Wien nicht gesehen

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Durch die Litaturpassage beim Wiener Museumsquartier konnte ich noch flanieren – dann warf mich eine Art Balkangrippe um, und die Reise Berlin-Prag-Wien endete in einem Hotelbett. Schade, denn ich wollte mit ganz vielen Tipps zu textilen Adressen zurückkommen.

Ich habe es zwar irgendwie nach Berlin zurückgeschafft und bin hustend auf dem Weg der Besserung (unter Mithilfe vieler Kostümfilme à la Sissi). Aber ich weiß nicht, was ich verpasst habe. Deshalb brauche ich nun eure Hilfe! Wer kennt sich in der Wiener Museen- und Textilszene aus? Was hätte sich gelohnt? Auf meinem Plan stand:

1.

MAK – Österreichisches Museum für angewandte Kunst / Gegenwartskunst

Der Webseite nach zu urteilen gibt es Schaussammlungen, in denen wohl auch Textilien enthalten sind. Dann existiert noch eine Studiensammlung Textil, aber da wird wohl nur temporär ausgestellt?

Auf die aktuelle Ausstellung zu Josef Frank hatte ich mich ganz besonders gefreut. Bis 12. Juni 2016 läuft die Show über das Werk des österreichischen Architekten und Designers, der vor den Nazis nach Schweden emigrierte. Die Stockholmer Firma Svenskt Tenn vertreibt heute noch Produkte nach den Vorgaben Josef Franks.

Ich bin selbst stolze Besitzerin eines Teppichs nach Franks Entwurf  „Bows“ von 1929. Angeblich sind die geometrischen Elemente von Wegen und Hecken in einer Wohnsiedlung inspiriert.  Der Teppich gefällt mir auch nach vielen vielen Jahren immer noch sehr.

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Weiter im textilen Wien-Programm:

2.

Wien Museum

Laut Webseite umfasst die Modesammlung 22.000 Objekte, aber sind die überhaupt ausgestellt? Wohl nur im Rahmen von temporären Ausstellungen? Wir waren schon auf dem Weg dorthin und sind dann aber im ganz wunderbaren Café Sperl hängengeblieben. Ist mir womöglich eine Enttäuschung erspart geblieben? Ich würde mich freuen, wenn jemand mehr darüber berichten kann.

Mich stört immer wieder, dass auf den den Webseiten der Museen von Sammlungen gesprochen wird, ohne deutlich zu erklären, dass diese nicht öffentlich sind. Für Insider ist das vielleicht selbstverständlich, aber für den Laien, der so etwas auf der Webseite findet und deshalb einen Besuch startet, ist Enttäuschung vorprogrammiert.

3.

Sisi Museum in der Hofburg

Hier vermute ich eher eine Touri-Attraktion im Stile von Madame Toussaud, aber wahrscheinlich tue ich dem Museum unrecht? Die ausgestellten Kleider sind offenbar Reproduktionen, gilt das auch für die Accessoires? Gibt es für ernsthaft an Textilien (und nicht vorrangig an Sisi) Interessierte genug zu sehen?

4. Wiener Werkstätte – Museum

So ein Museum soll es laut Tripadvisor und Wikipedia bei der Firma Backhausen geben? Auch andere berichteten mir davon, dass bei der Weberei, die in langer Tradition die Stoffe der WW herstellt,  ein Ausstellungsraum sei. Auf der Webseite ist nichts darüber zu finden. Wer weiß mehr?

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Das wären nun meine vier Adressen gewesen. Fehlt etwas in der Liste? Mir ist aufgefallen, dass in der Stadt das textile Handwerk an vielen Stellen präsent ist. In der Stadt waren viele alte Schriftzüge für Schneidereien, Textil- und Ledermanufakturen waren noch erhalten.

Nahe der Hofburg fand ich dieses Spezialgeschäft für klitzekleinen Kreuzstich, eine Mode aus der Kaiserzeit Maria Theresias. Kunden scheinen hauptsächlich Russen und Japaner zu sein.

