Hm

Am Wochenende waren wir in kleiner Bloggerinnenrunde auf der Textile Art 2010 hier in Berlin. Ich  weiß nicht so recht, wie ich meine Eindrücke zusammenfassen soll.  Vielleicht wäre ein erstes Fazit:  Die „Zeitgenössische Textilkunst“, die die Messe zeigt, entspricht eher Vorstellungen einer Generation, die sich noch nicht im Internet umgeschaut hat. Obwohl ich mich (Mittvierzigerin) als „mittelalt“ bezeichen würde, gehörten wir zu den Jüngeren im Gebäude. Und mit unserer Blog- und Internetbegeisterung waren wir ziemlich auf verlorenen Posten.  Schon das strenge Fotografierverbot zeigt, dass sich die Veranstalter des Internets als wichtiges Medium für die Verbreitung ihres Anliegens nicht bewusst sind.

Textilkunst, so wie sie sich mir weltweit im Internet präsentiert, scheint mir doch noch variantenreicher als das, was ich in den unendlich vielen Räumen des Veranstaltungsortes gesehen habe. Dabei haben wir so viel gesehen, dass ich nach fünf Stunden trotz starken türkischen Tees ermattet aufgeben musste.

Gern hätte ich auf Dinge aufmerksam gemacht, die uns aufgefallen sind, aber ohne Fotos macht das wenig Sinn.

Leider habe ich erst hinterher in den Teilnahmebedingungen der Messe folgendes gelesen: „Aufgrund schlechter Erfahrungen mit der »ungehemmten Knipserei« wurde das bis 2007 geduldete Fotografieren durch das Publikum ab 2008 generell untersagt. Teilnehmer können natürlich den eigenen Stand bzw. die von ihnen ausgestellten Stücke ohne Sondergenehmigung fotografieren lassen.“

Vorsorglich also schon einmal für das nächste Jahr: Ich könnt fotografieren, ihr müsst nur vorher fragen!

Bis dahin hier wenigstens zwei Empfehlungen:

Gerdiary hatte einen beruhigend klaren Stand in dem ganzen komplementärfarbigen Ausstellermeer. Endlich konnten wir ihre Objekte „in echt“ anschauen und die Haptik, die Oberflächenstrukturen erfassen. (Eindrücke von ihrem Stand zeigt sie hier).

Uta Donaths Siebdrucke auf Stoff haben uns sehr gefallen, frisch und modern.

Für die Zukunft würde ich mir mehr von solchen Beispielen abseits des Austauschbaren wünschen. Wer von euch war denn noch da? Was sind eure Eindrücke? Übertreibe ich es mit dem Internet?  Widerspruch zu meinem ersten Fazit ist sehr erwünscht.

 

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16 Kommentare

  1. Mit zwei Tagen Abstand bin ich für mich zu dem Schluss gekommen, dass mich eigentlich gar nicht das Fotografierverbot an sich so stört, sondern die Art, wie es kommuniziert wird. Die Erklärung, die du gefunden hast, finde ich ganz nachvollziehbar, wenn das Fotografieren tatsächlich so überhand nahm – ich möchte ja auch nicht dauernd auf den Fotos fremder Leute sein, ohne gefragt zu werden. Einerseits.
    Andererseits finde ich die Verbotsschilder alle drei Meter (in den Fluren gefühlt mehr Verbotsschilder als Ausstellungsobjekte) unhöflich und übermäßig gängelnd – und wenn das dann wie erlebt dazu führt, dass Standbesitzer sich nicht trauen, einen fotografieren zu lassen, weil sie denken, sie dürften das nicht, dann ist das ja überhaupt nicht der Sinn der Sache. Man fühlt sich als Besucher permanent gegängelt, und das führt (bei mir) zu einer leicht negativen Grundhaltung. Das ist so, als ob in einem Laden alle drei Meter Schilder hängen „Diebstahl verboten!“. Da würde ich ja auch nicht einkaufen. Man könnte das Verbot ja auch höflicher formulieren: „Bitte nicht fotografieren“. oder noch besser, wie bei deinem Button unten: „Bitte erst fragen, dann fotografieren“. Wenn dann auch die Standbesitzer davon wüssten, könnten sie sich ja vorher überlegen, wie sie dazu stehen. So ist es die schlechtestmögliche Lösung. Und irgendwie überlagern die Verbotsschilder und die Diskussion darüber auch das ganze Interessante und Positive, das man dort erleben kann. Denn auch wenn der Altersdurchschnitt ziemlich hoch ist – die Bandbreite beim Gezeigten ist wirklich sehr groß, und ich finde schon, dass man sich die Veranstaltung nicht entgehen lassen sollte.

