Kurztrip nach Kopenhagen

Messingtürgriff

In Kopenhagen findet man viele schöne Sachen, stilvolle Türdrücker zum Beispiel.  Wir waren gerade mal wieder kurz in der Stadt und ich teile hier gern ein paar Tipps und Erfahrungen, falls ihr mal hinfahren wollt.

Was unternehmen?

Meine Besichtigungspläne sind immer ziemlich museumslastig, daher waren wir dieses Mal zum Ausgleich auch im Tivoli. Der Freizeitpark mitten in der Stadt ist schon über 150 Jahre alt und hat viel Flair, vor allem abends, wenn die Lichter angehen.

Die Fahrgeschäfte kann man sich eigentlich sparen, aber das Riesenrad finde ich ganz ulkig.

Nun aber zu den Museen, die ich bisher kenne:

Mein absoluter Liebling, das Louisiana Museum of Modern Art, liegt eine halbe Stunde nördlich von Kopenhagen, gut per Bahn zu erreichen. Tolle Architektur, direkt an der See gelegen.

Immer gute Ausstellungen, die sich auch Skeptikern der modernen Kunst ohne Vorwissen erschließen.

(2014)

Eine der aktuellen Ausstellungen ist dem Architekten Wang Shu gewidmet, der traditionelle chinesische Herstellungsmethoden in seine Bauten einfließen lässt. (Z.B. oben Abdruck einer Bambusmatte in Beton, unten Glasurproben).

In Kopenhagen selbst gibt es aber auch viele interessante Häuser:

  • Carlsberg Glyptoteket mit tollem Palmeninnenhof,  Skulpturen, skandinavischer und französischer Malerei.

(Rauchen verboten, eleganter Hinweis)

  • David Collection – Unter anderem große Sammlung islamischer Kunst, auch mit Textilien, in einem schönen alten Haus. Eintritt frei.

Im Park neben der David Collection waren die Bäume kurz vorm Ausschlagen, ein schöner Anblick im Abendlicht.

Zu anderen Textilorten kann ich gar nichts sagen, aber vielleicht weiß jemand empfehlenswerte Adressen und meldet sie in den Kommentaren? Kostüme soll es im Nationalmuseum geben, aber dorthin konnte ich den Familientross nicht dirigieren. Sehr interessant hörte sich auch Brede Works an, eine frühere Textilfabrik.

Ein sehr schönes Kino ist das Grand Teatret. Wir haben dort Manchester by the Sea gesehen, das war für mich der beeindruckendste Film aus dem letzten Jahr. (Die meisten Filme laufen in der Originalversion mit dänischen Untertiteln).

Was kaufen?

Im Louisina Museum gibt es einen großen Museumsshop mit toller Auswahl – hier zum Beispiel Querbinder bzw.Fliegen, aus Wax-Print-Stoffen.

Auch im Kaufhaus Illum ist viel dänisches Design zu finden. Und natürlich überall in der Stadt, die sich zu Fuß gut erkunden lässt.

Wo essen?

Essen war immer sehr lecker, ich liebe ja vor allem die Smörrebröd (Smørrebrød, Butterbrot, „Schmierbrot“), die Schwarzbrote, kunstvoll belegt mit Beef, Ei, Lachs… Und genauso das Wienerbröd, süße Plunderteilchen oder Kranzkuchen. Die Markthalle nahe der Norreport Station war ein Ess-Paradies, aber auch das Café Norden und die Cafeteria im Louisiana Museum sind sehr zu empfehlen (man muss nur antizyklisch essen, sonst ist es zu voll). Die Gerichte waren meist sehr instagramtauglich angerichtet.

Klassischer sahen die Smørrebrød bei Slotskaelderen aus, das habe ich nur durchs Fenster gesehen und merke es mir für das nächste Mal.

Wo schlafen?

Wir waren nun schon zweimal im Ibsens Hotel. Dänisches Design auch im Hotel Alexandra. Das Somandshjemmet Bethel ist gut in Wassernähe gelegen.

Wie teuer?

Ziemlich teuer. Ich schätze mal, die Restaurants und Cafés berechnen ca. ein Drittel mehr als in Berlin. Dafür schien Trinkgeld unüblich zu sein. Ich fand es sehr interessant, dass wir fast immer das Essen am Tresen bestellen mussten – so spart man Personal. Ich kann mir vorstellen, dass sich das bei uns auch bald verbreiten wird, denn in Berlin sehe ich überall Aushänge, mit denen Servicepersonal gesucht wird. Beim Beim Klamotten-Shoppen konnte man schön die Preise vergleichen, wenn auf den Etiketten für den europäischen Vertrieb sowohl Dänische Kronen als auch Euro ausgzeichnet waren. Manches war in Kronen günstiger, manches teurer.

(C.W. Eckersberg, Carlsb. Glypt.)

Soweit mein kleiner Erfahrungsbericht. Natürlich freue ich mich insbesondere auch über eure Empfehlungen, denn es gibt noch viel mehr zu entdecken. Wie immer würde mich vor allem interessieren, welche Orte sich für textilbegeisterte Menschen lohnen, ob Ausstellung oder Stoffparadies.

Vielen Dank für jeden Hinweis, nutzt ja dann allen!

Notizen aus New York

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Ganz spontan mal eben nach New York – das geht, wenn man erst günstige Flüge ergattert und dann auch noch ein nettes Airbnb-Zimmer findet. Es hat mir gut getan, meine Bequemzone zu verlassen und mich ohne große Vorplanung ins (vermeintliche) Abenteuer zu stürzen. Hier nun ein paar Tipps, fast alle kostenlos.

