Monogramme und Namen sticken

Erinnert ihr euch an die Sache mit den bestickten Leinenbeuteln aus „Menschen im Hotel“?  Mir fiel sie wieder ein, als wir bei einem Abendessen  bestickte Servietten  neben unseren Tellern fanden. Jede zeigte ein anderes rotes Monogramm.  Der Gastgeber hatte sie auf Flohmärkten gekauft, in allen möglichen Stil- und Buchstabenkombinationen.

Nun hatte dieser Freund Geburtstag, und ich wollte ihm Servietten mit seinen eigenen Initialen schenken. Oben auf dem Foto seht ihr die drei Varianten, die ich gestickt habe. Von links nach rechts wurde die Ausführung mit mehr Übung immer besser. Später habe ich dann weitergemacht, für den eigenen gedeckten Tisch.

1. Monogrammvorlagen

Der Entwurfsschritt ist mit Abstand der aufwendigste, weil selten genau die Kombination zu finden ist, die man braucht. Man muss sie sich aus Vorlagen heraussuchen und selbst zusammenstellen. Ich habe am Ende dann doch mit Photoshop gearbeitet, aber es würde auch „per Hand“ gehen. (Mussten die früher ja auch).

Quellen für Monogramme

„From old Books“, Suche nach Buchstaben möglich

Google-Bilder Suche „Intials“

Oder von Graveuren heraussuchen

2. Vorlage abpausen und auf den Stoff bringen

Die Vorlage habe ich auf Transparentpapier abgepaust.  Dann das Tansparentpapier umgedreht und mit einem Bügelmusterstift nachgezeichnet. Die Vorlage muss dabei spiegelverkehrt erscheinen. Beim Aufbügeln der Zeichnung das Bügeleisen am besten nicht bewegen, sonst verrutscht alles. Ohnehin ist es nicht so einfach, die Vorlage deutlich auf den Stoff zu bekommen.

(Wenn man sich die Vorlage schon im PC spiegelverkehrt macht, ist es noch einfacher. Und wer einen Touchscreen hat, kann auch direkt vom Bildschirm abpausen, muss dann aber eine Glasplatte, Handschuhe o.ä. dazwischen haben, damit der Bildschirm nicht auf die Finger reagiert.)

3. Sticken

Das Sticken macht am meisten Spaß. Am besten ging es für mich mit einem Stickfaden, allenfalls zwei. Vor allem die filigrane Übertragung der „Suzanne“-Vorlage aus einem französischen Stickbogen von 1854 wäre mit mehrfädigem Stickgarn gar nicht machbar gewesen.

Perfekt sind meine Ausführungen nicht. Aber bei den Flohmarkt-Servietten war auch nicht alles 1A sauber gestickt:

Links war eher eine Stickerin auf meinem Niveau am Werk, rechts dafür wohl eine Meisterin. (Ein Meister?)

Als laufendes Projekt arbeite ich nun an einer Gästebuchdecke.  Freunde unterschreiben bei mir auf einer Tischdecke und ich sticke die Signaturen  nach.

DSC06646 (2)

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Dieser Beitrag lag nun mindestens ein halbes Jahr in meinem Entwurfsordner.  Und die Gästebuchdecke war in Vergessenheit geraten.  Ein Gutes hat das Bloggen: Man macht Sachen weiter. Gestern abend habe ich Namen gestickt. Dabei denkt man viel  an die Personen und die Art ihrer Unterschriften. Sehr meditativ.

DSC06652 (2)

„All my scattering moments are taken up with my needle.“  ~Ellen Birdseye Wheaton, 1851
(Ungefähr: „All meine verstreuten Momente werden mit meiner Nadel aufgenommen.“)

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Nachtrag: Für das Monogrammsticken mit Kupferschablonen geht es hier weiter, siehe besonders auch dortige HInweise in den Kommentaren.

21 Gedanken zu “Monogramme und Namen sticken

  1. Vielen Dank für Deinen schönen Bericht zur Initialstickerei.
    Deine rote Stickarbeit ist wunderschön anzusehen.
    Die bestickten Unterschriften werden den Beschenkten sicher viel Freude machen.

    Schöne Grüße
    Hala

  2. ich möchte mich bedanken für wieder einen schönen Bericht. Eine Mail von “ Suschna “ ist immer ein kleiner Lichtpunkt im Alltag, bringt Freude und vor allem Lust auf Kreativität. „Dank je wel “ aus Holland von Ulrike

  3. „Lichtpunkt im Alltag“, das merke ich mir, wenn mir mal wieder der Treibstoff ausgeht. Ich weiß ja gar nicht, wer hier so alles mitliest und warum. Danke für eure Worte!

