Was sich eine Bloggerin von Museen wünscht #KultBlick

Das Archäologische Museum Hamburg kümmert sich um verlorene Kultur und fragt nun in einer Blogparade Verloren und Wiedergefunden #KultBlick, wie unser Kulturblick aussieht. Das ist ziemlich unbestimmt und ich könnte mich mit vielen Beiträgen zur verlorenen Textilkultur beteiligen. Aber die letzte Frage des Museums hat mich in eine andere Richtung gestupst: „Fehlt dir etwas? Gibt es einen Wunsch, den Du schon immer bei Kulturinstitutionen äußern wolltest? Was können Kulturinstitutionen für dich tun, damit Du gerne zu ihnen kommst?“

Ich beantworte die Frage nun aus Bloggersicht und bringe mal vor, was ich immer schon erzählen wollte. Ich hatte nur bisher keine Kulturinstitution, die zuhörte. Für meine Leserschaft ist das evtl. nicht so spannend, aber, wer weiß, vielleicht interessiert ja auch ein Blick hinter die Kulissen. Nachfolgend also meine Gedanken und Wünsche an Museen, Bibliotheken, Archive.

Bilder

Das wichtigste für Blogs und andere soziale Medien sind

  1. Bilder
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Fotografierverbote in Museen und beschränkte Bildrechte verhindern Kulturverbreitung im Internet. Ohne Bilder ist Bloggen, Twittern, Instagramen über Ausstellungen und Archivmaterial ziemlich sinnlos. Hier nur einige der Ausstellungen und Museen, über die ich NICHT oder nur wenig berichten konnte, weil ich keine Fotos veröffentlichen durfte:

  • Alles der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten  (Frauensache, tolle Ausstellung! Friederisiko in Potsdam, Luises Kleider, Schlösser Pfaueninsel,  Niederschönhausen, Babelsberg, Charlottenburg, ach, es ist ein Elend. Eine Botanikbloggerin löschte ihre Schlossparkfotos, nachdem sie bei der Stiftung nachgefragt hatte, ob sie die Bilder im Blog zeigen dürfe.)
  • Modemuseum Meyenburg (eigentlich einen Ausflug wert!)
  • Cranach in Wittenberg (tolle Ausstellung, wunderbare Porträts!)
  • In Mode im GNM Nürnberg
  • Musee des Tissus Lyon
  • Kunst und Textil in Wolfsburg
  • Fashioning Fashion in Berlin.

Inzwischen habe ich verstanden, dass es meist gar nicht an den Museen liegt, sondern an den Verleihern/Verwertungsgesellschaften, die Geld mit Bildrechten verdienen wollen. Juristisch ist das alles super kompliziert und im Fluss, da ist es verständlich, dass sich niemand aus dem Fenster lehnen will sondern lieber sagt: Bevor wir Ärger bekommen, verbieten wir einfach insgesamt das Fotografieren. (Leider gehen dann manche Museumsaufpasser der Durchsetzung des Verbots auch leidenschaftlich nach).

Bildrechte

Aber nicht nur ein Fotografierverbot erschwert das Teilen über Social Media, auch Nutzungsbeschränkungen bei digitalen Sammlungen sind ein Hemmschuh.  CC-Lizenz  mit Namensnennung, Lizenznennung und Verlinkung? Auf Twitter und Instagram nicht möglich bzw. komplett unsexy. Nutzung nur für Nicht-Kommerzielle? Wer soll das noch sein? Die meisten machen mit ihren Blogs inzwischen irgendetwas, das Geld wert sein könnte, und sei es nur der Besuch eines Blogger-Events oder ein Affiliate-Link. Bei mir finanzieren die Buchverkäufe die Kosten für den Blog und die Recherchen. Das endet mit einer schwarzen Null. Bin ich also nun kommerziell, oder doch ausschließlich gemeinnützig, obwohl ich Bücher verkaufe?

