Der deutsche Sonderweg bei den Bettdecken

Max und Moritz (Busch) 057

Maikäfer laufen über die pralle Bettdecke von Onkel Fritze in Max und Moritz, 1865. So schlafen die Deutschen: Unter einem gefüllten Inlett, das mit Bettwäsche bezogen ist.

Ein großer Teil der restlichen Welt bedeckt sich stattdessen lieber mit einem Laken, das um eine flache Decke aus Wolle oder Kunstfaser geschlagen wird.

bed2viaWiki

Beim Anblick eines solchen Hotelzimmers habe ich ja sofort das Bedürfnis, das festgestopften Umschlaglaken unter der Matratze herauszureißen. Das Phänomen des „Tütenbetts“ in Frankreich hat das Magazin Karambolage bis ins Detail erklärt, hier nachzulesen. Für Deutsche ist das eng gezurrte Kuvert ein Gräuel, weil sie sich nicht einkuscheln können und sich in Folge ihres Bewegungsdrangs im Laufe der Nacht meist unter der kratzigen Wolldecke wiederfinden, während das Laken als Knäuel auf den Boden oder in den Fußbereich verschwunden ist.

Das in Deutschland (und Skandinavien) traditionell übliche bezogene Deckbett stößt aber bei Besuchern aus dem Oberlaken-Ausland ebenso auf Skepsis und Probleme. Und das schon seit mehreren Jahrhunderten!

Ein britischer Reisender beschreibt 1749 die sonderbare Art der Westfalen, sich zu betten: „Eine Sache ist sehr speziell bei ihnen. Sie decken sich nicht mit Bettwäsche zu, sondern legen ein Federbett über sich und eins unter sich. “ (The Grand Tour, Thomas Nugent)

gillray
(Karikatur von James Gillray, 1800, „Deutscher Luxus“, zeigt schön den Aufbau eines deutschen Bettes damals, einschließlich der erwähnten zwei Federbetten. Das untere diente der Polsterung der harten Matratze.)

Was der Berichterstatter Thomas Nugent nicht wusste: Es gab durchaus Bettwäsche, bloß waren statt eines Oberlakens eben die Federbetten selbst mit Bezügen versehen. Laken braucht man dann nur noch als Unterlage auf der Matratze. In den Inventarlisten von damals heißen diese Bettbezüge  Ziehen oder Bühren.  Ein Ehemann schreibt 1784 aus Norddeutschland an seine Frau: „Zu den Gesindebetten hat man hier nur ein Laken, da die Federbetten, unter denen fast alles hier Winters und Sommers schläft, mit Bühren überzogen sind.“

Das Missverständnis von der fehlenden Bettwäsche taucht heute noch bei Touristen aus Laken-Ländern auf. Ein Artikel in der SZ hat sich in Reiseforen umgesehen und  Beschwerden über die mangelnde Hygiene des deutschen Bettensystems gefunden.“Da ihnen das Neubeziehen des Inletts sehr kompliziert erscheint, zweifeln sie öffentlich daran, dass das Hotelpersonal sich diese Mühe für jeden neuen Gast macht.“

Generell wird das fehlende Oberlaken als unbequem empfunden. Ein Forist berichtet: »Im ›City Hilton‹ in München fand ich die Bettwäsche sehr ungewöhnlich: Auf einer Doppelmatratze gab es zwei schmale Bett­decken, jede mit einem Überzug aus Bettlakenstoff. Andere Laken gab es überhaupt nicht! Nachts wurde es warm im Zimmer, und dann konnte man nur entweder unter der viel zu warmen Decke liegen oder ganz unbedeckt schlafen. Das Hotel war ansonsten sehr schön, aber das hat mich doch sehr gestört.«

Auch Thomas Nugent konnte vor 300 Jahren nicht verstehen, wie man es im Sommer unter den Federbetten aushalten sollte: „This is comfortable enough in winter, but how can they bear their feather-beds over them in summer, as is generally practised, I cannot conceive.“

Weil die Oberdecke meist mit Federn gefüllt war, hieß sie auch Duvet (von frzs.  für Daune) oder Plumeau (von frz. für Feder). Heute noch ist der Begriff „Plümo“ in einigen Gegenden gebräuchlich. Die Redensart „in die Federn gehen“ erinnert ebenfalls an die Daunenbetten.

