Vom Wollfriedhof

Zwei Retro-Häkelmuster gefällig?

Die Teile stammen von meinem Häkel- und Strickfriedhof.

Aber der Reihe nach.

Das einarmige Babyjäckchen entstand vor zehn Jahren im Rahmen des Nestbautriebs. Wurde nie fertig, wäre auch viel zu eng gewesen.

Das weiße Jacken-Vorderteil beruht ungefähr auf diesem Muster:

Ich hatte in meinem Fundus vier weiße Wollknäuel und dachte, das wird wohl reichen für ein kleines Jäckchen. Nachdem ich aber für ein Vorderteil schon ein ganzes Knäuel verbraucht hatte, wurde aus der Sache nichts mehr.  (An einer Weste bin ich nicht interessiert).

Dies ist übrigens die Wolle, vom VEB alwo. Was bedeutet wohl 51 Wo/49 VI-F 125 tex x3 als Materialangabe? Vielleicht ja eine  Mischung aus Leuna/Buna/Bitterfeld? Eigentlich fühlt sich die Wolle ganz gut an.

Die korallenrote Scheibe auf dem Foto ganz oben sollte eine Mütze werden, nach diesem Muster:

Auch hier reichte das Material nicht und musste aus dem Fundus ergänzt werden. Viele viele Fernsehabende stecken in dem Mützenversuch.  Die erste Anprobe erfolgte in Gegenwart meiner Schwester, zum Glück. Die Mütze sah unmöglich aus. Jede Handarbeitsfreundin hätte natürlich sogleich gerufen: „Ach, so schlecht ist es doch gar nicht! Setz doch mal schief auf! Vielleicht noch ein Schleifchen dran? Oder einen Bommel? Oder mal bügeln?“

Norddeutsche aber können nicht schmeicheln, und deshalb hörte ich nur:

„Vielleicht kannst du ja noch einen Korb draus machen.“

Da ist er, und enthält gleich ein weiteres Rudiment. Die Idee für die rot-weiße Strickerei stammt von dem alten Handarbeitsheft, dem auch die Häkelmuster entnommen sind

und von diesem wunderbaren Schal von needled.

Also, da dauern leider 10 Zentimeter Stricken 10 Stunden. Zu therapeutischen Zwecken (Erkältung mit Bettlägerigkeit)  war das Stricken an dem Stück ganz gut, aber nun geht es schon besser und es bleibt wohl bei dem Probestück.  (Meine Stimme ist aber noch weg – wie das die Familiendynamik ändert, wenn die Mutter mal die Klappe hält!)

Wieso ist Stricken eigentlich beruhigender als Häkeln? Ist mir nicht so ganz klar. Vielleicht, weil man in einem engeren „Korsett“ agiert? Nicht jede Masche neu entscheiden kann? Oder ist es das Klackern der Stricknadeln?

Im Wollfriedhof fand ich auch noch einen Häkelkragen aus Mohair.

Der Zeitaufwand für das Stäbchenhäkeln war gefühlt 5 Minuten.

Ganz niedlich, aber für niedlich bin ich zu alt. (Gnädiger Hut). Statt Audrey Hepburn eher Barbara Cartland.

C’est la vie.

Soweit diese Reste-Show, die ja vielleicht doch noch für jemanden hilfreich ist.

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9 Gedanken zu “Vom Wollfriedhof

  1. Wenn bei mir so etwas zum Erliegen kommt, dann wird es nach gut abgehangenen Jahren aufgeribbelt. Zur Zeit gibt es nur Knäulchen. Angefangenes bei Stoffen, ist schwieriger aufzuribbeln…
    Der Schal wird so schön, nicht aufgeben, kann doch langsam wachsen!
    Die Strickzeitschrift sieht ja sehr spannend aus.

    zu Deiner Frage:
    das Erste war die Materialbezeichnung, also 50 % Wolle 49 % Viskose (das F sollte dann das fehlenede 1 % sein, aber da habe ich auch in meinen Büchern nichts gefunden) das Zweite ist der Grad/Feinheit der Verzwirnung des Garnes. So etwas wird heute nicht mehr angegeben.
    Die Garnqualität ist nicht die schlechteste, nix mit Buna, sieht man auch am Preis.Das war viel Geld für so ein Knäul. Vielleicht steht das F für die Anti-Mottenausrüstung?

    Niedlich sehe ich eher als klassisch und das geht immer!

    Wollige Grüße von Karen

  2. Hehe, das kommt mir äußerst bekannt vor. Allerdings ist bei mir aus der Wolle selten überhaupt schon was geworden sondern vegetiert noch als Knäuel, im guten Falle noch mit Banderole. ;)
    Vielleicht sollten wir alle so ein bisschen Stricken-Striptease machen, das ist bestimmt irgendwie kathartisch (hm, gibt es das Wort?).
    Irgendwie sind es ja auch Erinnerungsstücke (Babyjäckchen!). Den Kragen könntest du ja deiner Tochter vermachen, falls du das noch nicht versucht hast. Mir gefällt er übrigens gut an dir, kann das aber gut nachvollziehen mit dem Alter, ich kann sowas auch nicht mehr tragen ohne mich irgendwie albern zu fühlen.

