Improvisation II – Stimmungsquilt

Beim Quiltgruppentreffen hatten wir letztes Jahr vereinbart, unabhängig von einander aus einem kleinen Stapel einfarbiger Stoffe etwas zu nähen – wir waren gespannt, wie unterschiedlich die Ergebnisse bei gleichem Ausgangsmaterial werden würde. (Hier bei der BMQG kann man die Einzelheiten der „Challenge“ nachlesen – und vielleicht auch bald die Werke der anderen sehen.)

Erst wenig begeistert von der Farbpalette, hatte ich dann aber die Idee, mit den Quadraten einen Mod Mood Quilt  nach der Anleitung bei  Daintytime zu versuchen.  (Meine erste Improvisation nach Sheris Blog hatte ich hier gezeigt).

Der Idee von Sheri für den Mod Mood Quilt folgend ordnete ich die Farben bestimmten Stimmungen zu und überlegte dann, welche Farben meinen Tag am besten abbildeten. Ich schnitt möglichst intuitiv in die Stücke hinein und nähte sie dann aneinander.

Hier als Beispiel meine erste Zusammenstellung für einen Septembertag 2011.   Stimmung: Sehr erleichtert, weil der Dachboden endlich fertig ist. Die Sonne scheint, der Himmel ist blau in meinem Dachfenster. Das Rot sind kleine Ärgernisse (Telefonate), das Grün zeigt die Nachwirkungen von einem sonnendurchfluteten Chorwochenende im Brandenburgischen.  (Weiß und Hellblau habe ich zu den Quadraten hinzugefügt. Zwei Farben durften wir in beliebiger Menge verwenden).

So ging es dann bis zum Ende des Jahres weiter mit dem Streifennähen, immer mal wieder einer, wenn es gerade passte. Dunkle Tage sind darin, Krankheit, Krankenhaus,  das Nachempfinden eines missratenenen Landschaftsbildes, bis hin zu Weihnachten.

(„Darmgrippe“ meinte eine der Teilnehmerinnen beim Quiltgruppentreffen zu diesem Streifen – da lag sie gar nicht so falsch).

Bei den meisten Mod Mood Quilts entstehen durch die keilförmigen Stoffstücke Windungen oder Schneckenbilder (siehe die Flickr-Gruppe). Ich habe aber jeweils versucht, die Keile auszugleichen, so dass es bei Streifen blieb. Die Schnecken waren mir zu strudelig, das passte nicht so zu meiner Grundhaltung.

Was ich mit dem Ganzen wollte wusste ich nicht. Als ich aber das fertige Rechteck vors Fenster hielt, ergab sich ein wunderschöner Pojagi-Effekt, so dass ich es zur Zeit als Vorhang nutze.  Die Rückseite habe ich entsprechen nur mit einem dünnen Voile gefüttert.

Thank you Sheri for posting your process step-by-step, for inspiration and encouragement!

20 Gedanken zu “Improvisation II – Stimmungsquilt

  1. Der Quilt im Spiel mit Licht und Pojagieffekt finde ich besonders interessant. Da ist ja von der Darmgrippe wirklich gar nichts mehr zu sehen. Ganz im Gegenteil, es sieht wie ein schoenes seelenvolles Kirchenfenster aus. Ich hab ja bis jetzt nur Pojagi in weiss genaeht, aber dein Quilt ist super inspierend, mal mit Farben zu experimentieren.

  2. Beim ersten Durchgucken der Bilder war ich erschrocken und dachte Du bist dann mit schwarz rüber gegegangen…sowohl pur, als auch im Gegenlicht – sehr schön geworden. Man merkt ganz stark, dass du malerisch begabt veranlagt bist! Kompliment.
    Mehrfarbige Grüße
    karen

  3. Oh, wunderschön ist der geworden (und ich hab wieder ein neues Wort kennengelernt, von Pojagi hatte ich bislang noch nichts gehört).

    Das sieht zusammen einfach toll aus. Erstaunlich, was aus so einzelnen Tagen zusammen entsteht (trotz „Darmgrippe“) und wie harmonisch es dann wieder aussieht.

    Schön, vor allem als Vorhang, wegen des besagten Effektes!

    Im ersten Bild sieht es fast so aus, als könnte eine geheimen Botschaft drin stecken, manche Stücke sehen buchstabenähnlich aus.

  4. Ein tolles Ergebnis… Ich bewundere deinen Mut und deine Zuversicht, „einfach“ anzufangen, dich durch ein Projekt treiben zu lassen.

