Stoffmanipulation im März – Wild Gerändert, Pilling sei Dank

Nach einigen fruchtlosen Versuchen habe ich mich in diesem Monat nur noch an die Anweisung gehalten, Spaß zu haben. Spaßfördernd war die Nutzung (für mich) nicht besonders wertvollen Materials. Ich finde, nichts hindert mehr am Loslegen als die Furcht, einen teuren Stoff, ein wertvolles Papier,  ein seltenes Garn oder ähnliches möglicherweise unwiderbringlich zu zerstören.

Es traf sich also gut, dass ich im schönen Laden Siebenblau Molton kaufte, mit dem ich eine Decke füttern wollte.  Meine Tochter fand das Stoffstück aber so kuschelig und trug es ständig umgehängt, dass ich beschloss, es ihr „pur“ als Decke zu überlassen. Es fehlte nur eine Umrandung.  Selbstgepatchtes Schrägband stellte ich mir vor.  Aus der ersten Wäsche kam das Moltonstück dann so gepillt hervor, dass ich es gar nicht ansehen mochte.  Ich hasse Pilling, über diese Marotte muss ich vielleicht mal extra bloggen. Die Tochter fand die Decke dagegen genau so schön wie vorher, Umrandung war ihr egal.

Da nahm ich mir die gepillte Decke und eine Plastiktüte mit abgeschnittenen Stoffrändern, Nahtzugaben und Fäden.  Die hatte ich nie weggeworfen sondern immer gesammelt, irgendein Potential witternd. Inspiriert von den schon erwähnten Büchern Stitch Magic und Inspirationen für Textildesign begann ich, den Tüteninhalt an den Rand des Moltons zu nähen. Je nach Laune schnitt, raffte, faltete und kugelte ich das Abfallmaterial.

Ich zeige ein paar Varianten:

Die Fadenkügelchen sind mit Zickzackstick aufgenäht, teilweise zusammen mit Webkanten oder gedrehten Stoffstreifen. Auch die beim Waschen ausgefranzten Moltonfäden verwendete ich, garniert mit roten Fädchen.  Wollfäden ließen sich ebenfallss gut einreihen.

Diese Overlock-Reste stammen aus den Papierkörben beim Nadelwald. Eine schöne Erinnerung an unsere Quilttreffen!

Das Stück in Orange ist eine Webkante, beim Nähen jeweils nach oben und unten zum Dreieck gefaltet.

Die meisten Stoffstreifen habe ich nach Gefühl laufend hin und her unter das Füßchen geschoben und mit Geradstich festgenäht.  Ich habe nichts vorher geheftet, sondern einfach losgelegt. Das hat vorschriftsmäßig großen Spaß gemacht.

Allerdings muss ich sagen, dass mich das Endergebnis nicht wirklich überzeugt. Es ist eben ein Probierstück, und so wirkt es auch. Die Decke liegt jedenfalls auf unserem improvisierten „Daybed“ (jaja, sowas brauchen wir).

Ein gutes Ergebnis hatte die Aktion auf jeden Fall: Ich konnte mich von meinen Stofffitzelchen und Fadenabschnitten trennen.  Tatsächlich, sie sind im Papierkorb, mein Nähkränzchen wird es nicht glauben.

(Allerdings habe ich den Korb noch nicht gelehrt. Eventuell könnte man ja noch etwas mit den Resten ausstopfen, einen Pouf zum Beispiel. Oder so einen Pompon machen? Hmm)

Das war mein Beitrag.

Hier wurde in diesem Monat noch mit Stoff experimentiert:

Annekata  stichelt mit zarter Hand eine Teetasse für Feen

Griselda verziert ein Feengewand und kräuselt in vielen inspirierenden Varianten

Ferulita  steuert die Blüte für Feen aus einem alten Saristoff dazu bei

Tinistaschen  zeigt, wie man Falten so  festnäht, dass überraschende geometrischen Effekte entstehen

Siebensachen war schon vor Kurzem wieder auf Alabama Chanins Spuren und hat jetzt Trapunto probiert, ebenfalls sehr inspirierend!

