Echt falsch

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Die Hartnäckigkeit, die mir beim Mikro-Makramee fehlte, fließt inzwischen in den Versuch, dieses Unkraut nachzuahmen. (Welches? Das wäre wohl wieder ein Fall für „Was blüht denn da“ – falls hier was geblüht hat).  Die Pflanzenvorlage ist auch schon bald hinüber, verliert schon die Samen. Man muss immer dran bleiben bei solchen Nachahmungsaktionen.

Perlen, Häkeln, Winden, Knüpfen führt bisher nicht in die richtige Richtung. Am besten wäre es wohl, Sesamsamen einzufärben und aufzufädeln. Mit weißen Bohnen hat das bei mir schon einmal geklappt:

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Solche selbstgemachten Ketten aus Naturmaterialien waren ja besonders in den 70er Jahren beliebt. „Hausfrauenarbeiten“ wurden sie bei einer Führung durch das Schaumagazin im Museum Europäischer Kulturen genannt. (Man geht nicht wirklich ins Magazin, was ich ja sehr gern mal machen würde. Im Museum stehen drei Vitrinen, die zur Zeit mit Schmuckbeispielen aus dem Magazin bestückt sind. Auch ohne Führung zu besichtigen).

Das mit den Sesamsamen sollte eigentlich ein Witz sein, aber wenn ich es recht bedenke…

Beim Miniaturfrickeln hatte ich viel Zeit, über den Tod von Wolfgang Herrndorf nachzudenken. Sein Blog hat mich in den letzten zwei Jahren begleitet. Ich habe immer wieder nach neuen Einträgen geschaut und jedesmal erleichtert festgestellt, er ist noch da. Jetzt ist er nicht mehr da. Ich bin froh, dass er sein Leben mit dem Tod auf so eine gute Art öffentlich gemacht hat.  Sterben, das große Tabu. (Dass er sich erschossen hat, glaube ich aber nicht. Das passt nicht, bzw. würde als Fehlinformation passen).

Seltsam, als stiller Blogleser eine Nähe zu fühlen, die komplett einseitig ist. Alles, was beim anderen ankommt, ist eine Klickzahl.  Trotz allem wollte Wolfgang Herrndorf nicht für sein Sterben bekannt sein. Daher empfehle ich lieber seinen Bestseller „Tschick“, der ein großes Vergnügen ist. „Sand“ hat mich etwas ratlos zurückgelassen. Gut waren die Zitate in dem Buch.

"Wer nicht weiß, wohin er geht, erreicht mit jedem Schritt sein Ziel"
Sprichwort der Fulbe

Schöner Trost auch für vermeintlich sinnloses Pflanzenhäkeln. Wir werden sehen.

(Nachtrag: Falls jemand „Sand“ auch nicht verstanden hat: In dieser Rezension wird alles erklärt. Genial.)

8 Kommentare

  1. Punkt 1. deine Ausdauer ist schon bewunderswürdig!
    Punkt 2 zu dieser Schmuckausstellung wollte ich unbedingt, weil der Flyer verspricht:wir öffnen Magazine! Lohnt nicht?!
    Punkt 3 als er den Preis für Tschick bekommen hat, habe ich „In plüschgewittern“ gelesen. Es passiert eigentlich nichts und man lauert beim Lesen, ob und wann etwas passiert und dann ist es auch schon vorbei. Erst war ich bedient und später erstaunt, wie es im Kopf geblieben ist. Ein Schuß passt aber.
    stille grüße Karen

    • – Also, wenn man sowieso in das Museum geht, sollte man den Raum mit der Vitrine ruhig suchen (nach der Krippenlandschaft). Aber extra hinfahren lohnt sich nicht. Schicke dir ein paar Fotos als Eindruck.

      – Bei Tschick passiert jede Menge, keine Sorge. Den Selbstmord hat die Polizei inzwischen bestätigt, der war ja auch angekündigt, aber mit Waffe? Vielleicht ja doch. Man begeht ja immer den Fehler, einen Menschen kennen zu glauben, obwohl man ihn nur durch seinen Blog kennt.

  2. Oh, vielen Dank für den link zu Sand. Den hätte ich letztes Jahr schon dringend gebrauchen können, seufz. Ich hatte das schon unter: ich bin entweder zu doof oder zu übernächtigt für das Buch abgelegt. Gut, da bleibt es auch weiterhin, aber immerhin kann ich es jetzt vielleicht doch besser würdigen. Hat mich doch ziemlich frustriert, damals.

    „Hausfrauenarbeiten“. Mir fehlen die Worte. Außer: arrgh.

    Haha, der natürlichen Verfall stellt natürlich eine besondere Herausforderung dar, wenn sich das Objekt währenddessen auflöst.

    Grüße!

  3. Also zu der Pflanze: wenn es nicht blüht, komme ich auch nicht weiter – sowas mit so großen Samen habe ich noch nie gesehen.

    Im Museum Europäischer Kulturen habe ich tatsächlich vor 2-3 Jahren mal eine Führung durch das Magazin mitgemacht. Das war toll, nur das eben gemeinsam mit einer Gruppe nur mäßig an den Objekten interessierter älterer Menschen war, die diese Führung anscheinend mehr so als ein soziales Event zum Ausfüllen des langen Nachmittags wahrgenommen haben. Ich wäre gerne noch länger geblieben und hätte gerne mehr Gelegenheit zu Fragen gehabt. Aber egal, es hat sich trotzdem gelohnt. Leider weiß ich nicht mehr, wo diese Führung angekündigt wurde und wie ich da überhaupt drauf gekommen bin, ich finde auf der Museumswebseite nichts mehr in der Richtung. Wenn ich mich richtig erinnere, war das sogar kostenlos.

    (Und ich plädiere für eine subversive Aneigung und Umwertung des Begriffs „Hausfrau“.)

  4. Wow, was für ein Post, so viel steckt da drin… – DANKE! Und das Pflänzchen könnte Vogelknöterich sein, meine ich aus „Echt“ und „Falsch“ zu erkennen. (Und für deine Makramee-Fitzelarbeit aus dem vorigen Post habe ich nur Bewunderung übrig, ich krieg es nicht auf die Reihe, und in der Schule kam es bei uns auch nicht vor…) Lieben Gruß Ghislana

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