Falschmeldungen ein Jahr später – Hoaxsammlung II

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Vor einiger Zeit bekam dieser kleine Nischenblog eine Menge Aufmerksamkeit, weil ich über Falschmeldungen geschrieben hatte: Alles falsch – kleine textile Hoaxsammlung. Der Artikel wurde viel geteilt, am Ende gab ich dann ZDFinfo auch noch ein Interview zum Thema (mit dem schönen Kostümverleih in Adlershof als Kulisse).

Das ist jetzt ein Jahr her und wenn ich zurückblicke, kann ich es kaum glauben, wie sehr der Umgang mit gefälschten Bildern oder irreführendem Kontext zum Alltag geworden ist. Wo ich damals immer noch versuchte, die Fehler aufzuzeigen, habe ich lange resigniert – ja, ich scheue sogar davor zurück, als Besserwisserin den anderen den „Spaß“ zu verderben.

Hier zum Beispiel juckte es mir eigentlich in den Fingern, dem Tweet von Women’s Art zu widersprechen. Der Teppich von Bayeux wurde von Frauen gestickt?

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Nein, oder jedenfalls nicht nur. Wahrscheinlich ist, dass die beauftragten Stickwerkstätten sowohl Männer als auf Frauen beschäftigten (siehe auch die Erfindung der Handarbeiten als Weiblich und Heißbegehrter Teppich von Bayeux ). Aber spielt dieses kleine Detail für die Fans der Sammlung von Women’s Art eine Rolle? Ist das wichtig? Eigentlich nicht, es geht ja nur um das große Anliegen, vergessene Kunst von Frauen wieder ins Bewusstsein zu rufen. Hinter dem stehe ich ja auch.

Die folgende Bildüberschrift ist kompletter Quark: „1921 zogen sich frühe Suffragetten oft Badeanzüge an und aßen in großen Gruppen Pizza, um Männer zu nerven“

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Diese Frau essen weder Pizza noch sind sie (schon gar keine frühen) Suffragetten oder wollen Männern nerven. Das war im Original einfach nur ein Wettbewerb im Pie-Essen!

Ach, waren die Passanten doch früher viel besser angezogen! denkt man beim Anblick des Regenfotos.

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Ist das hier ein gut gestyltes Paar im Regen? Ja, aber kein Schnappschuss, sondern ein gestelltes Modefoto für Mary Quant im Seventeen Magazine.

Auch das hier ist nicht Coco Chanel 1913, sondern eine Schauspielerin 2008 in einem Film von Karl Lagerfeld:

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Und ist das hier ist auch nicht die echte Marie Curie.

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Nein, das Foto von 2001 zeigt ebenfalls eine Schauspielerin. Sie spielt Marie Curie in einem Theaterstück. Das falsch betitelte Foto ist so beliebt, dass mehrere afrikanische Länder es sich als Vorlage für Briefmarken  genommen haben.

Die gestellten Fotos und Verwechslungen mit Schauspielerinnen sind harmlos im Vergleich zu mit politischem Kalkül manipulierten Fotos.

Besonders T-Shirtaufdrucke lassen sich ganz wunderbar abändern. Dem Sänger der Gruppe Rammstein wurde hier ein Putin auf die Brust gephotoshopt.

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Auf dem Originalfoto dieser Trumpanhängerinnen steht auf dem Shirt der mittleren Frau nicht WHITE  sondern GREAT.

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Keine Seite der Aktivisten ist mit solchen Mitteln zimperlich. Schnell lässt sich mit Photoshop manipulieren, wer die amerikanische Flagge mit Füßen tritt.

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Bei mir ist es so weit, dass ich keinem solcher Fotos, ja keiner Extremmeldung mehr auf Anhieb glaube. Was mir wirklich wichtig ist, dem gehe ich nach und überprüfe es selbst. Die Seite Snopes ist meine regelmäßige Anlaufstelle. Dort werden populäre Behauptungen auf den Prüfstand gestellt und mein innerer Empörungsmensch wird ständig zurückgepfiffen. So las ich dort gerade, dass das angebliche Leninisten-Zitat von Steve Bannon nur auf einer vagen Erinnerung eines Journalisten beruht und von keiner weiteren Quelle gedeckt ist. Auch die Behauptung, Trump habe im Weißen Haus einen Dresscode für Frauen vorgegeben, ist unbewiesen. Mir ist klar, dass die Gegenseite noch viel schlimmere Propaganda verbreitet. Aber heiligt der Zweck die Mittel?

