Documenta 2017, eine Enttäuschung

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Alle fünf Jahre findet in Kassel die große Kunstschau Documenta statt, alle fünf Jahre pilgere ich hin. Beim letzten Mal, im Herbst 2012, schrieb ich begeistert : „Diese Documenta wird mir lange in Erinnerung bleiben. Jede Menge Aura, Magie, Poesie, auch im Schrecklichen.  … Sehr menschenfreundlich und hoffnungsvoll.“

Dieses Jahr kann ich sagen: All das ist die aktuelle Documenta auf jeden Fall nicht.  Nach stundenlangem gelangweilten Durchwandern halbdunkler Räume und Herumirren in tristen Kasseler Straßenzügen hätte ich mich am liebsten in die Betonröhren-Installation von Hiwa K hineingelegt und geschlafen. Von Kunstschülern schön eingerichtet, sollen die Röhren an Flüchtligscamps in Griechenland erinnern.

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Dieses Werk hat mich ausnahmsweise berührt, anders als zum Beispiel die Großinstallation daneben, der Parthenon der verbotenen Bücher.

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Die Konstruktion sieht auf Fotos toll aus, aber von Nahem besehen sind das nur unendliche Mengen an Plastikfolie. Immerhin können Schulklassen sich nun darüber unterhalten, warum da neben Kafka auch Harry Potter hängt.

Auch wenn ich enttäuscht war, will ich euch meine Fotos von (irgendwie) textilen Funden nicht vorenthalten.

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In koreanische Bettüberwürfe gewickelte Gebrauchtkleidung (Komsooja), die Idee wäre gut zuhause mit eigenen Kleiderbergen umzusetzen.

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Von Navayo-Weberin Marilou Schultz gewebte Schaltkreise, (rechts in Auftrag gegeben von Intel Corp, 1994).

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Schlüpfer in Metall gegossen (Sprinkle/Stephens).

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Halbfertige Stickbilder (Bertille Bak). Ich habe vergeblich versucht herauszufinden, was es damit auf sich hat. Die Künstlerin ist noch nicht einmal im Künstlerverzeichnis der Documenta gelistet. (Edit: Wahrscheinlich weil das Werk im Fridericianum hängt, wo die Sammlung des Athener Kunstmuseums EMST ausgestellt wird, also nicht direkt „Documenta -Kunst“?) Sympthomatisch, vieles in den Räumen wirkt beliebig irgendwo hingestellt, Informationen gibt es kaum, zum Teil sind sie falsch übersetzt.

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Bei diesen Collagen mit Ausschnitten aus Handarbeitsanleitungen (Katalin Ladik) habe ich erst jetzt gemerkt, dass eigentlich Tonspuren dazugehörten.

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Schreibmaschinenkunst – erinnerte mich an Strickmuster.

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Performance auf einem schön flauschigen rosa Teppich. Für das bisschen Sinnlichkeit und Lebendigkeit war man gleich ganz dankbar.

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Bilder von Zeltaufbauten über Autodächern (Edi Hila) – auch die haben mir gut gefallen.

Auf die mit Jutesäcken verhüllten Torhäuser (Ibrahim Mahama) hatte ich mich gefreut, aber irgendwie sprang auch hier kein Funke über, alles schlaff, grau, langweilig.

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Jutesäcke, Rohstoffhandel, Nord-Süd, Ausbeutung, Kolonialismus, diese Symbolik kann man sich schnell übersehen, besonders wenn sie einem in der Documenta-Halle als Maluntergrund noch extra ins Gesicht gedrückt wird.

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Unmotiviert hingen auch die langen roten Wolltücher der Chilenin Cecilia Vicuña herum, zu nah an dem langen feingestickten Schneebilderband der Schwedin Britta Marakatt-Labba, das viel Interesse fand.

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Wie schön, dass so ein recht konventionell gearbeitetes Textilstück Aufnahme bei der Documenta finden konnte – wohl weil es um die Kultur und Geschichte der Sami geht.

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Einiges zu erzählen gäbe es über die Indigo-Kunst des Afrikaners Aboubakar Fofana. Leider erfährt man vor Ort in der Ausstellungshalle kaum etwas zu den Pflanzen und Textilien. Wahrscheinlich genügte auch hier das Auswahlkriterium „exotisch, hat irgendwie mit Unterdrückung und Vertreibung zu tun“. Echtes Interesse sieht anders aus.

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Nachträglich fand ich die kurze ARD-Reportage Der Magier des Indigo-Blau , in dem Fofana die Stoffbahnen für die Documenta färbt.

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Zu sehen sind dort auch die 54 blaubgefärbten Schafe, die Fofana an den zweiten Documenta-Schauplatz in Athen mitgebracht hatte – für jedes afrikanische Land eins, natürlich als Symbol für Flucht und Migration. (Wegen der Schafe hat Fofana in Athen nun mit Tierschützern ordentlich Ärger bekommen – sie sehen die Tiere „erniedrigt“, ein schöner Dreh in der Sache).

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Nach all dem tat es gut, abends im Kasseler Bahnhof vor der Rückfahrt nach Berlin ganz normale Alltagstauben zu beobachten. Fazit des Tagesausflugs: Einiges Interessantes habe ich gesehen, aber das war keinesfalls sechs Stunden im Zug wert. Schade! Das nächste Mal lese ich erst die Besprechungen, dann überlege ich, ob ich mich auf den Weg mache. Falls jemand von euch noch hinfährt oder schon da war: Es würde mich freuen zu hören, wie ihr es empfunden habt.

