Stoffspielerei: Kopfputz (fast) 20er Jahre

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Strass, Federn, Haarreif, Chenille, Silbergarn – das sind die Zutaten für meinen Kopfputz passend zum Thema der heutigen Stoffspielerei* in der Faschingszeit. Gastgeberin ist Gabi von Made with Blümchen aus Graz. In Österreich ist der Faschingsdienstag wichtiger als der Rosenmontag, habe ich von ihr gelernt.

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Weil ich schon länger vom Kopfputzthema wusste, konnte ich es gleich für eine Mottoparty nutzen.  Kleiderordnung waren die 20er Jahre, Boheme. „Federn und Glitzer im Haar!“ dachte ich, ohne groß zu recherchieren, und suchte einen alten Haarreif heraus. Den umwand ich mit fransigen Kreppstoffstreifen, legte ein Stück Strassband und etwas weißes Chenillegarn auf. Die ganze Deko fixierte ich dann mit Silbergarn, in schmalen Abständen um den Reif herumgewickelt.

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Zum Schluss mit drangebunden sind eine antike altrosa Straußenfeder (?) und etwas dunkles Gefieder, das eher an eine Jagdmütze passen würde. Der Reif hielt den ganzen Abend gut. Leider habe ich keine richtigen Tragefotos, alles verwackelt.

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Der Look bestand aus schmalem schwarzen Abendkleid, Federboa und einem echt alten Morgenrock von meiner Großmutter, der so edel aussieht, dass er locker als Abendmantel durchgeht. Das Material ist schon sehr mürbe und reißt bei der kleinsten Belastung, aber das war mir egal. Was sollen all diese Dinge immer in Kisten herumliegen. Ist doch toll, dass meine Oma nun quasi auf einer Party in einem Berliner Restaurant war, auch wenn es ihr wohl etwas zu queer gewesen wäre.

morgen

Mein Look entsprach eher Fantasie-20ern, das war mir auch klar.  Erst nach dem Fest, von dem ich total begeistert war, fing ich richtig an, mich mit der Mode der Zeit zu beschäftigen. Erstes Fazit: Federn sind gar nicht so richtig 20er Jahre – zum Test habe ich die Jahrgänge der Berliner Leben durchgesehen. Federschmuck am Kopf fand ich nur bis 1919 (Revuegirls ausgenommen). Federboas gar nicht.

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An dem Abend hatten sich alle sehr viel Mühe mit ihrer Kleidung gegeben, der Ort war toll dekoriert- man trat ein, sah die weißgedeckten Tische, die geschmückten Menschen, weiße Hemdbrüste leuchteten, Perlenketten und Paillettenkleider glitzerten, viele schräge Boheme-Charaktere dazwischen.  Am Tresen eine Art Theo Lingen im Frack mit Monokel und Champagnerglas. Wie schön ist es doch, wenn sich alle wirklich feingemacht haben, wie viel herausragender wird das Ereignis!

Je mehr ich schaute, desto mehr fielen mir aber auch die auf, die sich (wie ich) in eine Art Klischee-20er gestürzt hatten, mit einer Fransenborte am Kleid und einer Indianerfeder im Stirnband. Dazu las ich bei den Partyveranstaltern Boheme Sauvage, was auf den Vintage-Festen unerwünscht ist: „kitschig glitzernde und geschmacklose Karnevalskostüme, Plastikartikel, schrille Perrücken, pinke Federboas und alles was der Zeit zwischen 1890 und 1930 ganz offensichtlich nicht angemessen ist. Wir apellieren ganz ausdrücklich an Ihren Sinn für Stil und Ästhetik. Auch das Tragen von offenem langem Haar ist leider in den Zwanziger Jahren absolut umodisch.“

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So ein Haarnetz wäre besser als ein Federreif gewesen! Ich finde es ja auch lustig, dass man bei 20er Jahre immer an die Flapper-Girls denkt, junge schicke und vor allem dünne Frauen. Wenn ich mir alte Fotos anschaue, dann finde ich fast nie solche Elfen – im Gegenteil, die meisten Frauen in den 20ern wirken sehr gestanden. Einen Ausdruck für Flapper-Girls gibt es auf Deutsch auch gar nicht.

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Jedenfalls weiß ich jetzt für meine nächste Boheme-Party sehr viel besser Bescheid, was Kleidung, Frisuren und Schminke und Nagellack angeht. Eine Federboa aus Hühnerfedern wie meine (erkennbar an den kleinen kurzen Federn) ist auch nicht so toll. Für Männer ist es ebenfalls nicht einfach. Zum Beispiel heißt eine Fliege nicht Fliege, sondern Schleife und muss auf jeden Fall selbst gebunden sein.

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Das Phänomen der Vintage-Parties erklärt eine Professorin in diesem Zeit-Artikel mit einer Reaktion darauf, dass wir uns inzwischen eher im Netz in Szene setzen. Die Straße ist anders als früher keine Bühne mehr ist. Anonymität und Unauffälligkeit sind wichtig, der Blick des anderen spielt in der Stadt keine Rolle mehr.

Demgegenüber zeichnet sich schon jetzt eine neue Sehnsucht nach geschützten analogen Öffentlichkeiten ab, in denen Mode kein Verstoß gegen den guten Ton ist. In größeren Städten sind historische Kostümfeste en vogue. Man kleidet sich im Stil der Zwanziger und agiert die Höflichkeitsformen und Manierismen versunkener Epochen aus.

Soweit für heute – vielen Dank an Gabi, die heute die Links sammelt. Schaut bei ihr vorbei – ich bin gespannt, was andere aus dem Thema gemacht haben.

Der nächste Termin ist der 26. März bei Karen, mit dem Thema: Shibori.

Schönen Sonntag allen, und ganz schnell noch ein Fund aus der Berliner Leben von 1926 (knüpft an den vorherigen Beitrag über Luises Halsbinde an) – in dieser Theaterszene ist Luise nämlich an ihrem Signature-Style-Kopfputz gut erkennbar:

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*

Die monatliche Stoffspielerei ist eine Aktion für textile Experimente. Sie ist offen für alle, die mit Stoff und Fäden etwas Neues probieren möchten. Der Termin soll Ansporn sein, das monatlich vorgegebene Thema soll inspirieren. Jeden letzten Sonntag im Monat sammeln wir die Links mit den neuen Werken – auch misslungene Versuche sind gern gesehen, zwecks Erfahrungsaustausch.

Mythen und Redensarten: Wer wusch die Wäsche der Soldaten?

Nachdem ich euch das neue Buch vorgestellt habe, will ich den Platz hier nutzen, um auf einige inhaltliche Dinge einzugehen. Was mich bei der Recherche für die Sammlung immer wieder umtrieb war die Tatsache, dass über die Herkunft  einiger Redensarten scheinbar unausrottbare Legenden kursieren. Von Sammlung zu Sammlung werden die – meist unterhaltsamen – Geschichten  weitergegeben, ohne dass sich offenbar jemand die Mühe macht, sie zu überprüfen.

