Stoffspielerei: Duftige Nachthemdpasse aus den 30ern

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„Handarbeiten, Freude bereiten“ steht auf diesem Anleitungsheft, Herausgeber ist der Reichsbund des Textil-Einzelhandels. Zitat von Seite 20: „Wir wollen Ihnen hier klar machen, wie leicht es doch ist, eine Hemdenpasse zu häkeln“. Fein, das passt gut zum heutigen Termin für die Stoffspielerei*.   Ines  von den Nähzimmerplaudereien hat das Thema “Ecken und Kanten” vorgegeben, bei mir wird also nun eine Passe als Ausschnittkante daraus. (Übrigens: Bei Wikipedia fehlt noch ein Artikel zum Thema Passe am Kleidungsstück, falls jemand Lust hat, sich darum zu kümmern.)

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So sieht das Häkelstück im Heft aus, an ein seidiges Hemd angenäht.

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Die Anleitung dafür ist erstaunlich einfach. Auf der Häkelgrafik stehen die Punkte für Luftmaschen und die Striche für Stäbchen, das Muster wiederholt man immer rundum von Reihe 1 bis zur Reihe 15.

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Die Reihe 15 habe ich leider nie erreicht, denn das schön alte cremefarbene Häkelgarn ging vorher aus und ich fand keins mit demselben Farbton, um weiterzumachen. Ohnehin muss das Original noch viel feiner gehäkelt sein als meins, denn meine Passe ist  größer geworden als in der Vorlage. Dennoch tränten meine Augen vor Anstrengung, mit der Nadel immer die kleinen Maschen zu treffen.

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Auf dem Blumenkleid wirkt der Häkelkragen zwar authentisch, aber auch ziemlich mopsig. Also habe ich ein Nachthemd genommen, dessen Ausschnitt schon ein bisschen durchgescheuert war.

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Die Passe passte gut hinein – mal sehen, wie es sich trägt. Laut Heft soll man lange Freude daran haben. „Obwohl sie so duftig aussehen, sind sie doch sehr dauerhaft und halten viele Wäschen aus.“

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Den Reichsbund des Textil-Einzelhandels gab es in den 1920er und 1930er Jahren. Angesichts der Mode tippe ich auf die 30er Jahre, aus der Zeit sind auch einige andere Zeitschriften, die bei dem Konvolut waren.

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Hat alles ein ziemliches Nazi-Feeling an sich, beim Nachhäkeln hatte ich ein mulmiges Gefühl. Das Frauenbild im Heft ist dementsprechend – Frauenfleiß eben, Mutters Nadel, Mutters Hände, Schönheitssinn und Ordnungsliebe. Wie ganz anders wirkte da noch kurz vorher die Berliner Frauen-Illustrierten von 1928,  hier schon einmal Thema – der gesellschaftliche Rückschritt kann schnell und extrem sein.

Auch Modedetails aus meinem Heft sind heute wieder aktuell, die klobigen schwarzen Schuhe zum Beispiel, oder die dicken Zopfsocken und das Teufelsmützchen.

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Die anderen Dinge – naja. Bei dem Strickkleid pillt es schon auf dem Foto so sehr, dass es gruselt. Und der Herrenpullover mit Logo könnte heutzutage als Nerd-Mode bzw. Geek-Chic wieder Abnehmer finden. Mädchen mit Hornbrillen und viel zu großen filzigen Mänteln vom Flohmarkt sind hier gerade Trend.

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Soweit für heute – vielen Dank an Ines, die die Links sammelt. Schaut bei ihr vorbei – ich bin gespannt, was andere aus dem Thema gemacht haben.

Im nächsten Monat, am 26.2. (der Sonntag vor Rosenmontag) ist das Thema “Kopfputz”, Gastgeberin ist Gabi von Made with Blümchen.

Nun bastle ich noch an einer anderen Kragenkante. Mal sehen, mit welchen der beiden Seidenstoffreste aus Japan ich die Bluse verschönere, ich kann mich noch nicht entscheiden. Schönen Sonntag allen!

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Die monatliche Stoffspielerei ist eine Aktion für textile Experimente. Sie ist offen für alle, die mit Stoff und Fäden etwas Neues probieren möchten. Der Termin soll Ansporn sein, das monatlich vorgegebene Thema soll inspirieren. Jeden letzten Sonntag im Monat sammeln wir die Links mit den neuen Werken – auch misslungene Versuche sind gern gesehen, zwecks Erfahrungsaustausch.

Stoffspielerei: Improvisation mit Stoffresten

Heute ist wieder Termin für die Stoffspielerei*,  Nahtzugabe ist mit dem Thema „Stoffreste“ Gastgeberin. Dafür habe ich zwei Quilt-Projekte aus meiner Funduskiste geholt.

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Vor Jahren schon wollte ich nach einem Quiltspotting (Quilts in Filmen) das Pineapple-Muster versuchen. Ausgehend von einem Quadrat näht man viele schmale Stoffstreifen abwechselnd über Eck. Ich habe mich für je eine Reihe bunte und eine Reihe dunkle Stoffstreifen entschieden.

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Wenn man es nicht so genau haben muss, kann man nach Augenmaß arbeiten und braucht nicht mehr groß nachzudenken.

Links die Variante fand ich nicht so gut, da waren mir die Streifen zu breit. Rechts gefällt mir aber, das wird nun auf das rote Kissen appliziert.

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Das freie Variieren eines Grundmusters führt mich zu einem tollen Buch, das ich sehr empfehlen kann:

Sherri Lynn Wood, The Improv Handbook for Modern Quilters. Sherris Improvisationsrezepte habe ich ja früher schon probiert (z.B.  Floating Squares oder Stimmungsquilt). Von damals stammen auch noch sehr viele Streifen aus Stoffresten. Ich hatte alle Reste nach Breite sortiert und dann jeweils zusammengenäht.

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Doch wie nun weiter? Ich nahm mir das Kapitel „Doodle“ aus Sherris Buch vor, da näht man Stoffstücke zusammen, als ob man bei einem Telefongespräch nebenher auf einen Block kritzelt. Irgendwo mit einer Grundform (Quadrat, Dreieck etc.) anfangen und dann intuitiv Teile daran setzen, mit anderen Grundformen variieren. Bei sehr bunten Stoffresten rät Sherri zu einem einfarbigen Stoff als Ergänzung.

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Daran habe ich nun eine halbe Nacht herumgekritzelt, und Ausschnitte finde ich auch ganz gut, aber ingesamt?

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Im Buch gibt es jedenfalls auch eine ganze Menge Motivation, nicht so streng mit sich zu sein und den inneren Zensor zu überwinden.