1866 wandert eine Engländerin mit ihrem Skizzbuch durch die Alpen. In ihrem Bericht beschwert sie sich gleich mehrmals über fehlende Decken in den Herbergen. Immer gab es nur duvets!

bett4In einer Herberge in Tirol, 1869

„Die duvets waren klein und rutschig. Wenn wir sie bis zum Kinn hochzogen, lagen die Füße bloß. Wenn wir die Füße bedeckten, fröstelten unsere Schultern und wir hatten das unangenehme Gefühl von kaltem Wasser, das einem beständig den Rücken hinunterläuft. Wenn man sich zu einem Ball einrollte, fiel das duvet ganz herunter.“

Der englische Designer Terence Conran berichtet, er habe diese seltsame Art zu schlafen in den 1960iger Jahren in Schweden kennengelernt. Er beschloss, Daunendecken mit Bezügen über seine Marke Habitat in England anzubieten. Seitdem ist das nordische Bettdeckensystem auch in Großbritannien auf dem Siegenszug. Aus Frankreich kann ich aus eigener Anschauung berichten, dass immer weniger Hotels nach alter Art kühle Laken um raue Decken schlagen. Bezüge sind auf dem Vormarsch! Es tut mir schon fast leid. Ikea soll schuld sein an diesem Betten-Mainstream. Es bietet seine Bettwaren unverdrossen in allen Ländern  an. Und die Menschen lernen offenbar inzwischen überall die Vorzüge einer bezogenen Bettdecke zu schätzen.

Warum das Bettensystem historisch so verschieden ist, habe ich nicht herausgefunden. Angeblich soll es mit der Kälte in einem Land zu tun haben – das erklärt dann aber nicht, warum Großbritannien und die Benelux-Länder traditionell Laken hatten, obwohl es bei ihnen nicht viel wärmer ist als bei uns.

bed1Bär unter englischem Laken, 1899

Überhaupt ist es schwierig, solche scheinbar banalen Kulturfragen zu klären, da ist mal wieder wenig erforscht. Vielleicht könnte ihr ja mal berichten, wo ungefähr die Duvet-Grenze verläuft? Wie sieht es zum Beispiel in den osteuropäischen Ländern aus? Bettbezug oder Umschlaglaken?

bedUSA

Eine andere Frage, die ich mir stelle: Haben wir vielleicht wegen unserer bezogenen Oberbetten keine Quilttradition? Wie die Steppdecke unter dem Bezug aussieht, ist für uns ja egal.

Fragen über Fragen, aber für heute ist Schluss.

quiltPatchwork-Quilt in einem US-Kinderbuch, 1873

49 Kommentare

    • Liebe Gabi ich liebe es auch das ist das beste Bett was es gibt.
      Ich habe es mit Volldaunen 100 Prozent ungesteppt ich kann nur sagen Himmlisch.
      Es ist ein Genuß sich damit zu zudecken. Größe 155/220

  1. ich habe vor kurzem von einer alten dame einige deckenbezüge „geerbt“ diese haben ganz krude maße. die waren nur 160cm lang, dafür 120cm breit. da habe ich mich auch gewundert. eine blogleserin meinte, dass seien spezielle bezüge für decken, die nur die füße warm halten sollten. auch so eine eigenheit die wohl verschwunden ist. ich habe sie zu gardinen umfunktionert.
    http://fraujule.blogspot.de/2015/06/neue-gardinen-furs-schlafzimmer.html
    liebe grüße,
    jule*

    • Das könnten Bezüge für so eine Art Keilkissen gewesen sein, Pfühl genannt, sind mir bei der Recherche auch untergekommen. Aus dem alten Wörterbuch Adelung: „Im Hochdeutschen ist der Pfühl das Mittel zwischen dem größern Bette und dem kleinern Küssen, und dasjenige Stück eines Gebettes, welches die Breite eines Kopfküssens hat, aber weit länger ist, und so wohl unter den Kopf, als auch unter die Füße gelegt wird; der Kopfpfühl, Fußpfühl.“