Versuch, die Schönheit alter Jeans zu sehen (Stoffspielerei Mai)

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Bademöglichkeit am stillen See. Dank des sommerwarmen Maiwochenendes und guter Freunde mit Datsche kann ich ganz in meine Lieblingsfarbe eintauchen. Dazu passt Griseldas Thema für die Stoffspielerei* im Mai: „Blau in allen Schattierungen – Von Denim inspiriert“. Weil mir das verwaschene Jeansmaterial stellenweise wie gemalt vorkommt, habe ich ein bisschen experimentiert.

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Griselda zeigt in ihrem Beitrag schön, welches Potential in den unterschiedlichen Kett- und Schussfäden liegt. Sie hat sich den Franseneffekt für ein tolles Kleid zunutze gemacht. Bei mir werden vielleicht Gräser oder Bäume daraus. Das verwaschene Indigo ergibt aufgetrennt dann Shibori-Effekte.

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Die Fäden lassen sich auch leicht kontrolliert herausziehen, die Hohlräume mit neuem Material durchweben, wie zum Beispiel einer Kiefernnadel:

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Solche Löcher sehen nach dem Waschen bestimmt noch viel besser aus.

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Bei dieser Struktur denke ich an einen dunklen Teich oder auch einen Himmel mit Regenwand. Für den Vordergrund machen sich Taschenbeutel flach.

Welches Jeansstück es an die Wand geschaft hat, könnt ihr euch wahrscheinlich denken.

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Ich hoffe aber, man vergisst das Hosenbein und denkt eher an ein Aquarell. (Hätte ich auch im Programm, ist aber schon bald zehn Jahre her, Ostsee mit Gewitterwand. )

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Mit den ausgezogenen Fäden kann man schön herumspielen, da weiß ich aber noch nicht, was ich davon halte.

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Kultur-Quizwissen nachzuschieben erspare ich mir, es ist einfach zu schön draußen. Wahrscheinlich wisst ihr ohnehin schon längst, woher die Worte Denim und Jeans kommen und wie lange es den Stoff schon gibt. (Oder ich füge es noch an, sollte der Sonntag weniger strahlend enden als er angefangen hat).

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Andere Jeansexperimente sind bei Machwerke zu sehen, vielen Dank für das Sammeln! Nächstes Mal, am 25. Juni,  geht es schon wieder um Farben. Lucy/Nahtzugabe hat das Thema „Schwarz und Weiß“ ausgesucht. Da mache ich vielleicht gleich weiter mit meinen kleinen Bildern.

Nächste Termine Stoffspielereien:
Sonntag 25. 6. –  Nahtzugabe, Thema: Schwarz und Weiß

Juli/August    Sommerpause

Sonntag 24. 9. –  Siebensachen, Thema: Von der Natur inspiriert

Sonntag 29. 10. –  123-Nadelei, Thema: Fäden auf Farbe


*Die monatliche Stoffspielerei ist eine Aktion für textile Experimente. Sie ist offen für alle, die mit Stoff und Fäden etwas Neues probieren möchten. Der Termin soll Ansporn sein, das monatlich vorgegebene Thema soll inspirieren. Jeden letzten Sonntag im Monat sammeln wir die Links mit den neuen Werken – auch misslungene Versuche sind gern gesehen, zwecks Erfahrungsaustausch.

Insignien des Mittelstands

Mein Kochtopf ist auf der Tapisserie eines Turner-Preisträgers verewigt, mein Handy und mein Wandspiegel auch. Das ist kein Zufall, denn der britische Künstler Grayson Perry beobachtet den Lebensstil verschiedener Bevölkerungsschichten ganz genau.

Die sechs Teppiche der Serie „The Vanity of Small Differences“ (Eitelkeit der kleinen Unterschiede) von 2012 sind in der Gesamtschau zum Beispiel hier zu sehen. In Sachen Hausrat gibt es viel zu entdecken. Kochtopf und Sonnenspiegel habe ich auf dem vierten Teppichbild wiedergefunden (The Annuciation of the Virgin Deal), das den Geschmackskanon der urbanen liberalen Schicht durchspielt, bei uns auch Bionade-Biedermeier genannt.

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  • Le Creuset, gusseiserner Topf
  • Aga-Herd in Cremegelb,
  • Fliesen à la Pariser U-Bahn
  • Französischer Espressokocher
  • Drahtkorb mit Eiern
  • Kleidung in geometrisch-bunten Mustern, glatte blondgesträhnte Haare im Bob, Smartphone (she tweets)
  • Sonnenspiegel
  • Tafelfarbe (He’s calmer since his mother died)
  • Motto-Handtuch.

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  • Kaffeepresse
  • Literaturmotto-Becher (Class Traitor)
  • Mexikanischer Totenkopf
  • poppig bezogenes Antiksofa
  • Müll-Recyclingbereich
  • CathKidston-Tasche
  • I-Pad
  • Organic-Home-Made-Local Eingemachtes mit Stoffhaube.

Einiges davon habe ich natürlich auch.

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Die Szenenfolge der Tapisserien wiederholt die alte Geschichte von Hogarths The Rakes Progress, es geht um den Aufstieg und Fall eines jungen Mannes. Grayson Perrys Version ist nicht nur voller moderner Anspielungen, auch alte Kunst wird zitiert. Der Lilienkrug zum Beispiel kommt von einer altniederländischen Verkündigungszene. Mit den Birkenstocks und dem Sonnenspiegel spielt Grayson Perry auf das Gemälde  Die Arnolfini Hochzeit an, hier wie dort sollen diese Details Wohlstand zeigen.