  4. Ja, ich freue mich auch auf jeden neuen Beitrag. Und die Unterschriften-Decke finde ich genial. Das ist vor allem sehr entlastend auch für den Gast, weil da niemand mit einem Gästebuch ankommt, und man dann auf Kommando irgendwie originell sein muss. Ob ich dem Gast am Samstag gleich eine Unterschrift abnötige? Die Idee ist so gut, die möchste ich sofort kopieren.

  5. Auch ich lese immer gerne mit bei Dir und finde Deine Werke und Texte sehr inspirierend! Und da ich selbst allzu oft von der schnellen Truppe bin, bewundere ich Deine Sorgfalt und Genauigkeit.
    Danke für den schönen Beitrag!
    Lisa
    PS …und das mit der Unterschriftentischdecke……mir fehlen die Worte

  6. Dein Monogramm für den Freund erinnerte mich sofort an Marken aus dem Artdeco.Ein Essen mit Stoffservietten ist ja auch nicht mehr so alltäglich, schön, wenn das noch jemand celebriert.
    Die Unterschriftendecke ist ist ein tolle Idee.Ich habe mal etwas gesehen wo man sich mit Pinsel und Farbe auf einer Decke verewigen sollte, aber das hängt dann sehr vom Vermögen ab. Hier ist das individuell und edel durch deine Nacharbeit. Das schreit nach Nachahmung.
    Das rechts gezeigte Monogramm , was ich als Io identifiziere, ist unglaublich. Manchmal denke ich,es gab doch Maschinen dafür, weil man sich gar nicht vorstellen kann, dass jemand so exakt und fein arbeiten kann. Deine Susanne ist aber schon beeindruckend. Es wird wie bei allem Handwerk sein, Übung machts und wenn man nur stickt…Ich bin übrignes immer noch über der Dokotorarbeit der handarbeitenden hanseatischen Frauen.
    Liebe Grüße karen

  7. Vielen Dank für deine Kommentare und das Lob zu meinen“Knall-Stoffen“! Ich habe auf einem meiner gefärbten Stoffe auch ein Monogram entdeckt und hab`jetzt fast ein schlechtes Gewissen, weil ich das einfach so übergefärbt hab…
    Sticken werde ich in diesem Leben wahrscheinlich nicht mehr lernen, finde Deine Decke aber Klasse!

    LG

    Kristina

  8. Meiner Erinnerung nach gab es solch eine Decke auch im Barkenhof in Worpswede, aber ich bin mir nicht mehr sicher und habe auch nichts darüber gefunden.

  9. Hallo,
    eine Anmerkung zu den Monogramm-Vorlagen („früher musste man das ja auch per Hand zeichnen“): In meiner Familie gibt es ganze Sammlungen von Stoffen mit Monogrammen, die wurden natürlich alle für die Aussteuer bestickt, aber auch jedes neue Stück erhielt ein Monogramm. Gerne auch mit laufender Nummer bei Handtüchern, Servietten oder Bettwäsche. Außerdem erhalten – darum schreib ich das hier – ist aber im geerbten Handarbeitszeug eine Schachtel mit Monogramm-Schablonen: dünne Kupfer(?)-Täfelchen, aus denen diverse Buchstaben in diversen Größen, Stilen und Schnörkel-Geraden ausgestanzt sind. Nicht für jedes Adelsmonogramm mit Prachtgeschnörkel und Krone tauglich, aber für die übliche Hauswäsche mehr als genug Vorlagen.
    (Von meinen eigenen drei dafür angeschafften Servietten ist eine bestickt, eine halb bestickt und eine mit Bleistift bezeichnet. So liegen seit 20 Jahren, das wird wohl nichts mehr.)

  10. Pingback: Ankündigung Stoffspielerei Juni | Suschna

  11. Zunächst vorab: Deine Stickerei ist wunderschön. Und das Stoffspielerei- Thema gefällt mir. Nachdem ich beim letzten über meine nicht geposteten Probe-Läppchen nicht hinaus gekommen bin, klappt es vielleicht dieses Mal. Auf den Austausch mit den anderen über alle möglichen Techniken freue ich mich jedenfalls schon.
    Liebe Grüße Katharina (aka Stoffknopf)

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