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Ich lasse das jetzt erst einmal liegen und schaue später wieder drauf.

Lucy hat sich ebenfalls mit Sherris Ideen beschäftigt, außerdem zeigt sie, wie man ganz schnell eine kleine Börse nähen kann – schaut mal nach, was sie und andere mit Stoffresten gemacht haben. Danke für das Sammeln der Links!

Weil die Sonntagstermine im Dezember so ungünstig liegen, ist die nächste Stoffspielerei erst wieder Ende Januar, am 29. 1. 2017. Dann ist Ines  (Nähzimmerplaudereien) mit dem Thema „Ecken und Kanten“ Gastgeberin – falls jemand von euch auch einmal einen Sonntagstermin übernehmen möchtet, meldet euch gern bei mir!

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Die monatliche Stoffspielerei ist eine Aktion für textile Experimente. Sie ist offen für alle, die mit Stoff und Fäden etwas Neues probieren möchten. Der Termin soll Ansporn sein, das monatlich vorgegebene Thema soll inspirieren. Jeden letzten Sonntag im Monat sammeln wir die Links mit den neuen Werken – auch misslungene Versuche sind gern gesehen, zwecks Erfahrungsaustausch.

Sommerkleider selber nähen – MeMadeMittwoch Spezialausgabe

„Ich packe meinen Koffer“ heißt die heutige Spezialausgabe beim MeMadeMittwoch. Nach ewigen Zeiten wollte ich mal wieder teilnehmen, freudig mit meinen neuen selbstgenähten Sommersachen. Bloß, bei der Selbstauslöser-Fotosession  heute kamen mir doch große Zweifel. Meinen Kofferplan muss ich noch überdenken.

Leichte luftige Kleider sind hier jedes Jahr Thema – familienbedingt muss ich immer in südliche Bruthitze. Dieses Jahr wollte ich mir an Floh ein Beispiel nehmen – sie hat sich nach einem Brigitte-Schnitt nun schon zwei Kleider genäht, die ihr auch sehr gut stehen. 2016-07-27 14.16.48 (408x800)

Derselbe Schnitt an mir sieht nach Nachthemd oder OP-Kittel aus. (Stoff von Hüco, feine Oberhemden-Baumwolle). Zur Rettung habe ich es mal wieder mit Tuchapplikation versucht. (Uraltes Halstuch von Esprit).

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Gestern abend war ich noch ganz überzeugt, aber heute im Lauf des Tages fühlte ich mich schon nicht mehr so wohl. Die Umrandung mit der Bommelborte macht es auch nicht besser.

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Ich glaube, das bleibt ein Nachthemd – oder wirklich ein Patientenhemd, denn sein eigenes Hemd zu haben, ist schon ganz schön. In Kanada gibt es sogar eine Intitiative, die Jugendlichen individuelle Kittel für die Krankenstation besorgt.

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Der blaue Rock unten ist auch frisch genäht, aus einem gefärbten Betttuch nach eigenem Schnitt. (In den letzten Jahren nähe ich fast nur noch nach Schnitten, die ich von mir passender Kaufkleidung abnehme). Das sehr luftige Oberteil hatte ich schon vor Jahren einmal gezeigt, ich trage es immer noch. Aber irgendwie sieht das zusammen auch nicht so toll aus wie erhofft.

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Da denke ich doch gleich an diese Bilder hier.

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Damit es aber nicht so negativ wird, hier ein Kleid, das seit vielen vielen Jahren in meinen Sommerkoffer kommt. Den Schnitt hatte ich damals von einem sehr gut sitzenden Lieblingsoberteil abgepaust und zum Kleid verlängert.  Locker und luftig, halblange Ärmel, aber dennoch „angezogen“. Hier hat sich der Nähaufwand für einmal wirklich gelohnt.

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Ebenfalls gelohnt hat sich dieses Sommerkleid, das ich seit dem Blogeintrag vor 6 Jahren mag,  Angezogen.

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Auch immer dabei ist mein bei Hitze nicht störender Textilschmuck, gehäkelte Ketten oder Armbänder aus Besenstielspitze.

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Der Blick ins Archiv deckt vergessene Sommerflops auf. Einige genähte und verbloggte Sachen habe ich so gut wie nie getragen. Bei dem Wax-Print unten links (Blogtitel 1qm Zufriedenheit  haha) ist der Stoff zu steif und unbequem.

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Aber egal, sehr viele gute Sommerkoffer-Tipps könnt ihr heute beim MeMadeMittwoch finden, wo  Wiebke vom Blog „Kreuzberger Nähte“ beneidenswert ausgestattet auf Reisen gegangen ist.

Falls ihr bald fahrt oder schon weg seid: Gute Reise, guten Urlaub!

Du kriegst die Motten?

Wie man Kleidung vor Motten schützen kann, wie man die Motten wieder los wird und wie man Mottenlöcher doch noch retten kann.

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Gerade ist wieder die Zeit, in der eingelagerte Winterkleidung besonders vor Motten mit Vermehrungsdrang geschützt werden muss. Auf Leserinnenwunsch hin habe ich mich mal ein bisschen in Mottenkisten umgesehen.

1. Feindanalyse

Um sich zu schützen, muss man sich mit dem Feind beschäftigen.  Analysieren wir also mal die Spielzüge des Gegners.
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Was fressen Kleidermotten?

Natürlich nagen nicht die unscheinbaren Falter die Löcher in die Wolle, sondern deren Larven. Die grausilbrigen Falter der Kleidermotte, miniklein, unter 1 cm (!), bekommt man selten zu Gesicht.  Das Weibchen versteckt sich lieber, bevor es seine Eier auf der passenden Nahrungsquelle ablegt. Eigentlich geht es ihr nur um ein Protein, das Keratin. Keratin haben Menschen und Tiere in Haare und Haut, besonders gefährdet sind also Wolle und Felle. Rein pflanzliche Fasern und Kunststoffe frisst die Raupe aber auch, quasi nebenher, besonders bei Mischgewebe.

Wann fressen Kleidermotten?

Die Flugzeit, in der die Eier für die Larven gelegt werden, kann schon vor Mai beginnen und dauert bis September. Motten lieben  Dunkelheit. Es ist aber nicht so wahrscheinlich, dass Kleidermotten von draußen in Haus fliegen, meist werden sie durch infizierte Textilien eingeschleppt. Ein Weibchen legt 100 bis 250 Eier.  Die Larven schlüpfen nach etwa zwei Wochen und fressen sich dann zügig durch Kleidung, Teppiche oder Polster, bis sie sich verpuppen. Am Ende hinterlassen sie die kleine Gespinströhre, die man in seinem zerfressenen Wollvorrat oft noch gut erkennt. Diese Entwicklung dauert 2 oder mehr Monate, je nach Umweltbedingungen.
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Was mögen Kleidermotten nicht?

