Mode-Mythen: Königin Luise und ihr Halstuch

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Die berühmte und beliebte Königin Luise von Preußen trägt auf vielen Porträts eine weiße Halsbinde. Dieses Tuch ist so etwas wie ein Markenzeichen der Ikone. Was hat es damit auf sich? Wollte Luise eine Schwellung am Hals verstecken, wie oft behauptet wird? Oder hatte sie einfach nur Angst vor Erkältung? Fand sie ihren Hals generell zu dick? Solche Erklärungen finden sich überall. Der Legende nach löste Luise mit diesem außergewöhnlichen Halsschmuck einen Modetrend aus. Wikipedia: „Sehr schnell wurde aus dem Notbehelf jedoch eine Modeerscheinung“.

Luise als Halsbinden-Trendsetterin? Kann das sein? Es gibt Zweifel an dieser Theorie.

Crown Princess Louise of Prussia & Frederica of Mecklenburg-Strelitz, after Johann Gottfried Schadow, Royal Porcelain Factory, Berlin, c. 1825-1850, porcelain - Fogg Art Museum, Harvard University - DSC01295

Erste Abbildungen mit Schal

Luises Halsbindenlook ist zuerst von der sogenannten Prinzessinnengruppe des Bildhauers Schadow bekannt. Die Schwestern Luise und Friederike, 18 und 16 Jahre alt,  heirateten 1793 praktischerweise gleich doppelt in die Königsfamilie hinein. Der Hofbildhauer Schadow bekam den Auftrag, die beiden Prinzessinnen zu porträtieren. Er stellte die Schwestern natürlich und locker, in dünner, körpernaher Kleidung dar, für damalige Verhältnisse sehr gewagt. 1795 wurde die Prinzessinnengruppe aus Gips erstmals ausgestellt, 1797 entstand sie in Marmor.  Bei den Vorbereitungen hatte Schadow Luise gezeichnet. Auf der Skizze trägt sie ein locker um den Kopf und Kinn gebundenes Tuch. Schadow beschrieb sich 50 Jahre später in seinen Memoiren selbst, als Künstler beim Modellieren der Schwestern:

…er nahm die Maße nach der Natur; die hohen Damen gaben von ihrer Garderobe das, was er aussuchte, und hatte so die damalige Mode ihren Einfluß auf die Gewandung. Der Kopfputz der Kronprinzessin und die Binde unter dem Kinn sollte eine Schwellung decken, die am Halse entstanden war, nachmals aber wieder verschwand“

Prinzessinnengruppe Porzellan KGM 09-113 detail

Diese Erklärung gab Schadow auch einem anderen interessierten Bildhauer, der später notierte:

»Ich mußte es thun«, war seine Antwort, »weil die eine Prinzessin einen dicken Hals hat.« In der That, ich traute meinen Ohren nicht, als ich dies hörte. O, der armen bedauernswürdigen Kunst, die sich in ihrem veredelnden zum ideal hinstrebenden Geschäfts nicht einmal über einen dicken Hals wegsetzen darf.

Hier könnte die Geschichte zu Ende sein, schließlich ist die Auskunft des Bildhauers deutlich. Aber stimmt sie auch? Würde ein Bildhauer, der lange an einem Standbild arbeitet, sich nicht doch über so eine (ja offenbar vorübergehende) Halsschwellung hinwegsetzen, sie einfach nicht abbilden? Auch gerade der jungen Frau zuliebe?

Es spricht hier einiges dafür, dass Luise das Tuch nicht als Notbehelf, sondern aus modischen Gründen trug. Sie war bekanntermaßen ein It-Girl der damaligen Zeit, ein Fashion-Victim. Sie erhielt regelmäßig Modeneuigkeiten, auch über das Journal des Luxus und der Moden, in dem Berichte und Bildtafeln die neusten Trends in Paris und anderswo zeigten.

Die Mode mit den Halsbinden

Schon 1792 berichtet ein Beobachter im Journal des Luxus und der Moden von einer Neuigkeit, die ihm gar sehr missfällt: Die Frauen binden nämlich

sogar das Band ums Haar unter dem Kinne zu, und verkennen dabey gewaltig ihren Vortheil. Ein minder schöner Hals fällt immer dadurch mehr in die Augen, und ein schöner Hals – wirklich, das ist sehr ungerecht von Ihnen, meinen Damen, dass Sie, um einer flüchtigen Mode willen, uns arme Männer auf eine Zeitlang um einen schönen Anblick bringen wollen, der uns so viel werth ist!“

So flüchtig wie der Beobachter hofft, war die Mode nicht. Im folgenden Jahrzehnt finden sich zahlreiche Abbildungen dieses Looks. (Leider kann ich in diesem Artikel nur wenige der vorhandenen Bilder zeigen. Deutsche Museen sind ja bisher sehr knauserig mit ihren Bildrechten, das macht sich bei diesem Thema bemerkbar).

journallmjuni1796Journal des Luxus und der Moden 1796

Untitled Fashion Plate LACMA 54.89.154a-b (2 of 2)spätes 18. Jhd

Später war eine eng anliegende Halsbinde, die hinten ansteigt, ein verbreitetes modisches Accessoire, auch Luise trug sie gern und wurde mehrmals so auf Bildern gezeigt.

Lauer 6Porträt Luise, 1798

Caroline de la Motte beschreibt 1830 in einem Rückblick auf die Mode seit 1785 einige „geschmacklose Modeverirrungen“,  zum Beispiel eine Halsbinde bei Frauen:

der Hals erschien unförmlich dick , denn man umwand ihn mit einem achtfach zusammengelegten Tuche, nach Art übertriebener Männerkravaten“.

Bis ins 20. Jahrhundert hinein ist die Halsbinde Luises Markenzeichen, auch auf späteren „Phantasie“-Porträts. Der Luisenkult um die preußische Madonna zitierte den Schal immer wieder.

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Fazit: Luise hat die Halstuchmode nicht erfunden

Sie hat den Trend aber aufgegriffen. Vielleicht fand die 18jährige ihren Hals tatsächlich etwas zu dick und war dankbar über den kaschierenden Look. Dem älteren Bildhauer Schadow war die Mode wahrscheinlich zu fremd, er erklärte das Accessoire lieber medizinisch. Ich erinnere mich selbst daran, dass wir uns in meiner Jugend bunte Windeltücher um den Hals schlangen, oder lange Wollschals, was als ungewöhnlich galt. Die Großelterngeneration reagierte darauf bei mir mehrmals irritiert-belustigt mit der Nachfrage: „Hast du Halsschmerzen?“ Ebenso erging es uns, als wir uns ganz im Künstler/Architekten-Schwarz kleideten. Ich kann mich noch an Bemerkungen erinnern wie: „Gehst du zur Beerdigung?“ So etwa in dieser Art erkläre ich mir Schadows Erinnerung.

