Documenta textil

Monumentaler Wandbehang, gewebt. (Goshka Macuga)

 

Hitlerteppich, 1936, gewebt. (Hannah Ryggen)

 

Gewebt und bestickt. (Alighiero Boetti)

 

Fußmatten. (Fabio Mauri)

 

Teppich. (Etel Adnan)

 

Teppiche? (Doreen Nakamarra)

Nein, gemalt, sieht aber aus wie gestickt/geknüpft.

 

Bestickter Vorhang, Detailbilder bei annekata. (Füsun Onur)

 

Logo-Mode, bei Sinn Leffers zu kaufen. (Seth Price & Tim Hamilton)

 

   

Näherei, ganz aus Holz geschnitzt (Istvan Csákány)

 

Magisches Bild mit applizierten Textilien. (Llyn Foulkes)

 

Burlesque-Utensilien. (Robbins/Vaughan)

Diese Documenta wird mir lange in Erinnerung bleiben. Jede Menge Aura, Magie, Poesie, auch im Schrecklichen. Nie zu niedlich, verkitscht oder esoterisch. Vielschichtig. Nichts für Menschen, die immer alles ganz genau wissen (wollen). Sehr menschenfreundlich und hoffnungsvoll.

Auch sehr intellektuell im Hintergrund, aber darum braucht man sich nicht zu kümmern. Es reicht, wenn man ahnt, sich Zeit lässt, der Intuition folgt.  Aus dem Katalog, leider etwas verquast:

„Vielleicht“ steht für eine Haltung der Skepsis, eine Form der Befragung, die sich einstweilen des Urteils enthält, um so Wege zu bahnen, auf denen sich unerwartete Erfahrungen zu Bedeutung entfalten.

Viele Denkanstösse! Eine Freiheit habe ich dadurch schon einmal gewonnen: In meinem Blog kann ich nacheinander seicht, albern oder abgehoben sein. In dem, was ich erforsche,  beschreibe und schaffe braucht keine rote Linie und kein Konzept zu sein. Es ist doch Teil des Ganzen, ganz von allein. Darauf kann man ruhig vertrauen.

Noch bis zum 16. September.

13 Kommentare

  1. Irgendjemand hat wohl verfügt, dass Katalogtexte generell so zu verfassen sind, dass man sie immer mindestens zwei Mal lesen muss, um sie zu verstehen. Aber man/frau kann natürlich auch so schreiben, wie du. Finde deinen letzten Absatz wunderbar in dem was und wie du es sagst!

  2. Danke, dass du uns mitgenommen hast! Schon deine Auswahl macht neugierig und Lust auf mehr. (Das erste Foto ist ja gigantisch! Und die Landkarte finde ich toll. Das wäre direkt etwas, dass man auch als Nicht-Künstler umsetzen könnte.)
    Und was du über das Bloggen schreibst widerspricht zwar allen „Regeln für erfolgreiches Bloggen“ :-) aber es klingt genau richtig. Das Leben ist so vollgestopft mit irgendwelchen Regeln, dass man doch froh sein kann über jeden Ort, an dem man die Regeln selber bestimmen darf.

    Viele Sonntagsgrüße von Kirstin

    • „Das Leben ist so vollgestopft mit irgendwelchen Regeln, dass man doch froh sein kann über jeden Ort, an dem man die Regeln selber bestimmen darf.“

      Absolut! Dem ist nichts hinzuzufügen.

  3. Ja, gut gesagt. Und gilt das nicht für alle Lebensbereiche? Es wird immer verlangt, man müsse sich gleich nach der Schule für irgendetwas entscheiden und dann stringent eine Karriere „verfolgen“ und das ganze Leben dabei bleiben. Künstler sollen ein „Werk“ schaffen, ihren Stil „entwickeln“. Ist das nicht die Logik der Ibis-Hotelkette? Gib den Leuten, was sie erwarten. Unter dem Gesichtspunkt der ökonomischen Verwertbarkeit das Geheimnis des Erfolgs, aber nur dort. In diesen Regeln für „gutes“ (=ökonomisch erfolgreiches?) Bloggen wird vorgeschlagen, der Blogger solle sich ebenso zur Marke machen wie ein Fastfoodprodukt. Ich will aber gar nicht der Big Mac des Bloggens sein, jeden Tag gleich, sondern ein mit Sorgfalt selbst gekochtes Menu, wo durchaus mal der Kuchen zusammenfallen kann… Mit der documenta hat das jetzt nicht mehr viel zu tun, aber man zieht sich ja immer das heraus, was einen im Moment besonders anspricht. Wenn ich deine Bilder sehe, finde ich es sehr schade, dass wir die documenta dieses Jahr nicht eingeplant haben. danke für Bilder & Denkanstoß am sonntag Morgen.

