Geschafft: From a Far Away Place

Mission erfüllt: Ein Kleidungsstück nähen, das von einer fremden Kultur inspiriert ist.

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„Du siehst aus wie ein Araber“ war der Kommentar, als ich gestern morgen in die Küche kam. Ja genau! Das war der Sinn der Sache.   „From a far away place“ hieß schließlich das Thema der Aktion „Nix für Lemminge„.  Bei mir sollte es ein Hausmantel sein, ähnlich einem Kaftan. (Die Vorgeschichte hier Teil 1, Teil 2, Teil 3).

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Zugeschnitten war ja eigentlich schon ein  dunkelblauer Stoff. Zum Glück fiel mir noch rechtzeitig ein, ihn vor dem Nähen zu waschen. Und prompt verlor er in der Maschine seinen ganzen feinen Glanz. (Irgendwie habe ich kein Händchen für die Stoffe auf dem Maybachmarkt). Mein Kaftan hätte ausgesehen wie ein Hausmeisterkittel. Also disponierte ich um und opferte einen handgewebten Baumwollstoff aus Indien.  Für das Futter fand ich  einen cremefarbenen weichen Baumwollstoff (Vorhang aus unseren alten Wohnung).  Der Mantel ist durchgehend wattiert und rundum gepaspelt. Das Paspelband ist selbstgemacht, aber nächstes Mal kaufe ich es, wenn ich dazu komme.

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Die Troddel ist nach diesem Prinzip geknotet. Verschluss mit einem bezogenen Druckknopf.  (Für ein Mal hat es sich gelohnt, dass ich immer diese ganzen Pseudo-Edel-Ersatzknöpfe von gekauften Kleidungsstücken aufhebe).

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Fazit: Es war viel Arbeit und viel Gestückel (der handgewebte Stoff lag nur sehr schmal). Aber ich habe so ziemlich den perfekten Hausmantel für mich. Sehr warm, sehr kuschelig, ausreichend angezogen. Beim Zeitungholen im Morgenrock präsentierte ich mich auch schon dem Schulverkehr-Stau vor unserem Haus.

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Ja, die Mühe hat sich auf jeden Fall gelohnt. Ursprünglich wollte ich ja gern viel mehr verzieren und auch quilten, aber nun soll es genau so bleiben.

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  • Schnitt: frei nach Vogue 1981
  • Außenstoff: 2 Meter handgewebte Baumwolle aus Indien von Siebenblau
  • Wattierung: Dünnes Vlies (Baumwolle?) von Frau Tulpe
  • Futter: Dünne weiche Baumwolle

Kurz vorher hatte ich noch eine Zeichnung für mich persönlich geschenkt bekommen.

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Verblüffend ähnlich, oder? Obwohl die Visionärin gar nicht wissen konnte, was ich machen werde.  My personal Guru, thank you.

Noch mehr  von der Ferne inspirierte Kleidungsstücke könnt ihr später  bei MamaMachtSachen  finden. Ich bin gespannt, welche Werke es bis ins Finale geschafft haben. Die große Robe konnte ich nicht beisteuern, aber zumindest habe ich nun einen Plan umgesetzt, den ich schon so lange im Kopf hatte.  Das war ein toller Ansporn.

Viel Spaß und vielen Dank!

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Balzac in einem Brief von 1838:

„Ich fand den Kameraden George Sand im Morgenrock, wie sie in der Kaminecke … nach dem Abendessen eine Zigarre rauchte. Sie trug hübsche gelbe, mit Fransen verzierte Pantoffeln, reizende  Strümpfe und eine rote Hose… Körperlich betrachtet hat sie ihr Kinn verdoppelt. Sie hat trotz ihres fürchterlichen Pechs nicht ein einziges weißes Haar; ihr bräunlicher Teint hat sich nicht verändert, ihre schönen Augen sind noch ebenso leuchtend, sie schaut noch immer gleich dumm drein, wenn sie nachdenkt.“

26 Kommentare

  1. Herrlich, dein Schlußzitat… :-)) Dein Mantel ist toll geworden: meinen Respekt dafür, dass du trotz Stoffwidrigkeiten und Pläneänderungen dabei geblieben bist! Ich finde den Mantel in seiner Schlichtheit grandios (wunderschöne Farbe!), und die Troddel und Paspeln steuern genau das QUentchen Verzierung bei, die er braucht. Wunderschöne Kragenlösung und insgesamt sehr passend zu dir. So einen könnte ich mir auch gut vorstellen… Ich gratuliere!
    Liebe Grüße,
    Nastjusha

