Stoffspielerei im Januar: Ecken

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An diesem Sonntag sammelt Frifris  im Rahmen der Aktion Stoffspielerei*  Beiträge zum Thema „Ecken“.

Meine Ecken sind gefärbte Ecken als Teil eines Shibori-Versuchs. Shibori, die uralte japanische Färbetechnik,  wollte ich schon immer einmal probieren. Dabei wird der Stoff vor dem Färben abgebunden oder gefaltet, so dass Stellen ungefärbt bleiben und ein Muster entsteht. Traditionell wird Indigo als Farbstoff verwendet, jede andere Farbe geht natürlich auch.

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Zum Üben habe ich Papier genommen, und zwar sowohl Krepppapier als auch japanisches Papier, das zum Bespannen von Wänden gedacht war. Leider weiß ich nicht, wie dieses Papier genau heißt. Jedenfall sind beide Papierarten dehnbar und reißfest, daher stoffähnlich.

Man kann falten, wie man möchte. Hier habe ich ein Quadrat erst wie eine Zieharmonika quer gefaltet, dann eingeklappt und dieses Päckchen mit Klemmen festgehalten.

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Dann habe ich das Päckchen erst kurz in Wasser getunkt und die Ecken mit meiner Lieblingstinte bepinselt, Indigo von Sennelier.  Der schwerste Teil: Trocknen lassen. Man möchte das noch feuchte Päckchen so gern schon mal kurz aufmachen, um zu gucken. Dann verläuft es aber! Lieber erst das knochentrockene Paket vorsichtig aufklappen und sich über das entstandene Muster freuen.

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Kinder würden da bestimmt auch gern mitmachen. Jede Faltung, jede Klemmvariante, jeder Farbauftrag ergibt ein anderes Bild. Bei Kinderbeteiligung müsste man wohl nur zu auswaschbarer Tinten überwechseln, denn es ist eine tropfende Angelegenheit. Meine Shiboriquadrate habe ich zu Klappkarten gemacht, teilweise dabei noch mit Goldbronze experimentiert, siehe oben.

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Diagonale Faltungen mit Encre Sennelier, Farbton Bistre. Hier ist das Papier in der Mitte gerissen, die Tinte hat doch zu sehr geklebt.

Mit Stoffquadraten ist das dann kein Problem. Und die Tinte benimmt sich auch auf Baumwolle sehr gut. Dabei gilt wie immer: Je höher die Fadendichte des Stoffes, desto schöner die Ergebnisse.

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Eine Handwäsche lauwarm hat der gefärbte Stoff ausgehalten.

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Wollte man auf diese Weise größere Stücke färben, müsste man sich natürlich Farben für Stoffe besorgen. Ich fürchte da immer den Aufwand, zumal ich vor Indigofärbungen seit meinem Farbworkshop im Sommer ein Heidenrespekt habe. Anleitungen für das Shiborifärben mit Stoff findet ihr hier bei DesignSponge. Dort habe ich auch diese überfärbten Servietten gesehen, die meine Inspiration waren.

Nun bin ich gespannt, was sich Frifris und anderen für diesen Monat ausgedacht haben. Vielen Dank für das Thema – ohne dich wäre ich nicht zu meinen schönen Karten gekommen –  und das Sammeln der Links, liebe Frifris!

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Die monatliche Stoffspielerei ist eine Aktion für textile Experimente. Sie ist offen für alle, die mit Stoff und Fäden etwas Neues probieren möchten. Der Termin soll Ansporn sein, das monatlich vorgegebene Thema soll inspirieren. Jeden letzten Sonntag im Monat sammeln wir die Links mit den neuen Werken – auch misslungene Versuche sind gern gesehen, zwecks Erfahrungsaustausch.

Der vorläufige Plan für die nächsten Monate, kurzfristige Terminänderungen sind möglich:
22. Februar     Griselda,  Thema Chenille
29. März           Suschna,  Thema Seltene Techniken
26. April           Lucy,    Thema Stoff und Farbe
31. Mai             KaZe,    Thema Inspiration Kunst (mit Quellenangabe)
28. Juni            Frifris,   Thema Knöpfe / Voluminöses
26. Juli         SOMMERPAUSE

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16 Gedanken zu “Stoffspielerei im Januar: Ecken

  1. Solche blau weißen Zufallsmuster sind für mich ganz magisch, eines schöner als das andere. Schön beschreibst Du die Spannung für Deine Überraschungs-Päckchen, da will ich gleich in den Keller zu meinen Textilfarben laufen.
    Gerne lese ich hier auch immer die historischen Recherchen und staune, was Du alles so ans Licht beförderst (z.B. Übereinstimmung Haube, Kleid und Mantel). Schön dass sich jemand der textilen Thematik mit solch einer Sicht widmet und uns teilhaben lässt.
    LG Ute

    • Genial, welche Ergebnisse du mit der Färberei erzielt hast. Ich bin immer total gespannt auf deine Beiträge, da vieles dabei ist, von dem ich noch nie gehört habe.
      LG Mirella

  2. Shibori-Färbungen sind mit Papier wahrscheinlich noch schwieriger als mit Stoff, die Kapillarwirkung ist ja ganz anders. Aber zum Üben im Kleinen ist das eine gute Idee. Auch eventuelle Risse und Löcher gehören dazu, warum soll man die Schwachstellen nicht ablesen können?
    Indigo fand ich übrigens nicht so schwer zu färben, durch die vielen überlagerten Eintauchversuche gleichen sich keine Ungenauigkeiten ganz gut aus. Im Sommer im Freien macht das richtig Spaß und die Sachen sind dann ja auch ratzfatz durchreagiert und angetrocknet für den nächsten Tauchgang.
    Mal gucken, im April bei Stoff und Farbe wäre das ein nettes Thema wenn da schon im Freien gearbeitet werden kann. Danke für´s Erinnern!

