Selbermachen im Untergrund

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Vor ein paar Tagen fand ich bei „Das Nuf“ zahlreiche Wortmeldungen  nichtbastelnder Frauen, die sich über ihre selbermachenden Geschlechtsgenossinnen aufregten.

Das hat mich doch schwer ins Grübeln gebracht. Inzwischen bin zu dem Schluss gekommen: Die Behauptung, meine Weihnachtskugeln seien von mir gemacht, ziehe ich zurück. Die Wahrheit ist: Sie stammen von kleinen Jungs eines Selbsthilfeprojekts in Südafrika. Ich habe die Kugeln auf die Schnelle in einem Ein-Welt-Laden gekauft, an dem ich auf dem Weg von meinem mich selbstverständlich total erfüllenden Bürojob zur U-Bahn vorbeikam. In Wirklichkeit hätte ich für SOWAS keine Zeit, was glaubt ihr denn.

Ich kann auch nur allen Deko-Bastelmüttern davon abraten, sich zu outen. Ihr ruft damit nur Aggressionen hervor. Offenbar entsteht bei Nicht-Bastelmüttern dann ein Gefühl der Unzulänglichkeit und der nicht totzukriegende Schuldreigen „Rabenmutter vs Luxusmutter“ setzt sich in Gang.

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Hier also ein paar Tipps zum Undercover-Werkeln:

  • Eure Plätzchen sind nicht selbstgemacht, sondern von Aldi, aber leider auf dem Nachhauseweg einmal runtergefallen. (Ihr könnt auch sagen, sie seien von der Oma, aber das ist evtl. auch wieder uncool, denn fortschrittliche Omas haben selbstverständliches auch BESSERES zu tun).
  • Euren zauseligen Adventskranz habt ihr mit einer Kettensäge direkt im Wald geschnitzt, oder er ist nebenbei entstanden, als ihr dabei wart, die Heizungsrohre im Keller zu isolieren. (Merke: Alle männlich besetzten Selbermachbereiche sind völlig o.k. und dürfen geoutet werden.)

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  • Eine quiltende Ärztin, eine kreuzstickende Journalistin, eine häkelnde Polizistin? Kenne ich zwar, geht aber gar nicht. Haltet bloß die Klappe. Für solche Abnormitäten gibt es Selbsthilfegruppen, in denen ihr über eure vorsintflutlichen Neigungen reden, ja sogar eure Werke bewundern lassen dürft! Hier in Berlin zum Beispiel veranstalten Nähcafés, Stricktreffs und die BMQG konspirative Treffen.
  • Näht ihr Kleidung selbst, könnte ihr sie beim MMM zeigen, aber dann bitte nur unter Pseudonym und ohne Kopf. Sonst ist der Ruf als wertvolles, hart arbeitendes Mitglied der Gesellschaft dahin.
  • Falls ihr Werke eurer bastelnden Kinder aufhebt, solltet ihr sie mit einer Legende versehen:

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Frühwerk Giacomettis

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Baskitische Volkskunst, damals bei der Konferenz in Krkistan gekauft

Mehr fällt mir jetzt gerade nicht ein. Falls ihr noch eine Ausrede für einen selbstgemachten Adventskalender hättet, wäre das schön. Bis dahin hänge ich unseren unter die Kellertreppe.

Und zum Abschluss für alle Zweifler noch der Beweis, dass ich wirklich damals meinem ersten Freund ein Hemd aus Fensterleder genäht habe:

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Er und ich, wir sind nicht mehr zusammen, das ist alles, was ich dazu sagen kann.

(Die Steppdecke unter dem Hemd ist natürlich von Ikea).

48 Gedanken zu “Selbermachen im Untergrund

  1. Heide Simonis hat sich öffentlich als Quilterin geoutet, und das zu einer Zeit, als Quilten in Deutschland noch viel unbekannter war als heute.
    Als die Grünen in die Parlamente einzogen, sah man bisweilen Abgeordnete mit Strickzeug, in den Parteitagen wurde sowieso gestrickt.

