Bortenmachen

Eure vielen Vorschläge zum Wintermantelprojekt haben mich motiviert, weiter daran zu arbeiten. Ein schöner Vorwand, um eine lang gehegte Idee einmal auszuprobieren: Das Brettchenweben, auch genannt Plättchenweben. Eine uralte Handarbeitstechnik, die in Mitteleuropa schon Ende des Mittelalters wieder verschwand.  (Hintergrundinformationen hier).

Das Gute daran ist, dass man einfach loslegen kann und keine besonderen Gerätschaften braucht, nur ein paar alte Memory- oder – in meinem Fall – Kinderlottokarten, die an den vier Ecken gelocht werden.

Man zieht Fäden durch die Löcher und bindet sich die Fäden an einen Gürtel und z.B. an einen Türgriff. Durch Kippen und Drehen der Karten entstehen Zwischenräume, durch die man einen Schussfaden zieht. Ich habe nach dem „Werkbuch für Mädchen“ von Ruth Zechlin gearbeitet . (Wenn ich nur ein einziges Handarbeitsbuch behalten dürfte, dann wäre es dieses).

Viel weiter als auf dem Foto oben bin ich mit meiner Borte nicht gekommen, die Pättchen waren irgendwann durcheinander geraten und das Band wurde mir auch viel zu fest. Es wäre eher als Henkel für eine Tasche geeignet oder als Gürtel.   Im Internet habe ich später dann hier  noch eine brauchbare Anleitung gefunden, oder man guckt es sich im Film an, z.B. hier.  Ich werde es bestimmt noch einmal probieren, aber dann nicht so holterdipolter auf der Bettkante.

Für den Mantel habe ich dann lieber Testborten gehäkelt. Allerdings geben alle dem Mantel etwas Folkloristisches – dabei wäre mir die von euch erwähnte 20er Jahre-Richtung lieber.

Für die Knöpfe habe ich einfach kleine Kappen als Abdeckung gehäkelt, das bringt schon eine Menge. Gut sind aber auch die Puschel meiner Mütze dazu. Und eine quer getragene Tasche macht auch etwas aus.

Ihr seht, ich taste mich so langsam an die Lösung heran. Im Moment ist es hier allerdings so sibirisch gefroren, verschneit und unwegbar dass es mir fast egal ist, wie ich aussehe.  Beim langen Herumstehen auf den S-Bahnsteigen wird mir ziemlich kalt an den Beinen.  Vielleicht lande ich ja doch noch bei Globetrotter und den Hightech-Erfindungen der Textilbranche. Refashion-Dogma hin oder her.

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10 Gedanken zu “Bortenmachen

  1. Den gewebten Bortenanfang finde ich jedenfalls schon mal sehr interessant. Brettchenweben steht auch auf meiner ewigen To-do-Liste, nur haben sich mir die Anleitungen nie so richtig auf Anhieb erschlossen.
    Als Borte könnte Gabelhäkelei geeignet sein – ein schlaufiges Band nur aus der grauen Wolle, oder eventuell rote Wolle durch die Schlaufen gezogen. Ich hab mir auf dem Maybachmarkt mal eine ganz einfache Häkelgabel gekauft, das ist eigentlich nur ein zurechtgebogenes und abgefeiltes dickes Stück Draht, wie eine überdimensionierte Haarnadel. Die gehäkelten Streifen kann man zwar auch zu größeren Gebilden zusammenhäkeln, aber als Borte hatte es mir am besten gefallen – nur ergab sich bisher kein richtiges Anwendungsgebiet.

    • So eine Gabel habe ich hier auch, und ein uraltes Anleitungsheft dazu. Ich wette, Gabelhäkeln liegt in der Luft. Das wären ja auch mal schöne Themen für Kreativtreffen: Brettchenweben und Gabelhäkeln.