Jeder Wandteppich ist 2 mal 4 Meter groß. Die Teppichbilder wurden in Belgien auf einem Jacquard-Webstuhl nach digitalen Vorlagen gefertigt.

Die Farben sind in feinsten Garnmischungen umgesetzt.

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In den Szenen wird die Mittelklasse nicht nur durch den Bildungsbürger mit dem Guardian auf dem Holztisch repräsentiert, nein, Grayson Perry interessiert sich genauso für diejenigen, die mit ihrem SUV lieber Golf spielen gehen. Er nennt das „Bling vs Books“ – die Geschmacksunterschiede bestehen nicht zwischen Arbeiter- und Mittelschicht, sondern innerhalb der Mittelschicht selbst: “The important taste divide in British life is not between working-class and middle-class taste but within the different tribes of the middle class itself”.

Die Codes des nicht so bildungsbürgerlichen Mittelstandes: rot gefärbte Rod-Stewart Frisur, übertriebenes Rouge, Ohrklunker, Animalprint, Tätowierung.

Ausschnitt aus Expulsion from Number 8 Eden Close

Mich interessiert dieses Thema, weil hier in meiner Mittelklasse-Wohngegend zwei unterschiedliche Geschmacksgruppen koexistieren. Einmal eben das grün wählende Bionade-Biedermeier mit Zeitung im Briefkasten, Biogemüsekiste, Stühlen vom Flohmarkt und eigener Bienenzucht. Dazu kommen nun (oft osteuropäisch verwurzelte) „Neuwohlhabende“, die sich den Kaufpreis ihres Eigentums auf jeden Fall selbst erwirtschaftet haben, mit ihren SUVs das denkmalgeschützte Mosaikpflaster der Fußwege beim Wenden zerpflügen, uralte Bäume für Rollrasen roden und hohe Gitterzäune neben die verwunschene Buchenhecken des Nachbarn setzen. Da ich mich, wie sich der aufmerksame Leser denken kann, eher zur ersten Gruppe zähle, musste ich im Lauf der Zeit lernen, meine Vorurteile u.a. gegenüber blondierten gelifteten BlingBling-Frauen abzubauen. Inzwischen schäme ich mich meines Bildungsbürgersnobismus, der blind für ein Multikulti ist, das nicht im Hijab sondern mit Pelzkapuze daherkommt. Ich könnte nicht mehr mit Häme und Selbstgerechtigkeit (wie zum Beispiel oft die Empöreria auf Twitter) über eine Frau herfallen, deren Geschmacks- und Weltbild dem meinen nicht entspricht. Diese Milde habe ich ein bisschen auch der Menschenfreundlichkeit von Grayson Perry zu verdanken, der gern und eloquent in Dokumentationen und Interviews über seine Gedanken spricht.

Leider muss man Englisch können, um mehr über diesen tollen Mann (der auch in Frauenkleidern auftritt) zu erfahren. Auf Youtube gibt es mit ihm eine ganze Reihe Filme. Ihm zuzuhören, finde ich sehr tröstlich. Er ist weise und warmherzig, ein guter Beobachter und Analyst. Er weist auf Dinge hin, die da sind, die aber noch keiner gesehen hat. „Vogelperspektive auf die Kultur, in der wir leben“ wurde über ihn gesagt. Er: „Als Künstler ist es mein Job, Dinge zu bemerken“.

Die Tapisserie-Szenen gingen in Großbritannien auf Tour und sind jetzt gerade in Kiew ausgestellt, außerdem gab es zur Entstehung eine TV-Serie mit Grayson Perry in 3 Episoden, zum Teil auch bei Youtube zu finden.

„And if one message comes out of the whole series, it’s that good taste is that which does not offend our peers, our group” – Guter Geschmack ist, wenn es denen gefällt, zu denen wir gehören wollen.

Falls eure Peergroup Konfitüre mit Stoffmützen mag: Nahtzugabe hat dazu vor Kurzem ein Bastelset gefunden.

Nun genieße ich noch etwas frischen Ingwertee in einer japanischen Teeschale, esse dazu Rote-Beete-Chips und blättere im Ottolenghi-Kochbuch. Im Moment kann ich ohnehin nicht weg, mein Hollandrad ist von einem Porsche Cayenne zugeparkt.

 

Stoffspielerei im Oktober: Spitzenplastik

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KaZe ist heute Gastgeberin der Stoffspielerei*.  Als Thema hatte sie sich Spitze überlegt. Mein Beitrag dazu ist Spitze aus Kunststoff in zwei Varianten.

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Wenn man Spitze+Plastik in die Suchmaschine eingibt, dann kommt der Vorschlag „spitze, plastikgabel verschluckt„. Versucht man es mit Spitze+Plastiktüte wird ein Artikel zum Thema Müll angezeigt, bei dem die „Plastiktüte nur die Spitze des Eisbergs“ ist. Ansonsten: Nichts. Auf Englisch landet man aber irgendwann bei Laura Ann Marsden, die mit einer secret technique wunderschön filigrane Gebilde aus Plastiktüten herstellt.

Geheime Techniken herauszufinden reizt besonders, finde ich. Also nahm ich eine dünne weiße Plastiktüte vom Wochenmarkt (die heißen in der Fachsprache übrigens Hemdchentragetasche und kosten 0,01 Cent prot Stück im Großeinkauf). Den Beutel schnitt ich in ca. 1 cm breite Streifen und knüpfte aus den Streifen ein einfaches Maschennetz.

