Top und Flop im Urlaub

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Brandneue Schuhe und uralte Katzenspuren. Nachfolgend eine geballte Ladung Urlaubserinnerungen – kann gern auch in kleinen Stücken genossen werden.

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Urban Crochet in Llanca, Costa Brava

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Dort wurden sogar Kajaks eingehäkelt – komischerweise aber nannten sie es Urban Knitting.

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Portbou

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Hier in der spanischen Grenzstadt gleich neben Frankreich nimmt sich 1940  der Philosoph Walter Benjamin in einem Hotel das Leben. Er fürchtet die Auslieferung an die Deutschen, seit sieben Jahren ist er bereits auf den Flucht vor den Nazis. Heute führen in seinem Gedenken Stufen endlos ins Meer – ein sehr beeindruckendes Denkmal.

Walter Benjamin beschäftigte sich auch mit der Mode, denn er war überzeugt davon, dass sich in ihr zukünftige Entwicklungen ablesen lassen:

„Jede Saison bringt in ihren neuesten Kreationen irgendwelche geheimen Flaggensignale der kommenden Dinge. Wer sie zu lesen verstünde, der wüsste im Voraus nicht nur um neue Strömungen der Kunst, sondern um neue Gesetzesbücher, Kriege und Revolutionen.“

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Häkelgarn ist so wichtig wie ein Taschenmesser

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Mein Knäuel leistete so gute Dienste! Die Hüte bekamen Bänder gegen das Wegfliegen im Tramontane-Wind, der Rock wurde mit dem Garn zur Hängegardine, der flatternde Sonnenschirm am Strand konnte an Steine gebunden und gesichert werden.

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Burkini

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Hin und wieder hatte ich W-Lan und konnte den Aufschrei verfolgen, der außerhalb Frankreichs durch den Burkini-Bann an französischen Stränden ausgelöst wurde. Vor Ort sah die Sache ganz anders aus und ich wunderte mich über die platte und verfälschte Berichterstattung im Ausland. Wieso will niemand wissen, was in Frankreich anders ist, warum ein so irrationales Verbot einen so breiten Konsens in einer eigentlich ganz vernünftigen Bevölkerung haben kann – nicht nur unter Rechten? Wenn ich das Verbot auch nicht gutheißen konnte, so konnte ich doch nachempfinden, warum die Menschen an der vom Terrorismus so hart getroffenen Mittelmeerküste jedenfalls im Moment am „Tatort“ keine Zeichen eines konservativen Islam sehen wollen, Pietät verletzt sehen. Aber das ist nicht alles, und mehr dazu sprengt hier den Rahmen…

tag5   Hotelkissen à la Louise Bourgeois – ein Zukunftsprojekt!

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Cloître Saint-Trophime in Arles mit in Stein gehauenen Textilien.

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Musee des Tissus in Lyon

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Die größte Enttäuschung des Urlaubs. Ich hätte (wie damals in Bayeux) fast geheult, als ich nach langer Anreise endlich die abgedunkelten Räume in dem altem Stadtpalais in Lyon betrat und merkte: Der ganze Aufwand wird sich nicht lohnen. Große kostbare Stoffbahnen hinter Glas mit langwierigen Erklärungen in winziger Schrift, die ich auch mit Lesebrille nur mit Mühe entziffern, geschweige denn verstehen konnte. Mein Französisch ist alltagstauglich, aber für die gedrechselten Bandwurmsätze reichte es nicht. Übersetzungen in andere Sprachen? Fehlanzeige. Wie in allen Museen, die den Schuss noch nicht gehört haben, verhindert ein Fotografierverbot, dass man wichtige Details später zuhause nachrecherchieren kann.

Das Museum mit einer der größten Stoffsammlungen der Welt (von der man nicht viel zu sehen bekommt) stand aus Finanzierungsgründen kurz vor der Schließung, ich hatte hier darüber berichtet und auch eine Petition für die Rettung unterzeichnet. Sicher hängt das rückständige Konzept auch mit Geldmangel zusammen, daher muss man die 10 Euro für den Eintritt schlucken und sich mit der visuellen Schönheit der alten Seiden (und einiger fein restaurierter Kostüme) begnügen.

