Mausgeburt

Die ganze letzte Woche habe ich an der Weiterentwicklung der Medaillons getüftelt – aber es ist eigentlich nur dies dabei herausgekommen:

Plan war es, die sprießenden Frühjahrsblüher, vor allem die Forsythien, einzufangen. Das war aber gar nicht so einfach, und bald wird schon alles wieder verblüht sein, ich komme nicht hinterher. Dabei hatte ich fünf Tage lang den Familienesstisch in Beschlag, da wäre doch wohl mehr zu erwarten gewesen.

Der Deal war, zum Wochenende alles wieder freizuräumen, was ich auch gemacht habe. Nun ist es nicht so, dass ich à la Virginia Woolf „A room of one’s own“ fordern müsste. Es gibt bei uns eine Art Näh- und Bastelzimmer, das ich aber so zugestellt(gemüllt)  habe, dass dort ein Arbeiten nur nach eintägiger Aufräumaktion möglich wäre. Das ist mir zuviel Aufwand. 

Fairerweise müsste ich noch das Gästezimmer erwähnen, das als Stofflager (= Altkleidersammlung) dient. Der Zustand lässt sich nicht zeigen. Unordnung zu fotografieren finde ich insgesamt sehr schwer, meist sieht es auf den Bildern gar nicht so schlimm aus wie in Wirklichkeit.  (Nur bei Herrn M habe ich einmal einen schöner Beitrag mit glaubwürdiger Unordnung gesehen, mit der ich mich identifizieren konnte. Nun ist Herr M gerade weg, schade, keine Verlinkung.)

Inzwischen habe ich von einer Studie gelesen, dass nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen Unordnung das Denken in Stereotypen fördern soll – ????  Fehlende Struktur bewirkt Vorurteile??? Ich weiß ja nicht, wie die Wissenschaftler sich das gedacht haben, aber aus der Sicht eines Unordnung schaffenden Menschen weckt jede geordnete Fläche nur das Bedürfnis, sich dorthin auszubreiten – so werde ich dann in der kommenden Woche den Esstisch wieder übernehmen, ich muss dringend einiges zuschneiden. Hoffentlich erblickt dann nicht wieder nur eine Maus das Licht der Welt.

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7 Gedanken zu “Mausgeburt

  1. Einmalig schoen das Medaillon. Ist das umhaekelt? Was hast du denn fuer ein Garn benutzt?

    Ich habe auch ein Muellzimmerchen und gerade Unordnung fotografiert. Leider sieht die auf den Bilder genauso schlimm aus wie sie ist. Wo hat deine Familie denn gegessen? Am Sofatisch? Hihi. Ich bin sehr neidisch auf deinen schoenen Parkettboden. Ich wollte meinen bescheidenen Tanneboden vielleicht hellgrau streichen, aber ich muss nochmal in mich gehen. Vielleicht muss da doch noch ein „vernuenftiger“ Boden drauf…

    • Ja, diesmal ist der Rand gehäkelt, mit lockeren festen Maschen (kein Widerspruch) und ganz normalem Baumwollhäkelgarn.
      Familienessen findet alltags an einem kleinen Tisch in der Küche statt, sowieso praktischer…

  2. Das kommt mir bekannt vor – zwar habe ich kein Bastel- und Kramzimmer (wäre aber wichtig, falls wir umziehen – allerdings ein Bastel- udn Kramzimmer für jeden), aber die Materialien und angefangenen Dinge bewegen sich wie die Gezeiten ausgehend von diversen Schränken, Schachteln, Regalen in die Wohnung hinein, breiten sich aus und werden dann wieder in ihre Aufbewahrungsstätten zurückgedrängt. Ich finde es sogar ganz gut, dass bei „Ebbe“ gleich nach dem Aufräumen ungefähr einen Tag lang gar nichts herumsteht – ein Bastelzimmer hätte wahrscheinlich auch bei mir einen ständig steigenden Wasserstand (um im Bild zu bleiben), und wenn einem der Stoff bis zum Hals steht, dann wäre der nächste Raum dran. Mal sehen, was die nächste Flut bei dir anspült – mal viel, mal wenig, das ist ja auch am Meer so.

    • Wie Carmen (beim nächsten Eintrag) schreibt: Dein Bild von den Gezeiten ist ganz wunderbar. Auch spendet der Aspekt der Unabänderlichkeit dieser Bewegungsabläufe Trost.
      Auf dem Nähtisch hier ist gerade ablaufend Wasser, Dinge wurden in ihre Heimatorte zurücksortiert. Dafür droht durch das nächste Projekt eine Springflut – Schotten dicht geht nicht.

  3. Ich bin ja immer wieder verblüfft, wenn du sowas schreibts „da ist NUR das rausgekommen“
    Also ich finde deine „nur Das“-es immer ziemlich toll. Ich freu mich ja schon so auf deinen Blumensetzkasten :-)
    Und ich wünschte, meine Familie würde mir so ein Chreativrausch durchgehen lassen (Esstisch?), das ist echt ziemlich nett von deinen, oder?
    Liebe Grüße C.

    • Ja, das ist wirklich echt nett. Die im Kreativrausch weggetretene Frau/Mutter lässt dann auch viel durchgehen – Bundesligadauergucken z.B. und endlos Computerspielen und Vollstopfen mit Süßigkeiten etc.
      Eigentlich wollte ich einen ganzen Kasten Medaillons schaffen, aber der Alltag ist doch mit so vielen Unterbrechungen durchzogen, dass es zur Zeit nicht klappt. Daher das NUR.

  4. Schau mal was Spiegel online nachgefügt hat :)

    Anmerkung: Am 1. November 2011 hat das Fachmagazin „Science“ mitgeteilt, dass die Studie möglicherweise manipulierte Daten enthält. Nach Angaben der Universität Tilburg sei der Ausmaß der Fälschungen gravierend. Diederik Stapel wurde im September suspendiert.

    wbr/dapd

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