Textilbuch à la Louise Bourgeois – mit Seiten für die Stoffspielerei Juni

20170623_190931 (800x600)

Sieht das nicht ein bisschen aus wie gezeichnet? Mit schwarzem Stift schraffiert? Ist aber ein Gewebe, ein Rest Netz, auf Nessel appliziert. Das schwarze Schleierstück stammt aus einem alten Kleiderkoffer.

Weil Lucy/Nahtzugabe für die Stoffspielerei* im Juni das Thema „Schwarz und Weiß“ ausgesucht hatte, war die Suche im Fundus schön beschränkt. (Und es stellte sich heraus, dass ich gar nicht so viel schwarzes Material habe wie gedacht, mir liegen wohl eher die Zwischentöne.)

Mit dem Schleierstück entstehen dann auch gleich Zwischentöne.  Man könnte damit noch viel mehr machen, die „Schraffur“ zum Beispiel in Richtung einer Zeichnung manipulieren.

Karierter Cord war auch in der Restekiste, diese Zusammenstellung ist direkt angelehnt an ein Blatt aus dem Stoffbuch  Ode à l Oubli (Ode an das Vergessen) von Louise Bourgeois.

Zu Louise Bourgeois Textile Works könnt ihr bei früheren Stoffspielereien einiges nachlesen, meine Sammlung eigener Buchblätter von 2015 erweitert sich.

Dieses bestickte Stück überzeugt mich noch nicht, etwas fehlt. (Der Kreis war ein Stück Flicken für eine Barbour-Jacke, riecht ziemlich streng nach Wachs – unfotografierbar).

Hier die vier neuen Seiten zusammen (das Blau stammt von der letzten Stoffspielerei).

Noch ist das Buch provisorisch zusammengeklammert, aber da fällt mir sicher irgendwann etwas Schöneres ein. Auch für eine praktische Hängung braucht es eine Lösung, vielleicht mit Knöpfen an ein Band oder auf einen Wandbehang gesteckt.

Die Spielereien mit Streifenstoffen sind bei breiteren Streifen gar nicht so einfach, da muss man doch etwa exakter arbeiten.

Jedenfalls macht es großen Spaß, ganz in Ruhe an den kleinen Stoffcollagen zu arbeiten, Slow Stitch im besten Sinne.

Danke an Lucy für das Thema und das Linksammeln! Bei ihr findet ihr einen tollen gestickten Schriftzug und weitere Schwarz-Weiß-Beiträge der anderen Teilnehmer.

Im Juli/August macht die Stoffspielerei  Sommerpause, die nächstes Termine sind im Herbst:

Sonntag 24. 9. –  Siebensachen, Thema: Von der Natur inspiriert

Sonntag 29. 10. –  123-Nadelei, Thema: Fäden auf Farbe


*Die monatliche Stoffspielerei ist eine Aktion für textile Experimente. Sie ist offen für alle, die mit Stoff und Fäden etwas Neues probieren möchten. Der Termin soll Ansporn sein, das monatlich vorgegebene Thema soll inspirieren. Jeden letzten Sonntag im Monat sammeln wir die Links mit den neuen Werken – auch misslungene Versuche sind gern gesehen, zwecks Erfahrungsaustausch.

Versuch, die Schönheit alter Jeans zu sehen (Stoffspielerei Mai)

20170527_123513 (800x638)

20170527_195843 (800x600)

Bademöglichkeit am stillen See. Dank des sommerwarmen Maiwochenendes und guter Freunde mit Datsche kann ich ganz in meine Lieblingsfarbe eintauchen. Dazu passt Griseldas Thema für die Stoffspielerei* im Mai: „Blau in allen Schattierungen – Von Denim inspiriert“. Weil mir das verwaschene Jeansmaterial stellenweise wie gemalt vorkommt, habe ich ein bisschen experimentiert.

20170527_122818 (800x561)

20170527_195058 (800x600)

20170527_125217 (800x600)

20170527_195808 (800x600)

20170527_131121 (800x600)

Griselda zeigt in ihrem Beitrag schön, welches Potential in den unterschiedlichen Kett- und Schussfäden liegt. Sie hat sich den Franseneffekt für ein tolles Kleid zunutze gemacht. Bei mir werden vielleicht Gräser oder Bäume daraus. Das verwaschene Indigo ergibt aufgetrennt dann Shibori-Effekte.