    • Ja, du hast vollkommen recht. Bei mir haben zwei Tage offenbar noch nicht genügt, um die leicht negative Grundhaltung abzubauen. Das Interessante und Positive wird davon zur Zeit noch überlagert. Ich schlaf erstmal noch ein paar Nächte mehr drüber.

  2. Mir ging es genauso wie Euch! Es waren so viele schöne und interessante Dinge zu sehen, die ich gerne fotografiert hätte um sie mit anderen zu teilen. Die Verbotsschilder haben wirklich genervt! Ich finde die Veranstaltung auch sehr sehenswert und ich war traurig, das ich nicht alles anschauen konnte. Nächstes mal starte ich in der oberen Etage und arbeite mich dann nach unten durch.

  3. Ich konnte es leider nicht sehen, obwohl fest vorgenommen. Ich kann Euren Frust verstehen, hätte ich doch gern ein paar Fotos gesehen, aber auch die Aussteller kann ich verstehen. Un da geht es sicher nicht vorrangig darum, dass man auf Privatfotos anderer ist! Es ist generell ein ziemlich komplexes Problem und für alle optimal leider nicht zu lösen. Man kann auch ganz anders erklären bzw. bitten nicht zu fotogrfieren – der Ton macht die Musik.
    Auf der anderen Seite habe ich auch erlebt wie das mit dem Fotografieren laufen kann und dem Ideenklau. Es gibt viel mehr Menschen, die handwerklich begabt, aber nicht kreativ sind. Genau diese Besucher profitieren sehr von so einem Messebesuch und sind meist auch die , die ein Geschäftsgen haben. Dieses Gen haben Kreative in viel geringerem Maß.
    In Zeiten des Internet ist das sicher müßig, aber wenn man es ganz privat erlebt und von seinen Ideen leben „muß“ ,sieht es schon anders aus. Ihr seid interssierte Betrachter, aber ihr verdient damit nicht Euer Brot.
    Bei solchen Messen macht es Sinn, wenn der Veranstalter mit einen Fotoverbot einen kleinen Katalog macht. Für die Aussteller eine Öffentlichkeit und für den Besucher einen bildliche Erinnerung. Vielleicht kommt der Veranstalter ja selbst auf die Idee?! Es macht aber wieder Arbeit, kostet Zeit etc.
    Beobachtende Grüße von Karen

  4. Karen, mir ist total klar, dass der Ideenklau per Foto ein Problem sein kann – aber gerade bei dieser Messe sehe ich das Problem nur sehr begrenzt. Das ist keine Designmesse, bei der man ganz viele noch nicht gesehene Verarbeitungsweisen oder tolle potentielle Produktideen findet. Eher mit einer Galerie zu vergleichen – da nützte es einem auch nichts, würde man die Bilder nachmalen (lassen). Aber darüber müssen wir jetzt gar nicht diskutieren, ich verstehe ja sehr gut, was du meinst, und ich bin auch überhaupt nicht für unkontrolliertes überall-Herumfotografieren. Es ist wohl in erster Linie eine Stilfrage – und dann die merkwürdige Situation, dass die Veranstalter das Verbot mit den Wünschen der Aussteller begründen, und die Aussteller mit dem Wunsch der Veranstalter. Ich würde gerne jedes Jahr über die Textile Art berichten, aber das apodiktische „Verboten!“ überall nimmt mir die Lust, mich überhaupt zu engagieren. Ich fand es ja bewunderswert, wie Suschna sich auf der Messe ins Zeug gelegt hat! Wenn ich nächstes Jahr um diese Zeit zufällig eine hohe Frustrationstoleranz an mir feststelle, schreibe ich die Veranstalter vorher an, und versuche mich zu akkreditieren, um als Bloggerin zu berichten!

