Brandheiß: Juli- und Augustblumen

Gleich zwei Stücke für die Geburtstags-Blumendecke – der Juli war schon länger fertig, den August will ich nicht in den September verschleppen.

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Im Juli huldige ich der einzigen Blume, die sich in unserem Garten im Sommer wohlfühlt und die sich ausgiebig selbst verbreitet: Das gelbe Sonnenauge ist robust, langlebig (auch in der Vase) und hübsch. Dazu habe ich meine Lieblingsblume, den Phlox (hier in Rosa), gesellt, aber das ist eigentlich Angeberei.  Er gedeiht in unserem Schattengarten nicht wirklich, und obwohl ich mich in der bei Berliner Gartenfreunden beliebten Traditionsgärtnerei Karl Förster in Potsdam vor Jahren mit verschiedenen hübschen Sorten eingedeckt habe, sind fast alle Pflanzen inzwischen eingegangen. Nur das oben abgebildete Exemplar  hält sich noch wacker.  Die gestreifte Rosette soll von der traditionellen Stickerei bei dem Blatt unten links ablenken, die mir in diesem Zusammenhang am Ende dann gar nicht gefallen hat. Die rosa Phloxblüten sind geraffte Stoffkreise mit rotem gemalten Wonderliner-Zentrum.  Das Innere des gelben Sonnenauges ist ein bestickter Häkelkreis, für die gelben Blütenblätter habe ich gekokelt, aber dazu unten mehr.

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Im August blieben kaum noch Blumen übrig, es sieht traurig aus da draußen im Garten.  Allerdings haben wir nach unserer Rückkehr aus dem Urlaub Riesengemüse im Überfluß vorgefunden, und das ist ein Glück, denn so konnte ich die rosa Rose mit Bohnen im Schach halten. Links am Rand noch ganz verschämt ein Stück Goldrute, die sich hier auch noch hält, aber bei uns statt goldgelb eher graugelb aussieht, jedenfalls keine Augenweide ist.

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Und nun zur Kokelei: Die Ränder der Rose sind so schwarz, weil  ich sie an einer Kerzenflamme verschmolzen habe. Im Internet gibt es einige Anleitungen dazu. Ich habe mich an dieser Beschreibung orientiert, Lucy hat schon diese andere Fundstelle für die Methode erwähnt. Natürlich funktioniert das Ganze nur bei Kunstfaser. Nicht immer werden die Ränder schwarz, es gibt wohl auch Materialien, die farblos verschmelzen. Und bei Mischgeweben klappt das Verschweißen nur bedingt, der Stoff der gelben Blume oben ist immer noch ziemlich fransig.

Am Ende habe ich mich dann eher generell mit der Frage beschäftigt, wie die einzelnen Materialien brennen.  Ich habe immer wieder Stoffe, bei denen ich gern wüßte, woraus sie bestehen. Für die Grobeinteilung habe ich Brennproben mit Wolle, Baumwolle und Kunstfaser gemacht. Hier ein Foto vom Ergebnis:

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Nach dem Aussehen der Brandstellen kann man aber gar nicht so sehr gehen, interessant sind vielmehr das Brennverhalten und der Brandgeruch. Wolle brennt nicht weiter, wenn man die Kerzenflamme wegnimmt, stinkt aber schlimm, wie verbrannte Haare eben. Der Baumwollstreifen hat wie Zunder geflackert, aber ganz angenehm nach abgebranntem Streichholz gerochen.  Na, und Kunstfaser schmilzt eben und riecht auch unangenehm.

Hier habe ich eine Brenntest-Tabelle gefunden, in der alles noch genauer aufgeschlüsselt wird. Am besten ist es aber, selbst einmal Brennproben zu machen, um die Unterschiede zu erkennen. Schade, daß man im Kaufhaus vor einem Berg undeklarierter „Designerstoffe aus Italien“ zu Schnäppchenpreisen nicht kurz mal mit einem Feuerzeug testen kann, welche Art Fasern man sich da einhandelt.

Soweit also meine Gartenblumenerinnerungen an die zwei letzten Monate. Im Oktober muß ich den Blumenkranz zum ersten Mal zusammenfügen, und mir schwant schon nichts Gutes. Zum Thema Kitsch oder nicht schreibe ich dann mal gesondert etwas.

Ein wunderbares Monatsprojekt für Juli hat Lucy gerade gezeigt, Griselda arbeitet noch an ihrem neuen Tischset, KaZe und Tally finden vielleicht bald auch wieder die Zeit für eine neue Seite,  Hauptsache, es macht Spaß.

7 Gedanken zu “Brandheiß: Juli- und Augustblumen

  1. Die Blumendecke wird bestimmt traumhaft schön! Ich bin absolut begeistert von deinen Meisterwerken und freue mich auf das Endprodukt.
    Herzliche Grüße,
    Juli

  2. Ganz schön frech, die Bohne in den Vordergrund zu stellen. :)
    Es ist immer wieder interessant, wie du dir neue Techniken bei den Blüten zunutze machst. Und so unterschiedliche Ansätze findest.
    Jedes deiner Blütenwerke steht für sich- aber ich hätte Bauchgrummeln, sie auf einer Decke beieinander zu platzieren.
    Schon wegen der Flecken…..
    Aber auch, weil die einzelnen Teile sich die Schau stehlen.
    Ich bin da wirklich gespannt, wie deine Lösung ausschaut. Kitsch und üppiges Dekor sind ja zur Zeit nicht ungewöhnlich- wenn ich da an die Jubelstürme bei den Pip-Studio Sachen denke.
    Aber so viele gleichwerig schöne Sachen beieinander?
    Spannend!

  3. Ja, ich tendiere auch langsam zu „viel zu schade als Tischdecke“, aber andererseits kann man Flecke und Auflösungserscheinungen dann ja auch als Teil der Geschichte dieses Stückes begreifen.
    Das etwas Zerfranste des Sonnenauges gefällt mir sehr gut, und die Riesenbohne – wobei das Foto mit der echten Bohne wirklich die Pointe ist – da bekommt man ja Angst vor der Kraft des Gemüses.

    viele grüße!

  4. Vielen Dank für eure Kommentare. Vor dem Zusammensetzen habe ich mehr als Bauchgrummeln, nicht wegen möglicher Flecken, sondern weil dabei nicht das herauskommen wird, was ich mir ursprünglich vorgestellt habe. Bin wohl übers Ziel hinausgeschossen. Aber kommt Zeit, kommt Rat.
    PIP kannte ich noch gar nicht, aber Dank google weiß ich nun Bescheid. Meine Tochter hatte vor kurzem so ein Heft geschenkt bekommen, der Hype war also schon hier ohne daß ich es wußte.

  5. Ich bewundere deinen Ideen-Reichtum beim Gestalten der Blumen. So viele verschiedene textile Gestaltungen bei einem Thema. Eine gelungene Umsetzung von m.f.p. – auf kleinem Raum viel ausprobieren.

    Die fertige Decke – wie auch immer letztendlich zusammengenäht – als Bedeckung des Tisches, von dem getrunken und gegessen wird? Die Blumen geschützt mit einer durchsichtigen Haube? Jetzt geht meine Phantasie mit mir durch, ein Zeichen, dass die Blumen viel zu schade dafür sind, Geknautsche, Flecken und sonstige Strapazen ertragen zu müssen.

    Herzliche Grüße
    Tally

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