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Wie eine gute Vermittlung aussehen kann zeigt das Monastère Royale de Brou in Bourg en Bresse. Ein Zufallsstop, der mich hellauf begeistert hat. Das spätmittelalterliche Kloster ist eine einzige große Liebeserklärung einer starken Frau an ihren nach nur kurzer Ehe verstorbenen Mann. Margarete von Österreich wurde als 24 jährige schon zum zweiten Mal Witwe, nach nur zwei Jahren Ehe mit Philibert dem Schönen. Sie heiratete nie wieder und ließ für die Grabstätte ein großes Kloster mit einzigartigen Steinmetzarbeiten errichten. Die Ornamentik ist übersäht mit durch Kordeln verschnürten Initialen, P&M für Philibert und Margarete, aus Stein gehauenen Margeritenblüten (ihre Blume), Federn (weil sie eine gebildete Frau war) und ziselierten Grünkohlblättern (warum, weiß das jemand?).

Sie war wirklich eine Motto-Queen, denn ihren Wahlspruch, ein Wortspiel:

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„Fortune Infortune fort une“, findet man zigfach aus Stein und auf Glas verewigt. Ich übersetze es mir mit  „Glück und Unglück macht Eine stark“. Ich hätte noch viel länger dort bleiben können. Der Audioguide auf Deutsch erklärte alles sehr gut und mit der Möglichkeit, bei Bedarf auch immer weiter ins Detail zu gehen.

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Vom spätgotischen Prunk nun ein starker Schwenk in die französischen Pyrenäen, dort lief ich ein bisschen ganz allein auf dem Jakobsweg. Auf Zeichen der höheren Mächte musste ich nicht lang warten. Zuerst lag ein Museum am Wegesrand, das Musee de Cerdagne, ein alter Hof mit sprechendem Gemüsegarten und Erklärungen der örtlichen Traditionen wie der Schafzucht. Dort lernte ich, dass schwarze Schafe eigentlich gar nicht schwarz sind – die weißen und braunen Socken auf dem Foto sind aus ungefärbter Schafwolle gestrickt.

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Das nächste göttliche Zeichen auf meinem Mini-Jakobsweg war dann ganz eindeutig: Irgendwo auf einem Hügel erhielt ich die Nachricht, dass in der Heimat Riesenbuchbestellungen eingingen (juhu!), aber logistische Probleme zu meistern waren.

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So saß ich da auf der Hochebene und verschickte Orga-SMS. Es hat dann alles gut geklappt, irdischen guten Geistern sei Dank.

Damit ist die Sache ist klar! Ich mach dann mal so weiter…

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Stoffspielerei im Juni: Rundkissen mit Wechselrahmen

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Heute ist wieder Stoffspielerei* und Frifris  hat das Thema Löcher vorgeschlagen. Bei mir gibt es einen Kissenbezug mit Guckloch zu sehen. Dafür habe ich einen großen ‚Stoffbeutel‘ mit Tunnelzug genäht und ein altes rundes Daunenkissen hineingelegt.  Wird die Kordel im Tunnelzug  so eng wie möglich zugezogen, entsteht eine Art Bilderrahmen, hinter den man sehr gut andere Stoffwerke legen kann. Oben seht ihr als ‚Bild‘ das bestickte Tuch von der letzten Stoffspielerei, unten andere Ergebnisse früherer Stoffspielereien.

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Gestickte Würmer von 2013, unten pflanzengefärbten Stoffe von 2015.

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Weil alles so eng gestopft ist, verrutscht das Bild hinter dem Faltenrahmen auch nicht so leicht, aber ein Alltagsknuddelkissen ist es natürlich auch nicht, eher ein Rückenstütze. Ich mag es gern und freue mich über den Wechselrahmen.

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So sieht die Rückseite aus.

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Nun schicke ich den Beitrag schnell ab. Durch die lähmende Hitze hier in Berlin und die ganze Brexit-Misere war ich eigentlich zu nichts in der Lage, aber heute ist es wieder frisch und schön und alles wird besser.

Ich bin gespannt, was  Frifris und anderen zum Thema Löcher eingefallen ist. Vielen Dank für das Sammeln der Links, liebe Frifris!

Im Juli und August machen wir mit den Stoffspielereien Sommerpause. Wiederaufnahme ist dann am 25. September bei mir, Thema: Von Gold bis Blech – Metallstickerei. Wie immer ist das nur eine Inspiration, die ihr nicht so eng sehen müsst.   Wir freuen uns über jede Teilnahme!

Nachtrag: Made with Blümchen plant, in der Sommerpause  zwei ihrer offenen Stoffspielerei-Projekte fertigzustellen, sie würde sie an den letzten Sonntagen (am 31. Juli und 28. August) posten. Wollt ihr mitmachen? Dann meldet euch bei Made with Blümchen.

