt wäre ich ja gerade auch gern bei der Eröffnung der Balenciaga-Austellung im V&A in London. Mit einem London-Trip wird es aber wohl nichts, daher habe ich lieber mal wieder nach neuen Ausstellungen im deutschsprachigen Raum geschaut. Und tatsächlich, auf der Sommerreiseroute Richtung Süden wären so einige Kultur-Zwischenstopps möglich, zusätzlich zu denen, die schon in den letzten Kurznachrichten aufgelistet waren.

Ausstellungshinweise

Ausflugstipp Berlin

Wer in Berlin ist, kann sich nach Westend aufmachen –  zu Skulpturen im Georg Kolbe Museum. Allein schon der schöne Ort ist den Weg wert, dazu kommt jetzt noch die Ausstellung Alfred Flechtheim – Kunsthändler der Moderne. Das ehemalige Haus des Bildhauers Georg Kolbe aus den 20er Jahren liegt sehr idyllisch unter hohen Kiefern. Ich war dort bei einem Tweetup, einer Führung für Twitterer dabei und sehr beeindruckt.

Flechtheim war in der Weimarer Republik ein schillernder Kunstförderer, Netzwerker, Händler und Verleger. Die Ausstellung versammelt Skulpturen der Bildhauer, für die er sich einsetzte. In den Räumen des ehemaligen Ateliergebäudes Georg Kolbes kommen die Kunstwerke sehr gut zu Geltung. Dieser Beitrag im rbb gibt einen guten Eindruck.

Da steht man dann plötzlich vor Marlene Dietrich (von Ernesto de Fiori) und meint ihre Präsenz unmittelbar zu fühlen.

Gleich musste ich an die Dokumentation Das letzte Kleid der Marlene Dietrich denken. Marlene wollte unbedingt ein beleuchtetes Kleid – das klappte damals nicht. Heute kann man LEDs einfach einsticken, so dass Marlenes Wunsch nun posthum erfüllt und die Geschichte im Film festgehalten wurde.

Ein Raum ist dem Sport gewidmet, unter anderem mit Skulpturen von Renée Sintenis. Voller Bewegung, bis in den Poloschläger.

Renée Sintenis ist die, die auch den Berliner Bären gestaltet hat.

Munich Berliner Bär Memorial 01Oliver Raupach, Munich Berliner Bär Memorial 01, CC BY-SA 2.5

Sie war eine große, schöne, androgyne Frau, im Künstlerkreis gern fotografiert.

Die Ausstellung erinnert außerdem an das von Flechtheim herausgegebene Zeitgeistmagazin Querschitt (online einsehbar).

Die Geschichte des Sammlers endet wie bei so vielen Künstlern und Intellektuellen der Weimarer Republik:  Als Förderer „entarteter“ Kunst und aufgrund seiner jüdischen Abstammung muss Flechtheim vor den Nazis flüchten, 1937 stirbt er im Exil. Seine Frau nimmt sich vor ihrer Deportation in Berlin das Leben.

Die bronzenen Werke erinnern an eine bessere Zeit, an das legendäre Berlin der 20er Jahre, an eine blühende Kunstszene.

Neben dem Museum liegt dann noch das Café K im ehemaligen Wohnhaus Georg Kolbes.

Es hat unglaublich viel Flair, drinnen wie draußen.

Alles dabei also, für einen Himmelfahrtsausflug ins Grüne des Berliner Westens.

Ein schönes langes Wochenende!

Unentdeckte Textilmuseen – Industriedenkmal Nordwolle #perlenfischen

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Blick in das Turbinenhaus auf dem Nordwolle-Gelände in Delmenhorst bei Bremen. Hier ist eines der größten Industriedenkmäler Europas zu besichtigen.

Nach Museumsperlen fischen – dazu hat der Blog Museumsperlen aufgerufen. Anlass für mich, endlich einmal vom Besuch eines untergegangen Textilstandorts in Niedersachsen zu berichten. In dem Industriekomplex zwischen Bremen und Oldenburg wurde früher Wolle aufbereitet und Garn gesponnen.

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Das Nordwestdeutsche Museum für Industriekultur bietet einen sehr fundierten Einblick in die Firmengeschichte der Nordwolle. Man bekommt ein Gefühl für Arbeit und Leben in einer Fabrik über hundert Jahre hinweg, von 1880 bis 1980.