    Karriere und Handarbeiten waren also durchaus mal vereinbar. Vielleicht nicht Mainstream, aber offensichtlich akzeptabel genug, um selbst höchste politische Ämter nicht zu „beschädigen“. Vielleicht brauchen handarbeitende Frauen und Männer also gar keine Selbsthilfegruppe, sondern wieder mal ein öffentlichkeitswirksames Vorbild?

    Viele Grüße
    Ursula

  2. jetzt hab ich endlich `nen vernünftigen grund in den untergrund zu gehen. danke !
    was eine schwachsinnige diskussion. dein post dazu klasse.

    lieben gruß von
    mir, ich muss ja anonym bleiben, sorry

  3. Oje, ich habe jetzt den Post bei „Das Nuf“ + Kommentare gelesen und bin jetzt irgendwie traurig. Da waren so viele böse, hämische und , mir kommt vor, neidische Kommetare, ich bin erschrocken. Wem schadet es wenn ich selber mache,backe, bastle, nähe oder stricke? Danke, für Deinen guten Post, obwohl Humor durchblitzt merkt man, dass Du dich auch ärgerst. Ich habe beobachtet, dass es gegenüber selbstgemachten Sachen immer eine gewisse Ambivalenz gibt. Manche meinen man habe zu viel Zeit, zuwenig Geld für „richtig“ gekauftets oder zuviel Geld weil doch die Materialien so teuer sind und viele empfinden es schlicht als permanenten Vorwurf weil sie selber nichts selber machen, das sind die schlimmsten die sind dann bösartig.
    Ich verschenke schon Jahre nichts Selbstgemachtes ausser es wird ausdrücklich gewünscht oder ich merke wenigstens ein Funken von Interesse.

    Also ab in den Untergrund und weiter stricken… vielleicht verfliegt dann die Traurigkeit die mich befallen hat.
    Liebe Grüße
    Teresa

  4. Heujejeu! Also, ich weiß schon was die da in dem Artikel?Blog? gemeint haben.
    Für mich gibts da allerdinge ganz feine Unterschiede, also so von Mensch zu Mensch.
    „Selber machen“ ;) ist schon dolle in und das geht ja nun auch schon eine ganze Weile und wird ja auch mehr und mehr kommerziell ausgeschlachtet, überall gibt es Bastelläden (bei uns, auch im Karstadt), Läden wo man unter Anleitung selber Schmuck herstellen kann und und und. Hier in Leipzig ist immer noch alles „Da Wanda“, wenn ich über einen alternativen Markt gehe…. und irgendwie kann das auch keiner mehr wirklich sehen, ohne Sonnenbrille. Manche können halt nen Stoffbeutel nähen und denken sofort daran, wie sie den am besten vervielfältigen und wieder verkaufen können. Das nervt schon ganz schön, weil alle wollen kreativ sein und das ist dann ganz schnell damit gekopelt, dafür auch Applaus bekommen zu wollen, also muss das Zeug dann auch noch verkauft werden ;).
    Für mich ist der feine Unterschied, die einen sind wirklich kreativ und haben sicherlich auch eine ganz eigene Herangehensweise, warum sie das tun (basteln, nähen, backen) und tun das vorallem für sich selbst und dann entwickelt sich eventuell auch was öffentliches daraus. Und ich glaube, diese Kategorie muss ihr „selbst herstellen“ auch nicht permanent rausposaunen!
    …….und die Anderen sind die, die gerne kreativ wären und damit ihre Umwelt belasten ;) …..
    So seh ich das. Ja.
    Viele Grüße Vera