Frifris hat ihr fertiges Samtkissen inzwischen auch gezeigt

Bei Nahtzugabe ist dann Schluss mit Feen, ihr findet einen Vorgeschmack auf den Tatort!

Tally hat nun endlich eine textile Monatsseite für April

Augusthimmel kommt vom Modelfoto zu einer applizierten Leinendecke

(und ich falls jemand eine bessere deutsche Übersetzung für „manipulating fabric“ findet, kriegt er einen Orden von mir)

Karen hat jetzt ein gerüschtes Kofferradio

Frifris   reicht ihr regelmäßig geschlitztes T-Shirt nach, unbedingt noch angucken!

(Liste wird ergänzt, meldet euch, wenn ihr euch hier nicht findet)

.

In vier Wochen, am Sonntag,  29. April 2012 folgt dann der nächste Schautag. Wer Lust hat, macht mit!

25 Gedanken zu “Stoffmanipulation im März – Wild Gerändert, Pilling sei Dank

  1. ;-) ;-) :-D

    Du kriegst auch Eignungs-Praedikat „tauglich fuer Australien“* (= in ca.: aus ‚Nichts‘ auch noch etwas machen koennen!)
    Ich find‘ das ‚Nichts-Ding‘ aber koestlich!

    Liebe Gruesse
    Gerlinde

    * bei Auswanderungs-Absichten im Antrag bitte angeben! ;-) ;-) :-D :-D

  2. Die Decke sieht herrlich aus.
    Ich bin völlig begeistert über eure inspiriernde Aktion (konnte mir am Anfang darunter überhaupt nichts richtiges vorstellen) und von den Ergebnissen im Einzelnen sowieso.

    Was ich nicht verstehe ist, dass du dich jetzt von deinen Stofffitzelchen trennen magst- gerade jetzt! Dein Experiment weckt in mir jetzt viel mehr den Trieb, jedes Fetzchen doch noch aufzuheben….

    LG
    Wiebke

  3. Mir gefällt das Ergebnis gut, mal ein zarter Hingucker und nicht spektakuläre Muster und Farben.
    Und ich bekomme Anregungen, was ich mit meinen Fitzelchen anfangen könnte.
    Danke fürs Zeigen.

  4. Auch wenn dich das Ergebnis jetzt nicht überzeugt (warum eigentlich nicht?), ich finde diese bunte, fädige, knubbelige, rüschige Kante sieht ganz herrlich aus. Vor allem stelle ich mir vor, dass die Decke nach ein paar Wäschen noch gewinnt: die Fäden vom Rand werden sich etwas verfilzen und verpillen, damit wäre Pilling dann kein Störfaktor mehr, sondern ein bewusst eingesetztes Mittel.

    viele Grüe! Lucy

  5. Faszinierend, was du aus „Abfällen“ (das ist es ja wohl) gemacht hast. Ich glaube, ich wäre nie auf diese Idee gekommen (was wahrscheinlich daran liegt, dass ich solche Dinge nicht aufhebe). Selbst wenn dir dieses Ergebnis nicht 100%ig gefällt, ist es ein Anfang für vielleicht Kommendes. Danke für die Anregungen.
    LG
    Siebensachen

  6. Man soll nix wegschmeißen … :-) Unglaublich, was du aus den Miniresten gezaubert hast. Ich sammel ja auch viel, aber auf die Idee köme ich erst gar nicht. Ein faszinierendes Einzelstück !!

  7. Molton pillt doch immer, oder? Ist das nicht das Material, mit dem man (oder besser: meine Mama und Oma) Silber putzt? Ich finde die Decke super toll! Das ist doch mal eine ganz neue Patchwork/Einfassbandidee vor allem mit den Wollfaeden. Sieht wunderschoen aus auf deinem Daybed!

    • Molton war bisher für mich auch nur ein Unterstoff, z.B. zum Schutz von Matratzen oder Tischplatten. Im Laden war das aber so fein und weich, dass ich dachte, Bio-Molton ist vielleicht anders nutzbar.