Anschließend zwischen Backpapier vorsichtig bei mittlerer Hitze mit dem Bügeleisen ein bisschen schmelzen lassen, das war alles.

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Beim Vorbild ist natürlich alles unendlich viel feiner, da ist enormer Raum nach oben. Aber fürs Erste ist mein Forscherdrang gestillt.

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Mein zweiter Beitrag ist ein weiterer Versuch, Kunst mit Kunststoff nachzumachen.

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Bei der schon erwähnten Ausstellung Proportio im venezianischen Palazzo Fortuny sah ich einen wunderbaren Streifen  Gitternetz (Aldo Grazzi), in dem mit einer Schere das Muster fein säuberlich herausgeschnitten worden war.

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Also nahm ich ein Mückennetz von unserem Fenster und setzte mich mit einer Stickschere hin. Die Idee war, ein Kreuzstichmuster als Vorbild zu nehmen. Aber, oje, was dauert das furchtbar lang. Jedes kleine Gitterchen muss herausgetrennt werden. In allerkürzester Zeit verlor ich die Lust, wie man bei der Blume unten rechts sehen kann, die ist frei geschnitten, ohne Berücksichtigung der Quadrate.

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Das Mückennetz ist hin. Vielleicht mache ich es nächstes Jahr lieber wie diese Dame auf dem Bild The Mosquito Net von John Singer Sargent.

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Soweit meine zwei nicht übermäßig erfolgreiche Versuche. Gleich schaue ich mir in Ruhe an, was die anderen aus dem Spitzenthema gemacht haben. Die Links sind bei  Karen zu finden, die heute Spitzendeckchen unter Druck setzt.

Vielen Dank!

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Die monatliche Stoffspielerei ist eine Aktion für textile Experimente. Sie ist offen für alle, die mit Stoff und Fäden etwas Neues probieren möchten. Der Termin soll Ansporn sein, das monatlich vorgegebene Thema soll inspirieren. Jeden letzten Sonntag im Monat sammeln wir die Links mit den neuen Werken – auch misslungene Versuche sind gern gesehen, zwecks Erfahrungsaustausch.

Der weitere Plan bis Jahresende:
29. November  – Nahtzugabe – Thema Folklore
27. Dezember – WINTERPAUSE

Bilder von der Biennale Venedig

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Flaggen nicht mehr existierender Länder im serbischen Pavillon der Biennale di Venezia 2015. Liegt auch dabei: Repubblica Democratica Tedesca, 1948-1990. (Ivan Grubanov).

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Farbige Erdproben, aus den Lagunen um Venedig und von anderswo (Herman de Vries, Niederlande)

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Publikumsliebling: Leuchtende Grotte aus gespannten Wollfäden im japanischen Pavillon. Am roten Garn hängen Zehntausende Schlüssel, auch in Berlin gesammelt. (Chiharu Shiota).

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Mediterrane Sonne und das Wasser um die Festung Europa haben dieses lichtempfindliche Paper in ein leuchtendes Blau gefärbt. (Runo Lagomarsino). Ich weiß nicht, ob das Verfahren hier benutzt wurde, aber wunderbare Blautöne ergibt die Cyanotypie, die Nahtzugabe und andere schon auf Stoff probiert haben.

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Mit Namen und Daten bestickte Kopftücher sind in Ländern Lateinamerikas ein Zeichen des Protests von Angehörigen Verschwundener. Die Madres de Playa da Mayo prangern seit den 1970er Jahren in Argentinien das Verschwinden ihrer Kinder in der Militärdiktatur an.

DSC00108 Mal wieder ein beeindruckendes Fotoprojekt von Andreas Gursky. Hier war er in der Fabrik, in denen die bekannten Ikea-Gartenstühle für 24,99 Endpreis geflochten werden. Ich hatte mich schon immer gefragt, wer die macht. Einer der Korbstühle verrottet gerade bei uns im Garten. „Handgeflochten, jedes Möbelstück ist einzigartig“ werden sie beworben.DSC00114

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Wesen aus zerrissener Militärkleidung gestrickt. (Fiona Hall, Australischer Pavillon.)

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Auf traditionellen Webstühlen in Italien hergestellte Stoffe, mit Mustern und Materialien, die aus der ganzen Welt kommen. (Venezianischer Pavillon).

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Ansonsten war dieses Mal auf der Biennale alles so mau und lieblos, dass wir nur einen Tag durchgehalten haben. Viele Installationen, Videos und Projekte waren schon „out of order“, obwohl die Kunstschau eigentlich noch einen Monat läuft.

Dafür lohnt sich dann um so mehr der Palazzo Fortuny, wo Axel Vervoort alle zwei Jahre eine Zen-Zauberwelt schafft, dazu hoffentlich anderes Mal mehr.

DSC00199Makramee in modern (Arthur Duff)

Kostenlos und auf jeden Fall immer interessant wegen der Räumlichkeiten, die man sonst nicht zu sehen bekommt: Die vielen in der Stadt verstreuten Länderteilnahmen, wie hier ein Beitrag aus Azerbaijan in einem Palazzo direkt am Canale Grande.

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Falls jemand an praktischen Tipps für Venedig interessiert ist:

Wir sind mit Easyjet angereist, Unterkunft über AirBnB. Dann kann man sich selbst mit Essen versorgen und ist nicht von den Restaurants abhängig, die durchweg Mittelmaß für viel Geld anbieten. Englisch geht inzwischen überall. Die Vaporetti, die Wasserbusse, sind für Touristen sehr teuer geworden (eine Fahrt 7,50), so dass Laufen angesagt ist. In den Supermärkten sind Blasenpflaster reichlich vorhanden. Tagsüber auf jeden Fall vermeiden: Die Gegend um Rialto und Markusplatz.