Abgeschlossene Schränke und Kleidersäcke
Saubere Kleidung
Unruhe
Kälte
Licht
Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass zum Beispiel eine offene Kleiderstange auf einem warmen Zwischenboden das Paradies für Kleidermotten ist.  Schränke in einem trockenen, ungeheizten Keller scheinen aber ziemlich gut vor Befall zu schützen. Ungereinigte Kleidung ist wegen menschlicher Hautschuppen, Haaren und Schweißresten doppelt lecker.
Zu Chemie kann ich nicht viel sagen. Ich kaufe manchmal  schon diese langen grünen Klappstreifen aus dem Drogeriemarkt und hänge sie in den Schrank, ebenso wie Lavendel- oder Zedernduft. Aber ob das wirklich abschreckt?  Ich habe jedenfalls keine schlechten Erfahrungen seitdem gemacht. Mangels Lavendel im Garten werde ich es noch mit Waldmeister probieren, er soll auch wirken.
(Zusatzinfo Kommentar Bele:  Wirksamkeit Lavendel und andere Dufstoffe bisher nicht erwiesen)
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2. Die Motten waren da – wie werde ich sie wieder los?

Am besten alles ausräumen, Schrank gut saubermachen. Kleidung waschen und, je nach Leidensdruck, in der Tiefkühltruhe durchfrieren. Bemerkt man die Löcher im Winter, kann man die befallene Garderobe auch eine Weile auf dem Balkon oder im Garten bei Minusgraden  lagern. (Zusatzinfo Kommentar Bele: Das bringt nur etwas bei -20Grad und sehr plötzlichem Temperaturwechsel.)    Offenbar gibt es Leute, die ihren Lieblingspulli in die Mikrowelle legen, um eventuellen Eibefall durchzugaren. Allerdings habe ich da Bedenken, denn je nach Trockenheit können Textilien in der Mikrowelle auch schnell zu schmoren anfangen.
Mit chemischen Mitteln kenne ich mich leider nicht genug aus, um kompetent Auskunft zu geben. Helfen sollen auch Schlupfwespen. Pherhormonfallen sind nur dazu gut, den Mottenbefall anzuzeigen, den Schaden verhindern können sie nicht. Vielleicht melden sich hierzu ja Fachstimmen in den Kommentaren. Bei den Recherchen habe ich gemerkt, dass es mit dem Thema Motten wie bei Läusen und Zecken ist: In Detailfragen wird es kompliziert und Hörensagen dominiert.

3. Kann ich meinen Lieblingspulli irgendwie retten?

Auf jeden Fall. Es gibt verschiedene Möglichkeiten:

Den Makel verstecken

Kunststopfereien können ein Gewebe manchmal so reparieren, dass nichts auffällt.  Warum sollte man das nicht auch einmal selbst versuchen. Allerdings ist ist sehr sorgfältiges Arbeiten angesagt, und, sehr wichtig: Das Stopfgarn stammt am besten vom Kleidungsstück selbst, zum Beispiel aus dem Saum oder einer Seitennaht. Für Stricksachen erklärt diese Youtube-Anleitung „How to darn socks“ ganz gut die Strategie. Es gibt kein Schluren, jede Reihe muss gezählt und exakt nachgearbeitet werden! Das gilt genauso für Webstoffe. Es ist möglich,  Löcher unsichtbar zu reparieren,  der Stoff wird quasi nachgewebt. Früher wurde das auch noch in der Schule an Mustertüchern unterrichtet. Die fast verlorene Kunst zeigt  Parisian Gentleman – das hier war einmal ein Zigarettenloch!

Der Colette-Blog hat einen ganz guten Überblick über Kleidungsreparaturen,  „Make Do and Mend“, mit weiteren Links in den Kommentaren. In vielen alten Büchern gibt es noch Abschnitte dazu, zum Beispiel in The New Dressmaker.

Gröberes Vorgehen geht jedenfalls auch. Ich habe bei einem Neu aus Alt-Post vor einigen Jahren schon einmal gezeigt, wie ich  ein Loch von unten mit Vlieseline sichere und darübersticke, es fällt kaum auf.

Den Makel schmücken

Man kann die Löcher extra betonen, indem man sie bestickt, mit Nadelfilzen bearbeitet (Konfettiflicken über Mottenlöcher)  oder Stoff appliziert. Das funktioniert aber nur, wenn die Löcher entweder an einer optisch passenden Stelle sitzen, oder man die Reparatur über einen größeren Teil des Kleidungsstücks verteilt damit es nicht willkürlich aussieht.
Einen  ganzen Blog zum Thema „visual mending“  betreibt Tom of Holland, mit Anleitungen und Inspirationen. Das offensichtliche Stopfen kann auch zur Kunst werden.

Etwas Neues daraus machen

Wollwaren lassen sich gut weiterverwerten, Wenn möglich, kann man die Wolle aufribbeln und wiederverwenden. Oder man näht daraus Mützen, Handschuhen, Stulpen, Kissen und filzt die Teile vorher noch  in der Waschmaschine.  Wolldecken aus bunten Stücken können sehr gut aussehen. Diese hier hat im 19. Jahrhundert ein Soldat aus 10.000 Uniformteilen gefertigt:

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Andere Überwürfe zeigte ich bei Liebling, ich hab die Pullover geschrumpft. Ebenfalls aus Wollresten hat Nahtzugabe eine schöne Decke gemacht – und in ihrem letzten Buch sind natürlich noch mehr Weiterverwertungsideen.
Gern könnt ihr nun eure Erfahrungen dazu geben und euch auch therapeutisch ausheulen – ich bin selbst gerade wieder Betroffene, weil ich vor einigen Wochen zwei Mäntel fahrlässigerweise in der Garage hängen gelassen hatte.

Mit diesem Beitrag habe ich übrigens zwei Motten mit einer Klappe geschlagen (aaaaaah, sorry) und sowohl „Du kriegst die Motten“ als auch die „Mottenkiste“ für das neue Buch recherchiert.  Wo das herkommt? Da müsst ihr wohl auf den Herbst warten…    :)

Leider finden einige Mottenzitate keinen Platz im Buch , die hänge ich nun einfach hier an. (Und nicht vergessen, in einer Woche ist wieder Stoffspielerei bei Karen,  Ende Juni dann bei Frifris mit dem passenden Thema „Löcher“).
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Aus „Der moderne Knigge“, 1902:

In vielen Familien wird von den Hausfrauen das Eintreffen des Sommers durch eine beliebte Ceremonie , genannt das Einmotten, gefeiert. Dieses besteht darin, daß die Damen-, Herren- und Kindergarderoben und andere Textilgegenstände des Hauses mit scharfriechendem Pulver vollgestreut werden, wodurch, wenn das Pulver nicht ganz frisch und obenein nicht echt ist, den Motten verraten wird, wo ihr Futterplatz sich befindet.