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Der Webseite eines anderen Geschäfts zufolge wird das Petit Point auf Seidengaze mit Halbkreuzstich gestickt. Es braucht eine Lupe, um 11 bis 22 Stiche auf einen Laufzentimeter zu setzen, 361 Stiche pro Quadratzentimeter. Die Preise für die Taschen, Börsen und Schmuckstücke reichen von 20 bis Tausende Euro.

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Viel mehr habe ich nicht zu berichten.  Ich hätte auch so gern noch andere Kaffeehäuser wie das schon erwähnte Sperl probiert, in denen jeden Moment meine Großmutter durch die Schwingtür kommen könnte. Eine schöne Erinnerung bleibt mir an das Restaurant Skopik + Lohn vom ersten Abend, wegen des Innendesigns und des Essens. Und an unsere Unterkunft. Urbanauts wandelt ehemalige Gewerbeflächen zu Hotelzimmern um. Sehr instagramtauglich, zur Freude der mitreisenden Jugend.

Auf jeden Fall eine gute Erfahrung war die Anreise mit dem Bus Berlin-Prag. Ich bin eigentlich schon mein Leben lang Bahnfan, aber in den letzten Jahren ist für mich keine Bahnreise mehr nach Plan verlaufen und ich habe komplett das Vertrauen verloren. Verspätungen, Ausfälle, verpasste Anschlüsse, falsche Auskünfte, verfallene Reservierungen – es war nur noch Stress. Wie viel einfacher ist es nun, hier in Berlin in einen Fernbus zu steigen (den man super bequem per PC buchen kann) und direkt zum Ziel gefahren zu werden, mit Sitzplatz, WLan, Filmen, Musikangebot, netten und entspannten Mitreisenden. Nicht zu vergessen zu einem Bruchteil des Bahnpreises. Keine Ahnung, wie das für die Bahn enden soll, da wird sich sicher noch einiges bewegen.

Soweit meine Wien-Schnipsel, nun hoffe ich sehr, dass ihr Tipps für meinen nächsten Wien-Besuch habt!

 

18 Kommentare

  1. Ach, das tut mir Leid! Grad in Wien bist Du krank geworden, wie schade. Ich hoffe es geht Dir wieder gut.
    Wien ist ja ganz mein Thema trozdem muß ich ein bisserl nachdenken. Spontan fällt mir ein:
    *ich dachte den Backhause gibt es nicht mehr in Wien, das muß ich nachverfolgen.
    *eine Freundin meiner Großmutter hat für eine Firma Petit Points in Heimarbeit gestickt. Ich habe zwei winzige gestickt Blumenstäußchen von meiner Großmutter geerbt. Ich habe Lavendelpolster draus gemacht.
    *bei Lambert Hofer gibt es auch viel zu sehen. http://www.lamberthofer.at/
    *Im MAK habe gibts im Keller wirklich schöne Stoffmuster und Biermeierschals zu sehen, das ist aber auch schon eine Weile als ich das zuletzt gesehen habe.
    *empfehlen könnte ich auch das Hofmobiliendepot http://www.hofmobiliendepot.at/. Ist zwar kein ausdrückliches Textilmuseum aber ich könnte mir vorstellen, dass es Dir zusagt. Ich mag es gern und es ist nicht überlaufen.
    Ich habe im Augenblick wenig Zeit aber wenn es nicht eilig ist kann ich gerne alles ganz genau in Erfahrung bringen.
    Liebe Grüße aus Wien
    Teresa

    • Toll, vielen Dank für die Tipps. Überhaupt keine Eile, du kannst die Fragen ja einfach im Hinterkopf behalten. Ohne Insider ist so etwas schwer herauszufinden.

