Nähwagen

Von Lucy angestupst biete ich hier nun in (versuchsweise) neuer Umgebung mal eben den Anblick meines Nähkastens.

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Wie schon erwähnt, stammt er (laut Trödler) aus der Invalidensiedlung Frohnau hier in Berlin.  Diese Siedlung für Kriegsversehrte wurde  in der NS-Zeit errichtet, und den Wagen ordne ich auch in diese Zeit ein. Ich mußte einige Schrauben ersetzen, ansonsten habe ich alles so gelassen. Die Räder quietschen auch, wie bei Lucy. Die sollen ruhig quietschen. Das ganze Ding soll ruhig quietschen, auch beim Ausfalten.

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Das Ding ist zwar nicht schön, weder optisch noch auramäßig, aber sehr praktisch, weil ich alles an einem Ort habe. Ich stelle mir in einer dunklen Stube einen älteren bärtigen Herrn in einem Sessel vor, das versehrte Bein hochgelegt, neben ihm seine Krücken. Seine Frau hat den Nähkasten aufgeklappt und näht einen Knopf an seiner Ausgehuniform wieder fest. Spaß am Nähen hat sie glaube ich auch nicht, aber davon kann ich abstahieren. Muß man hier in Berlin ja sowieso ständig, das finde ich auch irgendwie faszinierend. Liebe Lucy, kannst Du Dir nicht auch ein Stück faszinierende Berliner Geschichte zu Deinem Wagen denken? Sicherlich eine Nachkriegsgeschichte, aber da gibt es ja auch viele spannende Sachen.

4 Gedanken zu “Nähwagen

  1. Siehst, du genau sowas habe ich mir unter „Nähwagen mit unheimlicher Aura“ vorgestellt! Düster, aber mit Charakter und vor allem aus Holz.
    Meine Nähwagen-Nachkriegsgeschichte müsste aus der fränkischen Provinz stammen. Vielleicht hat die Besitzerin des Wagens bei Quelle gearbeitet, wie so viele Frauen in der Gegend – und hat den Nähkasten dann auch dort gekauft (mit Personalrabatt). Hört sich das faszinierend an? Ich denke nicht.
    Aber nachdem ich nun einiges über die Invalidensiedlung gelesen habe, werde ich mich am Wochenende auf den Weg nach Frohnau machen, um einen Teil Berlins kennenzulernen, in dem ich noch nie war, was sehr gut zeigt, dass bloggen den Horizont erweitert.

    viele Grüße! Lucy

  2. Hm, naja, das ist schon schwer. Obwohl… aber das würde hier zu weit führen. Frohnau kenne ich auch kaum, schon gar nicht diese Siedlung, da bin ich ja mal gespannt. Gibt es nicht auch ein Quiltgeschäft in Frohnau? Wäre sogar ein direkter Nähgrund für den Ausflug.

  3. Also, ich war tatsächlich, im April schon, in der Invalidensiedlung in Frohnau. Frohnau selbst liegt ja schon ganz weit draußen, die Invalidensiedlung selbst liegt dann noch mal außerhalb. Die Landstraße führt ein ganzes Stück durch den Wald, die S-Bahn nach Oranienburg rauscht direkt vorbei, hält aber nicht. Die Siedlung ist tatsächlich ziemlich düster, eine Gartenstadt im Wald mit locker verteilten rotgeklinkerten Häusern an einer Ringstraße. Die ganze Anlage ist ja in den dreißiger Jahren geplant worden und wurde 1937 oder 1938 fertiggestellt und ich wurde den Eindruck nicht los, dass dort die Kriegskrüppel des Ersten Weltkriegs versteckt werden sollten, während der nächste Krieg ja schon beschlossene Sache war.
    Man kann da im Wald aber ganz schön spzierengehen – auf der anderen Seite der Bundesstraße war wohl um 1910 herum mal ein Villengebiet geplant, ein Bauunternehmer hatte dort einen künstlichen See angelegt und schon mal Straßen angelegt, ging dann aber Pleite, weil er die Grundstücke nicht los wurde. Den See und die Straßen gibt es noch – bestes Granitpflaster mitten im Wald.
    Von einem Patchworkgeschäft habe ich nichts mitbekommen, aber in Frohnau gibt es einen buddhistischen Tempel mit Garten.

    viele grüße, Lucy

    • Danke für die schöne Beschreibung, das sehe ich mir auch noch einmal an. Der Laden soll hier sein: Patchworkstoffe Angelika Pasche Zeltinger Platz 9 13465 Berlin.

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