  2. Ich bin total angetan! Die Farben, die Troddel und alles so schön verarbeitet. Sieht hinreißend aus!
    Sind die Schuhe aus Ziegenleder? Zufällig sah ich bei arte 7+ vorhin einen Film über einen Gerber in Marokko. Sein Freund, der Schuster, näht solche Schuhe per Hand in diesem Gelb.
    Viel Freude mit diesem Edel-Mantel! (Ob das nicht noch ein Lemming wird?)
    LG, Luise

    • Die Dokumentation habe ich auch gesehen und an meine Schuhe gedacht. Ich weiß nicht, aus welcher Art Leder sie sind. Die Farbe ist in Wirklichkeit so ein Pistaziengrün. Sie sind leider nicht so besonders bequem, aber schön.

  3. Er ist traumhaft schön geworden und braucht kein bißchen Verzierung mehr – Paspeln machen einfach was her! Troddel und kleine Seitenschlitze geben dem Mantel orientalisches Flair, einfach in sich sich stimmig.

  4. Großartig! Auch wenn er ganz anders ist als geplant und im Kopfkino vollzogen, ist er perfekt. Und vielen Dank für die liebevolle Inszenierung à la George Sand.
    LG, Bele

  5. Vielen Dank für eure Rückmeldungen! Ich freu mich auch, und die Inszenierung fürs Foto war mir ein weiterer Ansporn.
    Ja, die Schuhe sind aus Marokko! Die sieht man dort viel, aber ich kann leider kaum drin laufen. Keine Ahnung, wie die Einheimischen sie am Fuß behalten.

  6. Wunderschön! Schlicht, edel, mit besonderen Details und dazu noch so schön in Szene gesetzt. Tolle Interpretation des Themas „from a far away place“
    LG Yvonne

  7. Hei, ich weiß, ich bin nicht die einzige, die die Kombination aus Mantel & Schuhen wunderbar findet – mir gefällt die Farbkombination besonders gut, und schließe mich den anderen an: Kompliment für dieses edle und exquisite Stück.
    LG
    Ulrike

  8. Hat dein Kommentator auch nicht verstanden, warum du dich über den Kommentar richtig gefreut hast? Bei mir hieß es: „Du siehst aus wie eine russische Landfrau“ und war wohl nicht so richtig positiv gemeint.
    Ich finde deinen Mantel jedenfalls toll, er sieht richtig kuschelig aus. Du kannst stolz sein, dass du deinen Entwurf so gut umsetzen konntest.
    LG Claudia

  9. Ganz wunderbar! Lustig, dass jetzt doch anders geworden ist, als zuerst geplant. Die Details sind toll – Paspel, Troddel, die Seitenschlitze, die Taschenpatten. Nur das verdoppelte Kinn hast du glücklicherweise weggelassen.

    • Vielen Dank für die Pattentasche – ich wusste nicht mehr, wie man solche Taschen nennt und habe sie mir dann über „einseitige Paspeltaschen“ zurechtgebastelt. Das hätte ich ja einfacher habe können, hätte ich dich gleich gefragt.
      Das Doppelkinn hätte ich gern geliefert :-) Bloß wusste ich bei der Fotosession noch nichts von dem vollständigen Zitat – bei den Übersetzungen wurde das Detail immer weggelassen.

  10. Sehr schön geworden und sehr passend für dich. Ich glaube gern, dass der richtig geschleppt wird. Solch ein Teil macht dann echt Freude und ich finde du hast ihn wunderbar in den Details hinbekommen und dann alles gepaspelt, hut ab! Auch herrlich, dass du Knotentroddel untergebracht hast. Ein Syntheswerk sozusagen. Die operative Neuorientierung vom Stoff war eben Schicksal! Ich schreib dir von W. noch.LG kaze

  11. Oh, der ist ganz toll geworden! Hoffentlich trägst du ihn jetzt oft.
    Wie schön, gerade das Schlichte passt perfekt zu Troddel und Paspel und Tasche, die haben so genug Platz, um zu wirken. Toll!

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