Häkelborte und Reichsadler

Nachdem Lucy so schön gezeigt hat, wie man Stoff umhäkelt, habe ich Häkelränder an Tischdecken aus meinem Fundus untersucht.  Ich glaube, sie sind alle mit der „Brutalo-Methode“, d.h. dem Einstechen mit der Häkelnadel in den Stoff, gemacht. Die oberste rot-weiße Tischdecke findet sich auf diesem Foto wieder:

Sie war Untergrund für üppige Tortennachmittage, die es ja heute leider kaum noch gibt. Und die gestreifte Bluse der Frau hinten links, die  hätte ich auch gern.

Die Tischdecke mit  der grünen Häkelumrandung zeigt beim Ausfalten einen züngelnden Adler in Kreuzstich. Drittes Reich? Ich tippe auf früher, auf die Kaiserzeit.

Ich weiss nicht mehr ganz genau, woher die Adlerdecke stammt. Auf jeden Fall aber gab es auch unter meinen Vorfahren jemanden mit einem Faible für Fabelwesen, die die Zunge rausstrecken:

Falls jemand mehr zu diesen Stickereien weiß, würde mich das sehr interessieren.

Ich hebe das alles dann mal weiter auf. Wer weiß, wie so ein Adler von der nächsten  Generation aufgenommen wird.

Nachtrag 29.3.2010:  Teresa von Rose und Lavendel hat in ihrem Fundus auch Löwen und Adler gefunden! Vielen Dank!

 

 

16 Kommentare

    • Ja, wir haben das hier schon mal unter Frauen versucht, aber es werden immer weniger, die mit Genuss richtig ordentlich Torte essen können. Vielen droht doch gleich der Ernähungszeigefinger, und dann macht es nicht mehr so viel Spass.
      Vielleicht sollte ich die Szene auf dem Foto mal nachstellen, komplett mit Tischdecke und Torten.

  1. Ich sitze gerade hier und blättere meine Stickbücher durch – solche Kreuzstichstickereien, bei denen große, flächige Muster gestickt werden, waren anscheinend ziemlich lange populär. Sowas in der Richtung (auch gerne heraldische Löwen) finde ich sowohl in Nachdrucken von Büchern der Jahrhundertwende, aber auch noch in einem Burda-Buch von 1982. Dieser Reichsadler ist aber wirklich was besonderes. Da konnte man seine Gesinnung gleich auf der Kaffeetafel deutlich machen. Apropos Kaffeetafel: Mir fehlt das auch, und die allgegenwärtigen Muffins und amerikanischen Käsekuchen sind kein Ersatz.

  2. Zu den Stickereine weiß ich leider nix. Torte mag ich nicht so gerne essen, aber ich backe so gerne. Vielleicht können wir ja doch mal wieder einen Torten Nachmittag machen.

  3. Ich schließe mich genau der Meinung meiner Vorgängerin an und hänge noch Folgendes dran: ich backe nichts, ich sticke nichts und esse trotzdem so gerne Torte und die Torten unserer Freundin H. , z. B. bestehen, meines Wissens, nur aus vitaminreichen Früchten plus geschlagener Luft. So was locker, leicht bekömmliches kann doch nur gesund sein! Dabei an frisch gestickt-gestärkten Tischen sitzen , muss gut tun. Ich bin dabei.
    Carmen

  4. Schön, dass jemand das auch aufhebt. Ich denke, dass die Häkelkanten einfach aus der Not-eine- Tugend-machen war. Handarbeiten hat man früher ja immer gemacht, aber eine Nähmaschine hatte nicht jeder. Meine Oma hatte auch viele solcher Decken. Diese Changchangfarben müssen sehr beleibt gewesen sein.
    Bei dem Adler tippe ich auch auf Kaiserzeit.
    Über den Drachen könnte ich nur orakeln.-eine Chinaanleihe, da Porzellan auch Drachenmotive hatte und als wertvoll galt oder eine Stickpackung mit Souvenircharakter, ein Stadtwappen o.ä. Solche fertigen Stickpackungen muß es in großer Auswahl gegeben haben.
    Dieses farbige Bildersticken, aufgedruckt zum Nachzählen ist eine Berliner Erfindung. das soll ein Riesenrenner gewesen sein.
    Ein gute Torte ist was Feines, ich komme dann vorbei.
    Stickfreie Grüße Karen

  5. wie schön, so viel zu erfahren…übers sticken und Torte-Mögen.
    Ich hab vor vielen Jahren auch unglaublich viel gestickt, grad die gaaaanz kleinen Kreuzstichsachen..und mir war so…da war doch noch was in meinem Schatzkästchen…ich hab grad geguckt: ja…es ist ein kleiner Adler..Bin sprachlos.
    Adler-Torte??? Wer hat ein Rezept?? Die würd ich dann gerne mitbringen.