Der Katalog zur vergangenen Ausstellung Luise: die Kleider der Königin nimmt ebenfalls an, dass Luise mit der Kinnbinde nur einem Modetrend folgte. Das ist bisher aber die einzige zweifelnde Stelle, die ich gefunden habe. Dagegen steht die beliebte und verfestigte Legende vom Halsverband einer Kränkelnden, der in die Modegeschichte einging. 

Wenn ich mal richtig gut drauf bin, werde ich versuchen, den Wikipedia-Artikel in Richtung der neuen Erkenntnis zu ändern. Ich weiß aber schon aus Erfahrung, dass ich da mit Wachhunden zu rechnen habe, in diesem Fall wahrscheinlich pensionierte Preußenforscher, die zur Hochform auflaufen. Da sollte ich dann besser wirklich alles mit 1A-Quellen belegen können, ich dahergelaufenes Häkelmäuschen.

Wünscht mir Glück!

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Weiterführende Info:

Reimar F. Lacher, Schadows Prinzessinnengruppen

Luise: die Kleider der Königin : Mode, Schmuck und Accessoires am preussischen Hof um 1800

Meisterwerken auf die Naht gefühlt

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Die Flügelhaube dieser jungen Frau von ca. 1440 wird mit Nadeln gehalten. Zum Glück haben Maler wie Rogier van der Weyden genau hingeschaut, so dass wir eine Menge aus den Kleidungsdetails in alten Bildern lernen können. Für den Gesamtanblick könnt ihr zum Bildnis einer jungen Frau bei Wikimedia/Google Art Project gehen.rogiervanderWeyden1aGA

Manche Bilder dort sind so hochauflösend fotografiert worden, dass auch große Werke wie Die Gesandten (1533) von Hans Holbein dem Jüngeren bis in jeden kleinen Pinselstrich betrachtet werden können. Hier drei Ausschnitte:

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Hans Holb younger amba1GA

Hans Holb younger amba3GATotal faszinierend finde ich diese Strukturen und Texturen, die kleinen Fäden, die aus dem Teppichrand hängen, die Verschlussdetails .

Noch einmal Rogier van der Weyden bzw. seine Werkstatt, Porträt Isabella von Portugal, (1450/1500). Das Gewebe im Detail:

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Bei  Charles de Solier hat Holbein sich ganz genau um die aufgestickten Schnüre des schwarzen Gewands gekümmert:

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Auch bei Holbeins Porträt von Heinrich VIII. , ca. 1537,  blitzt das Hemd schön weiß aus den Schlitzen hervor:

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An der Schulternaht des Hemdes  sieht man ein kleines schwarzes Stickmuster.  Blackwork-Stickerei mit schwarzem Seidenfaden auf weißen Grund war sehr populär zur Zeit Heinrich VIII.  Bei den Ärmelabschlüssen von Jane Seymour hat Holbein d. J. 1536 jeden einzelnen Stich der Schwarzstickerei dargestellt:

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Jane Seymour trägt roten Samt mit goldenem Netzwerk. Die Fixierung des Vorderteils blitzt in goldenen Punkten hervor, die Perlen reflektieren auf dem Stoff, um den Glanz des Samtes malerisch zu erfassen.

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Beim Porträt des Sohns von Heinrich VIII. und Jane Seymour, Edward VI. als Kind,  hat Hans Holbein d. J. jeden Faden in der Borte am Halsausschnitt ausgearbeitet :

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Einige Jahre später auf dem Kontinent malt Lucas Cranach der Ältere  Martin Luther:

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Das schwarze Band ist hier die einzige Zier. Bei Cranachs Bild Judith mit dem Kopf von Holofernes halten schwarze Bänder die Teile des Ärmels über dem Hemd zusammen.

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Für heute genug. Hoffentlich erfreuen euch diese Entdeckungen genau so wie mich? Mir haben sie den grauen Sonntag etwas aufgehellt. Noch einen schönen Tag also und bis bald!

 

 

Hermelin, schwarz getupft

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Mal wieder ein Dachbodenfund: Ein Schuhkarton mit weißen Fellstücken, inklusive Köpfchen und Schwänzchen. Das kann nur Hermelin sein, denke ich sofort. Und beim Anblick der dunklen Schwanzspitzen wird mir klar, warum Hermelinfell an Kleidung meist charakteristisch schwarz gepunktet ist.

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Ich schwöre, darum hatte ich mir früher nie Gedanken gemacht!  Sobald man aber Bescheid weiß, sieht man sie plötzlich überall, die dunklen Zipfel in den alten Gemälden. Manchmal sind zusätzlich sogar noch die Beine der kleine Tiere zu erahnen.

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Das zur Zierde dunkel gepunktete Hermelinfell repräsentierte seit dem Mittelalter Status und Zugehörigkeit zum Königshaus. Ebenso markierte es das hohe Amt eines Würdenträgers in Kirche und Verwaltung.

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Das Symbol musste immer mit aufs Bild, auch wenn eine Königin in späteren Jahren lieber einmal ohne altmodische Umhänge porträtiert werden wollte.
Maria Hendrika; Queen of Belgium1880er, via
Der Mantel mit Hermelinbesatz der belgischen Königin liegt im Hintergrund auf dem Stuhl um zu zeigen: Hier geht es aristokratisch zu!

Eigentlich war das weiße Winterfell der kleinen Wiesel aus der Familie der Marder zu Zeiten der großen königlichen Roben gar nicht der wertvollste Pelz. Aber das weiße Fell des Tiers wurde schon seit alter Zeit mit Reinheit und Unschuld in Verbindung gebracht, so dass die herrschende Schicht es für sich reservierte.

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Wenn man bei Wappen solche Muster sieht, dann stehen die Symbole für Hermelin:

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Die Schwanzspitzen können in den Wappen sehr variantenreich ausgeführt sein.

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Auf diesem Foto sieht man, wie Schwanzspitzen in eine Krönungsrobe eingeschoben werden:

Screenshot_2016-03-07-23-28-18screenshot Pinterest

Das Foto habe ich bei Pinterest gefunden. Die Ursprungsquelle für das Bild ist natürlich – wie bei Pinterest meist – nicht mehr aufzufinden (und der Link zu Pinterest ist für alle nutzlos, die dort nicht registriert sind, das ist mies und tut mir leid).  Mich ärgert das sehr, denn ich hätte gern mehr über das Foto gewusst. Es soll die Krönungsrobe von King George V zeigen. Wenigstens bin ich über die Bildersuche  zu einem vielleicht passenden Zeitungsartikel von 1911 gekommen. Danach wurden 500 Felle und 650 Schwänze für den Umhang verarbeitet.

