Altkleider in den Schredder

Ich werfe meine Kleidung in einen Altkleidercontainer und spende sie damit Hilfsbedürftigen? Das glaubt hoffentlich niemand mehr.

Der Weg der gespendeten Kleidung geht in der Regel so: Der Inhalt der Container wird von kommerziellen Recyclingfirmen abgeholt. Die gemeinnützigen Organisationen, deren Name auf den Containern stehen, erhalten dafür einen Geldbetrag von den Recyclingfirmen.

Die Sammlungen werden dann sortiert.  Was nicht mehr als Kleidung verkauft werden kann, wird zu Putzlappen zerschnitten, für eine Weiterverarbeitung zerfasert oder gleich als (Sonder-)Müll entsorgt.

Nur 40 % (sagt der Fachverband Textilrecycling) der Spenden werden als Kleidung weitergegeben, davon geht ein sehr kleiner Teil in Kleiderkammern und  Secondhandgeschäften in Deutschland. Die meisten Kleidungsstücke gelangen über einen Reihe von Zwischenhändlern auf die Märkte in Osteuropa, Afrika und Asien. Die Menschen dort kaufen gern die günstige Gebrauchtkleidung aus dem Westen – ob darunter die Textilproduktion vor Ort leidet, ist strittig.

Vor drei Tagen lief im NDR dazu eine Dokumentation: Die Altkleider-Lüge. In Tansania jedenfalls, so die Autoren, hat der Handel mit der Gebrauchtkleidung den dortigen Textilmarkt zerstört.

Für den Weg der Gebrauchtkleidung zurück in die dritte Welt  kann man sich auch den Film „Mitumba“ (hier leider nur die englische Version) ansehen, in dem der Weg eines T-Shirts vom Kleidercontainer bis hin zu einem Jungen in Tansania verfolgt wird.

Das Rote Kreuz sagt: Wer sicher sein will, dass die Kleidung in den Kleiderkammern des Roten Kreuzes landet, soll sie besser direkt dort abgeben. (Siehe Punkt 9 der Stellungnahme zum NDR-Film).

Die Vorstellung, der Wurf eines Kleidersackes in den Container käme direkt „den Armen“ zugute, ist also falsch. Andererseits bietet der Verkauf der Ware aus den Containern eine Einnahmequelle für die gemeinnützigen Organisationen. Der Dachverband Fairwertung hat es sich zur Aufgabe gemacht, für mehr Transparenz und Verständnis in diesem Bereich zu sorgen.

Ich werfe schon lange nichts mehr in die Container sondern bemühe mich, meine Kleidung viele Jahre zu tragen. Und bevor sie geschreddert wird, kann ich ich sie vorher auch selbst noch zerschnippeln und versuchen, etwas Neues daraus zu machen. Lucy von Nahtzugabe hat in diesem Jahr monatlich Ideen für die Aktion „Aus Alt mach Neu“ gesammelt, gestern erschien der November-Beitrag. Auch hier im Blog werde ich mich bemühen, die Kategorie „Weiterverwertung“ im Auge zu behalten.

Lesestoff:

Millionenmarkt Altkleiderware

Sondermüll im Kleiderschrank

Needled macht sich Gedanken zu Out with the Old – sie hatte sich entschieden, ein Jahr lang keine Kleidung mehr zu kaufen.

10 Gedanken zu “Altkleider in den Schredder

  1. das thema hatte ich auch gerade mit freunden,die wahren ziemlich überrascht.
    die läden in afrika wo die sachen verkauft werden heißen übersetzt
    der weiße man ist tod….

  2. … das kommt auch im Film Mitumba vor: Ein Afrikaner trägt Hose, Hemd und Schuhe vom Gebrauchtkleidermarkt und sagt, die Kleidung käme von Verstorbenen – schließlich würde kein Lebender so gute Kleider einfach weggeben.