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Flug, Zimmer und Nahverkehr

Dank des Bordprogramms mit hunderten Filmen und Serien zum Auswählen lässt sich der lange Flug gut überstehen. Wenn man  dann auch noch im Nähzimmer einer New Yorkerin übernachten kann, ihre Küche benutzen darf und für 30 Dollar eine Wochenkarte Nahverkehr kauft, sind die wesentlichen Grundbedürfnisse erfüllt. (New York hat die Vermietung ganzer Wohnungen über Airbnb zwar verboten, Privatzimmer dürfen aber weiterhin angeboten werden).

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Pendlerfahrt mit der Staten Island Ferry

Eine gute Idee, wenn man angekommen ist und dem Jetlag nicht nachgeben will: Eine Abendfahrt mit der Staten Island Ferry, hin und zurück an der Skyline und der Freiheitsstatue vorbei. Die Fahrten kosten nichts, außerhalb der Rushhours gibt es auch genug Platz.

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Andere Sehenswürdigkeiten für Spaziergänge und Staunen: Die Highline (eine ausgediente Hochbahntrasse), der Times Square, der Gang über die Brooklyn Bridge bei Nacht und vieles mehr.

Shoppen

Unglaublich aufwendige Schaufensterdekorationen, schöne Geschäfte – einen ganzen Tag kann man nur mit Gucken verbringen. Im Quilter- und Strickhimmel PurlSoho war ich auch. Selten habe ich ein Geschäft gesehen, in dem vor allem die Stricksachen so geschmackssicher ausgewählt waren. Gekauft habe ich nichts, alles zu schön. Geld ausgegeben habe ich dafür im Vintage-Laden Beacons Closet. Anders als in Berlin ist die Auswahl toll und man findet für unter 20 Dollar schöne Stücke, Designerlabel kosten nur unwesentlich mehr.

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Dieses Kleid ist nun mein – ich freue mich über die Handnähte im Saum.

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Ausstellungen

Eintritt frei für zwei schöne Ausstellungen im Museum des Fashion Institute: Zum einen geht es dort um Uniformen und Mode, Uniformity.

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Zum anderen ist Kleidung der Gräfin Greffulhe zu sehen, It-Girl um 1900 und Muse für Frauenfiguren in Prousts „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“. Die Ausstellung war vorher in Paris, Fashiontwist berichtete darüber.

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Im Met war gerade keine Kostümausstellung, mir war es dort auch zu voll. Leider sind die bekannten Museen oft ziemlich teuer. Im MoMA kommt man aber freitags ab 16 Uhr umsonst hinein, im MetMuseum und kann man den Eintritt selbst bestimmen. Im Guggenheim läuft zur Zeit Agnes Martin – das ist ein Genuss für alle, die Monochromes mögen. Viele der Ölmalereien wirkten wie gewebt, wie textile Oberflächen – abgesehen davon, dass bei durchscheinender Struktur der Leinwand ja immer eine stoffliche Haptik bleibt.

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Was mir sonst aufgefallen ist

Das Zusammenleben in der Großstadt läuft viel ziviler ab als in der Berlin. „Folks, make an effort, move a little, then we can all get in – be kind!“ ruft ein Mann an der Tür der proppevollen U-Bahn. Undenkbar in Berlin.

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Obwohl die Bevölkerung ethnisch extrem gemischt ist, sah ich kaum Muslima, die Kopftücher trugen. Dafür waren (wohl wegen des Laubhüttenfestes) um so mehr jüdisch-orthodoxe Großfamilien unterwegs. Die oft erstaunlich jungen Mütter bedeckten ihr eigenes Haar mit Perücken und trugen insgesamt einen Look, der betont an die 50ties erinnerte, darüber wunderte ich mich, das muss ich noch weiter recherchieren.

Was mir gefehlt hat: Essen aus Porzellangeschirr, gutes Essen, Essen mit Muße. Die Norm sind Schnellrestaurants mit Pappbechern und Tüten, auch in den Wohngebieten schwirren überall Lieferanten herum, die den Menschen selbst das Frühstück mit dem heißen Kaffee in den 5. Stock an die Tür bringen. Jetzt verstehe ich auch die unübersehbare Werbung von Lieferdiensten wie Lieferando hier in Berlin, die den Markt offenbar erschließen wollen – in New York ist es längst die Norm, nicht mehr selbst zu kochen. Ich glaube, das wird eine der Neuerungen, die ich aufgrund fortgeschrittenen Alters nicht mehr in meinen Lebensstil integrieren kann. Auf Fahrdienste wie Uber freue ich mich aber – die sind in einer Großstadt wirklich praktisch.

Nun muss ich erst einmal den Jetlag auskurieren und mir überlegen, ob ich etwas zur Stoffspielerei bei Griselda morgen beitragen kann, das Thema ist „Blätter“. Sie hat auch wieder einen neuen tollen Taschenschnitt im Angebot, geht ruhig mal gucken.

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(Im Shop des Guggenheim Museums wird Hedwig Bollhagen zu astronomischen Preisen verkauft  – das hätte sich die Keramikerin sicher nicht träumen lassen.)

Unterwegs – Große und kleine Ausstellungen

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Wie jedes Jahr versuche ich, in unsere Reiseroute möglichst viele Textilmuseen hineinzuschmuggeln. Potentielle Ziele wollte ich hier teilen, aber nun habe ich allein schon in Deutschland so viele neue Ausstellungen gefunden, dass die Liste (fast) auf den deutschprachigen Bereich beschränkt bleibt. Es tut sich museal etwas im Bereich der Kleidung und Mode, scheint mir!

Zunächst ein Bericht aus Berlin, gestern hat hier nämlich tatsächliche eine Ausstellung zum Thema Redensarten eröffnet. Ich musste natürlich hin, in das schöne alte Gebäude des Museums für Kommunikation.