20170528_121642 (800x600) (2)

Die Fäden lassen sich auch leicht kontrolliert herausziehen, die Hohlräume mit neuem Material durchweben, wie zum Beispiel einer Kiefernnadel:

20170527_125432 (800x600)

20170528_092251 (800x600)

Solche Löcher sehen nach dem Waschen bestimmt noch viel besser aus.

20170527_131546 (800x600)

Bei dieser Struktur denke ich an einen dunklen Teich oder auch einen Himmel mit Regenwand. Für den Vordergrund machen sich Taschenbeutel flach.

Welches Jeansstück es an die Wand geschaft hat, könnt ihr euch wahrscheinlich denken.

20170527_122818 (800x596)

Ich hoffe aber, man vergisst das Hosenbein und denkt eher an ein Aquarell. (Hätte ich auch im Programm, ist aber schon bald zehn Jahre her, Ostsee mit Gewitterwand. )

ostseeschiff

Mit den ausgezogenen Fäden kann man schön herumspielen, da weiß ich aber noch nicht, was ich davon halte.

20170528_100125 (800x600)20170528_100053 (800x622)

Kultur-Quizwissen nachzuschieben erspare ich mir, es ist einfach zu schön draußen. Wahrscheinlich wisst ihr ohnehin schon längst, woher die Worte Denim und Jeans kommen und wie lange es den Stoff schon gibt. (Oder ich füge es noch an, sollte der Sonntag weniger strahlend enden als er angefangen hat).

20170528_090127 (583x800)

Andere Jeansexperimente sind bei Machwerke zu sehen, vielen Dank für das Sammeln! Nächstes Mal, am 25. Juni,  geht es schon wieder um Farben. Lucy/Nahtzugabe hat das Thema „Schwarz und Weiß“ ausgesucht. Da mache ich vielleicht gleich weiter mit meinen kleinen Bildern.

Nächste Termine Stoffspielereien:
Sonntag 25. 6. –  Nahtzugabe, Thema: Schwarz und Weiß

Juli/August    Sommerpause

Sonntag 24. 9. –  Siebensachen, Thema: Von der Natur inspiriert

Sonntag 29. 10. –  123-Nadelei, Thema: Fäden auf Farbe


*Die monatliche Stoffspielerei ist eine Aktion für textile Experimente. Sie ist offen für alle, die mit Stoff und Fäden etwas Neues probieren möchten. Der Termin soll Ansporn sein, das monatlich vorgegebene Thema soll inspirieren. Jeden letzten Sonntag im Monat sammeln wir die Links mit den neuen Werken – auch misslungene Versuche sind gern gesehen, zwecks Erfahrungsaustausch.

Stoffspielerei: Duftige Nachthemdpasse aus den 30ern

20170128_153230-800x450

„Handarbeiten, Freude bereiten“ steht auf diesem Anleitungsheft, Herausgeber ist der Reichsbund des Textil-Einzelhandels. Zitat von Seite 20: „Wir wollen Ihnen hier klar machen, wie leicht es doch ist, eine Hemdenpasse zu häkeln“. Fein, das passt gut zum heutigen Termin für die Stoffspielerei*.   Ines  von den Nähzimmerplaudereien hat das Thema “Ecken und Kanten” vorgegeben, bei mir wird also nun eine Passe als Ausschnittkante daraus. (Übrigens: Bei Wikipedia fehlt noch ein Artikel zum Thema Passe am Kleidungsstück, falls jemand Lust hat, sich darum zu kümmern.)

20170128_154347-381x604

So sieht das Häkelstück im Heft aus, an ein seidiges Hemd angenäht.

20170128_154347-2-800x591

Die Anleitung dafür ist erstaunlich einfach. Auf der Häkelgrafik stehen die Punkte für Luftmaschen und die Striche für Stäbchen, das Muster wiederholt man immer rundum von Reihe 1 bis zur Reihe 15.

