Reisemitbringsel I

Blogmäßig bin ich in der Zwischenzeit etwas aus der Kurve geflogen.  Wie soll ich wieder in die Spur kommen?  Häkelbeutel und Malblock waren mit im Nordseesand, an Uckermärkischen Seen und in den Pyrenäen und wurden nicht ein einziges Mal geöffnet. Es gibt also nichts Selbstgemachtes zu zeigen.

Dafür haben wir uns Sachen mitgebracht. Dieser Wildschweinkopf hing im Haus meiner Schwiegereltern in Südfrankreich. Das Haus wird nun aufgelöst, niemand wollte den Kopf haben, da erbarmte ich mich. Die Männer meiner Schwiegerfamilie waren und sind passionierte Chasseurs und Pecheurs (Jäger und Angler), wie es sich für die Männer in der französischen Provinz gehört. Das Wildschwein hat mein Schwager vor langer Zeit  geschossen, er (der Schwager) war damals gerade 16 Jahre alt.  Für ein kleines Vermögen ließ sein Vater es ausstopfen. Nun wird es in einem Berliner Häuschen hängen, während draußen seine Artgenossen aus dem Grunewald quicklebendig vorbeiziehen und bei Gelegenheit die Gärten umflügen.

Da meine französische Verwandten nicht nur Chasseurs und Pecheurs sind, sondern auch carnivore (fleischliebend), sind wir mit einer Wagenladung feinster Schlachtprodukte zurückgekommen. Leider haben mehrere Kilo Boudin (Blutwurst) die Fahrt durch die Hitze nicht  überstanden. Dieser Schinken aber ist heil durchgekommen und wird uns nun einige Monate versorgen.

Die Generation der Selbstversorger in Frankreich stirbt zwar langsam aus, aber hin und wieder gibt es noch Großeltern, Pépé oder Mémé, mit eigenem Gemüseanbau und Hühnern.

Hier ist jedes einzelne Ei handschriftlich mit einer Nummer (Legetag) versehen und für uns in Zeitungspapier verpackt worden.

Diese sehr wohlschmeckenden Tomaten wurden zwar als „bio“ angepriesen, die türkisblauen Flecken weisen aber darauf hin, dass sie ordentlich mit   Kupfersulfat geduscht wurden. Ja, das sehen angetraute ökobewusste Deutsche gar nicht gern, wenn Pépé mit seiner Spritzpistole durch den Gemüsegarten zieht. 

Bei uns in Berlin duftet das Haus nun nicht nur nach Tomaten,  Schinken und Würsten, sondern auch nach Pilzen: Die sind aber schon aus dem Berliner Umland, in diesem Fall dem Fläming. Die Pilzsuche ist ja nur eine Unterform des Jagens. Man muss ganz still sein und gute Augen haben.

Die Holzboxen neben den Pilzen sind auch ein Mitbringsel und enthalten Angelbedarf, aber das wird dann mal ein Extra-Post, wenn ich mich wieder warmgeschrieben habe.

Merci pour votre attention!

 

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20 Kommentare

  1. Danke – ob des Wildschweinkopfes auf der Couch musste ich gerade herzlich lachen (das Wildschwein selbst nimmt mir das bestimmt nicht mehr übel). Vielleicht kannst du ja in Zukunft immer heimlich so ein Stück Rüssel ins Bild ragen lassen.
    Schade, diese Selbstversorgertradition stirbt ja wirklich überall aus. Mein Onkel hat(te) noch einen Bauernhof, aber schon mein Cousin macht nur noch einen Bruchteil davon, abends nach der Fabrik, sozusagen. Tja, leider stirbt damit auch leider langsam die Erinnerung daran, wie selbstgemachter Speck und Kesselfleisch schmecken.
    Wozu spritzt man Kupfersulfat? Das schüttelt’s mich schon ein bisschen.
    Und falls es Dich beruhigt, anderen erging es bezüglich der Handarbeiten im Urlaub ganz ähnlich.
    Liebe Grüße,
    frifris

    • Kupfersulfat soll gegen Pilze helfen. Alle versichern mir, man wäscht es einfach ab, dann ist es weg.
      (Jetzt habe ich gerade mal bei Wiki nachgeguckt: Kupfersulfat wird bei uns sogar auch in der Ökolandwirtschaft eingesetzt! Soviel für deutsche besserwisserische Vorurteile, pardon nach Frankreich.)

  2. Ich dachte beim ersten Blick auf das erste Foto es wäre ein Hund und dann sehr schnell an ein lebendiges Schweinderl… Lustig!

    Willkommen zurück in Herbstland ;-)

    glg
    claudia

  3. Ich dachte auch erst, es waere ein Hund! Nach dem Ausstopfen meiner Kleiderpuppe bin ich erstmal „done“ mit allem Ausgestopftem. Frage mich gerade, wie du das alles nach Deutschland transportiert hast. Fragile einzeln verpackte Eier etc. Im Auto von Suedfrankreich nach Berlin? Haette sonst bestimmt fuer netten Gespraechstoff beim Personal der Fluglinie gesorgt…
    Viel Spass beim „Warmschreiben“!
    lg von Kathrin

    • Autoreisezug! Eine Karawane aus kinderreichen Familien, Motorradfahrern und älteren Hunde/Katzen/Hamsterbesitzern zieht gemächlich durch Europa. Machen wir jedes Jahr.

  4. Diese Mitbringsel sind doch wunderbar. Und ich hoffe Dein Mann angelt mit dem neuen Anglerbedarf wieder einen Lachs. Häng doch den Wildschwein Kopf draußen am Haus auf, dann wissen die anderen Schweine (und Falschparker) was mit Ihnen passiert wenn sie es mit Euch verscherzen.

  5. hallo, endlich gibts hier wieder Neuigkeiten! Und das wohlwollend wirkende wahre wilde Schweinderl könnte uns wirklich inspirieren zu neuen Taten und dazu wird der kleine Schinken so manch hungrige Nähtruppe satt machen. Alles prima… bis bald
    Carmen

  6. Ein erfrischender Wiederdaheimpost, herrlich. Der Schweinekopf ist schon hammerhart, aber eben ein richtiges Familienstück. Unsere Jüngste gruselt sich in jedem Schloß, sobald sie Jagdtrophäen ansichtig wird. Aber Stadtkinder sind sowieso weit weg von allem Bodenständigen, was unsere Ernährung betrifft.
    Die Angelkästen werden mit Sicherheit anderen Zwecken zugeführt, oder? Ich habe so ein Ahnung….

    A bientôt ! Karen

  7. ….bei den hier herrschenden angenehmen Temperaturen kommt mein Mitteilungsbedürfnis scheinbar wieder in Schwung, deshalb..gehts weiter zum heiklen Thema: Boudin.
    Wir Saarländer kennen den gut und entgegen der weitverbreiteten Ansicht wir seien eigentlich irgendsowas wie Franzosen (sind wir garnicht) und so heißt diese Wurst bei uns nämlich ganz anders und zwar: Buddenng. Ich habe es gerne gegessen mit viel Zwiebel in der Pfanne und dazu Bratkartoffeln, mmhh.
    Dagegen stimmt das Gerücht: ich hätte nach meinen ersten Einsätzen im medizinischen Bereich im OP danach in der Mittagspause „Wecks mit Buddeng gegessen, überhaupt nicht und ich verweise es strikt in den Kolportagebereich. Irgendwann ist ja mal Schluss. Deine saarländische Ureinwohnerin Carmen.

  8. Besonders das erste Foto ist super. Ich allerdings erschrecke mich vor ausgestopften Tierköpfen und würde daher, wenn ich denn einen Kopf in meine Wohnung hänge, einen Platz bevorzugen an dem ich nachts möglichst nicht vorbeikomme. Wahrscheinlich ist meine Angst lektürebedingt: Steven King und Roald Dahl…..
    Kupfersulfat wird in der Tat im Biolandbau genutzt, soweit ich weiß ist es für Menschen nicht problematisch, das Zeug reichert sich aber im Boden an und verseucht diesen sozusagen. Auch gruselig!

  9. Auch ich freue mich sehr, dass Du wieder da bist!
    Vielen Dank für Deinen netten Kommentar, der mich heute früh erfreut hat… das ist ein toller Einstieg in einen samstäglichen Arbeitstag!
    Viele Grüße, Sabine

  10. oh das kenn ich, das aus-der-Kurve-fliegen….
    ein freundlich grinsendes Wildschwein und Kisten auf denen „fürchterlich“ steht, das sind doch mal feine Mitbringsel.
    Ich freu mich auf weitere feine Geschichten!

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