Eine dieser Legenden habe ich gerade wieder gehört, daher kommt sie hier nun zuerst auf den Prüfstand. Und zwar geht es um „Dumm aus der Wäsche gucken“.  Der Ausdruck soll aus der Soldatensprache kommen. Die Geschichte dazu geht ungefähr so: Im Zweiten Weltkrieg gab es sogenannte „Wäschesoldaten“, deren Aufgabe es war, durch die Linien zu fahren und schmutzige Wäsche einzusammeln. Da für diese einfache Arbeit eher einfältige Männer ausgesucht wurden, schauten diese dann dumm aus den Wäschebergen.

Die Erklärung hatte ich bei meinen Recherchen öfter gefunden, aber ich konnte die Geschichte nicht mit in mein Buch aufnehmen.

  • Für die Existenz sogenannter „Wäschesoldaten“ fand ich keine Belege.
  • Der Ausdruck „dumm aus der Wäsche gucken“ ist erst ab ca. 1990 verbreitet (edit: in gedruckten Publikationen), gleichzeitig gibt es auch Varianten wie „fröhlich aus der Wäsche schauen“.
  • Standardwerke zu Redensarten enthalten die Wendung oft nicht – vielleicht weil der Ausdruck so relativ neu ist?

Ich wette, bei euch ist die Geschichte aber nun nach meinen Worten schon so im Kopf verankert, dass ihr die Wäschesoldaten nicht vergessen werdet. Die langweiligere Erklärung, die ich plausibel fand, und die deshalb so ein mein Buch gewandert ist, kommt dagegen nicht an:

Dumm aus der Wäsche gucken
Bei Verblüffung oder Enttäuschung guckt man dumm aus der Wäsche, bei Niedergeschlagenheit auch mal traurig. Weitere Varianten wie ›dumm aus dem Anzug gucken‹ zeigen, dass die Wäsche hier allgemein für Kleidung steht. Der verblüffte Mensch versinkt quasi vor Überraschung in seiner äußeren Hülle. Er könnte auch vor Verblüffung aus den Latschen kippen.

Die schmutzige Soldatenwäsche habe ich im Text absichtlich nicht erwähnt – auch auf die Gefahr hin, dass nun jemand mit Besserwisserlust in das Buch schauen und sagen wird: Ha, das stimmt nicht! Das kommt von den Wäschesoldaten!   Mythen zu bekämpfen ist nämlich unglaublich schwer, wie wir es ja in Medien und Politik im Moment überall erleben. In dem Moment wo man sagt: „Es stimmt nicht, dass…“ muss man ja die falsche Behauptung erst einmal wiederholen, und – zack – verfestigt sie sich im Kopf des Gegenübers.

Eerste Wereldoorlog, uitrustingAusrüstung eines englischen Soldaten im 1. WK (mit niederl. Beschriftung)

Davon unabhängig wollte ich aber nun natürlich wissen: Wie lief Wäschewaschen denn im Weltkrieg ab?

Mein Großonkel Heinz, der 1938 als Abiturient zum Dienst eingezogen wurde, schickte seine schmutzige Wäsche immer im Paket nach Hause und bekam dann saubere von dort zurück. Das weiß ich aus seinen Feldpostbriefen. Als ich sie vor ein paar Jahren transkribierte, ließ ich diese ganze Wäschekorrespondenz weg, sie schien mir belanglos. Dabei ist das Gegenteil der Fall! Wer hätte gedacht, dass mitten im Zweiten Weltkrieg massenweise Wäschepakete hin- und hertransportiert wurden, die offenbar auch genauso schnell ankamen wie Pakete heute.

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1943 liegt Heinz in einem Lazarett in Buer/Westfalen (wegen einer Beinverletzung aus einem ganz normalen Motorradunfall an einer Straßenkreuzung) und schreibt am 17.10.1943:

Ich danke Euch für den Brief vom 14. und für das Paket mit der Wäsche. Ich brauche die Hemden noch nicht, liebe Mutter; schicke mir bitte in Zukunft nur dann Wäsche, wenn ich darum bitte. Ich möchte nicht zuviel Wäsche hier herumliegen haben. Ich habe heute morgen ein kleines Paket mit Wäsche abgeschickt. Ich möchte nicht mehr so viel Wäsche im Lazarett waschen lassen, da ich zu leicht die Übersicht darüber verliere und niemand bei Verlust verantwortlich machen kann, da es allgemein als große Gefälligkeit angesehen wird, die man mir mit dem Waschen hier erweist.

dsc01482Heinz mit Krücken

1944 geht es dann endlich ostwärts in die von ihm heiß ersehnte Frontnähe (ja tatsächlich, der 25jährige Leutnant langweilt sich). Im September schreibt er aus der Provinz Posen (heute Polen):

Ich bitte Euch also um folgendes:

1 Pullover (nicht die Pelzweste!)
1 Paar Handschuhe, den schwarzen Schal
1 Paar Hosenträger
1 Butterdose
Etwas Warmes zum Trinken!
Etwas zum Rauchen.
1 Paket Waschpulver
Ich glaube, das wäre wohl alles. Wäsche brauche ich noch nicht. Ich habe noch 6 saubere Unterhosen, genug Oberhemden und auch die langen Unterhosen. Ich will außerdem sagen, daß ich meine Wäsche hier waschen lassen kann, denn auf die Entfernung ist das Nachhauseschicken doch nichts. Habt Ihr übrigens das Paket schon von mir erhalten mit meinem Anzug? Ich habe es noch am letzten Tag von Buer abgeschickt. –

…..Schickt das Paket bitte an: Amsee, Kr. Hohensalza, Warthegau. Am besten ist wohl per Expreß.

„Dass ich meine Wäsche hier waschen lassen kann“ – es gab also auch eine Möglichkeit, vor Ort zu waschen. Waschpuler brauchte er aber dennoch.

Bilder zum Thema habe ich eher aus dem Ersten Weltkrieg gefunden, so zum Beispiel dieses Foto von Neuseeländern in Frankreich, die offenbar zentral die Socken waschen.

Soldiers washing socks during World War I, Bus-les-artois, France (20659415884)

Bei so einer Kollektivwäsche bekam dann jeder Soldat irgendwelche sauberen Socken ausgehändigt – also nicht sein eigenen. Socken waren wichtig, denn sie dienten dem Schutz der Füße, dem lebensnotwendigen Transportmittel. Ansonsten zeigen die Fotos immer Männer, die ihre Sachen selbst waschen, sei es wie hier  in einer Schüssel oder in einem Fluss oder See.

A New Zealand soldier doing his washing at Chateau Segard, World War I (21092971650)

Auch heute noch läuft das so ab, hier z.B. eine Wäscheleine britischer Soldaten in Afghanistan.