20170128_154440-800x450

Die Reihe 15 habe ich leider nie erreicht, denn das schön alte cremefarbene Häkelgarn ging vorher aus und ich fand keins mit demselben Farbton, um weiterzumachen. Ohnehin muss das Original noch viel feiner gehäkelt sein als meins, denn meine Passe ist  größer geworden als in der Vorlage. Dennoch tränten meine Augen vor Anstrengung, mit der Nadel immer die kleinen Maschen zu treffen.

20170128_153358-800x450

Auf dem Blumenkleid wirkt der Häkelkragen zwar authentisch, aber auch ziemlich mopsig. Also habe ich ein Nachthemd genommen, dessen Ausschnitt schon ein bisschen durchgescheuert war.

20170128_163643-800x450

Die Passe passte gut hinein – mal sehen, wie es sich trägt. Laut Heft soll man lange Freude daran haben. „Obwohl sie so duftig aussehen, sind sie doch sehr dauerhaft und halten viele Wäschen aus.“

20170128_163951-1-450x800

Den Reichsbund des Textil-Einzelhandels gab es in den 1920er und 1930er Jahren. Angesichts der Mode tippe ich auf die 30er Jahre, aus der Zeit sind auch einige andere Zeitschriften, die bei dem Konvolut waren.

20170128_154756-800x450

Hat alles ein ziemliches Nazi-Feeling an sich, beim Nachhäkeln hatte ich ein mulmiges Gefühl. Das Frauenbild im Heft ist dementsprechend – Frauenfleiß eben, Mutters Nadel, Mutters Hände, Schönheitssinn und Ordnungsliebe. Wie ganz anders wirkte da noch kurz vorher die Berliner Frauen-Illustrierten von 1928,  hier schon einmal Thema – der gesellschaftliche Rückschritt kann schnell und extrem sein.

Auch Modedetails aus meinem Heft sind heute wieder aktuell, die klobigen schwarzen Schuhe zum Beispiel, oder die dicken Zopfsocken und das Teufelsmützchen.

20170128_154205-800x450

20170128_154255-800x543

Die anderen Dinge – naja. Bei dem Strickkleid pillt es schon auf dem Foto so sehr, dass es gruselt. Und der Herrenpullover mit Logo könnte heutzutage als Nerd-Mode bzw. Geek-Chic wieder Abnehmer finden. Mädchen mit Hornbrillen und viel zu großen filzigen Mänteln vom Flohmarkt sind hier gerade Trend.

20170128_154106-450x80020170128_154030-450x800

Soweit für heute – vielen Dank an Ines, die die Links sammelt. Schaut bei ihr vorbei – ich bin gespannt, was andere aus dem Thema gemacht haben.

Im nächsten Monat, am 26.2. (der Sonntag vor Rosenmontag) ist das Thema “Kopfputz”, Gastgeberin ist Gabi von Made with Blümchen.

Nun bastle ich noch an einer anderen Kragenkante. Mal sehen, mit welchen der beiden Seidenstoffreste aus Japan ich die Bluse verschönere, ich kann mich noch nicht entscheiden. Schönen Sonntag allen!

20170128_152255-800x515

——————————–

*

Die monatliche Stoffspielerei ist eine Aktion für textile Experimente. Sie ist offen für alle, die mit Stoff und Fäden etwas Neues probieren möchten. Der Termin soll Ansporn sein, das monatlich vorgegebene Thema soll inspirieren. Jeden letzten Sonntag im Monat sammeln wir die Links mit den neuen Werken – auch misslungene Versuche sind gern gesehen, zwecks Erfahrungsaustausch.

Stoffspielerei: Improvisation mit Stoffresten

Heute ist wieder Termin für die Stoffspielerei*,  Nahtzugabe ist mit dem Thema „Stoffreste“ Gastgeberin. Dafür habe ich zwei Quilt-Projekte aus meiner Funduskiste geholt.

20161126_103853-800x495

Vor Jahren schon wollte ich nach einem Quiltspotting (Quilts in Filmen) das Pineapple-Muster versuchen. Ausgehend von einem Quadrat näht man viele schmale Stoffstreifen abwechselnd über Eck. Ich habe mich für je eine Reihe bunte und eine Reihe dunkle Stoffstreifen entschieden.

