Projekt von weit weg

Georgian woman's garment; beginning of 19th cent., from TiflisQuelle: Wikicommons

Gleich zum Jahresbeginn animiert mich das Thema „From a far away place“ zum Mitmachen.  Alex von MamaMachtSachen hat die Aktion „Nix für Lemminge“ erdacht und ins Leben gerufen. Idee ist, sich frei ein Kleidungsstück zu entwerfen und zu fertigen. Einzige Maßgabe ist das von Alex vorgegebene Thema. Im Januar und Februar geht es darum, sich mit dem Kleidungsstil fremder Länder zu befassen. Das passt mit so gut! Schon lange möchte ich mir einen Kaftan machen, der gefüttert und gequiltet sein soll. Das Ganze ist als Hausmantel gedacht, denn es ist eigentlich nicht zu verstehen, wieso es keine Hausmäntel mehr gibt.

Hier der Gang meiner Gedanken:

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Links ein Mitbringsel aus Marokko. Als perfekten Morgenmantel trage ich ihn im Sommer, aber für den Winter ist er viel zu kalt.

Rechts eine schwarz(kunst)seidige wattierte Jacke aus Singapur. Ich lebe seit zwanzig Wintern darin, sie hat nur ein Manko: Sie ist zu kurz, um als Hausmantel zu dienen.

Beide erfüllen aber meine Vorgaben für einen solchen Mantel: Man könnte damit auch auf die Straße gehen, und sie sind sehr gut waschbar.

Historisch ist der Kaftan ein vorn offenes langes Obergewand. Aus dem Persischen verbreitet es sich in ganz Asien, der Kimono ist mit ihm verwand. Im 17. Jahrhundert entwickelte sich daraus der Hausmantel der Herren.

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Schön ließe es sich Innen und Außen mit Mustern spielen.

In meinem Zettelkasten fand ich noch andere Ideen für Stoffe, Muster und Modernisierungen.

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Aber ich glaube, ich werde es schlicht halten. Ähnlich dieser zwei Mäntel aus den 20er Jahren.

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(Auch mal interessant, so eine Abfolge. Das mache ich selten, ein Vorhaben öffentlich planen.)

Soweit ist es sehe, bin ich nicht die einzige mit einem Haus-/Morgenmantelprojekt bei der Nix-für-Lemminge-Aktion, ich bin mal gespannt. Als Schneiderin weder besonders versiert noch akurat, kann ich technisch wohl nicht viel beitragen. Aber über Kaftane und Hausmäntel will ich gern noch recherchieren. Dazu dann mehr am 19.1., dem nächsten Termin der Aktion. Vielen Dank für den Anstups zum Jahresbeginn! Hier geht es zu den anderen Projekten und Alex tollem Moodboard: NHL1 – From a far away place.

13 Gedanken zu “Projekt von weit weg

  1. Deine Kaftane machen großen Appetit und würden dir auch toll stehen, glaube ich.Sie verschlingen Unmassen an Stoff! Aber leicht gesteppt ein tauglicher Wintermorgenmantel. Für mich wäre das wahrscheinlich eine Jahresarbeit, dafür bin ich zu langsam. Aber ich bin gespannt auf diese Aktion und im genießenden Beobachterstatus.
    Ich hebe immer gemusterte alte Futterstücke auf, wenn man da mal so viel zusammen hat, das wäre auch ein verrücktes Futter, aber wahrscheinlich zu kalt, wenn es nicht reine Seide ist? Liebe Grüße kaze

  2. Oh, ja, Kaftan! Finde ich auch sehr sehr schön.

    In einem meiner alten Brigitte Bücher (Folklore) ist glaube ich so ein Kaftan-Minischnitt drin, denn man dann selbst anhand Karos skaliert. Soll ich mal gucken gehen? Ist sehr rudimentär. Aber so als Richtschnur vielleicht ganz tauglich.

    Ich finde dieses öffentlich planen wirklich sehr spannend, so ein bisschen wie Stoffspielerei, nur mit Kleidung. Nächstes Mal bin ich hoffentlich auch dabei, ich hab mir schon ein paar Gedanken gemacht, nur leider gar keine Zeit.