  3. Das ist schon echt krass, ich wusste das schon eine Weile, aber habe auch lange geglaubt, die Sachen würden direkt an Bedürftige weitergegeben. Das Geschäft mit unserer Unwissenheit läuft echt super…
    Bei uns im Ort (Kleinstadt) gibt es glücklicherweise seit Jahren eine private Organisation, die gebrauchte Waren (auch Geschirr usw.) direkt weiterverkauft. Der Erlös kommt einem Afrikaprojekt zugute. Ich gebe dort gerne ab und kaufe aber auch gerne dort ein, die Mitarbeiter arbeiten alle ehrenamtlich und die Ergebnisse der Arbeit in Afrika bekommt man auf Fotos usw. präsentiert. Alles in kleinem, überschaubaren, nachvollziehbaren Rahmen, sehr sympathisch. Der Laden ist eine Art Institution hier, alle Alters- und Gesellschaftsschichten gehen ein und aus und der Besuch lohnt sich schon, wenn man nur Leute gucken will. Ist allerdings immer ziemlich eng dort, weil er nur einmal die Woche auf hat.
    Jedenfalls sollte es sowas doch öfter geben, klein und nachvollziehbar!

  4. Ich gebe eigentlich schon viele Jahre nichts mehr in die Altkleidersammlung.
    Ich habe Freundinen mit denen ich tausche, dazu eigenen sich hauptsächlich die klassischen Fehlkäufe die normalerweise fast neu Jahre im Schrank hängen. Bei mir hängen sie nur mehr einen Saison und schwupps gebe ich sie weiter und genau so bin ich schon zu Liebelingshosen gekommen. Der Fehlkauf einer Freundin landete bei mir.
    Anderseits trage ich Lieblingssachen bis sie buchstäblich zerfallen und wenn man gleich ordentlich Qualität kauft kann das schon sehr lange dauern. Das ist gleich der nächste Punkt der mir auch wichtig erscheint, ich kaufe wenig aber immer gute Qualität (nicht zu verwechseln mit Logo oder Marke).
    Anderseits kaufe ich schon mal was am Flohmarkt und trage es dann :)

    Danke für die Links ich werde mich durcharbeiten!
    Liebe Grüße
    Teresa

  5. Schön, dass du darüber schreibst. Ich versuche auch, diese Herausforderung anzunehmen, die es ist, wenn man aufwacht und bemerkt, dass am Schmetterlingseffekt für einen ganz persönlich etwas dran ist. Was ich tue hat Auswirkungen und wenn ich mehr nutze, als ich brauche, wird jemand anderes weniger haben…wir sind so sehr vernetzt.
    Shoppen finde ich eigentlich immer langweilig…bis auf Bücher vielleicht….
    Ich freu mich viel viel mehr, wenn mir etwas gelingt,( das ich manchmal nicht für im Rahmen meiner Möglichkeiten gehalten habe), eine Idee, eine Umarbeitung…Kreativität auch das.

  6. Danke für den Hinweis auf die Doku. Wenn man, wie ich, mal in Afrika war, wird einem die traurige Ironie des ganzen erst so richtig bewusst. Man trifft dort haufenweise kleine Kinder in Spongebob- und Bob der Baumeister T-Shirts. Die Märkte sind voll von Kleidung, die bei uns letztes Jahr in Mode war. Es mag strittig sein, inwiefern dies tatsächlich lokaler Textilindustrie schadet, tatsächlich wird aber von vielen afrikanischen Gruppen zunehmend angeprangert, dass der Kontinent einen Identitäts- und Kulturverlust durchläuft, der sich eben auch im Verschwinden traditioneller Kleidung zeigt. Zumindest für Sambia stelle ich vermehrt fest, dass nach dem Wissen um traditionelles Essen (das bereits von den Kolonialherren verdrängt wurde) nun das Wissen um traditionelle Stofffärbung und Verarbeitung verloren geht und viele der Stoffe auf den Märkten nun „Made in India“ und „Made in China“ oder gar „Made in the Netherlands“ sind. Wie paradox, nicht wahr?

  7. Pingback: Ein Hosenbein, alte Hemden… « wortmeer

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