Immer gut informiert: Unterwegs in Venedig

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Stoffspielerei im Mai: Spirale à la Bourgeois

“Clothing is… an exercise of memory…
It makes me explore the past…
how did I feel when I wore that…”
—Louise Bourgeois

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KaZe ist heute Gastgeberin der Stoffspielerei*, als Thema hat sie sich Inspiration Kunst (mit Quellenangabe) überlegt.

Dem komme ich sehr gern nach. Meine Quelle sind die Fabric Works von Louise Bourgeois.  Über die  Textilarbeiten dieser französisch-amerikanischen Künstlerin (die mit den Riesenspinnen aus Metall) habe hier schon berichtet. Heute mein (fast) gelungender Versuch, einen Streifenstoff neu zusammen zu setzen.

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Das Ganze soll zum Beitrag vom letzten Monat passen. Der war auch schon von Bourgeois inspiriert.

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Ein früheres Stück fügt sich (in echt) farblich nicht so ein, aber vielleicht ja zukünftig, wenn mehr Seiten entstanden sind. Man kann die Rechtecke einzeln aufhängen oder zu einem Buch zusammenfassen, links habe ich schon einen Stoffrand zum Zusammenklammern vorgesehen.

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Im MOMA kann man sich Stoffbücher von Louise Bourgeois so nah heranzoomen, dass jeder Stich übergroß wird. Besonders gern mag ich  Ode à l Oubli, Ode an das Vergessen. Auf Leinenservietten mit dem Monogramm LBG (Louise Bourgeois Goldwater) sind sehr viele verschiedene textile Techniken zu entdecken. Man muss wirklich nah ran gehen. Ein scheinbar gewürfeltes Geschirrhandtuch ist in Wirklichkeit ein Patchwork aus Gazestoff, Ringe sind aufgerollte Strumpfabschnitte.

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Inzwischen habe ich mir  die im Internet verfügbaren Interviews mit Louise Bourgeois bzw. ihrem Assistenten Jerry (der verwaltet jetzt ihren Nachlass) angesehen und weiß, wie und warum diese textilen Arbeiten gemacht wurden. Zusammengefasst:

  • Erst in hohem Alter, sie war über 80,  sagte sie zu Jerry: Da lagert noch sehr viel Stoff und Kleidung von früher, hol mir das mal. Sie sortierte die Kleidung und (Aussteuer-)Wäsche nach Farben.
  • Sie hatte ein bisschen Wegwerf-Phobie. Vielleicht machte sie sich Gedanken, was mit den Textilien nach ihrem Tode passieren würde. Durch die künstlerische Nutzung überleben nun wenigstens kleine Stücke davon.
  • Erst seit den 90er Jahren trug Louise immer dasselbe (schwarze „Uniform“), vorher war sie auffälliger gekleidet. Sie mochte blau, weiß, pink.
  • Zuerst nähte sie die Stücke selbst, dann konnte sie die Aufgaben nicht mehr allein bewältigen und ließ nähen. Ihr Assistent meint, die Sachen von ihr seien aufgrund der gröberen Stiche gut zu erkennen :-)
  • Als Näherin wurde 1999 die Argentinierin Mercedes Katz ausgewählt, weil sie so hervorragend feine und regelmäßige Stiche nähen konnte. Sie arbeitete 6 Tage die Woche mind. 5 Stunden für Louise. Oft kamen noch Nähhilfen dazu. Mit Nähmaschine wurde auch genäht.
  • Louises Kindheit war textil geprägt, die Familie hatte einen Betrieb für historische Textilien, ihre Mutter war Spezialistin im Restaurieren. Ihr Vater war sehr modebewusst.
  • Der Vater und die gesamte Familienkonstellation (ihr Vater brachte seine Geliebte mit in die Familie, sie lebte als Louises Englischlehrerin mit im Haus) belasteten Louise derart, dass ihre gesamte Kunst davon bestimmt war. Vielen ihrer Motive liegen Kindheitsgeschichten zugrunde. Sie erzählte das auch detailreich und offen – irgendwann gibt es sicher ein Dekodier-Lexikon für ihre Kunst.
  • Viele Motive der Stoffarbeiten beruhen auf den Zeichnungen Louise Bourgeois. Beim MoMa z.B. werden die Parallelen im Werk aufgezeigt. Sie nannte die Stoffzeichnungen entsprechend auch „Fabric Drawings“.

Ich gebe zu, ich habe immer Hemmungen, Künstler nachzumachen. Schon gar nicht bin ich der Meinung, dass man sich mit solchen Kopien stolz in die Öffentlichkeit wagen sollte. (Ich habe eine richtigen Hass auf feixende Fälscher wie Wolfgang Beltracchi, die überhaupt nicht begriffen haben, was Kunst bedeutend macht. Die tatsächlich glauben, sie seien so gut wie ein anderer, nur weil sie den Stil täuschend echt nachahmen können.)

Aber am Ende dachte ich mir: Louise wäre es herzlich egal gewesen. Außerdem kann ich meine Stücke ja kurzer Hand zu einer Bewältigungsstategie erklären: Hiermit überwinde ich die Furcht, nicht originell zu sein!

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Jerry, der Assistent, sagt zu den Fabric Works: „Es geht um die Idee von Wiederherstellung, Versöhnung, darum, Dinge zusammenzuhalten angesichts eines drohenden Zerfalls“.