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bis 16. 10. 2016   Mein Name ist Hase! Redewendungen auf der Spur

Kurator der Ausstellung ist der ‚Redewendungs-Papst‘ Rolf-Bernhard Essig, der auch schon zahlreiche Bücher zum Thema geschrieben hat. Er hat viele bekannte Redensarten ausgesucht und erklärt sie mit den dazugehörigen historischen Gegenständen. So weiß ich zum Beispiel nun endlich, was ein Scherflein ist, oder wie eine tabula rasa aussieht. Textile Redensarten wie das Spinnen, das Verhaspeln und das Durchhecheln waren auch dabei, passend kombiniert mit mit Spinnrad, Haspel und Hechel. Das Museum ist ein schönes Ausflugsziel für die ganze Familie, in der Sonderausstellung können alle Generationen über die Ausdrücke fachsimpeln.

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Weitere Ausstellungen in Berlin und drumherum:

Berlin – Stadt der Frauen im Ephraim Palais. Das Leitmotiv ist das Korsett – Eindrücke aus einer  Snapchat-Story dazu.

Contemporary Fine Arts bis 10. 9. 2016 – F.C. Gundlach  90 JAHRE 90 FOTOS ZUM GEBURTSTAG

Kunstgerwerbemuseum bis 28.8.  Beautiful Mind. Ein Schmuckstück für Cranach

Potsdam   bis 24.07.  uni-form? Körper, Mode und Arbeit nach Maß

Die Ausstellung widmet sich der wechselvollen Geschichte und Gegenwart des textilen Handwerks und der Bekleidungsproduktion in Brandenburg-Preußen.

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Eine Übersicht über andere Ausstellungen im deutschsprachigen Raum findet ihr auf der Extra-Seite.  Neu hinzugekommen ist :

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Jever, Schlossmuseum  bis 30.10.
Fremd in Friesland
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Hamburg Museum für Kunst und Gewerbe bis 27. August.
Sneaker. Design für schnelle Füße„,
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Bramsche, Tuchmachermuseum bis  18.09.2016
Das Passt! – Kleiderwahl im Wandel
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Dortmund bis 18.09.2016
Willy Maywald. Fotograf und Kosmopolit – Porträts, Mode, Reportagen
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Oberhausen, Schloss, bis 18. September 2016
REGINA RELANG Inszenierte Eleganz
Mode- und Reportagefotografie von 1930 bis 1980
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Nachtrag 1.7. (mit ausdrücklicher Empfehlung von Bele)

VORSCHAU    15.7. – 16.10.2016
Darmstadt Landesmuseum, Chic! – Mode im 17. Jahrhundert
„18 Kostümoberteile, einst getragen von wohlhabenden Damen und Herren der Kölner Gesellschaft und entstanden zwischen 1610 und 1675, gehören zu den absoluten kostümgeschichtlichen Raritäten.“

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Oberpfalz  > Ausstellungsreihe bis Herbst 2016, 16 Museen beteiligt
Tracht im Blick – die Oberpfalz packt aus

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„Die Trachtenbewegung ging im 19. Jahrhundert nicht von den Bauern auf dem Land, sondern vom aufstrebenden Bürgertum in den Städten aus.“

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Aichach (bei Augsburg), Sisi-Schloss  bis 23.10.16
Kaiserin Sisi- Drunter und Drüber
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WIEN (A) Wien Museum  bis 30.10.

Chapeau! Eine Sozialgeschichte des bedeckten Kopfes

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Forum Würth Rorschach    (CH)    bis 26.2.2017Werke aus der Swiss Textile Collection und Sammlung Würth im Dialog

Bericht dazu im Bernina-Blog

HINWEISNachtrag 30.6.: Teresa sagt in den Kommentaren etwas zur Hutausstellung in Wien, das wahrscheinlich für einige der Termine hier in der Liste gilt: „Aus diesem Thema hätte man mehr herausholen können aber wenn man schon da ist lohnt es sich das anzusehen was geboten wird.“  In heutiger Zeit steigen die Social Media Budgets der Museen wahrscheinlich umgekehrt proportional zu den Ausstellungsbudgets, daher sind manche Meldungen vielleicht auch eher heiße Luft? Jede Rückmeldung dazu freut mich und hilft anderen bei der Besuchsplanung.

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In anderen Länder ist auch eine Menge los, siehe dafür hier z.B. die Top 6 Fashion and Design Exhibitions .

Wer in Frankreich in die Nähe von Lyon gerät, sollte für das Musée des Tissus et des Arts Décoratifs de Lyon einen Stop einlegen. Das Museum mit der größten Textilsammlung der Welt steht kurz vor der Schließung, weil die öffentliche Förderung ausgesetzt wurde. Schon über 100.000 haben eine Petition für die Rettung des Museum unterschrieben, bisher erfolglos.  Ich habe fest vor, dort diesen Sommer noch  vorbeizuschauen.

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Und sonst?

Habe ich mich ziemlich fassungslos durch die Kommentarspalten der englischen Zeitungen gelesen, durch die ganze Bandbreite vom Guardian bis zur Daily Mail, um zu verstehen, wie es zum Brexit kommen konnte. Ich lebe ja eher in einer ‚Guardian-Bubble‘, aber wenn man sich in der Presse der Brexit-Befürworter umschaut, dann sieht die Welt ganz anders aus. Die EU heißt dort nur ‚the bloc‘ und steht kurz vor dem Zerfall. Merkel fehlt nur noch ein Hitlerbärtchen und Frankreich bereitet in Calais gerade eine Migranteninvasion nach England vor.

Aufgrund meiner Recherchen hat Twitter mir nun folgendes vorgeschlagen:

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also höre ich lieber auf und gehe in meine liberale Blase zurück.

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Dann muss ich auch nicht über das Spaltungspotential in Deutschland nachdenken. Im Briefkasten am Zaun meines verwilderten ‚Naturgartens‘ fand ich diesen Zettel, handgeschrieben:

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Gute Nacht!

Modegeschichte – Wo sind die Kleider der Dicken?

