Stoffspielerei im April: Vogel

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Erinnert sich noch jemand an den Schnee vor einem Monat? Das Foto habe ich vor vier Wochen gemacht. Inzwischen lagen wir nun schon barfuß in der Hängematte, über uns die knackenden und sprießenden Bäume. Die Nachtigall hat sich auch gemeldet.

Eine Nachtigall ist das hier nicht, eher ein nachgemachtes Phantasiewesen aus der Welt von Léa Stansal, über die ich schon einmal berichtet hatte. Ich habe zur Abwechslung mal versucht, mich genau an die Anleitung für den „Wintervogel“ in ihrem Buch „La Trousse à Couture“ zu halten. Habe fein die vielen Schnittteile ausgeschnitten und mich mit Details herumgeschlagen, die plötzlich nicht mehr beschrieben waren oder lediglich bei einem anderen Vogel erwähnt wurden. Gute Anleitungen machen ist verdammt schwer, vor allem bei solchen detailreichen Werken. 5 verschiedene Stoffe habe ich nach vielen Überlegungen für die Teile des Vogels ausgewählt. Später kamen noch Pailletten, Federn und Stickerei hinzu. Alles sehr aufwendig.

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Wie finde ich das Ergebnis? Nicht so berauschend. Ein gerupftes Huhn, das etwas dämlich dreinschaut. (Wobei ich vor Kurzem gelesen haben, dass alle Vögel unsympathisch aussehen, deren Augen man von vorn nicht zusammen sehen kann. Denen man quasi nicht „in die Augen schauen kann“.  Siehe z.B. Gänse und Enten).

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Die fotografischen Künste machen auch viel aus. Diesen Vogel aus Léa Stansals Buch finde ich weiterhin ganz zauberhaft:

Ausschnitt aus dem Buch "La Trousse à Couture" von Léa Stansal
Ausschnitt aus dem Buch „La Trousse à Couture“ von Léa Stansal

Aber es sind doch auch noch die besonderen Stoff- und Materialzusammenstellungen bei ihr. Da kann man noch so genaue Anleitungen schreiben. An solchen Punkten kann das Nachmachen dann scheitern. Bei mir ist die Luft erstmal raus. (Ich gebe aber auch zu, dass ich noch nie ein großer Vogelfreund war. Spechte mag ich, Eichelhäher und Nachtigallen. Oder Adler.)

Lieber schaue ich, was es heute noch zu entdecken gibt.

Griselda hat gleich zweimal Stoff geflochten bis das Ergebnis ihr gefiel – maigrün und clean.

Siebensachen hat für die Stoffspielerei Lavendeldruck probiert – mit Chanel!

Bei Tinistaschen könnt ihr gucken, wie man sich von 150 Probevierecken in den schönen Kona Cotton – Farben  inspirieren lassen kann.

Januarkleider hat mit lockerer Hand einen Jerseyrest und einen Ausschnitt gerettet.

Judika hat einen federleichten, ganz kuscheligen Eisbären geschaffen und denkt auch über Versuch, Irrtum und Kreativität nach.

Mirellchen hat ein zweites Kissen nach Colette Wolff genäht – diesmal mit den „geklappten“ Biesen.

Kunst und Kleider hat einfach mal eine ausgestopfte Katze mit Acrylfarbe bemalt und dann noch geschmirgelt – seht selbst.

Chri-stoff hat Stoffherzen gedruckt und umsteppt und Pailletten probiert.

Frifris beeindruckt mit einem sehr plastischen Kissen in Canadian Smocking.

Vielen Dank an alle fürs Mitmachen, mir hat die Runde Spaß gemacht!

16 Kommentare

  1. Ich finde den Vogel klasse, lass ihn mal fliegen, vielleicht kommt er zu mir!?
    Wirklich, auch die Stoffauswahl gefällt mir.
    Mir fällt zu gemusterten Stoffen immer so gar nichts ein.

  2. Wie ein Huhn sieht der Vogel nun wirklich nicht aus! Ich finde ihn sehr schön und wenn ich bedenke wie viel Handarbeit da drin steckt, dann hat er noch viel weniger mit einem Huhn zu tun…

  3. Nein wirklich, Du kannst stolz sein – er ist ein charakterstarker, sympatisch eigensinniger Piepmatz. Lea gefällt mir, da ich auch hin und wieder gerne detailreiche Sachen mache.
    Hab einen schönen Sonntag
    GlG Barbara

  4. Also auf dem Bild im Schnee finde ich deinen Vogel auch zauberhaft, auch wenn ich wohl nie auf die Idee käme, so etwas zu nähen/basteln. Zu klein und viel Fummelei, Hut ab…