  2. Danke für diesen Text! Für mich als Wienerin gibt es nur Tuchent (=Federbett + Überzug). Decken und Leintücher zu allem Überfluß auch noch rundum eingestopft kann ich gar nicht leiden. Aus meiner Kindheit kann ich mich noch an Steppdecken mit glänzender, meist gemusterter Oberseite erinnern. Die kamen in einen Überzug der in Wien (vielleicht auch nur in meiner Familie) Deckenkappen hieß. Auf der Vorderseite war im Überzug ein Auschnitt, meist eine Raute. So konnte man die schön gemusterte Oberseite der Steppdecke sehen. Ich habe für eine alte Deckenkappe aus dem Nachlass meiner Mutter einen Quilt gemacht. Wenn Dich das interessiert zeige ich es. Jetzt denke ich mal über das Thema nach…danke für die Anregung.
    Liebe Grüße
    Teresa

  3. Himmel, ich kam noch gar nie auf den Gedanken, dass Ikea an der Ausbreitung der Deckbetten Schuld trägt (in den bisherigen Laken-Ländern), aber eigentlich ganz logisch. Globalisierung und Monopolisierung im Alltag.

    Ich kann mir übrigens gut vorstellen, dass an der Sache mit den Quilts was dran ist, wäre auf alle Fälle sehr schlüssig. Hierzulande ist das dann ein bisschen gezwungenermaßen eine „Tagesdecke“ (die man ja dann doch selten wirklich aufs Bett legt, wegen zu viel Aufwand und wenig Zeit). Wolldecken oder die Quilts nimmt man dann eher auf der Couch oder zum Zudecken von Unordnung (z.B. auf dem Jugendbett…).

    Oh, dieses Gezuppel mit den Laken in manchen Ländern, ich gehöre ja zur Fraktion: reißt es unter der Matratze raus und stopft es dann am nächsten Tag wieder rein :)

    Zur Frage wo man sich wie bettet, kann ich wenig beitragen. Ich meine dass es in Polen auch Federdecken gibt, auf alle Fälle kann ich mich an sehr dicke, riesige Federkopfkissen erinnern (auf dem Land in Polen, vermutlich gab es da viele Gänse).

    Wieder so ein spannendes Thema! Bin schon gespannt auf die anderen Kommentare.

    • Der Link zum Karambolage Beitrag funktioniert leider nicht, ist vielleicht schon zu alt, der Beitrag?

    • Liebe friefries ich glaube schon das es in Polen dicke Federbetten gibt die meisten Daunen
      und Federn kommen aus Kanada Ungarn Polen und Sibirien.
      Federbetten das ist das beste was es gibt wenn meine Frau sie aufschüttelt und lüftet,
      das rascheln beim aufschütteln und wenn sie auf dem Balkon im Wind sich bewegen,
      ist doch ein toller anblick.
      Wir haben noch die dicken Ballonbetten mit 100 % digen Daunen du mußt mal sehen wenn sie an der Leine lüften,ein Genuss dann würdest du verrückt werden.
      Ich bekam Besuch von 2er Frauen sie wollten meine Federbetten fotografieren.
      Sowas hatten sie noch nicht gesehn so dick und so leicht.
      Viele Grüße ; Gerdie.

  4. Über dieses Phänomen habe ich schon oft nachgedacht. Dieser Artikel erhellt mir einiges. Ich habe bis heute noch nicht herausgefunden wie im ‚Tütenbett‘ korrekt zu schlafen ist! Leider funktioniert der obenstehende Link nicht, ich würde zugerne wissen wie das gedacht ist.
    Als ich kürzlich in Irland war fand ich dort beide Zudeckenarten vor, den Begriff Duvet hörte ich dort zum ersten Mal. LG Tutti

  5. noch ein Nachtrag, am letzten Wochenende waren wir in Budapest. Im Hotel gabe es ein Federbett für zwei Personen auf dem Doppelbett. Wir haben uns rasch daran gewöhnt trotzt ursprünglich großer Skepsis. Ich habe mich dann erkundigt, in Ungarn ist eine Decke für zwei üblich.
    LG Teresa