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Die Motte spinnt sich auch in seidnen Zeug mit ein
Und Purpur weis sich nicht zu schützen.
Hofmannswaldau, 1703

wann man diese blumen bei die kleider leget,
verjagen sie die motten und schaben.
Tabernaemont, 1687

Denn wie ein Kleid wird sie verzehren die Motte, und wie Wolle sie verzehren die Schabe;
aber meine Gerechtigkeit wird in Ewigkeit sein, und mein Heil durch alle Geschlechter hindurch.
Bibel,  Jesaja, 51,8

Stoffspielerei im April: Plisseeee

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Lucy  von Nahtzugabe hatte für die heutige Stoffspielerei* das Thema Plissee vorgeschlagen.  Dazu war ich erst einmal ratlos. Schließlich braucht man für Plissee eigentlich eine Profimaschine und Profischablonen. Nicht weit von mir liegt eine der wenigen Plisseebrennereien Deutschlands, die Firma Gießmann. Mehrere Zeitungen berichteten bereits darüber, zum Beispiel hier: „In kunstvolle Falten gelegt„.  Die Pappschablonen werden offenbar per per Hand gefaltet – das kommt für mich nicht infrage. Wie kann das regelmäßig werden?

Zum Glück  fand ich in Reclams Mode- und Kostümlexikon beim Eintrag zu „Plissee, das (von frz. pli ‚Falte‘)“:

…. Sehr fein und regelmäßig plissiertes Leinen grub man in Birka, dem schwedischen Handelszentrum (ca. 800-975) der Wikinger, aus. Da die Falten rund sind, wurde wahrscheinlich das Plissee durch Einnähen und Zuziehen von Fäden erreicht, die man nach dem Waschen und Trocknen des Stoffs wieder entfernt hat.

Also machte ich es wie die Wikinger und zog Nähgarn durch einen abgeschnittenen Hemdärmel.

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Natürlich rissen einige dieser Fäden beim Zusammenziehen, was bei solchen Projekten ein SUPERGAU ist. Daher: Für so etwas IMMER festen Zwirn nehmen, auch wenn man gerade zu faul ist, welchen zu suchen.

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Nun hatte ich mein kleines Faltenpaket, aber wie weiter?

Ich fand dieses französische Video über einen Plisseur und  lernte, dass meine Baumwolle nur gefaltet bleiben wird, wenn ich sie niemals wasche. Monsieur Lognon der Plisseur rät zu Kunstfaser wenn das Plissee waschbar sein soll, sonst ist es nach der Wäsche dahin,  sinon, c’est foutu.

Einen Dampfschrank wie die Profis hatte ich natürlich nicht, aber  früher wurde einfach über einem Kochtopf im Wasserdampf fixiert, das versuchte ich dann auch. Das Päckchen eine Stunde im Sieb über leicht köchelndem Wasser durchziehen lassen, dann über Nacht langsam trocknen .

Am nächsten Morgen war ich nach dem Heraustrennen der Fäden angenehm überrascht.

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Das gefällt mir wirklich gut. Ich könnte noch eine zweite Manschette plissieren und beide mit Knöpfen um die Handgelenke herum verschließen (am besten einfach die festen Manschetten von einem Oberhemd abschneiden und das Plissee aufapplizieren).

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Mit Waschbarkeit ist es dann auch nicht so ein Problem, man könnte Flecken vorsichtig per Hand austupfen. Als Kragen oder Jabots könnte ich mir so ein Plissee auch gut vorstellen.

Ein bisschen erinnert mich mein Ergebnis auch an dieses Brillenetui, das ich schon vor ein paar Jahren einmal bezogen habe – das sind unregelmäßig abgenähte Falten.

2016-04-23 22.02.13 Das Innere ist ein Schnappetui mit Werbeaufdruck vom Optiker. Wie das ganz einfach zu beziehen ist habe ich bei diesem Brillenetui  einmal gezeigt.

Nun schnell weiter zu Lucy  von Nahtzugabe von der ich weiß, dass bei ihren Vorbereitungen ein Backofen eine Rolle spielte, das ist spannend!  Vielen Dank an Lucy für das Linksammeln.

Ich werde mir auch alles ansehen, aber das Kommentieren bei Blogspot-Blogs ist inzwischen für Externe so frustierend, daß mein Duchhaltevermögen dafür vielleicht nicht reicht.

NACHTRAG: Christoph hat in den Kommentaren darauf verwiesen, dass Kleidung um 1800 zum Waschen die Falten wieder mit (wenigen) Fäden fixiert hat, das hat gut geklappt.

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Vormerken: Der nächste Termin für die Stoffspielerei ist Sonntag, der 29. Mai 2016 bei Karen mit dem Thema “Schrift im/in/auf Textil”.

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Die monatliche Stoffspielerei ist eine Aktion für textile Experimente. Sie ist offen für alle, die mit Stoff und Fäden etwas Neues probieren möchten. Der Termin soll Ansporn sein, das monatlich vorgegebene Thema soll inspirieren. Jeden letzten Sonntag im Monat sammeln wir die Links mit den neuen Werken – auch misslungene Versuche sind gern gesehen, zwecks Erfahrungsaustausch.

Der Plan für die nächsten Monate, kurzfristige Terminänderungen sind möglich:

26. Juni Frifris, Thema „Löcher“

SOMMERPAUSE

Wiederaufnahme voraussichtlich am 25. September bei mir, Thema: Von Gold bis Blech – Metallstickerei

 

 

Stoffspielerei im März: Verschlungene Metiers de Bunt

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Frohe Ostern!

Achtung, es wird bunt hier.

Griselda von Machwerke hat für die heutige Stoffspielerei* das Thema „Verschlungen und verflochten“ vorgeschlagen.

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Und ich habe mich zu diesem Anlass an zwei Baustellen gesetzt, die mich schon länger interessieren: Armbänder aus verflochtenen Jerseystreifen und Borten in Chanel-Optik. Beides liegt nah zusammen, so dass ich beim Machen nicht aufhören kann, Techniken und Materialien zu kombinieren. Wolle, Baumwolle, Seidenstreifen, Glitzergarn, Perlen, Kettenreste, Fransen, Federn – das alles dann gehäkelt, geflochten, verknüpft und durchgezogen.

