Drei Tipps aus Paris

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Blick aus dem Obergeschoss des Musée des Arts Decoratifs

1.   Dries van Noten

Das Musée des Arts Decoratifs beim Pariser Louvre ist für textilbegeisterte Parisbesucher eine wichtige Adresse.  Noch bis zum 31. August 2014 läuft dort „Dries van Noten – Inspirations„.  Für diese Schau des belgischen Modedesigners wurde die ständige Textilausstellung des Museums beiseite geräumt.

Dries van Noten zeigt Stücke aus seinen Kollektionen seit den 80er Jahren und setzt sie in Beziehung zu Kunstwerken, Filmen,  historischen Kleidungsstücken und  anderen Designer, die ihn inspiriert haben. Ein Besprechung der Ausstellung findet ihr hier bei Journelles, dem muss ich nicht viel hinzufügen. Ich war auch sehr angetan, allerdings weniger von Dries van Notens Kleidungsstücken, mehr von der Fülle an Querverbindungen und der Mode früherer Designer. Dries von Noten ist ein Meister der ungewöhnlichen Kombinationen, wie Lucy gerade hier zum Thema Mustermix geschrieben hat. Ich fand seine Sachen aber schlecht gealtert. Verwaschene Farben, gepillte Oberflächen, zerbeult und verknittert – manches Ensemble hätte in einem Humana-Schaufenster nicht überrascht. Auf den Filmen von den Modeschauen sahen die Stücke dagegen jeweils noch sehr gut aus. Vielleicht auch der Beweis dafür, dass es die Qualtitäten früherer Materialien heute bzw. seit einigen Jahrzehnten gar nicht mehr gibt, ich weiß es nicht. Aber das nur am Rande.  Insgesamt alles ein Augenschmaus!

2. Musee Nissim de Camondo

Dieses großbürgerliche Haus im Stadtteil Monceau liegt etwas abseits der Touristenpfade. Um so besser, so kann der Wärter im hochherrschaftlichen Wohnzimmer ein Nickerchen halten und nichts stört die stille Atmosphäre. Es duftet nach Bohnerwachs und dem Tabak der früheren Bewohner. Ein bisschen „Downton Abbey“ kommt auf, wenn man in den Speiseraum des Personals schaut.

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Stoffe und Wandteppiche verblichen  und verschlissen – schade, ich weiß,  aber charmant.

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Als ob Thomas gleich kommt und mit dem Servieren loslegt.

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Die Geschichte der früheren Eigentümer des Hauses, einer jüdischen Bankiersfamilie, endet tragisch.  Um so anrührender, dass das Haus noch existiert und besucht werden kann.

3. Das Petit Trianon der Marie Antoinette

Der Blick vom Schloss von Versailles über den Park hin zum „Hameau de la Reine„, dem Dörfchen der Königin:

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Eine halbe Stunde zu Fuß braucht man von dort, um das Petit Trianon, das Lustschlösschen der Königin und ihr Show-Dorf zu besichtigen. Alles andere als abseits der Touristenpfade, aber die endlosen akurat gepflegten Buchenalleen beeindrucken doch.  Und es gibt genug Platz, den Park mit Mietfahrrädern oder Golfwagen zu erkunden. Im Petit Trianon kann man die Schmuck-Gartengeräte besichtigen, die sich Marie-Antoinette fertigen ließ. Alles nur Staffage, aber hübsch.

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Ihr Schlafzimmer ist renoviert.

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Traf sie sich hier auch mit ihrem schwedischen Liebhaber?  Nachzulesen ganz umsonst bei Stefan Zweigs Biografie der Königin. Stefan Zweigs Werk ist inzwischen gemeinfrei.

Soweit meine drei Tipps. Eigentlich wollte ich ja mal irgendetwas Negatives über Paris schreiben, so in der Richtung: museal, festgefahren, blasiert, langweilig. Aber leider nein, die Stadt nimmt einen doch jedes Mal gefangen. Tut mal ganz gut als Abwechslung vom im Vergleich kaputten, hässlichen und wilden Berlin. Die Stunde vom Flughafen in der S-Bahn nach Hause mag ich immer ganz gern, dann fallen einem die Unterschiede zwischen Ländern und Städten so schön auf. Kurz danach hat sich der Blick wieder zurückgewöhnt, das geht ja (leider) ganz schnell.

Also, à bientˆot.

 

 

8 Kommentare

  1. Auch wenn ich ein bißchen schluchze, weil ich jetzt nicht so einfach nach Paris kann: deine Beobachtung, dass Dries van Noten schnell ziemlich oll aussieht und gar nicht mehr so wie in den Schaufenstern, die erleichtert mich doch ein bißchen. Saure Trauben und so.