      • WienMuseum: hat zwar eine sehr große Modesammlung, die aber so gut wie nicht gezeigt wird. Drei, vier Stücke sind im Haus am Karlsplatz zu sehen, der Rest liegt im Depot.
        MAK: hat einiges an Textilien. Sehr frühe Stücke (Gotische Messgewänder) im entsprechenden Saal, im Keller wird die Studiensammlung gezeigt. Da wechseln die Themen regelmäßig. D.h. es lohnt sich, auf der Homepage zu schauen, was gerade gezeigt wird.
        Sisi-Museum in der Hofburg: Zeigt wechselnde Originalstücke und (hervorragende) Reproduktionen(was ich weiß, ist das „Verlobungskleid“ eine Reproduktion). Die Accessoires sind Originale und das Museum setzt sich recht gut mit der ambivalenten Person Sisis auseinander.
        Hofmobiliendepot: Ist immer eine gute Idee, Dort sind u.a. auch Stücke aus den Sissi-Filmen zu sehen.
        Ein weiterer Tip: Die Wagenburg in Schönbrunn. Die wird vom Kunsthistorischen Museum bespielt, das auch Herrin über das Monturdepot ist und in dem Rahmen einzelne Oroginal-Stücke ausstellt. (Ab März dreht es sich um Kaiser Franz Joseph – wegen seines 100. Todesjahres).
        Backhausen hatte ein Geschäft in der Innenstadt (mit angeschlossenem Museum). Ob es das noch gibt, weiß ich leider nicht.
        Ansonsten ist Wien, was Modemuseen betrifft, ein trister Ort.

      • Na, wie schön, dass die Insider hier nun so wunderbar weiterhelfen. Vor allem beim Hofimmobiliendepot war ich gar nicht auf Zack. Dank all der Tipps wird das Bild nun deutlich klare, vielen Dank!

  2. Ach herrje, das ist ja blöd gelaufen. Hoffentlich geht es dir wieder besser. Deine Erfahrung mit Busreisen vs. Bahn kann ich bestätigen. Bei Bahnreisen habe ich in der letzten Zeit eine 50:50 Chance gehabt: Entweder es klappt alles, oder es wird mindestens eine Stunde Verspätung draus, mit Gedrängel, aggressivem, genervten Bahnpersonal und Mitreisenden. Wenn die Bahn nicht auf manchen Strecken einfach deutlich schneller wäre, würde ich nur noch Bus fahren. Schon allein über die Zeit, die beim Buchen von Bahnfahrkarten online draufgeht, und im vergleich dazu der blitzschnelle Fahrkartenkauf bei den Busanbietern…

  3. Oh nein, so was Blödes. Hoffe, Du bist wieder gesund! Ich kenne mich in Wien nur in der Kaffeehaus-Szene aus und mit dem Sperl hast Du eines der schönsten gesehen. Aber da ist natürlich noch mehr drin!

    • Das Sperl hatte ich mir auch von dir gemerkt :) – und Landtmann (sp?) wäre wohl auch noch gut gewesen? So eine Caféhausliste wäre mir ebenso wichtig wie eine Museenliste. Im Paradies arbeite ich die beiden Listen abwechselnd ab.

  4. Es tut mir so leid, das dich die Bazillen oder Viren so außer Gefecht gesetzt haben.Ziemlich ärgerlich, wenn man nicht so oft in dieser Stadt ist.Im MAK war ich damals und fand es wirklich lohnenswert. Bei den Sammlungen von Textilien wird ja oft nur ein kleiner oder thematischer Teil gezeigt, so das man öfter kommen kann. Aber Wien war und ist teilweise auch noch eine Hochburg von handgefertigter Kleidung! ich stand begeistert vor einem Laden, der Maßhemden genäht hat, leider hatte er Sommerferien, was wohl ziemlich üblich ist. Zu gern hätte ich mich beraten lassen oder einen Sparantrag ob der Preise gemacht. Alle zwei Jahre nach Wien, ist mit Sicherheit ein guter Plan, egal ob per Bus oder Bahn.
    Um diesen wundervollen Teppich bist du schlichweg zu beneiden!
    Lieben Gruß Karen

    • ok, dann nehme ich mir das Ganze für in 2 Jahren noch einmal vor. Der Teppich war ein Glücktreffer, Sonderfall einmal vor vielen Jahren hier in Berlin in einem Geschäft. Ich weiß gar nicht, wie das jetzt mit den Rechten an den Entwürfen ist, die haben evtl. nur SvenksTenn, und die sind sehr teuer (weil die Herstellung auch sehr aufwendig ist).

