Stoffspielerei: Duftige Nachthemdpasse aus den 30ern

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„Handarbeiten, Freude bereiten“ steht auf diesem Anleitungsheft, Herausgeber ist der Reichsbund des Textil-Einzelhandels. Zitat von Seite 20: „Wir wollen Ihnen hier klar machen, wie leicht es doch ist, eine Hemdenpasse zu häkeln“. Fein, das passt gut zum heutigen Termin für die Stoffspielerei*.   Ines  von den Nähzimmerplaudereien hat das Thema “Ecken und Kanten” vorgegeben, bei mir wird also nun eine Passe als Ausschnittkante daraus. (Übrigens: Bei Wikipedia fehlt noch ein Artikel zum Thema Passe am Kleidungsstück, falls jemand Lust hat, sich darum zu kümmern.)

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So sieht das Häkelstück im Heft aus, an ein seidiges Hemd angenäht.

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Die Anleitung dafür ist erstaunlich einfach. Auf der Häkelgrafik stehen die Punkte für Luftmaschen und die Striche für Stäbchen, das Muster wiederholt man immer rundum von Reihe 1 bis zur Reihe 15.

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Die Reihe 15 habe ich leider nie erreicht, denn das schön alte cremefarbene Häkelgarn ging vorher aus und ich fand keins mit demselben Farbton, um weiterzumachen. Ohnehin muss das Original noch viel feiner gehäkelt sein als meins, denn meine Passe ist  größer geworden als in der Vorlage. Dennoch tränten meine Augen vor Anstrengung, mit der Nadel immer die kleinen Maschen zu treffen.

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Auf dem Blumenkleid wirkt der Häkelkragen zwar authentisch, aber auch ziemlich mopsig. Also habe ich ein Nachthemd genommen, dessen Ausschnitt schon ein bisschen durchgescheuert war.

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Die Passe passte gut hinein – mal sehen, wie es sich trägt. Laut Heft soll man lange Freude daran haben. „Obwohl sie so duftig aussehen, sind sie doch sehr dauerhaft und halten viele Wäschen aus.“

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Den Reichsbund des Textil-Einzelhandels gab es in den 1920er und 1930er Jahren. Angesichts der Mode tippe ich auf die 30er Jahre, aus der Zeit sind auch einige andere Zeitschriften, die bei dem Konvolut waren.

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Hat alles ein ziemliches Nazi-Feeling an sich, beim Nachhäkeln hatte ich ein mulmiges Gefühl. Das Frauenbild im Heft ist dementsprechend – Frauenfleiß eben, Mutters Nadel, Mutters Hände, Schönheitssinn und Ordnungsliebe. Wie ganz anders wirkte da noch kurz vorher die Berliner Frauen-Illustrierten von 1928,  hier schon einmal Thema – der gesellschaftliche Rückschritt kann schnell und extrem sein.

Auch Modedetails aus meinem Heft sind heute wieder aktuell, die klobigen schwarzen Schuhe zum Beispiel, oder die dicken Zopfsocken und das Teufelsmützchen.

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Die anderen Dinge – naja. Bei dem Strickkleid pillt es schon auf dem Foto so sehr, dass es gruselt. Und der Herrenpullover mit Logo könnte heutzutage als Nerd-Mode bzw. Geek-Chic wieder Abnehmer finden. Mädchen mit Hornbrillen und viel zu großen filzigen Mänteln vom Flohmarkt sind hier gerade Trend.

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Soweit für heute – vielen Dank an Ines, die die Links sammelt. Schaut bei ihr vorbei – ich bin gespannt, was andere aus dem Thema gemacht haben.

Im nächsten Monat, am 26.2. (der Sonntag vor Rosenmontag) ist das Thema “Kopfputz”, Gastgeberin ist Gabi von Made with Blümchen.

Nun bastle ich noch an einer anderen Kragenkante. Mal sehen, mit welchen der beiden Seidenstoffreste aus Japan ich die Bluse verschönere, ich kann mich noch nicht entscheiden. Schönen Sonntag allen!

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Die monatliche Stoffspielerei ist eine Aktion für textile Experimente. Sie ist offen für alle, die mit Stoff und Fäden etwas Neues probieren möchten. Der Termin soll Ansporn sein, das monatlich vorgegebene Thema soll inspirieren. Jeden letzten Sonntag im Monat sammeln wir die Links mit den neuen Werken – auch misslungene Versuche sind gern gesehen, zwecks Erfahrungsaustausch.

Stoffspielerei: Improvisation mit Stoffresten

Heute ist wieder Termin für die Stoffspielerei*,  Nahtzugabe ist mit dem Thema „Stoffreste“ Gastgeberin. Dafür habe ich zwei Quilt-Projekte aus meiner Funduskiste geholt.

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Vor Jahren schon wollte ich nach einem Quiltspotting (Quilts in Filmen) das Pineapple-Muster versuchen. Ausgehend von einem Quadrat näht man viele schmale Stoffstreifen abwechselnd über Eck. Ich habe mich für je eine Reihe bunte und eine Reihe dunkle Stoffstreifen entschieden.

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Wenn man es nicht so genau haben muss, kann man nach Augenmaß arbeiten und braucht nicht mehr groß nachzudenken.

Links die Variante fand ich nicht so gut, da waren mir die Streifen zu breit. Rechts gefällt mir aber, das wird nun auf das rote Kissen appliziert.

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Das freie Variieren eines Grundmusters führt mich zu einem tollen Buch, das ich sehr empfehlen kann:

Sherri Lynn Wood, The Improv Handbook for Modern Quilters. Sherris Improvisationsrezepte habe ich ja früher schon probiert (z.B.  Floating Squares oder Stimmungsquilt). Von damals stammen auch noch sehr viele Streifen aus Stoffresten. Ich hatte alle Reste nach Breite sortiert und dann jeweils zusammengenäht.