20161126_130528-800x45020161126_131650-640x360

Wenn man es nicht so genau haben muss, kann man nach Augenmaß arbeiten und braucht nicht mehr groß nachzudenken.

Links die Variante fand ich nicht so gut, da waren mir die Streifen zu breit. Rechts gefällt mir aber, das wird nun auf das rote Kissen appliziert.

20161126_133447-800x462

Das freie Variieren eines Grundmusters führt mich zu einem tollen Buch, das ich sehr empfehlen kann:

Sherri Lynn Wood, The Improv Handbook for Modern Quilters. Sherris Improvisationsrezepte habe ich ja früher schon probiert (z.B.  Floating Squares oder Stimmungsquilt). Von damals stammen auch noch sehr viele Streifen aus Stoffresten. Ich hatte alle Reste nach Breite sortiert und dann jeweils zusammengenäht.

20161126_134138-450x800

Doch wie nun weiter? Ich nahm mir das Kapitel „Doodle“ aus Sherris Buch vor, da näht man Stoffstücke zusammen, als ob man bei einem Telefongespräch nebenher auf einen Block kritzelt. Irgendwo mit einer Grundform (Quadrat, Dreieck etc.) anfangen und dann intuitiv Teile daran setzen, mit anderen Grundformen variieren. Bei sehr bunten Stoffresten rät Sherri zu einem einfarbigen Stoff als Ergänzung.

20161127_100712-800x450

Daran habe ich nun eine halbe Nacht herumgekritzelt, und Ausschnitte finde ich auch ganz gut, aber ingesamt?

20161127_100725-800x450

Im Buch gibt es jedenfalls auch eine ganze Menge Motivation, nicht so streng mit sich zu sein und den inneren Zensor zu überwinden.

20161127_100515-576x800

Ich lasse das jetzt erst einmal liegen und schaue später wieder drauf.

Lucy hat sich ebenfalls mit Sherris Ideen beschäftigt, außerdem zeigt sie, wie man ganz schnell eine kleine Börse nähen kann – schaut mal nach, was sie und andere mit Stoffresten gemacht haben. Danke für das Sammeln der Links!

Weil die Sonntagstermine im Dezember so ungünstig liegen, ist die nächste Stoffspielerei erst wieder Ende Januar, am 29. 1. 2017. Dann ist Ines  (Nähzimmerplaudereien) mit dem Thema „Ecken und Kanten“ Gastgeberin – falls jemand von euch auch einmal einen Sonntagstermin übernehmen möchtet, meldet euch gern bei mir!

——————————–

*

Die monatliche Stoffspielerei ist eine Aktion für textile Experimente. Sie ist offen für alle, die mit Stoff und Fäden etwas Neues probieren möchten. Der Termin soll Ansporn sein, das monatlich vorgegebene Thema soll inspirieren. Jeden letzten Sonntag im Monat sammeln wir die Links mit den neuen Werken – auch misslungene Versuche sind gern gesehen, zwecks Erfahrungsaustausch.

Sommerkleider selber nähen – MeMadeMittwoch Spezialausgabe

„Ich packe meinen Koffer“ heißt die heutige Spezialausgabe beim MeMadeMittwoch. Nach ewigen Zeiten wollte ich mal wieder teilnehmen, freudig mit meinen neuen selbstgenähten Sommersachen. Bloß, bei der Selbstauslöser-Fotosession  heute kamen mir doch große Zweifel. Meinen Kofferplan muss ich noch überdenken.

Leichte luftige Kleider sind hier jedes Jahr Thema – familienbedingt muss ich immer in südliche Bruthitze. Dieses Jahr wollte ich mir an Floh ein Beispiel nehmen – sie hat sich nach einem Brigitte-Schnitt nun schon zwei Kleider genäht, die ihr auch sehr gut stehen. 2016-07-27 14.16.48 (408x800)

Derselbe Schnitt an mir sieht nach Nachthemd oder OP-Kittel aus. (Stoff von Hüco, feine Oberhemden-Baumwolle). Zur Rettung habe ich es mal wieder mit Tuchapplikation versucht. (Uraltes Halstuch von Esprit).