Da ich ja selbst Juristin bin, habe ich wegen der Unklarheiten all die Jahre darauf geachtet, möglichst nur Bilder zu nutzen, die gemeinfrei sind. Dabei musste ich merken, dass viele Institutionen unklar vorgehen. In den Flickr-Commons z.B. steht „keine bekannten Urheberrechtseinschränkungen“, wenn man dann auf die Ursprungsdatei bei der jeweiligen digitalen Sammlung geht, gibt es aber sehr wohl Nutzungsbeschränkungen für die Digitalisate. Oder es gibt ein Bild mit Lizenzregeln, daneben dann Pinterest-Twitter-Instagram-etc Buttons zum Teilen – was für ein Widerspruch!

Wie sollen Blogger da in Frieden über die Kulturthemen berichten können?  Blogposts, mit denen ich mir fast in eine Abmahnung gefangen hätte:

  • Wagner und seine Putzmacherin. Beinah hätte ich von Wikimedia Commons ein Wagnerporträt genutzt, für das andere Webseiten später vom Reiss-Engelhorn-Museum abgemahnt wurden, Kostenpunkt rund 1000 Euro. Nur weil ich illustrieren wollte, dass Wagners Putzmacherin für ihn Berets und Halstücher fertigte!
  • Hinweis auf Fake-News. Das erste Foto im Beitrag, aus Le Figaro Madame, hatte eine andere Bloggerin auf ihrer Seite gezeigt und war dafür von der Fotografin ebenfalls teuer abgemahnt worden, schloss danach ihren Blog. Die Bloggerin warnte mich, als sie meinen Beitrag sah. Ich habe dann noch einmal extra den gesamten Bildschirm abfotografiert (und berufe mich zusätzlich auch auf das Zitiergebot, falls die Fotografin bzw ihr Abmahnanwalt hier mitliest :))  Was für ein Aufwand für einen Blogpost, den mir niemand bezahlt!

Mindestens 50 Prozent meiner Recherchezeit geht dafür drauf, gemeinfreies Bildmaterial zu einem Thema zu finden. Was wäre das für eine Erleichterung, wenn ich in diesem Bereich Carte Blanche, einen Freifahrtschein hätte und alles zeigen könnte, was mir über den Weg läuft. Vor allem könnte ich dann endlich einmal über heutige Themen schreiben und müsste nicht immer um 1900 aufhören – auch bei mir ein Sterbe-Filter: Der Urheber des Bildes muss 70 Jahre tot sein, damit es gemeinfrei wird. Ich weiß, dass so eine Forderung nach Freigabe der Digitalisate zur Zeit utopisch ist, aber Kulturinstitutionen müssen noch viel mehr Energie in das Thema stecken.

Blogger und Co. einladen

Öffnet euch allen! Ich bin inzwischen zu einigen Veranstaltungen gegangen, aber als „bloß“ Bloggerin ohne Fachabschluss und Institution im Rücken fand ich wenig Interesse. Bei Coding da Vinci sind Programmierer gesucht, die mit den Daten ein coole App machen, mit der die Kulturinstitution dann werben kann. Eine Textilbloggerin, die einfach nur gern über einen Seidenfund berichten würde und dazu Fotos machen möchte und mehr Informationen braucht? Blankes Gesicht beim Gegenüber.

Blanke Gesichter auch bei Veranstaltungen von „Zugang gestalten“, Kunstgewerbemuseum, MEK, Netzwerk Mode Textil, Europeana Transcribathon…     Wenn ihr nicht neugierig und offen für Social Media und deren Mitspieler seid, ist es mit solchen Events schwierig. Vielleicht falle ich auch durch alle Raster. Ich bin 50+ und gehöre vielleicht eher in die Kategorie Heimatforscher auf dem Dorf. Aber: Diese Kategorie ist sehr wichtig! Haltet sie in Ehren und schaut nicht auf sie herab!