  5. Danke für deine Antwort auf diesen Post – allerdings hätte ich Ihn auch nicht gelesen, wenn Du nicht jetzt darüber geschrieben hättest. Ich war kurz davor einen Kommentar von mir auf dem anderen Blog zu hinterlassen. Der Inhalt schwankte von: Was ist dein Problem über na und mach ich auch alles und dann auch noch… bis armes Würstchen. Ein wenig ärgert mich das schon, was da in den Äther geblasen wird, auf der anderen Seite tut es mir leid, wenn das für sie wichtig ist. Ich bin ja immer dafür, das jeder machen darf was er will und der andere kann das doof finden und sich seinen Teil DENKEN (natürlich nur in diesen kleinen Bereichen, soll also nicht heissen das alles hingenommen werden soll) Kurz gesagt: Respekt anderen gegenüber. Aber vielleicht bin ich da etwas naiv…. Ich gehe jedenfalls am Montag auch in den Ein-Welt-Laden und kaufe mindestens eine von den Kugeln aus dem Kinderhilfsprojekt ;) höhöhö

  6. Ich schmeiß‘ mich weg – Baskitische Volkskunst aus Krkistan, Giacometti. Muss mir noch was für mein Geknipse überlegen. Obwohl: Fotografieren scheint bei den Das-Nuf-Kommentierenden aber nicht unter DIY zu fallen. Danke für das Bild vom Fensterlederhemd.

  7. Nachtrag: Mein Sohn (14 Jahre + Skater) hat mich letzte Woche schon auf den Artikel in der Brigitte über die Haßkampagne gegen Skatet über 25 hingewiesen – ich lese ja die Brigitte nicht, dafür habe ich keine ZEIT :) Aber ich finde den Artikel auch daneben – lieber einen Mann über 25 der Skateboard fährt und fit ist als einer der … na gut, ich lass das jetzt mal.
    PS das Fensterlederhemd ist echt ein Hammer!!!!

  8. Oh Gott ja, und dann sind wir Selbermacherinnen auch noch im Internet und knüpfen da öffentlich unsere Netzwerke und verletzen mit unseren zurschaugestellten Hervorbringungen die Gefühle der WAHNSINNIG HART arbeitenden Nicht-Selbermacherinnen, anstatt wie jede ordentliche Untergrundorganisation tote Briefkästen zu nutzen. Die Mittwochsstrickrunde abends im Cafe: eine einzige Provokation HART ARBEITENDER Menschen, die für SOWAS keine Zeit haben. Und hätten sie Zeit, wüssten sie damit ja viel Besseres anzufangen! Parties feiern! Wichtige, interessante Menschen treffen! Die Bedienung ihres I-Phones erlernen! Mit „richtigem Werkzeug“ richtige und wichtige Dinge bauen! (OK, Skaten offensichtlich nicht – was ist denn das für eine Anti-Kampagne, die sogar in der Brigitte steht?).

    Konspirative Grüße!

    (Darauf muss ich jetzt erstmal nen‘ Plätzchenteig ansetzen)

    • Der Artikel rief Proteste hervor und wurde von der Redaktion entfernt – nun wieder eingestellt…
      http://www.brigitte.de/gesellschaft/politik-gesellschaft/stellungnahme-skateboard-1149149/
      Der Artikel steht weiter unten im Forum und mischt Pädophile-Drogenkonsum-Soziale Inkompetenz und noch so ein paar andere Dinge – alles ziemlich weit her geholt. Wenn man sich mit einem echten Skater unterhält (Alter egal) stellt man fest, das sie sehr strenge soziale Regeln haben. An erster Stelle steht Respekt, dann kommt: keine Drogen usw. Die Autorin hat wohl nicht recherchiert oder hatte einfach nur einen stressigen und langen Arbeitstag…

      • Komisch, ich hab in den lezten Jahren über Handarbeitsblogs viel mehr interessante Menschen kennengelernt als über meine Arbeit. Halt. Irgendwas stimmt nicht mit mir. Ich arbeite wohl nicht intensiv genug. Vieleicht entspanne ich mich auch nicht richtig genug, weil ich beim entspannen ja immer werkeln muss, wie nervig von mir.

        Über die Dr. und fast Dr. Quote beim MMM Team hülle ich mich jetzt mal in snobistisches Schweigen… Nur soviel, es ist ganz ganz leicht über dem gesellschaftlichen Durchschnitt von 1%…aber wir sind ja nur Bastelmuttis, nicht wahr.