King George V 1911 color-cropKönig GeorgeV 1911

Den Krönungsmantel des Sohns von George V als Filmdokument könnt ihr hier sehen: Royal Family Coronation Robes (1936). Glücklich sieht George VI nicht aus (das ist der aus dem Film „The King’s Speech“).

Nicht immer wurden Schwanzspitzen für die schwarze Musterung verwendet. Die Öhrchen des Wiesels, Pelztupfen von einem dunklen Tier oder auch schwarze Einfärbung des weißen Fells waren weitere Möglichkeiten. Es musste außerdem nicht immer Hermelin sein, der günstiger zu erlangende Schneehase hatte auch schönes weißes Fell. Es war also durchaus möglich, sich einen Hermelinersatz aus anderen Tieren zusammenzubasteln.

Heutzutage besteht die würdevolle Robe natürlich eher mal aus Kunstpelz.

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Kunst-Hermelin an akademischem Würdenträger

(Michał Nadolski; stv, Czeslaw P. Dutka (inauguracja roku akademickiego PWSZ Wałbrzych), Ausschnitt, CC BY 3.0)

Für mehr Informationen zum Thema Hermelinfell kann ich euch glaube ich getrost an die sehr ausführliche deutsche Wikipediaseite verweisen. Dahinter steckt ein engagierter Kürschner, der weiß sicher, was er schreibt.

Mit den Fellresten in meinem Schuhkarton war wohl eher ein kleiner Kragen geplant. Ab dem 19. Jahrhundert leisteten sich auch ganz normale Leute ein bisschen Hermelin an der Kleidung, wie zum Beispiel diese Dame hier:

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Nicht ganz so zurückhaltend ist ein Ensemble von 1890-99 aus dem Metropolitan Museum.

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Und wenn wir schon einmal beim Overkill sind – hier noch ein skurriler Fund vom Ende des 19. Jahrhunderts. Schal und Muff wurden laut Beschreibung aus mehreren Möwen gearbeitet.

furmetgull.JPGviaMetmuseum

A set like this would have been been worn by an elite member of society who could afford to be somewhat unconventional in her taste.

Ein Ensemble für ein Gesellschaftdame „die sich einen etwas unkonventionellen Geschmack leisten konnte“ – schön ausgedrückt. Keine Ahnung, wer es sich heute leisten könnte, mit meinem Dachbodenfund am Revers herumzulaufen. Ich stecke die kleine Felle zurück und hebe sie für zukünftige Generationen auf.  Vielleicht denkt dann in 100 Jahren mal wieder jemand über die Geschichte des Hermelinfells nach.

Schönes Wochenende!

 

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Quelle für Bild mit falschem Hermelin:

Der deutsche Sonderweg bei den Bettdecken

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Maikäfer laufen über die pralle Bettdecke von Onkel Fritze in Max und Moritz, 1865. So schlafen die Deutschen: Unter einem gefüllten Inlett, das mit Bettwäsche bezogen ist.

Ein großer Teil der restlichen Welt bedeckt sich stattdessen lieber mit einem Laken, das um eine flache Decke aus Wolle oder Kunstfaser geschlagen wird.

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Beim Anblick eines solchen Hotelzimmers habe ich ja sofort das Bedürfnis, das festgestopften Umschlaglaken unter der Matratze herauszureißen. Das Phänomen des „Tütenbetts“ in Frankreich hat das Magazin Karambolage bis ins Detail erklärt, hier nachzulesen. Für Deutsche ist das eng gezurrte Kuvert ein Gräuel, weil sie sich nicht einkuscheln können und sich in Folge ihres Bewegungsdrangs im Laufe der Nacht meist unter der kratzigen Wolldecke wiederfinden, während das Laken als Knäuel auf den Boden oder in den Fußbereich verschwunden ist.

Das in Deutschland (und Skandinavien) traditionell übliche bezogene Deckbett stößt aber bei Besuchern aus dem Oberlaken-Ausland ebenso auf Skepsis und Probleme. Und das schon seit mehreren Jahrhunderten!

Ein britischer Reisender beschreibt 1749 die sonderbare Art der Westfalen, sich zu betten: „Eine Sache ist sehr speziell bei ihnen. Sie decken sich nicht mit Bettwäsche zu, sondern legen ein Federbett über sich und eins unter sich. “ (The Grand Tour, Thomas Nugent)

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(Karikatur von James Gillray, 1800, „Deutscher Luxus“, zeigt schön den Aufbau eines deutschen Bettes damals, einschließlich der erwähnten zwei Federbetten. Das untere diente der Polsterung der harten Matratze.)

Was der Berichterstatter Thomas Nugent nicht wusste: Es gab durchaus Bettwäsche, bloß waren statt eines Oberlakens eben die Federbetten selbst mit Bezügen versehen. Laken braucht man dann nur noch als Unterlage auf der Matratze. In den Inventarlisten von damals heißen diese Bettbezüge  Ziehen oder Bühren.  Ein Ehemann schreibt 1784 aus Norddeutschland an seine Frau: „Zu den Gesindebetten hat man hier nur ein Laken, da die Federbetten, unter denen fast alles hier Winters und Sommers schläft, mit Bühren überzogen sind.“

Das Missverständnis von der fehlenden Bettwäsche taucht heute noch bei Touristen aus Laken-Ländern auf. Ein Artikel in der SZ hat sich in Reiseforen umgesehen und  Beschwerden über die mangelnde Hygiene des deutschen Bettensystems gefunden.“Da ihnen das Neubeziehen des Inletts sehr kompliziert erscheint, zweifeln sie öffentlich daran, dass das Hotelpersonal sich diese Mühe für jeden neuen Gast macht.“

Generell wird das fehlende Oberlaken als unbequem empfunden. Ein Forist berichtet: »Im ›City Hilton‹ in München fand ich die Bettwäsche sehr ungewöhnlich: Auf einer Doppelmatratze gab es zwei schmale Bett­decken, jede mit einem Überzug aus Bettlakenstoff. Andere Laken gab es überhaupt nicht! Nachts wurde es warm im Zimmer, und dann konnte man nur entweder unter der viel zu warmen Decke liegen oder ganz unbedeckt schlafen. Das Hotel war ansonsten sehr schön, aber das hat mich doch sehr gestört.«

Auch Thomas Nugent konnte vor 300 Jahren nicht verstehen, wie man es im Sommer unter den Federbetten aushalten sollte: „This is comfortable enough in winter, but how can they bear their feather-beds over them in summer, as is generally practised, I cannot conceive.“

Weil die Oberdecke meist mit Federn gefüllt war, hieß sie auch Duvet (von frzs.  für Daune) oder Plumeau (von frz. für Feder). Heute noch ist der Begriff „Plümo“ in einigen Gegenden gebräuchlich. Die Redensart „in die Federn gehen“ erinnert ebenfalls an die Daunenbetten.