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Die monatliche Stoffspielerei ist eine Aktion für textile Experimente. Sie ist offen für alle, die mit Stoff und Fäden etwas Neues probieren möchten. Der Termin soll Ansporn sein, das monatlich vorgegebene Thema soll inspirieren. Jeden letzten Sonntag im Monat sammeln wir die Links mit den neuen Werken – auch misslungene Versuche sind gern gesehen, zwecks Erfahrungsaustausch.

SOMMERPAUSE

 

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Stoffspielerei im März: Verschlungene Metiers de Bunt

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Frohe Ostern!

Achtung, es wird bunt hier.

Griselda von Machwerke hat für die heutige Stoffspielerei* das Thema „Verschlungen und verflochten“ vorgeschlagen.

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Und ich habe mich zu diesem Anlass an zwei Baustellen gesetzt, die mich schon länger interessieren: Armbänder aus verflochtenen Jerseystreifen und Borten in Chanel-Optik. Beides liegt nah zusammen, so dass ich beim Machen nicht aufhören kann, Techniken und Materialien zu kombinieren. Wolle, Baumwolle, Seidenstreifen, Glitzergarn, Perlen, Kettenreste, Fransen, Federn – das alles dann gehäkelt, geflochten, verknüpft und durchgezogen.

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Die Basis ist zum einen ein Art gehäkelte Kordel, für die es auf Youtube unter dem Stichwort „Romanian Point Lace“ Anleitungen gibt. Diese Häkelborte, die eher wie Macramee wirkt, ist gut für Kombinationen geeignet. Durch Schlaufen an beiden Kanten und in der Mitte lassen sich Fäden oder Stoffstreifen einfach mit einer Stopfnadel durchziehen.

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Zum anderen gibt Jerseyband aus zerschnittenen Shirts eine gute Grundkonstruktion für Armbänder. Durch den Stretch (je mehr Lycra desto besser) braucht man eigentlich keinen Verschluss. Gedehnte Jerseystreifen rollen sich selbständig ein und können dann gehäkelt oder verflochten werden. Die Inspiration dafür kommt von Gudbling. Die Armbänder dort haben mir schon immer gut gefallen, mir ist nur zu viel Metall daran. Ohne Metall sieht es dann aber schnell wie ein Strumpfband aus.

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Und das ist das Problem: Bisher habe ich noch nichts erreicht was die Tragbarkeit angeht.

Als Borten wäre es schon schön, wirkt aber dann doch schnell tantig, eben chanellig.

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Oder es ist mir zu folkloristisch-brav, aber das liegt eher daran, dass man für geniale Kombinationen eben genial sein muss.

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Da kann man noch so Stundenlang die ganzen Making-Of Videos bei Youtube aus den Modehäusern ansehen (nicht nur Chanel, auch Dolce&Gabanna, Valentino und viele andere schwelgen zur Zeit in Opulenz).

Karl Lagerfeld zeigt seit 2002 spezielle Metiers d’Art Kollektionen, bei denen Handwerk die Hauptrolle spielt. Üppige Stickereien,  Kunstwerke aus Federn, Plissees, Leder und Metall. Chanel hat inzwischen viele traditionsreiche Manufakturen übernommen und rettet damit alte Handwerkskünste vor dem Aussterben. „Während es ein Überangebot an jungen Designern gibt, sind die Handwerker, die die Entwürfe in Kleider umsetzen können, selten geworden – und kostbar.“ heißt es in dieser Zeit-Reportage aus dem Atelier Chanel von 2010. „Viele besinnen sich derzeit auf ihre Traditionen, in ihren Kampagnen erinnern sie gern an Gründungsmythen oder althergebrachte Herstellungsweisen. Das Handgemachte, das Beständige gilt wieder als hohes Gut.“

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Laut französischer Vogue von November 2015 gehören jetzt 11 Firmen zum Metiers d’Art Netzwerk. Schuhe, Schmuck, Hüte, Plissee, Stickereien, Handschuhe, Blumen, Federn, Pullover von einer schottischen Werkstatt – Lagerfeld kann aus dem Vollen schöpfen.

Der Zeit beschrieb Lagerfeld die neuen Kundinnen, die Einzigartiges wollen: „Heute sind das junge Frauen aus allen Teilen der Welt, von Afrika bis Südamerika, China, Korea, die kommen und kaufen 20 Kleider. Obwohl – die kommen gar nicht mehr, die lassen kommen: Die probieren die Sachen gar nicht an, die lassen sie sich im Privatjet nach Hause fliegen.«  …  Früher sei Haute Couture etwas gewesen für »dicke Damen, die nichts fanden, die mussten sich die Dinge anfertigen lassen«. Die neuen Kundinnen aber seien »Frauen, die die gleiche Figur haben wie die Mannequins«.

