Bilder von der Biennale Venedig

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Flaggen nicht mehr existierender Länder im serbischen Pavillon der Biennale di Venezia 2015. Liegt auch dabei: Repubblica Democratica Tedesca, 1948-1990. (Ivan Grubanov).

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Farbige Erdproben, aus den Lagunen um Venedig und von anderswo (Herman de Vries, Niederlande)

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Publikumsliebling: Leuchtende Grotte aus gespannten Wollfäden im japanischen Pavillon. Am roten Garn hängen Zehntausende Schlüssel, auch in Berlin gesammelt. (Chiharu Shiota).

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Mediterrane Sonne und das Wasser um die Festung Europa haben dieses lichtempfindliche Paper in ein leuchtendes Blau gefärbt. (Runo Lagomarsino). Ich weiß nicht, ob das Verfahren hier benutzt wurde, aber wunderbare Blautöne ergibt die Cyanotypie, die Nahtzugabe und andere schon auf Stoff probiert haben.

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Mit Namen und Daten bestickte Kopftücher sind in Ländern Lateinamerikas ein Zeichen des Protests von Angehörigen Verschwundener. Die Madres de Playa da Mayo prangern seit den 1970er Jahren in Argentinien das Verschwinden ihrer Kinder in der Militärdiktatur an.

DSC00108 Mal wieder ein beeindruckendes Fotoprojekt von Andreas Gursky. Hier war er in der Fabrik, in denen die bekannten Ikea-Gartenstühle für 24,99 Endpreis geflochten werden. Ich hatte mich schon immer gefragt, wer die macht. Einer der Korbstühle verrottet gerade bei uns im Garten. „Handgeflochten, jedes Möbelstück ist einzigartig“ werden sie beworben.DSC00114

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Wesen aus zerrissener Militärkleidung gestrickt. (Fiona Hall, Australischer Pavillon.)

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Auf traditionellen Webstühlen in Italien hergestellte Stoffe, mit Mustern und Materialien, die aus der ganzen Welt kommen. (Venezianischer Pavillon).

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Ansonsten war dieses Mal auf der Biennale alles so mau und lieblos, dass wir nur einen Tag durchgehalten haben. Viele Installationen, Videos und Projekte waren schon „out of order“, obwohl die Kunstschau eigentlich noch einen Monat läuft.

Dafür lohnt sich dann um so mehr der Palazzo Fortuny, wo Axel Vervoort alle zwei Jahre eine Zen-Zauberwelt schafft, dazu hoffentlich anderes Mal mehr.

DSC00199Makramee in modern (Arthur Duff)

Kostenlos und auf jeden Fall immer interessant wegen der Räumlichkeiten, die man sonst nicht zu sehen bekommt: Die vielen in der Stadt verstreuten Länderteilnahmen, wie hier ein Beitrag aus Azerbaijan in einem Palazzo direkt am Canale Grande.

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Falls jemand an praktischen Tipps für Venedig interessiert ist:

Wir sind mit Easyjet angereist, Unterkunft über AirBnB. Dann kann man sich selbst mit Essen versorgen und ist nicht von den Restaurants abhängig, die durchweg Mittelmaß für viel Geld anbieten. Englisch geht inzwischen überall. Die Vaporetti, die Wasserbusse, sind für Touristen sehr teuer geworden (eine Fahrt 7,50), so dass Laufen angesagt ist. In den Supermärkten sind Blasenpflaster reichlich vorhanden. Tagsüber auf jeden Fall vermeiden: Die Gegend um Rialto und Markusplatz.