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Zu den besten Zeiten der Wollkämmerei und Kammgarnspinnerei arbeiteten auf dem Gelände 4.000 Menschen. Das Gebiet war eine Stadt in der Stadt mit Arbeiterhäusern, Krankenanstalt, Speisehaus und Badeanstalt.

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Der Zylinder für den Chef, die Melone für den Angestellten, die Mütze für den Arbeiter – nur drei Exponate, und die Hierarchie in der Fabrik ist geklärt.

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Als ob der Bürostuhl nur kurz verlassen wurde.

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Gang durch die Produktionsschritte.

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Maschinen in Aktion: Das Spinnen ist unglaublich laut.

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„Ein Kopftuch ist kleidsam und schützt vor Gefahr“.

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„Ordnungssinn bringt Gewinn“.

Ganz nebenbei erzählt der Rundgang auch ein Geschichte von Gastarbeit und Einwanderung.

NWK = Norddeutsche Wollkämmerei & Kammgarnspinnerei

Gegründet hat das Textilimperium die Bremer Kaufmannsfamilie Lahusen. Das Museum erzählt auch die Geschichte vom Aufstieg und Fall dieser Unternehmerdynastie, Räume sind anschaulich nachgebaut.

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Der Zusammenbruch des größen europäischen Woll-Imperiums nach Bilanzbetrügereien war ein Skandal. Die Pleite im Jahre 1931 riss mehrere Banken mit in den Abgrund, weltweit verloren 20.000 Menschen ihre Arbeit und viele Sparer ihr Geld.

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Zu diesem Aspekt hat Radio Bremen gutes Material zusammengetragen. In einer ARD-Doku der wird der Fall spannend erzählt: Der große Crash Die Wirtschaftskrise von 1929 in Deutschland. Aus den Akten des Prozesses um die Pleite entwickelte die Bremer Shakespeare Company ein Theaterstück.

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Die Nordwolle konnte sich in Nachfolgegesellschaften noch bis in die 1980er Jahren halten, gab dann aber auf. Textilien waren in Asien längst günstiger zu produzieren, die Arbeitsplätze in Delmenhorst fielen der Globalisierung zum Opfer. Der Stadt ging es nicht besonders gut, auch während meiner norddeutschen Kindheit hatte sie nicht den besten Ruf. Umso überraschter war ich, inzwischen dort heute so eine Sehenswürdigkeit zu finden. Das Museum bietet auch Führungen und Aktionen an, das Stadtmuseum nebenan bringt zusätzliche Einblicke in die Geschichte Delmenhorsts.

Das Gelände gehört zur Europäischen Route der Industriekultur und ist auf jeden Fall einen Abstecher wert. Bis zum 20. August 2017 läuft außerdem eine Sonderausstellung mit textilen Schätzen chinesischer Bergvölker.

Danke für die Blogparade #perlenfischen vom Infopoint Museen & Schlösser in Bayern – ohne diesen Anstupser hätten es meine Fotos und mein Bericht vielleicht nie in den Bog geschafft.

Nach dem Museumsbesuch noch schnell ein Gang in eine andere unerwartet schöne Ecke der Stadt, die Graftanlagen – dazu läuft „Delmenhorst“ von Element of Crime.

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Element of Crime

Delmenhorst 

Ich bin jetzt immer da, wo du nicht bist
Und das ist immer Delmenhorst
Es ist schön, wenn’s nicht mehr weh tut
Und wo zu sein, wo du nie warst

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Hinter Huchting ist ein Graben 
Der in die Ochtum sich ergießt 
Und dann kommt gleich Getränke Hoffmann 
Sag Bescheid, wenn du mich liebst

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Hinter Huchting ist ein Graben 
Der ist weder breit noch tief 
Und dann kommt gleich Getränke Hoffmann 

Sag Bescheid, wenn du mich liebst.

15 Dinge aus dem freien Netz gefischt: Alles in Blau

Der Vollmond scheint durch die Zweige und ich vertreibe mir mal wieder die Nacht damit, in Datenbanken freie Bilder aufzustöbern. Bilder, deren weitere Nutzung erlaubt ist, so dass ich sie hier im Blog zeigen darf. Die Suche ist immer aufregend, man findet die schönsten und seltsamsten Dinge. Heute war ich bei den Flickr-Commons unterwegs. Aus dem Sammelsurium der Entdeckungen hier eine Auswahl, kuratiert zum Thema „Blau“.