Eigentlich möchte ich meinen bevorzugten Nachrichtenquellen trauen können, leider machen auch die nun oft überstürzt beim Lauffeuer mit.  Johnny Haeusler schreibt dazu jetzt fangen auch noch die Linken mit den Fake News an und bestätigt, dass es (wie bei allen von mir gezeigten Falschinformationen) eigentlich um Klicks und Geld geht:

Wenn sich gerade also viele Menschen über Trump oder Bannon aufregen, dann gibt man diesen Menschen Klick-Futter. Je unglaublicher, sensationeller und aufregenswerter, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass wir klicken. Nur darum geht es.

Obwohl ich das weiß,  fällt es mir zur Zeit sehr schwer, mich dem Informationsstrom aus den von mir sehr geschätzten USA zu entziehen. Man glaubt, einer gruselig-spannenden Politserie mit lauter Cliffhangern zu folgen, nur dass alles echt ist. Wie echt? Was stimmt? Schwer zu sagen. „Fakten haben im politischen Streit keine Bedeutung per se. Sie erlangen sie durch moralische Interpretation“ sagt eine Sprachforscherin. Ich muss nicht nur die Fakten kennen, sondern auch die Ideologie der Ecke, die sich darauf beruft.
Was für ein Jahr! Aus den Aufregern der Hoaxes und Fake-News ist Begleitmusik geworden. Eine Hoax-Sammlung III werde ich wohl nicht für nötig halten.
Dennoch zum Abschluss wieder hilfreiche Links, um Falschmeldungen selbst zu entlarven:

Meldung aus dem Ehrenamt

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Pilau-Reis als Dank, Flüchtlinge kochen für die Ehrenamtlichen

Seit Tagen bastelte ich nun an diesem Beitrag herum. Nach über einem Jahr Nähraum in der Flüchtlingshilfe wollte ich eine Zwischenbilanz ziehen, von Erfahrungen berichten und Ratschläge austauschen. Aber, es ist schwer. Bisherige Gespräche zeigen mir, dass momentan kein Platz ist für differenzierte Berichterstattung. Egal welche Seite, ob die mit Wutbürgerpotential oder die eher links-moralisch positionierte, sie hören mir nicht wirklich zu. Ich kann alle Reaktionen inzwischen wie ein Bullshit-Bingo im Schlaf aufsagen.

„Ihr wurdet beklaut? Unverschämt, wie kommen die dazu, wussten wir doch, das klappt nicht, passen nicht zu uns, schnellstmöglichst zurück…“

„Ihr wurdet beklaut? Das muss man verstehen, die waren so lange auf der Flucht, da ist das lebensnotwendig, das darf man nicht so eng sehen, wir haben doch genug…“.

Dieses Pingpong kann ich lustig weitermachen, gern auch zum Thema Rolle der Frau, Deutschlernen, Integrationswille, Anspruchshaltung usw.   Positive Erfahrung werden je nach eigenem Weltbild geglaubt oder heruntergespielt, mit den negativen ist es ebenso. Danach ist keiner einen Schritt weiter. Also plaudere ich nicht aus dem Nähkästchen (wie erfreulicherweise die Runde in diesem Zeit-Artikel ), rede nur allgemein.

Wenn ich eins im letzten Jahr gelernt habe, dann das: Wer Gutes tun will, muss ein wehrhafter Gutmensch sein.  So wie ein strenger, aber gerechter Lehrer besser ist als einer, dessen weiches Herz die Schwachen nicht vor dem Missbrauch der Starken schützen kann. Ich habe ich gelernt, dass unlösbar scheinende Probleme lösbar werden, wenn genügend vernünftige Leute zusammen kommen und überlegen, wie es gehen könnte. Vielleicht ist das sogar die beste Bilanz: Ich werde niemals vergessen, wie wir hier im Sommer 2015 aus unseren Kokons gekommen sind und angepackt haben, als die Not am größten war. Das war nur eine Email-Liste der Willigen, mehr brauchte es nicht. Wir sind alle noch da, eine ganze Schläfer-Armee der Hilfsbereiten, auch wenn es im Moment nicht so aussieht.