20160727_144600 (289x800)

Gestern abend war ich noch ganz überzeugt, aber heute im Lauf des Tages fühlte ich mich schon nicht mehr so wohl. Die Umrandung mit der Bommelborte macht es auch nicht besser.

20160727_150708 (300x800)

Ich glaube, das bleibt ein Nachthemd – oder wirklich ein Patientenhemd, denn sein eigenes Hemd zu haben, ist schon ganz schön. In Kanada gibt es sogar eine Intitiative, die Jugendlichen individuelle Kittel für die Krankenstation besorgt.

20160727_124206 (262x800)

Der blaue Rock unten ist auch frisch genäht, aus einem gefärbten Betttuch nach eigenem Schnitt. (In den letzten Jahren nähe ich fast nur noch nach Schnitten, die ich von mir passender Kaufkleidung abnehme). Das sehr luftige Oberteil hatte ich schon vor Jahren einmal gezeigt, ich trage es immer noch. Aber irgendwie sieht das zusammen auch nicht so toll aus wie erhofft.

20160727_152707 (327x800)

Da denke ich doch gleich an diese Bilder hier.

DSC09763

Damit es aber nicht so negativ wird, hier ein Kleid, das seit vielen vielen Jahren in meinen Sommerkoffer kommt. Den Schnitt hatte ich damals von einem sehr gut sitzenden Lieblingsoberteil abgepaust und zum Kleid verlängert.  Locker und luftig, halblange Ärmel, aber dennoch „angezogen“. Hier hat sich der Nähaufwand für einmal wirklich gelohnt.

sommerkleid (480x748)20160727_122652 (450x800)

Ebenfalls gelohnt hat sich dieses Sommerkleid, das ich seit dem Blogeintrag vor 6 Jahren mag,  Angezogen.

DSC07689

Auch immer dabei ist mein bei Hitze nicht störender Textilschmuck, gehäkelte Ketten oder Armbänder aus Besenstielspitze.

kette (298x329)DSC04998

Der Blick ins Archiv deckt vergessene Sommerflops auf. Einige genähte und verbloggte Sachen habe ich so gut wie nie getragen. Bei dem Wax-Print unten links (Blogtitel 1qm Zufriedenheit  haha) ist der Stoff zu steif und unbequem.

DSC05781DSC05931DSC06254

Aber egal, sehr viele gute Sommerkoffer-Tipps könnt ihr heute beim MeMadeMittwoch finden, wo  Wiebke vom Blog „Kreuzberger Nähte“ beneidenswert ausgestattet auf Reisen gegangen ist.

Falls ihr bald fahrt oder schon weg seid: Gute Reise, guten Urlaub!

Du kriegst die Motten?

Wie man Kleidung vor Motten schützen kann, wie man die Motten wieder los wird und wie man Mottenlöcher doch noch retten kann.

motten

Gerade ist wieder die Zeit, in der eingelagerte Winterkleidung besonders vor Motten mit Vermehrungsdrang geschützt werden muss. Auf Leserinnenwunsch hin habe ich mich mal ein bisschen in Mottenkisten umgesehen.

1. Feindanalyse

Um sich zu schützen, muss man sich mit dem Feind beschäftigen.  Analysieren wir also mal die Spielzüge des Gegners.
 kleidermottestadien

Was fressen Kleidermotten?

Natürlich nagen nicht die unscheinbaren Falter die Löcher in die Wolle, sondern deren Larven. Die grausilbrigen Falter der Kleidermotte, miniklein, unter 1 cm (!), bekommt man selten zu Gesicht.  Das Weibchen versteckt sich lieber, bevor es seine Eier auf der passenden Nahrungsquelle ablegt. Eigentlich geht es ihr nur um ein Protein, das Keratin. Keratin haben Menschen und Tiere in Haare und Haut, besonders gefährdet sind also Wolle und Felle. Rein pflanzliche Fasern und Kunststoffe frisst die Raupe aber auch, quasi nebenher, besonders bei Mischgewebe.

Wann fressen Kleidermotten?