Guckt also nicht nur danach, euch mit anderen Akademikern aus eurem Feld zu verbinden. Inzwischen gibt es z.B. eine Kunsthistorikerszene die bloggt, twittert, etc.. Vielen merkt man dabei an, dass sie das hauptsächlich machen, um sich beruflich zu profilieren.  Dabei geht es doch eigentlich darum, nicht nur bei den üblichen Verdächtigen bekannter zu werden. Wen wollt ihr erreichen? Nur die, die gern für euch arbeiten würden, oder auch normale Leute? Warum nicht auch Social Media Einladungen für Themenblogger/Twitterer/Instagramer: Kochen, Mode, Sport, Bücher, Musik, Technik, Reisen, und ja, Nähen, Handarbeiten – die Nähszene könnte sicherlich genug Leute zusammen bekommen für eine Spezialführung. Kleinere Museen sind da viel wacher und haben weniger Dünkel, sie kontaktieren mich und andere Textilblogger, um auf ihre Ausstellungen aufmerksam zu machen und besondere Veranstaltungen zu planen.

Kostenlos verpflichtet zu nichts!

Dabei ist mir wichtig: Ein Bericht, eine Meldung, darf nie eine Pflicht sein. Ich habe keine Lust, irgendwo eingeladen zu sein, wenn ich danach darüber berichten MUSS. Wenn ich begeistert bin, mach ich das gern, vorausgesetzt, ich finde die Zeit. Aber wenn es eher mau war – dann fehlt die Energie. An alle, denen sogar die Reisekosten für ein Event bezahlt werden: Wie macht ihr es, unabhängig schreiben zu können? Gebetsmühlenartig wiederholt ihr, dass ihr zwar finanziert wurdet, dass ihr aber selbstverständlich unabhängig berichtet. Was für ein Unsinn! Wenn ihr eine Ausstellung verreißt, dann seid ihr doch das letzte Mal zu so einer Sache eingeladen worden! (Das gilt natürlich erst recht für all die Produkttester und sponsored Post-Schreiber. Wie verkommen das alles schon ist, darüber öffnet dieser Artikel zu Matratzenbewertungen Augen).

Blogs machen bezahlten Journalisten und Presseleuten Konkurrenz, sie verderben die Preise. Ich kann das für mein Thema einigermaßen rechtfertigen, weil das Gebiet ohnehin kaum jemand beackert, schon gar nicht jemand, der dafür bezahlt wird. Aber der entscheidende Unterschied ist: Wer umsonst arbeitet, MUSS das nicht machen. Jederzeit kann Schluss sein, oder es kann so lange dauern, wie es eben dauert, oder es kann lieblos und schludrig gemacht sein. Wer zuverlässige Öffentlichkeitsarbeit möchte, der muss sie dann eben beauftragen und bezahlen.

Selber Social Media machen?

Macht das nur, wenn ihr das wirklich lebt! Klar könnt ihr eure Mitarbeiter dafür zu Schulungen schicken, aber nur wer wirklich Teil einer Community ist, kann „in echt“ mitspielen. Mein Lieblingsbeispiel ist bei Twitter Timothy Long vom Museum of London. Der ist super. Dazu gehört aber auch eine Leitungsebene, die ihn machen lässt!

 

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Wenn ihr keine Kapazitäten, keine eigenen Leute für eine aktive Teilnahme habt, lasst es, oder benutzt die Kanäle nur als Infoplattform. Wer eine chaotische Homepage (oder eine langsame oder gar keine) hat, sollte sich erstmal darum kümmern. Und bitte: Die Öffnungszeiten aktuell halten und prominent platzieren! Nicht mit einer riesigen Sammlung prahlen, die dann so gut wie gar nicht ausgestellt ist! Solche Sachen sind viel wichtiger als Mitspielen in den sozialen Netzwerken.

(Lasst euch im übrigen nicht einreden, ihr müsstet dies und das machen, um mehr Likes und Follower zu bekommen, die Reichweite zu steigern, womöglich sogar „viral“ zu gehen. Das ist alles so synthetisch. Zum Beispiel das „Folgen / Entfolgen-Spiel“ – furchtbar. Ich habe schon eine ganze Reihe Möchtegern-Influecer aus dem Kulturbereich auf meiner inneren Hass-Liste, weil sie das Spiel mit mir gespielt haben. Dauerfeuer auf dem Twitterkanal, Pseudokommentare, übertriebenes Liken und Retweeten und Erwähnen, unter fadenscheinigen Begründungen an Emailadressen kommen wollen – das nervt alles.)