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Viele Aufgaben sind inzwischen von bezahlten Stellen übernommen worden, der Helferkreis ist kleiner, dafür beständiger. Die zur Zeit aktiven Ehrenamtlichen sind fast nur Frauen, Frauen in den besten Jahren. Nachbarinnen, Rentnerinnen, Vollzeitmütter, Freiberufler, Arbeitssuchende – sie geben Sprachkurse, betreiben eine Kleiderkammer und einen Nähraum, hüten Kinder, vermitteln Sportvereine, Jobs und Wohnungen, organisieren Ausflüge, Möbel und Umzüge. Wir sind nicht jung und hip und nicht in den Medien. Aber wir sind zusammen ein bisschen wie die Frauentruppe im Tatort vom letzten Sonntag – lebenserfahren, schräg, entschlossen und weise, das mag ich sehr.

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Unser Engagement ersetzt keine bezahlten Stellen. Kein Arbeitsvertrag verpflichtet uns, wir können jederzeit aufhören – ich bin auch schon längere Zeit weggeblieben, als ich nicht mehr konnte. „Warum gehst du da hin?“ wurde ich schon oft gefragt. „Weil ich neugierig bin“ war meine spontane Antwort, „ich will wissen, was los ist“.

Ich weiß nach einem Jahr bloß ein kleines bisschen mehr, aber ich weiß auf jeden Fall mehr als die, die immer alles ganz genau wissen.

An meine Mitstreiterinnen geht jedenfalls ein

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Ja, auch wichtig, wie macht man den bunten Reis auf dem Foto?

Der Pilau/Pilaw-Reis war mit gegrilltem Gemüse vermischt und schmeckte hervorragend. Auf Youtube habe ich Al gefunden, der unter anderem auch zeigt, wie ein Teil der Reiskörner mit Lebensmittelfarbe eingefärbt werden.

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Nachtrag: Hier sammle ich mal weiter Fundstellen, die von Erfahrungen an der grauen Basis berichten:

Boris Palmer in der FAZ

Risse im Idyll, Spiegel

Alles Gute für 2016!

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Das vergangene Jahr 2015 war für mich ein ganz tolles, mit dem Höhepunkt zum Schluss. Die erste Auflage des erst zwei Monate alten Buches ist nun schon vergriffen. Nur bei Amazon und bei Machwerk liegen noch einige Exemplare.

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Lucy von Nahtzugabe spricht mit ihren Worten auch für mich: „Ich bin ganz geplättet (!) von dieser Resonanz und habe noch nicht ganz realisiert, was in den vergangenen gut 8 Wochen passiert ist. Damit hatte ich so nicht gerechnet, und Susanne, glaube ich, auch nicht.“

Tatsächlich reibe ich mir immer noch die Augen. Im neuen Jahr ziehe ich dann mal eine kleine Bilanz und überlege, wie es weitergehen soll. Allein der Ausdruck geplättet  ist ja schon wieder eine Steilvorlage. Ideen gibt es genug!

Ich werde den guten Ausgang des aufregenden Experiments heute feiern und auf einer Tanzfläche dankbar sein. Es ist gar nicht so selbstverständlich, dass ich noch auf der Welt bin und Kraft über habe. Danke allen, die mir bis hierher geholfen haben!

Euch allen ein gutes Jahresende und die besten Wünsche für 2016!

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Alle Bilder aus La Guirlande 1919/20

Es ist ein Buch

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Liebes Publikum, froh und erleichtert kann ich nun einen Vorhang lüften. Heute morgen irrte eine Speditionsfahrer durch meinen herbstgoldenen Garten und suchte ein Verlagsgebäude, aber da war nur ich, die kleine Suschna, die eine Palette frisch gedruckter Bücher in Empfang nahm. Ja, ich habe ein Buch gemacht und bisher nichts davon erzählt, denn wenn es nicht schön geworden wäre, dann hätte ich mir aus der Lieferung ein Regal gebaut und ihr hättet nie etwas erfahren.

Aber im Gegenteil, es ist wunderschön geworden, genau wie ich es mir erträumt habe. Ein Buch wie eine Pralinenschachtel hatte ich mir vorgestellt, besonders geeignet zum Verschenken. Es sollte gut in der Hand liegen, sich fein anfühlen und natürlich interessanten, nie dagewesenen Lesestoff bieten.

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Über den Inhalt und weitere Einzelheiten könnt ihr hier auf einer Extraseite mehr erfahren. Das Buch kostet 15 Euro. Ich habe alles selbst gemacht und Lucy von Nahtzugabe hat mir dabei geholfen. Das Ganze ist ein Experiment um zu wissen, ob die Miko-Öffentlichkeit so eines Blogs auch für einen Buchverkauf ausreicht. Diese Frage stellen sich vermutlich viele in der Blogosphäre, und wir testen die Erfolgsaussichten nun für unseren Bereich. Das Buch könnt ihr ab sofort bei mir per Email (info@textilegeschichten.net) bestellen, weitere Verkaufsstellen folgen.