  6. Ich kenne von meinen Großeltern (franz. Besatzubgszone-vielleicht drum?) eine Mischform: gesteppte Federbetten, die von unten und am oberen Rand mit einem Laken beknöpft waren…

    • Meine Eltern benutzten (Süddeutschland) auch noch Leintücher, die oben etwas verziert waren und die unter dem Duvet benutzt wurden und die man dann irgendwie auch noch überschlug, manche aus moltonähnlichem Stoff (für den Winter?). Und Paradekissen mit rautenförmiger Lochstickerei, zur Deko über dem normalen Kissen. Das „Bettenmachen“ war fester Teil des Tagesablaufs…

  7. „Plümo“ kenne ich auch noch, meine Eltern stammten aus dem Rheinland. Das Eintüten in lakenumhüllte Decken in Hotels ist mir auch ein Graus, ich zottle das auch immer gleich raus…;-). Ein wundervoller Post, um jetzt unter die kuschlige Bettdecke zu verschwinden… Lieben Gruß Ghislana

    • Hallo hier ist der Gert aus dem Lahn Dillkr. bei uns sagt man nicht Plümo bei uns sagt Peel
      wenn meine Frau die Federbetten auf dem Balkon zum lüften ausgelegt hat,
      sagten die Nachbarn haste die Peeln zum lüften rausgehängt.

  8. Ich kann nicht für ganz Osteuropa sprechen, aber in Russland gibt oder gab es bezogene Federdecken mit einer Besonderheit. Bei den Omas auf dem Land gab es im Bezug eine Rombenartige Öffnung an der Obeseite, durch dass die Bettdecke in den Bezug gefriemelt wurde und aus der die buntgemusterte Plümmo-Decke rausschaute. Es gab also keine Knopfleiste an der kürzeren Seite. Über das Ganze kam eine Überdecke mit oder ohne Spitze. Und die Kissen wurden beim Bettenmachen aufgetürmt und das oberste so wie ein Napoleonhut mit der Spitze nach oben zeigend für den Tag aufgestellt. Aber noch wichtiger, an der Wand hing ein Teppich, wohl wegen der Dämmung im Winter.

    Spanndende interkulturelle Betrachtungen, die du wieder mal gefunden hast, danke!

    • Toll, danke. Ich bin immer wieder verblüfft, wie das mit dem Foto in den Kommentaren klappt. Wird alles auch gleich viel anschaulicher.

  9. Danke für den interessanten Bericht!
    Ich komme aus Finnland und habe noch in meiner Kindheit in den 1960’ern unter einem Laken und einer Decke geschlafen. Im Sommer war es eine leichte Wolldecke (kratzig) und im Winter eine dicke Steppdecke (finnisch ‚täkki‘), die mit einer schweren Baumwollwatte gefüllt war. Die Oberfläche der Decke war glänzend, satinartig, rutschlig und fühlte sich kühl an. Die Unterseite der Decke war Baumwolle, damit sie nicht vom Laken rutschte. Meine Oma hatte eine besonders schwere Decke, unter der ich sehr gerne lag.
    Die Laken waren weiße Baumwolle und oben mit gehäkelten Spitzen verziert. Dazu gab es passende Kissenbezüge.
    Die Kopfkissen sind klein, 50×60 cm, die Kissenbezüge ca 55x65cm.
    In den 1970’ern begann der Siegeszug der Bettbezüge auch in Finnland. Heute schläft kaum jemand unter einem Laken. Übrigens, die Bettbezüge haben oben an den Seiten zusätzlich ca. 15 cm lange Öffnungen, die das Beziehen erleichtern. (Solche hatte ich hier bei Ikea noch einmal vor Jahren bekommen, habe sie aber dann nie wieder gesehen) Als ich 1988 in die DDR zog, wollte meine deutsche Schwiegermutter die Öffnungen an meinen Bezügen zunähen, sie dachte, sie wären kaputt.
    Ich vermisse die Bettlaken nicht, komme aber im Urlaub damit noch zurecht wenn es sein muss.
    Als ich im letzten Sommer bei meinen Eltern war, hat meine Mutter mir einen Stapel Oberlaken mit Spitzen mitgegeben. Sie waren noch aus ihrem Aussteuer. Ich möchte mir einen weißen Quilt aus denen nähen.
    Liebe Grüße Helena

    • Sehr interessant, Finnland war also früher auch eher Laken-Land – was wieder gegen die Klima-Theorie spricht. Die kleinen Kopfkissen und den Bezug mit den Eingriffen hatte ich früher auch von Ikea, das fand ich auch praktisch.