Immer gut informiert: Unterwegs in Venedig

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6 Kommentare

  1. Auch wenn die Biennale für euch lieblos war, die von dir gezeigten Objekte, Fotos etc. sind grandios. Sehr berührend die Kopftücher, sehr aufrüttelnd die Ikea-Stuhl-Fabrik-Fotos. Da kann man aus der Armut der Menschen noch einen Werbeslogan machen.
    Übrigens, falls es dich interessiert, habe ich in dem Katalog der vergangenen New Yorker Ausstellung „radical lace & subversive knitting“ die Künstlerin Annet Couwenberg entdeckt, die in ihrer Kunst Elemente der traditionellen niederländischen Kleidung aufgreift – so deinen berühmt berüchtigten steifen Faltenkragen. Discarded Ruffled Collar, 2007, ein riesiger Faltenkragen aus mehr als acht tausend Tortenspitzenpapieren – oder auch die Installation Act Normal and That’s Already Crazy Enough, 2003, eine Art riesige Krägen aus Baumwolle und Draht. Auf annetcouwenberg.com gibt es einige Fotos ihrer Werke. LG mila

    • Toll, vielen Dank für den Tipp. Hört sich auch nach einem tollen Katalog an. Vielleicht schaffe ich mal eine Linkliste zu Spitzenkünstlern. Hier ist auch noch eine, aber eher klassisch http://www.sophieploeg.com/ Am Sonntag ist ja wieder Stoffspielerei, Thema Spitze, da muss mir noch etwas einfallen.

  2. Die Grotte mit den Schlüsseln und den roten Fäden muss auch ein tolles Raumgefühl geben, oder? Mich faszinieren Künstler, die irgendwas sammeln und dann verarbeiten oder eben nicht, wie Stan in San Francisco, der seit Jahren eine Installation aus gefundenen Einzelhandschuhen machen will. Aber Schlüssel liegen auch ganz oft auf der Straße oder am Rand herum. Allerdings nehme ich sie nicht mit, sondern lege sie meist sichtbar irgendwohin, vielleicht kommt derjenige ja den Weg abgefahren, um genau den Schlüssel zu suchen. Jetzt können alle, die einen Schlüssel verloren haben, einfach mal zur Biennale. Doch wer den roten Faden verliert, wo muss der eigentlich hin? Vielen Dank für deine Chroniken.

    • Ja, das war ganz schön darin, hab auch ein Foto mit einem küssenden Paar. (Aber mit behagt das nicht so, fremde Leute hier zu veröffentlichen, daher habe ich die Frau mit dem Tuch auch wieder rausgenommen). Die Schlüssel waren alle sehr korrodiert, da nehme ich an, dass die Künstlerin noch ein bisschen nachgeholfen hat. Aber manche Schlüssel waren ganz anders als unsere, da kommt man auf viele Gedanken, wenn so viele Kulturen über rote Fäden verbunden werden.
      Wegen Einzelhandschuh: https://textilegeschichten.net/2010/03/22/handschuh-sucht-handschuh/
      Der rote am Zaun war dann irgendwann weg : -)

      • Das gibts doch nicht, es hat sich jemand der einsamen Handschuhe angenommen. Aber ich fürchte die Socken haben ein ganz anderes Schicksal, viel dramatischer, viele verschwinden einfach in ihrem Waschmaschinen-Gulag. Es wird wohl noch mehrere Generationen brauchen, um ihr schweres Los aufzuarbeiten… Danke für diesen Link.

  3. Schön, das du uns ein Stück mitgenommen hast.Die Wollfädenfrau ist doch die Selbe in der Wolfburer Ausstellung“ Textiles in der Kunst“,dort mit Briefen. Von ihren Installationen gibt es immer beeindruckende Fotos, weil es so vieles verbindet – ein besonders Raumgefühl,dieses Sammelding und Transparenz. , naja und danach ist es ja auch futsch. Dem Entstehungsprozess würde ich gern mal als Mäuschen beiwohnen.
    Hier gibt es übrigens einen Waschsalonbetreiber der die ganzen vergessenen einzelnen Socken an die Decke seiner Salons gehängt hat, der kann da gleich mitmischen. Sieht grandios aus!
    Das Korbstuhlfoto sehr bedrückend!
    Über Airbnb bin ich vor kurzem auch gestolpert.Wir probiert.
    Viele Grüße Karen

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