  9. Hahaha, danke für diesen Post! Habe das vorhin auch bei der Nuf gelesen und mich gewundert und auch ein bisschen geärgert… Warum kann denn eigentlich nicht jeder nach seiner Fasson glücklich werden? Warum müssen da immer solchen Kampagnen losgetreten werden? Ich kapiers einfach nicht…

    Liebe Grüße
    (ich muss jetzt dringend weiternähen… zwei Projekte warten auf Fertigstellung und zwei neue Schnitte kamen heute an…;)))

  10. Hart arbeitende Menschen, jaja… Ich hab mich in letzter Zeit immer mal wieder dabei ertappt, mich mit meinem Lebensmodell auseinanderzusetzen und eine positive/offensive Haltung dazu zu entwickeln, dass ich „nur“ erwerbstätig bin, aber bislang – trotz sehr hohem formalem Bildungsabschluss – keine richtige Karriere im klassischen Sinne mache. Mein Ideal sind 30 Std. +/- Erwerbstätigkeit beider Elternteile. Dann bleibt nämlich noch erkleckliche Zeit für „das Leben“. Übrigens gilt das nicht nur für Eltern, schon klar. Mir scheint, dass es nicht wenige Menschen gibt, die das – unabhängig von Elternschaft – ähnlich sehen.
    Ich arbeite im Wissenschaftsbetrieb und mir geht in letzter Zeit ziemlich auf den Geist, dass einfach per se angenommen wird, dass ausnahmeslos alle einfach viel, viel, viel arbeiten. Mit den vollen Kalendern wird kokettiert. Und ich frage mich dann: muss ich mich jetzt schlecht fühlen oder gar rechtfertigen, dass das bei mir nicht so ist? Nein, muss ich natürlich nicht. Aber wie gesagt: ICh arbeite gerade an einer selbstbewssten Haltung, dem eigentlich selbstverständlichen gegenüber: Das ist mein Leben und ich lebe es selbstbestimmt, soweit es geht. Und ich mache nicht aus der Not eine Tugend und kokettiere nicht mit prekäre strukturelle Gegebenheiten (etwa die Drittmittelsituation und ständige Projektitis im Wissenschaftsbereich) sondern sehe sie als das an was sie sind.
    Das hat jetzt nichts konkret mit dem Anlass und dem selbstmachen zu tun, ich hoffe, es passt trotzdem…

  11. Nachtrag 2: Meine Nichte hat sich einen selbst gestrickten Schal und mein Neffe eine selbst gestrickte Pudelmütze von mir gewünscht – beide im pubertierenden Alter! Ich dachte sie würden lieber was gekauftes geschenkt bekommen… ich gehe jetzt mal auf das Sofa stricken….
    Ach ja, Lucy, wenn Du den Blog von Das Nuf weiter liest, wirst du feststellen, das sie nicht in Cafés gehen, denn sie trinken guten Nespresso Kaffee zuhause – du brauchst Dir um die Strickrunde keine Sorgen machen

    • Ok, dann ist es mit dem aufregenden Party-Leben ja doch nicht so weit her. So spannend wie „zuhause Nespresso trinken“ ist mein Leben doch auch, uff. Und das trotz Stricken!

      (Danke für den Skateboard-Link. Es ist zum Heulen, wie sehr die Brigitte inzwischen heruntergekommen ist.)

  12. Hahaha. Ich kenne den Text bei Nuf nicht – aber natürlich wird hier auch nicht gebastelt. Geschweige denn genäht!
    Ich beschließe: wir haben jetzt auch viel naive Volkskunst in der Wohnung, wie schön.

    Aus wenig menschenfreundlichen Gründen erzähle ich ohnehin selten dass und was ich nähe, der Schritt zum „kannst du mir dann nicht mal einen Rock nähen, Reißverschluss reparieren“ etc. ist leider für einzelne menschliche Exemplare nicht so weit und auch das Angebot jemandem zu zeigen wie es geht zu nähen reicht manchmal nicht („dann könnte ich es ja gleich selber machen!“ – äh, richtig, und?) – ich habe ja offensichtlich zuviel Zeit.