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Die Basis ist zum einen ein Art gehäkelte Kordel, für die es auf Youtube unter dem Stichwort „Romanian Point Lace“ Anleitungen gibt. Diese Häkelborte, die eher wie Macramee wirkt, ist gut für Kombinationen geeignet. Durch Schlaufen an beiden Kanten und in der Mitte lassen sich Fäden oder Stoffstreifen einfach mit einer Stopfnadel durchziehen.

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Zum anderen gibt Jerseyband aus zerschnittenen Shirts eine gute Grundkonstruktion für Armbänder. Durch den Stretch (je mehr Lycra desto besser) braucht man eigentlich keinen Verschluss. Gedehnte Jerseystreifen rollen sich selbständig ein und können dann gehäkelt oder verflochten werden. Die Inspiration dafür kommt von Gudbling. Die Armbänder dort haben mir schon immer gut gefallen, mir ist nur zu viel Metall daran. Ohne Metall sieht es dann aber schnell wie ein Strumpfband aus.

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Und das ist das Problem: Bisher habe ich noch nichts erreicht was die Tragbarkeit angeht.

Als Borten wäre es schon schön, wirkt aber dann doch schnell tantig, eben chanellig.

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Oder es ist mir zu folkloristisch-brav, aber das liegt eher daran, dass man für geniale Kombinationen eben genial sein muss.

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Da kann man noch so Stundenlang die ganzen Making-Of Videos bei Youtube aus den Modehäusern ansehen (nicht nur Chanel, auch Dolce&Gabanna, Valentino und viele andere schwelgen zur Zeit in Opulenz).

Karl Lagerfeld zeigt seit 2002 spezielle Metiers d’Art Kollektionen, bei denen Handwerk die Hauptrolle spielt. Üppige Stickereien,  Kunstwerke aus Federn, Plissees, Leder und Metall. Chanel hat inzwischen viele traditionsreiche Manufakturen übernommen und rettet damit alte Handwerkskünste vor dem Aussterben. „Während es ein Überangebot an jungen Designern gibt, sind die Handwerker, die die Entwürfe in Kleider umsetzen können, selten geworden – und kostbar.“ heißt es in dieser Zeit-Reportage aus dem Atelier Chanel von 2010. „Viele besinnen sich derzeit auf ihre Traditionen, in ihren Kampagnen erinnern sie gern an Gründungsmythen oder althergebrachte Herstellungsweisen. Das Handgemachte, das Beständige gilt wieder als hohes Gut.“

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Laut französischer Vogue von November 2015 gehören jetzt 11 Firmen zum Metiers d’Art Netzwerk. Schuhe, Schmuck, Hüte, Plissee, Stickereien, Handschuhe, Blumen, Federn, Pullover von einer schottischen Werkstatt – Lagerfeld kann aus dem Vollen schöpfen.

Der Zeit beschrieb Lagerfeld die neuen Kundinnen, die Einzigartiges wollen: „Heute sind das junge Frauen aus allen Teilen der Welt, von Afrika bis Südamerika, China, Korea, die kommen und kaufen 20 Kleider. Obwohl – die kommen gar nicht mehr, die lassen kommen: Die probieren die Sachen gar nicht an, die lassen sie sich im Privatjet nach Hause fliegen.«  …  Früher sei Haute Couture etwas gewesen für »dicke Damen, die nichts fanden, die mussten sich die Dinge anfertigen lassen«. Die neuen Kundinnen aber seien »Frauen, die die gleiche Figur haben wie die Mannequins«.

Darauf einen Kaffee mit Stuten und schnell weiter zu Griselda, wo ihr sicher sehr viel brauchbarer Verschlungen und Verflochtenes findet. Schaut mal vorbei! Vielen Dank an Griselda für das Linksammeln.

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Vormerken: Der nächste Termin für die Stoffspielerei ist Sonntag, der 24. April 2016.   Lucy von Nahtzugabe wird dann Beiträge zum Thema Plissee sammeln.

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Die monatliche Stoffspielerei ist eine Aktion für textile Experimente. Sie ist offen für alle, die mit Stoff und Fäden etwas Neues probieren möchten. Der Termin soll Ansporn sein, das monatlich vorgegebene Thema soll inspirieren. Jeden letzten Sonntag im Monat sammeln wir die Links mit den neuen Werken – auch misslungene Versuche sind gern gesehen, zwecks Erfahrungsaustausch.

Der Plan für die nächsten Monate, kurzfristige Terminänderungen sind möglich:

24. April bei Nahtzugabe, Thema “Plissee”
29. Mai bei Karen , Thema “Schrift im/in/auf Textil”
26. Juni Frifris

 

Stoffspielerei: Tuch wird zu Rock und Schal zu Bolero

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Heute bin ich mit der monatlichen Stoffspielerei*  dran. Als Thema hatte ich mir Es war einmal ein Tuch ausgesucht und hier auch schon ein paar Tipps dazu gegeben.

Zunächst meine eigenen drei Beiträge, weiter unten dann die Links zu den anderen Teilnehmerinnen.

 1.  Zwei Seidentücher werden zu einem Rock gewickelt

Nix aufregendes, Sarong-Prinzip mit zwei Tüchern, aber es funktioniert. Ich bin schon einen ganzen Tag mit der Wickelei herumgelaufen, es sitzt und hält gut. Unten drunter trage ich einen schwarzen Strickrock. Da die beiden Tücher nur geknotet werden, konnte ich gefahrlos die besten Stücke aus meinem Lager vitalisieren. Ein Hermes-Tuch und ein Tuch von Fabric, beide schon mindestens 20 Jahre alt, .

Das Hermes-Tuch hält zusammengedreht als Bündchen die rechteckige Stiefmütterchen-Seide, wird einmal um die Taille geschlungen und mit dem anderen Zipfel des Rockteils verknotet. Ich freue mich, das schöne Blumentuch nun so einsetzen zu können. (Und habe nun außerdem einen ähnlichen Look wie ich ihn vor Jahren schon bei Lucys Digitalprint schön fand).

2. Schal wird zu Bolero

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Sehr gut gefällt mir auch dieser Bolero/Shrug/Leibwärmer, keine Ahnung, wie man so etwas nennt. Das ist eigentlich ein sehr schöner schwerer Schal aus Norwegen. Zu schade, um nur im Schrank zu liegen. (Ich trage generell wenig Schals und Tücher und komme damit nicht klar, aber das Fass will ich hier nicht aufmachen.)  Lieber meine Entdeckung teilen: Wenn man das Prinzip verstanden hat, kann man sich in 10 Minuten ein Leibchen winden und mit ein paar Stichen fixieren. Der Ablauf ist eigentlich einfach, aber schwer zu erklären. Den Schal (240 x 20 cm) dreht man in sich und schließt ihn an den schmalen Enden zu einem Ring, siehe zweites Foto unten.

