Das 6. Buch ist da – Über die vergessene Modegeschichte Berlins

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„Das wussten wir nicht“ sagen mir fast alle, denen ich vom letzten Neuzugang bei Schnatmeyer & Derham erzähle. Sie wussten nicht, dass Berlin früher einmal der weltweit wichtigste Standort für Konfektionsmode war. Wie in dem oben abgebildeten Nähsaal des Kaufhauses N. Israel arbeiteten um die Jahrhundertwende Zehntausende in Handel und Produktion der Berliner Bekleidungswirtschaft.

blog1aUmkleidespiegel, Denkzeichen am Hausvogteiplatz

Die meisten wissen heute auch nichts von den Denkmälern und Erinnerungstafeln, die in Berlin an die Vernichtung der Berliner Textilwirtschaft durch den Nationalsozialismus erinnern. Jüdische Unternehmer spielten in der Berliner  Bekleidungsproduktion eine führende Rolle, deshalb drangen die National­sozialisten nach 1933 auf „Arisierung“ oder Stilllegung der Betriebe. Der angesehene Modestandort Berlin wurde dadurch langfristig zerstört.

Um diese Berliner Modegeschichte vor dem Vergessen zu retten und für das Publikum verständlich und spannend zu erzählen, schrieb die  Journalistin und Autorin Brunhilde Dähn (1936–2007) bereits vor fünfzig Jahren ihr Buch „Berlin – Hausvogteiplatz“. Sie berichtet anekdotenreich über die Zeit von 1830 bis 1930, in der Berlin zur führenden Modestadt wurde. Das Buch war lange Zeit vergriffen, antiquarisch kaum zu erhalten – daher haben wir es wiederaufgelegt, ihm ein neues Gewand verschafft und es mit einem Nachwort versehen.

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Das ist nun also der sechste Streich bei Schnatmeyer & Derham. Auf 272 Seiten mit 48 Abbildungen könnt ihr in die Geschichte der Modekonfektion eintauchen. Das Buch passt perfekt in unser Programm. Bücher über textile Kulturgeschichte gibt es nur so wenige, da lohnt es sich, alte Schätze wiederzubeleben.

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Solche und viele andere Fragen werden im Buch beantwortet:

  • Warum half ein „Flüchtlinge willkommen“ dem textilen Aufstieg?
  • Wieso gab es so viele jüdische Firmeneigentümer im Kleidungssektor?
  • Wer hat eigentlich die Nähmaschine erfunden?
  • Was haben die preußischen Uniformen mit der Konfektion zu tun? (Dazu gab es 2016 in Potsdam auch die Ausstellung Uni-form . Als Begleitliteratur lag dort  Brunhilde Dähns Buch aus – und ich wurde zum ersten Mal darauf aufmerksam.)blog4
  • Was war die „Durchreise“?
  • Wärt ihr damals damals ein „Gelbstern“, ein „Rotstern“ oder ein „Grünstern“ gewesen?

Berliner Leben 1927aus: Berliner Leben, 1927

  • Wie wurde Mode vorgeführt? Welche Rolle spielten Film und Theater?
  • Wie lief das mit den Heimarbeiterinnen?
  • Waren Frauen unter den Unternehmenspersönlichkeiten?
  • Wie entstanden die drei ältesten und größten Kaufhäuser Berlins, Herrmann Gerson, Rudolph Hertzog und N. Israel? Heute sind diese Namen vergessen. So groß war zum Beispiel das Kaufhaus Israel vor hundert Jahren, direkt gegenüber vom Roten Rathaus in der Mitte Berlins:

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Die hier im Buch abgebildeten Reste des Kaufhauses Hertzog sind inzwischen saniert worden, Amazon wird dort einziehen, berichtete die Berliner Abendschau.

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Kurioserweise hieß es in dem Bericht zunächst, das Kaufhaus sei unter den Nazis „arisiert“ worden. Das Gegenteil war aber der Fall, Rudolph Hertzog war Mitglied der NSDAP, der rbb hat sich inzwischen korrigiert.

So geht dann manchmal alles durcheinander, wenn eine Geschichte kaum noch bekannt und nicht so schnell zu recherchieren ist. Auch Brunhilde Dähn würde ihr Buch sicher inzwischen in einigen Punkten aktualisieren –  deshalb haben wir unsere Neuausgabe um ein Nachwort aus heutiger Sicht ergänzt.

Weitere Blicke ins Buch findet ihr bei Schnatmeyer & Derham, zum Beispiel auch das Inhaltsverzeichnis.

Berlin Hausvogteiplatz

Über 100 Jahre am Laufsteg der Mode
Brundhilde Dähn.
Textile Geschichten, 2019
272 Seiten, 48 Abbildungen
Maße 21,5  x  13,5 cm x 2,5 cm, Gewicht 400 Gramm
Hardcover mit Lesebändchen
ISBN 978-3981982947
Ladenpreis 20,00 Euro (inkl. 7% MwSt.)

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Dem Einband liegt übrigens ein historischer Seidenstoff zugrunde, vermutlich aus der Zeit 1910-1920. Im Regal macht er einen schönen Rapport – falls ihr euch gleiche mehrere Bücher zulegen wollt :)

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Unsere Bücher sind im Großhandel gelistet und deshalb überall in den Buchhandlungen innerhalb eines Tages lieferbar.  Onlinebestellung z.B. bei ( amazon, da gibts wohl zur Zeit noch Lieferschwierigkeiten), buecher.de, Hugendubel, Thalia.

Wenn ihr Lust habt, von der Herausgeberin persönlich Post zu bekommen: Eine Mail (info@textilegeschichten.net) genügt, ich sende euch das Buch versandkostenfrei gegen Rechnung zu, auf Wunsch natürlich auch als Geschenk verpackt.

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Unsere Bücher könnt ihr euch außerdem auch am 23. und 24. 11. 2019 auf der  BUCHBERLIN ansehen, auf dieser Messe für unabhängige Verlage und Selfpublisher sind wir mit einem Stand vertreten. Ort: Mercure-Hotel MOA Berlin in Moabit (U-Bahnhof Birkenstraße). Geöffnet ist die Messe am Samstag von 10-18.00 Uhr und am Sonntag von 10-17.00 Uhr.

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5 Kommentare

  1. Wir hatten eine Konstruktionsdozentin der alten Schule, die ein paar mal betont hat, was Berlin für eine Modestadt war, in den 80ern fanden wir das wohl eher seltsam, wollten wir doch alles ganz anders machen. Heute wünschte ich mir, ihr vielleicht doch genauer zugehört zu haben.
    Ich finde es sehr toll, dass ihr eucb diesem Thema widmet und freue mich auf das Bch.
    Viele Grüße, Karen

    • Wenn man das Buch liest, bezieht sich die Autorin auch immer wieder auf Namen, die in den 1960ern wohl noch alle kannten. Heute bleibt da nur ein Fragezeichen und man ist verblüfft, wie so ein schnelles Vergessen sein kann.

  2. Hach, grandios und schon bestellt!
    Ja, mit dem Vergessen ist das so eine traurige Sache: Mancher der von seiner eigene Genialität und Unsterblichkeit überzeugt ist, wäre überrascht, wie schnell er doch wieder vergessen wird.
    Danke, dass Ihr Erinnerungen rettet und bewahrt!
    Herzliche Dir, Ev

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