Was für schöne Worte, passend für alles Patchwork.  (Filmtipp am Rande: Zum Versuch, eine Familientragödie zu überstehen gibt es noch bis Mittwoch die wirklich berührende Doku „Die Folgen der Tat“ in der ARD-Mediathek zu sehen. Vor allem die Mutter der Ex-Terroristin Susanne Albrecht hat mich sehr beeindruckt.)

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Nun noch ein bisschen zur Praxis

Über die Machart schrieb ich schon 2013 in den Kommentaren:

„Das sind alles “Stoffkeile”, die dann kreisförmig aneinandergenäht wurden. Und zwar offenbar eher wie bei einer Applikation, nicht wie beim Paper Piecing. Beim Nachmachen würde ich es aber wie beim English Paper Piecing versuchen, das müsste gehen. Die Mitte dürfte aber ein Riesenproblem sein, die hat sie hier ja freundlicherweise abgedeckt.“

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Genauso habe ich es gemacht,

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und genauso ungenau ist es in der Mitte geworden. Was auf dem Foto nicht auffällt.

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Eine Spirale statt eines Spinnennetzes. Unfreiwillig, aber eigentlich besser so, da gibt es einen Ausweg.

Später schaue ich mir in Ruhe an, was die anderen aus dem Thema gemacht haben, freue mich schon. Die Links sind bei  Karen zu finden.  Vielen Dank!

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Die monatliche Stoffspielerei ist eine Aktion für textile Experimente. Sie ist offen für alle, die mit Stoff und Fäden etwas Neues probieren möchten. Der Termin soll Ansporn sein, das monatlich vorgegebene Thema soll inspirieren. Jeden letzten Sonntag im Monat sammeln wir die Links mit den neuen Werken – auch misslungene Versuche sind gern gesehen, zwecks Erfahrungsaustausch.

Der vorläufige Plan für die nächsten Monate, kurzfristige Terminänderungen sind möglich:
28. Juni            Frifris    Thema Knöpfe
26. Juli         SOMMERPAUSE

Gedenktag

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Draußen an der Schule sind die Flaggen heute auf Halbmast. Die meisten Schüler wissen nicht, warum. Mit dem Begriff Auschwitz können laut einer Umfrage 20 Prozent aller Deutschen unter Dreißig nichts anfangen.

Eva Fahidi, Auschwitz-Überlebende, sagt im Radio: „Es gibt nur ein einziges Ding auf der Erde, das wir nicht noch einmal haben können, wenn wir es verloren haben, das ist das Leben“. Sie sagt auch, es habe sie „entsetzlich erfreut“, dass man sie in den 1980er Jahren als Zeitzeugin wieder nach Deutschland eingeladen hat.

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Damals in den 1980er Jahren sitze ich im Büro der jüdischen Gemeinde meiner Heimatstadt. Der freundliche ältere Rabbi zerrt an einem Stapel großer Papierbögen, ganz unten in einem Büroschrank, begraben unter anderen Akten und Unterlagen. Er legt die handbeschriebenen Blätter auf den Tisch. Es sind die Deportationslisten der bis 1945 abtransportierten Juden. Seit damals bin ich scheinbar die Erste, die hineinschauen will.

Ich bin Schülerin und recherchiere das Schicksal der jüdischen Familien in dem Ort, in dem ich lebe. In dem auch meine Eltern, Großeltern und Urgroßeltern schon gelebt haben. Die Älteren wissen noch ganz genau, welche Geschäfte jüdisch waren, wer wo gewohnt hat – irgendwann waren sie nicht mehr da. Wo sind sie geblieben? Die Jüngeren, die Generation meiner Eltern, sind erstaunt, dass sie sich diese Frage noch nicht gestellt haben. Auch mein Geschichtslehrer, bärtiger 68er, ist verwundert, als ich ihm meine Projektidee präsentiere. Selbstverständlich darf ich das für den Leistungskurs erforschen.  Ich habe Glück. Es ist noch nicht lange her, da galt das „schreckliche Mädchen“ in Passau als Nestbeschmutzerin, weil sie in der Vergangenheit herumstocherte.

Über Monate interviewe ich Zeitzeugen, schaue Fotoalben an, durchforste die Adressbücher und Akten im Staatsarchiv, suche auf dem jüdischen Friedhof. Internet, Computer, Digitalkameras gibt es noch lange nicht. Zum Schluss sitze ich im Büro des Rabbis vor den Deportationslisten. Es wird klar: Diejenigen, die nicht rechtzeitig emigrieren konnten, sind alle tot. Bis auf eine Tochter, Rosa, sie hat das Lager überlebt. Später schreibe ihr in die USA, aber es kommt keine Antwort.

Der Rabbi hat andere Sorgen. Er fragt, ob ich nicht mitmachen möchte in der Gemeinde. Er braucht Nachwuchs.

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Was ich herausgefunden habe, schreibe ich mit der Schreibmaschine auf. Es erscheint noch ein Artikel in der Lokalzeitung, irgendwann richtet der AntifFa-Arbeitskreis einen Stadtrundgang zu dem Thema ein. Da bin ich längst weg. Andere nehmen sich der Sache an. Heute gibt es Stolpersteine und sogar ein Buch.