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Doch wie nun weiter? Ich nahm mir das Kapitel „Doodle“ aus Sherris Buch vor, da näht man Stoffstücke zusammen, als ob man bei einem Telefongespräch nebenher auf einen Block kritzelt. Irgendwo mit einer Grundform (Quadrat, Dreieck etc.) anfangen und dann intuitiv Teile daran setzen, mit anderen Grundformen variieren. Bei sehr bunten Stoffresten rät Sherri zu einem einfarbigen Stoff als Ergänzung.

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Daran habe ich nun eine halbe Nacht herumgekritzelt, und Ausschnitte finde ich auch ganz gut, aber ingesamt?

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Im Buch gibt es jedenfalls auch eine ganze Menge Motivation, nicht so streng mit sich zu sein und den inneren Zensor zu überwinden.

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Ich lasse das jetzt erst einmal liegen und schaue später wieder drauf.

Lucy hat sich ebenfalls mit Sherris Ideen beschäftigt, außerdem zeigt sie, wie man ganz schnell eine kleine Börse nähen kann – schaut mal nach, was sie und andere mit Stoffresten gemacht haben. Danke für das Sammeln der Links!

Weil die Sonntagstermine im Dezember so ungünstig liegen, ist die nächste Stoffspielerei erst wieder Ende Januar, am 29. 1. 2017. Dann ist Ines  (Nähzimmerplaudereien) mit dem Thema „Ecken und Kanten“ Gastgeberin – falls jemand von euch auch einmal einen Sonntagstermin übernehmen möchtet, meldet euch gern bei mir!

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Die monatliche Stoffspielerei ist eine Aktion für textile Experimente. Sie ist offen für alle, die mit Stoff und Fäden etwas Neues probieren möchten. Der Termin soll Ansporn sein, das monatlich vorgegebene Thema soll inspirieren. Jeden letzten Sonntag im Monat sammeln wir die Links mit den neuen Werken – auch misslungene Versuche sind gern gesehen, zwecks Erfahrungsaustausch.

Sommerkleider selber nähen – MeMadeMittwoch Spezialausgabe

„Ich packe meinen Koffer“ heißt die heutige Spezialausgabe beim MeMadeMittwoch. Nach ewigen Zeiten wollte ich mal wieder teilnehmen, freudig mit meinen neuen selbstgenähten Sommersachen. Bloß, bei der Selbstauslöser-Fotosession  heute kamen mir doch große Zweifel. Meinen Kofferplan muss ich noch überdenken.

Leichte luftige Kleider sind hier jedes Jahr Thema – familienbedingt muss ich immer in südliche Bruthitze. Dieses Jahr wollte ich mir an Floh ein Beispiel nehmen – sie hat sich nach einem Brigitte-Schnitt nun schon zwei Kleider genäht, die ihr auch sehr gut stehen. 2016-07-27 14.16.48 (408x800)

Derselbe Schnitt an mir sieht nach Nachthemd oder OP-Kittel aus. (Stoff von Hüco, feine Oberhemden-Baumwolle). Zur Rettung habe ich es mal wieder mit Tuchapplikation versucht. (Uraltes Halstuch von Esprit).

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Gestern abend war ich noch ganz überzeugt, aber heute im Lauf des Tages fühlte ich mich schon nicht mehr so wohl. Die Umrandung mit der Bommelborte macht es auch nicht besser.

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Ich glaube, das bleibt ein Nachthemd – oder wirklich ein Patientenhemd, denn sein eigenes Hemd zu haben, ist schon ganz schön. In Kanada gibt es sogar eine Intitiative, die Jugendlichen individuelle Kittel für die Krankenstation besorgt.

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Der blaue Rock unten ist auch frisch genäht, aus einem gefärbten Betttuch nach eigenem Schnitt. (In den letzten Jahren nähe ich fast nur noch nach Schnitten, die ich von mir passender Kaufkleidung abnehme). Das sehr luftige Oberteil hatte ich schon vor Jahren einmal gezeigt, ich trage es immer noch. Aber irgendwie sieht das zusammen auch nicht so toll aus wie erhofft.

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Da denke ich doch gleich an diese Bilder hier.

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Damit es aber nicht so negativ wird, hier ein Kleid, das seit vielen vielen Jahren in meinen Sommerkoffer kommt. Den Schnitt hatte ich damals von einem sehr gut sitzenden Lieblingsoberteil abgepaust und zum Kleid verlängert.  Locker und luftig, halblange Ärmel, aber dennoch „angezogen“. Hier hat sich der Nähaufwand für einmal wirklich gelohnt.

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Ebenfalls gelohnt hat sich dieses Sommerkleid, das ich seit dem Blogeintrag vor 6 Jahren mag,  Angezogen.

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Auch immer dabei ist mein bei Hitze nicht störender Textilschmuck, gehäkelte Ketten oder Armbänder aus Besenstielspitze.

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Der Blick ins Archiv deckt vergessene Sommerflops auf. Einige genähte und verbloggte Sachen habe ich so gut wie nie getragen. Bei dem Wax-Print unten links (Blogtitel 1qm Zufriedenheit  haha) ist der Stoff zu steif und unbequem.

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Aber egal, sehr viele gute Sommerkoffer-Tipps könnt ihr heute beim MeMadeMittwoch finden, wo  Wiebke vom Blog „Kreuzberger Nähte“ beneidenswert ausgestattet auf Reisen gegangen ist.

Falls ihr bald fahrt oder schon weg seid: Gute Reise, guten Urlaub!