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Wenn Museen Teile aus ihren Kostümsammlungen ausstellen, sind selten große Größen dabei. Woran liegt das? Gab es früher  weniger dicke Menschen, existiert ihre Kleidung nicht mehr, oder werden sie ungern gezeigt?

Der Frage geht Kitty Koma nach, weil die Kaltmamsell im Fashion Museum in Bath feststellte, dass nur Kleidung schlanker Frauen ausgestellt war. Einzige Ausnahme: Queen Victoria.

Hier waren runden Schönheiten, die heute als dick gelten würden, ja schon einmal Thema.

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Aber ihre Kleidung? Eine Ausstellung in New York „Beyond Measure  – Fashion and the Plus Size Woman“ vom Anfang des Jahres fragte nach dem Bild dicker Frauen in der  Modegeschichte.  Ausstellungsstücke waren schwer zu finden, weil, so berichten die Kuratoren in einem Artikel der New York Times,  es weder gewichtige Figurinen gab, noch Mode, um sie zu kleiden.

Those are simply too hard to come by, as Ya’ara Keydar, a graduate student and an organizer of the show, explained. Ms. Keydar recalled that during a recent visit to an exhibition of historic evening dresses at the Sigal Museum in Easton, Pa., there was only one plus-size dress on display.

“Those garments don’t get shown unless you’re someone famous, like Queen Victoria,” Ms. Jenkins said. Even in museums with dedicated costume wings, there is a bias, she said.

Stimmt das? Sind die Sammlungen voreingenommen? Andere Stimmen dazu habe ich nicht gefunden. Wenn man beim Metmuseum online nach Kleidern sucht, findet man tatsächlich kaum stärkere Figuren. Allerdings ist man auf die Optik der Fotos angewiesen, außer der rückwärtigen Länge gibt es keine Maßangaben.

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Händler für Antikkleider haben offenbar auch nur wenig Kleider in großen Größen im Angebot. Antique Gown zeigt ein Abendkleid vom Ende letzten Jahrhunderts mit Taillenweite 82  (4.800 Euro). Bei Händlern halte ich es für wenig wahrscheinlich, dass sie große Größen diskriminieren. Die Kleider sind einfach zu viel wert.

Es könnte ja auch sein, dass es sowohl bei den Händlern als auch in den Museen nicht viele Kleider dicker Frauen gibt, weil es am  Angebot mangelt. Vielleicht gilt, was das Met zu einem Straßenkleid sagt:

The women’s walking costume is one of the most difficult ensembles to find currently in pristine condition. Partially because few women felt compelled to include such a pedestrian costume in their trousseaus, and partially due to the natural deteriorations caused by light, moisture and old age, the well-kempt walking costume of the 1880s and 1890s can be found in few modern costume collections.

„Nur wenige Frauen sahen einen Anlass, so ein Straßenkleid aufzuheben“. Welche Kleidung hebt man denn selbst auf? Besonders schöne Stücke mit besonderen Erinnerungen vielleicht, die wahrscheinlich eher aus Jugendjahren stammen, als man noch nicht so in die Breite gegangen war – wer weiß. Das Fat-Shaming hat seine Wurzeln schließlich im 19. Jahrhundert. Vielleicht wurden große Kleider aber auch einfach nur länger getragen, weil sie leichter angepasst und umgearbeitet werden konnten, wie Kitty Koma überlegt.

Im Modemuseum Meyenburg, das ja ab 1900 eine riesigen Fundus zeigt, hatte ich nicht das Gefühl, nur Kleidung schlanker Frauen zu sehen. Es war eher ein Querschnitt durch alle möglichen Frauenformen. Ein Blick in den Katalog bestätigt den Eindruck.

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Ich würde mich sehr freuen, dazu Meinungen oder Erfahrungen zu hören. Hattet ihr in Ausstellungen auch schon das Gefühl, nur schlanke Modelle vor euch zu sehen? Welche Größe haben  Kleidungsstücke, die euch vererbt wurden? Nach welchen Kriterien wird gesammelt und ausgestellt? (Eine hier weiß bestimmt etwas dazu :)). Kittykoma geht der spannenden Frage auch noch nach. Wir werden sehen!

 

* An alle, die mit Englisch nicht so klarkommen: Diesmal hatte ich keine Energie für Übersetzungen, vielleicht hole ich das noch nach. Ansonsten ist Google Translator eine kleine Hilfe.

 

Kultur in Friesland – Schlossmuseum, Tee und Himmelstorte

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Gerade ist hier wieder richtig norddeutsches Wetter. Es ist kalt und windig und also der passende Moment für einen Bericht von der Nordseeküste, der eigentlich schon vor einem Jahr hätte erscheinen sollen. Weiter unten geht es um Tee und Torte, aber zunächst kommen die Textilien dran.

Auf dem Weg zu einem Kurzurlaub auf den ostfriesischen Inseln kann man schön beim Schlossmuseum Jever Station machen.  Als wir spontan dort hielten, wusste ich nicht, dass das Museum eine umfangreiche Mode- und Textilsammlung beherbergt.  Vom Keller bis ins Dachgeschoss fand ich interessante Exponate, was locker einen halben Tag ausfüllte.

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Ich lernte, dass die Menschen dieser Region in den letzten Jahrhunderten immer relativ frei waren. Die zum Schloss gehörenden Herren lebten als „ferne Fürsten“ weit weg und ließen sich von Statthaltern vertreten. Es gab keine Adelsgüter, die wohlhabenden Marschenbauern konnten sich selbstbewusst behaupteten, ebenso wie das Bürgertum in der Stadt. Oft waren sie wohlhabender als die fürstlichen Beamten und leisteten sich eine repräsentative Ausstattung.

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Oben ein feines Taufkleid, unten blassrosa Einzelteile für ein Gewand.