Über die Schultern gelegt und vorn gekreuzt, fixiert man mit einer zweiten Naht auf dem Rücken das Oberteil am Unterteil (auf den Fotos mit einer Klemme markiert). Das war es eigentlich schon :-), aber dafür braucht es wohl besser eine Animation oder ein  Video. Ich habe es mir selbst ausgetüftelt, vielleicht gibt es das schon irgendwo erklärt?

3. Tuch auf Pullover

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Das aufwendigste Projekt, ein Tuch auf einem Pullover appliziert, ist eher ein Flop. Eben weil bei mir Tücher immer verrutschen und mich stören, wollte ich den Farbtupfer mit dem Pullover verbinden. (Eine ähnliche Idee hatte ich hier verfolgt). Also nähte ich den Schal fein gefältelt fest, was ein langwierige Arbeit war. So richtig überzeugt mich das Ergebnis nicht. Es „trägt auf“, sieht in echt komisch aus und nervt.

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Das Tuch ist mit einer Hochhausfassade bedruckt und wurde vor Jahren an einem Stand auf der Textile Art verkauft. Den Druck finde ich wirklich toll. Wahrscheinlich löse ich alles wieder vom Pullover und mache etwas anderes damit.

Das wars, jetzt seid ihr dran. Hier nun andere Stoffspielereien:

  • Beswingtes Allerlei hat den heutigen Termin zu Anlass genommen, ein Motto-Tuch in eine Gertie-Bluse umzuwandeln und erzählt die schöne Geschichte, warum auf Mehlsäcken in den USA manchmal Schnittmuster aufgedruckt waren.
  • Bei Susanne von Nahtlust freut sich ein Schal darüber, dass er jetzt eine Schachtel ziert.
  • Christine hat zwar kein aktuelles Werk, aber früher einmal aus Coupons für Seidentücher Blusen gemacht, hier und hier.
  • Bei Creatures and Creations ist ein Geschirrtuch jetzt ein Homunkulus – auch eine gute Idee für Monogramm-Würdigung auf alter Wäsche.
  • Jahreszeitenbriefe trägt gern Tuniken aus zwei Batist-Batiktüchern, hier ein Beispiel.
  • Karen macht einen Ausflug in die Geschichte des Taschentuchs und näht aus einem Kunstseidenschal einen Wäschebeutel.
  • Siebensachen hat schon mehrmals Tücher verarbeitet, inklusive Fransenkantenverwertung.
  • Mirellchen ist auf Furoshiki gekommen – Stoffspielerei mit Knoten.
  • Griselda rettet ein Kashmirtuch aus der Mottenkiste mit dem hier wieder wirklich wahren Motto: Viel hilft Viel.
  • Judika findet in ihrem Zimmer mehrere Tuchverwertungen, unter anderem ein Bild, das im Sommer wieder zu einem Pareo werden kann.
  • Siebenschön hat nach ein bisschen schneiden und nähen nun eine Jacke – das erste Tuch, das für sie tragbar ist.
  • 123-Nadelei zeigt, wie man ein Tuch als Kragen und Ärmelabschluss intregiert und richtig gut in Szene setzt.

 

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Vormerken: Der nächste Termin für die Stoffspielerei ist Sonntag, der 27.  März 2016.   Griselda von Machwerke wird dann Beiträge zum Thema Verschlungen und Verflochten sammeln.

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*  Die monatliche Stoffspielerei ist eine Aktion für textile Experimente. Sie ist offen für alle, die mit Stoff und Fäden etwas Neues probieren möchten. Der Termin soll Ansporn sein, das monatlich vorgegebene Thema soll inspirieren. Jeden letzten Sonntag im Monat sammeln wir die Links mit den neuen Werken – auch misslungene Versuche sind gern gesehen, zwecks Erfahrungsaustausch.

Der Plan für die nächsten Monate, kurzfristige Terminänderungen sind möglich:
27. März bei Griselda, Thema “Verschlungen und verflochten”
24. April bei Nahtzugabe, Thema “Plissee”
29. Mai bei Karen , Thema “Schrift im/in/auf Textil”

 

 

Stoffspielerei im August: Von Schiaparelli stranguliert

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„Sieht aus, als würdest du stranguliert.“ Der Kommentar aus dem Familienkreis beschreibt meinen Seelenzustand ganz gut, meint aber nur diesen Kragen. Mit dem Werk will ich nach der Sommerpause die monatliche Stoffspielerei* wieder aufnehmen. Heute bin ich dran,  Links zu sammeln. Das Thema ist „Es war einmal ein Oberhemd.“

Zunächst mein eigener Beitrag, weiter unten dann die Links zu den anderen Teilnehmerinnen.

Der Strangulationskragen geht auf die Modemacherin  Elsa Schiaparelli zurück, die in den 30er Jahren ein Faible für den Surrealismus hatte. Sie ließ  immer wieder Hände in ihren Entwürfen auftauchen, so wie bei diesem Gürtel.

Seit 2014 gibt es die Marke Maison Schiaparelli wieder. In diesem Making-Of Video entdeckte ich Hände an einem Rückenausschnitt.

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Und dann sah ich bei der italienischen Marke Vivetta lauter Kragen mit Fingern. Die fand ich so toll, dass ich sie ganz schnöde nachmachte .

Man braucht nur einen sauber  von einem Oberhemd abgeschnittenen Kragen und ein bisschen Hemdenstoff. Den Stoff mit Vlieseline verstärken, anhand einer Schablone die Linien vorzeichnen, mit der Maschine in feinem Zickzachstich umsticken , ausschneiden, rote Fingernägel mit Stoffstift malen. (Bunt besticken wäre natürlich schöner. Nagellack auf Stoff geht nicht gut, probiert).

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Dann Finger versuchsweise auf den Kragen stecken.

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Strangulationskommentar bekommen. Als nächstes einen Blusenausschnitt verzieren. Diese Version wird von meiner Familie deutlich bevorzugt.

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Ich finde die Variante auch ganz lustig.

Nur  ist mir die Bluse leider einen Tick zu eng. Sie war auch einmal ein Oberhemd.

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Das Hemd habe ich bis auf die Knopfleiste und die Seiten/Ärmelnähte komplett auseinandergenommen und nach einem selbstgebastelten Schnitt mit Prinzessnähten wieder zusammengesetzt. Dabei machte ich mir zunutze, dass Herrenhemden meist oben breiter sind als unten und ich das Verhältnis umgekehrt brauchte. Hier eine grobe Zeichnung dazu.

