Maschinengezeichnet

Einige haben es ja bei meinem letzten Blogeintrag schon angesprochen: Die schwarzen Nählinien auf dem Stoffdruck bewirken viel. Ich hatte auch noch diese kleine Tasche gefertigt:

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und bin dann richtig auf den Geschmack gekommen. Das kam durch mein Lieblingsbuch von James Krüss „Die glücklichen Inseln hinter dem Winde“, das ich meiner Tochter gerade vorlese. Ich habe noch die Ausgabe aus meiner Kindheit mit den Illustrationen von  Eberhard Binder-Staßfurt.  Diese Illustrationen sind wie geschaffen dafür, sie mit Maschinennähten fortzuführen.

Inspiriert habe ich gleich diese Tasche maschinengezeichnet und -genäht.

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Immer mal wieder hatte ich zum Thema „Freies Maschinensticken“ herumgelesen, Filme auf Youtube geschaut und alles mögliche ausprobiert.  Es gibt zig Vorgehensweisen, aber für mich klappt diese am besten: Ich versenke den Transporteur an der Maschine.  Ansonsten bleibt alles wie beim normalen Geradeausnähen, auch der ganz normale Nähfuß bleibt (ich habe sowieso keinen anderen).  Für diese Fadenzeichnungen habe ich sehr festen Leinwandstoff genommen, den ich mit beiden Händen festhalte und unter dem Nähfuß frei hin und her bewege.   Mir gefällt, daß ich dabei auch ganz chaotisch und intuitiv arbeiten kann, dem Eigenwillen der Stiche folgend. (Sobald ich zwischendurch gerade Linien machen möchte, hebe ich den Transporteur allerdings auch mal wieder an.)

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Diese Zeichnung habe ich für ein kleines Täschchen verarbeitet, weil ein Kind die „Gartenzauntasche“ ganz oben so schön fand und ich sie und ihre Geschwister beschenken wollte. Beim Nähen ist mir aber aufgefallen, daß diese Käfigszene ein bißchen traurig ist. Ich glaube fast, der Schulkummer, den wir hier gerade haben, ist hineingeflossen. Vor dem Käfig flattert jedenfalls eine hilflose Mutter.

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 Die Rückseite sah so aus:

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Dies hier könnte ein verwaister Schulhof sein:

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Die Rückseite wäre puristischer gewesen.

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Nun bin ich froh, diese Ausdrucksmöglichkeiten gefunden zu haben. Meine Lust zu Nähen trifft auf meine Lust zu Zeichnen.

Wie ich weiß, habe viele von euch Interesse am Maschinensticken. Ich würde mich freuen, von euren Erfahrungen zu hören, vielleicht können wir ein bißchen fachsimpeln. Tally hat ja auch schon einmal einen Kurs gemacht, und Lucy wollte eine Monatsseite in dieser Technik probieren, darauf freue ich mich.

22 Gedanken zu “Maschinengezeichnet

  1. Das Käfigbild ist tatsächlich recht traurig (bezeichnend, dass der Vogel im Käfig den wehrbereiteren Schnabel zu haben scheint…)
    Ich experimentiere ja auch mit free motion herum, mit Stickfuß (für steile ca. 20 €), das Füße-An- und Abschrauben freilich ist nervtötend (hier zeigen sich die Nachteile einer preiswerten Nähmaschine, nehme ich an…) -die Anregung, es mit dem Normalfuß plus versenktem Transporteur zu versuchen, kommt mir daher wie gerufen… – ich nehme Nähgarn, aber auch gern Madeira Maschinenstickgarn, weil es so angenehm fein + seidig ist – oder oben Madeira, unten normal, da wird dann das normale etwas mit raufgezogen…

  2. Die Taschen sind wunderschön, besonders die zweite von oben und die Käfigszene (auch wenn die ein bisschen „traurig“ ist.. ich würde eher melancholisch sagen:)).
    Da ich keine leider keine Hightech-Stickmaschine habe und per Hand sticken auch irgendwann nervt, ist die Technik, wie Du sie beschrieben hast eigentlich die ideale Lösung- danke dafür :)

  3. Hi Sushna,
    du gibt mir den notwendigen Schubs, am Wochenende endlich die im und nach dem Kurs entstandenen textilen Seiten zu photographieren und zu zeigen. Für’s erste habe ich auf meinem Blog die Posts, die so etwas zeigen, getaggt mit „freies Maschinesticken“.
    Im Gegensatz zu Ger liebe ich wie beschrieben den Stickfuß. Der Wechsel geht an meiner Maschine weder besonders leicht, noch besonders schwer. Ich muss halt sehr ruhig dabei bleiben.