    • Der Bogen zurück zu Documenta klappt auch: Documenta-Besucher, die offenbar aus der traditionellen Kunstszene stammten, schienen mir durchweg unzufrieden. Auf dieser Documenta geht es eben gar nicht um bekannte Namen, Marktwert, Einordnung etc., das spielt gar keine Rolle. Es ist auch kein Stück exklusiv, im Gegenteil, Durchschnitts-Menschen, die mit Kunst sonst nichts zu tun haben, machen dort die Führungen. Der Begriff „Künstler“ ist komplett aufgeweicht. Raum haben die, die ein Anliegen haben und nicht die, die bekannt werden wollen. Für mich sehr erholsam, aber eben verstörend für alle, die es sich in dem herkömmlichen Wertesystem eingerichtet haben.

  4. Wie schoen, es ist als haette ich die documenta zwei Mal besucht. Die „songline“ Gemaelde fand ich besonders schoen; ich hab selten ein so intensives „Seherlebnis“ gehabt, als erwachten die Linien zu Leben und einer wunderschoenen Landschaft. Ralf hat recht, man kann’s nicht besser sagen als Kristin…..ein grosses Hurra auf Blogs wie deinen, deren Autoren die Regeln selber machen!

  5. Ich habe einen Packen Blockwanderungen nachzuholen und habe mich gleich bei dir verloren, nein versenkt stimmt wohl eher. Vielen Dank für Deinen Bericht. Ich war leider noch nie auf der Dokumenta, kenne sie nur aus Berichten und bin baff erstaunt über die diejährige textile Fülle. Oder ist es schon immer so, nur die oft männlichen Berichterstatter geben diesen Dingen den geringsten Raum? Vielleicht auch eine Zeitgeistgeschichte, mir war kürzlich aufgefallen, dass immer mehr Männer
    durch Mischtechniken Textiles benutzen.im Porzellan und in der Keramik ist es z.Z. auch sehr präsent.
    texturierte Grüße kaze

    • Eigentlich war es gar nicht so textil, ich hatte mir nur vorher vorgenommen, die textilen Sachen hier zu dokumentieren. Das Thema Teppich (wohl wegen der Parallelen zum Nahen Osten) z.B. kommt immer wieder, sogar in Form von Bildern, die auf dem Boden liegen, siehe oben.
      Im Nachhinein wird meine Zusammenstellung dem Ganzen nicht gerecht, denn es geht gar nicht mehr um Materialien und die Einordnung von Künstlern bzw. „Teilnehmern“, wie sie auf der documenta heißen, Es geht um die Idee, die Empfindung, Vision für die Welt – hört sich so blöd an, aber bei mir ist das Anliegen angekommen.

    • So schön, was du da machst – behalte das Buch auf jeden Fall noch!
      Vielleicht sehen wir uns ja nächstes Mal und können über die documenta reden.

  6. Ich hinke ja mal wieder ganz schwer hinterher, aber die Bilder von der documenta finde ich auch beeindruckend, und finde es erst jetzt richtig schade, nicht dort gewesen zu sein. Das hätte mir bestimmt doch gefallen.

    Und allen vorigen Kommentarbeiträgen zum Wert des Anders- und Freiseins in Blogger- und andern Lebensbereichen kann ich nur aus ganzem Herzen zustimmen!

    Ich finde die Mischung in deinem Blog wirklich toll.
    Und ich werde vermutlich nie, nie, nie das Blog schreiben können. Seltsam.

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