Auf den Spuren eines Strandfotos – Recherchereise nach Polen

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Falls sich noch jemand an den Rätselfall Familienalbum – ein Strandbild im Detail  erinnert: Nach dem Beitrag im letzten Sommer bekam ich eine andere hübsche Fotografie geschenkt.

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Zehn junge Frauen liegen im Sand, eine schöne Szene. Wir wissen nicht mehr dazu als die Postkarte hergibt.  Beim genauen Hinsehen stellen sich schon wieder interessante Fragen. Warum tragen sechs der jungen Damen dunkle Schirmmützen, statt  Strohhüte wie die anderen vier? Sind das vielleicht Dienstmützen? Dazu würde der handschriftlichen Gruß auf der Rückseite der Karte passen:

„Zur Erinnerung an unser Mittagsschläfchen am Strand Misdroy“

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Zehn junge Frauen machen Mittagspause, legen sich in den Sand, lassen sich fotografieren. Wann mag das gewesen sein? Was erzählt ihre Kleidung für eine Geschichte, was war damals in Misdroy los, wo ist das überhaupt?

Misdroy, oder eben heute Miedzyzdroje,  liegt ganz links oben an der 500 Kilometer langen Ostseeküste, die Polen zu bieten hat. Von Berlin ist der Ort in unter drei Stunden zu erreichen. Warum nicht mal hinfahren? Also rein ins Auto und über Stettin und Wollin nach Miedzysdroje. Ganz gespannt habe ich das mondäne Seebad im Kopf, das Misdroy um den Jahrhundertwende gewesen sein soll.

Nach der Ankunft wird schnell klar, dass sich die Zeiten natürlich sehr geändert haben.

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Der Ort und die Strandpromenade sind ein ziemlich furchtbares Gemisch aus Imbissbuden, ramschigen Verkaufszelten, Werbeschildern, Räucherfisch- und Waffelbäckerschwaden,  Menschenmengen. Die alte Häuserpracht ist nur noch teilweise zu erahnen.

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Ein Standort, zwei Blicke.

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Am Strand sieht es ungefähr so aus:

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Wenn man sich aber nur ein, zwei Kilometer vom Zentrum wegbewegt hat man den schönsten feinsten weichsten Sandstrand zusammen mit entspannten Menschen fast für sich.

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Tolles Essen findet man auch, zum Beispiel sehr gute Borschtsch mit Ente im Stella Maris.

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Insgesamt sind die Zloty-Preise in Euro umgerechnet sehr günstig. Für dieselbe Summe bekommt man sicher doppelt so viel wie zwanzig Kilometer weiter auf der anderen Seite der Grenze. Man kann sich also nach Herzenslust durch lauter neue Gerichte hindurchprobieren. Zum Beispiel wusste ich nicht, dass kandierte Fruchtstückchen in so einem Teekuchen auch ganz weich und zart und feinsäuerlich-aromatisch sein können. Ich hoffe, das bekomme ich hier zuhause einmal ähnlich hin.

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Die Schokonascherei Ptasie Mleczko mag ich auch sehr gern, das ist ein bisschen wie ein fester Schokoschaumkuss ohne Waffel. Den Namen kann ich leider nicht aussprechen, übersetzt heißt das Konfekt Vogelmilch, wie schön. Polnisch ist schwer, aber auch ohne Polnischkenntnisse kamen wir ganz gut klar. Die Jüngeren verstehen meist Englisch, die Älteren Deutsch. Wenn man viel grüßt mit Dschendobri (Dzień dobry!) und Danke sagt, Tschenkuje (Dziękuję), dann unterscheidet man sich hoffentlich von so manchen anderen deutschen Urlaubern dort, die vielleicht etwas überheblich auftreten. (Oder? Gibt es polnische Lesermeinungen dazu?)

Wir fahren bestimmt wieder hin! Nur den Ort an sich und die Menschenmassen werde ich meiden, aber das gilt ja für alle Tourismushochburgen in der Welt.

Vor lauter neuen Erlebnissen bin ich jetzt mit der Detektivarbeit am neuen Strandfoto noch nicht weitergekommen. Mehr zur Mittagsrunde der jungen Frauen in Kürze! Eine Rolle werden spielen: Die Seebrücke, die weißen Blusen und ihre Ärmel, die Röcke, die Hüte, die Frisuren.

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Farblich angepasst Miedzyzdroje 2016

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Schaut für die Fortsetzung wieder vorbei! (Und, falls jemand Spezialwissen hat, wie immer gern her damit. Vielleicht liegt auf dem Foto ja jemandes Urgroßmutter im Sand?)

 

10 Kommentare

  1. Was für eine geniale Idee, da einfach hinzufahren! Und du machst es außerordentlich spannend! Warte schon gespannt auf die Fortsetzung. Meeres-sehnsüchtige Grüße, Gabi

  2. das ist ja spannend …. die hüte erinnern mich an die Kopfbedeckungen der studentischen Burschenschaft die hier bei mir in der straße gegenüber ihr Domizil haben ;o)
    auch die Strohhüte ;o) vielleicht ist das ja ein suchfeld?
    viel spass
    ps: und rote Beete mit ente ist ein ein klasse tipp
    pps: können die kandierten früchte vorher in Flüssigkeit – alkohol oder saft eingelegt worden sein ???
    tschüss ….und ich freu mich auf buch 2 …karolakj

    • Der Kuchen mit den kandierten Fruchten heisst „Keks“. Aus eigener Erfahrung Weiss ich, dass die kandierten Fruchte vorher in Flussigkeit nicht eingelgt worden sein.

  3. Mich erinnern die Schirmmützen an Schiffspersonal, vielleicht haben die Frauen auf Fähren oder Ausflugsdampfern gearbeitet? Spannende Recherche im Nachbarland. Bin weiter dabei.
    carmen

  4. Ich würde die Mützen ebenfalls für Teile einer Uniform halten. Die meisten Frauen auf dem Foto haben auch die gleichen Röcke und Blusen an. Schiffspersonal klingt, das wahrscheinlich.

  5. hier noch ein Hinweis auf die zeitliche Einordnung – bei wikipedia zu finden
    die seebrücke soll 1913 bei einer Sturmflut zerstört worden sein sein!
    da die Berufstätigkeit von Frauen noch nicht standard war, würd ich schiffs- oder bahnpersonal ausschließen. bei der post wurden jedoch Telefonistinnen beschäftigt ;o)
    ach ist ja wie bei drei Fragezeichen ;o)
    tschüss
    Karo

  6. Knobelbilder sind immer spannend.karo würde ich sofort zustimmen und zum gleichen Ausschluß tendieren. Die Mützen sehen auch alle aus, als wenn sie nicht passen und nur Show sind.“Unser Mittagsschläfchen“ ist Einzahl, könnte also tatsächlich eine einmalige Aktion gewesen sein?! So viele Damen aus dem Telegrafenamt, machen sicher nicht gleichzeitig Mittagspause. Ziemlich viele Fragen.
    Was mich sofort angesprungen hat, waren die hingelegten Strandkörbe. So etwas habe ich noch nie gesehen, weder auf alten, nich auf neueren Bildern.Seltsam.
    Ziemlich traurig, dass die alten schönen Gebäude verkommen, das braucht in Polen vielleicht noch ein wenig Zeit zum Reifen, dass man den Charme der alten Badestädte damit wieder hervorholt.
    Viele Grüße Karen

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