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Ich werde bald mehr aus dem Inhalt berichten und erzähle auch gern, wie ich das alles gemacht habe. Aber für heute soll es genügen, ich muss mich erst einmal an den Gedanken gewöhnen, dass es tatsächlich geklappt hat. Ich danke allen, die mir geholfen haben, ohne euch wäre das Projekt nicht möglich gewesen!  Und meinen Lesern hier danke ich auch, denn ohne euch wäre ich nicht auf die Idee gekommen, dass sich für textile Geschichten ein Publikum finden könnte.

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Mehr als ein Neun-Tage-Wunder, #bloggerfürflüchtlinge No. 2

„It is but a nine days wonder“, nur ein Neun-Tage-Wunder, heißt es auf englisch, wenn eine Neuigkeit nach kurzer Zeit nicht mehr die Schlagzeilen beherrscht. Diese Regel wende ich schon lange an, wenn mich etwas aufregt oder bewegt. Meist stimmt sie. Sogar die Katastrophe vom Word Trade Center war am zehnten Tag, am 21.9.2001, nicht mehr Thema Nummer 1, ich schwöre es.

Mein letzter Post zum Thema Flüchtlinge und der Aktion #bloggerfürflüchtlinge ist nun schon 14 Tage her und ich gestehe, es fällt mir schwer, mich dem Blogalltag zuzuwenden. Gerade mit Twitter ist kaum möglich, Abstand zu gewinnen. Man kann die ganze Nacht über live mitfiebern, ob es ein Flüchtlingskonvoi über die ungarische Grenze schafft,  wie viele neue Flüchtlinge gerade jetzt in Berlin ankommen und ob sich die Stimmung im Ausland nicht vielleicht doch noch in Richtung #refugeeswelcome wendet.

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Danke allen Journalisten und Aktivisten, die so mutig sind, sich an die Brennpunkte zu begeben!

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Wie das alles wegstecken, so dass man noch schlafen kann? Mit hilft es, mehr Hintergrundinformationen zu sammeln.

Ganz wichtig: Viele Geflüchtete legen großen Wert darauf, gepflegt auszusehen, nicht aufzufallen. Das würde ich sicher ganz genau so halten, wäre ich irgendwo nach langer Flucht gestrandet.

„Unsichtbar bleiben Szenen wie jene auf dem Autobahnrastplatz, an dem auch die Shamos deutschen Boden betraten: Da zieht eines Morgens ein Vater seinen fünf Töchtern die letzten sauberen Sachen an, Jeans mit Pailletten, Pullover mit Schmetterlingsmuster. Er wäscht ihre Gesichter, kämmt ihre Haare, damit sie ordentlich vor die deutschen Behörden treten. Und ihnen etwas Selbstachtung bleibt.“   ( Geschichten aus Deutschlands Lampedusa, Die Zeit 23.8.15)

Die Sache mit den Smartphones – Warum gerade Flüchtlinge ein Smartphone besitzen

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Irre Bilder aus den Messehallen in Hamburg

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Wie das organisiert wird: Logstik? Na logisch! (SPON)

und am Sonntag im NDR eine Doku dazu: 7 Tage helfen

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Kuscheltiere sind als Willkommensgruß nett gemeint, aber in Kleiderkammern nicht so optimal – lassen sich nicht waschen.

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In dem Zusammenhang: Gummibärchen und Co sind nicht halal, weil mit Schweinegelatine. Muss man alles erst lernen.

Es gibt einige „Stricken für Flüchtlinge“-Aktionen. Falls ihr da mitmachen wollt: Es wäre sicher klug, sich mit den Stellen abzustimmen, an die die Stricksachen gehen sollen. Es könnte sein, dass man komplett am Bedarf vorbeistrickt :-) Richtiges Spenden ist nicht nur gutgemeint. Eigentlich gilt das generell. Koordination ist wichtig. Im Moment laufen in Berlin sehr viele Kleiderkammer-Aktonen parallel, jeder scheint das Rad neu erfinden zu wollen. Diejenigen, die sich nur über geschlossene Facebookgruppen und Webseiten mit Registierungspflicht organisieren, schließen alle aus, die nicht internetaffin sind. Wertvolle Erfahrung und Arbeitskraft geht verloren.

Fragen?

Die großen Medien haben  seit etwas mehr als neun Tagen das Thema „Deutschland hilft“ nach vorn gebracht, schon trudeln die ersten Relativierungen ein.

