Unterwegs – Große und kleine Ausstellungen

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Wie jedes Jahr versuche ich, in unsere Reiseroute möglichst viele Textilmuseen hineinzuschmuggeln. Potentielle Ziele wollte ich hier teilen, aber nun habe ich allein schon in Deutschland so viele neue Ausstellungen gefunden, dass die Liste (fast) auf den deutschprachigen Bereich beschränkt bleibt. Es tut sich museal etwas im Bereich der Kleidung und Mode, scheint mir!

Zunächst ein Bericht aus Berlin, gestern hat hier nämlich tatsächliche eine Ausstellung zum Thema Redensarten eröffnet. Ich musste natürlich hin, in das schöne alte Gebäude des Museums für Kommunikation.

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bis 16. 10. 2016   Mein Name ist Hase! Redewendungen auf der Spur

Kurator der Ausstellung ist der ‚Redewendungs-Papst‘ Rolf-Bernhard Essig, der auch schon zahlreiche Bücher zum Thema geschrieben hat. Er hat viele bekannte Redensarten ausgesucht und erklärt sie mit den dazugehörigen historischen Gegenständen. So weiß ich zum Beispiel nun endlich, was ein Scherflein ist, oder wie eine tabula rasa aussieht. Textile Redensarten wie das Spinnen, das Verhaspeln und das Durchhecheln waren auch dabei, passend kombiniert mit mit Spinnrad, Haspel und Hechel. Das Museum ist ein schönes Ausflugsziel für die ganze Familie, in der Sonderausstellung können alle Generationen über die Ausdrücke fachsimpeln.

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Weitere Ausstellungen in Berlin und drumherum:

Berlin – Stadt der Frauen im Ephraim Palais. Das Leitmotiv ist das Korsett – Eindrücke aus einer  Snapchat-Story dazu.

Contemporary Fine Arts bis 10. 9. 2016 – F.C. Gundlach  90 JAHRE 90 FOTOS ZUM GEBURTSTAG

Kunstgerwerbemuseum bis 28.8.  Beautiful Mind. Ein Schmuckstück für Cranach

Potsdam   bis 24.07.  uni-form? Körper, Mode und Arbeit nach Maß

Die Ausstellung widmet sich der wechselvollen Geschichte und Gegenwart des textilen Handwerks und der Bekleidungsproduktion in Brandenburg-Preußen.

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Eine Übersicht über andere Ausstellungen im deutschsprachigen Raum findet ihr auf der Extra-Seite.  Neu hinzugekommen ist :

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Jever, Schlossmuseum  bis 30.10.
Fremd in Friesland
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Hamburg Museum für Kunst und Gewerbe bis 27. August.
Sneaker. Design für schnelle Füße„,
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Bramsche, Tuchmachermuseum bis  18.09.2016
Das Passt! – Kleiderwahl im Wandel
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Dortmund bis 18.09.2016
Willy Maywald. Fotograf und Kosmopolit – Porträts, Mode, Reportagen
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Oberhausen, Schloss, bis 18. September 2016
REGINA RELANG Inszenierte Eleganz
Mode- und Reportagefotografie von 1930 bis 1980
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Nachtrag 1.7. (mit ausdrücklicher Empfehlung von Bele)

VORSCHAU    15.7. – 16.10.2016
Darmstadt Landesmuseum, Chic! – Mode im 17. Jahrhundert
„18 Kostümoberteile, einst getragen von wohlhabenden Damen und Herren der Kölner Gesellschaft und entstanden zwischen 1610 und 1675, gehören zu den absoluten kostümgeschichtlichen Raritäten.“

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Oberpfalz  > Ausstellungsreihe bis Herbst 2016, 16 Museen beteiligt
Tracht im Blick – die Oberpfalz packt aus

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„Die Trachtenbewegung ging im 19. Jahrhundert nicht von den Bauern auf dem Land, sondern vom aufstrebenden Bürgertum in den Städten aus.“

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Aichach (bei Augsburg), Sisi-Schloss  bis 23.10.16
Kaiserin Sisi- Drunter und Drüber
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WIEN (A) Wien Museum  bis 30.10.