    Das F heißt einfach Faser (glaube ich), also 51%Woll- 49 %Viskose Faser. Das andere ist ja schon geklärt.
    Das rot-weiße finde ich toll. Dieses Muster gab es auf der Strickmaschine meiner Mutter… vielleicht solltest du mal jemand mit Strickmaschine besuchen, um dir die Arbeit zu erleichtern. Oder ist das geschummelt?

  3. Ha, ich musste auch laut lachen bei dem Anblick der „Leichen“ – ziemlich pietätlos, oder? – Ich hatte auch gerade so eine Tüte in der Hand, war aber nur eine Leiche. Ein Bündchen und ca. 4 cm gestrickt, sollte vor Jahren ein Pullover für ein Kind werden. Wird nie fertig, zu wenig Wolle, Farbe natürlich nun völlig indiskutable! Ist die rote und weiße Wolle die neu gekaufte? Hättest du mir mehr von dem Muster erzählt hätte ich dich abgehalten – vielleicht nicht so sachlich wie dich deine Schwester abhielt die Tellermütze zu tragen ;) So wirklich entspannend finde ich Stricken auch nicht – ich muss immer auf meine Hände schauen, kann dabei also auch nicht TV sehen… Ich werde es trotzdem versuchen!

  4. Ja, irgendwie brutal, wenn die verstümmelten Strick- und Häkelteile so ans Licht gezerrt werden… Bin aber auch wie Karen der Meinung, dass du den rot-weißen Schal weitermachen solltest, und wennn es langsam geht – na und? Irgendwann ist er fertig. (Btw. sieht es mir bei needled so aus, als wäre der Schal dort im Doppelstrick gemacht – deswegen das Positiv-negativ-Muster. Da strickt man in 10 Stunden sogar nur 5cm).
    Für mich ist das Entspannende am Stricken tatsächlich das hirnlos-wiederholende. Häkeln ist eher was für höchste Aufmerksamkeit, weil ich immer genau überlegen muss, wo ich mit der nächsten Masche einstechen muss, schrecklich. Stricken „fließt“ sozusagen.

  5. Herrliches Post, dass ich mir in einigen Wochen nocheinmal in Ruhe anschauen werde.
    Ich habe übrigens auch gerade einiges liegen, was ich gerne in der Bloggemeinschaft diskutieren würde.
    Wollfriedhof – nun nicht ganz, es lebt ja noch, seit schlappen 30 Jahren und mindestens 3 Anläufen.

    Ich BIN Norddeutsche. Vielleicht schmeichel ich meiner Wolle zu sehr ;-)
    Herzliche Grüße
    Tally

  6. sehr schön und fröhlich geschriebener post :)
    ich habe mir überlegt aus all meinen wollresten später mal eine wunderschöne, bunte patchworkdecke mit squares zu häkeln. auf die steh ich total.

    ich bin übrigens auch norddeutsche und das mit dem schmeicheln ist echt nicht so einfach^^

    ganz liebe grüße
    nana

  7. Der Korb ist super !!!!

    Der Schal wird es bestimmt zum nächsten Winter schaffen, dann ist er keine Leiche mehr, sondern killt das Schlechtwettergrau oder lässt den Schnee noch mehr strahlen.

    Hab auch im Zuge des Frühjahrsjäckchen-knit-along gerade ein ein Bündchen mit dem Umfang 130 cm statt 95 cm trotz Maschenprobe und auszählen produziert.
    Vielleicht wird ein Pulswärmer draus oder es bleibt liegen.

    Mal schauen,
    liebe Grüsse
    Hala

  8. Am Ende war diese Restshow nun für mich sehr lehrreich:
    – die weiße Wolle ist also wirklich eine ganz gute Qualtiät. Vielleicht ribbel ich das Stück und stricke lieber, das braucht ja viel weniger Garn
    – von Doppelstricken wusste ich nichts, habe mich aber nun kundig gemacht und hätte Lust, es mal zu probieren
    – den rot-weißen Schal (rundgstrickt) mache ich weiter, nur sieht es keinesfalls so schön wie bei needled aus. Da lass ich vielleicht noch einmal eine Spezialistin drauf schauen. Und ja Floh, das ist die Wolle aus dem vollgestopften Laden.
    – das Kind wird den Kragen unter keinen Umständen haben wollen (seit jeher Jeans/T-Shirt Trägerin), aber mein Vater, der hier auch mitliest, wünscht ihn sich ausdrücklich an mir
    – Maschenproben helfen auch bei anderen gar gar nichts
    – Beruhigungsstricken behalte ich bei, daher ist Strickmaschine indiskutabel

    Danke für die „Rückfütterung“ (Feedback)!

  9. Pingback: Aus dem Bestand: Häkelpullover und Mütze | Suschna

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