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Zuerst hat mich das gestört, denn die Hetze in sozialen Netzwerken, Gewalt wie in Heidenau und Anja Reschkes Aufruf, dem etwas entgegen zu setzen, ist doch noch ganz frisch. Mit der Gegenoffensive hat es geklappt, gerade die letzte Woche hat noch einmal eine riesige Welle an Hilfsbereitschaft bewirkt. Aber die anderen Stimmen sind ja nicht weg, sie können sich jeder Zeit wieder Bahn brechen.

„Es ist vordergründig Hilfsbereitschaft. Doch es ist viel mehr noch ein Aufstand der Zivilgesellschaft gegen politisches Versagen und die ausländerfeindliche Hetze.“ (Misik/DerStandard)

Andererseits nützt es nichts, wir müssen uns mit allen auch zweifelnden Fragen auseinandersetzen. Seit ich (im bescheidenen Maße) in einer Kleiderkammer helfe, denke ich viel über ehrenamtliches Engagement, Geben und Empfangen nach. Für diejenigen, die da auch einiges bewegt, hier Links:

Tut mir leid für die Gedankenfetzen, mehr ist zur Zeit nicht drain. Zumindest sind Fetzen ja meist textil :) Falls ihr noch Links habt, die beim Verarbeiten der Eindrücke helfen, gern her damit in den Kommentaren.

„This is fashion, not politics“.  „Everything’s politics“ 

(aus dem Film Mahogany)

Alles falsch – Kleine textile Hoaxsammlung

DSC09584Link zum Tweet  *

Eine hübsche Frau auf einem Boulevard in Paris? Angeblich ist das Bild in den 1920er Jahren aufgenommen. Hundertfach geteilt auf Twitter, Pinterest und in anderen Netzwerken.

Aber Kenner merken: Das kann nicht sein. Solche Riemchen-Highheels hätte es 1920 nicht gegeben. Die Röcke sind merkwürdig kurz. Das Zeitungsdesign des Figaro sieht erst seit ein paar Jahren so aus, und die Anzeige des Mobilfunkunternehmes Bouygues-Telecom auf der Rückseite der Zeitung ist auch sehr heutig. Das Foto wurde in Wirklichkeit im Jahr 2012 für Le Figaro Madame gemacht,  im Zusammenhang mit dem Film „The Artist“, der in den 20er Jahren spielt.

Solch eine absichtliche Falschmeldung nennt man englisch Fake oder auch Hoax. Das Internet ist voller Hoaxes. Wer einen Hoax startet, hofft auf eine möglichst weite und rasante (= virale) Verbreitung. Webseiten wollen damit bekannt werden, Firmen für ihre Produkte werben und Aktivisten für ihr Anliegen.

Ich bin auch schon mehrmals auf solche falschen Informationen hereingefallen. Angeblich zeigt dieses Bild die Vorstellung von einem perfekten Körper im Jahre 1955.

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Das Modell auf dem Foto ist allerdings erst 1977 geboren – keinesfalls kann das also eine Aufnahme aus dem Time Magazine von 1955 sein.

Beim folgenden Gruppenbild wird erklärt, eine russische Frau habe in 40 Jahren eine Menge Zwillinge, Drillinge und Vierlinge bekommen. Das alles angeblich im 18. Jahrhundert, also lange vor der Erfindung der Fotografie. twitscreenshot

Inzwischen wurde dieses Foto fast 1000 Mal geteilt! Die Geschichte ist natürlich kompletter Blödsinn. Hin und wieder melden sich auch Stimmen in den Kommentaren zu solchen Bildern, dass das ja wohl nicht sein könne. Aber diese Fake!-Rufe verhallen meist ungehört, das finde ich faszinierend. Der Wunsch, sich über eine irre Geschichte auszutauschen, ist größer als der Wunsch nach Wahrheit.

Seit 2013 kursiert ein Foto einer Frauengruppe in Männerkleidung, das angeblich eine in London 1880 gefürchtete Frauenbande namens „Clockwork Orange“ zeigt.  Alles Unsinn, so eine Gang hat es nie gegeben.

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Wenn ich wollte, könnte ich auch einen Hoax starten. Besonders historische Bilder von Frauen in Hosen verbreiten sich gut.