Stoffspielerei im Juni: Rundkissen mit Wechselrahmen

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Heute ist wieder Stoffspielerei* und Frifris  hat das Thema Löcher vorgeschlagen. Bei mir gibt es einen Kissenbezug mit Guckloch zu sehen. Dafür habe ich einen großen ‚Stoffbeutel‘ mit Tunnelzug genäht und ein altes rundes Daunenkissen hineingelegt.  Wird die Kordel im Tunnelzug  so eng wie möglich zugezogen, entsteht eine Art Bilderrahmen, hinter den man sehr gut andere Stoffwerke legen kann. Oben seht ihr als ‚Bild‘ das bestickte Tuch von der letzten Stoffspielerei, unten andere Ergebnisse früherer Stoffspielereien.

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Gestickte Würmer von 2013, unten pflanzengefärbten Stoffe von 2015.

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Weil alles so eng gestopft ist, verrutscht das Bild hinter dem Faltenrahmen auch nicht so leicht, aber ein Alltagsknuddelkissen ist es natürlich auch nicht, eher ein Rückenstütze. Ich mag es gern und freue mich über den Wechselrahmen.

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So sieht die Rückseite aus.

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Nun schicke ich den Beitrag schnell ab. Durch die lähmende Hitze hier in Berlin und die ganze Brexit-Misere war ich eigentlich zu nichts in der Lage, aber heute ist es wieder frisch und schön und alles wird besser.

Ich bin gespannt, was  Frifris und anderen zum Thema Löcher eingefallen ist. Vielen Dank für das Sammeln der Links, liebe Frifris!

Im Juli und August machen wir mit den Stoffspielereien Sommerpause. Wiederaufnahme ist dann am 25. September bei mir, Thema: Von Gold bis Blech – Metallstickerei. Wie immer ist das nur eine Inspiration, die ihr nicht so eng sehen müsst.   Wir freuen uns über jede Teilnahme!

Nachtrag: Made with Blümchen plant, in der Sommerpause  zwei ihrer offenen Stoffspielerei-Projekte fertigzustellen, sie würde sie an den letzten Sonntagen (am 31. Juli und 28. August) posten. Wollt ihr mitmachen? Dann meldet euch bei Made with Blümchen.

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Die monatliche Stoffspielerei ist eine Aktion für textile Experimente. Sie ist offen für alle, die mit Stoff und Fäden etwas Neues probieren möchten. Der Termin soll Ansporn sein, das monatlich vorgegebene Thema soll inspirieren. Jeden letzten Sonntag im Monat sammeln wir die Links mit den neuen Werken – auch misslungene Versuche sind gern gesehen, zwecks Erfahrungsaustausch.

SOMMERPAUSE

 

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Stoffspielerei im April: Plisseeee

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Lucy  von Nahtzugabe hatte für die heutige Stoffspielerei* das Thema Plissee vorgeschlagen.  Dazu war ich erst einmal ratlos. Schließlich braucht man für Plissee eigentlich eine Profimaschine und Profischablonen. Nicht weit von mir liegt eine der wenigen Plisseebrennereien Deutschlands, die Firma Gießmann. Mehrere Zeitungen berichteten bereits darüber, zum Beispiel hier: „In kunstvolle Falten gelegt„.  Die Pappschablonen werden offenbar per per Hand gefaltet – das kommt für mich nicht infrage. Wie kann das regelmäßig werden?

Zum Glück  fand ich in Reclams Mode- und Kostümlexikon beim Eintrag zu „Plissee, das (von frz. pli ‚Falte‘)“:

…. Sehr fein und regelmäßig plissiertes Leinen grub man in Birka, dem schwedischen Handelszentrum (ca. 800-975) der Wikinger, aus. Da die Falten rund sind, wurde wahrscheinlich das Plissee durch Einnähen und Zuziehen von Fäden erreicht, die man nach dem Waschen und Trocknen des Stoffs wieder entfernt hat.

Also machte ich es wie die Wikinger und zog Nähgarn durch einen abgeschnittenen Hemdärmel.

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Natürlich rissen einige dieser Fäden beim Zusammenziehen, was bei solchen Projekten ein SUPERGAU ist. Daher: Für so etwas IMMER festen Zwirn nehmen, auch wenn man gerade zu faul ist, welchen zu suchen.

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Nun hatte ich mein kleines Faltenpaket, aber wie weiter?

Ich fand dieses französische Video über einen Plisseur und  lernte, dass meine Baumwolle nur gefaltet bleiben wird, wenn ich sie niemals wasche. Monsieur Lognon der Plisseur rät zu Kunstfaser wenn das Plissee waschbar sein soll, sonst ist es nach der Wäsche dahin,  sinon, c’est foutu.

Einen Dampfschrank wie die Profis hatte ich natürlich nicht, aber  früher wurde einfach über einem Kochtopf im Wasserdampf fixiert, das versuchte ich dann auch. Das Päckchen eine Stunde im Sieb über leicht köchelndem Wasser durchziehen lassen, dann über Nacht langsam trocknen .

Am nächsten Morgen war ich nach dem Heraustrennen der Fäden angenehm überrascht.

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Das gefällt mir wirklich gut. Ich könnte noch eine zweite Manschette plissieren und beide mit Knöpfen um die Handgelenke herum verschließen (am besten einfach die festen Manschetten von einem Oberhemd abschneiden und das Plissee aufapplizieren).

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Mit Waschbarkeit ist es dann auch nicht so ein Problem, man könnte Flecken vorsichtig per Hand austupfen. Als Kragen oder Jabots könnte ich mir so ein Plissee auch gut vorstellen.

Ein bisschen erinnert mich mein Ergebnis auch an dieses Brillenetui, das ich schon vor ein paar Jahren einmal bezogen habe – das sind unregelmäßig abgenähte Falten.

2016-04-23 22.02.13 Das Innere ist ein Schnappetui mit Werbeaufdruck vom Optiker. Wie das ganz einfach zu beziehen ist habe ich bei diesem Brillenetui  einmal gezeigt.

Nun schnell weiter zu Lucy  von Nahtzugabe von der ich weiß, dass bei ihren Vorbereitungen ein Backofen eine Rolle spielte, das ist spannend!  Vielen Dank an Lucy für das Linksammeln.

Ich werde mir auch alles ansehen, aber das Kommentieren bei Blogspot-Blogs ist inzwischen für Externe so frustierend, daß mein Duchhaltevermögen dafür vielleicht nicht reicht.

NACHTRAG: Christoph hat in den Kommentaren darauf verwiesen, dass Kleidung um 1800 zum Waschen die Falten wieder mit (wenigen) Fäden fixiert hat, das hat gut geklappt.

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Vormerken: Der nächste Termin für die Stoffspielerei ist Sonntag, der 29. Mai 2016 bei Karen mit dem Thema “Schrift im/in/auf Textil”.

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Die monatliche Stoffspielerei ist eine Aktion für textile Experimente. Sie ist offen für alle, die mit Stoff und Fäden etwas Neues probieren möchten. Der Termin soll Ansporn sein, das monatlich vorgegebene Thema soll inspirieren. Jeden letzten Sonntag im Monat sammeln wir die Links mit den neuen Werken – auch misslungene Versuche sind gern gesehen, zwecks Erfahrungsaustausch.

Der Plan für die nächsten Monate, kurzfristige Terminänderungen sind möglich:

26. Juni Frifris, Thema „Löcher“

SOMMERPAUSE

Wiederaufnahme voraussichtlich am 25. September bei mir, Thema: Von Gold bis Blech – Metallstickerei

 

 

Stoffspielerei: Tuch wird zu Rock und Schal zu Bolero

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Heute bin ich mit der monatlichen Stoffspielerei*  dran. Als Thema hatte ich mir Es war einmal ein Tuch ausgesucht und hier auch schon ein paar Tipps dazu gegeben.

Zunächst meine eigenen drei Beiträge, weiter unten dann die Links zu den anderen Teilnehmerinnen.

 1.  Zwei Seidentücher werden zu einem Rock gewickelt

Nix aufregendes, Sarong-Prinzip mit zwei Tüchern, aber es funktioniert. Ich bin schon einen ganzen Tag mit der Wickelei herumgelaufen, es sitzt und hält gut. Unten drunter trage ich einen schwarzen Strickrock. Da die beiden Tücher nur geknotet werden, konnte ich gefahrlos die besten Stücke aus meinem Lager vitalisieren. Ein Hermes-Tuch und ein Tuch von Fabric, beide schon mindestens 20 Jahre alt, .

Das Hermes-Tuch hält zusammengedreht als Bündchen die rechteckige Stiefmütterchen-Seide, wird einmal um die Taille geschlungen und mit dem anderen Zipfel des Rockteils verknotet. Ich freue mich, das schöne Blumentuch nun so einsetzen zu können. (Und habe nun außerdem einen ähnlichen Look wie ich ihn vor Jahren schon bei Lucys Digitalprint schön fand).

2. Schal wird zu Bolero

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Sehr gut gefällt mir auch dieser Bolero/Shrug/Leibwärmer, keine Ahnung, wie man so etwas nennt. Das ist eigentlich ein sehr schöner schwerer Schal aus Norwegen. Zu schade, um nur im Schrank zu liegen. (Ich trage generell wenig Schals und Tücher und komme damit nicht klar, aber das Fass will ich hier nicht aufmachen.)  Lieber meine Entdeckung teilen: Wenn man das Prinzip verstanden hat, kann man sich in 10 Minuten ein Leibchen winden und mit ein paar Stichen fixieren. Der Ablauf ist eigentlich einfach, aber schwer zu erklären. Den Schal (240 x 20 cm) dreht man in sich und schließt ihn an den schmalen Enden zu einem Ring, siehe zweites Foto unten.

Über die Schultern gelegt und vorn gekreuzt, fixiert man mit einer zweiten Naht auf dem Rücken das Oberteil am Unterteil (auf den Fotos mit einer Klemme markiert). Das war es eigentlich schon :-), aber dafür braucht es wohl besser eine Animation oder ein  Video. Ich habe es mir selbst ausgetüftelt, vielleicht gibt es das schon irgendwo erklärt?

3. Tuch auf Pullover

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Das aufwendigste Projekt, ein Tuch auf einem Pullover appliziert, ist eher ein Flop. Eben weil bei mir Tücher immer verrutschen und mich stören, wollte ich den Farbtupfer mit dem Pullover verbinden. (Eine ähnliche Idee hatte ich hier verfolgt). Also nähte ich den Schal fein gefältelt fest, was ein langwierige Arbeit war. So richtig überzeugt mich das Ergebnis nicht. Es „trägt auf“, sieht in echt komisch aus und nervt.

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Das Tuch ist mit einer Hochhausfassade bedruckt und wurde vor Jahren an einem Stand auf der Textile Art verkauft. Den Druck finde ich wirklich toll. Wahrscheinlich löse ich alles wieder vom Pullover und mache etwas anderes damit.