  6. Vor allem waren das damals sicher Buttercremetorten- das war ein Zeichen von echtem Wohlstand. Die Aussteuerdecke auf dem Tisch hat ja schon bei der Hochzeit vermuten lassen, dass die Zukünftige eine gute Ehefrau abgibt.
    Mon Dieu.
    Echt- ich bin froh, im Hier und Heute zu leben. Mit aufgestickten heiligen Dönern, merkwürdigen Muffins und Erdbeerlimes statt Onco.
    Und die Tischdecke würde ich (vielleicht bis auf eine…) gnadenlos verwursten und seltsame Sommerkleider draus nähen.
    :)

  7. Ich fasse mal zusammen:
    Die Stickereien sind damals eher Standard gewesen, Adler und Löwen finden sich bei vielen historischen Kreuzstichvorlagen. (Das von Lucy erwähnte Burda-Buch von 1982 habe ich inzwischen auch in meiner Bibliothek entdeckt – ich hatte es komplett vergessen. Aber es stimmt, das Löwenmotiv ist als Vorlage dabei und wird als „enorm vielfältig anzuwenden“ bezeichnet).
    Auf dem Foto sieht man vorn tatsächlich eine Buttercremetorte, nämlich einen Frankfurter Kranz. Bei Tortengelagen schweben mir eher die selbstgemachten Sahnetorten vor, die ich bei Kaffeetafeln in niedersächsischen Bauerhöfen bekommen habe. Friesische Himmelstorte? Ein Traum. Ich wüsste gar nicht, wo ich so etwas in Berlin bekommen sollte. Aber wer weiss, vielleicht treffen wir uns ja mal irgendwo zu Torte UND Muffins.

  8. Zu den Löwen habe ich in einem Kreuzstichmusterbuch gelesen es handelt sich um eine Vorlage aus Nürnberg aus dem Jahr 1666. Ich werde Fotos aus diesem Buch und auch mit Fotos einer Tischdecke die meine Mutter bestickte in meinem Blog http://roseundlavendel.blogspot.com/ veröffentlichen. Du hast mich animiert mal in den alten Büchern zu blättern!

    Zu den Torten fällt mir spontan ein, dass auch der schöne Brauch bei einer Einladung der Frau des Hauses eine Bonboniere (Pralinen) mitzubringen dem „Gesundheits/ Schlankheitsdiktat“ zum Opfer fiel. Schade ich liebte das sehr!
    Liebe Grüße
    Teresa

  9. Hallo!

    Ich habe beim Stöbern im Internet die Tischdecke mit den Löwen gesehen und ich kenne das Motiv sehr gut. Es ist z.B. im Landeswappen des österreichischen Bundeslandes „Steiermark“ und daher in der Steiermark und den umliegenden Regionen (bis nach Oberitalien, Bayern und die Schweiz) schon sehr lange ein beliebtes Keuzstichmotiv.
    In meinen zum Teil etwas älteren Kreuzstickbüchern aus den österreichischen und süddeutschen Raum wird die Löwensymbolik folgendermaßen beschrieben: Symbol für edle Schönheit und (furchtbare) Kraft, Symbol der Sonne und königlichen Macht, Tapferkeit und Gerechtigkeit, Wildheit und Krieg.
    Ich finde es super alte Handarbeiten zu bewahren!

    Liebe Grüße aus Wien
    Ruth

  10. …es handelt sich hierbei um Wappentiere, sie sind oft in Stadt und Staats Wappen zu finden. Der Adler meist Doppelköpfig. Er ist nach dem Löwen das zweithäuigste Wappentier.Aufallend finde ich das dein Adler nach rechts schaut, die meisten schauen nach links.
    viele liebe Grüße Rubinengel

  11. Ich habe lange nach so eine Adler Muster gesucht. Ist es moeglich ein grosses Bild davon zu sehen. Und von der ganze Tischdecke? Meine Oma hatte sowas aehnliches frueher gehabt aber nach ihrem Tix war es verloren. Ich wuerde gerne diese Tischdecke nachmachen fuer meine Kinder.

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