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Weil der Stoff in den Seitenteilen dann leider zu kurz war, habe ich noch die Ärmelbündchen eingefügt. Sieht auch etwas surrealistisch aus.

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Das Hemd ist so fast komplett verwertet, sitzt aber oben etwas zu knapp und ich ziehe es ungern an. Fazit: Für genügend Spielraum nimmt man am besten XXL-Hemden, oder gleich mehrere, aber mit der Erkenntnis bin ich nicht die Erste, wie man in den folgenden Links sehen wird. Das Thema stößt offenbar auf viel Resonanz, daher hier für alle schon mal ein Tipp: Im Oktober erscheint „Mach Mit! Neues Leben für alte Kleider„, das zweite Buch von Lucy/Nahtzugabe . Die Vorschau verrät, dass dort auch Oberhemden eine Rolle spielen.

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Hier nun alle anderen Stoffspielereien (Links werden im Laufe des Tages ergänzt):

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  1. Griselda ist schon vor einem Monat freundlicherweise in Vorleistung getreten und hat mit einem vorzüglichen Patchworkkleid aus drei Hemden die Marge sehr hoch gesetzt.
  2. Und nun steuert sie gleich noch zwei Zugaben bei, eine an den Körper modellierte Bluse und einen Rock mit Kapellenschlitz-Zitat (was das wohl ist? das google ich nach einem Kaffee)
  3. Eike von Rosalie und Me hüpft schon eine ganze Weile im skandinavisch-puristischen  Männerhemd-Kleid mit Gummizug durchs Wasser.
  4. Ines von den Nähzimmerplaudereien hat zwei Hemden harmonisch aufgeteilt und in eine luftige ärmellose Bluse verwandelt.
  5. Karen benutzt genialerweise die Armschlitze und Manschetten eines großen Hemdes als Verschluss für einen glockigen Rock.
  6. Frau Nähkästchen meldet sich als Spezialistin für Oberhemdenverwertung mit ihren verschiedenen Projekten, incl. Knopfleiste als Kissenverschluss – man sollte Knopfleisten und Brusttaschen generell aufheben!
  7. 123-Nadelei hat auch Kissen gemacht und jede Menge Patchworkmuster probiert.
  8. Ohne Blog, daher ist Barbara mit zwei PDFs dabei:  Herrenhemden zu Kleid und Herrenhemd zur Bluse
  9. Mirellchen hat für ihr weißes Sommeroberteil auch den Weg über ein Schnittmuster genommen.
  10. AnniLu hat sich zum Glück überzeugen lassen, einen neuen großen Logcabin-Quilt aus 12 Hemden zu zeigen (der als Geschenk an den Hemdenspender zurückgehen soll), plus Kissen und mehr.
  11. Bei Lucy von Nahtzugabe könnt sehen, wie ein  „Arm-in-arm Skirt“ aus zwei Oberhemden entsteht.
  12. Eine virtuose Verwerterin ist auch Lila und Gelb. Seht selbst ihre cleveren Taschen und gepatchten Buchhüllen.
  13. Ein Blüschen im Japan-Style und mehr ist bei Malou zu sehen, sie nutzt bei durchgewebtem Stoff auch mal die Rückseite, wenn die besser in Schuss ist.

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Vormerken: Der nächste Termin für die Stoffspielerei ist Sonntag, der 27.  September 2015.   Griselda von Machwerke wird dann Beiträge zum Thema Falten sammeln.

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Die monatliche Stoffspielerei ist eine Aktion für textile Experimente. Sie ist offen für alle, die mit Stoff und Fäden etwas Neues probieren möchten. Der Termin soll Ansporn sein, das monatlich vorgegebene Thema soll inspirieren. Jeden letzten Sonntag im Monat sammeln wir die Links mit den neuen Werken – auch misslungene Versuche sind gern gesehen, zwecks Erfahrungsaustausch.

Der vorläufige Plan für die nächsten Monate, kurzfristige Terminänderungen sind möglich:

27. September – Machwerke – Thema Falten
25. Oktober – Karen – Thema Spitze
29. November  – Nahtzugabe
27. Dezember – WINTERPAUSE

Helden der Flickenkiste – Maigrün, Lilo Pulver und Fast Fashion

Neues aus der Serie „Helden der Flickenkiste“, Aktion von Frifris. Sie hat heute rote und blaue Textilien gerettet, bei mir überlebte eine Wolldecke in Maigrün.

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In Zürcher Verlobung von 1957 trägt Liselotte Pulver eine grüne kastige Jacke. Die gefiel mir und ich fotografierte sie vom Bildschirm ab. (Der Film ist inhaltlich zu vernachlässigen, aber wegen der Mode interessant, weil dort die Umbruchzeit 50er/60er  gut zu erkennen ist.)

Für die Jacke nahm ich aus der Flickenkiste eine Wolldecke ins Visier, die zwei große unentfernbare Teeflecken hatte. (Was nebenbei bemerkt beweist, dass Tee und Wolle ein gutes Färbepaar sind.) Die Decke hatte ich schon 20 Jahre, sie war einmal sehr mohairig und schon immer mit bad Vibrations aufgeladen, weil die Verkäuferin in dem Einrichtungsladen, in dem ich sie gekauft hatte, unglaublich arrogant war.

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Jedenfalls habe ich wieder meinen Allroundschnitt (Vogue 1981 B) genommen, der auch schon Grundmuster des Hausmantels à la Diderot war.  Ich wollte unbedingt die Fransen der Decke behalten, also verlängerte und begradigte ich die Vorderkanten.

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Man kann die Jacke sehr weit offen tragen oder ganz hoch geschlossen (mithilfe einer Haarspange). Seit mehreren Monaten wohne ich quasi darin. Beim derzeitigen Übergangswetter ist sie auch gut geeignet für den schnellen Fahrradritt zum Supermarkt.

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Nicht gut gelöst sind bisher die offenen Kanten unten und an den Ärmeln. Es franst schon ein bisschen. Ich dachte an dünnes Leder als Einfasskante, aber natürlich gibt es so etwas nicht in Maigrün. Stoff- oder Samtkante habe ich auch probiert, sieht blöd aus.

Das andere Problem ist, dass die Wolldecke schon ziemlich räudig war. Neben mir sitzt man zur Zeit wie neben einem zottigen Hund.  Dunkel erinnere ich mich, dass man solche Mohairstoffe auch wieder fluffig bekommen kann. War das im Trockner? Vielleicht hat jemand Erfahrung dazu.