Washing Line of Uniforms in Afghanistan MOD 45150637OGL

Das alles gibt ein falsch-friedliches Bild ab und bezieht sich natürlich nicht auf hart umkämpfte Frontlinien. Dort war an Dinge wie Wäschewechseln, geschweige denn Wäschewaschen, nicht zu denken. In einem Armeeforum erinnert sich ein US-Veteran an das Leben im Krieg:

„Everything except what you were there to do, became very secondary, so secondary you can hardly remember doing it!“

kleider-desinfizieren

Wichtig war auch die Bekämpfung von Ungeziefer, wie auf diesem Foto von ca. 1910. In Döberitz/Brandenburg wird laut Bildtitel Kleidung „desinfiziert“.

Eine Art Wäschesoldaten habe ich am Ende doch noch gefunden. In den USA gab es im Zweiten Weltkrieg „laundry men“, die auch an der Front Wäsche einsammelten und verteilten. Das waren dann sehr gefährliche Jobs, wie in diesem Artikel beschrieben.

Wer Spezialwissen zu diesen Themen hat, wie immer gern her damit. Das Terrain scheint noch ganz unerforscht.

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Vor 200 Jahren löste die österreichische Militärführung das lästige Problem übrigens so:

Ein Theil der Commandierten kann verheirathet seyn, damit ihre Weiber für die Compagnie die Wäsche besorgen.

(Militär-Abhandlung von 1821)

Strandfoto Teil II – dem Rätsel nachgespürt und Kuchen gebacken

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Zehn junge Frauen liegen für ein Mittagsschläfchen im Sand von Misdroy, einige tragen Schirmmützen – was ist da los? Hier nun die Fortsetzung zu Auf den Spuren eines Strandfotos – Recherchereise nach Polen. Wir hatten schon spekuliert, was für eine Szene das wohl sein könnte. Sind die jungen Frauen berufstätig? Vielleicht bei der Bahn oder in der Fährschiffahrt? Von wann könnte die Aufnahme sein? Gehen wir ins Detail:

1. Der Hintergrund

Strandkörbe gab es an den deutschen Küsten ab 1870, dazu steht mehr beim Strandkorb-Rätsel aus dem letzten Jahr. Ist der Steg im Hintergrund des Fotos vielleicht die Seebrücke, durch die Misdroy  ab 1885 an den Schiffsverkehr Anschluss fand? 1914 wurde sie zerstört und erst 1921 wieder aufgebaut, das würde bei der Datierung des Fotos helfen. Der holzverschalte Steg kann aber leider nicht die Seebrücke sein, die sah sowohl vor 1908 als auch später ganz anders aus, war offen gestaltet. Die Holzverschalung und die Treppen nah am Wassersaum deuten vielmehr darauf hin, dass es sich um die Abtrennung eines Badebereichs handelt, vielleicht des Herrenbades (Postkarte von 1912), das es auch schon vor 1900 gab.  Familienbad, Herrenbad, Damenbad – solche Strandabteilungen waren damals in den Küstenorten  üblich. Vor allem im 19. Jahrhundert wurde noch streng nach Geschlechtern getrennt gebadet.  Die Umkleiden, der Steg, die Treppe ins seichte Wasser – alles war mit Holz oder Planen vor Blicken geschützt, denn man ging teilweise noch nackt ohne Badeanzug ins Wasser.

2.  Die Kleidung

Die Mehrzahl der Frauengruppe trägt bodenlange dunkle Röcke und weiße hochgeschlossene Blusen – so sah die Alltagskleidung der Frauen um 1900 aus. Dieser Einheitslook  war für junge Frauen damals das, was heute Jeans und T-Shirt sind.

berlinerleben-1898fecht1898, Fechtclub (Berliner Leben)

Auf dem Fechtclub-Foto von 1898 sehen die Ärmel der Bluse noch sehr hammelkeulenartig aus – beim letzten Rätselfall hatte ich ja gezeigt, dass diese im oberen Bereich sehr aufgeblähten Ärmel ab 1872 in Mode kamen. Bei unseren Damen am Strand aber fallen die Ärmel – soweit man das sehen kann – gemäßigter aus, zum Teil bauschen sie sich auch eher nach unten hin.

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Solche verschiedenen Ärmelformen nebeneinander sieht man auch bei den Berliner Wäschenäherinnen auf dem Foto unten von 1906. Ich tippe daher darauf, dass das Strandfoto jedenfalls nach 1900 aufgenommen wurde.

1906 arbeithaus1 (3)1906, Berliner Leben

Die Frisuren der Wäschenäherinnen passen auch zu denen auf unserem Strandfoto – hochgesteckte Haare, zu Rollen toupiert und mit einem Knoten auf dem Kopf. Dieser puffige Look hielt sich ab 1890 über zwanzig Jahre, wie man sehr schön bei den Baskteballteams sehen konnte.

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Dieser Ausschnitt zeigt, dass auf dem Strandfoto noch Korsett getragen wird und unter den dunklen Rock natürlich ein weißer Unterrock gehörte. Zwei Damen in einem Strandkorb im Nachbarort Zopott sehen 1911 ganz ähnlich aus wie unsere Frauen in Misdroy:
berlinerleben-1911zopottZopott 1911, Berliner Leben

3. Die Hüte

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Kopfbedeckungen: 4 Strohhüte und 6 Schirmmützen für 10 Köpfe. Die flachen Strohhüte waren als Kopfbedeckung für Frauen Anfang letzten Jahrhunderts durchaus üblich. Diese Art Hut hatte viele Namen –  Kreissäge, Butterblume, Boater, Matelot u.a. –  und gehörte ursprünglich zur Sommeruniform von Matrosen. Um die Jahrhundertwende wurden sie dann vor allem für Männer ein modisches Muss.
berlinerleben-1912  1912, Berliner Leben

Schirmmützen aber sind für Frauen damals eher ungewöhnlich. Sind sie vielleicht Dienstmützen? Als ich das Foto zuerst sah, dachte ich sofort: Das ist bestimmt eine Szene aus der Zeit von 1914/18, denn wie schon bei „Hosen an der Heimatfront“ gezeigt, übernahmen während des 1. Weltkriegs Frauen vielfach die Arbeit der Männer und damit auch Elemente deren Kleidung.

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Auf die Zeit 1914/18 möchte ich das Strandbild aber nach vielen Vergleichen mit anderen Strandfotos nicht datieren, das scheint mir zu spät.  Die doch noch sehr hoch liegenden Taillen und die Frisuren sprechen dafür, dass das Foto eher früher aufgenommen ist. Wie bei der Kontrolleurin schön zu sehen ist, sitzt die Kleidung in der Kriegszeit schon lockerer. (Außerdem hätte es in dieser Zeit in Misdroy gar keinen regulären Schiffsverkehr gegeben, denn die Seebrücke war ja von 1913 bis 1921 zerstört.  Eisenbahnanschluss gab es dagegen schon seit 1899.)

