Fundusnutzung III – Rotbusch, mit Ach und Krach

Angespornt von Cat habe ich mir inzwischen auch zwei Colette-Schnitte aus Oregon bestellt.  Zuerst habe ich nun Rooibos ausprobiert. Ich glaube, es ist das erste Mal in meinem Leben, dass ich mir ein Schnittmuster selbst gekauft habe. In den 80iger Jahren habe ich viel selbst genäht, alles nach den Vogue-Schnitten meiner Mutter.  So habe ich auch Nähen gelernt. In den Vogue-Schnitten wurde jeder Arbeitsschritt genau beschrieben und mit klaren Zeichnungen illustriert.  Jede Größe hat ihre eigenen Schnittteile. Mit anderen Worten:  Ich bin Vogue-verwöhnt.

Vielleicht bin ich deshalb von dem Nähprozess (und dem Kleid)  nicht restlos begeistert. Den Schnitt würde ich erfahrenen Näherinnen empfehlen, die sich Arbeitsschritte auch selbst denken können.  Andererseits sind die Angaben im Schnitt natürlich besser zu verstehen als irgendein Burda-Kauderwelsch. Ich kann nur sagen, dass ich mich mehrere Nächte mit dem Kleid beschäftigt habe, zwischendurch ziemlich wütend wurde (war alles meine Schuld) und dass ich im Moment etwas die Nase voll habe vom Selbernähen. Der Aufwand rechtfertig mal wieder nicht das Ergebnis.  Jedenfalls finde ich es förderungswürdig, dass Colette-Patterns es sich zur Aufgabe gemacht hat, Schnitte für „echte“ Frauen zu entwerfen.  Hier kann man ein Interview mit der Designerin lesen. 

Und hier die Einzelheiten für alle, die sich Rooibos vielleicht auch nähen wollen:

  • Schnitt: Colette Patterns Rooibos
  • Stoff: Taubenblaue Wollmischung aus dem Fundus, so eine Art Anzugstoff, den ich vorher bei 40 Grad in der Waschmaschine gewaschen habe.
  • Größe: Zuerst zugeschnitten als Size 12, was sich nach einem ersten Zusammennähen als viel zu groß erwies. Size 12 dürfte eine 44+ sein. Danach ging das Rettungs-Gemurkse los, weshalb mein Endergebnis dem Schnitt nicht wirklich entspricht.  Wahrscheinlich wäre eine Größe 8 – 10 richtig gewesen.  Den Größenangaben auf dem Schnitt hatte ich aber nicht getraut.  Böse Zungen nennen die Angaben einen Fall von „Vanity Sizing“, zu deutsch ungefähr: Schmeichelgrößen. Dabei will die Designerin sich nur den wahren Größen der Frauen anpassen. Größe 8 soll einer durchschnittlichen Frau passen (siehe Interview oben). Daher: Messt genau und nehmt eher die kleinere Größe!
  • Auf dem Schnittteil B muss es statt „Shell fabric“ „Contrast fabric“ heißen.
  • Gemurkse: Das Oberteil habe ich letztendlich mit dem Oberstoff voll gefüttert, nicht nur halb (Stoffkante hätte sich sonst abgezeichnet). Auf das Umklappen des Kragens und kontrastierende Paspeln habe ich verzichtet, das war mir dann zu neckisch.  (Obwohl diese Details mich eigentlich zum Kauf des Schnittes bewegt hatten!)  Auf den Reißverschluss konnte ich ebenfalls verzichten, das Kleid geht über den Kopf.  Den Rückenausschnitt habe ich ca. 5 cm höher gezogen. Das Rockteil ist viel zu breit geraten, ich hätte es gern schmaler – obwohl ich schon viel Stoff weggenommen habe. Der Saum ist mal wieder nichts.  Die Taschen hängen.  „Comme un tablier“ sagt mein unbestechlicher Kritiker hier zuhause – Sieht aus wie eine Schürze.
  • Wie eine Schürze sieht es nur dann nicht aus, wenn man es, wie von Colette vorgesehen, mit freien Armen trägt. Es ist eindeutig ein Sommerkleid. Etwas drunter ziehen geht zwar, es muss aber etwas sein, das einen noch größeren Ausschnitt hat als Rooibos. Und durch  Ärmel ist ein bisschen der Pfiff weg. Also versuche ich es vielleicht im Frühjahr noch einmal mit einem Baumwollstoff.

Puh.  Jetzt näh ich zur Erholung erst mal wieder ein paar Täschchen.