    Und ich bin mir sicher dass wir uns auch mal in Berlin treffen, das steht an zweiter Stelle (äh, Bielefeld zählt nicht) auf meiner Verreisen-Liste, vermutlich im Herbst oder nächstes Jahr. Und dann machen wir auf alle Fälle was aus :)

    Liebe Grüße!
    frifris

    • Vielen Danke für das Angebot! Mir reicht aber wohl mein Gewand aus Marokko, das sitzt gut. Ich muss den Schnitt wohl nur abnehmen und für die gefütterte Version etwas vergrößern.

  3. Spannendes Thema, ja wirklich! Noch dazu öffentlich geplant, ist es interessant wie die Herangehensweise der einzelnen abläuft.

    Zum Kaftan-Vortrag find ich mich sicherlich bei Dir ein, das wird bestimmt interessant. Und nähtechnisch muss man das Rad ja nicht neu erfinden, oder?

  4. Ah, wie schön, dass du auch dabei bist! Auf der Textile art gabs mal eine Ausstellung Usbekischer Mäntel aus Seidenikatstoffen – ähnlich wie das abfotografierte Beispiel aus dem Buch oben. Wunderschön waren die. Leichter Stoff mit dünner Wattierung dazwischen geht bestimmt auch gut – D. aus der Quiltgruppe hatte immer so ein gut fallendes Vlies von Frau Tulpe in ihren Quilts, sowas vielleicht. Es sollte ja nicht so abstehen wie eine Steppdecke.

    • :-) D’s dünnes Vlies liegt schon lange hier auf Halde, nun fehlt es noch an den leichten Baumwollstoffen für Innen und Außen. Ich glaube im Museum Europäischer Kulturen habe ich genau so einen Mantel gesehen wie ich ihn im Kopf habe, aber ich finde das Foto nicht mehr wieder. Steht neben dem gelben Seidenkleid, aber vielleicht irre ich auch.

  5. Bin gespannt. Spontan fiel mir auch das Völkerkundemuseum in Dahlem ein, dort habe ich mal einen herrlichen Patchworkmantel gesehen. Schlicht war der eher weniger.

  6. Herrlich, so einen Kaftan könnte ich mir auch gut vorstellen. Und dann auch noch abgesteppt, das wird ein geniales Teil, darauf freue ich mich schon sehr! Vor allem kann man den sicher schön schlicht halten. Toll!
    Liebe Grüße,
    Nastjusha

  7. Oh, besonders rechts der 20er Jahre Mantel gefällt mir sehr gut mit den Farben!

    Ich mag Hauskleidung, die trotzdem schick ist, sehr – man will sich ja nicht schämen müssen, wenn der Postbote klingelt oder einen jemand sieht, wenn man die Mülltonne rausrollt ;)

  8. Seit ich in einer Ausstellung in Den Haag Hausmäntel für Herren aus Chintz aus dem 18. Jahrhundert gesehen habe, will ich mir so eine wattierte Schönheit nähen. Diese basierten ja auch auf persischem Einfluss und imitierten den Kaftan. Diderot hat angeblich nahezu ausschließlich im Hausmantel gelebt und schrieb die humorigen „Gründe meinem alten Hausrock nachzutrauern“… Du befindest Dich mit Deiner Idee also in bester Gesellschaft!
    LG, Bele

  9. oh..sehr spannend !
    so was besticktes wattiertes hätte ich auch noch zu gerne mal gemacht..aber 2 Monate erscheinen für mich zu knapp :-) , so zackig bin ich da nicht.Deshalb ziehe ich bei meinem Kaftan bestickte Belege in Betracht… auch deine Geschichtlichen Hintergründe sind sehr spannend, sehr erquicklich das ganze !

    liebe grüsse
    stella

  10. Pingback: Warum ich keinen seidenen Hausrock will | Suschna

  11. Pingback: Geschafft: From a Far Away Place | Suschna

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