    viele Grüße, Lucy

  5. Lucy, warte nicht bis zur nächsten Textil-Art. Man könnte schon jetzt den Veranstalter anschreiben.Z.B. anregen , „Das Fotografieren ist nur mit ausdrücklicher Genehmigung des jeweiligen Ausstellers möglich“ oder so. Und Blogger-Journalismus bringt Besucher, bringt mehr Einnahmen, ermöglicht Katalog…Einen Versuch wäre es wert. So viele textile Events gibt es ja nicht.
    Späte Grüße Karen

  6. Ich würde mal sagen, dass eine Ansprache der Veranstalter nichts nützen wird, da treffen einfach Welten aufeinander. Internet, Blogs, da muss man erstmal erklären, was das überhaupt soll.
    Mit tut es leid um den ganzen Bereich textiler Werke, um die Vernetzung, den Austausch, der so offensichtlich nur in kleinen separaten Gruppen stattfindet, alles bleibt seltsam unprofessionell. Wie gern hätte ich von den guten Dingen erzählt, z.B. dem 1000-Blütenteppich, den Quilts aus dem Sack uralter Stoffreste, den Arbeiten aus anderen Ländern. Vieles habe ich wegen der Unübersichtlichkeit wohl auch gar nicht gefunden, wie zum Beispiel die hier erwähnten Quilts:
    http://stoffart.blogspot.com/2010/06/textile-art-berlin.html
    Die teils traurigen Hängungen und mangelnden Erklärungen, die in dem Blogbeitrag angesprochen werden, haben mich zwar auch gestört. Aber ich vermute mal, dass aus finanziellen Gründen gar keine andere Vorgehensweise möglich ist. Daher ist es doppelt schade, dass die kostenlose Öffentlichkeitsarbeit durch Blogs auch noch wegfällt.

  7. Gestern vor dem Einschlafen noch eine verrückte Idee gehabt: Ich schlage den Veranstaltern vor, beim nächsten Mal eine Blogger-Lounge einzurichten, in der sich Textilbloggerinnne treffen und austauschen können – Bloggertreffen bei Stoffmärkten sind ja schon gang und gäbe. Außerdem gibt es einen Vortrag zum Thema „Was sind Blogs und wie und was fange ich als Textilfrau damit an?“ Wer dann noch Fragen hat, geht in die Blogger-Lounge und löchert dort die Expertinnen…

    • Gleichzeitig könnte man noch die Monatsseiten ausstellen. Ich fürchte bloß, wir sind zu wenige, da bleiben wir unter uns.

    • Uschi, die Bilder dort sind von 2008. Als Lucy letztes Jahr ein Bild aus dem Pressebereich (!) der Internetseite für ihre Vorankündigung benutzte hat sie gleich ein Beschwerde von der Herstellerin bekommen. Total irre, das Ganze.

  8. Ich war als Standhelferin von Helena Geitel (decolorist) in Berlin. Bei uns am Stand durfte fotografiert werden!!! Wir fanden es ziemlich schade, dass überall diese Verbotsschilder hingen.Gerne hätte ich bei meinen kurzen Rundgängen das eine oder andere selber geknipst, ganz einfach um zu Hause bestimmte Dinge in Ruhe noch einmal anzuschauen. Ich glaube nicht, dass irgendjemand etwas dort gezeigtes 1:1 nacharbeiten kann.

