Männer, Fäden, Stoff und Wolle

Knopf- und Hutschnurmacher

knopf

Seidensticker

seiden

Schneider

schneider

schneider2

schneider3

Bortenmacher

borten
Wollkämmer
wolle

Weber

weber1524
(Alle Bilder WikiCommons, Link = Klick aufs Bild)

Für Männer wie Maschenbart, die in der U-Bahn nicht in Frieden häkeln dürfen. Und für alle handarbeitenden Frauen, die als „unbedarfte Hausmütterchen“ belächelt werden.

Die Bilder kommen aus den Hausbüchern der Zwölbrüderstiftung. In den Nürnberger Stiftungshäusern fanden ab dem späten Mittelalter bedürftige Handwerker Unterkunft. Die Bewohner wurden  für die Chronik der Stiftung jeweils mit ihren persönlichen Attributen portraitiert. Abgesehen davon, dass dadurch über tausend Darstellungen von Handwerksberufen zusammengekommen sind, finde ich die Illustrationen einfach umwerfend.   Aus meiner Auswahl gefällt mir der Seidensticker vielleicht am besten. Oder lieber der Schneider vor dem blauen Tuch? Oder der Bortenmacher?

21 Gedanken zu “Männer, Fäden, Stoff und Wolle

  1. Hm, ich glaube für mich wärs der Seidensticker, auch wenn er irgendwie aussieht wie ein Mathelehrer. Schicke Arbeitskleidung, und der Hut an der Wand hat auch was, der geht das ganze so professionell an.

    Eigentlich war mein Favorit ja der Schneider mit dem Finger an der Kreidelinie, aber je länger ich hingeschaut habe umso mehr sah er aus wie Tebarzt-van Elst. Die Macht der Medien! Schrecklich.

    Der Bortenmacher sieht so ein bisschen säuerlich aus, wieso nur? Dafür hat der Wollkämmer ziemlichen Spaß bei der Arbeit, dabei war das bestimmt kein Zuckerschlecken.

    Tolle Bilder, danke fürs Zeigen! Wie kommst du immer nur auf sowas?

    • Tebartz, das stimmt! :-)
      (Meine persönliche Theorie ist ja, dass die ganze Sache nicht so hochgekocht wäre, wenn er Bischof Müller gehießen hätte. „Tebartz-van Elst“, das kann man wunderbar dauernd aufsagen. Und aus einer beleuchteten Bücherwand und einem Kloh mit Pflegeheimflair eine „Prunkwohnung“ zu machen, das wäre bei einem Bischof Müller auch nicht so leicht gewesen.)

  2. Hihi! Was es nicht alles für U-Bahnerlebnisse gibt!
    Alle deine Handwerker sind sehr ernsthaft bei der Sache, nur der Herr Bortenmacher scheint (zu Recht ?) enttäuscht von seinen Werk…

    Das leicht naive Bild mit dem Schneider (grünes Nähwerk) könnte übrigens ein Bild von dir sein.
    LG

  3. Hat dies auf maschenbart rebloggt und kommentierte:
    Das handarbeitende Männer früher alles Andere als Ausnahmen waren, hatte ich zwar bereits mehrfach gelesen, aber die Bilder, die Suschna zu dem Thema herausgesucht hat sind dazu eine schöne Illustration.

  4. Jaja, schon immer waren Männer in der DIY-Szene unterwegs, wusste ich es doch. In meiner Schulzeit gab es auch regelmäßig strickende Jungs, und auch meine beiden Söhne sind immer erfreut neue Handarbeitstechniken zu lernen. Beide nähen, der Große(9) häkelt schon länger und hat in den Herbstferien stricken gelernt.
    Ich finde das toll, und sollte es je so eine alte Keiftante (wie bei maschenbart) wagen darüber ein schlechtes Wort zu verlieren, bekäme sie es mit mir zu tun.
    LG Ute

  5. Mir gefällt der fröhliche Wollkämmer am besten. Die anderen haben wohl nix zu lachen bei ihrer Tätigkeit. Bei dem Wollkämmer habe ich auch so den Eindruck als säße er in einem Baumhaus weit oben über der Erde. Wahrscheinlich weil der Hintergrund bei Fenster und Tür so himmelblau reinscheint.
    lg Carmen