    Deine Werke sind genial.
    Ja, die Käfigszene ist sehr ausdrucksstark und den verwaisten Schulhof könntest du demnächst auch bei uns aufhängen.

    Zwei Lüste miteinander zu verbinden, ist optimal und ich bin immer glücklich und zufrieden, wenn es mir gelungen ist.

    Herzliche Grüße
    Tally

  4. Das sind großartige Nähmaschinenzeichnungen. Gerade der (ja, melancholische) Vogelkäfig erinnert mich an Zeichnungen aus den 50er Jahren, auch an Buchillustrationen. Ich glaube diese James-Krüss-Ausgabe habe ich früher auch gelesen (allerdings aus der Leihbücherei).
    Ich habe auch kein spezielles Füßchen fürs Sticken, da ältere namenlose Maschine. Die Anleitung empfiehlt, ganz ohne Fuß zu sticken bzw. zu stopfen, das geht aber nur mäßig gut, daher werde ich das jetzt auch noch mal mit Fuß probieren. Mir scheint das wichtigste ist, so einen „Flow“ zu erreichen – sobald ich zu sehr drüber nachdenke, verhakt sich irgendwas und der Faden reißt. Mal sehen, im Moment ist das Wetter noch zu gut, als dass ich viel zum Experimentieren komme.

    viele Grüße, Lucy

  5. Könntet ihr noch sagen, was die Vorteile eines Stickfußes sind? Zum einen hat man wohl bessere Sicht auf die Stickerei als bei einem normalen Nähfuß. Aber sonst? Für einen Quilt ist sicher gut, daß der Stickfuß im Druck variabel ist (oder?), aber das wäre dann doch für so eine Zeichnung auf festem Stoff egal?
    Ganz ohne Füßchen habe ich es auch probiert, aber dann wird der Stoff immer nach oben gerissen, ich bräuchte also einen Stickrahmen, und das ist mir schon wieder zu unfrei.

  6. Der Stickfuß übt wohl immer nur einen Moment Druck aus und geht dann wieder hoch – ich nehme an das ist ein Zwischending zwischen Normalfuß und gar keinem Nähfuß. Ohne Fuß funktioniert so schlecht, weil der Stoff dann von der Nadel immer mit hochgezogen wird (es sei denn man spannt ihn in einen Stickrahmen ein, aber das ist ein elendes Gefummel). Der Stickfuß sorgt wahrscheinlich dafür, dass der Stoff nicht mit hochgezogen wird, wenn die Nadel hochgeht und man hat trotzdem mehr Bewegungsfreiheit mit dem Stoff als mit dem normalen Nähfuß.

  7. Jetzt hast Du so schöne Dinge umgesetzt, die mir ähnlich auch vorschweben, aber anscheinend bin ich in der Umsetzung eine Schnecke! Vielleicht träume ich zuviel. Zeichnen mit der Maschine finde ich Klasse und gefällt mir besonders gut, da ich eher zum Grafischen tendiere , als zum Malerischen.
    Die Tasche mit dem braunen Karofutter würde ich sofort nehmen ! Klasse!
    Zum Sticken müßte sich aber schon der Knopfannähfuß eignen. Das will ich auch unbedingt ausprobieren.
    Binderbücher habe ich geliebt und von Krüss habe ich Tim Taler x mal gelesen.

    Viele Grüße Karen

  8. Der Vorteil ist, dass du ganz frei vorwärts und rückwärts und seitswärts und quer nähen kannst, ohne dein Nähstück zu drehen.
    Es bleibt immer „normal“ unter dem Nähfuß und du schiebst unter dem nicht ganz abgesenktem Fuß den Stoff frei herum.
    Das ist die große Freude. Und die Erleichterung nicht nur beim Zeichnen sondern auch beim Applizieren von gewissen Teilen, bei mir Spitze.

    Ich kann es nicht ohne:
    Noppenhandschuhe (für wenig Geld im Pferdebedarf fürs Longieren, einfach fragen, ich habe davon keine Ahnung, Tipp habe ich von meiner Kursleiterin).

    Mein Problem:
    Ich kriege an meinem Gaspedal die Ferse nicht auf den Fußboden,nähe sozusagen freischweben. Total anstrengend.

  9. Meine 49 Jahre alte Nähmaschine hatte damals wohl serienmäßig einen Stick und Stopffuß dabei. Damals war das wohl noch viel gängiger als heute. Und er wechselt sich ganz einfach in 10 Sekunden :)
    Der Fuß ist bei mir quasi federnd gelagert und hält das Stickstück unten ohne Druck auszuüben. So lassen sich wirklich enge Radien gut nähen.
    Und der Füß ist klitzeklein, etwa 1cm lang mit einer großen runden Öffnung.