Die Flugzeit, in der die Eier für die Larven gelegt werden, kann schon vor Mai beginnen und dauert bis September. Motten lieben  Dunkelheit. Es ist aber nicht so wahrscheinlich, dass Kleidermotten von draußen in Haus fliegen, meist werden sie durch infizierte Textilien eingeschleppt. Ein Weibchen legt 100 bis 250 Eier.  Die Larven schlüpfen nach etwa zwei Wochen und fressen sich dann zügig durch Kleidung, Teppiche oder Polster, bis sie sich verpuppen. Am Ende hinterlassen sie die kleine Gespinströhre, die man in seinem zerfressenen Wollvorrat oft noch gut erkennt. Diese Entwicklung dauert 2 oder mehr Monate, je nach Umweltbedingungen.
 mottensicherdachboden

Was mögen Kleidermotten nicht?

Abgeschlossene Schränke und Kleidersäcke
Saubere Kleidung
Unruhe
Kälte
Licht
Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass zum Beispiel eine offene Kleiderstange auf einem warmen Zwischenboden das Paradies für Kleidermotten ist.  Schränke in einem trockenen, ungeheizten Keller scheinen aber ziemlich gut vor Befall zu schützen. Ungereinigte Kleidung ist wegen menschlicher Hautschuppen, Haaren und Schweißresten doppelt lecker.
Zu Chemie kann ich nicht viel sagen. Ich kaufe manchmal  schon diese langen grünen Klappstreifen aus dem Drogeriemarkt und hänge sie in den Schrank, ebenso wie Lavendel- oder Zedernduft. Aber ob das wirklich abschreckt?  Ich habe jedenfalls keine schlechten Erfahrungen seitdem gemacht. Mangels Lavendel im Garten werde ich es noch mit Waldmeister probieren, er soll auch wirken.
(Zusatzinfo Kommentar Bele:  Wirksamkeit Lavendel und andere Dufstoffe bisher nicht erwiesen)
 mottenspray

2. Die Motten waren da – wie werde ich sie wieder los?

Am besten alles ausräumen, Schrank gut saubermachen. Kleidung waschen und, je nach Leidensdruck, in der Tiefkühltruhe durchfrieren. Bemerkt man die Löcher im Winter, kann man die befallene Garderobe auch eine Weile auf dem Balkon oder im Garten bei Minusgraden  lagern. (Zusatzinfo Kommentar Bele: Das bringt nur etwas bei -20Grad und sehr plötzlichem Temperaturwechsel.)    Offenbar gibt es Leute, die ihren Lieblingspulli in die Mikrowelle legen, um eventuellen Eibefall durchzugaren. Allerdings habe ich da Bedenken, denn je nach Trockenheit können Textilien in der Mikrowelle auch schnell zu schmoren anfangen.
Mit chemischen Mitteln kenne ich mich leider nicht genug aus, um kompetent Auskunft zu geben. Helfen sollen auch Schlupfwespen. Pherhormonfallen sind nur dazu gut, den Mottenbefall anzuzeigen, den Schaden verhindern können sie nicht. Vielleicht melden sich hierzu ja Fachstimmen in den Kommentaren. Bei den Recherchen habe ich gemerkt, dass es mit dem Thema Motten wie bei Läusen und Zecken ist: In Detailfragen wird es kompliziert und Hörensagen dominiert.

3. Kann ich meinen Lieblingspulli irgendwie retten?

Auf jeden Fall. Es gibt verschiedene Möglichkeiten:

Den Makel verstecken

Kunststopfereien können ein Gewebe manchmal so reparieren, dass nichts auffällt.  Warum sollte man das nicht auch einmal selbst versuchen. Allerdings ist ist sehr sorgfältiges Arbeiten angesagt, und, sehr wichtig: Das Stopfgarn stammt am besten vom Kleidungsstück selbst, zum Beispiel aus dem Saum oder einer Seitennaht. Für Stricksachen erklärt diese Youtube-Anleitung „How to darn socks“ ganz gut die Strategie. Es gibt kein Schluren, jede Reihe muss gezählt und exakt nachgearbeitet werden! Das gilt genauso für Webstoffe. Es ist möglich,  Löcher unsichtbar zu reparieren,  der Stoff wird quasi nachgewebt. Früher wurde das auch noch in der Schule an Mustertüchern unterrichtet. Die fast verlorene Kunst zeigt  Parisian Gentleman – das hier war einmal ein Zigarettenloch!