Darauf einen Kaffee mit Stuten und schnell weiter zu Griselda, wo ihr sicher sehr viel brauchbarer Verschlungen und Verflochtenes findet. Schaut mal vorbei! Vielen Dank an Griselda für das Linksammeln.

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Vormerken: Der nächste Termin für die Stoffspielerei ist Sonntag, der 24. April 2016.   Lucy von Nahtzugabe wird dann Beiträge zum Thema Plissee sammeln.

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Die monatliche Stoffspielerei ist eine Aktion für textile Experimente. Sie ist offen für alle, die mit Stoff und Fäden etwas Neues probieren möchten. Der Termin soll Ansporn sein, das monatlich vorgegebene Thema soll inspirieren. Jeden letzten Sonntag im Monat sammeln wir die Links mit den neuen Werken – auch misslungene Versuche sind gern gesehen, zwecks Erfahrungsaustausch.

Der Plan für die nächsten Monate, kurzfristige Terminänderungen sind möglich:

24. April bei Nahtzugabe, Thema “Plissee”
29. Mai bei Karen , Thema “Schrift im/in/auf Textil”
26. Juni Frifris

 

Stoffspielerei im Juni: Knöpfe selbstgemacht

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Für die heutige Stoffspielerei*  hat  Frifris das Thema „Knöpfe“ vorgeschlagen.

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Dafür habe ich ein paar Varianten probiert, Knöpfe selbst zu machen.

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Knöpfe, für die man nur Garn und Sticknadel braucht, nach der Anleitung für Birds Eye Buttons.

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Die grauen Kugeln sind solche „Vogelaugen“, aber unten zusammen gezogen. Es ist nicht so einfach, auf diese Art regelmäßige Knöpfe herzustellen, da muss ich mehr üben.

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Übung ist auch nötig, um Plastikringe sauber zu umhäkeln, Vorgehensweise ungefähr wie hier.

3.

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Die Ringe (gibt es in Berlin z.B. am Perlenstand Maybachmarkt) mit Stoff überzogen und ein bisschen bestickt, siehe hier.

4.

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Wollquadrate/Kreise zusammengezogen. Das kann auch viel besser und fester aussehen, wie bei diesen Mittelalter-Stoffknöpfen.

5.

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Bei einer früheren Stoffspielerei hatte ich diese Knöpfe mit irischer Häkelei gezeigt. Sie warten noch auf einen Einsatz an prominenter Stelle.

6.

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Ein weiterer Schmuckknopf, aus einem bestickten Kreis gefertigt. Viel schöner und inspirierender sind aber die Stickerei-Knöpfe dieser Flickr-Serie.

Am Ende konnte ich es nicht lassen, auch noch ein Armband mit Perlmuttknöpfen zu probieren. Man benötigt nur mehrere Knöpfe und Häkelgarn + feine Häkelnadel. Ich bin ohne Anleitung vorgegangen, aber es gibt Tutorials für ähnliche Armbänder hier,  oder auch hier.

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Nun bin ich gespannt, was  Frifris und andere mit Knöpfen probiert haben. Vielen Dank für das Thema und das Sammeln der Links, liebe Frifris!

Im Juli machen wir mit den Stoffspielereien Sommerpause . Ende August sehen wir uns hier bei mir wieder. Thema ist „Es war einmal ein Oberhemd“. Das ist nur eine Inspiration, die ihr nicht so eng sehen müsst. Vielleicht reicht es euch ja, nur den Knopf eines Oberhemds verarbeiten. Wir freuen uns über jede Teilnahme!

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Die monatliche Stoffspielerei ist eine Aktion für textile Experimente. Sie ist offen für alle, die mit Stoff und Fäden etwas Neues probieren möchten. Der Termin soll Ansporn sein, das monatlich vorgegebene Thema soll inspirieren. Jeden letzten Sonntag im Monat sammeln wir die Links mit den neuen Werken – auch misslungene Versuche sind gern gesehen, zwecks Erfahrungsaustausch.