Chapeau! Eine Sozialgeschichte des bedeckten Kopfes

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Forum Würth Rorschach    (CH)    bis 26.2.2017Werke aus der Swiss Textile Collection und Sammlung Würth im Dialog

Bericht dazu im Bernina-Blog

HINWEISNachtrag 30.6.: Teresa sagt in den Kommentaren etwas zur Hutausstellung in Wien, das wahrscheinlich für einige der Termine hier in der Liste gilt: „Aus diesem Thema hätte man mehr herausholen können aber wenn man schon da ist lohnt es sich das anzusehen was geboten wird.“  In heutiger Zeit steigen die Social Media Budgets der Museen wahrscheinlich umgekehrt proportional zu den Ausstellungsbudgets, daher sind manche Meldungen vielleicht auch eher heiße Luft? Jede Rückmeldung dazu freut mich und hilft anderen bei der Besuchsplanung.

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In anderen Länder ist auch eine Menge los, siehe dafür hier z.B. die Top 6 Fashion and Design Exhibitions .

Wer in Frankreich in die Nähe von Lyon gerät, sollte für das Musée des Tissus et des Arts Décoratifs de Lyon einen Stop einlegen. Das Museum mit der größten Textilsammlung der Welt steht kurz vor der Schließung, weil die öffentliche Förderung ausgesetzt wurde. Schon über 100.000 haben eine Petition für die Rettung des Museum unterschrieben, bisher erfolglos.  Ich habe fest vor, dort diesen Sommer noch  vorbeizuschauen.

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Und sonst?

Habe ich mich ziemlich fassungslos durch die Kommentarspalten der englischen Zeitungen gelesen, durch die ganze Bandbreite vom Guardian bis zur Daily Mail, um zu verstehen, wie es zum Brexit kommen konnte. Ich lebe ja eher in einer ‚Guardian-Bubble‘, aber wenn man sich in der Presse der Brexit-Befürworter umschaut, dann sieht die Welt ganz anders aus. Die EU heißt dort nur ‚the bloc‘ und steht kurz vor dem Zerfall. Merkel fehlt nur noch ein Hitlerbärtchen und Frankreich bereitet in Calais gerade eine Migranteninvasion nach England vor.

Aufgrund meiner Recherchen hat Twitter mir nun folgendes vorgeschlagen:

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also höre ich lieber auf und gehe in meine liberale Blase zurück.

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Dann muss ich auch nicht über das Spaltungspotential in Deutschland nachdenken. Im Briefkasten am Zaun meines verwilderten ‚Naturgartens‘ fand ich diesen Zettel, handgeschrieben:

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Gute Nacht!

12 Kommentare

  1. Entschuldigung, mein begonnener Kommentar ist verschwunden also fange ich nochmals an. Ich habe die Ausstellung „Chapeau, eine Sozialgeschichte des bedeckten Kopfes“ schon gesehen. Ich wollte auch darüber schreiben hatte aber noch keine Zeit. Daher hier kurz gesagt:
    Die Ausstellung ist nett, ich habe viel über die vielen Arbeitsschritte, die es braucht einen Hut zu formen, gelernt. Ich habe auch einiges über „wer trug wann welchen Hut“, über jüdische Kopfbedckungen und über muslimische erfahren.
    Aber es fehlen einige Kopfbedeckungen, es gab keine Trachtenkopfbedckungen zu sehen. Es fehlten z.B. alle Goldhauben (aus Nieder und Oberösterreich). Ich hatte letztes Jahr das Glück mit einer Goldhaubenstickerin zu sprechen und ihr bei der Arbeit zu zu sehen, das war wirklich toll und hätte durch aus verdient in der Ausstellung erwähnt zu werden und zwar nicht aus „Blut und Boden“ Gründen sondern aus Sicht der Handwerkstechnik. Aber die typischen Hüte der Wiener Fiaker fehlten auch und die sehr interessanten Hüte die zu den Vorarlberger Trachten gehören. Das sind jetzt nur die Hüte die mir spontan einfallen, ich habe mich mit dem Thema Hut noch nie eingehend beschäftigt.
    Also keine uneingeschränkte Empfehlung für die Ausstellung, aus diesem Thema hätte man mehr herausholen können aber wenn man schon da ist lohnt es sich das an zu sehen was geboten wird.
    Liebe Grüße aus Wien
    Teresa

    • Liebe Teresa, vielen Dank für die Rückmeldung. Ich befürchte, das mit dem „lohnt sich, wenn man ohnehin schon da ist“ gilt für einige der Ausstellungen in der Liste. Dazu können wirklich nur Besucher etwas sagen, die schon da waren. Daher gut, dass du deine Eindrücke teilst.