  5. Liebe Suschna,

    dämlich ist Dein Vogel ganz gewiss nicht. Hätte ich Deinen und Griseldas Gedanken heute morgen nicht gelesen, hätte ich meinen Post nicht geschrieben und meine Stoffspielerei läge in der Schublade, aber so zeige ich sie hier

    Dein Vogel hat Dich beim Machen sicherlich in eine Phantasie- und Zauberwelt abtauchen lassen und deshalb ist er wunderschön. Picasso sagte einmal: Klar habe ich die Friedenstaube in ein paar Minuten gezeichnet, doch brauchte ich vorher mehrere Jahre um Skizzen zu machen und um sie in meinem Kopf entstehen zu lassen.

    herzlich Judika

  6. Liebe Suchna, ein gerupftes Huhn sieht aber echt anders aus. Ich finde deinen Vogel gelungen und kann die vielen Stunden, in denen er entstanden ist, nur erahnen. Bei mir gibt es, wie schon in den letzten beiden Monaten, ein Kissen zu sehen.
    LG Mirella

  7. Liebe Suschna, mir gefällt der Vogel sehr und finde, er kommt seinem Vorbild schon sehr nahe. Mich erinnert er an die Arbeiten von Mandy Pattollo, die aber „nur“ zweidimensional sind.
    Ich habe dieses Mal auch dreidimensional gearbeitet + ein Tier gebastelt (Kann das Zufall sein?) und möchte dich bitten, mich mit zu verlinken. Danke dafür + viele Grüße,
    Marion

  8. Diesmal bin ich mit meinem Ergebnis auch nicht wirklich zufrieden, aberes ist ja eine Spielerei die muss nicht Ergebnisorientiert sein (eine gute Übung ist es trotzdem).
    Und ich finde weder Deinen Vogel noch Enten und Gänse unsympatisch.
    Schöne Grüße,
    Christoph

  9. Guck deinen Wintervogel im Schnee mal im November an, wenn wir wieder sehnsüchtig auf die ersten Flocken warten. Dann wirst du das vielleicht auch mit anderen Augen sehen…..
    Wie die anderen auch mag ich dein Wesen, das ist sehr eigen und passt sich nahtlos in Suschnas textile Welt ein. Mit der Anleitung hast du was ganz typisches für dich geschaffen.

  10. Also ich hab mir jetzt deinen Vogel ein paar Mal angeguckt und mir verschiedene Hintergründe dazu vorgestellt und überlegt, was dir daran nicht gefällt. Eigentlich glaube ich, dass du einfach ein bisschen Abstand dazu brauchst, vielleicht ist das Verhältnis zwischen Realität des Ergebnisses (im Gegensatz zur Idealvorstellung) und dem großen Aufwand für dich noch etwas unausgewogen ;)
    Für jemanden, der keine Arbeit hineingesteckt hat, sieht es einfach wie ein zauberhafter Vogel aus, mit unglaublich feinen Details. Bestimmt nicht wie ein Huhn.

    Ich denke, es ist gar nicht so einfach, ausgerechnet einen Vogel dreidimensional zu gestalten. Wo knickt der Fuß (das heißt bestimmt nicht wirklich Fuß) eigentlich ab? Um wieviel Grad ist der Hals gebogen? Wie sehr steht die Brust hervor? Welches Verhältnis haben die einzelnen Körperteile zueinander? etc etc

    Ich möchte gar nicht wissen, wie viele Vögel Léa Stansal gebastelt und zurechtgedrückt und gebogen hat, bis die Inszenierung wie auf dem Foto gestimmt hat.
    Stell dir doch noch ein paar andere Vögel wie deinen dazu vor, unterschiedliche Positionen und ein bisschen Dekoäste wie im Buch – das wäre doch schön? Nein?

    Wie dem auch sei, das du erstmal vogelgeschädigt bist, kann ich verstehen. Was für eine Puzzlearbeit.

    PS: Meine Arbeit kommt erst noch, ich musste sie zur Seite legen, weil ich einfach grade gar keine Muße habe.

  11. Nur begeisterte Kommentar, das überzeugt doch! ich könnte ja jetzt ne Zahl nennen, nein mache ich nicht, aber ich denke auch so etwas wird mit jedem mal anders besser. Und du hattest jetzt einfach dieses Foto im Kopf oder vor dem Auge und wenn man frei so etwas macht, ist der Sofortzufriedenheitsgrad evtl höher.
    Flattrige grüße schickt Karen

  12. […] aus Fäden sein, das scheint die Lösung zu sein. Interessanterweise berichten Griselda und Suschna heute auch über Projekte, die zunächst nicht so toll waren, bei Griselda ist am Schluß ein Traum […]

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