Der vorläufige Plan für die nächsten Monate, kurzfristige Terminänderungen sind möglich:

26. Juli         SOMMERPAUSE
30. August – Suschna – Thema “Es war einmal ein Oberhemd”
27. September – Machwerke – Thema Falten
25. Oktober – Karen – Thema Spitze
29. November  – Nahtzugabe
27. Dezember – WINTERPAUSE

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Stoffspielerei im Oktober: Irische Häkelei

Karen hat im Oktober das Motto „Loch und Löcher“ für die Aktion Stoffspielerei ausgegeben.  Zur Illustration hat sie ein Foto von einer Spitzendecke gezeigt, die sehr nach irischer Häkelei aussieht. Da lag es für mich nahe, mich noch einmal mit dieser speziellen Häkeltechnik zu beschäftigen.

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Im Anleitungsbuch „Priscilla Irish Crochet Book No 2“  von 1912 habe ich mir diese Knöpfe herausgesucht und sie – sehr frei – nachgehäkelt.

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Mit viel stärkerem Garn als im Original. Zum Üben der Bouillonmaschen (die gewickelten Elemente) war das auch notwendig, mehr als acht Umschläge habe ich mir noch nicht zugetraut.

In dem Buch habe ich nicht nur die Knöpfe gefunden, sondern auch das Muster für Karens Foto – genannt „Wheels“, Räder.

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Viele Räder zusammgehhäkelt würden die Decke bei Karen ergeben.

Die irischen Spitzenhäkelei, „Irish Crochet“, hat mich schon lange interessiert, weil die Stücke oft unsymmetrisch und wild, offenbar improvisiert zusammengestellt sind.

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Die traditionelle irische Häkelspitze wird meist mit drei verschiedenen Fadenstärken gearbeitet. Ornamente und Motive wie Blüten und Blätter werden zunächst einzeln gehäkelt, teilweise über einen stärkeren Faden, so dass eine reliefartige Oberfläche entsteht. Später werden diese Einzelteile dann mittels einen sehr feinen Häkelnetzes verbunden, das Ergebnis erinnert optisch an Klöppel- oder Nadelspitze.

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Priscilla Irish Crochet Book No 1, Antique Pattern Library

Vor längerer Zeit schon einmal habe ich verschiedene Figuren probiert und dabei dieses Buch als Vorlage genommen. Über einzelne Ornamente und Bortenproben bin ich dabei nicht hinausgekommen, habe die Stücke aber wenigstens zur Ansicht auf Papierbögen genäht.

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Wie fein die Häkelei sein konnte. zeigen diese Details irischer Spitze von ca. 1850 aus der Sammlung des Metropolitan Museums:

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Mit sehr feinen Fäden gehäkelt, sollten diese Arbeiten die kostbaren Nadel- oder Klöppelspitzen imitieren.  Die Häkelei ging schneller voran als die Arbeit mit Nadeln und Klöppeln, so dass die irische Spitze  günstiger angeboten werden konnte.

Diese  Häkelspitzen wurden in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für die irische Bevölkerung, die unter Armut und Hungersnöten litt. Mit lediglich einer Häkelnadel und Garn ließen sich die Arbeiten überall, vor allem auch in Heimarbeit ausführen, so dass viele Tausende das Handwerk erlernten und durch die Herstellung und den Verkauf der Spitze zum Einkommen der Familie beitragen konnten.  Die irischen Häkelspitzen wurden in andere Länder exportiert und waren vor allem in Paris, Wien und den USA sehr beliebt. So beliebt, dass man sie in anderen Ländern bald kopierte. 1911 beklagt sich eine irische Firma in einer Anzeige über die billigen Kopien außerhalb Irlands. Ein Yard (90 cm) eines Spitzengewebes sei bei ihnen für 32,50 $ im Angebot. Für die Herstellung dieses Yards brauche es 3 Wochen Arbeit, 8 Stunden täglich.

Diese beiden 1912 in New York fotografierten Mädchen arbeiten gerade an irischer Spitze, für einen Dollar in der Woche:

„Katie, 13 Jahre alt, und Angeline, 11 Jahre alt, machen Ärmelbesätze, Irische Spitze, Einkommen etwa 1 Dollar die Woche. Arbeiten einige Abende bis 8 Uhr. New York City“  1912  Quelle WikiCommons

Mit solcher Handarbeit konnten Familien aber nur noch bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts Geld verdienen. Das Aufkommen industriell hergestellter Spitze und der sich ändernde Modegeschmack ließen die Einkommensquelle bald versiegen. Heute ist irische Häkelspitze ein feststehender Begriff. Die Einflüsse dieser Technik wirken auch heute noch vor allem in der Handarbeitstradition  Italiens, Osteuropas und Russlands  fort.