    Die Idee mit der blogger-Lounge finde ich klasse. Mal sehen, ob die Veranstalter sich darauf einlassen. Und dann bleibt abzuwarten, wie sich die doch ziemlich heftig gestiegenen Standpreise auswirken werden…

  9. Ich habe gestern schon diesen Post und die Kommentare gelesen und wollte mir einem eigenen Kommentar eigentlich sparen weil ich ja nicht auf der Ausstellung war. Aber nachdem ich sogar in der Nacht davon geträumt habe möchte ich Euch folgende Überlegung nicht vorenthalten. 1)
    Wieso nimmt irgendwer an es wir nicht kopiert nur weil man nicht fotografieren darf?
    Ich habe, in jungen Jahren, fast 10 Jahre in der Konfektion gearbeitet und Entwürfe und Schnitte gemacht. Ein Messebesuch war dazu da „Anregungen“ und „Ideen“ bei den anderen zu holen. Selbstverständlich war es auch nicht erlaubt aber offenes Geheimnis und ich müßte mich schon schwer täuschen wenn das heute anders ist. Meine damaligen Chefs haben immer die jungen und unbekannten Gesichter in die Messestände vor geschickt die ihnen schon verwehrt waren. Besonders interessante Teile wurden gekauft, zertrennt, der Schnitt abgenommen und dann durften wir Angestellte die Teile kaufen und wieder zusammensetzten. So bin ich zu manchen Designerteil gekommen. Für all das braucht man keinen Fotoapparat, Papier und Bleistift genügte.
    2)
    Ich sehe das Problem mit der Textilenkunst wie auch mit dem Schneidern etwas zu verdienen eher darin, dass Menschen die sich für Handwerk oder Kunsthandwerk interessieren es meist selber machen wollen. Ob nur wollen und nicht können steht auf einem anderen Blatt. Mir ist das extrem letztes Jahr beim Webermarkt aufgefallen. Viele Besucherinnen sagten vor den Standln ungeniert: „Ach, das ist schön aber das mach ich mir selber“. Ich war verblüfft über die ungenierte Art. Aber für mich war damit die Idee dort selber einen Stand zu nehmen sofort vom Tisch.
    Und die Leute die für Handwerk sowieso nichts überhaben sind erst recht nicht bereit mehr Geld auszugeben als beim Textildiskonter.
    Nähen, im engeren und weiteren Sinn hat leider einen schlechten Stand, für mich ist es mein Lebensthema und ich könnt noch ewig weiter wettern aber das erspare ich Euch.

    Liebe Grüße
    Teresa

    • Danke für deine Eindrücke, Teresa! Sehr lehrreich. Ich hab auch von dem Thema geträumt, ein bisschen zu viel, aber nach einer Woche schließt sich für mich der Kreis. Gestern war hier in Berlin-Kreuzberg ein Straßenfest mit vielen Verkaufsständen. Ich habe gedacht, ich bin im Modern-Sewer-Bloggerland. Taschen und Röcke wie von Horner-Butler-etc, kleine Monster als Schlüsselanhänger, mit kreuzförmig überstickten Knopfaugen, die ganzen Craft-Trends in Massen, made in India und sonstwo, qualtitativ o.k. und natürlich gar nicht teuer. (Da lohnt es sich keinesfalls zu sagen: Das mache ich mir selber!) Es war bunt-patchworkig im Übermaß und alles was ich vor zwei Jahren noch so neu und erfrischend fand ist nun schon Massenware. Über das Kopieren auf solchen Textilmessen brauchen wir uns gar nicht mehr zu unterhalten, das ist lächerlich im Vergleich zu den extrem schnell agierenden Nachmacher-Industrien.
      Mit individuellen Textil-Kreationen (wirkliches) Geld verdienen zu wollen scheint mir ziemlich aussichtslos. Nähen hat vielleicht einen schlechten Stand, aber von der Malerei z.B. kann auch kaum jemand leben, obwohl es ein höheres Ansehen hat. Die Kraft muss man aus den ideellen Aspekten ziehen. Die große Freude, etwas selbst erschaffen zu haben, die Gemeinsamkeit, das Teilen der Begeisterung mit anderen, den Austausch- auch von textilen Objekten. In diesem Sinne mache ich dann man weiter – wir alle, hoffe ich.

  10. Jede Zeile die Du schreibst spricht mir aus der Seele…
    Ich mach bestimmt weiter ich befürchte ich kann gar nicht mehr anders :)
    Liebe Grüße
    Teresa

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