  6. Der Oberste Schneider nutzt den Blauen Stoff so gut aus und der Knopmacher scheint das nebenberuflich zu machen (teure Waffen im Hintergrund) Die beiden finde ich gut.
    Besonders Gut finde ich aber auch deinen Hinweis auf Herrn Maschenbart.
    Vielen Dank und liebe Grüße
    Christoph

    • „an der Wand lehnen die Insignien seines Soldatentums: Spieß und Degen“ heißt es bei der Beschreibung zum Buch. Manche Bewohner waren mehreren Tätigkeiten nachgegangen, die sind dann alle repräsentiert. Mir waren die Waffen gar nicht aufgefallen :)

  7. Super, dass auch einfache Handwerker derart liebevoll portraitiert wurden, das war ja sonst eigentlich den Patriziern vorbehalten.
    Die Gesichter sind ganz plastisch, das steht in eigentümlichen Gegensatz zu der flachen Umgebung. Den Malern kam es anscheinend echt auf die Persönlichkeit an.

    (Ich hab jetzt das „Angezogen“-Buch durch. Ich glaube, das ist was für die frankophilen Geisteswissenschaftlerinnen in Berlin. Viel Beaudelaire und wenig Balmain. Und schon gar kein Prada. Soll ich es dir schicken?)

    • Du bist besser als ich, ich bin im Buch im ersten Drittel hängengeblieben. Ich zitiere mal, was ich bei Lucys Befürchtungen bzgl. Geschwurbel geantwortet hatte:
      „Tja, das Geschwurbel kommt dann leider doch, nicht nur sprachlich, sondern auch was die Thesen betrifft. So weit bin ich noch nicht, aber ich habe schon Angst, dass das Pulver bereits auf den ersten Seiten verschossen wurde und jemand aufgepasst hat, dass die Vorschau gut lesbar ist. Ist mir schon öfter passiert, dass die Vorschau zu verheissungsvoll war.“

      • Irgendwann gegen Ende kommen wieder Lichtblicke- abgefahrene Interpretationen einiger McQueen-Kollektionen. Danach müsste der Herr ja fast ein Philosoph gewesen sein. Ich habe mich da wirklich amüsiert. Man kann Mode völlig überinterpretieren, dabei soll sie heutzutage Spaß machen und zum Kaufen animieren, oder?
        (Ich hätte mir mehr Einblicke in die Modeindustrie und ihre Mechanismen gewünscht – aber da ist eine Münchner Literaturdozentin wohl die falsche Adresse.)

  8. Mir gefällt ja irgendwie der Bortenmacher am besten. Der Gesichtsausdruck scheint zu sagen: Mist, nichts geworden. Aber das ist die heutige Interpretation…
    Ob die Handwerkerproträts eine Art Tätigkeitsnachweis der Stiftung waren? Um zu belegen, wofür man Geld ausgegeben hatte? Die Bücher sind ja eine tolle Quelle, um Handwerksberufe zu finden, von denen man gar nicht wusste dass es sie mal gab.
    (Dann ist das „Angezogen“-Buch also leider nur am Anfang anekdotisch, und danach sehr akademisch? Im Freitag war eine Rezension, die Schachtelsätze und fehlende Anschaulichkeit bemängelte – das konnte ich mit dem Buchanfang, den man bei amazon lesen kann, nicht so recht zusammenbringen.)

    • Habe mal recherchiert: Die Bücher sind „einerseits Substrate der vor der Reformation bestehenden Verpflichtung zum Totengedächtnis, andererseits aus der Praxis der Rechnungslegung heraus entstandene, bei den Akten aufzubewahrende Dokumente zum Nachweis der Erfüllung des Stiftungszwecks sowie schließlich Medien der Selbstdarstellung insbesondere der Pfleger.“
      U.a. sind auch die Köchinnen der Stiftungshäuser abgebildet, ganz tolle Seiten.

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