Stoffspielerei: Tuch wird zu Rock und Schal zu Bolero

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Heute bin ich mit der monatlichen Stoffspielerei*  dran. Als Thema hatte ich mir Es war einmal ein Tuch ausgesucht und hier auch schon ein paar Tipps dazu gegeben.

Zunächst meine eigenen drei Beiträge, weiter unten dann die Links zu den anderen Teilnehmerinnen.

 1.  Zwei Seidentücher werden zu einem Rock gewickelt

Nix aufregendes, Sarong-Prinzip mit zwei Tüchern, aber es funktioniert. Ich bin schon einen ganzen Tag mit der Wickelei herumgelaufen, es sitzt und hält gut. Unten drunter trage ich einen schwarzen Strickrock. Da die beiden Tücher nur geknotet werden, konnte ich gefahrlos die besten Stücke aus meinem Lager vitalisieren. Ein Hermes-Tuch und ein Tuch von Fabric, beide schon mindestens 20 Jahre alt, .

Das Hermes-Tuch hält zusammengedreht als Bündchen die rechteckige Stiefmütterchen-Seide, wird einmal um die Taille geschlungen und mit dem anderen Zipfel des Rockteils verknotet. Ich freue mich, das schöne Blumentuch nun so einsetzen zu können. (Und habe nun außerdem einen ähnlichen Look wie ich ihn vor Jahren schon bei Lucys Digitalprint schön fand).

2. Schal wird zu Bolero

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Sehr gut gefällt mir auch dieser Bolero/Shrug/Leibwärmer, keine Ahnung, wie man so etwas nennt. Das ist eigentlich ein sehr schöner schwerer Schal aus Norwegen. Zu schade, um nur im Schrank zu liegen. (Ich trage generell wenig Schals und Tücher und komme damit nicht klar, aber das Fass will ich hier nicht aufmachen.)  Lieber meine Entdeckung teilen: Wenn man das Prinzip verstanden hat, kann man sich in 10 Minuten ein Leibchen winden und mit ein paar Stichen fixieren. Der Ablauf ist eigentlich einfach, aber schwer zu erklären. Den Schal (240 x 20 cm) dreht man in sich und schließt ihn an den schmalen Enden zu einem Ring, siehe zweites Foto unten.

Über die Schultern gelegt und vorn gekreuzt, fixiert man mit einer zweiten Naht auf dem Rücken das Oberteil am Unterteil (auf den Fotos mit einer Klemme markiert). Das war es eigentlich schon :-), aber dafür braucht es wohl besser eine Animation oder ein  Video. Ich habe es mir selbst ausgetüftelt, vielleicht gibt es das schon irgendwo erklärt?

3. Tuch auf Pullover

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Das aufwendigste Projekt, ein Tuch auf einem Pullover appliziert, ist eher ein Flop. Eben weil bei mir Tücher immer verrutschen und mich stören, wollte ich den Farbtupfer mit dem Pullover verbinden. (Eine ähnliche Idee hatte ich hier verfolgt). Also nähte ich den Schal fein gefältelt fest, was ein langwierige Arbeit war. So richtig überzeugt mich das Ergebnis nicht. Es „trägt auf“, sieht in echt komisch aus und nervt.

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Das Tuch ist mit einer Hochhausfassade bedruckt und wurde vor Jahren an einem Stand auf der Textile Art verkauft. Den Druck finde ich wirklich toll. Wahrscheinlich löse ich alles wieder vom Pullover und mache etwas anderes damit.

Das wars, jetzt seid ihr dran. Hier nun andere Stoffspielereien:

  • Beswingtes Allerlei hat den heutigen Termin zu Anlass genommen, ein Motto-Tuch in eine Gertie-Bluse umzuwandeln und erzählt die schöne Geschichte, warum auf Mehlsäcken in den USA manchmal Schnittmuster aufgedruckt waren.
  • Bei Susanne von Nahtlust freut sich ein Schal darüber, dass er jetzt eine Schachtel ziert.
  • Christine hat zwar kein aktuelles Werk, aber früher einmal aus Coupons für Seidentücher Blusen gemacht, hier und hier.
  • Bei Creatures and Creations ist ein Geschirrtuch jetzt ein Homunkulus – auch eine gute Idee für Monogramm-Würdigung auf alter Wäsche.
  • Jahreszeitenbriefe trägt gern Tuniken aus zwei Batist-Batiktüchern, hier ein Beispiel.
  • Karen macht einen Ausflug in die Geschichte des Taschentuchs und näht aus einem Kunstseidenschal einen Wäschebeutel.
  • Siebensachen hat schon mehrmals Tücher verarbeitet, inklusive Fransenkantenverwertung.
  • Mirellchen ist auf Furoshiki gekommen – Stoffspielerei mit Knoten.
  • Griselda rettet ein Kashmirtuch aus der Mottenkiste mit dem hier wieder wirklich wahren Motto: Viel hilft Viel.
  • Judika findet in ihrem Zimmer mehrere Tuchverwertungen, unter anderem ein Bild, das im Sommer wieder zu einem Pareo werden kann.
  • Siebenschön hat nach ein bisschen schneiden und nähen nun eine Jacke – das erste Tuch, das für sie tragbar ist.
  • 123-Nadelei zeigt, wie man ein Tuch als Kragen und Ärmelabschluss intregiert und richtig gut in Szene setzt.