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Kurios: Für einige Zeit war auch die Zarin Katharina II. Herrin auf Jever. Die gebürtige Prinzessin von Anhalt-Zerbst hatte das Jeverland von ihrem Bruder geerbt. Natürlich ließ auch sie sich nur vertreten. So kommt es aber, dass einige Portraits der Zarenfamilie heute noch im Schloss hängen.

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So wie hier Sohn und Schwiegertochter der Zarin,  Paul I. und seine (aus Württemberg stammende) Frau Maria Fjodorowna.

Das folgende Ehepaar ist komplett bürgerlich.  Der Pastor würdig mit Perücke, seine Frau sehr reich gekleidet, mit dem aufgeschlagenen Botanikbuch ihr Interesse für dieses Fach zeigend . Solche kleinen Informationen gab es oft in den Bildbeschreibungen dazu, das hat mir gut gefallen.

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(Generell gefallen mir Museen, in denen Bilder schief hängen.)

Die Kuratoren haben sich auch kritisch mit der Sammlungsgeschichte auseinandergesetzt.  Der Heimatverein hatte lange Zeit vorrangig Objekte erworben und ausgestellt, die als „friesisch“ und „vaterländisch“ galten. Vermeintlich Althergebrachtes wurde idealisiert, so wie die „Bauernstuben“, die Wohnräume der ländlichen Bevölkerung im späten 18. Jahrhundert nachstellen sollten.

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Nachdem ich das noch einmal pflichtbewusst erwähnt habe,  werden ich im Nachfolgenden hemmungslos von friesischen Traditionen schwärmen, angefangen mit blau-weißem Friesenmuster auf zierlichen Teekannen, die mit kräftigem Tee gefüllt sind.

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So wie hier im Café Kluntje auf der Insel Baltrum.  Kluntje heißen die dicken Kandiszuckerstücke, die bei der friesischen Teezeremonie zuerst in die Tasse gehören. Gießt man dann den (dank der hübschen Stövchen aus Messing) knallheißen Tee darauf, so knistert es ganz leise und entzückend in den dünnwandigen Tassen. Das nachfolgende Wölkchen Sahne (idealerweise von einem speziellen Sahnelöffel geflossen) lasse ich persönlich weg. Dieser kurze Spot „Das Beste am Norden“ aus der guten Stube einer älteren Dame macht alles klar.

Die New York Times war diese Teekultur schon einmal eine Reiseempfehlung wert. „Where the Water Is Soft and the Tea Is Bold“. Ja, das mit dem weichen Wasser, das ist der Schlüssel zum Glück. Dieselbe Teesorte, die an der Küste zu einem orange-goldenen hocharomatischen Aufguss wird, ergibt mit Berlins hartem Wasser nur eine graue schlierige Plörre. (Und nein, Wasserfilter helfen da nicht, alles schon probiert, da werden die Geschmacksträger gleich mit rausgefiltert. Das einzige was ansatzweise funktioniert ist dieses Quellwasser hier).

Vom Tee geht es dann weiter zur friesischen Himmelstorte. Im Café habe ich wirklich die beste Version ever dieser Lagentorte mit Sahne und Pflaumenmus gegessen.

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Seitdem bastle ich daran herum, auch so eine Torte hinzubekommen. Es gibt verschiedene Rezeptvarianten und ich möchte NICHT die mit den Blätterteigböden. Da quetscht dann beim Durchschneiden immer gleich die ganze Sahne an der Seite heraus. Zum Glück hat das Café unter dem Menüpunkt ‚Rezept‘ die Zutaten für seine Torte aufgeschrieben. Ich werde es morgen noch einmal probieren, und dann berichte ich hier, wie es gelungen ist und an welcher Stellschraube noch zu drehen ist. (Ich weiß bereits, dass ein Knackpunkt das Pflaumenmus ist, das einfach exzellent sein muss).  Sehr gern nehme ich Tipps entgegen. Ansonsten bis in Kürze, schönen Feiertag wünsche ich, mit hoffentlich hervorragenden Heißgetränken!

Nachtrag 10. 5. 2016

So, hier nun der Kuchen.

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Er war ganz lecker, aber mir persönlich zu süß und zu schwer geraten.  Das Rezept aus dem Café (Menüpunkt ‚Rezept‘) ist auch mehr ein Konditorenprogramm, da konnte ich nicht ganz mithalten, z.B. das mit dem Eischnee und dem heißen Wasser hat nicht geklappt und das mit der Sahne und der Gelatine hat die Sahne zu fest gemacht. Bei den Böden gab es auch wieder Quetschalarm, zu hart, da wäre weniger Butter und mehr Backpulver vielleicht ein Option. „Ein Glas“ Pflaumenmus, wie im Rezept angegeben, ist naürlich relativ und war hier auch zuviel, eben zu süß.  Also, ich probiere weiter und erst wenn ich die optimale Variante gefunden habe, rücke ich sie raus.

Meisterwerken auf die Naht gefühlt

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Die Flügelhaube dieser jungen Frau von ca. 1440 wird mit Nadeln gehalten. Zum Glück haben Maler wie Rogier van der Weyden genau hingeschaut, so dass wir eine Menge aus den Kleidungsdetails in alten Bildern lernen können. Für den Gesamtanblick könnt ihr zum Bildnis einer jungen Frau bei Wikimedia/Google Art Project gehen.rogiervanderWeyden1aGA

Manche Bilder dort sind so hochauflösend fotografiert worden, dass auch große Werke wie Die Gesandten (1533) von Hans Holbein dem Jüngeren bis in jeden kleinen Pinselstrich betrachtet werden können. Hier drei Ausschnitte:

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Hans Holb younger amba3GATotal faszinierend finde ich diese Strukturen und Texturen, die kleinen Fäden, die aus dem Teppichrand hängen, die Verschlussdetails .