Fazit

Über Fotografierverbote habe ich mich schon 2010 aufgeregt – seit dem hat sich wirklich viel geändert. Ich hätte es damals nicht für möglich gehalten, dass sich inzwischen einige Museen um Blogger bemühen und Blogparaden organisieren. Die Zukunft bringt hoffentlich noch viel mehr Durchlässigkeit. Vielen Dank also für Interesse und Kooperationsbereitschaft des Archäologischen Museums Hamburg als Gastgeber der Blogparade #KultBlick – mit übrigens interessantem eigenen Museumsblog, schaut mal rein.

Weil mich die ganzen PR-Themen eigentlich nerven und mir Inhalte lieber sind, hier noch ein Fund, der mich wirklich begeistert: Die älteste Nähnadel der Welt, gefunden in Sibirien, gefertigt aus Knochen. Schon vor 50.000 Jahren wurde genäht! Ein schöner Abschlussblick in die uralte vergessene Geschichte dieser Kultur.

 

 

30 Kommentare

  1. Hallo! Wie aus der Seele gesprochen…

    ich habe aber auch positive Erfahrungen gemacht:

    als ich über wunderschöne Handschuhe von Warren Hastings berichtete, erhielt ich mailwendend die Erlaubnis des Ashmolean Museums in Oxford. Und ich plane auch dahinzu fahren und mich mit der Kuratorin zu treffen, bin angefixt..

    s. http://www.wockensolle.de/warren-hastings-handschuhe/

    Ich habe sehr positive Erfahrungen in den Ländern gemacht, die auf ihre Traditionen stolz sind. In den baltischen Ländern. Wie oft konnte ich schon Sammlungen in Lettland und Estland bewundern, durfte anfassen und fotografieren…

    es geht also auch anders!

    • Vielen Dank für den Erfahrungsbericht! Schöne Handschuhe.
      Ja, es geht auch anders. Vorher nachfragen wäre bei mir aber wegen der vielen Bilder viel zu aufwändig. Wenn ich blogge, dann zack zack, ohne Wartezeit.

  2. Hallo Susanne,

    eine klare und richtige Ansage – danke dir für deinen #KultBlick!!

    Die Rechtslage mit Bildrechten ist, wie du richtig schreibst, nie eindeutig, selbst wenn es gemeinfreie Bilder/Werke sind, da hier dann noch Eigentumsrechte und Co mit einspielen. Nichts Neues für dich als Juristin. Als Kulturbloggerin schreibe ich nur über Ausstellungen und Werke, bei denen die Rechtslage klar ist, sonst verzichte ich darauf, umständlich nach Abbildungen zu suchen, mache ich auch nicht, da ich zu viele Ideen auf dem Tisch habe, die ich dann vorziehe, da auch meine Zeit begrenzt ist.
    Vielleicht ist das neue Programm der Europeana etwas für dich. Sie haben ein Pilotprojekt lanciert, „trusted Blogger“, ja ich weiß, keine sexy Begrifflichkeit, aber auch unabhängig von einer Teilnahme an dem Projekt, kannst du die Datenbank der Europeana nutzen – hier mal der Link dazu: https://pro.europeana.eu/post/introducing-europeana-trusted-bloggers-programme-it-s-all-about-making-meaningful-connections

    Ansonsten sprichst du viele richtige Punkte an – wie und wann Museen eine Präsens im Social Web angehen oder besser bleiben lassen sollen. Bei Bloggerevents in Kulturinstitutionen genieße ich die Mischung der Blogger, denn jeder betrachtet aus der Historie seines Blogs die Kunst anders. Das fasziniert mich. Beim #HohenzollernWalk hatten wir eine bunte Mischung von Bloggern, darunter Food-, Foto-, Kultur-, Eltern- und andere Blogger dabei und einen Bericht einzufordern das stand uns absolut fern. So verfuhren wir auch beim #Lustwandeln in Schleißheim 2016. Hier war auch eine Strickbloggerin dabei. Einfordern darf in meinen Augen eine Institution nichts. Es sei denn das wurde vorher gegen Entgeld festgelegt. Das ist aber ein anderer Fall und auch ein anderes Format, dass sich von dem Community-Gedanken ein Stück weit entfernt.