1.

Image from page 170 of "A nomenclature of colors for naturalists : and compendium of useful knowledge for ornithologists." (1886)

2.

Untitled

Untitled

Cyanotypien, Blaudrucke, von 1890. Ein bisschen unheimlich, oder?

3.
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Frau ohne Hände, noch eine Cyanotypie, von 1896. Da macht sich wohl jemand über die übertriebene Ärmelmode lustig?

4.
Image from page 148 of "New products manufactured by Farbwerke vorm. Meister Lucius & Brüning, Hoechst on the Main, Germany." (1900)

Ich glaube diese gescannte Mottenlarve(?) hatte ich schon einmal, das Bild liebe ich wirklich sehr!

5.
Image from page 62 of "A new elucidation of colours, original, prismatic, and material : showing their concordance in three primitives, yellow, red, and blue, and the means of producing, measuring, and mixing them : with some observations on the accuracy
Buch über Farbtheorie, 1809

6.
A John Lewis Partnership shop window
Stoff-Schaufenster, 1970er Jahre

7.
Synchronised Swimmers
Synchronschwimmen, 70er Jahre.

8.
Image from page 102 of "Seat work and industrial occupations; a practical course for primary grades" (1905)
Vorschlag für den Fußboden in einem Puppenhaus-Badezimmer.

9.
Image from page 146 of "Revue générale des mati`eres colorantes et des industries qui s'y rattachent" (1908)
Stoffmusterbuch 1908

10.
Rickey Doublerly knitting a fishing net: Jacksonville, Florida

Urform des Häkelns und Strickens.

11.
Seilbåt i Oslofjorden
Oslo, 1937

12.
Image from page 19 of ""More Light: The Modern Well-lighted Plant is the "Barreled Sunlight" Plant" (1921)
Sonnenlicht im Fass

13.
Image from page 1465 of "The Ladies' home journal" (1889)

Wusstet ihr, dass Spam-Mail nach diesem Dosenfleisch benannt ist? Mitgeholfen hat ein Sketch von Monty Python.

14.
Image from page 8 of "Lace sample book" (1900)
Spitzenmuster, 1900

15.

Image from page 353 of "Elementary treatise on the finishing of white, dyed, and printed cotton goods" (1889)

Haut das Blau auf eurem Bildschirm auch so rein? Dagegen erblasst der Vollmond und ich kann endlich ins Bett gehen. Gute Nacht, bis bald!

(Quelle = Klick aufs Bild)

(Ursprünglich wollte ich diese Serie ja mit dem Hashtag #gemeinfreitag versehen, aber das geht bei den Flickr-Commons ohne genaue Prüfung nicht. Zwar haben die Museen und Bibliotheken ihre Bilder dort hochgeladen, bei jedem Bild steht „no known copyright restrictions“,  aber wenn man dann genau hinsieht oder auf die Ursprungsseiten der Institutionen geht, gibt es oft Einschränkungen, z.B. wird eine Verwendung nur zu Bildungszwecken erlaubt. Daher hier der Disclaimer: Ich habe nicht geprüft, ob die Bilder wirklich gemeinfrei sind!)

Tambourstickerei: So verbreitet wie unbekannt (Stoffspielerei im April)

Heute sammle ich für die Stoffspielerei* eure Beiträge zum Thema „seltene Techniken“. Zuerst zeige ich meine Idee, dann folgt die Linksammlung.

Meine Technik ist gar nicht so ungewöhnlich, es ist sogar sehr wahrscheinlich, dass ihr selbst etwas besitzt, das mit der Tambourtechnik bestickt ist. Seit ich mich damit beschäftige, fällt mir der Stich überall auf.

Die Kissen oben sind kein Patchwork, sondern gestickt, ebenso wie die bunten Streifen unten. Eigentlich sind das lauter Reihen in Kettenstich. (Nachtrag: Hier wahrscheinlich maschinell, mit der Kettenstichmaschine).

„Tambour“ hängt mit dem Wort Tamburin zusammen – der Stich erfordert es nämlich, dass man den Stoff stramm in einen Rahmen spannt, straff wie bei einer Trommel. Die Haute-Couture Stickateliers wie Lesage benutzen diese Technik (auf Französisch auch genannt Lunéville). Ebenso gehen die Stickwerkstätten vor, die in Indien und anderswo Stoffe mit Mustern, Perlen und Pailletten versehen (Aari genannt). Dennoch ist es schwer, auf deutsch darüber Informationen zu finden oder im Inland dazu Werkzeuge zu kaufen.