So oder so freue ich mich, dass ich eine Textilie vor dem Müll gerettet habe. Womit ich beim weiteren Thema bin: Wie steht es mit der Fast Fashion hier im Hause? Bei Gewissensfrage Klamottenkauf  hatte ich ja im Herbst eine Mutter-Tochter Challenge ausgerufen und wollte für mich prüfen, wie ökologisch und ökonomisch unkorrekt unsere Herbsteinkäufe waren. Was ist draus geworden?

Ich habe losrecherchiert, ja. Viel gelesen, viele Filme geschaut. Und musste feststellen, dass am Ende  immer eine Unsicherheit und Grauzone bleibt, wenn man nicht bei ausgewiesenen Fair-Labels kauft. Hinter den großen Kleidungsmarken stehen dieselben Konzerne, arbeiten dieselben Fabriken. Ob Zara, COS oder Uniqlo, wo wir als Familie hauptsächlich einkaufen, es gibt sich nicht viel. Zwar reagieren viele Konzerne inzwischen aufgeschlossener, weil sie gemerkt haben, dass „Fast Fashion“ ein Imageproblem bekommt. Sie können aber nie den Nachweis erbringen, dass bis ins letzte Glied der Herstellungskette alles mit rechten Dingen zugeht. Läuft etwas schief, verweisen sie darauf, ein Sub-Sub-Subunternehmer habe ganz allein ohne Wissen des Konzerns etwas Illegales gemacht. Das sei bedauerlich, man werde sich kümmern, aber das sei eben schwer zu überwachen.

Bei meinen Recherchen bin ich auf den Blog „Ich Kauf Nix“ von Nunu Kaller gestoßen, die auch bei Greenpeace aktiv ist. Bei ihr habe ich alle meine Fragen beantwortet gefunden. Ich empfehle euch den Blog sehr, wenn ihr für dieses Thema affin seid.

In dem Beitrag Etwas wissen und danach handeln: zwei Paar Schuh zitiert sie aus einer Studie, in der Teenager nach ihrem Klamottenkauf gefragt wurden. Zwei ihrer Screenshots daraus:

Bemerkenswert niedrig: Der Anteil des Selbermachens bei den „Bezugsquellen“. Bemerkenswert sind außerdem Stellungnamen von H&M bei Nunu Kaller. Ich finde es toll zu sehen, wieviel man mit Öffentlichkeitsarbeit auch via Blog erreichen kann.

Was tun?

Wie informieren?

  • Facts-Seite bei Nunu Kaller – Die moderne konventionelle Bekleidungswirtschaft vom Saatgut zum Müllberg
  • Liste mit Dokus zu Fast-Fashion. (Habe ich angelegt, könnt gern Ergänzungen empfehlen).

Hier noch ein beeindruckender Kurzfilm aus Indien, wo unsere Altkleider recycelt werden. Eine Arbeiterin erzählt, was sie über die Menschen im Westen denken. „Wir glauben, Wasser ist dort teurer als Kleidung, daher werfen sie einmal Getragenes weg, statt zu waschen.“

Über zwei Halstücher brauchen sie sich in Indien nicht zu wundern, die werden nämlich nicht dort auftauchen. Die Tücher sind jetzt Vorder- und Rückseite eines Kissens, eine Sache von 5 Minuten.

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Danke, Frifris für den Anstoß. Ich gehe dann gleich mal die vier Jeanshosen mit Rissen an, die in der Flickenkiste liegen. Die brauchen eigentlich nur ein paar Zickzackstiche mit blauem Garn.

Stoffspielerei im September: Nähfuß für Minimalismus

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Für die Überschrift entschuldige ich mich, diese Woche habe ich sprachmäßig einen Clown geschluckt, oder wie das heißt.

Heute geht es um die Stoffspielerei  im September, für die  Griselda  das Thema „Nähfüße“ vorgeschlagen hatte. Zunächst dachte ich, das sieht schlecht aus für mich, weil bei meiner alten Pfaff 260 gar keine Sonderfüße dabei waren. Andererseits besitze ich eine ganze Schachtel mit Nähfüßen anderer Maschinen und sonstige seltsamen Teilen. Außerdem hatte ich in Frankreich eine Anleitung für die alte Pfaff gefunden. Also setzte ich mich hin und probierte mithilfe des Büchleins die Nähfüße durch – einige passten sogar! Ich nahm mir einen Fuß  mit Abstandshalter vor.

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Ich wollte ganz minimalistisch quilten. Weiße Nähte auf schwarzem Grund.

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Abstandshalter falsch herum, im Anleitungsheft oben richtig.

Diesen Metallriegel schraubt man auf der Maschine fest und kann dann parallel zum Rand nähen. Das lohnt sich aber nur, wenn man weit vom Rand weg eine Naht braucht. Ansonsten reicht es eigentlich aus, das Füßchen als Orientierung zu benutzen – ich wäre hier also auch ohne den Abstandhalter ausgekommen.

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Dieser Bügel ist hilfreich, wenn man innerhalb einer Fläche Parallelnähte mit größerem Abstand braucht. Das ist bestimmt auf einerer größeren Fläche zum Quilten sehr gut. Bei meinem kleinen Quadrat und den vielen Nähten wieder nicht so unbedingt notwendig – aber wenigstens habe ich es probiert und weiß jetzt, was ich da habe.

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Das minimalistische Quadrat ist nun ein Topflappen. Danach quiltete ich noch zwei weitere Stücke, die per se schon so krumm und schief waren, dass es auf parallele Nähte  nicht mehr ankam.

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Als Inhalt für die Topflappen habe ich mehrere Lagen  Reste alter Handtücher benutzt. Das gefällt mir ganz gut, ist schön fest im Griff.  Das Rechteck links zeigt einen früheren Stoffmalversuch nach einer Skizze einer Bauhaus-Schülerin, ich weiß leider nicht mehr, welcher.

Erst später viel mir ein, dass ich ja  schon oft einen Sonderfuß benutzt hatte, und zwar den Stopffuß. Mit dem kann man wunderbar Maschinenzeichnen. (Wenn man keinen hat, auch nicht schlimm, dann nimmt man sich einen Stickrahmen und stickt ganz ohne Fuß).

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Mithilfe dieses Stopffußes hatte ich inzwischen auch dieses vor Jahren begonnene Stoff-Skizzenbuch beendet.

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So, nun will ich diesen Beitrag abschicken. Und freue mich auf andere Werke, die Griselda von Machwerke heute freundlicherweise sammelt.

Bei ihr könnt ihr wirklich etwas lernen, und zwar eine Menge Tricks für feine Säume.

Vielen Dank!