  5. Hallo, ich habe gerade eben in der wiener Stadtzeitung „falter“ einen Geheimtipp entdeckt – das riesige Modehaus Tlapa, ein 143-jähriges Traditionsgeschäft im 10. Bezirk, musste leider schließen. Noch heute und Freitag findet im Erdgeschoß ein Flohmarkt statt, bei dem nicht nur restliche Kleidung, sondern auch Mobiliar (ich sag nur: Knopfschränke!!), alte Kleiderhaken, Tische und Nähmaschinen verkauft werden, eben alles, was so übrig bleibt. Letztere sind wohl bestimmt schon weg. Schade, dass ich nicht mehr in Wien wohne! Aber vielleicht liest das ja die ein oder andere Person, der mit dieser Info eine Freude gemacht wird.
    Alles Liebe nach Berlin
    Anna

  6. Bei nahezu allen Textilsammlungen ist es leider so, dass aus konservatorischen Gründen nur ein wechselnder, kleiner Teil der Sammlung gezeigt werden kann. Wenn überhaupt.
    Einige sehr, sehr großartige Textilien sind allerdings dauerhaft in der Kaiserlichen Schatzkammer zu sehen. Und die Hofmobilien sind auch toll. Sisi hingegen würde ich weiter hinten auf der Liste platzieren…
    Ansonsten heißt es halt immer, die Ausstellungskalender durchzuackern, was du sicher hingebungsvoll getan hast. Dann vom Virus ausgeknockt zu werden, ist schon gemein. Zum Glück warst du zumindest im Caféhaus vorher! Josef Frank würde ich auch gerne sehen. Seit „Mamma Mia“ bin ich seinen Textilien endgültig verfallen; dein Teppich ist toll!
    LG, Bele

  7. Ach Mensch, ich hoffe es geht dir inzwischen besser, das ist ja wirklich ätzend im Urlaub so komplett flach zu liegen.
    Leider kann ich zu Wien gar nichts beitragen, das letzte Mal war ich vor über 20 Jahren dort zu Besuch privat und auch da nur über ein langes Wochenende und eher zum Weggehen als zum Kultur genießen (ignorante Jugendzeit!). Ich werde mir aber die Liste merken und dann alles angucken wenn ich in Rente bin! ;)
    Interessant, über deine Erfahrung mit dem Fernbus zu lesen, bislang habe ich das ja gescheut (aus Angst vor vollen stinkigen engen Bussen mit partyfreundlichen MitfahrerInnen). Hm, vielleicht sollte ich das nochmal überdenken. Ich bin ja auch ein großer Zugfan, finde es aber auch eher furchtbar wie sehr die Qualität gelitten hat (im Gegensatz zu den Preisen, leider) und dass man für ganz viele Strecken inzwischen länger braucht als vor 30 Jahren.
    Falls du noch nicht wieder gesund bist, auf alle Fälle noch gute Besserung,
    frifris

    • Leider krauche ich hier noch ziemlich rum, das nervt. Aber Busfahren muss ich dir wirklich empfehlen, wir waren mit Flixbus unterwegs. Probier es einfach mal bei einer kleinen Strecke aus. Ich werde, so ich noch wieder genese, damit hoffentlich noch schnell nach Nürnberg fahren können, bevor die Ausstellung dort zuende ist.

      • Unbedingt Nürnberg, Susanne.
        Du wirst die Renaissance-Ausstellung lieben! Und nimm dir dann anschließend Zeit für die ständige Sammlung der Textilien dort, die allein ist schon bemerkenswert umfangreich.
        Das sollte Motivation sein, schnell richtig gesund zu werden.
        Deshalb: Gute Besserung!

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