Man braucht nämlich eine spezielle Nadel, eine Tambournadel (eigentlich eine sehr feine und spitze Häkelnadel). Mit der sticht man von oben durch den gespannten Stoff, nimmt unten den Faden auf und zieht ihn nach oben, wiederholt das Ganze in Abständen. Es entsteht eine Schlaufenreihe, ein Kettenstich, man häkelt quasi durch den Stoff hindurch. Idealerweise kommt man mit der Tambournadel sehr viel schneller voran als nur mit einer Sticknadel.

Tja, idealerweise.

Für meine Versuche auf einem improvisierten Rahmen habe ich Ewigkeiten gebraucht. Das einzige, was irgendwann wirklich schneller ging, waren gerade Reihen. Ansonsten blieb die Nadel ständig entweder im Faden oder im Stoff hängen, es war eine einzige Prökelei. Wie ich las, muss man in den Pariser Profiwerkstätten erst einmal 1 – 2 Jahre üben, ehe man an die richtigen Stücke heran darf.

Unten ein Stück Baumwollnessel im Stickrahmen – mit einer Klemme am Tisch befestigt, so dass man beide Hände frei hat, die Nadel und den Faden zu führen. Ich habe schnell aufgegeben, der Stoff war viel zu fest und das Muster zu kompliziert.

Links auf dem Tisch ein Stück, das sich schon vorher mit der Hand bestickt hatte – das dauerte ebenso lang wie mit der Tambournadel und war befriedigender, weil es störungsfreier voranging.

Mein Nadelset ist von Lacis und hat drei auswechselbare Spitzen. #70 (fine) für hauchdünnes Garn und kleine Perlen geeignet. #90 (medium) passte zu normalem Seidennähgarn und Pailletten.

Für dickere Garne war der Nadelaufsatz #120 (large) gedacht, allerdings reichte der auch nur bis hin zu dünnerem Häkelgarn Nr. 50 und 20 (damit sind die Blumen unten gestickt).

Wer es einfach mal ohne große Vorbereitung probieren möchte, nimmt sich eine Häkelnadel und einen locker gewebten oder netzartigen Stoff. Das Grundprinzip, wie man die Schlaufen durch den Stoff häkelt, lernt man so viel leichter.

Ich hätte besser erst einmal auf diese einfache Art angefangen – die beiden Häkelnadeln flutschen leicht durch den Stoff und man kann sich auf die Drehung der Nadel unter dem Rahmen konzentrieren.

Links zu Youtube-Videos, falls ihr es wie die Profis probieren wollt:


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Soweit meine Versuche, nun zu anderen und ihren Ideen!

Ines von den Nähzimmerplaudereien hat Sashiko probiert.

Griselda/Machwerk trägt jetzt Gobelinreste.

Christiane von Schnitt für Schnitt zeigt besondere Smokvarianten, man denkt an Wellen und Origami.

Karen hat mit der Kleistertechnik nicht auf Papier, sondern auf Stoff gedruckt.

Bei Siebensachen zum Selbermachen geht es nach Korea, zum Patchwork genannt Jagakbo oder Pojagi.

Annelies scheitert mit Brettchenweben, was in ihrem Fall durchaus verständlich ist.

123-Nadelei konnte gar nicht mehr aufhören, aus Stoffresten flirrende Chenille-Raupen zu nähen und zu schneiden.

Bei Made with Blümchen geht es um ein Reise-Klöppelkissen – ist doch wunderbar, was man alles so braucht.

In Marys Kitchen ist heute auch noch ein Pojagivorhang entstanden – inklusive Rolltuchelemente.

Nahtzugabe wickelt immer noch an einer Rope-Bowl, nach einer Anleitung von 1960.

.

Das sind ja schon wirklich viele interessante Dinge zusammen gekommen, ich freue mich! Meldet euch in den Kommentaren, falls ich euch auch noch verlinken soll.

Das Thema ist eine Wiederholung, ihr könnt hier entlang, auch gern schauen, was damals dabei war.