Wenn das Foto aber vor dem 1. Weltkrieg aufgenommen ist, wofür die Kleidung spricht, dann wären Uniformmützen als Arbeitskleidung sehr ungewöhnlich. Daher war mir auch der vorhergehende Beitrag Berufstätige Frauen um 1900 wichtig – die Stichprobe in den Jahrgängen 1900 bis 1910 der Zeitschrift ergab kein einziges Foto, auf dem eine Frau beruflich eine Uniformmütze trägt.

Ich tippe eher darauf, dass die Schirmmützen ein modischer Gag waren, ein Sommer- und Strandlook, von den Männern übernommen. In der Zeitschrift „Berliner Leben“ jedenfalls habe ich Frauen mit Schirmmütze gefunden, jeweils im Strandurlaub.

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Sylt 1905

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Rügen 1909

Ein bisschen stutzig macht mich nur ein hochgekrempelter Ärmel bei der Frau ganz rechts: Dort könnten hinter ein Band Fahrkarten o.ä. geklemmt sein, das würde dann doch für eine Mittagspause angestellter Frauen sprechen.
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Aber, wie ihr letztes Mal schon angemerkt habt: „Zur Erinnerung an unser Mittagsschläfchen am Strand“ würde man nicht schreiben, wenn man regelmäßig mit den Kolleginnen dort Pause macht.

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Der Text auf der Rückseite des Fotos deutet eher auf einen gemeinsamen Kurzurlaub der Frauengruppe hin, ich tippe auf das erste Jahrzehnt des letzten Jahrhunderts.

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Falls ihr das Fotorätsel doch noch weiter auflösen könnte, bin ich natürlich interessiert. Den unbekannten polischen Kuchen konnte ich dank eurer Hilfe jedenfalls schon nachbacken:

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Eine Kommentatorin hatte mitgeteilt, dass der Kuchen in Polen „Keks“ heißt. Es ist wohl ein Früchtekuchen, ein Keks z bakaliami (= mit Trockenobst und Nüssen). Auf deutsch habe ich  hier ein Rezept gefunden, oder hier, da werden die Früchte über nacht in O-Saft und Rum eingelegt. Die leckeren, ziemlich künstlich grün-rot leuchtenden Fruchtbestandteile meines Kuchens aus Misdroy vermisse ich für die Optik etwas. Vielleicht werde ich da ja noch hier in Berlin in polnischen Geschäften fündig. Gern nehme ich weitere Rezepte in den Kommentaren entgegen, das soll ja auch ein Weihnachts- oder Osterkuchen sein.

Zum Abschluss eine Szene aus dem Misdroy von 1899

„In Misdroy angelangt, war denn ihre erste Sorge, das Meer zu begrüßen. Die Mutter war allerdings mit diesem Ritual nicht einverstanden, sie wünschte, daß jeder beim Auspacken tüchtig mithelfe. Aber in diesem Fall hätte auch eine noch stärkere Autorität die Leidenschaft der Kinder nicht bändigen können. Ungestüm eilten sie durch den Kurpark, stürmten den steilen Weg am Kurhaus vorbei zur Strandpromenade empor; hier, dem grau-hölzernen Herrenbad gegenüber, blieben sie atemlos stehen  − da war es wirklich, dieses unglaubliche, durch keine Phantasie in solcher Kraft heraufzubeschwörende Element, ein stählern glänzendes Riesenschild, diese steil und schrecklich erhobene, geradezu vertikal aufgerichtete Wasserwand in weißflammender Sonne, vor der einem die Augen wehe taten.“

aus Max Brods Erinnerungen  „Der Sommer, den man zurückwünscht“

Berufstätige Frauen um 1900 – #Gemeinfreitag

Welchen Berufen gingen Frauen um 1900 nach? In der Zeitschrift Berliner Leben  habe ich mich mal wieder auf die Suche gemacht und für euch Bilder herausgesucht, die Frauen bei der Arbeit zeigen.

1906-arbeittelefon-3blogFernsprechamt 1906

1904-buerokleidungkontor Kontor 1904

1907 lag der Frauenanteil im Berliner Dienstleistungssektor bei 27 %.

berliner-leben-1905aus1Modeatelier 1905

1904-stoff-2aVerkäuferin 1904

Frauen arbeiteten oft nur bis zu ihrer Verheiratung. Das Bürgerliche Gesetzbuch von 1900 verpflichete die Ehefrauen zu „Arbeiten im Hauswesen und im Geschäfte des Mannes“. Wollten sie anderswo tätig sein, so musste der Ehemann einer Berufstätigkeit zustimmen.

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Was mir gar nicht klar war: Verheiratete Frauen wurden vom Staat nicht eingestellt. Lehrerinnen zum Beispiel wurden entlassen, wenn sie heiraten wollten.

1906-soz3-3blog 1906 Säuglingsfürsorge

1902-personalblog Gastronomie, 1902

berliner-leben-1905tier-kindermaedchen Kindermädchen 1905

berliner-leben-1905-b-3web Armenfürsorge

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Zimmer im Arbeiterinnenheim 1906

Händlerinnen

1906-soz2-5blog19061906-soz5-3ablog

berliner-leben-1905-markt1905

1900-161Waschfrauen 1900

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1903-stickweb1-4blog1903

(Dem Klischee zum Trotz arbeiteten auch Männer im Textilgewerbe, vor allem wenn Maschinen im Spiel waren.)

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Zahlreiche Institutionen setzten sich dafür ein, Frauen unabhängig von einer Eheschließung zu machen. Beispielhaft war der Lette-Verein, der „Verein zur Förderung der Erwerbsfähigkeit des weiblichen Geschlechts“ .

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Zum Abschluss schmuggle ich hier noch eins meiner Lieblingsbilder aus der Zeitung hinein, arbeitende Frauen sind auch mit drauf. Vielleicht mache ich aus dem Bild noch eine Karte mit Genesungswünschen, für die hartgesottenen Kranken in meinem Umfeld.

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Dank an die ZLB, die Zentral- und Landesbibliothek Berlin, die die Jahrgänge digitalisiert hat.

Euch ein Schönes Wochenende!

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Unter #Gemeinfreitag stelle ich nach dieser Idee Fundstücke aus der Public Domain vor. Blogs wie ‚Textile Geschichten‘ wären ohne historische Bilder nicht machbar. Danke an alle Bibliotheken,  Museen und Privatleute ihre Bilder zur Weiternutzung freigeben.

Auf den Spuren eines Strandfotos – Recherchereise nach Polen

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Falls sich noch jemand an den Rätselfall Familienalbum – ein Strandbild im Detail  erinnert: Nach dem Beitrag im letzten Sommer bekam ich eine andere hübsche Fotografie geschenkt.

