Liebling, ich hab die Pullover geschrumpft…

…naja, soweit sie sich denn schrumpfen ließen. Ausgangsmaterial waren drei Waschmaschinenladungen Wollkleidung, die bei 60 Grad Buntwäsche gewaschen und trocknergetrocknet wurde.  Aus dem Ergebnis ist unter anderem diese Decke entstanden.

Meine Lehren:

Ca. 70 Prozent der „Wollkleidung“ (Pullover, Hosen, Jacken, evtl. auch Mischgewebe) kam aus der Behandlung völlig unbeeindruckt wieder heraus, auch solche Kleidungsstücke, die ich jahrelang brav mit der Hand gewaschen oder zur Reinigung getragen hatte.

Wenn es denn filzt: Mehrmaliges Waschen verstärkt den Filzeffekt, Mottenlöcher filzen zu, Damenpullover erhalten Kindergröße und finden so neue Abnehmer.

Eine Decke aus Filzlumpen sieht wie eine Lumpendecke aus, wenn man sie planlos zusammennäht.  Wenn man dann alles wieder auftrennt und mit einem abstrakten Plan erneut zusammenfügt, wird es nicht viel besser:

Man begreift also endlich, warum es traditionelle  Patchworkmuster gibt und entscheidet sich für das „Stacked Coin“-Motiv, gestapelte Geldstücke. So wird das Deckentop annehm- und verschenkbar. Allerdings erweist sich das Füttern mit einem alten Bettbezug als genauso schwierig wie immer – alles wellt und verzieht sich.

Egal, für den Moment reicht es, und das gute „Deckengefühl“, von etwas umhüllt zu sein, in dem viel Liebe steckt, entsteht trotzdem.

Und ja, ich habe auch aus alten, einsamen, löchrigen Socken eine Decke gemacht! (Dieses Vorhaben löste vor einiger Zeit Entsetzensschreie in meinem Nähkränzchen aus).  Leider eignet  sich die Sockendecke  im Moment lediglich als Umhang für ein Hexenkostüm. (Auf dem Foto sieht sie merkwürdigerweise gar nicht so schlecht aus, aber in echt…)  Wer weiß, mit dem richtigen „Binding“ und „Backing“ oder etwas Stickerei wird sie vielleicht noch ganz interessant.

 

Zur Weiterverarbeitung von gefilzten Pullovern hatte mich Lucy hier  und hier animiert, dort findet ihr weitere Links. Das nächste Mal würde ich die Filzdecke wahrscheinlich eher wie diese hier bei Purl Bee machen. Aber dazu brauche ich einfach noch viel mehr Filzerfolge mit der Waschmaschine. Ich bleibe dran – so lange  hier in Berlin alles furchtbar kalt und hartgefroren ist, kann man gar nicht genug Decken haben.

Danke auch noch einmal für die vielen guten Gedanken zu meinem letzten Eintrag, ich habe mich über jeden Kommentar und jede Mail sehr gefreut!

 

 

 

10 Gedanken zu “Liebling, ich hab die Pullover geschrumpft…

  1. Das stack coin Muster gefällt mir gut – ein Quilt aus alter Wollkleidung ist richtig traditionell. Ich habe gleich mein Buch geholt und einige Quilts aus alten Wollhemden und alter Armeekleidung bewundert. Diese sind allerdings aus dem späten 19. Jahrhundert. Mit Wolle wärmt die Decke sicherlich gut und gibt ein wohliges Gefühl.

  2. Die Decken-Endfassung finde ich ganz großartig mit diesem strengen Muster, erinnert mich an Amish-Quilts, die ja auch oft aus Wolle und in dunklen Farben sind. Die Sockendecke könnte eine Ordnung auch gut vertragen, denke ich, aber sicherlich kommt dir irgendwann die richtige Idee, wie das Material zu ordnen wäre. Eventuell sowas im Stil der „penny rugs“ mit handapplizierten Kreisen?

    viele Grüße, Lucy (deren alte Pullover zum Teil auch aus der 60-Grad-Wäsche hervorgegangen sind, als wäre nichts gewesen. Ich fühle mich veralbert!)