    Als du kürzlich erwähnt hast, dass eine Freundin dich angesichts der Papierkugeln (die ich ja ganz toll finde) als „Übermutter“ bezeichnet hat, dachte ich ja für mich persönlich, dass mich das geärgert hätte. (War ja vermutlich nicht so gemeint).

    Wahrscheinlich sollte man über so etwas stehen und sich nicht ärgern lassen, und darum lese ich den Artikel jetzt lieber nicht ;)

    Grüße!

  13. Ich werd ja immmer wieder gefagt „Wann machst du das bloß alles?“, im Tonfall von “ Wenn ICH soviel Zeit hätte…aber ich ARBEITE ja so wahnsinnig hart…“.

    Also, ab jetzt kann ich es ja zugeben: Ich schweiße meine Sachen zusammen. Das geht schnell und ne Frau mit nem Schweißbrenner ist doch voll cool (fast schon wie Partybilder auf dem Blog inklusive alter Pizzakartons) und AUF JEDEN FALL viel besser, als eine Frau an einer ollen Nähmaschine. Ist doch kein Leben so.

    Hach ja, ich hätte ja schon eine polemische Antwort im Kopf: Ich hasse es, euch immer in diesen gräßlichen Kaufsachen zu sehen! Das nervt mich total und setzt mich unter Druck, nicht so oft schöne und passende Sachen zu tragen! Ihr zieht mich total runter, macht euch doch bitte auch ein einziges mal irgendwas nettes selbst, dann muss ich mich neben euch nicht so gut fühlen ;)

    Lg! Cat

      • Ja, mir würde es auch Spaß machen, ihn zu schreiben. Aber Ehre nur, wem Ehre gebührt und dem Post von Nuf (seltsamer Name btw) in diesem Fall eher nicht.

        Außerdem nähe ich gerade ein 40er Jahre Tweedkostüm und muss meine Zeit darein investieren!

  14. Ja, also ich bin echt sprachlos. Offensichtlich lebe ich in einer Art Paralleluniversum. Oder ich bin einfach völlig ignorant. Ich kenne keine Leute, die etwas selber machen – außer vielleicht im Garten. Und wenn ich mal (ausnahmsweise!) über etwas Selbstgemachtes rede, werde ich gandenlos abgewürgt – eigentlich interessiert das niemanden. Das war ja der Grund für mich, mit dem Bloggen anzufangen.

    Die großen Selbermacher habe ich in der eigenen Familie. Meine Schwester findet mich und meine Sachen wohl etwas merkwürdig. Sie ist die große Dawanda-Verkäuferin und hat `nen Nähmaschinen-Fuhpark von dem ich nur träumen kann. Und meine Mama bezeichnet das was ich mache als „Spielerchen“ und gibt die große „Landhaus-Stil-Expertin“.

    Also ich verschrecke garantiert niemanden – puh! dann muss ich wenigstens nicht in den Untergrund!

    Halte durch!

    Liebe Grüße von Kirstin

  15. Mir ist, als hätten wir über etwas sehr verwandtes vor über einem Jahr hier schonmal diskutiert: https://suschna.wordpress.com/2011/10/24/du-hast-wohl-zu-viel-zeit/ und http://siebenhundertsachen.wordpress.com/2011/10/25/rundumschlag/. Ich habe auch zunehmend dem Eindruck, dass ein kreatives Hobby Männern wie Frauen als mangelnder beruflicher Ehrgeiz ausgelegt wird und finde das sehr sehr traurig. Und mein Gott, warum darf denn nicht jeder mit seiner Zeit machen, was er oder sie will. Traurig. Ein toller Post jedenfalls. Ab jetzt guerilla DIY…