    Und ja, als Bloggerin muss ich nicht alles mitmachen, gefällt mir etwas nicht, schreibe ich entweder nicht darüber oder kritisiere oder aber mir fehlt gerade die Zeit darüber zu berichten. Werde ich beim nächsten Mal nicht eingeladen, ist mir das schnurz, denn so viel Zeit habe ich nicht, dafür aber viele Themen, die mich interessieren. Ich sage einige Bloggerevents ab, da ich die Termine mit der Familie nicht immer überein bekomme. Und ja, ich stehe auch manches Mal auf der anderen Seite, da ich etwas für Museen organisiere. Die kläre ich dann aber auf, was geht und was nicht. Was es unbedingt zu beachten gilt und was ganz wichtig ist.

    Ich danke dir sehr herzlich für deine offenen Worte, die mich als Kulturbloggerin ebenso beschäftigen!

    Wünsche dir einen schönen Tag!

    Sonnige Grüße aus dem Süden
    Tanja

    • Sorry, dein Kommentar war in der Warteschleife. Ja, die Europeana-Sache habe ich gesehen und mache vielleicht noch was. Mit Europeana ist es aber auch nicht so einfach, siehe unten Marlenes Kommentar und meine Antwort.
      Ich muss wohl selbst mal mehr nach niedrigschwelligen Blogger-Events gucken, ich hatte das bisher gar nicht so auf dem Schirm – oder in Berlin gibt es das nicht so viel bzw nur für bestimme Kreise?

      • Heute ist in Berlin im Deutschen Historisches Museum zur Ausstellung Revolution etwas. Schau mal nach und frage an, vielleicht klappt es ja zeitlich bei dir und eine Anmeldung funktioniert noch. Scheint jedenfalls spannend zu sein!

  3. Vielen Dank, liebe Suschna, du sprichst mir aus der Seele. Über das Völkerkundemuseum in Hamburg würde ich gern mal schreiben, aber ohne Fotos – nö, das lohnt den Aufwand nicht. In der Certosa di Pavia, ein ganz wundervolles Gebäude, wurde mir auch das Fotografieren untersagt, auch noch sehr unhöflich. Na gut, dann gibt es auch einen Beitrag auf dem Blog. Fragt sich, wer den größeren Schaden hat.

    Gruß Cordula

    • Wahrscheinlich ist den Verantwortlichen gar nicht klar, wieviel Öffentlichkeit ihnen verloren geht. Ich bin auch schon mehrmals nicht zu (weiter entfernten) Ausstellungen gefahren, u.a. weil ich wusste, ich kann gar nicht darüber berichten.

  4. Vielen Dank für den tollen Text, das ist so wichtig! Auch ich blicke kaum durch im Dschungel der Bildlizenzen und Reche. Ich blogge selbst und auch für das Museum Burg Posterstein.

    Über die Europeana findet man sehr schöne Bilder, die auch verwendet werden dürfen. Aber leider muss man auch da genau hinschauen. Denn warum z.B. sind die Bilder des Stadtmuseums Leipzig mit CC-Lizenz zur freien Verwendung eingestellt und dann gibt es einen Download-Error. Wenn man dann auf die Seite des Museums geht, muss man für normal aufgelöste Bilder ohne Wasserzeichen zahlen. Das gleiche gilt oft auch unter Museen für deren Publikationen. Man macht sich gegenseitig das Leben schwer. Dabei finde ich den Ansatz des dänischen Statens Museum for Kunst so toll: Kultur gehört allen, Kultur wird von der Gesellschaft finanziert, die Museen sind nur die Verwalter. Deshalb darf für Bilder dort (auch hier nach Ablauf der 70 Jahre) kein Geld verlangt werden und alle dürfen mit dem gemeinsamen kulturellen Erbe anstellen, was sie wollen – sei es einen Blogpost zu illustrieren oder für eine neue Lippenstiftkollektion zu werben…