  3. Jetzt fang du auch noch an! Bei Lucy hatte ich ja schon über die vielen Ideen gestaunt, dann gleich den Pullover-Stapel meines Mannes durchforstet und heimlich „Schätze“ (dass man kanarienvogelgelbe Pullis so nennen könnte…) beiseite geschafft… Denn irgendwann, irgendwannn, wenn ich mal dazu komme, mache ich bestimmt etwas Tolles daraus. Ähm, ja: Bestimmt!
    Danke für die Info, dass das Filzen gar nicht immer so leicht geht, wie man vermuten dürfte. Ich kann da nur die Info zurück geben, dass sündhaft teuere Wollunterwäsche für Kinder und Babys schon filzt, wenn man sie nur streng ansieht…
    Liebe Grüße
    Katharina

  4. Na, wenn 70 Prozent ohnehin keine compliance zeigen, braucht es mich nicht länger zu verstimmen, dass ich nie + nirgends im 2.Hand-Laden mal was aus Wolle zum Verfilzen finde… – die geordnete Klarheit des Musters ist sehr ansprechend…

  5. Die Decke ist sehr schön, ich denke angeregt durch die „Filzerei“ in den verschiedenen Blogs auch schon über das Filzen nach. Leider habe ich früher Pullis die ich unabsichtlich gefilzt hat immer gleich weggeworfen und einen sogar mal umgetauscht und im Moment habe ich nichts was sich eignen würde.
    Die Sockendecke schaut am Foto nicht so schlecht aus aber die ander ist echt toll.
    Liebe Grüße
    Teresa

  6. Im Moment würde ich sagen, dass glatte „hochwertige“ Wollpullover, die etwas Glanz haben und kaum Pilling zeigen, eher nicht filzen. Anzugstoffe filzen auch eher nicht, Mischgewebe ebenfalls nicht. Man müsste wohl am besten nach Handgestricktem aus reiner Wolle suchen. Oder eben nach Kinderstrick – wir haben hier einige Puppenjäckchen, die eigentlich mal Kindergrösse hatten.
    Das mit dem Pennyrug ist eine gute Idee. Wenn ich einen Teppich daraus mache, käme Fuß wieder zu Fuß, sozusagen.
    Die Quilts aus Armeekleidung finde ich auch ganz toll.

  7. man, das ist ja ein Berg Arbeit gewesen, sammeln, filzen, verschiedene varianten Nähen. Herrlich! Es sier so korrekt aus, dass ich nie gedacht hätte, dass es Pillover waren. Ist die Decke nicht irre schwer?
    Eine Einsamgebliebenestrumpfdecke ist natürlich ne geniale Idee!
    Ich finde nur immer, wenn man es will, filzt es nicht und aus Versehen ganz gemein doll.
    Ein total mottenlöchrigen MaxiRock habe ich noch, den werde ich mal zwangsfilzen. Vielleicht ist er dann mini und lochlos.
    filzinfizierte Grüße von Karen

    • Die Decke ist gar nicht schwer, wie eine normale Wolldecke eben. Von Nahem betrachtet sieht sie gar nicht korrekt aus, aber zum Glück gibt es ja schummriges Licht und gnädige Digitalfotografie. Das mit dem Maxirock könnte klappen!

  8. Tolle Decke, auch schon angesichts der Berliner Temperaturen jetzt. ICh bin nun , wie ich schon bei Flo im Blog andeutete, überzeugt worden von der sinnvollen Anwendung alter Muster. Es sieht einfach klasse aus und äußerst zeitgemäß, weil so nachhaltig. (ulkiger begriff, passt aber fast immer)
    Und wenn ich jemand zutraue aus der Halbeneinsamensockendecke noch was Kuschliges zu kreiieren, dann dir Suschna. Bin gespannt.
    liebe Grüße Carmen

  9. Pingback: Du kriegst die Motten? | Textile Geschichten

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