 

Nächste Termine Stoffspielereien:

28.5. Griselda, Thema: Jeans: Blau in allen Schattierungen
25.6. Nahtzugabe, Thema: Schwarz und Weiß
Juli/August    Sommerpause

 

*Die monatliche Stoffspielerei ist eine Aktion für textile Experimente. Sie ist offen für alle, die mit Stoff und Fäden etwas Neues probieren möchten. Der Termin soll Ansporn sein, das monatlich vorgegebene Thema soll inspirieren. Jeden letzten Sonntag im Monat sammeln wir die Links mit den neuen Werken – auch misslungene Versuche sind gern gesehen, zwecks Erfahrungsaustausch.

Von der Anprobe zur Paketabteilung – Pariser Modehäuser 1910 im Bild

„Auf der Suche nach einem neuen Modell“ ist das Foto betitelt,  der Modeschöpfer inszeniert sich als Künstler, dirigiert mit dem Stock, wohin die Stoffbahnen gesteckt werden sollen.

Die Mannequins des Modehauses sind dafür angestellt, den Kundinnen die Modelle im Verkaufsraum vorzuführen. Hier kleiden und frisieren sich die jungen Frauen, wählen Haarteile aus, eine liest.

Auf einem Foto versammelt, bereit für die nächste Kundenpräsentation.

Im Verkaufsraum.

Wohlhabende Kundinnen sehen sich um, während ein Page scheinbar schicksalsergeben wartet.

Die Greifvögel an der Wand fügen sich gut in diese Mode zwischen Historismus und Jugendstil.

Eine Kundin in der Anprobe.

Nun geht es hinter die Kulissen in die oberen Etagen, die Werkstätten.

Für die Oberkleidung sind Männer zuständig, die Tailleurs.

Die Blusen für untendrunter sind Frauensache.

Unter dem Dach wird genäht.

Ein Saal für die Stickerinnen, die Fenster weit offen – es scheint warm zu sein.

Die Zeichner bringen die Entwürfe aufs Papier.

Mit dem schwarzen, angelartigen Gerät links wird das Papier der Vorlage mit kleinen Löchern perforiert, um dann mit Kreide das Muster auf den Stoff durchpausen zu können. (Falls ich mich irre, bitte melden).

Maschinell wird auch schon gestickt, vorn rechts sind zwei Stickmaschinen zu erkennen, oder?

Dieses Foto mag ich auch sehr gern, so viele Federn bei den Hutmacherinnen:

Es war die Zeit der Wagenrad-Hüte, die gut zur schlanken Kleidersilhouette passten. (Wobei sich meist nur die modischen Damen mit großem Portemonnaie diesen Look leisteten).

Was geschieht hier unten, im Rücken der Dame mit dem weißen Federschmuck? Wieso hängt am Hut hinten ein dreieckiges Gebilde dran, in das eine andere zeichnet oder schneidet? Merkwürdig.

Die Lampen sind mit viel Stoff bezogen, auch in der Pelzwerkstatt:

Gegessen wird an langen Tafeln, es gibt gerade Käse, Brot und Wein.

Es scheint den Angestellten ganz gut zu gehen, sie sind auch gut gekleidet – aber wer weiß, wie inszeniert die Fotos sind.

Im Stofflager…

und der Verpackungsabteilung.

Auslieferung, das wars.

Die Bilder (Ausschnitte von mir) stammen aus Les Createurs de la Mode von 1910, einer Sonderausgabe der Zeitung Figaro. Ich konnte ich mich gar nicht sattsehen, so viel Blick hinter die Kulissen ist selten und ich zeige auch nur einen kleinen Teil. (Gefunden über Messynessychic).

Kurztrip nach Kopenhagen

Messingtürgriff

In Kopenhagen findet man viele schöne Sachen, stilvolle Türdrücker zum Beispiel.  Wir waren gerade mal wieder kurz in der Stadt und ich teile hier gern ein paar Tipps und Erfahrungen, falls ihr mal hinfahren wollt.

Was unternehmen?

Meine Besichtigungspläne sind immer ziemlich museumslastig, daher waren wir dieses Mal zum Ausgleich auch im Tivoli. Der Freizeitpark mitten in der Stadt ist schon über 150 Jahre alt und hat viel Flair, vor allem abends, wenn die Lichter angehen.

Die Fahrgeschäfte kann man sich eigentlich sparen, aber das Riesenrad finde ich ganz ulkig.