    Beim Museum Burg Posterstein in Thüringen bist du als Bloggerin übrigens herzlich willkommen und darfst (bei freiem Eintritt) auch fotografieren. Im Textilienbereich können wir mit Kleidungsstücken der Herzogin Anna Dorothea von Kurland um 1800 und der Tracht einer Altenburger Bäuerin um 1850 dienen. :-)

    Viele Grüße,
    Marlene

    • Oh, das hört sich perfekt an! Da werde ich gleich mal eine Reiseroute entsprechend planen :)
      Ja, Europeana ist ähnlich wie Flickr problematisch, bzw. auch unhandlicher, weil man oft zur Ursprungsseite muss, um das Bild zu sehen. Sehr schade, denn da sind tolle Sachen. Die PD-Bilder für meinen Bereich dort sind auch ohnehin meist vom DigitalMuseum und Rijksmuseum, die steuer ich dann lieber gleich direkt an. Oder ich gucke im us-amerikanischen Bereich des fair-use oder bei archive.org

      • Ja, stimmt, da gibt es noch Verbesserungsbedarf, die Ansätze sind aber da. Auch auf Wikimedia Commons kann man sich nicht verlassen. Ich weiß nicht, wie das rechtlich ist. Aber du hast schon recht, man muss sich als Blogger um ziemlich viel kümmern, es wird einem nicht leicht gemacht und am Ende haftet man.
        Sollte es dich mal nach Posterstein verschlagen, klopf gerne an und frage, ob Marlene da ist – dann können wir uns persönlich unterhalten! Viele Grüße, Marlene

  5. Du sprichst mir aus der Seele, wenn es um Bildrechte geht. Ich habe auch bereits mehrere Blogartikel zu der Thematik geschrieben, insbesondere über das Gebaren der Reiss-Engelhorn-Musseen und den damit verbundenen kulturpolitischen Signalen. Wenn es um gemeinfreie Abbildungen geht, empfehle ich an erster Stelle http://www.pixabay.com. Dort ist nicht nur alles gemeinfrei, die Auswahl ist so groß wie bei keiner anderen Seite. Sucht man aber bestimmte Objekte, wird es auch da schwierig. Zu gemeinfreien Fotos und den besten Quellen habe ich im letzten Jahr einen Ratgeber geschrieben, den ich gerade einem Update unterzogen habe: https://www.zeilenabstand.net/die-suche-nach-bildquellen-im-netz-lizenzfrei-ist-nicht-gleich-lizenzfrei/

    • Vielen Dank für den Hinweis zum Ratgeber, immer gut zu gebrauchen.
      Weil ich ja meist ganz bestimmte historische Abbildungen brauche, ist Pixabay für mich nicht so relevant. Eher vor allem das Rijksmuseum, FlickrCommons und archive.org, wo ich mir die Illustrationen aus den Büchern dann selbst zusammensuche.

      • Gab es nicht im Laufe des Jahres mal einen Fall, dass ein Fotograf, dessen Bilder über Pixabay vertrieben wurden, Abmahnungen verschickt hatte? Ich hatte damals alle Pixabay-Bilder von meinen Seiten gelöscht und verwende seitdem nur noch Bilder, die ich selbst erstellt habe. Bei Pixabay muss ich mich halt darauf verlassen, dass die Angabe „gemeinfrei“ tatsächlich zutrifft. Mir ist das mittlerweile zu unsicher.

        Gruß Cordula

      • Ja, Cordula, das ist theoretisch auf allen Plattformen möglich, die gemeinfreie Bilder führen. Woher soll man wissen, ob die Bilder tatsächlich vom Urheber hochgeladen wurden. Das geschieht ja alles anonym. Noch perfider wird es, wenn die Urheber selbst anonym Bilder als gemeinfrei verteilen, um dann teure Abmahnungen zu verschicken. Das wäre dann zwar eine Straftat, aber solche Menschen existieren. Eine 100% Sicherheit gibt es nicht, wie so häufig im Leben.