    Deine Sachen finde ich allesamt richtig poetisch, das Spontane und Experimentelle ist gut nachzuvollziehen. Kleine Meisterwerke, Unikate im besten Sinn.
    Das Einbeziehen von appliziertem Stoff ist gut, auch die Stoffdrucke bekommen so ein gutes Gerüst.
    Klasse- und ich bin auf deinen weiteren Weg gespannt!

  10. das sieht ganz wunderbar aus….und bei deiner Käfigszene fiel mir als erstes die schöne Grafik und Farbe ins Auge…und dann die Tatsache, dass es sich um Vögel handelt.
    Erst, als du’s gesagt hast, sah ich den Käfig wirklich.
    Schulkummer ist Schiete!

  11. Es zeigt sich, was ich schon geahnt hatte: Ich muß einen Stick/Stopffuß irgendwo mal selbst probieren, um den Unterschied zu wissen. Meinen Stoff drehe ich ja auch nicht, ich schiebe ihn auch einfach so hin und her, daß die Nadel ein Muster macht. Was allerdings dabei kaum geht sind regelmäßige Stiche, vielleicht ist das auch noch ein Unterschied, ich werde es mal auskundschaften.
    Und vielen Dank euch fürs „Mitfreuen“!

  12. Das sind wirklich supertolle cross-over-kunstwerke. So sieht Nähen wie Zeichnen aus, vielleicht etwas mehr zum Anfassen. und das als Kinderbücher-Sorgen-Illustrationen zu verwenden, sehr gelungen.

  13. Das ist ja richtig toll! Kunst auf der Nähmaschine! Ich bein wirklich immer wieder beeindruckt von den Wegen, die du gehst! Ein Besuch hier ist wirklich jedesmal ungeheuer inspirierend!

    viele liebe Grüße von Ellen

  14. Deine Stickereien gefallen mir super gut :)
    Ein Kompromiss zwischen „mit und ohne Füßchen“ könnte die Federnadel von Schmetz sein. Sie hat diese Federmechanik und einen guten Quadratmillimeter quasi eingebauten Fuß, der beim Runterhüpfen auch den Stoff kurz festhält.

    Und noch etwas zur Sitzhaltung: Meine Händlerin, bei der ich vor Zeiten einen kurzen Kurs freies Sticken – Grundlagen besucht habe, meinte zur Sitzposition: Entenpo machen, also Stuhl nach hinten, Näma nach vorn, Ellenbogen davor auf den Tisch, dann hätte man Handfreiheit.
    Zum Quilten klappt das bei mir nicht, aber es ist einen Versuch beim Sticken wert ;) Ich glaube, es geht bei kleinen Teilen.
    Viel Spaß weiterhin :D

    • Vielen Dank für die Tips! Die Federnadel war mir neu, ich bin schon auf der Suche danach. Das wäre vielleicht wirklich die Lösung meiner Probleme. Und wenn ich sie habe, probiere ich auch den Entenpo etc und werde berichten, da freu ich mich schon.

  15. Pingback: Maschinen und Sticken « Suschna

  16. … ich bin gerade durch deine maschinengestickten sachen auf deine seite gestossen – super sieht das aus!!! – ich bin gerade auch dabei aehnliches auszuprobieren und habe mir mit meiner neuen maschine auch direkt einen stick und quiltfuss mitgekauft, das ist eine supersache, denn wie jemand schon schrieb muss man nicht mehr das komplette stueck bei richtungswechsel drehen, sondern schiebt es einfach bei versenktem transporteur unter dem fuss hin und her, das einzige was man ein bisschen ueben muss ist, dass man die stichlaenge einigermassen gleichmaessig hinbekommt. mir gefaellt bei dir besonders gut die kombination aus allen elementen: stempeln, applizieren und freies sticken! Super gemacht!!!
    was nimmst du denn eigentlich zum markieren? ich hatte mir jetzt extra trickmarker gekauft, weil die so eine tolle feine miene haben, allerdings muss man die vor der maschinenwaesche mit wasser entfernen und ich hab wohl ein paar striche uebersehen, und jetzt ist der stoff an diesen stellen ausgebleicht – total bloed das!!!
    hast du vielleicht den ultimativen tip?

    • Liebe Frau Langstrumpf, meinen Bildchen sind ganz frei entstanden, ohne Marker. Wenn ich etwas mit der Maschine schreibe, nehme ich manchmal zum Vorschreiben einen Filzstift (aus dem Kaufhaus, Nähabteilung), der mit einem feuchten Tuch ganz leicht wieder abzuwischen geht.
      Danke für das Lob! Meine Stücke drehe ich übrigens auch nicht, ich schiebe den Stoff nur nach oben, unten, links oder rechts.

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