Und es gibt wieder Jugendliche, die lernen sollen, was damals geschehen ist. Dabei ist es inzwischen gar nicht mehr möglich, so wie zu meiner Schulzeit ins Detail zu gehen. Die Welt ist viel größer geworden, wir müssen so viel mehr Weltwissen beachten. Neue Länder, neue Fronten, neue Kriege, neue Verbrechen. In der Klasse meiner Tochter sitzen Kinder vieler Nationalitäten und vieler Religionen, Christen, Juden, Muslime. Jede Herkunft, jede Kultur hat ihre eigene Geschichte. Gerade sprechen sie viel über den Islam.

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Ich kann verstehen, wenn Jugendliche zwar vom Holocaust wissen aber mit dem Namen „Auschwitz“ nichts anfangen können und ich werfe das auch den Eltern und Lehrern nicht als Versagen vor. Für die ältere Generation ist das sicher schwer zu akzeptieren. Meine Tochter hat viel gelesen, wir haben geredet, Museen und Mahnmale besucht. Sie versteht das alles, aber es ist so unendlich weit weg und fremd, nicht real. So fern, wie einem die Zeit der Urgroßeltern eben ist. Wir haben damals alle „Nacht und Nebel“ in der Schule gesehen. Ich weiß nicht, ob dieser Film noch auf dem Lehrplan steht.

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Für mich bleibt das Thema emotional schwierig, gerade an Tagen wie heute. In den letzten Jahre bin ich regelmäßig zum Gleis 17 gegangen, einem Mahnmal hier in Berlin beim Bahnhof Grunewald, von wo damals viele Deportationen ausgingen.

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Über die Jahreszeiten habe ich dort Pflanzenteile gesammelt und sie aus Textilien nachgearbeitet.  Vielleicht blühte damals im Mai 1942 auch der Löwenzahn, vielleicht lagen schon im Herbst 1944 bunte Ahornblätter auf den nassen Gleisen.

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Daraus ist eine Installation geworden, die ich im letzten Jahr dann ausgestellt habe.  Die Jahre vorher sind in Internetnotizen festgehalten: What Remains. Meine Gefühle zu der Aktion bleiben ambivalent. Darf ich das überhaupt?

Konservieren hat etwas Unbarmherziges. Vielleicht ist auch das große Vergessen nichts als ein würdevolles Aufheben, wo sonst grausames Aufbewahren stattfindet.
K. Hagena

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Bei meiner Tochter in der Schule lesen sie gerade „Krieg: Stell dir vor, er wäre hier“ von Janne Teller. Ein kleines Büchlein, in dem die Kinder sich vorstellen können, sie seien im eigenen Land verfolgt. Deutschland ist eine faschistische Diktatur, Europa im Krieg. Sie müssen versuchen, sich in eine fremde Kultur zu retten, in der sie nicht willkommen sind. Ein sehr gutes kleine Buch, das ich allen Jugendlichen und Eltern empfehlen kann. Es hilft im Moment vielleicht mehr dafür dass „so etwas“ nicht noch einmal passieren kann, als zusätzliche Geschichtsstunden.  In der Sporthalle neben der Schule mit den Halbmast-Flaggen sind seit Dezember 200 Flüchtlinge untergebracht. Das gutbürgerliche Wohngebiet drumherum hat alle willkomen geheißen, der betreuende ASB war von der Hilfsbereitschaft der Anwohner überwältigt.

P.S.
Heute abend werde ich mir im Radio das Gedenkkonzert aus der Philharmonie anhören, in dem auch Geigen der Ermordeten erklingen werden. Die Hoffnung:

Wenn ihr Klang überlebt, sind auch die Seelen derjenigen nicht vergessen, die sie einst gespielt haben.

 

Tour de France textil

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Immer wieder schön: Vorhanglösungen in Frankreich

 

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Gotischer Bilderteppich: Die illuminierte Fassade der Kathedrale von Amiens. So bunt bemalt waren Kirchen im Mittelalter.

 

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Touristenattraktion und UNESCO-Welterbe: Teppich von Bayeux in der Normandie. Ein 60 Meter langer bestickter Fries aus dem 11. Jahrhundert. Für die Reise zu diesem Wunderwerk hatte ich im Rahmen der Familienverhandlungen einiges in die Waagschale geworfen.  Und war nach dem Besuch dann sauer.  Aber dazu ein anderes Mal mehr.

 

Salle Dentelle

Bild: MAHB Bayeux, Lizenz

 Spitzenherstellung in der Normandie – im Museum Baron Gérard, MAHB, in Bayeux lässt sich erahnen, was für unglaubliche Kunstfertigkeiten für das Verbinden der haarfeinen Fäden nötig waren. Mit vielen Schubladen zum Herausziehen, so wie man es sich als Bewunderer von Spitzenkunst wünscht.

Gustave Caillebotte im MAHB. Quelle: Wikicommons

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Rekonstruiertes Renaissance-Bett im Schlösschen Azay-le-Rideau nahe der Loire. Die verwendeten Textilien darf man auf der Schautafel anfassen.

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Schönes Buch zur Geschichte der Stoffe in Frankreich .  (Gebraucht günstig zu haben, z.B. abe-books).

 

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Prophet in Extase: Eine in der Romanik seltene Darstellung von bewegtem Faltenwurf und Spitzenbordüren, alles aus einem Steinblock gehauen. (Abtei in Souillac, Dordogne).

 

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Schneiderateliers, Nähcafés, Patchworkgeschäfte und -märkte in den abgelegensten Orten.  Dafür sucht man dann aber vergeblich nach Glühbirnen, Kaffeelöffeln oder Papierkörben.

 

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Kreuzstickende Besucherin auf einem Bauernmarkt in den Pyrenäen.