      • Ich hatte früher diese IKEA-Bettwäsche mit den Eingriffen auch, aber sie passte nie so richtig zu meiner Bettdecke. Wir hatten bei meiner Mutter viele verschiedene Breiten von 135 über 140 und 150 bis zu 155. Auch die Längen waren manchmal 200, manchmal 210 oder 220. Es war ein heilloses Durcheinander und das Beziehen der Betten immer Glückssache.

  10. Hallo aus Frankreich ! Zur Ergänzung möchte ich Dir Folgendes sagen : seit ca. 30 Jahren ist das Federbett/Plumeau hier üblich (damals sagte man ‚le coucher scandinave‘, ist ja exotischer !
    Schau Dir mal diverse Kataloge an, z.B. http://images2.confidentielles.fr/dl/base_photos/3/2/7/3/0/3273.jpg
    http://www.becquet.fr/becquet/rayon.jsp?r=623
    ABER : da ein normales Ehe- (bzw ‚frz‘) Bett 140 cm breit ist, sind diese „couettes“ ca. 200 cm breit – und das Beziehen nicht gerade einfach !
    Gerne sage ich Dir mehr dazu, LG

    • Ja, das habe ich auch schon erlebt (wie die Erfahrungsberichte aus Ungarn, s.o.) Diese Decken sind riesig! Ich wusste gar nicht, dass man das coucher scandinave nennt. Meine Schwiegerfamilie in Südrankreich lebt noch mit Decke und Laken. Aus welcher Region in Frankreich berichtest du denn? Vielleicht hängt der Siegeszug des Federbetts ja doch mit dem Klima zusammen.

      • Hallo, ich wohne im Norden (Picardie), 100 km nördl. von Paris. Aber ich glaube nicht, dass das ‚coucher scandinave‘ mit dem Klima zusammenhängt : der Katalog, den ich angegeben habe, ist ja für ganz Frankreich. Es ist eher, meine ich, eine Frage der Generationen : auch hier haben ältere Generationen noch Bettlaken und Bettdecke ! Du bringst mich auf eine Idee : ich werde in meinem Strickforum die Frage stellen – und werde Dir die Antwort geben !

  11. Die Federdecken habe ja auch eine starke Veränderung durchgemacht. Bei meiner Großmutter habe ich noch unter einem Federberg ( gefüllt mit allem was das eigene Federvieh hergegeben hat) geschlafen, solche Decken ohne Absteppung findet man jetzt kaum noch.
    Die mussten auch wirklich jeden Tag gut aufgeschüttelt werden. Für Kinder war das ein Kraftakt bei großen Betten! Und jeden Morgen waren die Federn im Fußbereich versammelt und die Arme waren kalt…..
    Heutzutage sind fast alle Federbetten abgesteppt und im Idealfall mit ganz leichten Daunen gefüllt. Ein Hauch von nichts im Vergleich zu den alten Betten bei der Oma!

    • Bei mir zuhause gibts noch dicke Daunenbetten ungesteppt ich meine das sind die
      allerbesten die sind mit 100 Prozentigen Daunen gefüllt Topp Betten,
      der Nachteil : die immer bei gutem Wetter richtig aufgeschüttelt , und gelüftet werden.
      Das ist ja kein Problem beim beziehen ein bisschen anstrengender als bei Steppbetten.
      Für gibts nichts besseres. Die kann man noch in jedem Bettenfachgeschäft gefüllt
      bekommen.