  2. Wieder schön gesammelt. Dankeschön!
    Dazu reichen kann ich noch „SCHÄTZE EINER FÜRSTENEHE“
    30. April bis 31. Oktober 2016 in Schloß Hartenfels in Tograu. Zu den Schätzen gehören etliche Prunkgewänder, die man im Original so noch nicht gesehen hat.ich war aber noch nicht vor Ort, ist aber im Plan!
    Die Schmuckausstelleung kenne ich schon. Eine kuratierte Ausstellung zum Chranach-Jubiläum und war voriges Jahr in Wittenberg zu sehen.mcht natürlich am meisten Spaß, wenn man sich mit Bildwerken Cranach dem Jüngeren etwas befasst. Sehr experimentell und anregend, aber nicht groß.
    Über den Gartenzettel habe ich ja sehr grinsen müssen!
    Ich sehe das mit den Brexit nicht mehr so dramatisch, es zeigt wirklich wie wenig die Poltiker ihre Wählerschafft kennen und wie langsam die große Masse wach wird. In Deutschland ist es doch ähnlich, dass die Leute erst wirklich denken, wenn schon Tatsachen geschaffen sind und sonst läßt man sich in seinem Trott nicht stören, wird schon nicht so schlimm werden. Ein gewisser Wohlstand macht träge.
    Dein Buch hast du hoffentlich gleich dem Shop angeboten? und wennn es nur für die Austellungszeit ist.
    Viele Sommergrüße, Karen

    • Danke für die Hinweise – Torgrau habe ich auch schon länger auf dem Plan, habs nicht noch einmal extra aufgeführt – die Liste ist ja noch länger, ganz ungewohnt. Entweder es gibt wirklich mehr, oder kleine Sachen werden aufgeblasen, wie z.B. das mit dem Schmuck. Mundpropaganda oder Besprechungen von neutraler Seite wird da immer wichtiger. Oben habe ich noch Darmstadt eingefügt, das hört sich auch sehr gut an.
      Der Museumsshop ist outgesourced, da habe ich auf das Buch hingewiesen – aber ob das klappt? Marketing ist mir ja eher peinlich, das wird sich wohl auch nur bedingt ändern.

  3. Tolle Zusammenstellung, danke dafür! Vielleicht liefert mir die Ausstellung in Berlin die lang gesuchte Ausrede, endlich wieder mal nach Berlin zur reisen? Die Hüte-Ausstellung in Wien werde ich mir gerne anschauen und dann berichten.
    Was hast Du denn bloß gegen deutsche Gründlichkeit im Garten? ;-) (Also ehrlich. Kopfschütteln. Wie einem einfallen kann, so einen Zettel zu schreiben…) Deinen Garten würde ich gerne sehen. Der ist sicher ein Paradies für alle möglichen Insekten und Vögel!
    Sommerliche Grüße, Gabi

    • Wegen der Redewendungen solltest du nun nicht extra nach Berlin fahren :), aber für einen Sonntagsausflug mit den Großeltern ist es gut, gerade weil jeder mitreden kann.

  4. Hahahah. ..hättest mal besser Unkraut gejätet, als ständig in Museen zu schlendern. …meine Nachbarn sind auch immer recht besorgt gegenüber meiner grünen Hölle. Schade das alle Ausstellungen so weit fort sind…ausser Rohrschach, da muss ich mal schauen ob ich das irgendwie unterbringen kann.
    Vielen Dank fürs sammeln!
    Liebe Grüße
    Stella

  5. Pack die Badehosen raus…..und ab gehts ins Kommunikationsmuseum. Ich warte noch auf einen Schlecht-Wetter-Tag. Diese Ausstellung ist für begeisterte bunte Bücherleserinnen über textile Redensarten ja quasi eine Weiterbildungsveranstaltung.
    carmen

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