    • Du bringst die Dinge auf den Punkt. Die Sache mit den REM ärgert mich speziell, das sie das von mir aus die nächst gelegenen großen Museen sind. Ich verweigere seit diesem Theater die Besuche dort. Aber, darf ich auch einige positive Dinge hier dazu stellen? Ok, es geht dabei nicht um Textilien, aber mir scheint es gibt da und dort Bewegung.
      Ich war als Blogger zur Frankfurter Buchmesse akkreditiert. Ohne Sperenzien dieses mal. Dort war alles voller Bloggerliebe. 2400 Bloggerakkreditierungen, sagt die Messe. Die Verlagswelt beginnt die Blogger endgültig ernstzunehmen, als eigenständige Publikationsform. Man ist ganz versessen auf Blogger! Microinfluenzer nennen uns manche. :) Ich habe bei mir darüber gebloggt. Siehe Link.
      Auf der Messe war zu meinem Erstaunen auch ein von der Messe selbst gesponserter Stand der Wikipedia. Dort wurde mir die Absicht von Wikipedia geflüstert, den Prozess REM vs Wikipedia bis zum Verfassungsgericht tragen zu wollen, wenn möglich, um generelle Rechtssicherheit zu erhalten. Das klang tatsächlich echt!
      Ich denke Bewegung wird auch vom Silicon Valley kommen. Auch auf der Buch!-Messe in der Abteilung „The Arts+“ ein Stand von Google-Arts, mit riesigen Bildschirmen im MoMa und Co. Ich habe den Eindruck, wenn der Welt bald so viele Bilder nach Hause geliefert wird, dann werden auch die Verwertungsschranken auf Blogs etc. niederschwelliger werden.
      Viele Museen denken auch um, sind schon längst in der digitalen Welt angekommen. Die Staatliche Kunsthalle Karlsruhe setzt auf ihrer Homepage Blogger und Presse gleich, auch das Downloadarchiv, mit Bildern. So auch das Historische Museum der Pfalz in Speyer. Ich nutzte bereits beides. Siehe auch meinen Ausflugsblog, auf dem verlinkten Blog als #burger im Menü. Bei den Tweetups regeln die Karlsruher so, dass Bilder, deren Leihgeber das geknipst werden nicht wünschen gekennzeichnet sind. Bei Social Meetups in den Frankfurter Größen Städel und Schirn gab es noch nie Einschränkungen, wie auch im Technoseum Mannheim! Es gibt also auch hier Bewegung, die irgendwann auch durchschlagen wird. Bleibt die Frage, ob kleinere Institutionen das Geld für solche Vermittlung, die Digitalisierung überhaupt, zur Verfügung gestellt wird.
      Sehr bezeichnend das Museum Wiesbaden. Beim ersten Social Meetup zur Nolte-Ausstellung dort, erklärte uns der Direktor des Hauses, dass er mit Erstaunen feststellte, wie viele Fotos es vom Hause gäbe, trotz Fotoverbot. Er setzte daraufhin das Verbot außer Kraft und nutzt Instagram als Info-Input auch für künftige Ausstellungen.
      Vielleicht werden auch die Künstler besser auf Blogs aufmerksam, denn der Kampf um die Bildrechte hat ja auch mit deren Einnahmen zu tun und es kommt zu Kompromissen, mühsam erarbeitet.
      Vielleicht wird es eines Tages noch mehr solche Aufforderungen geben:

      • Wegen Ferien ohne Internet habe ich deinen Kommentar leider jetzt erst in der Warteschlange gefunden, tut mir leid! Kommentare mit Link landen immer im Spam, da muss ich noch eine Lösung finden.
        Vielen Dank für den Erfahrungsbericht, das macht Mut. Also werde ich auch mal mehr auf solche Social Media Events achten, innerlich hatte ich inzwischen aufgegeben. Wie schön, dass alles in Bewegung kommt.