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Zehn junge Frauen liegen im Sand, eine schöne Szene. Wir wissen nicht mehr dazu als die Postkarte hergibt.  Beim genauen Hinsehen stellen sich schon wieder interessante Fragen. Warum tragen sechs der jungen Damen dunkle Schirmmützen, statt  Strohhüte wie die anderen vier? Sind das vielleicht Dienstmützen? Dazu würde der handschriftlichen Gruß auf der Rückseite der Karte passen:

„Zur Erinnerung an unser Mittagsschläfchen am Strand Misdroy“

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Zehn junge Frauen machen Mittagspause, legen sich in den Sand, lassen sich fotografieren. Wann mag das gewesen sein? Was erzählt ihre Kleidung für eine Geschichte, was war damals in Misdroy los, wo ist das überhaupt?

Misdroy, oder eben heute Miedzyzdroje,  liegt ganz links oben an der 500 Kilometer langen Ostseeküste, die Polen zu bieten hat. Von Berlin ist der Ort in unter drei Stunden zu erreichen. Warum nicht mal hinfahren? Also rein ins Auto und über Stettin und Wollin nach Miedzysdroje. Ganz gespannt habe ich das mondäne Seebad im Kopf, das Misdroy um den Jahrhundertwende gewesen sein soll.

Nach der Ankunft wird schnell klar, dass sich die Zeiten natürlich sehr geändert haben.

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Der Ort und die Strandpromenade sind ein ziemlich furchtbares Gemisch aus Imbissbuden, ramschigen Verkaufszelten, Werbeschildern, Räucherfisch- und Waffelbäckerschwaden,  Menschenmengen. Die alte Häuserpracht ist nur noch teilweise zu erahnen.

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Ein Standort, zwei Blicke.

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Am Strand sieht es ungefähr so aus:

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Wenn man sich aber nur ein, zwei Kilometer vom Zentrum wegbewegt hat man den schönsten feinsten weichsten Sandstrand zusammen mit entspannten Menschen fast für sich.

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Tolles Essen findet man auch, zum Beispiel sehr gute Borschtsch mit Ente im Stella Maris.

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Insgesamt sind die Zloty-Preise in Euro umgerechnet sehr günstig. Für dieselbe Summe bekommt man sicher doppelt so viel wie zwanzig Kilometer weiter auf der anderen Seite der Grenze. Man kann sich also nach Herzenslust durch lauter neue Gerichte hindurchprobieren. Zum Beispiel wusste ich nicht, dass kandierte Fruchtstückchen in so einem Teekuchen auch ganz weich und zart und feinsäuerlich-aromatisch sein können. Ich hoffe, das bekomme ich hier zuhause einmal ähnlich hin.

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Die Schokonascherei Ptasie Mleczko mag ich auch sehr gern, das ist ein bisschen wie ein fester Schokoschaumkuss ohne Waffel. Den Namen kann ich leider nicht aussprechen, übersetzt heißt das Konfekt Vogelmilch, wie schön. Polnisch ist schwer, aber auch ohne Polnischkenntnisse kamen wir ganz gut klar. Die Jüngeren verstehen meist Englisch, die Älteren Deutsch. Wenn man viel grüßt mit Dschendobri (Dzień dobry!) und Danke sagt, Tschenkuje (Dziękuję), dann unterscheidet man sich hoffentlich von so manchen anderen deutschen Urlaubern dort, die vielleicht etwas überheblich auftreten. (Oder? Gibt es polnische Lesermeinungen dazu?)

Wir fahren bestimmt wieder hin! Nur den Ort an sich und die Menschenmassen werde ich meiden, aber das gilt ja für alle Tourismushochburgen in der Welt.

Vor lauter neuen Erlebnissen bin ich jetzt mit der Detektivarbeit am neuen Strandfoto noch nicht weitergekommen. Mehr zur Mittagsrunde der jungen Frauen in Kürze! Eine Rolle werden spielen: Die Seebrücke, die weißen Blusen und ihre Ärmel, die Röcke, die Hüte, die Frisuren.

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Farblich angepasst Miedzyzdroje 2016

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Schaut für die Fortsetzung wieder vorbei! (Und, falls jemand Spezialwissen hat, wie immer gern her damit. Vielleicht liegt auf dem Foto ja jemandes Urgroßmutter im Sand?)

 

Von Putsch bis Badenixe – Neues aus dem Berliner Leben #Gemeinfreitag

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Durch einen Tweet der Berliner ZLB wurd ich darauf aufmerksam, dass die Bibliothek weitere Ausgaben der Berliner Leben – Zeitschrift für Schönheit und Kunst digitalisiert hat. Das freut mich natürlich sehr. Stichprobenhaft habe ich kurz in die 1920er Jahre hineingeschaut und gleich einiges gefunden, das man weiter untersuchen müsste. Warum zum Beispiel wurde die Nr. 11 der Zeitschrift 1920 beschlagnahmt? Vielleicht weil die inhaltliche Ausrichtung auf einmal deutlich erotischer ist?

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1926 gibt es zwei Badenummern.

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Ein mutiges Zweigespann? Wegen der Pose oder der Badeanzüge?

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Parallelen zu heute habe ich auch gefunden. Bei „Militärische Bilder der Putsch-Regierung“ wird man angesichts der Ereignisse in der Türkei natürlich aufmerksam. Im März 1920 versuchten Teile der Reichswehr und andere Kräfte mit dem der Kapp-Putsch die Weimarer Republik zu stürzen – der Versuch dauerte nur 100 Stunden. Anders als die Putschbilder vom letzten Wochenende zeigen die liegenden Soldaten in Berlin nur eine „Mittagsrast auf dem Wilhelmsplatz“.

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Fortschrittliche Bilder aus Istanbul 1928, die Mädchen und Frauen sind ganz modern gekleidet.

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1928 heißt die Zeitschrift nun Frauen-Illustrierte und kümmert sich sehr fortschrittlich um Frauenfragen.

Vorschlag: Entlohnung hausfraulicher Arbeit

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Kinderkrippe „Eines der größten Probleme für die berufstätige Frau ist die Frage, was aus ihrem Kinde wird…“

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1928FrauenIllustrierteHausfrau

1928FrauenIllustrierteReklamechef

Ohne weiter in das Thema eingestiegen zu sein fällt doch auf, dass die Ausgaben in der 1920er Jahren erstaunlich freie und moderne Haltungen vermitteln. Kaum zu glauben, welch ein Rückschritt kurz darauf dann in der Nazizeit möglich war –  die Parallen zu heute gehen mir leider nicht aus dem Kopf.

Ich habe für diesen Bericht wirklich nur Stichproben aus den Ausgaben, hier noch Funde:

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1926bad2ab1926 1926mager1926

In der Sammlung gibt es natürlich viel mehr zu sehen. Alle Bilder, auch in ihrer digitalen Form, hat die Bibliothek gemeinfrei gestellt, sie sind in der Public Domain. Danke dafür!