1866 wandert eine Engländerin mit ihrem Skizzbuch durch die Alpen. In ihrem Bericht beschwert sie sich gleich mehrmals über fehlende Decken in den Herbergen. Immer gab es nur duvets!

bett4In einer Herberge in Tirol, 1869

„Die duvets waren klein und rutschig. Wenn wir sie bis zum Kinn hochzogen, lagen die Füße bloß. Wenn wir die Füße bedeckten, fröstelten unsere Schultern und wir hatten das unangenehme Gefühl von kaltem Wasser, das einem beständig den Rücken hinunterläuft. Wenn man sich zu einem Ball einrollte, fiel das duvet ganz herunter.“

Der englische Designer Terence Conran berichtet, er habe diese seltsame Art zu schlafen in den 1960iger Jahren in Schweden kennengelernt. Er beschloss, Daunendecken mit Bezügen über seine Marke Habitat in England anzubieten. Seitdem ist das nordische Bettdeckensystem auch in Großbritannien auf dem Siegenszug. Aus Frankreich kann ich aus eigener Anschauung berichten, dass immer weniger Hotels nach alter Art kühle Laken um raue Decken schlagen. Bezüge sind auf dem Vormarsch! Es tut mir schon fast leid. Ikea soll schuld sein an diesem Betten-Mainstream. Es bietet seine Bettwaren unverdrossen in allen Ländern  an. Und die Menschen lernen offenbar inzwischen überall die Vorzüge einer bezogenen Bettdecke zu schätzen.

Warum das Bettensystem historisch so verschieden ist, habe ich nicht herausgefunden. Angeblich soll es mit der Kälte in einem Land zu tun haben – das erklärt dann aber nicht, warum Großbritannien und die Benelux-Länder traditionell Laken hatten, obwohl es bei ihnen nicht viel wärmer ist als bei uns.

bed1Bär unter englischem Laken, 1899

Überhaupt ist es schwierig, solche scheinbar banalen Kulturfragen zu klären, da ist mal wieder wenig erforscht. Vielleicht könnte ihr ja mal berichten, wo ungefähr die Duvet-Grenze verläuft? Wie sieht es zum Beispiel in den osteuropäischen Ländern aus? Bettbezug oder Umschlaglaken?

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Eine andere Frage, die ich mir stelle: Haben wir vielleicht wegen unserer bezogenen Oberbetten keine Quilttradition? Wie die Steppdecke unter dem Bezug aussieht, ist für uns ja egal.

Fragen über Fragen, aber für heute ist Schluss.

quiltPatchwork-Quilt in einem US-Kinderbuch, 1873

Ist so kalt der Winter

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Junge Frau wärmt ihre Hände über heißen Kohlen, Winter-Allegorie (Ausschnitt), um 1644/48

„Minus 7 Grad in Neu-Globsow“, meldet das Radio in Berlin. Keine Ahnung, wo Neu-Globsow liegt, aber an meinem Arbeitsplatz unterm Dach ist auch ziemlich kalt. Draußen pfeift der Wind. Ich trage sogar Bison-Handschuhe beim Tippen. Dann denke ich an die Menschen früher, als es noch keine Zentralheizung und keine Hightech-Thermoklamotten gab. Wie haben sie das ausgehalten?

horaeadusumDetail Horae ad Usum parisiensem, BnF

Im Mittelalter schützte ein Lagen-Look aus Fell, Leder, Wolle und Leinen  vor der Winterkälte. Das  Feuer im Kamin wärmte nicht nur Hände und Füße, manchmal kam der ganze blanke Unterkörper an die heiße Luft.

tacuinumDetail Tacuinum Sanitatis, BNF

tresrichesheuresDetail Tres Riches Heures, 1412/16

Wie man sieht: Unterhosen waren unüblich.

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Auf dem Weg ins Haus zum Feuer schon einmal die Hände mit dampfendem Atem anhauchen:

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200 Jahre später im Barock geht es auf den niederländischen Eislaufbildern recht entspannt zu.

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Winterlandschap met schaatsers, Hendrick Avercamp , ca. 1608

Die Bilder beim Rijksmuseum sind wahre Wimmelszenen mit vielen interessanten Details. Zum Glück lässt das Museum uns ganz nah heranzoomen.

skate3Schlittschuhkufen werden an die Schuhe geschnallt. Die feinen Leute haben sich mit ihren Spitzenkragen herausgeputzt, die ärmeren tragen Wollumhang und Filzkappe.

Beliebtes Motiv: Frau fällt „zufällig“ so unglücklich hin, dass ihr blanker Hintern frei liegt. (Immer noch ohne Unterhosen). Die vielen Rocklagen hielten wahrscheinlich ganz gut warm.

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1625, ein anderer Künstler will mit dem nackten Pomotiv  witzig sein (links). Die reiche Frau in der Mitte trägt Muff und Pelzumhang. Rechts wird „Kolf“ gespielt, eine Mischung zwischen Golf und Eishockey.

1630/79 Auch auf diesem Bild unten sind Kolfschläger zu sehen. Wohlhabende stehen in Stiefeln auf dem Eis, die anderen mit Pantinen und dicken Socken. Das Pferd hat Spikes unter den Hufen.

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Mehrere Personen sind im Eis eingebrochen, aber Hilfe naht schon.

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(oben und unten Details Averkamp 1610)

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Hände kann man auch unter der Kleidung warmhalten.

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Meine (vom Mann geliehenen) Bisonhandwärmer lassen mich an Liselotte von der Pfalz im Winter 1721 denken. Ihre Strümpfe aus Castor (Biberhaar) sahen vielleicht ähnlich aus.

… nach halb 6 bin ich auffgestanden, habe mich ahngezogen, ein par gutte Strümpff von castor ahngethan, einen tugendten [tuchenen]  Unterrock und über dieß alles einen langen, gutten, wattenen nachts-rock, welchen ich mitt einen großen, breytten Gürttel fest mache.

Nach wie vor sind mir vor allen Hightech-Materialien die tierischen Wärmespender am liebsten. Meine superwarmen Wollstrümpfe habe ich mit Ledersohlen verbessert.