  12. Während meinder Kindheit auf dem Schweizer Bauernhof hatten wir ein Duvet mit „Oberleintuch“ drunter. Im Winter war das Laken aus „Barchet“ (Flanell), und es kam zusätzlich auch noch eine Wolldecke zwischen Laken und Duvet. Ich erinnere mich an das herrliche Gefuehl wenn man im Winter zum ersten Mal unters „Barchetleintuch“ kroch. Mitte Achzigerjahre wurde dann „Nordisch schlafen“ Mode, von einer Bekannten lange Zeit fuer etwas Unanständiges gehalten, da in den Bettwäschekatalogen grösstenteils halbnackte Damen zu sehen waren. Die Schweizer Kissenbezugsgrösse ist immer noch ca. 80 x 120 cm, genau das Doppelte der nordischen 40 x 60 Kissen….

  13. Ich kenne Plumeaus noch aus meiner Ausbildungszeit in einem Krankenhaus, das war Anfang der 90er. Das waren kleine Decken, die man bei Bedarf zusätzlich über die Füße auf die Bettdecke legen konnte. Wurden damals aber schon nicht mehr genutzt. Nur noch zum Lagern (um Patienten in die Seitenlage zu bringen oder unter die Unterschenkel, damit keine Druckgeschwüre an den Fersen entstehen).
    Vielen Dank liebe Suschna für einen weiteren grandiosen Bericht! :-)

  14. puh, nun weiss ich: mein bett ist fast international ;o)
    1,40 breit
    2 verschieden dicke inletts mit bezug aussen bw
    drinnen…. seide /wolle
    ein laken für hitzewallungsphasen ;o)
    kissen 40 x80 und 35×35
    und unterwegs im hotel immer stress wg viel zu warm …da muss dann ein quilt mit …
    und wie schlaft ihr so ???
    guts nächtle ;o)
    kjr

  15. Viele Grüße aus England! Ich wohne seit 1996 hier und habe seitdem nur duvets gesehen, sowohl in Privatwohnungen als auch Hotels. Ich glaube das Tütenbett ist hier (thankfully) wirklich vorbei.

  16. In den 90er Jahren in London habe ich im Hotel in Decken mit Bettbezug geschlafen.

    Meine Mutter hat mit früher immer eine besondere Konstruktion gebastelt: Eine Wolldecke doppelt gelegt und die bezogene Steppdecke oben drauf. Ich musste dann zwischen die beiden Schichten der Wolldecke schlüpfen, so hatte ich es von oben und von unten warm.

    Interessant finde ich den Wikipedia-Eintrag zum Thema Bettware:
    „aufgeraute Decken aus Woll- oder Kunstfasergewebe in Bettüberzug oder in Leintuch eingehüllt sind Standard für Notquartiere, Gefängnisse oder beim Militär.“
    https://de.wikipedia.org/wiki/Bettware#Typen_von_Bettdecken

    Mir ist aufgefallen, dass es auch in Deutschland regionale Unterschiede gibt. In Bayern habe ich fast immer in dicken Federbetten geschlafen, im Norden und Osten hingegen eher in dünneren Steppdecken.

    Wir haben auch nur dünne Steppdecken, beziehen diese im Sommer mit glatter Baumwolle, im Winter mit Biberbettwäsche. Frottee fürs Bettzeug finde ich eher seltsam.

  17. Irgendeine Form von wärmenden Federbett (zumindest für obendrauf) müssen die Engländer aber auch gehabt haben. Ich habe mal eine BBC-Sendung gesehen,in der Menschen von heute wie in früheren Zeiten lebten, und da stopfte die Frau doch aus den gerupften Federn der Gänse kleine Kissen aus, die sie dann aneinander genäht hat. Ich meine es wäre eine Episode der „Edwardian Farm“ gewesen. Muss ich noch mal nachsehen… LG mila

    • Ja, wie Quilts und Felle gab es Federbetten als Oberdecke. Schon die Terminologieabgrenzung ist schwierig wegen der unterschiedlichen Kulturen. Die Frage ist ja nur, warum wurde in unserem Raum mit Wechselbezügen für die Oberdecken gelebt, in anderen aber mit separaten Laken. Für England könnte man auch noch die schöne Dokumentation vom BBC zum Bedroom/History of the home gucken. https://www.youtube.com/watch?v=1RoNuv8C-gI&index=19&list=PL2u9IJfIgsh8YUFpVzT8Yjbi3ZO3OfegS

      • So ein Federbett ist im Gegensatz zur Wolldecke deutlich mühsamer zu reinigen; dürfte auch für Felle gelten. Der Wechselbezug als Schutz bietet sich da doch an. Ich finde, das ist „typisch deutsch“ sehr praktisch gedacht. Die Anfangsinvestition ist höher, zahlt sich aber später aus.
        Gab es Wechselbezüge auch schon bei Stroh-Inlets? Und sei es nur, weil das Stroh durch den Stoff gepiekst hat?

