Bürgerliche Tischkultur?

Dieses Bild (hier ein Ausschnitt) habe ich vor langer Zeit gemalt. So kenne ich es von zuhause: Tischtuch gemangelt, Butter in einer Butterdose, Aufschnitt ausgewickelt und ausgelegt, Brot im Brotkorb, Marmelade im Glasschälchen,  und so fort.  Unter keinen Umständen war eine Verpackung zu sehen!

Daher rührt wohl meine Aversion gegen hässliche Wasserflaschen auf dem Tisch. (Saft- , Milchkartons etc. beleidigen natürlich ebenfalls mein Auge).  Vor Kurzem habe ich dann für ein schönes Essen von ca. 10 Wasser- und Saftflaschen die indiskutablen Banderolen abgeknibbelt – mit dem Ergebnis, dass es im Supermarkt dann kein Pfand zurück gab. Pech gehabt, Danke Verpackungsverordnung.

Also habe ich mich daran gemacht, Hüllen zu nähen. Nachfolgend nun Aufnahmen vom Werdegang der Prototypen und ein paar Bemerkungen dazu – kann ja sein, dass unter meinen Lesern noch jemand nicht mit hässlichen Flaschen auf dem Tisch leben kann.

  Bastmatte von Modulor – daraus ein Rechteck auschneiden, das großzügig überlappend einmal um die Flasche gelegt werden kann.

    

Nun entweder die offenen Bastkanten mit Band einfassen …

oder die Kanten nur mit kleinen Stichen sichern, oder ein Zierband aufnähen.

Zum Verschließen:

  

Mit doppelseitigem Klebeband einen Röhre formen, die genau um die Flasche passt. Evtl. noch mit der Hand zunähen. Die Hülle passt dann immer nur für eine Flaschengröße.

Für eine verstellbare Hülle:

  

Klettband aufnähen. Senkrecht an die äußere  Schmalseite des Rechtecks die pickelige Seite des Klettbandes aufnähen. Das flauschige Stück des Klettbandes durchschneiden und in zwei Teilen horizontal innen an die andere Seite nähen.

Hier nun die ganze Riege. So dürfen sie auf dem Tisch bleiben.

Aber halt! Sind diese Plastikverschlüsse nicht auch ganz grausam?

Vielleicht ein paar Häubchen?

Und wenn ich nun schon im Revier der  Dekoblogs bin, kann ich ja auch gleich noch mein neues Tablett zeigen:

Ein Regalbrett, gefunden im Wald, mit zwei Henkeln aus dem Baumarkt.

Einen kultivierten Sonntag wünsche ich!

14 Kommentare

  1. Wer will denn ollen Plastik Kram auf dem Tisch?! Ich auch nicht! Bei meinen Eltern durfte noch nicht einmal ein Kochtopf auf den Tisch! Deine „Kleidung“ für die unansehnlichen Flaschen gefällt mir gut!

  2. Haha. So hat jeder so seine Eigenheiten. Ich frühstücke zum Beispiel sehr ungern im Pyjama/Nachthemd (wobei ich erinnere, dass ich als Kind am Wochenende vorwiegend im Schlafanzug gefrühstückt habe, komisch, dabei nimmt man sowas doch eher von früher mit). Nicht das das jetzt der Grund wäre fürs Nähen ;) Aber noch habe ich auch kein Nachtzeug genäht.

    Flaschen haben wir auch nicht auf dem Tisch, aber eher weil ich sonst nix sehe (wahr) oder irgendein Kind sie eh nur umwirft.

    Sehr gut gefällt mir mal wieder dein Bild. Du solltest deine Bilder wirklich hier häufiger zeigen :) Ich weiß ich rede mir ein bisschen den Mund fusselig, aber hätte ich eine Galerie (nein, habe ich nicht) würde ich so was ausstellen…

    • Liebe Frifris, wenn du eine Galerie hättest, würdest du meine Bilder vermutlich sogar verkaufen. Allerdings zu einem Preis, von dem dann weder du noch ich leben könnten. Ich habe das alles schon ein paar Jahre ausprobiert. Normalverdiener können sich allenfalls Bilder zum Preis eines Ikeasofas leisten. (Man muss ja nur mal an sich selbst denken, wieviel man so ausgeben würde). Ab einer gewissen Schallgrenze ist dann Schluss mit Verkäufen. Und wenn man Mehrwertsteuer, Galeriemieten, Atelierkosten, Ausstellungskosten etc abzieht, bleibt gerade noch ein Abendessen in einem schönen Restaurant über. Also: Reine Liebhaberei!

      • Da hast du wahrscheinlich recht. Ich kann ja auch nicht gerade behaupten, dass unsere Wohnung voll Kunst hängt (äh, wir haben gerade mal ein Bild…) – denn das was uns gefällt und wozu wir Zugang hätten, könnten wir uns sowieso nicht leisten. Der Kunstmarkt ist schon etwas, äh, neutral formuliert, sehr Eigenes und ich beneide niemanden darum, der sich dort zumindest einen Teil des Lebensunterhaltes erkämpfen/verdienen will/muss.
        Es ist dann wie mit allem – nicht immer die Besten überleben. Schade finde ich das dennoch.
        Vielleicht ändert sich das mit Plattformen wie etsy oder dawanda, aber irgendwie glaube ich das eher nicht – weil man dort ja eben oft keinen der Arbeit halbwegs angemessenen Preis verdient. Allerdings hab ich mich auch noch nie mit dem Thema beschäftigt. Und auch noch nie bei etsy oder dawanda nach Kunst gesucht.
        Ich wäre wohl auch wirklich komplett untauglich als Galeristin: völlig ahnungslos und talentfrei. Und einen Verkäuferinnenseele hab ich auch noch nicht in mir entdeckt :)

        Aber deine Bilder (auch die zwei heute gezeigten, ganz besonders die Stühle) finde ich einfach wirklich gut und ich freue mich, dass du sie wenigstens im Blog zeigst.