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Die Hüttenschuhsohlen zum Annähen kann man z.B. bei Hobby Rüther kaufen. Sehr praktisch und sehr gemütlich, wenn auf dem Dachfenster das Eis liegt.

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Euch allen warme Finger und Zehen, bis bald!

aver(Detail Averkamp 1610)

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Nachtrag, gerade bei Twitter via Stella (@daskleinehaus) gefunden: Was man mit den Haaren seiner Haustiere so alles stricken kann

Adventskalender Nr. 24 und ein paar Feiertagstipps

Heute öffnet sich das letzte Türchen zum Buch „Verflixt und Zugenäht – Textile Redewendungen, gesammelt und erklärt„.
(Für die anderen Türen aus dem Redensarten-Adventskalender siehe  Woche 1 und Woche 2 und Woche 3)

 

tag24

Durch die Weihnachtstür blicken wir in einen Stall

delaTourdetailde La Tour, Detail, ca. 1645

Wer weiß, ob Jesus nicht vielleicht schief gewickelt war? Das Wickeln (oder auch Fatschen) von Säuglingen war seit der Antike üblich und kam erst im 18. Jahrhundert langsam aus der Mode. Das feste Einbinden von Körper und Gliedmaßen des Kindes wurde damit begründet, der Körper sei noch weich und formbar und bedürfe daher festen Halts.

„Das Kind muss daher gewickelt werden, damit seinem kleinen Körper eine gerade Gestalt gegeben wird, die für den Menschen die geziemendste und schicklichste ist, und damit es daran gewöhnt wird, sich auf seinen Beinen zu halten; denn ohne diese Maßnahme würde es sich auf allen Vieren bewegen wie die meisten anderen Tiere.

(Zitat von 1668, siehe den ausführlichen Wikipedia-Artikel zum Thema).

De Wikkellkinderen1617

Wer als Baby nicht korrekt und gerade eingepackt war, der war auf das Leben schlecht vorbereitet und bekam Probleme – er war schief gewickelt.

Wie bei vielen Redensarten gibt es aber auch noch andere Erklärungen für den Ausdruck. Wenn zum Beispiel eine Garnrolle nicht gleichmäßig aufgespult = schief gewickelt ist, dann gibt es beim Abrollen Probleme.

Damit ist der Adventskalender zu Ende, der hoffentlich ein paar Schlaglichter in die 150 textilen Redewendungen meines Buches geworfen hat.

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Mit dem Erstdruck des Buches haben wir zum Jahresende fast eine Punktlandung geschafft. Es sind noch ein paar Restexemplare bei mir und ich werde die Zeit nutzen, über eine 2. Auflage nachzudenken. Bis dahin feiere ich Weihnachten, ganz traditionell im großen Familienkreis. Wir sind eine eingespielte Truppe und wissen das hier geschickt zu umschiffen:

xmascrisis

Wenn ihr ein bisschen flüchten müsst, hier vier Links zum Zeitvertreib

1.
Unbedingt empfehlenswerte Serie auf Arte

Die ersten Folgen sind nicht mehr lange online. (Wegen der Kleidungsfragen ist z.B. Seurats „Die Badenden in Asnières“ sehr interessant)

2.
Sehr amüsant: Die Webserie The Impossibilities, die man kostenlos ansehen kann (auf Englisch)

3.
Besonders geeignet wenn Kinder zugegen sind: Bei  Little Drummertoy  kann man sich seinen Weihnachtssound zusammenklicken

4.
Als Kontrast ein wunderbares Stück des Berliner Solistenchors, das auf einem Marienlied von 1400 beruht. Vor zwei Tagen habe ich mich auf einem Konzert des Chors schon weihnachtlich eingestimmt.

Bis dann, es war mir ein Vergnügen!

Pink ist nur eine Farbe

h tjtwitter, Uni-Pedell

Wie schon angekündigt, wollte ich noch etwas zur Farbe des inzwischen drei Wochen alten Buches sagen. Die Farbwahl war mir im Vorfeld von mehreren Seiten als riskant gemeldet worden: Das ist so gendermäßig! Das sollen doch nicht nur Frauen kaufen! Lillifee! Ich hatte mir aber in den Kopf gesetzt, das kirschrote Vorsatzpapier (das war die einzig akzeptable Farbe in der Auswahl) knallig zu ergänzen. Und ich mag pink-rot als Kontrast. Außerdem will ich nicht akzeptieren, dass die schöne Farbe darunter leiden muss, seit bloß mal ein paar Jahrzehnten Mädchen zugeschrieben zu sein.

vhhJunge in modischem Anzug, England, um 1640, (Ausschnitt, Quelle)

Eigentlich ist Pink, oder auch Rosa, eine ganz normale Farbe, die nie sonderlich mit Frauen in Verbindung gebracht wurde. Es gab eine Zeit, da wurden kleine Jungs gern in Rosa gekleidet. Rot war ein männliche Farbe (Blut, Macht, Luxus), und für Jungen war dann entsprechend ein Roséton passend.

n hmWillem II (Ausschnitt), van Dyck, 1641, Rijksmuseum

Federico Ubaldo della RovereFederico Ubaldo della Rovere von Ridolfi, 1662

trvbi8t(Ausschnitt, Baby-Sohn), Jan Mijtens, 1657, Rijksmuseum

Auch Marie Antoinettes Sohn Louis Charles, der letzte Dauphin, trug  Ende des 18. Jahrhunderts Rosa:

ng(Ausschnitt, Wiki)

Nach der französischen Revolution starb der Zehnjährige 1795  im Gefängnis. Von seiner Kleidung erhalten ist ein roséfarbenes Ensemble, um 1792, gezeigt bei Petites Mains.

1918 riet eine US-Publikation dazu, für Jungen Pink einzukaufen, denn das sei eine entschiedenere und stärkere Farbe als das Wischi-Waschi Hellblau:

The generally accepted rule is pink for the boys, and blue for the girls. The reason is that pink, being a more decided and stronger color, is more suitable for the boy, while blue, which is more delicate and dainty, is prettier for the girl

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Wann kam dann die Vorstellung auf, Rosa sei etwas für Mädchen? Ungefähr zu der Zeit, in die diese Abbildung aus einer amerikanischen Zeitschrift gehört: In den 40er Jahren.

hz1941, McCall’s

Ziemlich klar, Rosa = Sie, und Blau = Er.