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Für Samstag noch ein TV-Tipp: Um 17:30 kommt als Retrofernsehen wieder ein Folge „Guter Rat am Zuschneidetisch“, das ist auf jeden Fall sehenswert (leider nicht in der Mediathek. Danke an Nahtzugabe/eine Leserin für den Hinweis).

Wer in der Nähe von Potsdam ist, könnte sich noch bis Sonntag in Potsdam die kleine Ausstellung „Uni-Form“ ansehen, mir hat sie sehr gut gefallen, Nahtzugabe hat darüber berichtet.

Allen ein Schönes Wochenende!

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Unter #Gemeinfreitag stelle ich  Fundstücke aus der Public Domain vor.  Blogs wie „Textile Geschichten“ wären ohne historische Bilder nicht machbar. Ich bin davon abhängig, dass Bibliotheken,  Museen und Privatleute ihre Bilder zur Weiternutzung freigeben.  Die Idee stammt von Moritz Hoffmann. Dort kann man auch mehr darüber lesen, welche riesigen Schwierigkeiten das Urheberrecht für Historiker birgt.

Basketballteams – Frauen und Sport im Wandel der Jahrzente

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Jahrbücher von US-Highschools und Colleges in den Flickr-Commons zeigen sehr schön, wie sich die Frauenkleidung im letzten Jahrhundert entwickelt hat. Als Beispiel habe ich Basketballteams in Nordamerika herausgesucht, die über eine Zeitspanne von 1903 bis 1979 posieren. Die jeweilige Jahreszahl steht netterweise oft gleich  auf dem Ball.

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Dieses Foto liebe ich besonders. Hier noch ein Ausschnitt:

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Image from page 225 of "Milady in Brown 1908" (1908)1908

Die Sportlerinnen in den USA tragen schon um die Jahrhundertwende Pumphosen, Bloomers  genannt. Die weiten Hosen gehen auf die amerikanische Frauenrechtlerin Amelia Bloomer zurück, die seit 1851 Reformkleidung für Frauen propagierte.

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Interessanterweise gilt der Pluderhosendress aber offenbar nicht für alle Schulen. In einem College in New Orleans trugen die Basketballerinnen noch bis mindestens 1913  lange Röcke.

Image from page 350 of "Jambalaya [yearbook] 1909" (1909)
Image from page 354 of "Jambalaya [yearbook] 1909" (1909)1909
Image from page 351 of "Jambalaya [yearbook] 1909" (1909)
Image from page 352 of "Jambalaya [yearbook] 1909" (1909)

Image from page 336 of "Jambalaya [yearbook] 1913" (1913)

Die Bilder zeigen sehr schön, wie sehr man sich vor Generalisierungen hüten sollte. Nur weil ein Foto irgendwo in der Welt eine Frau in einer bestimmten Kleidung zeigt, heißt das noch lange nicht „ab dem Jahr X trugen Frauen Y in der Z-Form“. Wie heute war Mode immer ein schleichender Prozess, ganz unterschiedlich ausgeprägt je nach Region, Alter und Bevölkerungsschicht.

Miami women's basketball team 19111911

Western College on College Day 19121912

Spezielle Basketballschuhe für Frauen wurden 1907 angeboten:

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1917 hat das College in New Orleans dann auch die Bloomers eingeführt…

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Image from page 344 of "Jambalaya [yearbook] 1917" (1917)1918

Image from page 118 of "Jambalaya [yearbook] 1922" (1922)1925

… und hängt 1925 der Entwicklung wieder hinterher, denn zur gleichen Zeit werden in Kanada schon Shorts getragen:

Edmonton Grads, 1926 Canadian Champions1926

Für die Folgejahre ist in den Commons nicht mehr so viel zu finden, das hängt mit dem Urheberrecht an den Fotos zusammen. Aber Shorts und Shirts setzen sich im Sport offenbar durch.

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Pierce Junior High School girl's basketball team - Pierce1936
Edmonton Grads (1940)1940

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Goshen College Women's Basketball, 19671967

Die letzten beiden Fotos sehen wie Rückschritte im Sportlook aus, auch sehr interessant. Aber ob es repräsentativ ist? Dazu bräuchte es mehr Material.

1978/1979 geht es dann weiter in die heutige Richtung:
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Jetzt könnte ich schon fast in das Fotoalbum meiner Jugendzeit überwechseln, der Kreis wäre geschlossen.

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Dieser Beitrag sollte ursprünglich zur Rubrik  Bilderfang im freien Netz – #Gemeinfreitag gehören, denn bei den Flickr-Commons steht unter jedem Bild:  „no known copyright restrictions“. Die teilnehmenden Institutionen wissen und akzeptieren das eigentlich. Wenn man dann aber zu der jeweiligen Bildquelle geht, sieht die Sache plötzlich oft ganz anders aus,  die Weiterverwendung wird beschränkt. Für Nutzer wie mich ist es nicht möglich, diese widersprüchliche Haltung jeweils zu recherchieren. Daher sind das hier vielleicht gemeinfreie Bilder, vielleicht auch nicht – für #Gemeinfreitag sind sie jedenfalls nicht geeignet.

Dennoch ist die Sammlung hoffentlich ohne Verbiegungen zu genießen!

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Seltsam und schön: Bilderfang im freien Netz #Gemeinfreitag

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Blogs wie ‚Textile Geschichten‘ wären ohne historische Bilder nicht machbar. Ich bin davon abhängig, dass Bibliotheken,  Museen und Privatleute ihre Bilder zur Weiternutzung freigeben. Manchmal gehe ich in solchen Bilddatenbanken nächtelang auf Entdeckungsreise.  Nicht immer passen die Fundstücke zu einem Blogthema, ich würde sie einfach nur gern teilen. Daher nehme ich eine Idee auf und führe eine Rubrik  ‚Gemeinfreitag‘ ein, einen Tag der gemeinfreien Bilder unter dem Motto „Das Seltsame und das Wunderbare“.

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Tolles Mächen mit tollem Hund, oder? Der freundlich wedelnde Schwanz war schneller als die Belichtungszeit.

Heute bin ich in der Photosammlung der National Library of Wales unterwegs. Auf Walisisch heißt die Nationalbibliothek ‚Llyfrgell Genedlaethol Cymru‘, das allein finde ich schon ganz wunderbar.

Zu den Bildern weiß ich nicht mehr als das, was bei Flickr in der Sammlung steht.

Elinor Amy Dillwyn Llewelyn

Elinor Amy Dillwyn Llewelyn, 1853

Mit dem Bruder Harry, 1853.  Fotografiert hat die Mutter, Mary Dillwyn, eine frühe Fotografin.

Harry and Amy Dillwyn (children of Lewis Llewelyn Dillwyn) by M. D. 1853

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Corporal John Griffiths Jones 1843-1864. Das Foto ist von ca. 1862, zwei Jahre vor seinem Tod aufgenommen. Die Waffe ist eine Smith&Wesson, weiß ein Flickr-User.

