Gleis 17

Fundstücke vom Gleis 17 im S-Bahnhof Grunewald

Die Ferien sind vorbei und damit beginnen auch die lästigen Bringdienste wieder, bei denen man Kinder  zu ihren Nachmittagsaktivitäten chauffiert und wieder abholt. Seit zwei Jahren muss ich im Rahmen eines solchen Begleitservices  in der Nähe des S-Bahnhofs Grunewald  regelmäßig ein bisschen herumwarten.  Schon unzähliche Male bin ich durch die Unterführung gegangen oder geradelt, aber dass sich hinter  „Gleis 17“  ein Mahnmal verbirgt, das wusste ich nicht . 

Letzte Woche habe ich es entdeckt, heute war ich wieder da.

An den Schienen, die langsam überwuchern, stehen die Daten und Zielorte der Transporte, die von hier ausgingen. Für mich ist diese Art von direkter Erinnerung sehr viel beeindruckender als die kalten bedrohlichen Stelen des Holocaust-Mahnmals im Zentrum Berlins.

Schon letzte Woche hatte ich mir  überlegt, aus meinen nachmittäglichen Besuchen beim Mahnmal etwas zu machen. Erstmal habe ich mir die Goldrute vorgenommen, die ich dort gefunden habe. Noch ist sie nicht richtig umgesetzt, aber ich arbeite dran.

Dabei denke ich zum einen, dass diese Pflanzen sicher auch schon vor siebzig Jahren vor Ort gewesen sind. Zum anderen habe ich so etwas wie „das Gras beobachten, das über die Sache wächst“ im Sinn . Im Wikipedia-Eintrag zu Gleis 17 habe ich nun noch folgendes gelesen:

„Die Vegetation, die im Laufe der Jahre einen Teil des Gleises erobert hat, ist als Symbol dafür, dass nie wieder ein Zug von diesem Gleis abfahren wird, in das Mahnmal einbezogen worden.“

Noch ein Grund also, die Pflanzen im Auge zu behalten.

 

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13 Kommentare

  1. ich empfinde das ähnlich, was du zum Mahnmal schreibst.
    Die Dinge müssen irgendwie…einsinken…und nicht klotzartig präsentiert werden.
    Und ich mag immer mehr die kleinen Zeichen und Spuren…
    …und besonders das, was die Natur tut, wenn sie sich unseren abgetotzten Lebensraum zurückerobert.
    Wahrscheinlich hättest du Spaß an „unseren“ ( und das schreib ich als Bayer) alten Zechen hier, die anfangen zu blühen.

    Ich mag deine Häkelarbeiten sehr!

  2. Ich bilde mir immer ein, dass man an solchen Orten das Unheil noch spüren kann, also so ein authentischer Ort setzt sofort meine Phantasie in Gang. Das Holocaust-Mahnmal ist auf seine Art auch nicht unbeeindruckend, aber die Verknüpfung mit Bedeutung ist im Grunde äußerlich und austauschbar.
    Die Goldrute ist auf jeden Fall schon unverkennbar.

  3. Den Ort kannte ich auch gar nicht. Wenn ich meinen Bruder das naechste Mal in Berlin besuche, werde ich da mal hingehen. Mein Mann ist Jude, da hat ein solcher Ort eine ganz besondere Bedeutung und Schwere. Manche Museen gucken wir uns alleine an, weil es zu schwierig ist, zusammen hinzugehen.

    Ich habe uebrigens gerade erst kapiert, dass du die Goldrute gehaekelt hast (und habe dann 3 mal vergeblich auf das Foto geklickt ;-) ich Depp, um es groesser zu machen. Wunderschoen und sehr beruehrend.

    • Ja, also auf dem untersten Foto ist links gehäkelt und rechts echt. Mit der Vergrößerungstechnik der Fotos kämpfe ich weiterhin.

      • Vielleicht kann ich helfen? Wenn du Zugang zu deinem html code hast, tippst du border=“0″ innerhalb der Image Quelle.

        Hier ein Beispiel von meinem Blog:

        Die Position des codes border=“0″ ist egal, solange es innerhalb der eckigen Klammer ist.

        Vielleicht funktioniert das ja, sonst kannst du gerne emailen, wenn du moechtest.

        lg, Kathrin

      • Danke Kathrin, habe es jetzt noch anders gelöst. Ich könnte zwar ins html, aber da muss ich dann länger drüber nachdenken, dafür reicht mein Blogenthusiasmus nicht.

  4. Hätte ich gewußt, das Du nicht weißt… Ich habe die gleichen Gedanken wie Lucy – ich meine, man müsste an solchen Orten durch die Erinnerungen der dort geschehenen Taten etwas davon spüren. – Schön, das wieder eine Blüte entstanden ist.

  5. Das Stelenfeld ist bedrohlich – der Boden mag dort schwanken, aber mein Herz umklammert es nicht so wie an den authentischen Orten oder wie beim Anblick von Namen, Fotos, Schriftstücken u.a.. Eigentlich kann ich an solche Orte auch nur allein gehen. Andererseits will ich auch immer gern einen Mittelweg zwischen Entsetzen und Sachlichkeit finden. Dazu muss man sich ohnehin zwingen, wenn man der nächsten Generation irgendwas vermitteln will.

  6. Interessanter Beitrag über Erinnern und Ermahnen. Ich finde die Grunewaldstelle sehr gelungen, in der angepassten, angedachten Verwitterung und doch sehr direkten Vorstellungen der abgehenden Todeszüge. Trotzdem finde ich die Stelen mitten im Zentrum von Berlin eben dort so angebracht. Es gibt beeindruckende Sichtpunkte (u. a. fotografisch) und ständig wechselnde Ansichten. Außerdem ist die Akkzeptanz der Besucher sehr groß. Es herrscht dort ständig, bei jedem Wetter, fast ein Getümmel und ich stelle mir vor, dass außer Pick-Nicks und Stelenhopsen doch ein unauslöschlicher Eindruck bleibt. Das hätte ich mir mir zuvor auch nicht vorstellen können und bin aber seit Eröffnung in meiner Meinung eingeknickt.
    Die Gedenkstätte im Grunewald hat andere Voraussetzungen und die hat das Architektenteam sensibel umgesetzt.
    Überflüssig zu erwähnen, dass ich mit der Architektin r. Wandel über 10 Jahre lang die Schulbank in Saarbrücken drückte??!!
    lg Carmen

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