Noch einmal Rogier van der Weyden bzw. seine Werkstatt, Porträt Isabella von Portugal, (1450/1500). Das Gewebe im Detail:

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Bei  Charles de Solier hat Holbein sich ganz genau um die aufgestickten Schnüre des schwarzen Gewands gekümmert:

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Auch bei Holbeins Porträt von Heinrich VIII. , ca. 1537,  blitzt das Hemd schön weiß aus den Schlitzen hervor:

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An der Schulternaht des Hemdes  sieht man ein kleines schwarzes Stickmuster.  Blackwork-Stickerei mit schwarzem Seidenfaden auf weißen Grund war sehr populär zur Zeit Heinrich VIII.  Bei den Ärmelabschlüssen von Jane Seymour hat Holbein d. J. 1536 jeden einzelnen Stich der Schwarzstickerei dargestellt:

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Jane Seymour trägt roten Samt mit goldenem Netzwerk. Die Fixierung des Vorderteils blitzt in goldenen Punkten hervor, die Perlen reflektieren auf dem Stoff, um den Glanz des Samtes malerisch zu erfassen.

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Beim Porträt des Sohns von Heinrich VIII. und Jane Seymour, Edward VI. als Kind,  hat Hans Holbein d. J. jeden Faden in der Borte am Halsausschnitt ausgearbeitet :

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Einige Jahre später auf dem Kontinent malt Lucas Cranach der Ältere  Martin Luther:

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Das schwarze Band ist hier die einzige Zier. Bei Cranachs Bild Judith mit dem Kopf von Holofernes halten schwarze Bänder die Teile des Ärmels über dem Hemd zusammen.

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Für heute genug. Hoffentlich erfreuen euch diese Entdeckungen genau so wie mich? Mir haben sie den grauen Sonntag etwas aufgehellt. Noch einen schönen Tag also und bis bald!

 

 

Wien nicht gesehen

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Durch die Litaturpassage beim Wiener Museumsquartier konnte ich noch flanieren – dann warf mich eine Art Balkangrippe um, und die Reise Berlin-Prag-Wien endete in einem Hotelbett. Schade, denn ich wollte mit ganz vielen Tipps zu textilen Adressen zurückkommen.

Ich habe es zwar irgendwie nach Berlin zurückgeschafft und bin hustend auf dem Weg der Besserung (unter Mithilfe vieler Kostümfilme à la Sissi). Aber ich weiß nicht, was ich verpasst habe. Deshalb brauche ich nun eure Hilfe! Wer kennt sich in der Wiener Museen- und Textilszene aus? Was hätte sich gelohnt? Auf meinem Plan stand:

1.

MAK – Österreichisches Museum für angewandte Kunst / Gegenwartskunst

Der Webseite nach zu urteilen gibt es Schaussammlungen, in denen wohl auch Textilien enthalten sind. Dann existiert noch eine Studiensammlung Textil, aber da wird wohl nur temporär ausgestellt?

Auf die aktuelle Ausstellung zu Josef Frank hatte ich mich ganz besonders gefreut. Bis 12. Juni 2016 läuft die Show über das Werk des österreichischen Architekten und Designers, der vor den Nazis nach Schweden emigrierte. Die Stockholmer Firma Svenskt Tenn vertreibt heute noch Produkte nach den Vorgaben Josef Franks.

Ich bin selbst stolze Besitzerin eines Teppichs nach Franks Entwurf  „Bows“ von 1929. Angeblich sind die geometrischen Elemente von Wegen und Hecken in einer Wohnsiedlung inspiriert.  Der Teppich gefällt mir auch nach vielen vielen Jahren immer noch sehr.

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Weiter im textilen Wien-Programm:

2.

Wien Museum

Laut Webseite umfasst die Modesammlung 22.000 Objekte, aber sind die überhaupt ausgestellt? Wohl nur im Rahmen von temporären Ausstellungen? Wir waren schon auf dem Weg dorthin und sind dann aber im ganz wunderbaren Café Sperl hängengeblieben. Ist mir womöglich eine Enttäuschung erspart geblieben? Ich würde mich freuen, wenn jemand mehr darüber berichten kann.

Mich stört immer wieder, dass auf den den Webseiten der Museen von Sammlungen gesprochen wird, ohne deutlich zu erklären, dass diese nicht öffentlich sind. Für Insider ist das vielleicht selbstverständlich, aber für den Laien, der so etwas auf der Webseite findet und deshalb einen Besuch startet, ist Enttäuschung vorprogrammiert.

3.

Sisi Museum in der Hofburg

Hier vermute ich eher eine Touri-Attraktion im Stile von Madame Toussaud, aber wahrscheinlich tue ich dem Museum unrecht? Die ausgestellten Kleider sind offenbar Reproduktionen, gilt das auch für die Accessoires? Gibt es für ernsthaft an Textilien (und nicht vorrangig an Sisi) Interessierte genug zu sehen?

4. Wiener Werkstätte – Museum

So ein Museum soll es laut Tripadvisor und Wikipedia bei der Firma Backhausen geben? Auch andere berichteten mir davon, dass bei der Weberei, die in langer Tradition die Stoffe der WW herstellt,  ein Ausstellungsraum sei. Auf der Webseite ist nichts darüber zu finden. Wer weiß mehr?

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Das wären nun meine vier Adressen gewesen. Fehlt etwas in der Liste? Mir ist aufgefallen, dass in der Stadt das textile Handwerk an vielen Stellen präsent ist. In der Stadt waren viele alte Schriftzüge für Schneidereien, Textil- und Ledermanufakturen waren noch erhalten.

Nahe der Hofburg fand ich dieses Spezialgeschäft für klitzekleinen Kreuzstich, eine Mode aus der Kaiserzeit Maria Theresias. Kunden scheinen hauptsächlich Russen und Japaner zu sein.