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Dieses Foto der kostümierten Schauspielerin Mèry Laurent von 1860/61 wäre schnell mit „Erste Frau in Hosen 1700“ betitelt. Oder „Erste Cross-Dresserin der Welt„, ginge bestimmt auch gut. Am besten auf Englisch, und dann bei Twitter, Tumblr, Pinterest, Instagram, Facebook oder sonstwo einstellen.  Es würde sich vielleicht rasant verbeiten, niemand würde sich dafür interessieren, ob das wirklich stimmt und wo ich das Bild herhabe.

Eine Opiumhöhle?

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Ja, aber nur als gestellte Szene, aus dem französischen Stummfilm „Dandy-Pacha“ von 1920.

Empörthemen sind besonders gut geeignet für virale Kampagnen. Diese Windeltangas sind ein Gag, den viele ernst nahmen.

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Die gestickten Hilferufe von geknechteten Näharbeitern in Primark-Kleidung waren auch eine Fälschung, vielleicht eine Kampagne von Clean-Clothes Aktivisten.

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Die Geschichte wird mir bis heute immer wieder mal erzählt, da nützen alle Dementis der Firma nichts. Solche Sachen habe ich am Anfang auch weiter geschickt, inzwischen passe ich mehr auf, aber, es ist schwer. Wenn ich Zeit habe, gucke ich bei Hoax-Aufklärern wie

Hoax of Fame /Tumblr

Picture Pedant

Hoax Eye

Museum of Hoaxes

ob das Bild dort schon zu finden ist.  Hoax-Dauerbrenner werden seit vielen Jahren auch bei der TU-Berlin und  Mimikama aufgelistet. Auf Englisch hilft außerdem noch Snopes weiter. (Danke für den Hinweis!)

Wenn nicht, bleibt nur die Rückwärts-Bildersuche und weitere Recherche. Dieses Paar zum Beispiel war „viral“ unterwegs und ich wollte es eigentlich weitergeben:

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Die Bilderrückwärtssuche ergab, dass das wahlweise ein Veteran des amerikanischen Bürgerkriegs, der napoleonischen Krieg oder des Krimkriegs mit seiner Frau sein soll. Das Foto ist bei WikiCommons mit der Quelle „Archive de la Photographie 1840 1940“ vermerkt. So ein Archiv ist aber nicht auffindbar, ein Buch mit einem solchen Titel auch nicht. Ein schönes Bild, aber ob es echt ist? Ich habe nun bestimmt eine halbe Stunde danach recherchiert, aus reiner Neugier, wer macht das sonst schon.

Seiten, denen man gar nicht folgen sollte, so viel Falschinfos werden verbreitet (ganz abgesehen von Copyrightmissachtungen): Alle die irgendwie HistPic, SciencePorn, GlobalPic, BestofSpace, WOWAnimals oder so heißen. In der Regel haben diese Konten Hundertausende Follower und werden immer wieder umbenannt. Sie sind kommerziell sehr erfolgreich. Daher ist es ihnen völlig egal, ob die Bilder, die sie herumschicken, echt sind oder ob die Bildüberschriften stimmen.

Inzwischen bin ich so misstrauisch, dass ich auch dieses Bild nicht weiterverbreitet habe, obwohl es toll ist. (Von Kurden aus den ISIS-Gebieten befreite Frauen ziehen die schwarze Kleidung aus).

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Zum Abschluss noch ein modernes Märchen, das mich und andere Eltern seit Jahren verfolgt. Immer und immer wieder wird in unendlichen Abwandlungen von einem weißen Lieferwagen erzählt, der Kinder mitnimmt. Bitte, bei solchen Berichten, auch mit konkreten Ortsangaben: Glaubt sie nicht! Recherchiert erst einmal selbst und forscht nach der Quelle.

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In diesem Sinne für heute: Eine pedantische gute Nacht.

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*  Nachtrag 27. Juni 2015:

Inzwischen habe ich die Info bekommen, dass die Fotografin der Modestrecke für Le Figaro Madame (Bild in diesem Beitrag ganz oben) einen Bloggerin wegen der Verwendung ihrer Fotos abgemahnt hat. Das war ziemlich teuer. Die Bloggerin hat danach ihren Blog geschlossen.  Heißt das nun, dass ich das Bild auch nicht zeigen darf? Und somit auch nicht vernünftig über missbräuliche Verwendung von Fotos aufklären kann? Verkehrte Welt im deutschen Urheberrecht, irre.

Da ich schon einmal dabei bin: Hier geht es zur Petition für die Rettung der Panoramafreiheit, damit ihr auch in Zukunft in eurem Blog noch eure Urlaubsfotos zeigen dürft.

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