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15 Gedanken zu “Fundusnutzung III – Rotbusch, mit Ach und Krach

  1. Was man auf den Fotos sieht, gefällt mir sehr gut (du hast auch wirklich schöne Beine für so ein Kleid!). Hm, aber du bist kritisch. Vielleicht noch der Groll über den Prozeß? Was du über deinen Colette Arbeitsgang schreibst ist mir gestern abend genau so mit einem Vogue Schnitt passiert. Ich hab schon eine Größe kleiner als angegeben zugeschnitten (hatte ich vom letzten mal Vogue noch so in Erinnerung). Und letztlich musste ich heute alles noch mal in noch zwei Größen kleiner zuschneiden. Schmeichelhaft, dass ich so winzig bin. Schade um den Stoff. Ich frag mich, ob wir einfach zu doof sind, uns zu vermessen? Wozu sollte man selbst nähen, wenn auch hier Schmeichelgrößen stören?
    Ich geh dann jetzt wieder an die Nähmaschine, alles noch mal machen…
    Liebe Grüße!! Catherine

  2. Bin ich die personifizierte Minderheitenmeinung? Gerade wollte ich sagen, dass mir das Kleid pur ein bißchen zu „kittelig“ vorkommt, mit Unterziehteil aber elegant-retro, ohne bieder und zu geschäftsmäßig zu sein, da lese ich hier genau das Gegenteil. Lass es erst einmal sacken, wenn die Mühen des Nähens verblasst sind, gefällt es dir vielleicht besser (geht mir oft so: zu viel Herumgemurkse überträgt sich auf das Teil, da bräuchte man einen Exorzismus…) Hochgeklappt finde ich den Kragen ja auch witzig (und das ist ganz und gar kein Trümmerfrauenlook, wie am Sonntag noch befürchtet).

  3. Ja, stimmt, der Groll über den Prozess hat sich auf das Teil übertragen. Exorzismus vielleicht in Form von „Mal ein paar Nächte drüber schlafen“. Und noch ein bisschen herumprobieren mit den Kombinationsmöglichkeiten. Fotos im Trümmerfrauenkittellook gibt es auch zu dem Kleid, aber damit wollte ich nicht meinen Blog verunstalten. Das ist ja immer so eine Frage, ob man die genähten Sachen „posiert“ zeigt oder auch mal unvorteilhaft. Ich bringe letzteres nur schwer über mich, obwohl ich es ja auch schon versucht habe.

  4. Ich bin très choquée. Ebenfalls durch Catherine angestiftet habe ich mir selbigen Schnitt gekauft (mit Abstand der kostspieligste meiner Nähkarriere). Aber dann werde ich das Vanity sizing einfach hinnehmen und jedem erzählen, dass das Kleid eine Größe 8 oder 10 ist. Was ist denn der zweite Schnitt, denn du erworben hast? Bei mir liegt noch ein Macaron, das ich eigentlich zuerst nähen wollte. Aber dein Rooibos gefällt mir zu gut. Nuff.
    Liebe Grüße, Ulrike (nicht mehr ganz anonyme Leserin seit Samstag)

    • Da bin ich ja mal gespannt, wie es für dich läuft. Kann ich dein Ergebnis dann irgendwo sehen? Noch eine Änderung hatte ich vergessen: Die beiden Abnäher am Rückenteil standen wie Haifischflossen ab, die haben ich doppelt so lang nach oben gezogen. (Das Problem hatten wohl auch andere, deren Rücken nicht ganz so gebogen ist).
      Nun habe ich hier noch Chantilly, aber ich weiß ich jetzt nicht mehr ganz so genau, was ich mir dabei gedacht habe.
      Viel Glück beim Nähen! Nun tut es mir schon leid, dass ich nicht etwas positiver geschrieben habe. Ein klarer Fall von Impulsivbloggen.

  5. Du bist sehr selbstkritisch, und wie ich finde, zu kritisch in diesem Falle. Oder bin ich zu unkritisch? Egal. Schade, dass du nicht zufrieden bist, denn ich finde, dass das Kleid gut an Dir aussieht. Mir gefällt deine Ausschnittlösung. Ich muss mir mal den Originalschnitt angucken, aber ich denke, umgeklappt wäre es evtl. zu „mädchenhaft“ gewesen, Deine Form passt gut und ist interessant. Dass es schwierig war mit der Passform ist sehr ärgerlich. Aber jetzt sieht es doch sehr gut aus! Gekonnt umgeändert, musst Du Dir sagen ;)
    Ob es nun kurzärmelig besser aussieht als langärmelig, kann ich gar nicht entscheiden. Tendiere auch ein wenig zu kurzärmelig. Hast du mal versucht, etwas kontrastfarbenes darunter anzuziehen (macht ja dann vielleicht auch nichts, wenn der Ausschnitt nicht größer ist)? Dann hast du eine Mischung ;)
    Das Rockteil ist nicht zu breit (also es sieht wirklich nicht so aus) und das Oberteil sitzt gut.
    Die Taschen – hm, gut, da kann ich deine Kritik verstehen. Beim Bild mit der längeren Halskette dachte ich noch: oh, toll, Tütentaschen!! Das ist ja super! Dann hab ich Deine Kritik und die letzten Bilder gesehen und dachte, aha, die hängen einfach so. Ich denke, dass der „Schürzenlook“ (den ich zwar nicht so entdecken kann, aber ich mag selbigen sogar gerne, wie ich zugeben muss) mit den Taschen zusammenhängt. Vielleicht kannst du daran nächstes mal etwas ändern – eine andere Taschenform oder -verarbeitung. Am Saum kann ich auch nichts schlimmes entdecken. Die Nähte am Rockteil unten hinten sehen noch aus, als könnten sie etwas ausgebügelt werden, ansonsten: sieht doch super aus! Wäre schade, wenn es im Kleiderschrank verstaubt.
    Aber nach ein paar entspannten Nicht-Kleider-Nähen siehst Du das bestimmt genau so :)