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Der Webseite eines anderen Geschäfts zufolge wird das Petit Point auf Seidengaze mit Halbkreuzstich gestickt. Es braucht eine Lupe, um 11 bis 22 Stiche auf einen Laufzentimeter zu setzen, 361 Stiche pro Quadratzentimeter. Die Preise für die Taschen, Börsen und Schmuckstücke reichen von 20 bis Tausende Euro.

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Viel mehr habe ich nicht zu berichten.  Ich hätte auch so gern noch andere Kaffeehäuser wie das schon erwähnte Sperl probiert, in denen jeden Moment meine Großmutter durch die Schwingtür kommen könnte. Eine schöne Erinnerung bleibt mir an das Restaurant Skopik + Lohn vom ersten Abend, wegen des Innendesigns und des Essens. Und an unsere Unterkunft. Urbanauts wandelt ehemalige Gewerbeflächen zu Hotelzimmern um. Sehr instagramtauglich, zur Freude der mitreisenden Jugend.

Auf jeden Fall eine gute Erfahrung war die Anreise mit dem Bus Berlin-Prag. Ich bin eigentlich schon mein Leben lang Bahnfan, aber in den letzten Jahren ist für mich keine Bahnreise mehr nach Plan verlaufen und ich habe komplett das Vertrauen verloren. Verspätungen, Ausfälle, verpasste Anschlüsse, falsche Auskünfte, verfallene Reservierungen – es war nur noch Stress. Wie viel einfacher ist es nun, hier in Berlin in einen Fernbus zu steigen (den man super bequem per PC buchen kann) und direkt zum Ziel gefahren zu werden, mit Sitzplatz, WLan, Filmen, Musikangebot, netten und entspannten Mitreisenden. Nicht zu vergessen zu einem Bruchteil des Bahnpreises. Keine Ahnung, wie das für die Bahn enden soll, da wird sich sicher noch einiges bewegen.

Soweit meine Wien-Schnipsel, nun hoffe ich sehr, dass ihr Tipps für meinen nächsten Wien-Besuch habt!

 

Kurzwaren: Links und Infos Nummer 14

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Zu viel herumgetänzelt, es hat sich ganz schön was angesammelt in meinem Kurznachrichten-Ordner. Daher heute nur die dringendsten Links und Infos zu Textilthemen.

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Ausstellung:  Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg,  In Mode. Kleider und Bilder aus Renaissance und Frühbarock

gnm    bis 06.03.2016

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Ausstellung:  Deutsches  Hygiene-Museum, Dresden,  Fast Fashion – Die Schattenseiten der Mode
bis 3. Juli 2016    (Gastausstellung des MKG Hamburg)

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Ausstellung: Textilfabrik Cromford, Ratingen, LVR Industriemuseen
Die Macht der Mode. Zwischen Kaiserreich, Weltkrieg und Republik
bis 30.10.2016

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bis 3. April 2016 verlängert: Haus der Geschichte, Stuttgart
Auf nackter Haut – Leib. Wäsche. Träume.
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20 Ausstellungen zu Modethemen in 2016 weltweit – Top 20 Fashion Exhibitions in 2016!

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In Lyon soll das wichtige Textilmuseum Musée des Tissus de Lyon eingespart werden. Gegen die Schließung haben schon über 80.000 eine Petition unterzeichnet:

NON À LA FERMETURE DU MUSÉE DES TISSUS DE LYON

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Filme, zur Zeit im Kino:

Carol

Danish Girl

True Cost

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Am Sonntag ist wieder Stoffspielerei, Thema ist  „Perlen“ und Frifris sammelt alle Beiträge. Sie hat als Inspiration vorab Buchtipps und Videoempfehlungen zum Thema Perlen und Textilien gepostet.

Die nächsten Stoffspielerei-Termine

31. Januar: „Perlen“ bei frifris
28. Februar: „Es war einmal ein Tuch“ hier bei mir, Suschna
27. März: „Verschlungen und verflochten“ bei Griselda  

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Und nun möchte ich die Leser meines Buches – Verflixt und Zugenäht! – noch um Mithilfe bitten. Falls ihr Schreib- oder andere Fehler gefunden habt: Jetzt wäre der Moment, mir das mitzuteilen, ich kann das dann in der 2. Auflage korrigieren. Größere Eingriffe in den Text oder das Layout sind nicht möglich, es muss ja dasselbe Buch bleiben. Aber Kleinigkeiten oder Formalien kann ich anpassen. Falls euch etwas aufgefallen ist, gern Info per Mail oder hier in den Kommentaren. (Auch über sonstige Kritik/Verbesserungsvorschläge freue ich mich natürlich, das nutzt mir dann für die spätere Buchprojekte.)

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Eislaufabbildungen aus: Skating with Bror Meyer, 1921

Einwandern und Auswandern

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Mehr als 16 Millionen Menschen erreichten zwischen 1892 und 1954 die Einwanderungsstation Ellis Island in den USA. Die kleine Insel vor New York wurde auch „Insel der Tränen“ genannt, weil sich dort entschied, ob man einreisen durfte oder in die Heimat zurückkehren musste. Ein Mitarbeiter der Einwanderungsbehörde, Augustus Sherman, begann 1905 damit, die Neuankömmlinge zu fotografieren. Der Amateurfotograf inszenierte die Bilder sorgfältig und bat die Menschen, ihre mitgebrachten Trachten anzulegen.

Der Kleidung nach kommen die drei niederländischen Frauen aus der Provinz Zeeland und sind, das zeigt die Form der Hauben, protestantischen Glaubens.

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Die zwei Rechtecke, die da Biene-Maja-artig vorn am Kopf zu sehen sind, gehören zu metallenen Kopfspangen, mit denen die Hauben gehalten wurden. Im Met-Museum gibt es ein ähnliches Stück aus Silber zu sehen.