  8. Tja, warum überzeugt mich das Ergebnis nicht? Das sind wohl die Grenzen einer Darstellung im Blog. So als Einzelfotos finde ich die Ränder auch schön, aber wenn man die Decke in der Hand hat, denkt man: Da hat wohl jemand sein Abfallkörbchen angenäht. Eigentlich müsste man sich bei sowas für eine der vielen Möglichkeiten entscheiden und den ganzen Rand dann so gestalten, oder wenigstens regelmäßig die Techniken und Farben wechseln. Das ist wohl so wie der Weg von einer lumpigen Flickendecke zum kunstvoll gepatchten Quilt.
    Deshalb sind die letzten Reste auch im Papierkorb, aber, wie gesagt, die sind ja noch nicht weggeworfen.

  9. Schade, dass dir das Ergebnis nicht so gefällt, ich finde es sehr schön und eine sehr passende Umrandung – klein, aber fein. Was magst du denn daran nicht? Vielleicht sieht man als Macherin immer noch eher den verwerteten „Abfall“, und als jemand, der nur draufguckt, sieht man eher das Ganze. Oder war die Tochter mäkelig?
    Puh, und ich wollte wirklich nicht auf den Pomponlink drücken und hab’s dann doch getan. Nein, nein, nein, ich hebe diese Streifen jetzt nicht auch noch auf! ;)

    Haha, Frühstück bei Stefanie wie immer genial…
    Apropos, sehr abseitig (und damit gut) fand ich auch die Thematik „Dienstvilla“.

    Meinen link gibt’s morgen, ich bin die vergangenen zwei Abende auf der Couch eingeschlafen und hinke der Zeit etwas hinterher. Fieserweise hatte der Tag heute ja auch noch weniger Stunden und schönes Wetter.
    Angesichts der schönen, feinen Dinge vielleicht ganz gut, dass mein eher gröberer Klotz morgen kommt, ich kann schon mal verraten das es ein (manipuliertes) T-Shirt wird (werden soll).

  10. Nee, der Tochter ist es weiterhin egal, sie hat die Decke nun wieder auf ihrem Bett. Ich zeig das Werk mal Lucy in echt, dann soll sie urteilen, ob ich überkritisch bin.
    Bei Molly Chicken (der Pompon-Link) ist es immer sehr lustig, leider bloggt sie schon lange nicht mehr.
    Freue mich auf den groben Klotz!

  11. OK, die Fotos sind sehr überzeugend und auch deine Tochter ist ja wohl glücklich.
    Du kannst also eigentlich auch zufrieden sein, zumal du auch sehr sympathisch deutlich gemacht hast, dass man sogar aus Overlockabfällen noch kreativen Spaß ziehen kann.
    Krativität kennt keinen Abfall.
    Tonschreben von Müllhalden, vertrocknete Hortensienblüten, Wollreste- alles ist möglich und mit dem richtigen Ansatz überzeugend verwertbar.
    Himmel, wohin führt das noch?

    Und das mit der kreativen Blockade bei wertvollen Materialien, das kenne ich auch nur zu gut. Gerade deshalb ist Refashion auch so befreiend, aus Nichts etwas zu schaffen ist viel beglückender als mit phantastischen Designerstoffen einen Vollkaskoquilt zu nähen.

  12. Ihr – vor allem Suschna – werdet mich jetzt vermutlich wirklich erschiessen, wenn ich es jetzt wage zu sagen, dass ‚das‘ schaetzungsweise ein typisch(er)es ‚DEUTSCH-Tum‘ ist: nicht ordentlich genug!