Das wars, jetzt seid ihr dran. Hier nun andere Stoffspielereien:

  • Beswingtes Allerlei hat den heutigen Termin zu Anlass genommen, ein Motto-Tuch in eine Gertie-Bluse umzuwandeln und erzählt die schöne Geschichte, warum auf Mehlsäcken in den USA manchmal Schnittmuster aufgedruckt waren.
  • Bei Susanne von Nahtlust freut sich ein Schal darüber, dass er jetzt eine Schachtel ziert.
  • Christine hat zwar kein aktuelles Werk, aber früher einmal aus Coupons für Seidentücher Blusen gemacht, hier und hier.
  • Bei Creatures and Creations ist ein Geschirrtuch jetzt ein Homunkulus – auch eine gute Idee für Monogramm-Würdigung auf alter Wäsche.
  • Jahreszeitenbriefe trägt gern Tuniken aus zwei Batist-Batiktüchern, hier ein Beispiel.
  • Karen macht einen Ausflug in die Geschichte des Taschentuchs und näht aus einem Kunstseidenschal einen Wäschebeutel.
  • Siebensachen hat schon mehrmals Tücher verarbeitet, inklusive Fransenkantenverwertung.
  • Mirellchen ist auf Furoshiki gekommen – Stoffspielerei mit Knoten.
  • Griselda rettet ein Kashmirtuch aus der Mottenkiste mit dem hier wieder wirklich wahren Motto: Viel hilft Viel.
  • Judika findet in ihrem Zimmer mehrere Tuchverwertungen, unter anderem ein Bild, das im Sommer wieder zu einem Pareo werden kann.
  • Siebenschön hat nach ein bisschen schneiden und nähen nun eine Jacke – das erste Tuch, das für sie tragbar ist.
  • 123-Nadelei zeigt, wie man ein Tuch als Kragen und Ärmelabschluss intregiert und richtig gut in Szene setzt.

 

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Vormerken: Der nächste Termin für die Stoffspielerei ist Sonntag, der 27.  März 2016.   Griselda von Machwerke wird dann Beiträge zum Thema Verschlungen und Verflochten sammeln.

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*  Die monatliche Stoffspielerei ist eine Aktion für textile Experimente. Sie ist offen für alle, die mit Stoff und Fäden etwas Neues probieren möchten. Der Termin soll Ansporn sein, das monatlich vorgegebene Thema soll inspirieren. Jeden letzten Sonntag im Monat sammeln wir die Links mit den neuen Werken – auch misslungene Versuche sind gern gesehen, zwecks Erfahrungsaustausch.

Der Plan für die nächsten Monate, kurzfristige Terminänderungen sind möglich:
27. März bei Griselda, Thema “Verschlungen und verflochten”
24. April bei Nahtzugabe, Thema “Plissee”
29. Mai bei Karen , Thema “Schrift im/in/auf Textil”

 

 

Kuriosum Halskrause, 2. Teil

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Hier eine Fortsetzung zum vorhergehenden Beitrag „Modische Halskrause aus dem Barock„, denn es gibt noch einiges zu sagen.

Meine zunächst vorgestellte Krause nach dem Buch von Janet Arnold Patterns of Fashion  enthält nicht, wie gedacht, zehn Meter Stoffstreifen, sondern nur 3,50 Meter. Um Buße für die Fehlmessung zu tun, habe ich nun auch noch einmal sieben Meter für einen zweiten Kragen gekräuselt. Wenn man in größeren Abständen einreiht, dann bekommt man auch sieben Meter auf Halsumfang reduziert:

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Im Vergleich noch einmal die 3,50 Meter:

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Beide Kragen übereinandergelegt machen dann schon etwas her. Obwohl sie kaum gestärkt sind.

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Bei solch großen Kragen brauchte es damals, wie schon gezeigt, auch noch einen Unterbau. Das war meist ein Draht- oder Pappgestell, Supportasse o.ä. genannt. Beim V&A könnt ihr eine Pappversion ansehen.

Wenn ihr Halskrausen selber machen wollt: Auf Englisch gibt es  hier ein mehrteiliges Tutorial, auch mit Beschreibung des Stärkens und Bügelns. Bei Youtube kann man zugucken, wie der Stoff mit Mondaminpaste beschmiert und mit Lockenstäben gerollt wird, dass es nur so eine Lust ist. Man versteht dann auch, wie die 8-Form zustand kommt. Die einzelnen Schaufen werden zum Teil durch feine Stiche fixiert. So dürfte auch dieser Kragen aus einem Porträt von 1651 gefertigt sein:

saum1651, Rijksmuseum

(Nachtrag: Manufacta hat für Rigoletta solche Krausen gearbeitet, wohl aus fester Kunstfaser)

Das Thema hat so viele interessante Aspekte, auf die ihr dankenswerterweise in den Kommentaren zum 1. Teil inzwischen hingewiesen habt. Davon angeregt hier Nachschub zu drei Punkten.

1. Kirchentracht

Zwei Kommentatorinnen berichten, dass die Halskrausen bis heute in kirchlichen Amtstrachten weiterleben, z.B. in Skandinavien, den Hansestädten und Augsburg.

tinebsichBischöfin, Fünen, DK

Beate schreibt dazu:

In Hamburg gehört die Halskrause auch heute noch zum Ornat der Pastoren. Ich erinnere mich gut, dass bei den Kirchenbesuchen meiner Kindheit (60er / 70er Jahre) die Pastoren die gestärkte Krause stets getragen haben. Heute wird das wahrscheinlich schon aus Kostengründen nicht mehr überall der Fall sein. Nicht nur die Herstellung sondern auch die Pflege der “Wagenräder” ist ja arbeitsintensiv. Es ist eine der Arbeiten, die heutzutage nur am Rande der (Selbst-)Ausbeutung erledigt werden können, z. B. im Zuge von Ein-Euro-Jobs.

Siehe dazu diesen Bericht über die Halskrausenbügelei in Hamburg. Dort braucht man drei Stunden um die 200 Schleifen des Wagenradkragens mit einem heißen Eisen zu „tollen“, so der Fachausdruck. Einmal Waschen, Stärken, Tollen kostet 39 Euro.