    • War dort auch ganz froh, nie ein Van Noten gekauft haben zu können. Obwohl das „Abgetragene“ tatsächlich eher für die Alltagskleidung gilt. Abendroben z.B. waren natürlich noch tadellos. Und der Vergleich der Alltagskleidung mit einem Dior-Kostüm daneben ist auch unfair, denn das Kostüm wurde sicherlich auch eher wie eine Abendrobe getragen, d.h. sehr geschont. Viele der Van Noten Sachen waren auch so ungebügelt, dass ich mich gefragt habe, ob es Absicht war? Oder keiner sich zuständig fühlte?

  2. Die Tipps kommen mir gerade recht! Wobei wir vermutlich mit zwei völlig desinteressierten Kids im Schlepptau nicht so ganz das unternehmen werden, was ich würde, wenn ich denn allein unterwegs wäre. Nun denn. Vielleicht lassen sie mich ja mal in einen Stoffladen ;)
    Und dass die Tickets auf den Eiffelturm vermutlich 3 Monate vorher gebucht werden sollten, sag ich jetzt mal, da ich nämlich zu spät war. (Die Tochter will unbedingt…).
    Interessant, dass die Qualität von Dries van Noten eher unterwältigt (manche Wörter soll man nicht aus dem Englischen ins Deutsch übersetzen, aber das hier wird dringend gebraucht). Hah! Saure Trauben. Lucy sagt das ganz richtig :)
    Und das sieht ja wirklich nach Downton Abbey aus! Das merk ich mir mal. Irgendwas ohne 3 Stunden anstehen könnte plötzlich reizvoll werden.
    LG frifris

    • Diesmal war ich ohne Kind, aber Tipps für mit Kindern:
      Den Eiffelturm im Dunkeln vom Trocadero aus ansehen, jede volle Stunde gibt (gab?) es da eine Lichtershow.
      Menagerie im Jardin des Plantes, ganz kleiner Zoo (ältester der Welt, sieht auch so aus), Zaubereimuseum, la coulee verte (spazierweg auf einer ehemaligen Hochbahn). Schiffsfahrt duch die Kanäle, wir hatten mal einen, da hat der Kapitän in den Tunnelpartien immer Klarinette gespielt. Cité des Sciences, da kann man auch mit dem Schiff hinfahren.
      Und in Versailles tatsächlich wegen der Golfwagen, das muss für Kinder super sein.
      Ansonsten sind die Stoffgeschäfte am Fuße des Monmartre legendär, da gibt es in Blogs reichlich Hinweise und Adressen. Familie in der Zeit wohl besser zu Sacre Coeur hochschicken oder so.
      Und bei Fnac oder so nach den Näh/Handarbeitsbüchern schauen, viel mehr Auswahl als hier. Auch gibt es eine große japanische Buchhandlung, und Geschäfte mit unendlich Auswahl an Bändern etc, mal extra recherchieren.

  3. Oh, die Dreis van Noten Ausstellung würde ich auch gern sehen. Seine Sachen sind so schön und er ist so-hmm: ernsthaft? Nicht so affektiert wie viele seiner Pariser Kollegen. Und es ist doch irgendwie OK, wenn die Kleidungsstücke altern, dann wurden sie auch gern und viel getragen. Ein größeres Kompliment kann man einer Klamotte nicht machen.

    Wir planen gerade den Sommerstädtetrip- würdest du einer textilaffinen Familie ohne Mueumsangst eher London oder Paris empfehlen?

  4. Hallo Suschna, ich verfolge deinen Blog schon ziemlich lange und mit Begeisterung, habe aber noch nie kommentiert. Wie es der Zufall wollte, öffnete ich meinen Laptop in Paris und was lese ich: deine Tipps für Paris, wie wundervoll. Also war ich wenigstens in der Dries van Noten-Ausstellung, die wesentlich größer war als ich angenommen hatte. Fantastische Ausstellung! Die Herrrensachen fand ich weniger interesssant als die Damengarderoben; ich kannte auch die meistens Filme und Bilder, die als Inspiration gedient haben sollen, die Verweise fand ich interessant, wenn ich auch nicht immer den Zusammenhang oder den Funken gesehen habe. Leider war das Musée Galliera, das Pariser Modemuseum, schon wieder geschlossen; erst ab 12.07. gibt es eine bestimmt sehr interessante Ausstellung ‚Die 50er Jahre/Les Années 50‘, allein das Plakat dazu ist schon sehenswert – hier ein link http://www.palaisgalliera.paris.fr/

    • Vielen Dank für die Rückmeldung! Ja, ich war genervt, dass das Musee Galliera geschlossen war. Irgendwie scheinen die Textilsammlungen dieser WElt immer dann neue Ausstellungen vorzubereiten, wenn ich vorbeikomme. Aber ansonsten ist das auch eine tolle Adresse.
      Was ich auch noch mal auf dem Plan habe: Das Musée Cluny mit den Tapissereien, und das Musée de la toile de jouy, das müsste mit der RER gehen. http://www.museedelatoiledejouy.fr/
      Danke!

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