Danke, Karen, für das Thema, dass mir eine Steilvorlage für einen weiteren Ausflug in die Geschichte der Handarbeiten geliefert hat. Danke auch für das Sammeln weiterer Links. Mal sehen zu welchen Ergebnissen das Thema Löcher noch geführt hat!  Drüben bei Karen läßt sich das herausfinden.

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Stoffspielerei im März: Pomponborte

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Karen hat in diesem Monat das Motto „Borten“ für die Aktion Stoffspielerei ausgegeben.  Dazu habe ich noch einmal eine Knospenkette versucht. Die Knospen sind eine Weiterentwicklung gehäkelter Pomponborten,  mit denen ich mich vorn den Kauf-Pomponborten unabhängig machen wollte. Die Gekauften kamen nämlich sehr unansehlich wieder aus der Wäsche.

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Mit der Häkelversion ist man frei in Farbe, Form und Länge.

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Sicherlich gibt es online auch Anleitungen für solche Borten. Ich zeige hier mal, wie ich es mache. Es ist nicht schwer. Wenn ihr schon gehäkelt habt, könnt ihr ja vielleicht mit diesen Hinweisen etwas anfangen. (Und wenn jemand einen guten Link dazu hat, füge ich ihn noch ein).

Schwer zu erklären, aber leicht zu machen.

Mit dem Prinzip kann man dann noch andere Knubbelgebilde gestalten. Die Kastanienknospen vor meinem Fenster, die kurz vorm Aufspringen sind, hatten mich inspiriert.

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Danke, Karen, fürs Sammeln diesen Monat. Mal sehen wer noch mit Borten gespielt hat!  Drüben bei Karen läßt sich das rausfinden.

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Textilbildhauerin: Katharina Krenkel

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Gar nicht kuschelig: Silbrig lackierte Häkelamöben.

Sehr kuschelig: Ein Landschaftsquerschnitt aus gehäkelten Wolllagen.

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„Da steckt so viel Arbeit drin“ gibt eine Ausstellungsbesucherin ihrem stirnrunzelnden Begleiter zu Bedenken.

„Der Zeitfaktor und die Ruhe beim Häkeln sind wichtig in meiner Kunst“ sagt Katharina Krenkel, Textilbildhauerin aus Saarbrücken. Einige ihrer Werke sind noch bis Juni im Museum des Botanischen Gartens in Berlin-Dahlem zu sehen. Sammeln, Konservieren, Sortieren, Ausstellen – Katharina Krenkel fühlt sich im Botanischen Museum am richtigen Platz.  Sie beschäftigt sich mit kleinsten und größten Teilen der Natur, stickt oder häkelt, inspiriert von Garten und Landschaft.

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Häkeldrucke und dazu passend ein Häkelwesen unter einer Blumenpresse des Botanischen Museums.

Hat mir besonders gut gefallen: Gestickte Pflanzenteile. So schön klare Kontraste!

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Gern hätte ich mehr gesehen, denn von ihrem Blog  weiß ich, dass  Katharina Krenkel sehr viel zu zeigen hat. Die schwebenden gehäkelten „Seelchen“  zum Beispiel stelle ich mir in der Kirche sehr poetisch vor.

Spaß macht es, wenn endlich mal jemand zugänglich und witzig über textile Künste reflektiert. (O-Ton Krenkel: „Künstler nerven, die das Künstlerklischee kultivieren“).  Auf ihrem Blog findet man zum Beispiel Antworten zu Fragen wie

was Grafik mit Häkeln zu tun hat,

wie man sich für gehäkelte Topflappen rächen kann

oder den handarbeitenden Urahninnen huldigen kann.

Die unvermeidlichen Fragen zum Hausfrauenimage des Handarbeitens pariert sie in einem Zeitungsinterview:

„Ich benutze die Betulichkeit für meine Zwecke und sehe sie nicht als Last. Im Vergleich dazu wiegt die Last der vielen Jahrhunderte Malereigeschichte für einen Maler doch noch schwerer…Meine Freiheit besteht darin, die Tradition meiner Großmütter zu sehen und zu nutzen.“

„Mein Alltag ist kein notwendiges Übel, in dessen Niederungen ich mich zwischen meiner künstlerischen Tätigkeit herablassen muss, sondern ich bin nur deswegen Hausfrau und Mutter, um für meine Kunst besser recherchieren zu können.“

Anlässlich der Ausstellung hat auch das  Kulturradio vom rbb Katharina Krenkel interviewt.

Außer Katharina Krenkels Arbeiten gibt es im Museum  natürlich noch einiges anderes zu betrachten.

Schön, aber streng wissenschaftlich:

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Fans von Museen, die bessere Tage gesehen haben, werden auf ihre Kosten kommen.