 

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Vormerken: Der nächste Termin für die Stoffspielerei ist Sonntag, der 27.  März 2016.   Griselda von Machwerke wird dann Beiträge zum Thema Verschlungen und Verflochten sammeln.

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*  Die monatliche Stoffspielerei ist eine Aktion für textile Experimente. Sie ist offen für alle, die mit Stoff und Fäden etwas Neues probieren möchten. Der Termin soll Ansporn sein, das monatlich vorgegebene Thema soll inspirieren. Jeden letzten Sonntag im Monat sammeln wir die Links mit den neuen Werken – auch misslungene Versuche sind gern gesehen, zwecks Erfahrungsaustausch.

Der Plan für die nächsten Monate, kurzfristige Terminänderungen sind möglich:
27. März bei Griselda, Thema “Verschlungen und verflochten”
24. April bei Nahtzugabe, Thema “Plissee”
29. Mai bei Karen , Thema “Schrift im/in/auf Textil”

 

 

19 Kommentare

  1. Liebe Suschna – toll deine Tuch- und Schalvarianten! Wenn ich mir als Nicht-Näherin was aus meinen Batiken zum Anziehen machen möchte, wähle ich auch Tücher ;-). Da werden dann so tunika-artige Blusen draus. Leider kann ich auch nur die „alte“ mitbringen, die beiden fertig gebatikten Schals warten noch aufs Zusammennähen bei der Schneiderin meines Vertrauens. Aber hier die alte Tunika, dich ich schon mal zu besonderen Anlässen trage, über einem glatten dunkelblauen Seidentop und einer Baumwollhose. http://jahreszeitenbriefe.blogspot.de/2013/08/freude-zeichnen.html Liebe Grüße Ghislana

  2. Ach, sehr schön deine Beispiele, ganz besonders kuschelig finde ich das Schal-Bolero-Wickeldings. Man könnte ja sogar noch ganz ausgefeilt Abnäher auf die Schulter machen, dann verrutscht es beim Jacken anziehen nicht so… Das merke ich mir auf alle Fälle, an dicke Schals hatte ich gar nicht gedacht, irgendwie hab ich mich am „Tuch“ festgehängt und dazu wollte mir aus Mangel an Tüchern gar nichts einfallen – ich besitze zwei Tücher, die ich auch wirklich gern als solche trage, daher war jetzt gar kein Fundus vorhanden :(. Schals hat mein Mann noch alte, die er nie trägt. Hm, auf die Idee war ich nicht gekommen.
    Toll finde ich das letzte Tuch (was für ein schönes Motiv!) und auch am Pulli sieht es zumindest auf dem Foto optisch gut aus, aber ich kann verstehen wenn es sich „in echt“ komisch anfühlt. Schade, denn die Idee ist wirklich gut. Vielleicht könnte man ein Tuch als anknöpfbaren „Latz“ konstruieren. Hm. Vielleicht wäre das Tuch ja auch ein gutes Wickelrock-Objekt? Dann würde man den Druck gut sehen und das wäre ja bei diesem Tuch wirklich wünschenswert!

    Also, dieses Mal bin ich aktiv nicht mit dabei, freue mich aber trotzdem über alle Beiträge. Beim nächsten Second-Hand Einkaufs-Ausflug sollte ich dann vielleicht doch mal nach Tüchern Ausschau halten…
    LG frifris

  3. Schön , wenn gut gestaltete Tücher eine Fläche bekommen. Das irritiert mich oft bei Tüchern, weil das ,was ich schön finde, ja eigentlich beim Tragen nicht mehr sichtbar ist.
    Den Fensterdruck finde ich genial, schade, dass du ihn so nicht tragen kannst.
    Die Bolereogeschichte ist die „Mantelvariante“ des ländlichen weiblichen Volkes früher. Mit Rechteck oder Dreiecksform. Ich habe schon öfter auf alten Abbildungen gesehen wie Tücher aus BW und Wolle so gewickelt wurden oder geknotet, festgenäht hat man das bestimmt nicht. Schulter und Brustbereich werden ideal gewärmt. So wie du es jetzt präsentierst, sehr stylisch.
    Ich habe mit dem Thema erst ein wenig gehadert und bin nun auf Taschentücher gekommen und schwer begeistert. Danke für diesen Anstoß! lieben Gruß K.

