Geköpftes Fashion Icon

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An diesem mal wieder grauen Tag ein bisschen Farbe: Es geht um Marie Antoinette. Eigentlich hatte ich von ihr nur noch die Sache mit dem Brot und den Kuchen in Erinnerung. Aber inzwischen weiß ich mehr.

Sie war ein armes junges Ding aus Österreich, das 14jährig  an den unansehnlichen französischen Thronfolger zwangsverheiratet wurde.  Der wollte sich dann viele Jahre lang nicht darum kümmern, Nachkommen zu produzieren. Bei Hofe hielt Marie Antoinette sich dennoch im Mittelpunkt und setzte gleich zweimal Modetrends: Zuerst mit dem Pouf, ein möglichst hochgetürmtes Drahtgestell auf dem Kopf, das mit Fell, Haaren, Fett und Mehl gebaut wurde (auch gern Ungeziefer beherbergte) und oft passend zum aktuellen Geschehen dekoriert wurde.

Coiffure belle-poulequelle: WiKiCommons

Weil solcherlei Exhaltiertheit beim Volk nicht so gut ankam,  hielt sie sich später zurück mit Prunk und Glamour und inszenierte einfaches Landleben. Auch diese simplere Tracht setzte neue Trends.

 MA-Lebrunquelle: WiKiCommons

All das hat ihr bekannterweise nichts genützt, sie landete dennoch unter der Guillotine.

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Solche Dinge lernt man in der Vorlesung „Marie Antoinette – Queen of Fashion von Caroline Weber, die ein Buch über die Mode der französische Königin geschrieben hat.  Online-Vorlesungen von klugen Leuten zu hören ist ganz wunderbar, vor allem wenn man auch weit nach Mitternacht noch nicht müde oder schon wieder wach ist.  Leider sind die schlauen Belehrungen immer auf Englisch, aber vielleicht ändert sich das in näherer Zukunft und auch deutsche Unis werden vermehrt Vorträge einstellen.

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Inspiriert von dem Thema habe ich noch mehr recherchiert zur Mode im 18. Jahrhundert und eine kleine Figur passend ausstaffiert. Das Kleid besteht hauptsächlich aus bemaltem Papier und entstand nach Gallianos Interpretation von Marie Antoinettes Mode. Die Zeit, die ich da hinein gesteckt habe, ist durch nichts zu rechtfertigen, außer: Es hat Spaß gemacht. Euch erfreut der Anblick hoffentlich auch. Weil mir die Modeikone ein bisschen sympathischer geworden ist, hat sie ein Rachebeil in der Hand.

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Zwei Filme über Marie Antoinette (2006 und 2012)  muss ich mir noch ansehen, die kenne ich noch nicht.  Aber  dass sie den Satz mit dem Brot und dem Kuchen  nie gesagt hat, das weiß ich inzwischen schon.

18 Gedanken zu “Geköpftes Fashion Icon

  1. Schade, der erste Link funktioniert bei mir leider nicht :-( Und die Sache mit dem Kuchen hat mich immer schon geärgert: als Teenie habe ich kaum etwas anderes als Biographien und Geschichtsbücher gelesen und war gerade bei Marie Antoinette voll des Mitleids – ihren letzten Brief kann ich heute noch nicht lesen, ohne zu heulen. Und wenn es einen Satz von ihr gab, der irgendwie berühmt wurde, dann wahrscheinlich das „Il y a beaucoup de monde aujourd’hui à Versailles …“ ;-)

    Die Puppe ist ein Traum! So viel handwerkliche Fähigkeit, ich erblasse vor Neid.

  2. Diese Marie ist wirklich allerfeinst gestaltet, das Kleid, der feine Haarschopf, der Gesichtsausdruck und ich wage mir kaum vorzustellen, wie klein diese Königin in cm wirklich ist. Das Skelett ist doch nur eine Wäscheklammer. Aber auch toll in Szene gesetzt, mal schwarz dramatisch mit dem schwarzen Rachebeil und abschließend vor dem (sicher auch handbemalten …) blühenden feinen Seidentapetenmuster in eurem Mini-Versailles-Palast.
    Hier ist es wirklich bunter geworden….
    carmen

  3. Mon Dieu- die ist je inEcht noch winziger als auf meinem Bildschirm.
    Das Inszenieren hat sicher fast so viel Spaß gemacht wie das Recherchieren und (ich trau es mich mich fast nicht zu schreiben: ) basteln.
    Du hattest sicher die ganze Zeit ein Lächeln im Gesicht.

  4. Danke für den Geschichtsunterricht, auch Wikipedia lässt sich lange und breit über M.A. aus. Sie sieht bei Dir phantastisch aus.
    Dass Dir das herstellen von Püppchen Spaß macht, das kann man sehen. Ich habe gerade Tränen gelacht bei Deinen 3 weißen Damen vom Dezember 2009.
    herzliche Grüße
    Judika

  5. Frau Borchgrave würde doch glatt erblassen, wenn sie deine Miniatur sähe!!!!!Sehr schön auch in Szene gesetzt!
    Ich weiß wie lange ich gebraucht habe zum Ankleiden eines Puppenstubenpüppchens und die solte nur etwas anhaben.
    das läßt deinen Zeitazfwand erahnen.
    An dein Rätsel mit den drei Damen mußte ich wieder denken und wünsch mir jetzt jeden Monat eine Miniatur.
    Kennst du die zwei Bühnenbildner, mit ihren Schloßgeschichten -en minitaure ?
    salut! karen

    • Habe die Schlossgeschichten gefunden, die kannte ich nicht. Im Miniaturenbereich gibt es undendlich viel zu staunen, vielleicht schaffe ich ja wirklich noch mehr Figuren und kann dann auch mal mehr auf anderes verweisen.

  6. Ich bewundere Dich von ganzem Herzen! Dieses Püppchen ist wieder besonders schön, allerliebst und doch entschlossen und nicht niedlich!

    Kaiserin Maria Theresia hat auch ihre anderen Töchter mit Augenmerk auf die Politik verheiratet/ verkauft. Gelesen in „Habsburgs verkaufte Töchter “ von Thjea Leitner
    Lieben Gruß aus Wien
    Teresa

  7. Ich bin geradezu sprachlos! Ganz besonders nachdem ich nun solch eine Rundholzklammer unter dem Püppchenbau-Aspekt begutachtet habe.
    Die Vorlesung werde ich mir mal in Ruhe anschauen. Danke für den Tipp. Ungalublch (toll), was es so alles gibt im internet.
    LG

  8. Ich kann mich gar nicht sattsehen an Marie Antoinette als Racheengel. Einfach toll – richtig würdigen kann man dieses filigrane Kleid wahrscheinlich nur, wenn man es mal „in echt“ sieht, denn auf den Fotos erscheint einem das Figürchen nochmal größer als es ist. Danke auch für den Link zum Online-Vortrag. Es gibt so viel Wissen im Netz, das ist auch immer wieder toll.

  9. Danke an alle fürs Mitlesen und -freuen! Es ist wirklich schwer, die Größe auf Fotos deutlich zu machen. Ich bin selbst ganz erstaunt, dass gerade die Gesichter so vergrößert noch funktionieren, bzw. zum Teil sogar besser wirken.
    Wegen interessanter Vorträge bin ich weiter auf der Suche, aber so einfach ist es nicht. Hoffentlich schaffe ich mal eine Sammlung mit empfehlenswerten Links.

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