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Dieser spacige Raum ist der Blumensaal, in dem die Ausstellung eröffnet wurde. Dalli Dalli ? Nein, über das Schaltpult kann man die „Verwandschaftskreise der Bedecktsamer“ an der Wand illuminieren. (Ich freue mich ja insgeheim über jedes Museum, das noch nicht von heutiger Ausstellungsästhetik und -didaktik gleichgeschaltet wurde).

Den Besuch im Botanischen Garten  kann man mit einem Besuch im Café der Königlichen Gartenakademie  abrunden. Beste Torten und feinsten Tee inmitten von gemütlichen Gewächshäusern, gehobenem Dahlemer Bürgertum und (mit Glück) Live-Klaviermusik.

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Crocher en Plein Air
Häkelkunst von Katharina Krenkel
Ausstellung vom 6. März bis 8. Juni 2014

Eintritt: 2,50 Euro, erm. 1,50 Euro
(bei Garteneintritt ist der Museumseintritt inkl.)

Botanisches Museum
Königin-Luise-Str. 6-8
14195 Berlin – Dahlem

Echt falsch

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Die Hartnäckigkeit, die mir beim Mikro-Makramee fehlte, fließt inzwischen in den Versuch, dieses Unkraut nachzuahmen. (Welches? Das wäre wohl wieder ein Fall für „Was blüht denn da“ – falls hier was geblüht hat).  Die Pflanzenvorlage ist auch schon bald hinüber, verliert schon die Samen. Man muss immer dran bleiben bei solchen Nachahmungsaktionen.

Perlen, Häkeln, Winden, Knüpfen führt bisher nicht in die richtige Richtung. Am besten wäre es wohl, Sesamsamen einzufärben und aufzufädeln. Mit weißen Bohnen hat das bei mir schon einmal geklappt:

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Solche selbstgemachten Ketten aus Naturmaterialien waren ja besonders in den 70er Jahren beliebt. „Hausfrauenarbeiten“ wurden sie bei einer Führung durch das Schaumagazin im Museum Europäischer Kulturen genannt. (Man geht nicht wirklich ins Magazin, was ich ja sehr gern mal machen würde. Im Museum stehen drei Vitrinen, die zur Zeit mit Schmuckbeispielen aus dem Magazin bestückt sind. Auch ohne Führung zu besichtigen).

Das mit den Sesamsamen sollte eigentlich ein Witz sein, aber wenn ich es recht bedenke…

Beim Miniaturfrickeln hatte ich viel Zeit, über den Tod von Wolfgang Herrndorf nachzudenken. Sein Blog hat mich in den letzten zwei Jahren begleitet. Ich habe immer wieder nach neuen Einträgen geschaut und jedesmal erleichtert festgestellt, er ist noch da. Jetzt ist er nicht mehr da. Ich bin froh, dass er sein Leben mit dem Tod auf so eine gute Art öffentlich gemacht hat.  Sterben, das große Tabu. (Dass er sich erschossen hat, glaube ich aber nicht. Das passt nicht, bzw. würde als Fehlinformation passen).

Seltsam, als stiller Blogleser eine Nähe zu fühlen, die komplett einseitig ist. Alles, was beim anderen ankommt, ist eine Klickzahl.  Trotz allem wollte Wolfgang Herrndorf nicht für sein Sterben bekannt sein. Daher empfehle ich lieber seinen Bestseller „Tschick“, der ein großes Vergnügen ist. „Sand“ hat mich etwas ratlos zurückgelassen. Gut waren die Zitate in dem Buch.

"Wer nicht weiß, wohin er geht, erreicht mit jedem Schritt sein Ziel"
Sprichwort der Fulbe

Schöner Trost auch für vermeintlich sinnloses Pflanzenhäkeln. Wir werden sehen.

(Nachtrag: Falls jemand „Sand“ auch nicht verstanden hat: In dieser Rezension wird alles erklärt. Genial.)

Stoffquälerei im August: Mikro-Makramee

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Einzige Ausbeute nach zwei Tagen fleißigem Makramee-Knüpfen: Die Rippentechnik kann ich jetzt.  Aber auch nur einigermaßen. Ansonsten habe ich die Nase voll von dieser Zuppelei, ja ich habe mein improvisiertes Knüpfbrettchen aus Frust in die Ecke geworfen. Nichts hat so geklappt wie erhofft. Also in diesem Monat kein vorzeigbares Werk für die Aktion Stoffspielerei.  Karen hatte das Thema „Im Fadenkreuz“ ausgerufen.  Statt Fadenkreuz bei mir nur Voodoo-Wutkreuz.