  2. Hört sich interessant an mit dem Brettchenweben, aber ich hab hier noch so viele andere Projekte, so dass die Memoryspiele der Kinder noch eine Weile sicher sind. Ich bin schon gespannt, wie die Mantellösung aussehen wird (wobei ich den Mantel auch vorher echt gut fand!)LG und einen schönen Sonntag

  3. Ich bewundere zutiefst deine Geduld beim Antasten an eine optimale Lösung!
    Die von Lucy erwähnte Gabelhäkelei würde sicher eine Borte eher in Richtung 20-er Jahre Affenfell ergeben….
    Das mit den Plättchen (und der sinnvollen Weiterverwendung von Lottokärtchen) ist ja spannend- davon habe ich noch nie gehört / gelesen. Danke liebes Internet!
    Wie lang hast du für dein Stück Borte / Gürtel gebraucht? Man muß sich vermutlich für ein Weilchen für einen bestimmten Sitz-Aufenthaltsrot entscheiden. Andernfalls steht man neben dem Schraubzwingengespanne (wie in der tollen Anleitung beschrieben) herum. Das stelle ich mir ungemütlich vor.

    Hast du nicht irgendwo eine reusable Danunenbettdecke für einen S-Bahn-tauglichen Mantel. Gibt es z.Zt etwas ungemütlcheres als einen S-Bahnsteig?

    Taste dich tapfer weiter voran!
    LG
    Wiebke

    • :-) Daunenbettdecke habe ich nicht, aber, in der Tat, eine sogenannte „Rheumadecke“ wäre vorhanden. Wieso bin ich da nicht selbst draufgekommen?
      Das Weben hat einen Abend gedauert, tatsächlich auf der Bettkante, vor lauter Ungeduld. Ohne Schraubzwingen, einfach Gürtel und Regal als Haltepunkte, wobei das Schneiden und Einfädeln der Bänder fast aufwendiger war als das eigentliche Weben. Man kann zwar unterbrechen, aber dann muss man die Reihenfolge der Karten gut sichern, das war ich zu schlampig. Ich werde nochmal neu einfädeln und andere Muster probieren.

      • Meine Mutter sagte mir nun am Telefon, es gäbe noch ein Plumeau von meiner Großmutter – „Aber das passt nich einmal um dich drum“.
        Charming.

  4. hier auf den Fotos sieht man den Wollstoff für den Mantel viel besser…auch, dass beide Materialien sehr pluschig sind, was ich schön finde. Versuch doch mal ein ganz-glatt-nur-rotes Band (zur Vermeidung von übermäßiger Folklore)…
    Wobei die Bändchenweberei ja auch schon wieder ansteckend ist/wäre…

  5. Brettchenweben steht nicht auf meiner To-do-Liste als solches, aber auf meiner Liste möglicher Blogsposts. Seinerzeit habe ich mich viel damit beschäftigt, einen Rock und die Raglan-Naht eines selbstgestrickten Pullovers damit verziert, de Kleidung reichte jedoch nur für eine Ausstellung, aber nicht zum Tragen nach meinem Geschmack.
    Mir erschloss sich (früher) (leider) nicht die Sinnhaftigkeit solcher Handarbeiten, da ich eher sportlich-schlicht rumlaufe. Vermutlich deshalb bin ich so auf textile Seiten in ihrer kompletten „Sinnlosigkeit“ abgefahren.
    Vielleicht sollte ich mal ein Mini-Band aus Stickgarn weben und auf eine Seite einnähen.
    Ja, ich merke es schon, die Phantasie trägt mich gerade fort. Ich ahne nur, wo meine Brettchen sind und wie es funktioniert, weiß ich nur noch halb.

    Kappen häkeln für Knöpfe ist eine spezielle Idee. Auf was du so alles kommst!
    Herzliche Grüße
    aus dem leider schon wieder tröpfelnden Wald
    Tally

    • Freue mich schon darauf, dass du irgendwann mal einen Blogpost zum Brettchenweben machst. Ja, man müsste es mit dünnerem/glänzenderem Garn versuchen, dann wird es wohl auch eher eine Borte und nicht ein Gurt. Wobei ich mir vorstellen kann, z.B. den Henkel für eine Umhängetasche passend zum Stoff zu weben. Die Idee der Monatsseiten war ja, Techniken auszuprobieren, daher wäre das mit dem Weben eine gute Idee. Meine Brettchen sind gerade auch schon wieder verschwunden – habe aufgeräumt und weiß nicht mehr, wo ich sie verstaut habe. So schnell geht das.

  6. Pingback: Neues Leben für alte Kleider im Januar « Suschna

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