Auf einen Bericht über die einzige Halskrausenschneiderin Augsburgs (PDF, S.7) hat Sabine hingewiesen. Die Schneiderin legt zweieinhalb Meter Batist in 35 Schlingen. Zum Waschen wird alles wieder aufgetrennt.

2. Fransensaum

Zur Frage, ob der Goldschmied im vorhergehenden Beitrag einen gerissenen Rand an seiner Krause hat:

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Vielleicht ist das auch nur eine malerisch freie Interpretation eines feinen Spitzenbesatzes, wie bei diesem Portrait (Ausschnitt)?

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Oder es ist tatsächliche ein Fransensaum, wie auch bei diesem Selbstporträt des Malers de Geest:

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3. Trug man die unbequemen Kragen auch im Alltag?

Dazu habe ich nach Bildern aus dem Alltagsleben im Barock gesucht. Zum Glück wird man auch dazu in der Sammlung des Rijksmuseums in Amsterdam fündig. Ausschnitte aus einer Winterszene von Hendrick Avercamp, ca. 1620, zeigen: Die Bevölkerung ging mit Halskrause zum Schlittschuhlaufen, aber Bettler und einfache Menschen hatten eher keine.

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Auf dem Gemälde einer Bauernhochzeit von 1672 trägt nur der ältere Tänzer vorn rechts noch große Falten um den Hals. kj ig

Ansonsten sind in der Szene Spitzenkragen zu sehen, Halstücher und normale Hemdöffnungen. Zur Entstehungszeit des Bildes 1672 war die Halskrause nämlich selbst in Holland schon wieder völlig out, wie man bei den Jüngeren auf der Hochzeit sehen kann. Der Musiker ist mit seinem flachen Spitzenkragen noch eher an der Mode dran, ansonsten waren lockere Halstücher wie bei dem Herrn mit der Dame angesagt.

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Der ältere Mann ist mit seinem gefalteten Kragen also völlig out. Er hat zur Feier des Tages einen jahrzehntealten Sonntagsstaat angelegt.

uk g 1672, Rijksmuseum

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Die ganze krause Angelegenheit schließe ich mit dem Bild einer verwegenen spanischen Adeligen ab. Sie hat ihr rechtes Auge bei einem Fechtunfall verloren.

(Ana de Mendoza)

Zweiäugig widme ich ich mich als nächstes wieder einem anderen Thema. Bis dann!

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Stoffspielerei im September: Modisch lässige Halskrause aus dem Barock

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UPDATE So sehen 7 Meter gekräuselter Stoffstreifen aus

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So sehen 3,50 Meter aus

17 Meter Stoffstreifen, 6mm Falten, 10 Stiche pro Zentimeter – wieso wollte ich mir das antun? Es war ja klar, dass nur ein Faschings-Accessoire dabei herauskommen würde. Aber in der Zeit um 1600 waren solche Kragen jedenfalls in den Niederlanden und weiter östlich noch weit verbreitet. In feinster Handarbeit aus zartestem Leinen wurden die Halskrausen genäht und mühevoll gestärkt. Reiche Auftraggeber trugen sie als Statussymbol.

Zum Glück hatte nun Griselda von Machwerke für die monatliche Stoffspielerei* das Thema Falten vorgeschlagen. Bei mir gibt es also passend zur Aktion einen Kragen, dessen Vorbild zum Bestand des Rijksmuseum gehört. Er ist in die Jahre 1620 bis 1630 datiert.

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Die Britin Janet Arnold hat in der fabelhaften Reihe Patterns of Fashion  400 Jahre später bei dem Kragen alles beispielhaft bis ins Kleinste dokumentiert und wunderbar gezeichnet, so dass man ihn gut nacharbeiten kann.

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17 Meter feines Leinen hatte ich nicht,

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aber eine alte Gardine.

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Den Streifen legte ich doppelt,  um den Millimeter-Saum des Vorbilds zu vermeiden. Schon die Falten im Abstand von 6 Millimeter forderten mich.

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Zumal dann schon nach zehn UPDATE 3,50 Metern Schluss war. Das Material war einfach zu dick, ich hatte bereits die 37 cm Halsumfang erreicht. Ich nähte alles am Bündchen fest. Eigentlich sollte ich nun noch beinah jede Falte einzeln festnähen – Janet Arnold hat zwanzig Stiche auf 2 cm gezählt, auf beiden Seiten des Halsbandes.

Ösen und Stickerei, Monogramm, kämen außerdem dazu. Ein Tragefoto reiche ich später nach. Bis jetzt gibt es nur fahle Morgensonne zum Fotografieren.

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Am Ende, bei zarterem Stoff und viel mehr Geduld, hätte meine Krause vielleicht so ausgesehen:

rijks1Porträt eines Goldschmieds, Werner van den Valckert, 1617

So ein lose gefalteter Kragen war in den 1620er Jahren der Niederlande modisch gewagt, weil er von den steif gestärkten Halskrausen der respektablen Schicht abwich. In einem Gedicht aus der Zeit macht ein Verehrer auf ein frommes Mädchen keinen guten Eindruck, weil er zu lässig gekleidet ist:

…Mein Haar war zu lang, all zu wild mein Kragen. Die Manschetten viel zu weit, die Stärke all zu blau. Meine Hose zu weit, dann das Wams all zu eng. Jeder Strumpf zu lang, ich hatte Rosen auf meinen Schuhen… (Menniste Vryagie ,J.J. Starter)

Die feinen handgenähten Säume lassen sich auf den alten Porträts erahnen. So etwas war auch nur mit ganz dünnem Garn möglich. Ich habe als Ersatz Overlockgarn genommen, das aber viel zu leicht riss.

rijks1aDetail, Männerportrait, Adriaen Thomasz. Key, 1581

  rijks1aaDetail, Porträt Alid van der Laen.

Die Steifheit eines großen Mühlsteinkragens förderten solche Drahthalter (in einem holländischen Schiffswrack gefunden):

top1 via twitter

Dazu passt ein bei Twitter geklauter Gag:

erb

Jeannie konnte man in der Teeküche nicht allein lassen. Sie machte immer Unsinn mit den Kaffeefiltern.

Anders als beim Ursprungstweet (eines der von Historikern nicht gern gesehen Spaß-Accounts) gibt es bei mir auch die Quelle zum Bild: Jan Daemen Cool, Porträt einer jungen Frau mit Fächer, 1836 Wiki

Darauf einen Kaffee und schnell weiter zu Griselda, wo ihr sicher sehr viel brauchbarere Faltenideen findet. Schaut mal vorbei! Vielen Dank an Griselda für das Linksammeln.

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Nachtrag: Es gibt nun eine Fortsetzung „Kuriosum Halskrause“ 2. Teil.

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Vormerken: Der nächste Termin für die Stoffspielerei ist Sonntag, der 25. Oktober 2015.   Karen wird dann Beiträge zum Thema Spitze sammeln.

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Die monatliche Stoffspielerei ist eine Aktion für textile Experimente. Sie ist offen für alle, die mit Stoff und Fäden etwas Neues probieren möchten. Der Termin soll Ansporn sein, das monatlich vorgegebene Thema soll inspirieren. Jeden letzten Sonntag im Monat sammeln wir die Links mit den neuen Werken – auch misslungene Versuche sind gern gesehen, zwecks Erfahrungsaustausch.

Der vorläufige Plan für die nächsten Monate, kurzfristige Terminänderungen sind möglich:
25. Oktober – Karen – Thema Spitze
29. November  – Nahtzugabe – Thema Folklore
27. Dezember – WINTERPAUSE

Stoffspielerei im August: Von Schiaparelli stranguliert

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„Sieht aus, als würdest du stranguliert.“ Der Kommentar aus dem Familienkreis beschreibt meinen Seelenzustand ganz gut, meint aber nur diesen Kragen. Mit dem Werk will ich nach der Sommerpause die monatliche Stoffspielerei* wieder aufnehmen. Heute bin ich dran,  Links zu sammeln. Das Thema ist „Es war einmal ein Oberhemd.“

Zunächst mein eigener Beitrag, weiter unten dann die Links zu den anderen Teilnehmerinnen.

Der Strangulationskragen geht auf die Modemacherin  Elsa Schiaparelli zurück, die in den 30er Jahren ein Faible für den Surrealismus hatte. Sie ließ  immer wieder Hände in ihren Entwürfen auftauchen, so wie bei diesem Gürtel.

Seit 2014 gibt es die Marke Maison Schiaparelli wieder. In diesem Making-Of Video entdeckte ich Hände an einem Rückenausschnitt.

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Und dann sah ich bei der italienischen Marke Vivetta lauter Kragen mit Fingern. Die fand ich so toll, dass ich sie ganz schnöde nachmachte .

Man braucht nur einen sauber  von einem Oberhemd abgeschnittenen Kragen und ein bisschen Hemdenstoff. Den Stoff mit Vlieseline verstärken, anhand einer Schablone die Linien vorzeichnen, mit der Maschine in feinem Zickzachstich umsticken , ausschneiden, rote Fingernägel mit Stoffstift malen. (Bunt besticken wäre natürlich schöner. Nagellack auf Stoff geht nicht gut, probiert).

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Dann Finger versuchsweise auf den Kragen stecken.

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Strangulationskommentar bekommen. Als nächstes einen Blusenausschnitt verzieren. Diese Version wird von meiner Familie deutlich bevorzugt.

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Ich finde die Variante auch ganz lustig.

Nur  ist mir die Bluse leider einen Tick zu eng. Sie war auch einmal ein Oberhemd.

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Das Hemd habe ich bis auf die Knopfleiste und die Seiten/Ärmelnähte komplett auseinandergenommen und nach einem selbstgebastelten Schnitt mit Prinzessnähten wieder zusammengesetzt. Dabei machte ich mir zunutze, dass Herrenhemden meist oben breiter sind als unten und ich das Verhältnis umgekehrt brauchte. Hier eine grobe Zeichnung dazu.

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Weil der Stoff in den Seitenteilen dann leider zu kurz war, habe ich noch die Ärmelbündchen eingefügt. Sieht auch etwas surrealistisch aus.

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Das Hemd ist so fast komplett verwertet, sitzt aber oben etwas zu knapp und ich ziehe es ungern an. Fazit: Für genügend Spielraum nimmt man am besten XXL-Hemden, oder gleich mehrere, aber mit der Erkenntnis bin ich nicht die Erste, wie man in den folgenden Links sehen wird. Das Thema stößt offenbar auf viel Resonanz, daher hier für alle schon mal ein Tipp: Im Oktober erscheint „Mach Mit! Neues Leben für alte Kleider„, das zweite Buch von Lucy/Nahtzugabe . Die Vorschau verrät, dass dort auch Oberhemden eine Rolle spielen.

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Hier nun alle anderen Stoffspielereien (Links werden im Laufe des Tages ergänzt):

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  1. Griselda ist schon vor einem Monat freundlicherweise in Vorleistung getreten und hat mit einem vorzüglichen Patchworkkleid aus drei Hemden die Marge sehr hoch gesetzt.
  2. Und nun steuert sie gleich noch zwei Zugaben bei, eine an den Körper modellierte Bluse und einen Rock mit Kapellenschlitz-Zitat (was das wohl ist? das google ich nach einem Kaffee)
  3. Eike von Rosalie und Me hüpft schon eine ganze Weile im skandinavisch-puristischen  Männerhemd-Kleid mit Gummizug durchs Wasser.
  4. Ines von den Nähzimmerplaudereien hat zwei Hemden harmonisch aufgeteilt und in eine luftige ärmellose Bluse verwandelt.
  5. Karen benutzt genialerweise die Armschlitze und Manschetten eines großen Hemdes als Verschluss für einen glockigen Rock.
  6. Frau Nähkästchen meldet sich als Spezialistin für Oberhemdenverwertung mit ihren verschiedenen Projekten, incl. Knopfleiste als Kissenverschluss – man sollte Knopfleisten und Brusttaschen generell aufheben!
  7. 123-Nadelei hat auch Kissen gemacht und jede Menge Patchworkmuster probiert.
  8. Ohne Blog, daher ist Barbara mit zwei PDFs dabei:  Herrenhemden zu Kleid und Herrenhemd zur Bluse
  9. Mirellchen hat für ihr weißes Sommeroberteil auch den Weg über ein Schnittmuster genommen.
  10. AnniLu hat sich zum Glück überzeugen lassen, einen neuen großen Logcabin-Quilt aus 12 Hemden zu zeigen (der als Geschenk an den Hemdenspender zurückgehen soll), plus Kissen und mehr.
  11. Bei Lucy von Nahtzugabe könnt sehen, wie ein  „Arm-in-arm Skirt“ aus zwei Oberhemden entsteht.
  12. Eine virtuose Verwerterin ist auch Lila und Gelb. Seht selbst ihre cleveren Taschen und gepatchten Buchhüllen.
  13. Ein Blüschen im Japan-Style und mehr ist bei Malou zu sehen, sie nutzt bei durchgewebtem Stoff auch mal die Rückseite, wenn die besser in Schuss ist.

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Vormerken: Der nächste Termin für die Stoffspielerei ist Sonntag, der 27.  September 2015.   Griselda von Machwerke wird dann Beiträge zum Thema Falten sammeln.

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Die monatliche Stoffspielerei ist eine Aktion für textile Experimente. Sie ist offen für alle, die mit Stoff und Fäden etwas Neues probieren möchten. Der Termin soll Ansporn sein, das monatlich vorgegebene Thema soll inspirieren. Jeden letzten Sonntag im Monat sammeln wir die Links mit den neuen Werken – auch misslungene Versuche sind gern gesehen, zwecks Erfahrungsaustausch.

Der vorläufige Plan für die nächsten Monate, kurzfristige Terminänderungen sind möglich:

27. September – Machwerke – Thema Falten
25. Oktober – Karen – Thema Spitze
29. November  – Nahtzugabe
27. Dezember – WINTERPAUSE

Stoffspielerei im Juni: Knöpfe selbstgemacht

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Für die heutige Stoffspielerei*  hat  Frifris das Thema „Knöpfe“ vorgeschlagen.

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Dafür habe ich ein paar Varianten probiert, Knöpfe selbst zu machen.

1.

Knöpfe, für die man nur Garn und Sticknadel braucht, nach der Anleitung für Birds Eye Buttons.

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Die grauen Kugeln sind solche „Vogelaugen“, aber unten zusammen gezogen. Es ist nicht so einfach, auf diese Art regelmäßige Knöpfe herzustellen, da muss ich mehr üben.

2.

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Übung ist auch nötig, um Plastikringe sauber zu umhäkeln, Vorgehensweise ungefähr wie hier.

3.

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Die Ringe (gibt es in Berlin z.B. am Perlenstand Maybachmarkt) mit Stoff überzogen und ein bisschen bestickt, siehe hier.

4.

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Wollquadrate/Kreise zusammengezogen. Das kann auch viel besser und fester aussehen, wie bei diesen Mittelalter-Stoffknöpfen.

5.

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Bei einer früheren Stoffspielerei hatte ich diese Knöpfe mit irischer Häkelei gezeigt. Sie warten noch auf einen Einsatz an prominenter Stelle.

6.

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Ein weiterer Schmuckknopf, aus einem bestickten Kreis gefertigt. Viel schöner und inspirierender sind aber die Stickerei-Knöpfe dieser Flickr-Serie.

Am Ende konnte ich es nicht lassen, auch noch ein Armband mit Perlmuttknöpfen zu probieren. Man benötigt nur mehrere Knöpfe und Häkelgarn + feine Häkelnadel. Ich bin ohne Anleitung vorgegangen, aber es gibt Tutorials für ähnliche Armbänder hier,  oder auch hier.

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Nun bin ich gespannt, was  Frifris und andere mit Knöpfen probiert haben. Vielen Dank für das Thema und das Sammeln der Links, liebe Frifris!

Im Juli machen wir mit den Stoffspielereien Sommerpause . Ende August sehen wir uns hier bei mir wieder. Thema ist „Es war einmal ein Oberhemd“. Das ist nur eine Inspiration, die ihr nicht so eng sehen müsst. Vielleicht reicht es euch ja, nur den Knopf eines Oberhemds verarbeiten. Wir freuen uns über jede Teilnahme!

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Die monatliche Stoffspielerei ist eine Aktion für textile Experimente. Sie ist offen für alle, die mit Stoff und Fäden etwas Neues probieren möchten. Der Termin soll Ansporn sein, das monatlich vorgegebene Thema soll inspirieren. Jeden letzten Sonntag im Monat sammeln wir die Links mit den neuen Werken – auch misslungene Versuche sind gern gesehen, zwecks Erfahrungsaustausch.

Der vorläufige Plan für die nächsten Monate, kurzfristige Terminänderungen sind möglich:

26. Juli         SOMMERPAUSE
30. August – Suschna – Thema “Es war einmal ein Oberhemd”
27. September – Machwerke – Thema Falten
25. Oktober – Karen – Thema Spitze
29. November  – Nahtzugabe
27. Dezember – WINTERPAUSE

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