  16. Als ich den Post gelesen habe, war er ganz frisch. Eigentlich wollte ich nichts dazu schreiben, bin nun aber erstaunt, dass doch so viele Kommentare eingetroffen sind.
    Für mich ist das keine Frage der Zeit, sondern der Priorität des eigenen Wohlfühlens, der seelischen Gesundheit, wenn ihr so wollt.Ok, ich habe einen kreativen Beruf, aber ich werde auch unglücklich, wenn ich nichts mit den Händen schaffen kann. Das muß nichts Herzeigbares sein und nicht Praktisches, es ist das Machen selbst. Wenn dabei dann tatsächlich etwas Nutzbares und Schönes entsteht, umso besser.
    Und dieses Machen ist es , was so anzieht in dieser Welt, die uns so fertig serviert wird, mungerecht eben. Ich erlebe immer wieder wie verstrahlt und glücklich Leute aus Kursen gehen, in der Hand eher etwas lächerlich wenig Materielles, aber den Prozeß haben sie gefühlt, gelebt.Und das kann glücklich machen.
    Und es gibt sicher auch andere Typen , die ganz anders gestrickt sind, mit denen muss man sich nicht vergleichen. Bei denen liegt der Wohlfühlfaktor eben woanders, auch gut.
    späte grüße kaze

  17. Naja. Das Nuf hat wunderbar lustig geschrieben und ich habe laut gelacht und „genau“ gesagt. Obwohl ich eine Selbermacherin bin. Und ich habe mich NICHT geärgert oder veräppelt gefühlt und bin auch nicht in dieses zwei-Fronten-Schema verfallen, wie so einige KommentatorInnen hier und dort.
    Findet sonst niemand hier, dass das Posting vom Nuf eine prima Überzeichnung ist? Ich lese eine sprachliche Karikatur von einer typischen omnipotenten Mutti, sowie von einem nicht perfektem Selbst, dass allergisch auf eben diese reagiert. Ihre Darstellung wirkt weder gehässig noch neidvoll, auch wenn sie „hassen“ schreibt. Und auch nicht entwertend. Dafür aber ziemlich pointiert.
    Ich schätze das Nuf als Bloggerin u.a. aufgrund ihrer Selbstironie.
    Etwas Selbstironie würde – bei allem Respekt – so manchen SelbermacherInnen guttun.
    Suschna macht es vor: Humor und Schlagfertigkeit vom Feinsten. Das hat genau so viel Spaß gemacht zu lesen!
    Viele Grüße an alle im Untergrund
    Lola

    • Ja, den Artikel von dasnuf habe ich auch so gelesen – überzeichnet und mit Selbstironie. Die Mett-Igel-Rezensionen, die sie früher schrieb, mochte ich auch sehr (Mutti-Geschichten interessieren mich halt nicht, daher hatte ich sie aus den Augen verloren). Bloß in manchen Kommentaren werden schon ziemlichh seltsame Aggressionen sichtbar, gänzlich unironisch, und da habe ich mich schon gefragt, was die Leute umtreibt.

      • … und so sehe ich das auch – der Artikel war nicht schlimm, mich haben die Kommentare dazu erregt – außer der von Maximilian Buddenbohm ;)

      • Der Buddenbohm Kommentar war auch mein liebster. (Bei Meike hat eine Kommentatorin aber selbst in seiner kleinen Geschichte die freundliche Ironie nicht erkannt – da geht der Punkt doch wohl an das Nuf und Co).

  18. Ich fand den Ursprungspost auch nicht zum Ärgern, mußte dann aber im Laufe der Diskussion feststellen, daß es offensichtlich Leute gibt, die sich tatsächlich von Erzählungen über Selbermachen unter Druck gesetzt fühlen. Ich muß zugeben, daß ich auf diese Idee nie gekommen wäre (weiß ich um mein „Im-Leben-stehen“ und all meine Unzulänglichkeiten) und es wird wohl dazu führen, daß ich mich demnächst in meinem Enthusiasmus eher bremsen werde. Sehr schade, dies. Zum Glück gibt es in meinem Umfeld genügend „Bastlerinnen“, bei denen ich weiter ungebremst schwelgen kann.
    Ich nehme jetzt mal den gebastelten Stern meiner Tochter aus dem Küchenfenster. Nicht daß sich dort noch eine Mahnwache formiert!

    Gruß, Bele

  19. sehr schön!