    • Bei uns war das eine Frau, die Indigofärben in Indien gelernt hatte, also wirklich auf die ganz althergebrachte Art. Überhaupt zu der Färbelauge zu kommen war schon eine Wissenschaft für sich. Ich guck nochmal bei dir, wir ihr das gemacht habt.

  3. Immer wieder überraschend, wie vielfältig die Muster bei Shibori werden können! Deine Muster gefallen mir sehr! Die Tinte von Sennelier kannte ich noch nicht, tolle Farbe!
    Liebe Grüße von Sabine

  4. Ist schon toll, was die Japaner textiltechnisch alles „drauf“ haben. Shibori kannte ich zwar, aber nicht auf Papier. Das große Fragezeichen wäre bei mir gewesen: lösen sich die Papierschichten wieder voneinander. Aber das hat bei dir ja weitestgehend geklappt. Wenn du in größerem Rahmen Stoffe färben willst, warum nicht mit Pflanzenfarben? Die Saison beginnt demnächst und einstweilen kannst du ja schon Zwiebelschalen ausprobieren – funktioniert bei Wolle sogar ohne Beize, bei Baumwolle bin ich mir nicht sicher, käme aber auf einen Versuch an.
    LG
    Siebensachen

    • Ja, Pflanzenfarben sind gut, aber in der Vergangenheit war ich von meinen Ergebnissen nicht so überzeugt. Wenn man bei Wolle und Seide bleibt, ist es o.k., Baumwolle nimmt die Farbe nicht so gut an, dann braucht man wieder Beizen -> mir bisher zu viel Aufwand für das Ergebnis.

  5. Ok, ich bin also die einzige Banausin, die mit dem Begriff Shibori nichts anfangen konnte.
    Schon deine Karte hat mir sehr gefallen, und die Beispiele oben sind alle toll – gerade diese kleinen Quadrate sind ein wirklich schönes Format und haben ein bisschen was von Kacheln. Das merke ich mir auch mal für das Färbeprojekt.
    Wenn mein Tag dann mal 48 Stunden hat, dann möchte ich eine Patchworkdecke aus solchen Shiboristückchen, hach.

    • haha, beim deutschen Wikipedia wurde der Shibori-Eintrag wieder gelöscht – und bisher hat auch sonst noch keiner den Bedarf gesehen, nehme ich an. Ich weiß das auch nur von einer Japanerin und Deko-Zeitschriften -> Trend blau-weiße Kissen und Bettwäsche im Shibori-Look.

  6. Ach, du bringst mich auch auf Ideen für den 48-Stunden-Tag. Diese Muster finde ich gerade in blau-weiß sehr sehr reizvoll. Die hippieeske Abbindebatik früher ist ja im Grunde genau die gleiche Technik, nur hat man damals scheußliche, viel zu bunte Farben verwendet… Apropos früher: ich kenne die Technik auch unter „Plangi“, weiß aber im Moment nicht mal, aus welcher sprache das stammt.

  7. Dieses Thema will ich seit Jahren machen, weil auch schon Versuche hier liegen, aber ganz anders.Mal sehen wie ich es in unseren Themen unterbringen kann.
    Du hättest vielleicht eher Tusche statt Tinte nehmen können, das wäre dauerhafter?
    Was hast du für Papier genommen? Für dieses Papiergschichten gibt es sogar Spezialbatikpapier, das zieht die Farbe besonders gut. Hattest du das? Mit einer Schulklasse habe ich da mal probiert. viele Grüße Karen

    • Auf meinen Fläschchen steht „Encre Sennelier“ aber ich glaube, das ist im engeren Sinne Tusche. Jedenfalls ist es total haltbar, habe die Stoffquadrate ja sogar gewaschen, und die Tinte/Tusche ist geblieben. Da kann ich auf jeden Fall eine kleine Patchworkdecke draus machen.
      Papier s.o., Rolle für Trennwandbespannung aus Japan, Name weiß ich nicht.

  8. Beim Aufräumen habe ich im Keller eine Rolle japanisches Reispapier gefunden. Da hatte ich ohne einen konkreten Grund mal gekauft. (Ist hier teuer, in Japan war es erschwinglich) Ich kenne es unter dem Namen Reispapier oder Shoji-Papier. Es wird u.a. zum Bespannen der Papierwände benutzt.
    Habe beim Betrachten Deiner Ergebnisse große Lust bekommen, mal damit etwas auszuprobieren!!!
    Grade dass Unerwartete, Experimentieren und Klecksen macht doch Spaß … ich bin auch für Sommer. Dann ist das Warten nicht so ewig lang.

  9. Pingback: Nachtrag Shibori | Textile Geschichten

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