      • Ja, das ist wohl leider wahr, dass ein realistischer (=kostendeckender Preis + angemessener Gewinn) mit Bildern kaum zu erzielen wäre. Bei etsy oder dawanda darf man nicht schauen – das ist absolut deprimierend, zu welchen Witzpreisen dort verkauft wird. Das ist nicht mal mehr Liebhaberei, nur noch Selbstausbeutung. Ein guter Bekannter ist Grafiker und lebt von seinen Sachen (und Hochschullehre, und mal ein Stipendium), aber als Grafiker (er macht Radierungen) entsteht ja jedes Mal eine kleine Auflage. Die Blätter kosten so viel wie ein günstiges Ikea-Sofa, Zeichnungen etwa so wie dieser 2-3 Sofas. Das geben die Leute, (uns eingeschlossen), schon mal aus.

  3. Oh ja- Plastikflaschen sind wirklich ziemlich scheußlich! Auch vom Trinkerlebnis. Lange Zeit wollten wir keinen soda-wasser-sonstwiemaxx, weil wir die dafür vorgesehenen Plastikflaschen nicht mochten und wir lieber die schweren GlasflaschenKisten ins Haus schleppten. Aber ich kann nicht sagen, wann es genau geschah, vermutlich erst etwas schleichend und dann schlagartig. Und nun nur noch Plastik-Pfandflaschen…
    Noch schlimmer sind Tetrapacks, da gab es mal so Container, in die man die reinstellen hätte können.
    Seit meine Tochter Portemonnaies aus alten Tetrapacks bastelt und wir deshalb ganz gezielt welche (bestimmte Formate- ich wußte gar nicht dass es so viele Formate gibt) kaufen, stehen die hier gerade auch immer auf dem Tisch. da wäre deine verstellbare Hülle bestimmt geeignet.
    Deine Hüllen werde ich als Inspiration nehmen. Danke dafür.

    Und das muß ich dringend ergänzen: was zusätzlich richtig scheußlich ist, sind auch noch Preisschilder auf den Verpackungen ….

    LG
    Wiebke

  4. Man hat auch ohne Etikett einen Anspruch auf Rückgabe. Das wissen die wenigsten, in den Läden ist man darüber froh, weil es einen Mehraufwand bedeutet, Flaschen, die verbeult sind oder kein oder ein zerrissenes Etikett haben, zu entsorgen. Man muss etwas hartnäckig sein, dann klappt es.

    Gruß I.

    • Vielen Dank für die Info, wer hätte das gedacht! Leider gehört Hartnäckigkeit gegenüber unfreundlichem Verkaufspersonal gar nicht zu meinen Stärken.

  5. Ich bin auch immer wieder baff, wenn ich deine Malkuenste sehe. Die Buegel/Mangelfalten im Tischtuch….sehr beeindruckend. Bei meinen Eltern gibt’s auch gemangelte Tuschtuecher und weder Verpackungen auf dem Tisch (ausser Marmeladenglaesern) noch Toepfe. Bei mir gibt’s keine Tischdecke, sondern Platzgedecke. Wasserflaschen haben wir nicht, weil das Wasser gefiltert aus dem Kuehlschrank kommt (der einzige Luxus in unser bescheidenen Kueche). Vor ein paar Jahren habe ich unsere Toepfe in Gusseiserne umgetauscht und die Creuset Toepfe stehen immer auf dem Tisch. Da bleibt das Essen naemlich schoen warm drin. Deine Wasserflasche sehen sehr schick aus und das Tablet finde ich sowieso toll. Aber wer schmeisst den ein Regalbrett in den Wald?

  6. Le Creuset darf bei uns auch auf den Tisch. Im Wald hier liegt eine Menge rum. Das Brett hat noch so ein richtiges Vorkriegs-Grau-Blau, so waren auch die Dielenböden in den meisten Häusern hier gestrichen. Deswegen hatte ich es hauptsächlich mitgenommen: Historische Grautöne hinzubekommen ist wirklich sehr schwer.

    • Unsere „porch“ ist auch in so einem graublau gestrichen. Es stimmt, die Farbe ist wirklich schwer hinzubekommen, deshalb ist unser Porchboden auch nicht wirklich attraktiv.

  7. Bei uns stehen zwar auch mal Töpfe oder Verpackungen auf dem Tisch (Frischkäse z.B. fülle ich nicht um…), aber Wasser kommt in eigens dafür angeschaffte Wasserflaschen. Schöne natürlich.

  8. Hey, hey,
    habe, – wie sollte es auch sein -, wieder mal per Zufall hier auf die Flaschenseite gefunden, während ich auf Zierbändel-Suche war!
    Diese Idee finde ich super!
    Denn bei uns steht auch immer eine Mineralflasche auf dem Tisch, was ich eben auch nicht sehr dekorativ finde!
    Nun kann ich hier ja was verändern! Danke schön, für Deine Idee! ;)
    P.S.
    Etwas ähnliches könnte man auch bei Zeitschriften/Heften machen.
    Denn da ist auch nicht immer was Erbauliches drauf!
    Eine Art Titelblatt-Hülle, wo man dann die Zeitschriften reinlegen kann!
    Bye, bye, vielleicht auf ein andermal!?

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