    (ich löse das zeitproblem der außerhaus arbeitenden frau übrigens so, daß ich meist ein kleines strickzeug dabei habe und in meiner mittagpause – stricke. zuhause komm ich ja nicht dazu ;-) )

    und jetzt auf an die untergrundnähmaschine…

    • Ja warum klingt das gleich immer so zickig und herablassend? War auch gar nicht lustig genug. Und so unwichtig. Manchmal versteh ich ja die Welt nicht! Aber deinen Post habe ich total gerne gelesen. Sehr erfrischend nachdem ich in meiner dreckige Wohnung ein Plaetzchen fuer den Laptop fand. Uebrigens ist unser Adventskalender dieses Jahr von Playmobil! Und das Kind ist so gluecklich. Und ich hab nix gebastelt. Freue mich schon serh auf einen Monogrampost. Ich habe eine komische Beziehung zu Monogrammen.
      lg Kathrin

    • Ach ja, der Magazinartikel – den hatte ich sogar gelesen (habe das Heft im Abo), fand ihn aber letztlich so platt, dass ich ihn sofort gedanklich ad acta gelegt hatte. So ein Artikel zeigt mir in erster Linie, dass DIY jetzt so weit verbreitet ist, dass man in einer Glosse eine Gegenposition dazu einnehmen kann. Solange ein Phänomen sehr selten ist, ergibt das ja keinen Sinn.

  20. Da hab ich ja voll was verpasst, als ich in Boston war. Faszinierend die Kommentare zum Nuf-Artikel. Erstaunlich wer sich da auf den Schlips getreten gefuehlt hat. (ist das jetzt richtig?) Wo ist den die gute alte Einstellung: „Who the f___ cares, if you make 8 kinds of cookies?“ @Never compare….“. Wie schon so viele bemerkten, der Artikel war nicht schlimm, die Reaktionen allerdings doch recht peinlich. Aber dann das tolle Hemd, das schoene Fensterlederhemd….da warst du sicher sehr verliebt. Hat „er“ es dir zurueckgegeben, als sich eure Wege trennten?

    • Nee, seine Mutter…. :-)
      Tja der Ton, die einen herablassend, die anderen beleidigt. Ich habe meine Freundin in CA dazu befragt, warum es in den USA solche Grabenkämpfe (scheinbar?) nicht gibt. Sie meinte, dass die Kreativen und die StayAtHome-Moms einfach selbstbewusster auftreten. Das geht so in die Richtung von Mellenis Kommentar oben. Hinter dem eigenen Lebensmodell stehen.
      Andererseits dann wieder outet sich meine Schwester in der süddeutschen Provinz nur ungern als berufstätige Mutter dreier Kinder. Sie kriegt da noch moralischen Druck, wenn ihre Plätzchen nicht selbstgebacken sind. Die Sachen aus dem Playmobilkalender hat sie dieses Jahr in Säckchen von Käthe Kruse gestopft. Naja, wir haben beide herzlich gelacht, das wars.
      Auf zu good vibrations mit Monogrammstickerei oder was auch immer!

  21. Bin ich froh, dass ich zwar eine der wenigen diy-mamas bin, aber von den anderen nicht Neid, sondern Anerkennung und Bewunderung bekomme. Und meine selbstgemachten Geschenke freudig entgegen genommen werden.
    Schade, dass das nicht überall möglich ist und einige ins Internet ausweichen, um ihre gemachten Sachen zu zeigen, weils sonst keinen interessiert (oder schlimmeres).
    Und jetzt alle zurück an die Front, äh Nähmaschine, die Weihnachtskleider müssen doch fertig werden!
    Katti Rocksaum