    Liebe Grüße!
    frifris

  6. Ich finde auch, dass das Kleid auf den Fotos wunderschön aussieht und dir wirklich gut steht. Die Länge ist ganz optimal auf deine tollen Beine abgestimmt!!!
    Und die Zackenlösung am Ausschnitt finde ich klasse. Und der Ausschnitt hinten ist toll geschnitten und du hast ihn auf eine gute Höhe gebracht.
    Ohne oder mit Ärmel- ich finde beides gut (die Ärmellänge des Unterziehteils ist einfach auch toll!) und die blickdichte Strumpfhose dazu-super!!
    Einzig das Jäckchen darüber finde ich nicht so gelungen- das verdeckt die ganze Raffinesse des Kleides.

    Aber du hast schon (d)eine eigene Geschichte mit dem Kleid erlebt und ich kenne das auch so gut. Die ganzen Ärgernisse und die Zeit, die man drangegeben hat. Das Rumprobiere und trotzdem Dranbleiben, Frust und Groll+ Verzweiflung für Nichts.
    Laß dir auf jeden Fall bitte davon nicht die Lust am Nähen nehmen- (wie wär es jetzt mit ein paar netten Kissen???)

    Ich hoffe sehr, dass du das Kleid vielleicht nach einem Weilchen unbelastet neu entdeckst und dich dann darin wohlfühlst ohne an die Frust-Nächte erinnert zu werden.
    LG
    Wiebke

  7. Dieses ganze Rumgefrickle, auftrennen, unzufrieden sein hat bei mir letztendlich zum schleichenden Ausstieg aus dem Nähen und dem Stricken von Kleidung geführt.

    Dein Kleid gefällt mir, so wie du es zeigst, sehr gut. Anfangs dachte ich „wow“. Nun bin ich ein bekennender Taschenfan und würde genau solche sofort haben wollen. Zu breit mag der Rock sein, müsste ich (und würde ich gerne) live sehen.

    Wie Lucy mag ich ein T-Shirt drunter. Klar, ist Geschmackssache und entspricht vielleicht eher meiner Vorliebe für sportlich-weiblich.
    Wie wär’s mit einem weißen 3/4-Arm T-shirt?

    Ich wünsche dir eine freudige Betrachtung deines kostbaren Werkes, wenn du soweit bist.
    Herzlich
    Tally

  8. Liebe Suschna, ich finde das Kleid auch mit Pulli darunter an Dir sehr schön. Ich kenne aber das Unterzieh-Problem, manchmal hat man das Gefühl man hat einen Arbeitskittel an – es muss also schon das richtige Shirt sein, in einer gut passenden Farbe und passendem Material. Zum Vermessen kann ich nur sagen – ich als die nun unerfahrenste Kleidung-Näherin- wir sind nicht zu doof! Bevor ich meinen Japan Rock genäht habe wurde ich 2x!!!! von erfahrenen Näherinnen vermessen und trotzdem musste ich beim Nähen an manchen Stellen kürzen und an manchen ansetzen. Wir sind eben alle Einzigartig und nicht null8fufzehn!

  9. Den Kummer kann ich verstehen, wenn es nach dem Schnitte erstmal gar nicht so ist, wie gewollt, größenmäßig und so. Was du daraus gemacht hast, ist enfach wirklich gut, aber wir Sehenden kennen eben den kummervollen Weg nicht. Es siehst aus wie die Abwandlung des „kleinen Schwarzen“! Ein Spur zu kritisch bist Du mit Sicherheit, aber das ist der eigenen Vorstellung geschuldet, kenne ich nur zu gut.
    Schürzig finde ich es auf den Fotos überhaupt nicht ujnd ich finde du hast so schöne Beine!!! Finde deshalb schon, dass du eine Kleider-und Rocktyp bist!
    Laß dich bitte nicht entmutigen!
    Schnittige Grüße von Karen, die gerade aus Berlin zurück ist!

  10. Ich finde das Kleid solo, mit Unterziehteil darunter und mit Weste sehr schön und es passt Dir sehr gut. Ich kenne aber das Gefühl etwas was ich mit viel Elan zu nähen und es dann doch nicht wirklich zu mögen, das kommt vor nicht traurig sein.
    Liebe Grüße
    Teresa

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