    Aber gut: so sind eben alle Nationalitaeten irgendwie an einem gewissen sich langsam und ueber Jahre aufgebautem ‚Stereo-Typ‘, aeh, ‚indentifizierbar‘.
    Was glaubt Ihr, in welchem Dilemma ich mich hier ab und an befinde:
    zwar absolut nicht ‚ausreichend‘ deutsch ordnungs- und qualitaets-liebend‘, aber dann doch oefter als oft heftig grinsen muessen ueber den Einfallsreichtum hier in OZ. Wenn etwas schneeell repariert werden muss und passendes Material aber absolut weit und breit und fuer seeehr lange Zeit nicht erhaeltlich ist.
    Bevor dann der Ablauf der ’seeehr langen Zeit‘ eine vernuenftige Reparatur zuliesse, sind schon wieder 5 andere Reparaturen an anderen Ecken angefallen; wurden ‚gefixt‘ und der Gesamteindruck ist dann zu diesem Zeitpunkt schon a) entweder als schlampig ab zu tun (wenn man seinen eigenen einen Deut besseren Mass-Stab zugrunde legt) b) mit etwas ‚Romantik‘ dann als ‚lived Patchwork‘ zu werten.

    Na ja, auf der anderen Seite: ‚dies‘ ist wohl u.a. ein Grund, warum wir in andere Lande zum Urlaub machen gehen. Frage mich nur klamheimlich, wieso wir dann immer so tunlichst drauf bedacht sind, die Welt auf ‚einheitlich‘ zu trimmen mit ‚one-size-fits-all‘ Systemen auf sehr vielen Ebenen! (gruebel gruebel)

    PS: Ihr seid meistens ‚auf meinem Meridian‘; mir geht nur ab und zu (auch; einige jammern da ja so wie ich: sooo viel koennte/wollte man tun) die Zeit aus. Wuensch Euch eine gute Sommerzeit-Umstellung (war wohl an, oder?) und der Blogbesitzerin wieder mehr geregelte ‚Bett-Federn-Parties‘ mit reduzierteren ’senilen Bettfluchten‘ (das ist erst ‚moralisch erlaubt‘, wenn Du auch am Nachmittags zu Deinem ‚Granny-Nap‘ kommst!!! )
    ;-) :-)

  13. Wow, was man aus Fitzelchen noch alles machen kann! Gefällt mir sehr gut!
    Jetzt weiß ich auch, warum ich nichts wegwerfe! Ich habe auf deine Inspiration gewartet! Danke!

    GLG Karin

  14. Ich find diese Deckenumrandung witzig und munter!
    Ich heb die Zuschneidereste nun auch schon ein Weilchen auf, mit dem Ziel, mal „Patchwork-Elemente“ damit zu flechten…mal sehn, ob das je was wird…..

  15. Fotos sind wirklich überzeugend, aber ich weiß auch, wenn man so selbst ein Murmeln im Bauch hat…Vielleicht kannst du dem abhelfen, wenn es noch dichter ist, also eine Runde knapp daneben noch mal Spaß haben. Dann sieht es evtl auch mehr nach Absicht .aber wenns Töchterechen glücklich ist, dann darfst du auch!
    Die Hemmschwelle beim Schneiden edler Materilaien, kann man nach meiner Erfahrung nur durch Zeit oder Vielnäherei in den Griff bekommen. mir geht es auch so und ich habe Stoffe, die vor 20 jaher so teuer und selten waren, das ich sie benutzt habe. Jetzt sind sie mehr oder weniger aus der mode und ich habe nicht mehr diese Schwelle. Und dazu kommt das Wissen, auch wenn es schief geht, was anderes geht trotzdem und wenn es ein Deckenrand sein sollte!
    Wiederverwendbare Grüße von Karen, die immer hier belächtelt wird, weil sie Fitzelchen jeder Art aufhebt.

  16. bin jetzt erst auf deinen blog aufmerksam geworden. Die Frage nach einem angenehmeren Begriff für „Stoffmanipulation“ hat mich beschäftigt. Wie wäre es mit „Stoffkniff/e“ oder „Handtieren mit Stoffen“. Stoffkniff macht mich irgendwie an, weil es noch diese doppelte Bedeutung mit dem Kneifen des Stoffes hat. Mal sehen, vielleicht rauscht mir noch was anderes durchs Hirn ;o)
    Grüße
    Ulrike

  17. Pingback: Stoffspielerei im Juli: Kettennähen | Suschna

  18. Pingback: Stoffspielerei im Februar: Gestickte Chenille | Textile Geschichten

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