  22. Ach du liebe Güte, und da dachte ich immer Selbermachen sie cool, dabei bin ich voll out. Naja, ich bin schon immer ein bisschen neben der Spur hergelaufen, mir ist es wurscht.
    Seitdem ich Socken und Handschuhe so stricken kann, dass man erkennt, für welchen Körperteil das Stück gedacht ist (bei Socken gibt’s manchmal Missverständnisse, aber da sie paarweise verschenkt werden ist es am Ende doch eindeutig), werden diese Sachen zu Weihnachten sehr gerne genommen.
    Bei diesem Ding was bei Nuf da am Ende des Posts gezeigt wird, kann ich allerdings verstehen, dass man nicht immer begeistert auf Selbstgemachtes reagiert. Das sieht aus, als hätte eine Katze mit Magenkrebs im Endstadium auf den Teppich gereihert. :-)
    Das Problem bei uns ist einfach dieser Perfektionsanspruch. Ich muss ALLES tun und ich muss es PERFEKT tun. Ich muss Mutter sein, meine Kinder antiautoritär ökomakroalternativbiologisch zu wertvollen verantwortungsbewussten Mitgliedern der Gesellschaft erziehen, während ich nebenbei im Vorstand einer Bank Karriere mache. Selbstverständlich muss ich perfekt kochen, ich kann doch meiner Familie keine Fertigprodukte vorsetzen. Und darüber hinaus muss ich mich mit meinen kreativen Hobbys verwirklichen, mich für die politischen Alltagsgeschehnisse interessieren, für den Tierschutz, die Frauenrechte und unterdrückte Minderheiten engagieren …

    … bei dieser Erwartungshaltung ist es kein Wunder, dass manche Leute irgendwo verweigern und sich eine aggressive Grundhaltung breit macht.

  23. Ich erinnere mich an folgende Szenen: Meine Schwägerin bekommt ihr erstes Kind, ein Mädchen, ich kaufe niedlichen Stoff, besorge mir einen Schnitt, renne kreuz und quer um ausgefallene Knöpfe zu finden, nähe mit viel Herzblut, Geduld und Spucke ein wunderschönes Kleidchen, passend ab ca. 15 Monate, schenke es ihr, am lebenden Objekt habe ich das Kleid niemals gesehen. 18 Monate später, ich bekomme meinen zweiten Sohn, meine Schwägerin überreicht mir einen Babyoverall von C & A mit den Worten: „Brauchst Dir keine Gedanken drum zu machen, dass Du mir bei der Geburt von XY nur was selber genähtes geschenkt hast und ich Dir heute diesen Overall schenke.“

    Wie doof war ich denn bloß?

    Es wird auch immer einen Unterschied zwischen der Wertigkeit von typisch weiblichen und typisch männlichen Arbeiten geben. Pflastert der Mann an drei Samstagen einen Weg: Boah!! Strickt die Frau wochenlang an einem Pullover, naja…

    Es regt mich auch immer wieder auf wie billig handgearbeitetes verscherbelt wird, z. B. kaufte ich im vergangen Jahr ein paar Stoffherzen im dänischen Bettenlager, für das Geld hätte ich weder den Stoff geschweige denn die Füllwatte bekommen.

    So und jetzt suche ich die oben zitierten Artikel
    und dann lese ich weiter bei den Näh- und Strick- und Basteltanten, jawoll!

    herzliche Grüße
    Judika

  24. Pingback: Feedreaderperlen III | cloudette

  25. Tja, das Leben ist nun mal ungerecht.
    ich dachte auch, über diese Diskussion schon mal vor ca. einem Jahr einen interessanten und ausgiebigen Post bei Dir gelesen zu haben.
    Was interessiert es mich, wie viel Zeit so manch eine/einer vor der Glotze vergeudet, während ich lieber in meinem Nähzimmer sitze. Oder, wer weiss wie oft in den Urlaub fährt. Ich bin eben lieber in meinem Arbeitszimmer.

    Dabei schreibt sie doch auch über ganz schöne Ausstellungen. Oder was meint sie, wie die Kreativität unserer Kinder angeregt wird, wenn nicht durch das eine oder andere DIY …

  26. Oh, da hab ich ja was verpasst!
    Aber solange erfolgreiche Geschäftsleute stundenlang auf dem Golfplatz sind ohne sich rechtfertigen zu müssen werde ich einen Teufel tun und mich und meine Näherei irgendwie erklären.

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