Textilbildhauerin: Katharina Krenkel

P1050137

Gar nicht kuschelig: Silbrig lackierte Häkelamöben.

Sehr kuschelig: Ein Landschaftsquerschnitt aus gehäkelten Wolllagen.

P1050124

„Da steckt so viel Arbeit drin“ gibt eine Ausstellungsbesucherin ihrem stirnrunzelnden Begleiter zu Bedenken.

„Der Zeitfaktor und die Ruhe beim Häkeln sind wichtig in meiner Kunst“ sagt Katharina Krenkel, Textilbildhauerin aus Saarbrücken. Einige ihrer Werke sind noch bis Juni im Museum des Botanischen Gartens in Berlin-Dahlem zu sehen. Sammeln, Konservieren, Sortieren, Ausstellen – Katharina Krenkel fühlt sich im Botanischen Museum am richtigen Platz.  Sie beschäftigt sich mit kleinsten und größten Teilen der Natur, stickt oder häkelt, inspiriert von Garten und Landschaft.

P1050162

Häkeldrucke und dazu passend ein Häkelwesen unter einer Blumenpresse des Botanischen Museums.

Hat mir besonders gut gefallen: Gestickte Pflanzenteile. So schön klare Kontraste!

P1050163

Gern hätte ich mehr gesehen, denn von ihrem Blog  weiß ich, dass  Katharina Krenkel sehr viel zu zeigen hat. Die schwebenden gehäkelten „Seelchen“  zum Beispiel stelle ich mir in der Kirche sehr poetisch vor.

Spaß macht es, wenn endlich mal jemand zugänglich und witzig über textile Künste reflektiert. (O-Ton Krenkel: „Künstler nerven, die das Künstlerklischee kultivieren“).  Auf ihrem Blog findet man zum Beispiel Antworten zu Fragen wie

was Grafik mit Häkeln zu tun hat,

wie man sich für gehäkelte Topflappen rächen kann

oder den handarbeitenden Urahninnen huldigen kann.

Die unvermeidlichen Fragen zum Hausfrauenimage des Handarbeitens pariert sie in einem Zeitungsinterview:

„Ich benutze die Betulichkeit für meine Zwecke und sehe sie nicht als Last. Im Vergleich dazu wiegt die Last der vielen Jahrhunderte Malereigeschichte für einen Maler doch noch schwerer…Meine Freiheit besteht darin, die Tradition meiner Großmütter zu sehen und zu nutzen.“

„Mein Alltag ist kein notwendiges Übel, in dessen Niederungen ich mich zwischen meiner künstlerischen Tätigkeit herablassen muss, sondern ich bin nur deswegen Hausfrau und Mutter, um für meine Kunst besser recherchieren zu können.“

Anlässlich der Ausstellung hat auch das  Kulturradio vom rbb Katharina Krenkel interviewt.

Außer Katharina Krenkels Arbeiten gibt es im Museum  natürlich noch einiges anderes zu betrachten.

Schön, aber streng wissenschaftlich:

P1050155

Fans von Museen, die bessere Tage gesehen haben, werden auf ihre Kosten kommen.

P1050144

Dieser spacige Raum ist der Blumensaal, in dem die Ausstellung eröffnet wurde. Dalli Dalli ? Nein, über das Schaltpult kann man die „Verwandschaftskreise der Bedecktsamer“ an der Wand illuminieren. (Ich freue mich ja insgeheim über jedes Museum, das noch nicht von heutiger Ausstellungsästhetik und -didaktik gleichgeschaltet wurde).

Den Besuch im Botanischen Garten  kann man mit einem Besuch im Café der Königlichen Gartenakademie  abrunden. Beste Torten und feinsten Tee inmitten von gemütlichen Gewächshäusern, gehobenem Dahlemer Bürgertum und (mit Glück) Live-Klaviermusik.

P1050119

Crocher en Plein Air
Häkelkunst von Katharina Krenkel
Ausstellung vom 6. März bis 8. Juni 2014

Eintritt: 2,50 Euro, erm. 1,50 Euro
(bei Garteneintritt ist der Museumseintritt inkl.)

Botanisches Museum
Königin-Luise-Str. 6-8
14195 Berlin – Dahlem

8 Gedanken zu “Textilbildhauerin: Katharina Krenkel

  1. Das wäre ja toll, wenn ich das schaffen würde,danke fürs Finden und berichten. Bei den Landschaften mußte ich sofort an die Hirne in Wolfsburg denken.Es gibt schon tolle Frauen, von denen viel zu wenig gesprochen wird.Die Busendecke ist ja der Knaller! und schon so alt!LG

    • Wenn du jetzt extra von Dresden anreisen willst, musst du dir noch ein bisschen mehr vornehmen, denn der Rundgang ist kurz. Oder die Ausstellungsankündigungen auf dem Blog abwarten, vielleicht kommt mal etwas mehr in deine Nähe? Von Katharina Krenkel wusste ich über C vom Nähkränzchen, ich wollte schon länger mal etwas zu ihr machen.

  2. Oh, schade, das würde ich auch gerne sehen. Das sieht nach einer tollen Ausstellung aus. Ich lese mich heute abend in die links ein, danke fürs Zeigen! (und ja, diese etwas angestaubte Museumsästhetik finde ich auch toll).

  3. Das ist ja großartig. Danke für die Blitzberichterstattung. Sehr sympathisch auch die humorvolle Haltung, die man im Blog von Katharina Krenkel herauslesen kann.

  4. Oh, die Ausstellung würde ich wahnsinnig gern sehen! Aber ohne männlichen Anhang, versteht sich. Ich finde den Charme solcher Museen auch herrlich und mag es, wenn nicht immer alles vollhightechmultimedialaufallenebenen ist. Da wird man ja ganz plem plem. Habe gestern schon kurz reingeschaut auf den Blog: das Altartuch ist ja der Hammer! Vielen Dank für die Info, da schaue ich auf jeden Fall nochmal hin (auf den Blog).
    Liebe Grüße,
    Nastjusha

  5. KLeine, aber feine Ausstellung und ich gehe gerne nochmal tagsüber hin, um die orangen Teile hoch oben in den Bäumen anzugucken. Dafür darf ich mir dann bestimmt wieder ein gutes Stück Torte gönnen? Von dir gut ausgewählte Hinweise auf interessante Stücke im Blog von K.K. Der Busendeckengeschichte bin ich auch sehr gewogen…..und der Humor bei der Kunst: ich lache gerne, wenns passt.
    lg Carmen

Falls ein Kommentar nicht gleich erscheint, muss er erst freigeschaltet werden. Dann bitte etwas Geduld. Vielen Dank!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s