Der Colette-Blog hat einen ganz guten Überblick über Kleidungsreparaturen,  „Make Do and Mend“, mit weiteren Links in den Kommentaren. In vielen alten Büchern gibt es noch Abschnitte dazu, zum Beispiel in The New Dressmaker.

Gröberes Vorgehen geht jedenfalls auch. Ich habe bei einem Neu aus Alt-Post vor einigen Jahren schon einmal gezeigt, wie ich  ein Loch von unten mit Vlieseline sichere und darübersticke, es fällt kaum auf.

Den Makel schmücken

Man kann die Löcher extra betonen, indem man sie bestickt, mit Nadelfilzen bearbeitet (Konfettiflicken über Mottenlöcher)  oder Stoff appliziert. Das funktioniert aber nur, wenn die Löcher entweder an einer optisch passenden Stelle sitzen, oder man die Reparatur über einen größeren Teil des Kleidungsstücks verteilt damit es nicht willkürlich aussieht.
Einen  ganzen Blog zum Thema „visual mending“  betreibt Tom of Holland, mit Anleitungen und Inspirationen. Das offensichtliche Stopfen kann auch zur Kunst werden.

Etwas Neues daraus machen

Wollwaren lassen sich gut weiterverwerten, Wenn möglich, kann man die Wolle aufribbeln und wiederverwenden. Oder man näht daraus Mützen, Handschuhen, Stulpen, Kissen und filzt die Teile vorher noch  in der Waschmaschine.  Wolldecken aus bunten Stücken können sehr gut aussehen. Diese hier hat im 19. Jahrhundert ein Soldat aus 10.000 Uniformteilen gefertigt:

uniformteilevia twitter

Andere Überwürfe zeigte ich bei Liebling, ich hab die Pullover geschrumpft. Ebenfalls aus Wollresten hat Nahtzugabe eine schöne Decke gemacht – und in ihrem letzten Buch sind natürlich noch mehr Weiterverwertungsideen.
Gern könnt ihr nun eure Erfahrungen dazu geben und euch auch therapeutisch ausheulen – ich bin selbst gerade wieder Betroffene, weil ich vor einigen Wochen zwei Mäntel fahrlässigerweise in der Garage hängen gelassen hatte.

Mit diesem Beitrag habe ich übrigens zwei Motten mit einer Klappe geschlagen (aaaaaah, sorry) und sowohl „Du kriegst die Motten“ als auch die „Mottenkiste“ für das neue Buch recherchiert.  Wo das herkommt? Da müsst ihr wohl auf den Herbst warten…    :)

Leider finden einige Mottenzitate keinen Platz im Buch , die hänge ich nun einfach hier an. (Und nicht vergessen, in einer Woche ist wieder Stoffspielerei bei Karen,  Ende Juni dann bei Frifris mit dem passenden Thema „Löcher“).
.

motten

.

Aus „Der moderne Knigge“, 1902:

In vielen Familien wird von den Hausfrauen das Eintreffen des Sommers durch eine beliebte Ceremonie , genannt das Einmotten, gefeiert. Dieses besteht darin, daß die Damen-, Herren- und Kindergarderoben und andere Textilgegenstände des Hauses mit scharfriechendem Pulver vollgestreut werden, wodurch, wenn das Pulver nicht ganz frisch und obenein nicht echt ist, den Motten verraten wird, wo ihr Futterplatz sich befindet.

.

Die Motte spinnt sich auch in seidnen Zeug mit ein
Und Purpur weis sich nicht zu schützen.
Hofmannswaldau, 1703

wann man diese blumen bei die kleider leget,
verjagen sie die motten und schaben.
Tabernaemont, 1687

Denn wie ein Kleid wird sie verzehren die Motte, und wie Wolle sie verzehren die Schabe;
aber meine Gerechtigkeit wird in Ewigkeit sein, und mein Heil durch alle Geschlechter hindurch.
Bibel,  Jesaja, 51,8