Wenn man die Geschichte dieser Geschlechtszuschreibung liest, dann scheint Pink irgendwie willkürlich auf die weibliche Seite geraten zu sein, es gibt keinen klaren Grund für die Entwicklung. Die Aufteilung in Blau/Junge und Rosa/Mädchen war auch lange noch nicht so festgeschrieben wie heute. Die Autorin des Buches Pink and Blue fand bei ihrer Recherche in Kaufhauskatalogen der USA der 1970er Jahre über lange Strecken gar keine Kleinkindausstattung in Rosa. Und ich kann aus meiner Kindheit in den 70er Jahren berichten, dass ich und meine Geschwister alle gleich angezogen waren, unabhängig vom Geschlecht.

Das Übel mit der geschlechtsspezifischen Produktzuschreibung begann wohl Mitte der 80er Jahre. Inzwischen haben sich viele Initiativen gebildet, die solche Rollenklischees kritisieren, in Deutschland ist Pinkstinks ein Beispiel. (Nachtrag: Ein deutsches Buch zum Thema ist Die Rosa-Hellblau Falle).

Erste Erfolge stellen sich ein. Firmen beginnen, geschlechtsneutrale Spielzeugkataloge herauszugeben oder Unisex-Kinderkleidung anzubieten. Kleine Jungs, die gern Rosa tragen wollen, und kleine Mädchen, die Pink nicht ausstehen können, die müssen im Moment aber noch so selbstbewusst sein wie der Junge in diesem Twitterfund:

Junge will rosa Socken.

Verkäuferin: „Die sind aber für Mädchen.“

Junge: „Ich dachte, Socken sind für Füße.“

 

 

Kuriosum Halskrause, 2. Teil

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Hier eine Fortsetzung zum vorhergehenden Beitrag „Modische Halskrause aus dem Barock„, denn es gibt noch einiges zu sagen.

Meine zunächst vorgestellte Krause nach dem Buch von Janet Arnold Patterns of Fashion  enthält nicht, wie gedacht, zehn Meter Stoffstreifen, sondern nur 3,50 Meter. Um Buße für die Fehlmessung zu tun, habe ich nun auch noch einmal sieben Meter für einen zweiten Kragen gekräuselt. Wenn man in größeren Abständen einreiht, dann bekommt man auch sieben Meter auf Halsumfang reduziert:

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Im Vergleich noch einmal die 3,50 Meter:

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Beide Kragen übereinandergelegt machen dann schon etwas her. Obwohl sie kaum gestärkt sind.

DSC09997 (2)

Bei solch großen Kragen brauchte es damals, wie schon gezeigt, auch noch einen Unterbau. Das war meist ein Draht- oder Pappgestell, Supportasse o.ä. genannt. Beim V&A könnt ihr eine Pappversion ansehen.

Wenn ihr Halskrausen selber machen wollt: Auf Englisch gibt es  hier ein mehrteiliges Tutorial, auch mit Beschreibung des Stärkens und Bügelns. Bei Youtube kann man zugucken, wie der Stoff mit Mondaminpaste beschmiert und mit Lockenstäben gerollt wird, dass es nur so eine Lust ist. Man versteht dann auch, wie die 8-Form zustand kommt. Die einzelnen Schaufen werden zum Teil durch feine Stiche fixiert. So dürfte auch dieser Kragen aus einem Porträt von 1651 gefertigt sein:

saum1651, Rijksmuseum

(Nachtrag: Manufacta hat für Rigoletta solche Krausen gearbeitet, wohl aus fester Kunstfaser)

Das Thema hat so viele interessante Aspekte, auf die ihr dankenswerterweise in den Kommentaren zum 1. Teil inzwischen hingewiesen habt. Davon angeregt hier Nachschub zu drei Punkten.

1. Kirchentracht

Zwei Kommentatorinnen berichten, dass die Halskrausen bis heute in kirchlichen Amtstrachten weiterleben, z.B. in Skandinavien, den Hansestädten und Augsburg.

tinebsichBischöfin, Fünen, DK

Beate schreibt dazu:

In Hamburg gehört die Halskrause auch heute noch zum Ornat der Pastoren. Ich erinnere mich gut, dass bei den Kirchenbesuchen meiner Kindheit (60er / 70er Jahre) die Pastoren die gestärkte Krause stets getragen haben. Heute wird das wahrscheinlich schon aus Kostengründen nicht mehr überall der Fall sein. Nicht nur die Herstellung sondern auch die Pflege der “Wagenräder” ist ja arbeitsintensiv. Es ist eine der Arbeiten, die heutzutage nur am Rande der (Selbst-)Ausbeutung erledigt werden können, z. B. im Zuge von Ein-Euro-Jobs.

Siehe dazu diesen Bericht über die Halskrausenbügelei in Hamburg. Dort braucht man drei Stunden um die 200 Schleifen des Wagenradkragens mit einem heißen Eisen zu „tollen“, so der Fachausdruck. Einmal Waschen, Stärken, Tollen kostet 39 Euro.

Auf einen Bericht über die einzige Halskrausenschneiderin Augsburgs (PDF, S.7) hat Sabine hingewiesen. Die Schneiderin legt zweieinhalb Meter Batist in 35 Schlingen. Zum Waschen wird alles wieder aufgetrennt.

2. Fransensaum

Zur Frage, ob der Goldschmied im vorhergehenden Beitrag einen gerissenen Rand an seiner Krause hat:

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Vielleicht ist das auch nur eine malerisch freie Interpretation eines feinen Spitzenbesatzes, wie bei diesem Portrait (Ausschnitt)?

collar1609, Rijksmuseum

Oder es ist tatsächliche ein Fransensaum, wie auch bei diesem Selbstporträt des Malers de Geest:

saum11629, Rijksmuseum

3. Trug man die unbequemen Kragen auch im Alltag?

Dazu habe ich nach Bildern aus dem Alltagsleben im Barock gesucht. Zum Glück wird man auch dazu in der Sammlung des Rijksmuseums in Amsterdam fündig. Ausschnitte aus einer Winterszene von Hendrick Avercamp, ca. 1620, zeigen: Die Bevölkerung ging mit Halskrause zum Schlittschuhlaufen, aber Bettler und einfache Menschen hatten eher keine.

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avercamp2 avercamp3

Auf dem Gemälde einer Bauernhochzeit von 1672 trägt nur der ältere Tänzer vorn rechts noch große Falten um den Hals. kj ig

Ansonsten sind in der Szene Spitzenkragen zu sehen, Halstücher und normale Hemdöffnungen. Zur Entstehungszeit des Bildes 1672 war die Halskrause nämlich selbst in Holland schon wieder völlig out, wie man bei den Jüngeren auf der Hochzeit sehen kann. Der Musiker ist mit seinem flachen Spitzenkragen noch eher an der Mode dran, ansonsten waren lockere Halstücher wie bei dem Herrn mit der Dame angesagt.