Walisische Nationaltrachtca. 1875, Hut, Haube und Kleid gehören zur walisischen Nationaltracht.

Mrs Hugh Lloyd (daughter of John Thomas)

6191492883_5352e3e18a_oEin Reverend, ca. 1875 – erinnert mich an den Sänger Dagobert. Unten noch ein Reverend, ca. 1885. Die Gamaschen!

Revd Michael D Jones (1822-98)

Robin Four, Llanfellech

Bilder von Menschen in schmutziger und deutlich geflickter Kleidung sind selten, man ließ sich ja normalerweise nicht in seinem Alltagslook fotografieren. Der Mann hat offenbar auch die Spitze des rechten Zeigefingers verloren.

„Schneider haben oft die schlechtesten Kleider“

nlwtaylor1875

Peniarth boat, Llanegryn

knitting for the troops1939, knitting for the troops. Der einzige männliche Stricker der Gruppe zeigt seine Ergebnisse.

In der Sammlung gibt es natürlich noch viel mehr zu sehen. Alle Bilder, auch in ihrer digitalen Form, hat die Bibliothek gemeinfrei gestellt, sie sind in der Public Domain. Danke dafür!

Proclamation of the Urdd National Eisteddfod 1964 at Porthmadog, June 1963

Und ein Schönes Wochenende!

Unter #Gemeinfreitag stelle ich  Fundstücke aus der Public Domain vor. Die Idee stammt von Moritz Hoffmann. Dort kann man auch mehr darüber lesen, welche riesigen Schwierigkeiten das Urheberrecht für Historiker birgt.

Tucholsky besingt Berlin, Familien können Kaffee kochen

1904 134 (7)col

Jetzt im Lenz, wenn alle kleinen Knospen springen,

in Grünau die ersten Finken leise singen:

Zuckt es durch die Großstadt hin,

Tippmamsell und Schneiderin,

jeder Mann hat seine Brautens,

eins, zwei, drei, vier.

1909 fruehlingsfestMaedchen

Kleine Mädchen kommen in die Lenzeswochen.

Strohhut raus! Hier können Familien Kaffee kochen.

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Lenchens weiße Fahne

in der Vorortbahne

wird zerknautscht, wie kam das bloß

auf einen fremden Schoß.

Der Chef im Auto, Maxe auf dem Rad,

was eint denn schließlich doch die ganze Stadt?

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Das ist der Herzschlag, der zusammenhält,

süß eingehakt in einer Flammenwelt!

1906flieder

Steigt der Tarif und steigt der Streuselkuchen und das helle Bier,

die Nase hoch! Denn uns kann keiner. Mensch! Vastehste: wir sind wir!

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Solang der Dampfer puckert zur Abtei,

sich Pärchen knutschen im April und Mai,

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wir Arm in Arm ins Freibad gehn:

Da sag ich nein! Ein‘ solche Stadt, die darf nicht untergehn!

 

Auszug aus: Das ist der Herzschlag,  Theobald Tiger (Kurt Tucholsky)

Schall und Rauch, 1920, Nr. 17.

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Irgendwann möchte ich es einmal schaffen, einen Blogpost so ohne weitere Worte stehen zu lassen. Kann ich aber nicht. Daher drei Anmerkungen.

Zu den Bildern:

Die Vorlagen stammen wieder aus der Zeitschrift Berliner Leben, via ZLB, Jahrgänge 1904 bis 1909. Diesmal habe ich mit Photoshop mehr schlecht als recht ein bisschen Farbe zugegeben. Von solchen nachträglichen Aufhübschungen hielt ich auch nicht viel, bis ich diese wirklich atemberaubenden Colorierungen alter Schwarz-Weiß-Fotos sah. Ich wünschte, das könnte ich auch.  Es tut mir ja schon lange leid, dass die alten Fotos das Leben damals so fremd erscheinen lassen,  obwohl sich die Spaziergänger draußen auch im Mai vor hundert Jahren über das Hellgrün und den duftenden Flieder in weiß und violett freuten.

Das Colorieren ist nicht nur ein technischer Aufwand, man muss auch recherchieren. Welche Farben hatten zum Beispiel die Uniformen der beiden Herren im ersten Bild? Ich bin nur so weit gekommen, dass es wahrscheinlich Ausgehuniformen der preußischen Garde waren, aber das ist ein sehr weites Feld.  Im Männern-sei-Dank-Internet scheinen Uniformfragen im Gegensatz zu den ‚weiblichen‘ Kleidungsthemen sehr gut abgedeckt.

(Andere Beiträge zu den von der ZLB gemeinfrei gestellten Digitalisaten: „Berliner Leben im Mai vor 100 Jahren„, „Parkbilder über den Atlantik„, „Berlin macht Ferien“  und „Runde Schönheiten und ein Kuchenstück“ .)

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Zum Gedicht:

Zwischen Tucholskys „Das ist der Herzschlag“ und den Bildern aus der Kaiserzeit liegen nur etwas mehr als zehn Jahre, aber das „Flammenmeer“(?) des 1. Weltkriegs war ein tiefer Einschnitt.  Nicht zu allen Bildern im Text fiel mir etwas ein. Ideen zu Lenchens zerknautschter weißer Fahne nehme ich gern noch entgegen, da bin ich mir nicht schlüssig. Ihr Kleid, ein Fähnchen? So bin ich überhaupt auch zu dem Text gekommen – beim Recherchieren zu ‚die weiße Fahne hissen‘ für die Redensarten-Sammlung.

Das Gedicht gab es 1920 offenbar auch als Lied, vom Kabarettisten Paul Graetz.

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Zum Kaffeekochen:

„Strohhut raus! Hier können Familien Kaffee kochen“ bezieht sich auf einen sehr interessanten Brauch von dem ich wünschte, es gäbe ihn noch heute.

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Friedrich II. hatte ja viele Ausländer wie Böhmen und Sachsen ins Land gelassen. Die Kolonisten siedelten sich auch in Gegenden rund um Berlin an, in denen es regen Ausflugsverkehr gab. Folgerichtig wollten sie gern Lokale im Grünen eröffnen. Die vor allem aus Sachsen stammenden Kolonisten im heutigen Berlin-Treptow hatten um 1800 eine gute Idee, wie sie die notwendige Getränkekonzession vermeiden konnten. Sie verkauften lediglich heißes Wasser und verliehen Geschirr, die Berliner brachten sich das Kaffeepulver und den Kuchen selbst mit. So umgingen die Gastwirte die Genehmigungspflicht und konnten eine günstige Einkehrvariante anbieten,  die ein voller Erfolg wurde.