  4. Sind das tolle Ideen! Mich fasziniert besonders das Schulterwärmer. Shruf-Halt mich warm-Teil. Da bei uns ein edler Schal rum liegt (den keiner meiner Männer will). könnte ich das ausprobieren. Ich bin dieses Mal nicht dabei, das reale Leben hat mich fast komplett von der Nähmaschine ferngehalten. Meine Gedanken gingen auch eher Richtung LeinTUCH. Nur nachdem die ersten Versuche vor drei Tagen zu überhaupt nichts führten, habe ich es gelassen. Umso mehr freue ich mich an den gesammelten Beiträgen! Danke!
    Liebe Grüße
    Ines
    (Ich habe es jetzt nicht geschafft, mein wordpress.com-Konto in mein neues Konto umzuwandeln…)

  5. Der Rock: schlicht und ergreifend. Das kann die geniale Idee sein, wenn man mit wenig Gepäck reisen, aber die Outfits wandelbar haben möchte. Dein Bolero erinnert mich an die Wickelversuche, die ich mal mit einem gestrickten Schal gemacht habe. Bei dir sieht es viel besser aus.
    LG
    Siebensachen

  6. Hey- du entfremdest ein Hermès Carré als Gürtel? Wie dekadent! :)

    Diese Wickeltechnik beim Bolero kannte ich bisher nur geknotet- als Zutat beim Lagenlook um weite Oberteile auf Figur zu bringen. So über dem schwarzen Kleid schaut das viel edler und cleaner aus- sehr schön. Das würde ich sicher ganzgenauso gern tragen und vermutlich wärmt das auch an den richtigen Stellen.

    Deine gefalteten Fenster scheinen als Plastron wie aus einem Klimt-Gemälde entnommen, aber es ist trotzdem schade um den witzigen Druck. Plattenbau in bunt, das ist echt gut und ich kann verstehen dass du das Tuch mitgenommen hast. Sehr toll!

  7. Nur falls Frau Nahtlust hier noch mal reinliest: man kann bei ihr leider nicht kommentieren, weil man nach dem Kommentieren ständig als Spammer rausfliegt… seufz.

  8. Den Rock finde ich ja sehr genial und die Hermes Verwandlung ist der Knaller. Ich habe mich mit Furoshiki beschäftigt.
    LG Mirella
    P.S. Klappt das Kommentieren bei mir?

  9. Liebe Suschna,
    den „Rock“ würde ich sofort auch tragen. Das mit dem Schal probiere ich aus, auf jeden Fall, ich habe einen sehr schönen Wollschal, aber die Wolle kratzt mich am Hals, so als Bolero könnte es gehen.
    Meine Ideen für Tücher: hier click

    herzlich Judika / Margot

  10. Du hast dir ja tolle Tuch-Verwendungen ausgedacht! Besonders der Schalbolero gefällt mir, den möchte ich unbedingt nachmachen. Der Fensterdruck auf dem Pulli sieht auf dem Foto toll aus, aber wenn es sich nicht schön trägt, hilft dir das natürlich auch nicht. Ich bin gespannt, was du daraus machen wirst.
    Bei mir ist das Tuch zur Zipfeljacke geworden: http://siebenschoen-design.blogspot.de/2016/02/stoffspielereien-ich-war-einmal-ein-tuch.html
    Liebe Grüße
    Marlene

  11. Sehr originelle Ideen mit wenigen Stichen, besonders die Oberteilvariante ist sehr inspirierend und hat Potential für einen Schnitt (aus Rest-Wollstoffen).
    Auch unsere Tücher werden nur selten getragen, schade um die guten Seidenteile.
    Bei meinem Experiment habe ich etwas gemogelt und ein Tuch verwendet, ich hoffe das ist o.k.
    Irgendwo habe ich noch ein Baumwoll-Kauf-Kleid aus den 70ern mit Tüchern am Rockteil und Tuchecken als kurze Ärmel. Leider habe ich es nicht geschafft, es zu fotografieren. Ich nehme mir vor, ein Foto in meinem Beitrag zu ergänzen.
    LG Ute

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