Stoffspielerei im August: Von Schiaparelli stranguliert

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„Sieht aus, als würdest du stranguliert.“ Der Kommentar aus dem Familienkreis beschreibt meinen Seelenzustand ganz gut, meint aber nur diesen Kragen. Mit dem Werk will ich nach der Sommerpause die monatliche Stoffspielerei* wieder aufnehmen. Heute bin ich dran,  Links zu sammeln. Das Thema ist „Es war einmal ein Oberhemd.“

Zunächst mein eigener Beitrag, weiter unten dann die Links zu den anderen Teilnehmerinnen.

Der Strangulationskragen geht auf die Modemacherin  Elsa Schiaparelli zurück, die in den 30er Jahren ein Faible für den Surrealismus hatte. Sie ließ  immer wieder Hände in ihren Entwürfen auftauchen, so wie bei diesem Gürtel.

Seit 2014 gibt es die Marke Maison Schiaparelli wieder. In diesem Making-Of Video entdeckte ich Hände an einem Rückenausschnitt.

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Und dann sah ich bei der italienischen Marke Vivetta lauter Kragen mit Fingern. Die fand ich so toll, dass ich sie ganz schnöde nachmachte .

Man braucht nur einen sauber  von einem Oberhemd abgeschnittenen Kragen und ein bisschen Hemdenstoff. Den Stoff mit Vlieseline verstärken, anhand einer Schablone die Linien vorzeichnen, mit der Maschine in feinem Zickzachstich umsticken , ausschneiden, rote Fingernägel mit Stoffstift malen. (Bunt besticken wäre natürlich schöner. Nagellack auf Stoff geht nicht gut, probiert).

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Dann Finger versuchsweise auf den Kragen stecken.

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Strangulationskommentar bekommen. Als nächstes einen Blusenausschnitt verzieren. Diese Version wird von meiner Familie deutlich bevorzugt.

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Ich finde die Variante auch ganz lustig.

Nur  ist mir die Bluse leider einen Tick zu eng. Sie war auch einmal ein Oberhemd.

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Das Hemd habe ich bis auf die Knopfleiste und die Seiten/Ärmelnähte komplett auseinandergenommen und nach einem selbstgebastelten Schnitt mit Prinzessnähten wieder zusammengesetzt. Dabei machte ich mir zunutze, dass Herrenhemden meist oben breiter sind als unten und ich das Verhältnis umgekehrt brauchte. Hier eine grobe Zeichnung dazu.

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Weil der Stoff in den Seitenteilen dann leider zu kurz war, habe ich noch die Ärmelbündchen eingefügt. Sieht auch etwas surrealistisch aus.

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Das Hemd ist so fast komplett verwertet, sitzt aber oben etwas zu knapp und ich ziehe es ungern an. Fazit: Für genügend Spielraum nimmt man am besten XXL-Hemden, oder gleich mehrere, aber mit der Erkenntnis bin ich nicht die Erste, wie man in den folgenden Links sehen wird. Das Thema stößt offenbar auf viel Resonanz, daher hier für alle schon mal ein Tipp: Im Oktober erscheint „Mach Mit! Neues Leben für alte Kleider„, das zweite Buch von Lucy/Nahtzugabe . Die Vorschau verrät, dass dort auch Oberhemden eine Rolle spielen.

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Hier nun alle anderen Stoffspielereien (Links werden im Laufe des Tages ergänzt):

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  1. Griselda ist schon vor einem Monat freundlicherweise in Vorleistung getreten und hat mit einem vorzüglichen Patchworkkleid aus drei Hemden die Marge sehr hoch gesetzt.
  2. Und nun steuert sie gleich noch zwei Zugaben bei, eine an den Körper modellierte Bluse und einen Rock mit Kapellenschlitz-Zitat (was das wohl ist? das google ich nach einem Kaffee)
  3. Eike von Rosalie und Me hüpft schon eine ganze Weile im skandinavisch-puristischen  Männerhemd-Kleid mit Gummizug durchs Wasser.
  4. Ines von den Nähzimmerplaudereien hat zwei Hemden harmonisch aufgeteilt und in eine luftige ärmellose Bluse verwandelt.
  5. Karen benutzt genialerweise die Armschlitze und Manschetten eines großen Hemdes als Verschluss für einen glockigen Rock.
  6. Frau Nähkästchen meldet sich als Spezialistin für Oberhemdenverwertung mit ihren verschiedenen Projekten, incl. Knopfleiste als Kissenverschluss – man sollte Knopfleisten und Brusttaschen generell aufheben!
  7. 123-Nadelei hat auch Kissen gemacht und jede Menge Patchworkmuster probiert.
  8. Ohne Blog, daher ist Barbara mit zwei PDFs dabei:  Herrenhemden zu Kleid und Herrenhemd zur Bluse
  9. Mirellchen hat für ihr weißes Sommeroberteil auch den Weg über ein Schnittmuster genommen.
  10. AnniLu hat sich zum Glück überzeugen lassen, einen neuen großen Logcabin-Quilt aus 12 Hemden zu zeigen (der als Geschenk an den Hemdenspender zurückgehen soll), plus Kissen und mehr.
  11. Bei Lucy von Nahtzugabe könnt sehen, wie ein  „Arm-in-arm Skirt“ aus zwei Oberhemden entsteht.
  12. Eine virtuose Verwerterin ist auch Lila und Gelb. Seht selbst ihre cleveren Taschen und gepatchten Buchhüllen.
  13. Ein Blüschen im Japan-Style und mehr ist bei Malou zu sehen, sie nutzt bei durchgewebtem Stoff auch mal die Rückseite, wenn die besser in Schuss ist.

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Vormerken: Der nächste Termin für die Stoffspielerei ist Sonntag, der 27.  September 2015.   Griselda von Machwerke wird dann Beiträge zum Thema Falten sammeln.

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*

Die monatliche Stoffspielerei ist eine Aktion für textile Experimente. Sie ist offen für alle, die mit Stoff und Fäden etwas Neues probieren möchten. Der Termin soll Ansporn sein, das monatlich vorgegebene Thema soll inspirieren. Jeden letzten Sonntag im Monat sammeln wir die Links mit den neuen Werken – auch misslungene Versuche sind gern gesehen, zwecks Erfahrungsaustausch.

Der vorläufige Plan für die nächsten Monate, kurzfristige Terminänderungen sind möglich:

27. September – Machwerke – Thema Falten
25. Oktober – Karen – Thema Spitze
29. November  – Nahtzugabe
27. Dezember – WINTERPAUSE

22 Gedanken zu “Stoffspielerei im August: Von Schiaparelli stranguliert

  1. Die Manschetten an der unteren Blusenseite sind genau richtig und zeigen, was bei Refashion so toll ist. Man muss immer wieder reagieren und gucken, wie aus den Gegebenheiten noch das Beste gemacht werden kann. Dabei ergeben sich dann völlig verblüffende Lösungen.
    Und wenn sich keine ergeben, dann kommt das Teil eben doch in die Tonne.
    Der viel sorglose Umgang mit dem eh ausgemusterten Hemd ist so befreiend!
    Mein zweiter Ansatz vom September ist auch eine Bluse. Die trage ich lieber offen, einfach weil ich eigentlich keine Blusen mag. Vielleicht ist das ja auch eine Lösung für dein etwas zu enges Oberteil…..

    Die Hände gefallen mir am Refashion-Hemd auch viel besser als so direkt am Hals.
    Wobei du mit stranguliereneden Händen wohl auch in der Berliner U-Bahn einen zweiten Blick ernten würdest :)

  2. Das sieht echt gut aus ! So einen Würger behalte ich auf meinem Schirm, da ich eh in die Hemden und Blusennäherei auf Herbst einsteige, ich mag das ja sehr.
    Allerdings hätte ich keinerlei Chance bei nur einem Hemd meines Mannes auch nur Ansatzweise einen Arm Rein zubringen. ..da brauch ich schon mehr. ..;)
    Refashion finde ich eh gut, mache es aber kaum…das wär mal ein Ansatz !!!
    Liebe Grüße
    Stella

  3. Toll! Die Marke Vivetta habe ich schon eine Weile auf dem Schirm – wegen der witzigen Fingerkragen. Auch wenn es sich in Deinem Text wie ein Kinderspiel anhört, einen solchen Kragen selbst herzustellen, so fürchte ich doch, ich muss 165 Euro hinlegen, um an so ein Teil zu kommen ;)

  4. Herrlich, ich mag die witzigen Ideen, die Schiaparelli hier und da eingestreut hat, sowieso sehr (überlege schon lange, den Schleifenpullover nachzustricken), und bei deiner Umsetzung bekommen die Hände – so oder so – sogar noch eine Funktion! Die freundliche Variante am Blusenausschnitt gefällt mir besser, ich glaube der Kragen hat wirklich eine gewisse aggressive Ausstrahlung. Ich habe etwas nach japanischer Anleitung ausprobiert, das ich noch fotografieren muss, schließe mich dann heute später am Tag an!

  5. Immer wieder staune ich, was Dich inspiriert und wie Du es verwendest.
    Die Hände sind wirklich witzig, die Notlösung der Manschetten in Deiner Bluse macht sie zusätzlich interessant.
    Vom Hemden Auftrennen sind auch bei mir einige Kragen übrig, dafür hatte ich bisher keine Idee zur 2-Verwertung.
    Die Refashion-Richtung finde ich sehr spannend und eine große Herausforderung.
    Ich habe mich dem Thema eher traditionell angenähert und mit programmierter Quiltstickerei ergänzt.
    LG Ute

  6. Du hast das Thema wieder künstlerisch angehaucht umgesetzt, finde ich. Der „Würgekragen“ wirkt auf mich eher provozierend als aggressiv. Auf jeden Fall eine sehr originelle Idee. Ich bin diesmal nicht dabei- tue mich schwer mit der Wiederverwertung von Hemeden, die ich einmal selbst genäht habe. Vielleicht ist das aber auch paradox, denn gerade bei Selbstgenähtem wäre doch ein zweites Leben schön. Wie dem auch sei – bin heute gern Zuschauerin.
    LG
    Siebensachen

  7. Herrlich, das du dich von Elsa Schiaparelli hast inspirieren lassen.Ich glaube Meret Opüenheim hatte bei ihren Schmuckideen auch Kragen dabei. Bei einer fahrt in den Öffentlichen mit diesem Kragen würde ich gern anwesend sein! Die Idee als Kettenhalterung auf dem Hemd finde ich grandios!!!!
    Schade, dass sie zu eng ist.Man könnte ja eine zweite Knopfleiste gegengleich einfügen und den Weitenverlust damit ausgleichen.
    Ich melde mich. VG karen

  8. Ich bin immer wieder begeistert von deinen Beiträgen und wer oder was dich inspiriert. Die Handspielereien sind einfach nur genial. Bei mir ist es dieses Mal eine Sommerbluse für mich.
    LG Mirella

  9. Der Würgegriff ist schon etwas speziell, aber ich denke, es liegt daran, dass er so eng anliegt. Theoretisch könntest du hinten ja noch ein Stück einsetzen, damit er weiter wird, dann wirkt das sicherlich etwas äh, entspannter. Aber als Blusenverzierung finde ich es sowieso auch am besten, gerade in Kombination mit der Halskette sehr passend!

    Die Bluse gefällt mir auch sehr, gerade die Manschetten an der Seite gefallen mir gut. Schade, dass sie zu eng ist, vielleicht könntest du irgendwo noch einen Streifen einsetzen, unterhalb der Passe im Rücken z.B?

    Mein Hemd liegt noch auf der Couch und harrt der Dinge. Einen losen Plan hab ich schon, aber heute war das Wetter einfach zu gut, ich mache mich in den nächsten Tagen dran.
    Danke fürs Sammeln!

  10. Seitdem ich patchworke, habe ich meine Stoffsammlung durch Oberhemden ergänzt. Ich nehme auch oft die Stoffe aus zerlegten Hemden für das Innenleben von Täschchen, weil sie sich so hervorragend verarbeiten lassen.
    Aber jedes Hemd erinnert mich auch an die, die es einmal getragen haben, in meinem Fall an meine Söhne und meinen Mann. Und manch ein Hemd erinnert darüberhinaus auch an einen ganz besonderen Moment, der sich (wie im Fall meines Oberhemdenkissens) natürlich nur den Eingeweihten erschließt: http://blog.gabrielles-atelier.de/mein-erinnerungskissen/
    Der Rest des dabei verwendeten Hemdes wurde dann noch zu einem witzigen, kleinen Kulturtäschchen: http://blog.gabrielles-atelier.de/memory-bag/
    Danke für die Kolumne, es macht Spaß, all die Ideen anzuschauen!
    Viele Grüße, Gabrielle

  11. Pingback: Es war einmal ein Oberhemd… | Malou

  12. Die Hände sind ja eine sehr originelle Idee und ein ausgesprochen vielseitiges Accessoire! Mir gefällt die Kettenvariante am besten. Das Hemd bzw. die Bluse muss ich mir noch einmal genauer anschauen. Ich habe heute zerschnippelt, gedreht und gewendet und ein Herrenhemd mit etwas Gummiband auf meine Maße getrimmt. Außerdem habe ich noch eine Sammlung der früher verarbeiteten Hemden ergänzt, schließlich mache ich das ganz gern mal. Danke fürs Sammeln, da sind wieder tolle Sachen dabei.
    Herzliche Grüße,
    Malou

  13. Erstaunlich, so ein Hemd kann ein echtes Multitalent sein! Tolle Ideensammlung! Ich habe auch 2 Hemdenprojekte beizusteuern.

    http://www.casa-maja-blog.blogspot.de/2015/08/hemdarmel-als-schal-uplycingprojekt-im.html

    http://www.casa-maja-blog.blogspot.de/2015/05/uplicing-deko-hemden-windlichter-die.html

    Ich freue mich schon auf die nächste Aktion, den Kleiderschrank zu prüfen – aussortierte Hemden landen definitiv künftig alle im Nähkorb :)

    Viele Grüße Janet

  14. Oh, irgendwie habe ich gedacht, die Stoffspielerei mit dem Oberhemd fände im September statt, aber macht ja nichts, ich kann ja auch später noch an das Thema gehen.
    Deine Oberhemden-Inspiration finde ich sehr abgefahren, wobei sich beim Betrachten des ersten Fotos wirklich der Hals zuschnürt (passt ja durchaus zur Zeit, auch wenn mensch andere aktuelle Fotos sieht…)…
    Vielleicht kombiniere ich das Falten-Thema auch einfach mit dem Oberhemd, fällt mir gerade ein. LG mila

  15. Oh, ich habe euch zu spät entdeckt! Hemden sind bei mir dieses Jahr auch ein großes Thema.
    Deshalb habe ich ein Sew-Along gestartet, wenn ihr Lust habt, zeigt eure Werke doch dort zur Inspiration. :)
    Aber das Falten-Thema ist schon groß vorgemerkt, passt perfekt zu ein paar aktuellen Projekten, gerade habe ich ein Faltenkleid probegenäht! Und für ein anderes Futter besorgt.

    Freu mich, liebe Grüße,
    Maike

  16. Pingback: Top Down

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