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Die Geschäftsidee unter dem Slogan „Hier können Familien Kaffee kochen“ verbreitete sich schnell auch außerhalb Berlins und hielt sich bis ins 20. Jahrhundert. Tucholsky benutzt die Wendung für das Kleinbürgermilieu insgesamt, wenn er in einem Brief 1935 schreibt:

Es ist ein Unglück, daß die SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands heißt. Hieße sie seit dem 1. August 1914 Reformistische Partei oder Partei des kleinern Übels oder Hier können Familien Kaffee kochen oder so etwas –: vielen Arbeitern hätte der neue Name die Augen geöffnet, und sie wären dahingegangen, wohin sie gehören: zu einer Arbeiterpartei. So aber macht der Laden seine schlechten Geschäfte unter einem ehemals guten Namen.

1902 cafekochenQuelle

Warum ich das auch heute noch gern hätte? Weil mir der Kuchen in den meisten Ausflugslokalen nicht schmeckt, Kaffee und Tee mau und die Bedienungen oft unterbesetzt / überfordert sind.  Da würde ich mir dann lieber gegen eine Gebühr meinen eigenen Kaffee oder Tee aufbrühen und mich in Frieden mit meinem Picknick und dem Leihporzellan an einen Tisch setzen. Wer weiß, vielleicht kommt das ja mal wieder.

Ich schließe mit einem Zitat von Friedrich dem Großen, der im Juni 1740 weiter war als wir jetzt:

„Alle Religionen sind gleich und gut, wenn nur die Leute, die sich zu ihnen bekennen, ehrliche Leute sind. Und wenn Türken und Heiden kämen und wollten das Land bevölkern, dann würden wir ihnen Moscheen und Kirchen bauen.“

In diesem Sinne: Frohe Pfingsten!

Hermelin, schwarz getupft

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Mal wieder ein Dachbodenfund: Ein Schuhkarton mit weißen Fellstücken, inklusive Köpfchen und Schwänzchen. Das kann nur Hermelin sein, denke ich sofort. Und beim Anblick der dunklen Schwanzspitzen wird mir klar, warum Hermelinfell an Kleidung meist charakteristisch schwarz gepunktet ist.

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Ich schwöre, darum hatte ich mir früher nie Gedanken gemacht!  Sobald man aber Bescheid weiß, sieht man sie plötzlich überall, die dunklen Zipfel in den alten Gemälden. Manchmal sind zusätzlich sogar noch die Beine der kleine Tiere zu erahnen.

Doge Giovanni Mocenigo by Gentile Bellini (cradled) (crop)via
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Das zur Zierde dunkel gepunktete Hermelinfell repräsentierte seit dem Mittelalter Status und Zugehörigkeit zum Königshaus. Ebenso markierte es das hohe Amt eines Würdenträgers in Kirche und Verwaltung.

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Das Symbol musste immer mit aufs Bild, auch wenn eine Königin in späteren Jahren lieber einmal ohne altmodische Umhänge porträtiert werden wollte.
Maria Hendrika; Queen of Belgium1880er, via
Der Mantel mit Hermelinbesatz der belgischen Königin liegt im Hintergrund auf dem Stuhl um zu zeigen: Hier geht es aristokratisch zu!

Eigentlich war das weiße Winterfell der kleinen Wiesel aus der Familie der Marder zu Zeiten der großen königlichen Roben gar nicht der wertvollste Pelz. Aber das weiße Fell des Tiers wurde schon seit alter Zeit mit Reinheit und Unschuld in Verbindung gebracht, so dass die herrschende Schicht es für sich reservierte.

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Wenn man bei Wappen solche Muster sieht, dann stehen die Symbole für Hermelin:

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Die Schwanzspitzen können in den Wappen sehr variantenreich ausgeführt sein.

Coa Illustration Ermine spotsvia

Auf diesem Foto sieht man, wie Schwanzspitzen in eine Krönungsrobe eingeschoben werden:

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Das Foto habe ich bei Pinterest gefunden. Die Ursprungsquelle für das Bild ist natürlich – wie bei Pinterest meist – nicht mehr aufzufinden (und der Link zu Pinterest ist für alle nutzlos, die dort nicht registriert sind, das ist mies und tut mir leid).  Mich ärgert das sehr, denn ich hätte gern mehr über das Foto gewusst. Es soll die Krönungsrobe von King George V zeigen. Wenigstens bin ich über die Bildersuche  zu einem vielleicht passenden Zeitungsartikel von 1911 gekommen. Danach wurden 500 Felle und 650 Schwänze für den Umhang verarbeitet.

King George V 1911 color-cropKönig GeorgeV 1911

Den Krönungsmantel des Sohns von George V als Filmdokument könnt ihr hier sehen: Royal Family Coronation Robes (1936). Glücklich sieht George VI nicht aus (das ist der aus dem Film „The King’s Speech“).

Nicht immer wurden Schwanzspitzen für die schwarze Musterung verwendet. Die Öhrchen des Wiesels, Pelztupfen von einem dunklen Tier oder auch schwarze Einfärbung des weißen Fells waren weitere Möglichkeiten. Es musste außerdem nicht immer Hermelin sein, der günstiger zu erlangende Schneehase hatte auch schönes weißes Fell. Es war also durchaus möglich, sich einen Hermelinersatz aus anderen Tieren zusammenzubasteln.

Heutzutage besteht die würdevolle Robe natürlich eher mal aus Kunstpelz.

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Kunst-Hermelin an akademischem Würdenträger

(Michał Nadolski; stv, Czeslaw P. Dutka (inauguracja roku akademickiego PWSZ Wałbrzych), Ausschnitt, CC BY 3.0)

Für mehr Informationen zum Thema Hermelinfell kann ich euch glaube ich getrost an die sehr ausführliche deutsche Wikipediaseite verweisen. Dahinter steckt ein engagierter Kürschner, der weiß sicher, was er schreibt.

Mit den Fellresten in meinem Schuhkarton war wohl eher ein kleiner Kragen geplant. Ab dem 19. Jahrhundert leisteten sich auch ganz normale Leute ein bisschen Hermelin an der Kleidung, wie zum Beispiel diese Dame hier:

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Nicht ganz so zurückhaltend ist ein Ensemble von 1890-99 aus dem Metropolitan Museum.

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Und wenn wir schon einmal beim Overkill sind – hier noch ein skurriler Fund vom Ende des 19. Jahrhunderts. Schal und Muff wurden laut Beschreibung aus mehreren Möwen gearbeitet.

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A set like this would have been been worn by an elite member of society who could afford to be somewhat unconventional in her taste.

Ein Ensemble für ein Gesellschaftdame „die sich einen etwas unkonventionellen Geschmack leisten konnte“ – schön ausgedrückt. Keine Ahnung, wer es sich heute leisten könnte, mit meinem Dachbodenfund am Revers herumzulaufen. Ich stecke die kleine Felle zurück und hebe sie für zukünftige Generationen auf.  Vielleicht denkt dann in 100 Jahren mal wieder jemand über die Geschichte des Hermelinfells nach.

Schönes Wochenende!

 

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Quelle für Bild mit falschem Hermelin: