Stoffdimensionen im April: Zwei Rillenkissen

Dieses Mal habe ich gefaltet – und zwar wieder direkt in das Nähmaschinen- füsschen hinein. Sinn der Sache ist es, bei einem gestreiften Stoff  gleichfarbige Streifen zusammen zu bringen, so dass die andere Farbe nur noch hervorblitzt. Bei Tinistaschen ging es schon beim letzten Mal darum, durch Festnähen von Streifen Muster zu erzeugen, und Lucy erkannte in den Kommentaren auch gleich, dass man das Prinzip gut bei gestreiften Stoffen anwenden kann.

Bei mir habe ich ausrangierte gestreifte Ikea-Bettwäsche benutzt, die schon ziemlich verwaschen war. Durch die Faltungen fällt die ausgewaschene Farbe gar nicht mehr auf. Bei dem Quadrat unten rechts habe ich die Falten scharf aufgebügelt. Solche Quadrate könnte man auch gut in Quilts einarbeiten.

Außerdem könnte man das Prinzip  toll bei Kleidung anwenden, z.B. für einen Rock oder für Ärmel.

Oft genutzt wurde dieser Effekt bei 50er-Jahre Kleidung.

Quelle

Ein bisschen erinnert das Muster ja auch an die Mode früherer Epochen – wobei dort die weiße Unterkleidung oder ein helleres Futter durch geschlitzte Ärmel und Beinkleider hervorblitzte.

(Quelle)

Bei mir sind aus den Versuchen am Ende eine Nackenrolle und ein Kissen geworden.

Die Nackenrolle erinnert mich etwas an eine Seegurke.

Die Rückseite des nicht durchgefärbten Stoffes sieht auch interessant aus:

Ich freue mich sehr über die beiden Begleiter auf meinem Ruhebett. Einziger Nachteil: Man bekommt beim Nickerchen schöne Rillen auf die Wangen.

„Wie eine Mutter strich sie mit der Hand über die Kissen, daß auch kein Fältchen den Schlummer des kleinen Geschöpfchens stören sollte.“

las ich gerade bei „Trotzkopfs Brautzeit“ im Projekt Gutenberg. Starker Tobak aus dem Jahre 1892  zum Thema Rolle der Frau in der Ehe. Ich habe es gern in einem Zuge durchgelesen. Die Trotzkopf-Reihe war in meinem Elternhaus – ebenso wie Barbies – wegen ihres bedenklichen Frauenbildes verboten.

Da fragt man sich ja, was man heute so alles unsinnigerweise in den Giftschrank verbannt? Ich bin gerade dabei, einen (selbstersparten) Ipod zu erlauben. Vielleicht sage ich ja trotz aller Gefahren bald mit Steffie: „Nee, stör se ma nich, is mir ganz lieb“.

Nun komme ich vom Thema ab. Ich mache jetzt mal eine Runde und schaue, wer heute schon  etwas zum Thema Stoffmanipulation gezeigt hat.

Bei Griselda findet ihr geniale Dirndlrüschen. Da möchte man gleich loslegen und alles probieren!

Tinistaschen  hat appliziert und dann mit der Maschine frei gestickt, „wild genäht“, auch sehr ansteckend.

Lucy’s  Beitrag ist vielleicht ebenfalls ansteckend, sie zeigt Medizinisches – wobei ich eigentlich gleich Vulkangestein auf ihrer dritten Tasche gesehen habe.

Perfekt ausgeführte Reverseapplikation seht ihr bei Siebensachen.   Wie man sieht  zahlt es sich aus, ein Thema zu variieren.

Enim Sou hat einen wundervollen Landschafts-Tellerrock in Shibori-Technik gemacht. Hier und hier zeigt sie, wie das geht.

Karen treibt es mit den Falten weiter in die dritte Dimension. Sie rafft Gebirge und Wolken zu ihrem dritten Täschchen

Annekata zeigt uns gleich eine ganze Reihe von Proben mit Stoff und Garn in Naturtönen – das geht sogar hin bis zu einem geschnitzten Stoffring, unglaublich.

Augusthimmel macht Upccycling und verziert ein Kissen mit gedrehten Filzkreisen  – das gibt einen sehr schönen Effekt. Hier zeigt sie genau, wie das geht.

(Liste wird ergänzt, meldet euch, wenn ihr euch heute abend oder später hier nicht findet)

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In vier Wochen, am Pfingstsonntag,  27. Mai 2012 wäre der nächste Schautag. Das ist vielleicht nicht so günstig? Wir könnten auch auf Dienstag, den 29. Mai verschieben, wenn es besser passt.

18 Gedanken zu “Stoffdimensionen im April: Zwei Rillenkissen

  1. Mich hat jetzt erstmal die Trotzkopf-Nebenhandlung in den Bann gezogen – „Wendepunkt ist ein Vorfall in der Handarbeitsstunde“, sagt Wikipedia – das hört sich doch wie ein Must-read an. Und wer nicht brav ist, muss Lehrerin werden…
    Deine Seegurke gefällt mir aber sehr – gerade das locker an der Nähmaschine Gefältelte. Ich sehe da tatsächlich gleich einen blau-weißen Rock vor mir – ich glaube so exakt wie bei dem Kleid wäre mir zu adrett. Das hat dann was von gestärkten und gebügelten 50er Jahren, wobei wir wieder bei dem gebügelten Frauenbild wären. Da müsste man schon aus Prinzip für Rillen auf den Wangen sein.

    (Die Patchworkdecke, die man auf der Sofalehne sieht, hast du noch nicht gezeigt, oder?)

    viele Grüße! Lucy
    (der 29. ist mir ebenso recht wie der 27. 5.)

    • Nein, den „Puppenquilt“ habe ich noch nicht gezeigt, mir fehlt der rechte Aufhänger.
      In Büchern finde ich seit einiger Zeit ständig Zeilen zu Handarbeiten (selektive Wahrnehmung). Das könnte einen eigenen Blog ergeben, wenn man sich mal darum kümmerte.

      • Dazu ist mir nach dem Besuch der DIY-Ausstellung gerade was eingefallen – für das Bild weiblicher Handarbeit sollte man tatsächlich Belege sammeln, ich kann mir vorstellen, dass das sehr interessant wird. Muss ich nochmal drüber nachdenken (noch ein Blog aufmachen möchte ich eher nicht).

        viele Grüße!

  2. Ich durfte früher „Der Trotzkopf“ gucken, erinnere mich aber nur vage. Ich glaub, ich fand die Kleider immer so schön… .

    Deine Manipulation sieht klasse aus, vor allen Dingen mag ich das aufgebügelte Stoffstück, und die Beispiele an fertiger Kleidung sind auch sehr interessant (- obwohl Längsstreifen nicht gerade mein Lieblingsmuster sind).

    Darf ich mich vielleicht auch einreihen? Ich habe mich zum ersten Mal an Shibori versucht und enen Tellerrock gefärbt. (http://enimenim.wordpress.com/2012/04/26/kcw-challenge-day-four-the-full-circle-landscape-skirt/)
    Teil 1 der Vorbereitung: https://enimenim.wordpress.com/2012/04/24/kcw-challenge-day-one-preparation/
    Teil 2: https://enimenim.wordpress.com/2012/04/25/kcw-challenge-day-two-excitement-7/

    Ich bin schon auf den nächsten Monat gespannt.

    Enim Sou.

  3. Was fuer ein interessanter Post! Deine Kissen sind beide fantastisch. Das Quiltquadrat gefaellt mir uebrigens auch sehr gut. Das waere eine tolle Idee fuer eine Decke mit gestreiften Stoffen in unterschiedlichen Farben.
    Zum Trotzkopf: Ich weiss gar nicht mehr, ob ich die Buecher gelesen habe, kann mich aber gut an „Nesthaekchen“ von Else Ury erinnern. Das stand bei meinen Nachbarn im Buecherregal und ich durfte es mir ausleihen. Ach, wie habe das damals geliebt! Vor ein paar Jahren habe ich eine tolle Edition auf dem Flohmarkt gekauft und es war erschreckend, an wieviel ich mich noch erinnerte.
    Mir sind uebrigens beide Daten fuer Mai recht. Ich werd naechstes Mal bestimmt frueher anfangen…Ganz bestimmt. Einen schoenen Sonntag noch!