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Der ältere Mann ist mit seinem gefalteten Kragen also völlig out. Er hat zur Feier des Tages einen jahrzehntealten Sonntagsstaat angelegt.

uk g 1672, Rijksmuseum

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Die ganze krause Angelegenheit schließe ich mit dem Bild einer verwegenen spanischen Adeligen ab. Sie hat ihr rechtes Auge bei einem Fechtunfall verloren.

(Ana de Mendoza)

Zweiäugig widme ich ich mich als nächstes wieder einem anderen Thema. Bis dann!

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Stoffspielerei im September: Modisch lässige Halskrause aus dem Barock

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UPDATE So sehen 7 Meter gekräuselter Stoffstreifen aus

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So sehen 3,50 Meter aus

17 Meter Stoffstreifen, 6mm Falten, 10 Stiche pro Zentimeter – wieso wollte ich mir das antun? Es war ja klar, dass nur ein Faschings-Accessoire dabei herauskommen würde. Aber in der Zeit um 1600 waren solche Kragen jedenfalls in den Niederlanden und weiter östlich noch weit verbreitet. In feinster Handarbeit aus zartestem Leinen wurden die Halskrausen genäht und mühevoll gestärkt. Reiche Auftraggeber trugen sie als Statussymbol.

Zum Glück hatte nun Griselda von Machwerke für die monatliche Stoffspielerei* das Thema Falten vorgeschlagen. Bei mir gibt es also passend zur Aktion einen Kragen, dessen Vorbild zum Bestand des Rijksmuseum gehört. Er ist in die Jahre 1620 bis 1630 datiert.

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Die Britin Janet Arnold hat in der fabelhaften Reihe Patterns of Fashion  400 Jahre später bei dem Kragen alles beispielhaft bis ins Kleinste dokumentiert und wunderbar gezeichnet, so dass man ihn gut nacharbeiten kann.

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17 Meter feines Leinen hatte ich nicht,

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aber eine alte Gardine.

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Den Streifen legte ich doppelt,  um den Millimeter-Saum des Vorbilds zu vermeiden. Schon die Falten im Abstand von 6 Millimeter forderten mich.

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Zumal dann schon nach zehn UPDATE 3,50 Metern Schluss war. Das Material war einfach zu dick, ich hatte bereits die 37 cm Halsumfang erreicht. Ich nähte alles am Bündchen fest. Eigentlich sollte ich nun noch beinah jede Falte einzeln festnähen – Janet Arnold hat zwanzig Stiche auf 2 cm gezählt, auf beiden Seiten des Halsbandes.

Ösen und Stickerei, Monogramm, kämen außerdem dazu. Ein Tragefoto reiche ich später nach. Bis jetzt gibt es nur fahle Morgensonne zum Fotografieren.

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Am Ende, bei zarterem Stoff und viel mehr Geduld, hätte meine Krause vielleicht so ausgesehen:

rijks1Porträt eines Goldschmieds, Werner van den Valckert, 1617

So ein lose gefalteter Kragen war in den 1620er Jahren der Niederlande modisch gewagt, weil er von den steif gestärkten Halskrausen der respektablen Schicht abwich. In einem Gedicht aus der Zeit macht ein Verehrer auf ein frommes Mädchen keinen guten Eindruck, weil er zu lässig gekleidet ist:

…Mein Haar war zu lang, all zu wild mein Kragen. Die Manschetten viel zu weit, die Stärke all zu blau. Meine Hose zu weit, dann das Wams all zu eng. Jeder Strumpf zu lang, ich hatte Rosen auf meinen Schuhen… (Menniste Vryagie ,J.J. Starter)

Die feinen handgenähten Säume lassen sich auf den alten Porträts erahnen. So etwas war auch nur mit ganz dünnem Garn möglich. Ich habe als Ersatz Overlockgarn genommen, das aber viel zu leicht riss.

rijks1aDetail, Männerportrait, Adriaen Thomasz. Key, 1581

  rijks1aaDetail, Porträt Alid van der Laen.

Die Steifheit eines großen Mühlsteinkragens förderten solche Drahthalter (in einem holländischen Schiffswrack gefunden):

top1 via twitter

Dazu passt ein bei Twitter geklauter Gag:

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Jeannie konnte man in der Teeküche nicht allein lassen. Sie machte immer Unsinn mit den Kaffeefiltern.

Anders als beim Ursprungstweet (eines der von Historikern nicht gern gesehen Spaß-Accounts) gibt es bei mir auch die Quelle zum Bild: Jan Daemen Cool, Porträt einer jungen Frau mit Fächer, 1836 Wiki

Darauf einen Kaffee und schnell weiter zu Griselda, wo ihr sicher sehr viel brauchbarere Faltenideen findet. Schaut mal vorbei! Vielen Dank an Griselda für das Linksammeln.

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Nachtrag: Es gibt nun eine Fortsetzung „Kuriosum Halskrause“ 2. Teil.

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Vormerken: Der nächste Termin für die Stoffspielerei ist Sonntag, der 25. Oktober 2015.   Karen wird dann Beiträge zum Thema Spitze sammeln.

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Die monatliche Stoffspielerei ist eine Aktion für textile Experimente. Sie ist offen für alle, die mit Stoff und Fäden etwas Neues probieren möchten. Der Termin soll Ansporn sein, das monatlich vorgegebene Thema soll inspirieren. Jeden letzten Sonntag im Monat sammeln wir die Links mit den neuen Werken – auch misslungene Versuche sind gern gesehen, zwecks Erfahrungsaustausch.

Der vorläufige Plan für die nächsten Monate, kurzfristige Terminänderungen sind möglich:
25. Oktober – Karen – Thema Spitze
29. November  – Nahtzugabe – Thema Folklore
27. Dezember – WINTERPAUSE

Kleine Jungen und alte Zöpfe

1782, Gainsborough, via

Die schönsten Berichte über Mode in der Geschichte  kommen doch immer von Zeitzeugen. Ich könnte nächtelang Memoiren danach durchforsten, ob dort nicht vielleicht auch ein bisschen von Kleidung und Lebensstil erzählt wird.  Letztes Jahr hatte ich schon die Briefe der Liselotte von der Pfalz nach Modethemen durchsucht. Heute kommt nun ein kleiner Ausschnitt aus den Memoiren der Henriette von Oberkirch (1754-1803). Die elsässische Baronin gehört in die Zeit Marie Antoinettes und hat damals Tagebuchaufzeichnungen verfasst, die ähnlich erfrischend sind wie Liselottes Briefe.