 

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Die Unabhändigkeitsflagge der Katalaner an einem Haus in den Pyrenäen.  Katalonien will ein eigenes europäisches Land sein – und schaltet dafür auch Kinowerbung hinter der französischen Grenze. Am 9. November soll über die Abspaltung von Spanien abgestimmt werden.

 

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Von den Pyrenäen in die Provence nach Avignon: Gefängniskleidung der ehemaligen Haftanstalt, die erst vor zehn Jahren geschlossen wurde. Momentan läuft dort die Ausstellung „La Disparition des Lucioles„. Die moderne Kunst in den Zellen kommt kaum gegen die Atmosphäre des Gebäudes an.

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Stickerei auf bedrucktem Stoff und Papier, Francesco Vezzoli, nach Ingres

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Tom Burr, Susan Blushing

 

 

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Loombands sind uns überall auf der Reise begegnet. Die ganze Jugend „häkelte“ diese Gummiarmbänder. Sind sie bei euch auch der letzte Schrei?  Zurück im kalten Berlin wirken sie aber irgendwie nicht mehr ganz so tragbar.

Soweit meine Textilfotos aus Frankreich. Mangels Internet kommen sie nun in geballter Form  Drei Wochen ohne Anschluss, das war auch mal ganz gut.

Aber nun freue ich mich wieder über mein und euer Onlinedasein.  Und weise zum Abschluss auf die französische Version der Great British Sewing Bee hin.  Ansonsten bis bald!

 

 

 

Gewebtes auf der Textile Art

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Bildweberei von Ruth Löbe

 

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Handweberei Sylvia Wiechmann

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Beate Baberske, Fensterbahn

 

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Kanteweberei von der Baobab Schule, Ghana

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Laima Oržekauskienė, Women in their Fifties. Handgewebt + Digitaldruck

Dieses Jahr habe ich mich sehr gefreut, dass ich auf der Textile Art in Berlin-Kreuzberg Fotos machen durfte! Endlich kann ich zeigen, was mir gefallen hat und fleißig verlinken. Leider hatte ich diesmal nur ganz kurz Zeit und bin über den Schwerpunkt Weben kaum hinausgekommen  –  allein da war schon so viel zu sehen.

Falls jemand Lust hat, alles, Weben, Sticken, Stricken, Klöppeln, Filzen und Posamentieren als Handwerksberuf zu lernen: Es gibt jetzt eine Ausbildung zum „Textilgestalter im Handwerk„.

Und hier ein Blick auf einen Teil meiner Einkäufe, alles aus Afrika.

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Mehr Bericht und Bilder, auch zum Gebäude, hier bei hehocra.

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Textiles bei Liebermann

Max Liebermann - Free Period in the Amsterdam Orphanage - Google Art Project

Freistunde im Amsterdamer Waisenhaus

Amsterdamer Waisenmädchen im Garten

Nähschule (Arbeitssaal) im Amsterdamer Waisenhaus

Als Max Liebermann 1876 in Amsterdam unterwegs war, entdeckte er im Hof des Bürgerwaisenhauses die mit Näharbeiten beschäftigten Mädchen. Mit Erlaubnis des Waisenhauses durfte er dort Studien anfertigen, nach denen später größere Gemälde entstanden.

Wenn man erst einmal anfängt, textile Bildmotive bei Liebermann zu suchen, findet man schnell mehr. (Links jeweils durch Klick aufs Bild).

Flachsscheuer in Laren

Flachsscheuer in Laren

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Spinnende Kuhhirtin

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Stopfende Frau am Fenster

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Die Netzflickerinnen

Die Nähmotive waren mir zuerst bei zwei Bildern in der Liebermann-Villa am Wannsee aufgefallen:

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Die Bilder sind ein gute Erinnerung daran, dass Nähen, Spinnen, Stopfen, Flicken damals harte Frauenarbeit war.

Oder, in den höheren Schichten, nützlicher Zeitvertreib.

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Im ganz gehobenen Bürgertum durfte man sich aber auch ruhend und lesend sehen lassen.

Ruhende, lesende Frau

Die Villa ist immer einen Ausflug wert. Vor allem, wenn, wie in meinem Fall,  der Mann sich ein paar Häuser weiter einen Angelverein gesucht hat.

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Da kann man seine neuen Herrenschuhe bildungsbürgerlich spazieren führen und muss nicht beim Bootestreichen oder Madenaufspießen zugucken.

Jetzt noch mal eben Off-Topic zur GBSB (wer das Finale gesehen hat):

Die GBSB  trieb mich ja zu allerhand Verschwörungstheorien. Die erste Aufgabe in der letzten Episode belegte meine These, dass P die C nicht mochte.  Und glaubt ihr, dass bei der letzten Aufgabe alles mit rechten Dingen zuging? Glaubt ihr ernsthaft, H hätte so ein Kleid allein hingekriegt? Wieso durfte sie etwas vorher  zuhause Gebasteltes mitbringen? Wieso gab es da Heißklebepistolen? Glaubt ihr, am Rande bemerkt, dass die Teilnehmer wirklich nichts wissen, wenn Freunde oder Verwandte als Models kommen? Uswusf

Disclaimer:  Mein Gehirn war (bis zum Wannseeausflug) vor lauter Candy Crush und „Sanft und Sorgfältig“-Podcasts ganz zugeraucht, tut mir leid.  Jetzt bin ich wieder die Alte und langweile mit Kunstgeschichte.  In dieser Art habe ich noch 43 angefangene Posts in meinem Entwurfsordner, viel Spaß also.

Einen schönen Sonntag und bis bald!