    LG
    Wiebke, die auch versucht hat, aus den vermeintlichen Buchstaben zu lesen

    • Mich hat das letzte schöne Stück auch an ein Kirchenfenster erinnert. Zu sehen in der alten Kirche Unser Lieben Frauen in Bremen. Dort wurden die Fenster 1966 von dem französischen Maler Alfred Manessier neu verglast. Marie

  5. Und ich versuche, deine Stimmungen herauszulesen – was es zu bedeuten hat, dass die Streifen zum Ende hin satter und großflächiger werden… Mir gefällt sehr, dass sich die unregelmäßigen Stücke letztlich doch zu einem regelmäßigen Viereck werden. Die Hieroglyphen sind mir auch aufgefallen – vielleicht merkt man, dass da eine Botschaft drin ist, selbst wenn man es nicht weiß.

  6. Ganz wundervoll,ich bin ja eigentlich zum quilten gekommen weil die Farbenpracht der Patchworkstoffe der amerikanischen Stoffdesigner mich total in ihren Bann gezogen haben,Daher hab ich natürlich bis jetzt einen Bogen um die Solids gemacht,Bei meiner letzten Stoffbestellung waren dann aber immerhin schon ein paar Shot Cottons dabei und .wenn ich jetzt eure Quilts sehe schiele ich doch schon in meine Kona Farbkarte .Liebe Grüße und Danke für die Inspiration..

  7. Einstellungen: Kommentare: Platzierung des Kommentarformulars: Pop-Up Fenster, hast du das mal probiert?
    Hab gerade bei Floh gelesen.
    Ansonsten mal Cache leeren (beim Browser direkt im Menü) und mal die Cookies löschen, das kann auch helfen.

    Mehr fällt mir auch nicht ein. Sehr kurz und kryptisch, ich hoffe, trotzdem verständlich.

    LG!

  8. Als ich merkte, welcher Art dein Post ist, scrollte ich ganz schnell, um die Bilder zu sehen. „Wow“, was ist das denn Schönes – der Pogaji-Quilt vorm Fenster. Beim Zeichnen fange ich meistens mit schwarzen Strichen an, deshalb stach es mir sofort ins Auge. Die Farben leuchten durch diese Umrandung so herrlich intensiv.
    Dann erst las ich die interessante Entwicklung deines Quilts. Die eigene Geschichte, die eigenen Bedeutungen ins Textile einzubringen finde ich ja das Besondere. Es muss nicht sein, aber wenn es denn da ist, gibt es mir Gänsehaut-Gefühle.
    Viele Grüße
    Tally

  9. Pingback: Ohne Zwänge habe ich nichts zu sagen « Suschna

  10. Ich habe diesen Blogpost jetzt schon einige Male als Sprungbrett zu Daintytime benutzt, vielen Dank für den Link zu diesem ganz besonderen Blog.
    Ihre Quilts aus alten Kleidungsstücken sind sehr speziell. Es ist faszinierend, dass sie auch die ursprünglichen Schnittteile beibehält und daraus sehr intuitiv etwas Neues zaubert. Magisch.

    Deine Farbpalette war durch die vorgegebenen Unis ja beschränkt, du hast es trotzdem geschafft, ganz unterschiedliche Kombinationen zu finden. Die dann aber eben durch den gemeinsammen Nenner zusammenspielen und eine Einheit bilden. Im Gegenlicht scheinen die Farben auch an Intensität zu gewinnen, oder täuscht da das Foto?

  11. Nein, das Foto täuscht nicht, das leuchtet wirklich so (natürlich mit Sonne dahinter, da musste ich ganz schön drauf warten). Eventuell liegt es auch – wie Tally schon sagte – an den schwarzen Umrandungen, die sich durch die Nahtzugaben ergeben.

    Die „Passage Quilts“ von Daintytime finde ich auch so gelungen, das ist dann irgendmal mein Endziel, so etwas zu probieren.

    Vielen Dank allen für die Rückmeldungen!

  12. kirchenfenster – dachte ich spontan
    wahnsinn welcher effect durch das licht entsteht.
    gerade freue ich mich wie ein schneekönig, dass
    ich zeit habe mir so schöne sachen anzuschauen,

    du schreibst es gab eine ganze gruppe quilterinnen
    wo kann ich deren kunstwerke bewundern?

    hezliche grüße
    judika

  13. Pingback: Stoffspielerei: Improvisation mit Stoffresten | Textile Geschichten

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