Nun aber zu den Museen, die ich bisher kenne:

Mein absoluter Liebling, das Louisiana Museum of Modern Art, liegt eine halbe Stunde nördlich von Kopenhagen, gut per Bahn zu erreichen. Tolle Architektur, direkt an der See gelegen.

Immer gute Ausstellungen, die sich auch Skeptikern der modernen Kunst ohne Vorwissen erschließen.

(2014)

Eine der aktuellen Ausstellungen ist dem Architekten Wang Shu gewidmet, der traditionelle chinesische Herstellungsmethoden in seine Bauten einfließen lässt. (Z.B. oben Abdruck einer Bambusmatte in Beton, unten Glasurproben).

In Kopenhagen selbst gibt es aber auch viele interessante Häuser:

  • Carlsberg Glyptoteket mit tollem Palmeninnenhof,  Skulpturen, skandinavischer und französischer Malerei.

(Rauchen verboten, eleganter Hinweis)

  • David Collection – Unter anderem große Sammlung islamischer Kunst, auch mit Textilien, in einem schönen alten Haus. Eintritt frei.

Im Park neben der David Collection waren die Bäume kurz vorm Ausschlagen, ein schöner Anblick im Abendlicht.

Zu anderen Textilorten kann ich gar nichts sagen, aber vielleicht weiß jemand empfehlenswerte Adressen und meldet sie in den Kommentaren? Kostüme soll es im Nationalmuseum geben, aber dorthin konnte ich den Familientross nicht dirigieren. Sehr interessant hörte sich auch Brede Works an, eine frühere Textilfabrik.

Ein sehr schönes Kino ist das Grand Teatret. Wir haben dort Manchester by the Sea gesehen, das war für mich der beeindruckendste Film aus dem letzten Jahr. (Die meisten Filme laufen in der Originalversion mit dänischen Untertiteln).

Was kaufen?

Im Louisina Museum gibt es einen großen Museumsshop mit toller Auswahl – hier zum Beispiel Querbinder bzw.Fliegen, aus Wax-Print-Stoffen.

Auch im Kaufhaus Illum ist viel dänisches Design zu finden. Und natürlich überall in der Stadt, die sich zu Fuß gut erkunden lässt.

Wo essen?

Essen war immer sehr lecker, ich liebe ja vor allem die Smörrebröd (Smørrebrød, Butterbrot, „Schmierbrot“), die Schwarzbrote, kunstvoll belegt mit Beef, Ei, Lachs… Und genauso das Wienerbröd, süße Plunderteilchen oder Kranzkuchen. Die Markthalle nahe der Norreport Station war ein Ess-Paradies, aber auch das Café Norden und die Cafeteria im Louisiana Museum sind sehr zu empfehlen (man muss nur antizyklisch essen, sonst ist es zu voll). Die Gerichte waren meist sehr instagramtauglich angerichtet.

Klassischer sahen die Smørrebrød bei Slotskaelderen aus, das habe ich nur durchs Fenster gesehen und merke es mir für das nächste Mal.

Wo schlafen?

Wir waren nun schon zweimal im Ibsens Hotel. Dänisches Design auch im Hotel Alexandra. Das Somandshjemmet Bethel ist gut in Wassernähe gelegen.

Wie teuer?

Ziemlich teuer. Ich schätze mal, die Restaurants und Cafés berechnen ca. ein Drittel mehr als in Berlin. Dafür schien Trinkgeld unüblich zu sein. Ich fand es sehr interessant, dass wir fast immer das Essen am Tresen bestellen mussten – so spart man Personal. Ich kann mir vorstellen, dass sich das bei uns auch bald verbreiten wird, denn in Berlin sehe ich überall Aushänge, mit denen Servicepersonal gesucht wird. Beim Beim Klamotten-Shoppen konnte man schön die Preise vergleichen, wenn auf den Etiketten für den europäischen Vertrieb sowohl Dänische Kronen als auch Euro ausgzeichnet waren. Manches war in Kronen günstiger, manches teurer.

(C.W. Eckersberg, Carlsb. Glypt.)

Soweit mein kleiner Erfahrungsbericht. Natürlich freue ich mich insbesondere auch über eure Empfehlungen, denn es gibt noch viel mehr zu entdecken. Wie immer würde mich vor allem interessieren, welche Orte sich für textilbegeisterte Menschen lohnen, ob Ausstellung oder Stoffparadies.

Vielen Dank für jeden Hinweis, nutzt ja dann allen!