Ein exotischer Einwanderer aus Bayern posiert ebenfalls für den Fotografen:

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nKinder aus Lappland

g hFrau aus Italien

h Frau mit Kindern, Slowakei

jjDeutscher blinder Passagier

Alle Bilder: The New York Public Library Digital Collections, Augustus Sherman

Zu dieser Migrationsgeschichte gibt es ein tolles Museum, ein Erlebnismuseum für die ganze Familie: Das Deutsche Auswandererhaus in Bremerhaven. Über 7 Millionen Menschen starteten im letzten und vorletzten Jahrhundert von der Nordseeküste in Bremerhaven nach Übersee. Im Museum wird man am Anfang des Rundgangs zu einer dieser Millionen Menschen und verfolgt die individuelle Auswanderungsgeschichte. Man wartet in der Wartehalle, steht am Kai bei der Verabschiedungsszene, ist auf dem Schiff unterwegs.

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Am Ende kommt man in Ellis Island an, muss die Registrierung zwischen Käfigwänden abwarten, bis sich einem das Grand Central Terminal in New York öffnet.

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Auf einer zweiten Reise geht es dann im Jahr 1973 weiter, Deutschland hat gerade den Anwerbestopp für Gastarbeiter beschlossen. Der Besucher wird zu einem Einwanderer in Deutschland und folgt einer von 15 Biographien.

In der momentanen Situation hilft es sehr, sich immer wieder der Geschichte zu erinnern. 1907 wurden täglich bis zu 5.000 Einwanderer auf Ellis Island registriert. 1992 hat Deutschland 400.000 Asylanträge bewältigt. Dieses Mal werden es sehr viel mehr, ja, aber ein Grund für Angst? Seit einem Jahr lebe ich in Laufweite verschiedener Notunterkünfte, in denen Platz für inwischen mehr als 2.500 Menschen ist. Wenn ich nicht hin und wieder dort mithelfen würde, hätte ich im Alltag kaum etwas von dieser Veränderung bemerkt.

Als Mutmacher nehme ich Artikel wie diesen: „Flüchtlinge in einer Kleinstadt – Lüchow schafft das„.  Nürnbergs Oberbürgermeister hat in einem Gastbeitrag im Tagesspiegel  vernünftige Vorschlägen, wie es gehen könnte. Er zitiert dazu den Soziologen Bude:

Wer Angst hat, verkennt das Wirkliche, vermeidet das Unangenehme und verpasst das Mögliche.

Einfacher noch ein Motto aus dem Auswandererhaus, dem ich hier folgen will:

Aus Angst wird Neugier.

 

 

 

Parkbilder über den Atlantik

Dame mit Tasse in Boston, 1895–97

1906 125 Berliner Dame mit Tasse, 1906

Im Mai gab es hier Parkbilder aus Berlin um 1900 zu sehen. Nun bin ich beim MetMuseum auf Aquarelle des us-amerikanischen Postimpressionisten Maurice Prendergast gestoßen, der um die Jahrhundertwende ebenfalls Szenen im Grünen eingefangen hat, nur eben auf der anderen Seite des Atlantiks. Mir gefallen die Aquarelle sehr gut. Ich musste sofort an die Berliner Aufnahmen denken. Die Fotos in Schwarz-Weiß wirken im Vergleich zur Malerei so gedrückt. Freude, frische Luft und Leichtigkeit ist schwer vorstellbar. Die Aquarelle des amerikanischen Malers geben vielleicht eine Ahnung davon, wie bunt und lebendig die sommerlichen Stunden auch in Berlin gewesen sein könnten. Daher nachfolgend eine kleine Gegenüberstellung aus beiden Welten.

Maurice Prendergast, Pedestrians in a Park, 1900-1903

Spiele auf einer Landpartie, Berlin 1901

1902 157

Auf dem Schoß in Boston, 1895–97 (Large Boston Public Garden Sketchbook)

Auf dem Schoß im Berliner Zoo, 1904

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Kinderwagen im Park in Boston, 1895–97

Kinderwagen im Berliner Tiergarten, 1898

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Unterwegs mit dem Dreirad, Boston, 1895–97

Kinderkarre in Berlin 1904

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Parkbänke mit Mädchen und Frauen. Ob die Dame in den USA mit Sonnenschirm und Handschuhe die Mutter ist? Auf der Berliner Bank im Zoo könnte es auch das Kindermädchen sein, das die Zeit zum Häkeln nutzt.

1904 134 (3)1904

Teiche und Fontänen

1904 halensee

Nach dem Spaziergang im Lokal trinken und rauchen die Herren mit ihren Zylindern auf dem Kopf, hüben wie drüben.

Frau vor einem Café, Boston,  1895–97

In der Holländischen Likörstube, Berlin 1904

1904 bar

Schade, dass sich die Berliner Fotos nicht lebendiger machen lassen. Man könnte sie ja colorieren, aber das sieht eigentlich immer blöd aus. Vielleicht haben ja für heute die Aquarelle aus Übersee ein bisschen abgefärbt.

Alle Aquarelle:

Maurice Brazil Prendergast (American, St. John’s, Newfoundland 1858–1924 New York), via MetMuseum. (Bis auf das erste Bild alle Skizzen aus Large Boston Public Garden Sketchbook, 1895–97, Link=Klick aufs Bild). Derzeit läuft im Museum auch eine Ausstellung mit Prendergasts Bildern.

Alle Fotos:

Zeitschrift Berliner Leben bei der ZLB, die Zentral- und Landesbibliothek Berlin.

P.S.

Ist zum Glück kein Aquarell: Das ganze Foto der Berliner Dame mit Tasse (oben im Beitrag als Ausschnitt). Frau Kammersänger Rothmühl ist in der Sommerfrische in Marienbad. Mit Ehemann, Flock, Flick, Lady und Bijou.

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