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Ich war ursprünglich fest entschlossen, diesmal Lucy auf ihrem Macramee-Pfad zu folgen. Am liebsten wollte ich etwas in die Richtung der Werke von Ed Bing Lee versuchen, die unter dem Begriff „Micro-Macrame“, oder auch „Cavandoli-Macrame“ laufen. Eigentlich ist das auch ganz einfach, immer nur Rippenknoten, Rippenknoten, Rippenknoten.  (Wobei man sich da auch keinen Fehler erlauben darf. Einmal einen Faden falsch gelegt und schon sieht es nicht mehr regelmäßig aus).  Es soll ja sehr meditativ sein, dieses Knüpfen, aber mich machte es nur schnell nervös und ich wollte andere Muster probieren. Die Handarbeitsbücher rauf und runter habe ich einiges versucht, um am Ende festzustellen: Das ist nichts für mich. Wie bei Occhi muss man sehr exakt arbeiten, kann nichts wieder rückgängig machen und ist, einmal angefangen, in einem festen Korsett.

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Die Kugelformen haben mir am besten gefallen, wenn man das richtig drauf hat, könnte man sich solche Armbänder  machen. Ansonsten habe ich im Internet kaum schöne Vorbilder gefunden, das ist schon seltsam. Potential hätte die Technik ja.

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Die meisten Effekte, auch solche Kügelchen, könnte man mit Häkeln ähnlich erzielen. So war die Scherenquaste auf den Fotos keine Posamentenknüpferei, sondern bloßes freies Häkeln.

Da habe ich dann lieber wieder zur Häkelnadel gegriffen. Mir fiel  Jung Jung ein, die – auch aus Japan –  mit allerfeinstem Garn hauptsächlich Gemüse häkelt. Eine Spielfilmlänge habe ich an filigranem Karottengrün gearbeitet. Heute morgen war der Hauch Häkelei verschwunden – vermutlich einfach weggeweht. Also auch da nichts zu zeigen.

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Bei Karen, die in diesem Monat die Links sammelt, könnt ihr erfolgreichere Spielereien finden. Zum Beispiel echte Fadenkreuze.

Mal sehen, ob meine Macrameeübungen nicht am Ende doch noch für etwas gut waren. Ansonsten kann ich es auf der To-Do-Liste abhaken, und das ist dann ja auch einiges wert.

Vielen Dank Dir, liebe Karen, und allen, die mitmachen!

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Wenn etwas passt

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Egal, welches Stück ich aus dem Broschenkasten  oder von meinen Ketten nehme, es passt!

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Zu meinem neuen Kleid, das Lilli Mendelssohn mir ein bisschen auf den Leib gestrickt hat. Wunderbare Wolle, schöne Farben – ich bin über das Geschäft und seine supernette Inhaberin sehr froh. Weniger neu kaufen, aber wenn, dann gut – das sage ich mir ja immer wieder. Ich habe auch ständig diesen Plan, nur ca. 7 Outfits zu haben, mit denen ich  vollkommen zufrieden bin und die ich dann abwechselnd trage.  Das klappt zwar weiterhin nicht, aber,  wer weiß.   Jetzt bin ich dem Plan jedenfalls wieder ein Stück weit näher gekommen.

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Lilli Mendelssohn strickt und näht Kleidung, die ihr selbst gefällt – und ich mache mir aus Textilien Schmuck, der genau mir gefällt. Daher war ich heute verblüfft, als ich fast jedes meiner Stücke mit dem Kleid kombinieren konnte. Normalerweise ist das nicht so einfach..

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Dies ist mein anderes Kleid von Lilli Mendelsohn. Es saß gleich im Laden tadellos. Hätte ich es selbst genäht, ich hätte Tage oder Wochen daran herumgemurkst, und so schönen Stoff hätte ich auch schwer gefunden. Das Kleid hat mir an den warmen Tagen in letzter Zeit schon gute Dienste geleistet.

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Den zweifelhaften Hut habe ich aus einem aufgeribbelten Badezimmerkorb von Ikea gehäkelt. „Made in Vietnam“ stand in dem spottbilligen Körbchen. Mehrere Stunden habe ich gebraucht, um das Material zu verhäkeln und tragen werde ich den Hut wohl nicht. Schon kippt die persönliche Ethikbilanz.

Da empfehle ich doch lieber

Lilli Mendelssohn, Pestalozzistraße 8, Berlin-Charlottenburg.