  6. Da ist was dran: über Museen, Denkmäler, Veranstaltungen schreibt man lieber gar nicht, wenn das Fotografieren nicht erlaubt ist. Dabei denke ich oft, ein bißchen mehr Werbung wäre sicher nicht verkehrt.

  7. Liebe Susanne,
    herzlichen Dank für die deutlichen Worte! Es ist ja nicht so, dass ich mir nun verdutzt die Augen reibe, dass unsere Öffentlichkeitsarbeit/Bild-Politik so bewertet wird, ach ja…, ich betrachte das als guten Motivationsschub, am Thema weiterzuarbeiten und für jede Ausstellung mehr Bilder einzufordern!
    Als Stefanie Fiebrig in ihrem Blog 2015 die Fotos löschte, hatte sich schon eine kleine gute Diskussion entwickelt http://www.puppenlustig.de/2015/10/bitte-nicht-teilen/, die auch bei uns einen Prozess in Gang setzte: Die Anpassung unserer Fotorichtlinie ist in Arbeit, auch wir kommen an in dieser Welt!
    Wir haben verstanden, dass Blogger eher nicht kommerziell unterwegs sind, doch die faire Trennung fordert – wohl auch – uns heraus. Natürlich auch vor dem Hintergrund, dass wir Einnahmen generieren müssen (durch kommerzielle Verwendungen).
    Wir sind kein Museum, das mehr oder weniger gut ausgestattet in die neue Medienwelt starten konnte, das eine einzige Sammlung pflegt, ergänzt etc. Wir mussten vielmehr viel zu lange zusehen, wie Friedrichs grandioses, weil in weiten Teilen original erhaltenes Neue Palais vermodert oder die wunderbaren Römischen Bäder absacken und in ihrer Substanz zerreißen und zu verschwinden drohen – und, und… Gleichwohl baut die SPSG derzeit langsam um, in Richtung Digitales! Will heißen: In diesen Tagen werden wir in der Öffentlichkeitsarbeit um eine Kollegin verstärkt, weil das Thema Social Media als wichtig erkannt wurde, wir publizieren Forschungsergebnisse online auf http://www.perspectivia.net/publikationen/kultgep-colloquien/1-2014/luh_einleitung, Online-Kataloge und -Datenbanken sind in Vorbereitung. Und: Wir (alle) verstehen Blogger ein bisschen besser, auch durch deinen Beitrag, und freuen uns nicht nur über Beiträge, sondern unterstützen gerne! Auch mit Bildern!
    Natürlich haben auch wir das Problem, dass wir es nicht zulassen dürfen, dass in den Sonder- und Dauerausstellungen alle Objekte uneingeschränkt fotografiert werden können – mit Betonung auf: dürfen, denn nicht alle Leihgeber geben uns mit dem Objekt auch diese Zustimmung. Leider! Noch so ein Thema.
    Theorie, nun aber Konkretes: Wie wäre es mit einem Besuch unserer TextilrestauratorInnen in Potsdam? Hier könnte dann wirklich uneingeschränkt fotografiert oder Themen gesammelt und diskutiert werden, und im Anschluss ein gemeinsamer Schlossbesuch?! Ich würde mich sehr freuen, wenn das klappt!
    Danke also nochmals für die Kritik, danke an den wunderbaren #KultBlick, es gibt noch viel zu lesen und noch mehr zu tun und wir hoffen, dass ihr uns weiterhin und mehr als bisher begleitet – wir geloben Besserung, naja, langsam halt, preußisch…

  8. Es ist schön zu hören, dass in der SPSG endlich ein Umdenken stattfindet. In der Vergangenheit war da ja häufig wenig Erfreuliches zu lesen, wenn es um Bildrechte ging. Kultur darf niemals zu reinem Kommerz verkommen, sonst wird es seinem gesellschaftlichem Anspruch nicht gerecht und untergräbt die eigene Basis.

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