  18. Spannendes Thema und sicher nicht exakt zu klären, könnte ich mir vorstellen. Viele der Begriffe sind mir vollkommen unbekannt. Meine Großeltern aus dem Preußischen hatten Federbetten unterschiedlicher Stärke.Und später Kassettenbetten aus Kunstseidendamast in Himmelblau. Dafür gab es dann schneeweiße Bezüge mit schon beschriebener Raute, die mit Spitze versäubert war und auch ein sogenanntes Paradekissen, was eigentlich nur als Schau auf dem Bett stand.
    Ich denke auch, dass die Schichten der Gesellschaft sehr unterschiedliche Betten hatten. Buntkarierte strohgefüllte Betten auf dem Land in der Gesindestube und der Gutsherr hatte Federbett. Auch im Schlafzimmer war Stand und Vorzeigereichtum vertreten. Die Literatur, die uns zur Verfügung steht, zeigt oft nur eine bestimmte Schicht. Die notdürftigen Anfänge und die Liberalisierung nach dem zweiten Weltkrieg hat mit Sicherheit viel davon vermischt und verändert. Dazu kommen z.B. auch noch Hygienevorschriften für Heime, Krankenhäuer, Hotels.
    Die Nutzung von Quilts als Bettdecke war sicher sehr willkommen in Amerika, aber das Entstehen selbst kommt ja aus dem Umstand, dass die Einwanderer ihre mitgebrachten Textilien bis zum letzten Fitzelchen nutzen mußten, da es lange keine textile Industrie gab.Vielleicht kannten auch gerade diese Einwanderer gar keine mit Federn gefüllten Betten? oder es gab nur wenige Hühner und kaum Gänse.
    Ein Bett mit Federzudecke läßt sich am Tag nicht nutzen, steht nur rum, aber ein Bett mit Decke (Qulit oder so) aber ganz prima.Vielleicht stand auch einfach ein so praktischer Gedanke im Vordergrund?

    • Wegen der verschiedenen Schichten finde ich gerade Briefwechsel von früher so interessant. Das oben zitierte Ehepaar unterhält sich brieflich z.B. ausführlich über die Ausstattung des Dienstpersonals mit Betten und Bettzeug. (Hab ich aus einem Buch von Bruno Preisendörfer, der hat darin viel zum Alltagsleben in der Goethezeit gesammelt). Wegen der Quilts gäbe es noch viele Fragen, denn in England, Frankreich, Italien gibt es ja die Tradition der eher einfarbigen Quilts, Japan etc auch, bei uns nicht so, obwohl ich im Museum auch schon wattierte und gesteppte Sachen gesehen habe.

  19. Der Gatte bereist seit den frühen 90ern Osteuropa von Danzig im Norden und Pecs/Szeged im Süden (also nicht nur die Metropolen) und hat keine Erinnerungen an „Lakenhaltung“.

    Hast Du bei Deinen Recherchen mal auf landwirtschaftliche Schwerpunkte geachtet? Im Sinne optimaler Verwertung könnte die Daunen/Federn-Tradition sich doch dort entwickelt haben, wo Geflügelwirtschaft zumindest selbstverständlicher Teil des Selbstversorgerhaushaltes war. Für Ostpreussen und Bayern sowie Polen und Ungarn sind die (Hafermast-)Gänse ja legendär.

    • Ja, daran habe ich auch gedacht. Und dann fielen mir die legendären Bresse-Hühner in Frankreich ein, usw. Da müsste man regional wohl noch viel mehr forschen, besonders auch in alten Inventarlisten, s.o..
      Danke für den Hinweis, dass Richtung Osten jedenfalls auch keine Laken gesichtet wurden, das hilft schon mal wieder weiter.

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