  4. Das ist toll geworden-
    und zeigt ganz eindrucksvoll, wie Anregungen ganz pragmatisch umgesetzt werden können. Aber da bist du ja eh Meiserin, wenn ich da an deine Blütenbroschen denke!
    Auch dass du einen abgeliebten Stoff genommen hast finde ich sehr sympathisch.

    (Meine Mutter hat sich übrigens an noch an meinem letzten Geburtstag Gedanken um die Falten in meinem Gesicht gemacht-und mir einen der teuren Cremetiegel geschenkt, den ich immer bei Besuchen bei ihr benutze….)

    ( Und guck mal das Plakat der Fashioning Fashion-Ausstellung an, deine Kissen haben einen ähnlichen Grundgedanken!)

    • Wow, gut beobachtet Griselda, das hatte ich gar nicht gesehen. Ich wuesste mal gerne, ob das eine von Suschna ’s Inpirationen war. Erstaunlich dann direkt die passende Bettwaesche im Schrank zu haben….

      • Die Litfasssäule zur Nackenrolle ist Zufall – mir ist es aber auch gleich aufgefallen, also ich die beiden Blogeinträge zusammen sah. Ich habe hier Unmengen an Streifenstoffen, die mag ich wohl schon immer (daher auch die Bettwäsche). Ist vielleicht das Norddeutsche (Markisen, Strandkörbe, Flaggen, Schiffe etc.)

  5. Ein schöner Post, so rundum wieder. Es ist doch erstaunlich wie die selbe Technik durch den Einsatz dieses Stoffes ein so ganz andere Oprik bekommt. Opulenz auf dem Berliner Diwan. Ich glaube allein mit Streifen könnte man auch eine Textilaktion machen.Hilfe, unsere Versuche und Experimente geben uns Stoff für die nächsten 50 Jahre.
    Ich muß mich schon jetzt schwer beherrschen nicht aus meinem Regeln auszubrechen.
    Disziplinierte Grüße, Karen

  6. Die Kissen und überhaupt die Idee sind toll! Das sieht sehr schön aus. Vor kurzem ist mir schon mal ein Beispiel über den Weg spaziert, gemusterten Stoff raffiniert zu einem anderen Muster zu fälteln. Ach nein, was sich da wieder für Möglichkeiten auftun!
    Die Falten im Gesicht macht das schöne Design auf alle Fälle wett ;)
    Schön finde ich bei diesen Stoffmanipulationen dass es so oft was wird, was sich auch schön anfühlt. Das hat doch jetzt gar nichts mehr mit flachem Stoff zu tun, herrlich.

    Haha, über den Praktikanten habe ich auch gelacht. Pfui, wer pult den auch das Weiche aus den Brötchen! (außer meiner Tochter)

    Also wenn das Leben etwas an Tempo verliert hier, dann reich ich vielleicht noch was nach. Eigentlich wollte ich was Sticken, aber ich komm einfach nicht dazu :(

  7. In einer älteren Burda gab es einmal ein Modell, ich glaube eine Bluse, bei der, ähnlich wie bei deinen Kissen, mit den Streifen „gespielt“ wurde. Wenn es dich interessiert, suche ich die Heftnummer.
    Termin: Für mich wäre auch der Pfingstsonntag Ok; ,man kann ja auch früher posten, wenn man am Tag X nicht da ist.
    LG
    Siebensachen

    • Vielen Dank für das Angebot, aber mach dir keine Mühe. Ich glaube, ich springe jetzt schon wieder zu einem anderen projekt.

  8. Pingback: Stoffspielerei im Januar: Lampensmok « Suschna

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