1783 ist die Baronin 29 Jahre alt.  Der Adel in Frankreich lebt das Leben des Ancien Régime und ahnt noch nichts von der Revolution, die sich sechs Jahre später ereignen wird. Freiheitliche Ideen schleichen sich aber schon ein, und sei es in Form einer neuen Haarmode für Kinder. Die Baronin berichtet:

1770, via

Dieses Jahr gab es eine Neuheit in der Mode für Kinder, die mir sehr gefiel. Man hatte aufgehört, ihnen den Kopf weiß zu pudern, wie es bisher üblich war. Sie waren ja gänzlich entstellt mit diesen pomadisierten Rollen, diesen Löckchen und diesem ganzen Aufzug. Nichts war lächerlicher als diese kleinen Wesen, mit Zopfbeutel, einem Hut unter dem Arm und dem Degen an der Seite. Seit sich diese Neuerung in der Haartracht durchgesetzt hat, tragen die Kinder die Haare rund und gut geschnitten, schön sauber und ohne Puder.

Diese Neuerungen in der Kindermode sind die Auswirkungen der Aufklärung. Bisher hatten die Kinder kleine Erwachsenen zu sein und wurden auch so gekleidet und frisiert. Die Haare der Jungen wurden wie bei den Männern in Löckchen gelegt, gepudert, zum Zopf gebunden und hinten in einem Beutel aus schwarzem Taft gesteckt. Dieser meist noch mit einer Schleife versehene Haarbeutel hinderte das Haar am Umherfliegen und schützte die Schultern vor dem Puder.

ca. 1750, de la Tour, via

Durch den Einfluss der Reformpädagogen des 18. Jahrhunderts wurde die Kleidung kindgerechter. Statt der steifen Erwachsenentracht trugen die Jungen jetzt einen in der Taille zusammengeknöpften lockeren Anzug, den Skeleton (frz. matelot). Für festliche Anlässe kamen noch Schärpe und Rüschenkragen hinzu. Puder, Zopf und Haarbeutel passten dazu gar nicht mehr.

Statt Degen lieber Rosen und Jojo

1789, Dauphin Louis Charles?, via

In der bürgerlichen Bevölkerung etablierte sich der Skeleton-Anzug erst ab 1800, aber die trendbewusste Königin Marie Antoinette ließ ihren ältesten Sohn schon 1784 in diesem Anzug und mit Kurzhaarschnitt malen (zusammen mit seiner Schwester):

LeBrun, via

Ebenso wie die Königin sind auch die Baronin Oberkirch und ihre Freundinnen 1983 der Ansicht, dass der alte Look nun wirklich unmöglich geworden ist. Sie stylen einen kleinen Jungen kurzerhand gegen den Willen des Vaters um.

Eines Tages brachte man den hübschesten kleinen Jungen der Welt nach Étupes, den Sohn eines Herrn aus der Nachbarschaft. Er trat wie sein Großvater gekleidet ein, hielt sich gerade, sehr beschäftigt mit seinem Degen und seinem bestickten Anzug. Völlig lächerlich, kann ich versichern. Fräulein von Domsdorf flüsterte mir zu, dass es einer Verschwörung bedürfe, um das Kind modisch auf den neusten Stand zu bringen. Sie nahm also die Mutter des kleinen Mannes mit, während der Vater seine Aufwartung machte, und stellte es so geschickt an, dass die Mutter bald ihren Wunsch teilte, den armen Erben von seiner Qual zu erlösen. Die Verschwörer, bestärkt von der Mutter, die aber so tun wollte, als ob sie davon nichts wüsste, nahmen das Kind mit in das Zimmer der Frau Hendel, wohin man den Leibfriseur der jungen Prinzen kommen ließ. In einer halben Stunde ging die ganze Verwandlung vonstatten und er erschien wieder im Salon, sehr zu seinem Vorteil verändert.
Daraufhin waren die unterschiedlichsten Ausrufe zu hören. Der Vater war zunächst ungehalten, wagte es aber nicht, die Sache zu schlecht aufzunehmen und gab schließlich zu, dass die Verwandlung auch von Vorteil war.

Bei den erwachsenen Männern dauerte es etwas länger, bis sich die Änderung in der Herrenmode durchsetzte und alle Köpfe zopflos wurden. Spätestens nach der französischen Revolution galt es, mit der Zeit zu gehen.  Goethe trug sein Haar seit 1792 offen. Der preußische Soldatenzopf wurde dagegen erst 1807 abgeschafft.  Deshalb spricht man noch heute vom „alte Zöpfe abschneiden“, wenn man längst veraltete Regeln oder Ideen überwinden will.

Madame Oberkirchs kleine Modeanekdote ist gar kein langweiliger alter Zopf,  wie ich finde. Obwohl sie eigentlich viel wichtigere Dinge erlebt hat. Sie trifft berühmte Leute ihrer Zeit, reist durch Europa und weiß vom Leben in Versailles zu berichten. Ihre Freundin Sophie Dorothee von Württemberg heiratet den späteren Zaren Paul I.  (Diese Sophie und ihr Zar sind mir vor Kurzem im Schlossmuseum Jever begegnet – das wird noch einmal eine andere Geschichte).

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Einen Teil der Oberkirch-Memoiren hat ein begeisterter Franzose, François Vigneron, letztes Jahr ins Deutsche übersetzen lassen. Zuerst über eine erfolgreiche Start-Next Kampagne und dann noch mit viel eigenem Geld. Ich habe damals aus Interesse geholfen, ganz kleine Passagen wie die mit dem Haarschnitt für das Buch ins Deutsche zu übertragen. Natürlich war das vermessen von mir, die Profi-Übersetzung von Andrea Wurth ist tausendmal besser. Aber es hat Spaß gemacht, in die damalige Zeit einzutauchen. Wenn euch solche Berichte interessieren: Das Buch

„Memoiren der Baronin von Oberkirch: Abdruck einer schönen Seele“

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gibt es einmal hier als Hardcover und hier als Taschenbuch zu kaufen. Bei der Buchvorschau könnt ihr einen Eindruck vom Erzählstil der Baronin gewinnen. Ich bin noch lange nicht durch, und am Rand kleben lauter Post-Its.  Vielleicht schaffe ich es ja noch einmal, mir eine Szene vorzunehmen. Zum Beispiel aus dem Geschäft der Rose Bertin, der Stylistin von Marie Antoinette? Oder von Frisuren, in denen Vögel wippen? On verra, mal sehen. Für heute soll es gut sein.  Bon soir!